Mindestlohn und Frauenquote: Gegen alle Ratio mit Volldampf in den Sozialismus

KoalitionsvertragZwei zentrale Ziele, die der Koalitionsvertrag zwischen den beiden sozialistischen Parteien vorsieht, die sich zu einer großen Koalition zusammengefunden haben, haben die Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte und die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns zum Gegenstand. Und ist das nicht schön zu wissen, man hat es mit einer Regierung zu tun, die kein Problem damit hat, allen ökonomischen und allen menschlichen Sachverstand über Bord zu werfen und Ziele zu vereinbaren, die vorhersehbar ins Planungschaos, also den Sozialismus und das ihm regelmäßig folgende Elend führen?

Doch der Reihe nach.

Zunächst zum Mindestlohn. Mit dem Mindestlohn verbinden sich hehre Ziele. Legionen von Gutmenschen sehen im Mindestlohn ein Mittel, um den Armen, Ausgebeuteten, also jenen Anderen, von denen man nur vom Hörensagen weiß, dass sie nachts die Büros säubern, die man tagsüber bevölkert oder von denen man gehört hat, dass sie Hilfsarbeiten für geringen Lohn ausführen, ZU HELFEN. Wie gut man sich doch als Helfer fühlen kann, als moralisch Überlegener, der einen Schattenkampf gegen die ausbeutende Klasse der Bonzen führt.

Soweit die Intention, nun zur Wirkung.

Ein Mindeslohn trägt zu einem rigiden Arbeitsmarkt bei, und rigide Arbeitsmärkte, das ist unter Ökonomen schon seit mittlerweile Jahrhunderten bekannt und eigentlich so hinreichend belegt, dass es selbst Politiker schon einmal gehört haben könnten, rigide Arbeitsmärkte produzieren hohe Langzeitarbeitslosigkeit und hohe Einstiegshürden in Jobs für weniger bis schlecht qualifizierte Arbeitnehmer, also für diejenigen, auf die ein Mindeslohn zielt. Mit anderen Worten, rigide Arbeitsmärkte reduzieren die Chancen von Personen, die nur ein geringes Gehalt mit ihrer Qualifikation erzielen können, überhaupt eine Beschäftigung zu erhalten.

minimum-wageDas ist auch einsichtig, denn Unternehmen sind geschlossene Systeme, die auf der einen Seite Einnahmen haben und auf der anderen Seite Ausgaben. Wenn man ihnen nunmehr an einer Stelle höhere Ausgaben auferlegt, dann stellt sich das Nullsummenspiel so dar, dass, um die Einnahmen gleich zu halten, entweder die Preise erhöht werden müssen oder die höheren Ausgaben an anderer Stelle eingespart werden müssen. Höhere Preise führen dazu, dass letztlich Endabnehmer die Kosten eines Mindestlohns tragen. Einsparungen bei Ausgaben erzielt man am besten dadurch, dass man die Anzahl der nunmehr zu einem Mindestlohn Arbeitenden so reduziert, dass eine geringere Anzahl zu Mindestlöhnen Beschäftigter die Kosten verursacht, die zuvor eine größere Anzahl nicht zu Mindestlöhnen Beschäftigter verursacht hat.

Aber die Arbeit, wer soll die Arbeit der nunmehr nicht mehr Beschäftigten erledigen? Auch hierzu ist die Forschung voller Ergebnisse, die man nur zur Kenntnis nehmen muss, und die man unter den Überschriften “Technologisierung” oder “Neustrukturierung der Arbeit” zusammenfassen kann. In ersterem Fall wird ein Unternehmen versuchen, die zuvor von Beschäftigten, die unter dem Mindestlohn bezahlt wurden, verrichtete Arbeit nunmehr durch den Einsatz von Technologien durch weniger Personal ausführen zu lassen, und Personal einsparen, im zweiten Fall wird die anfallende Arbeit unter den verbliebenen Arbeitnehmern neu verteilt.

Und in jedem Fall wird sich durch die Einführung eines Mindestlohns, die Chance auf eine Beschäftigung für gering Qualifizierte verringern. All das ist lange bekannt, wird aber von Politikern hartnäckig ignoriert, denn man will als guter Helfer der Armen dastehen, und das Perfide daran ist, dass die Helfer der Armen mit ihrer Hilfe einige Arme besser stellen werden, nämlich die, die nunmehr zum Mindestlohn beschäftigt werden, während andere Arme, die Zeche der politischen Hilfe zahlen, und zwar dadurch, dass sie arbeitslos werden und für die Zukunft auf erheblich schlechtere Beschäftigungschancen blicken. Es lebe die Gleichheit!

In einer Pressemeldung des Instituts der deutschen Wirtschaft, auf die uns ein Leser hingewiesen hat, wird zudem argumentiert, dass ein Mindeslohn zu steigenden Lohnerwartungen führt. Angesichts der bekannten negativen Folgen, die ein Mindestlohn hat (siehe oben), scheint dieses Problem jedoch fast vernachlässigbar zu sein, denn Erwartungen sind nicht in Stein gemeiselt.

Wer Lust hat, sich in die Forschung zum Mindeslohn einzulesen, der kann dies mit den folgenden Arbeiten tun:

  1. Wirtschaft f DummiesAbowd, John M., Kramarz, Francis & Margolis, David N., 1999: Minimum Wages and Employment in France and the United States. Washington: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper No. 6996.
  2. Baker, Michael, Dwayne, Benjamin & Shuchita, Stanger, 1999: The Highs and Lows of the Minimum Wage Effect: A Time-Series Cross-Section Study of the Canadian Law. Journal of Labor Economics 17, 2: 318-350.
  3. Bauer, Thomas K., Kluve, Jochen, Schaffner, Sandra & Schmidt, Christoph M., 2009: Fiscal Effects of Minimum Wages: An Analysis for Germany. German Economic Review 10, 2: 224-242.
  4. Bellante, Don, 2007: The Non Sequitur in the Revival of Monopsony Theory. Quarterly Journal of Austrian Economics 10, 2: 15-24.
  5. Brown, Charles, 1999: Minimum Wages, Employment and the Distribution of Income. In: Ashenfelter, Orley & Card, David E. (eds.): Handbook of Labor Economics. Amsterdam: Elsevier, 2101-2163.
  6. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 2000: A Reassessment of the New Economics of the Minimum Wage Literature With Monthly Data from the Current Population Survey. Journal of Labor Economics 18, 4: 653-680.
  7. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 1996: ‚Who Gets What’ From Minimum Wage Hikes: A Re=Examination of Card and Krueger’s Distributional Analysis in Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Industrial and Labor Relations Review 49, 3: 547-552.
  8. Card, David & Krueger, Alan B., 1995: Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Princeton: Princeton University Press
  9. Card, David & Krueger, Alan B., 1995a: Time-Series Minimum-Wage Studies: A Meta-analysis. American Economic Review 85, 2: 238-243.
  10. Dolado, Juan, Kramarz, Francis, Machin, Stephen, Manning, Alan, Margolis, David, Teulings, Coen, Saint-Paul, Gilles & Keen, Michael, 1996: The Economic Impact of Minimum Wages in Europe. Economic Policy 11, 23: 317-372.
  11. Fitzenberger, Bernd, 2008: Anmerkungen zur Mindestlohndebatte: Elastizitäten, Strukturparameter und Topfschlagen. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 42, 1: 85-92.
  12. Fitzenberger, Bernd & Kohn, Karsten, 2006: Skill Wage Premia, Employment and Cohort Effects: Are Workers in Germany All of the Same Type. Bonn: Institute for the Study of Labour, IZA DP No. 2185.
  13. Franz, Wolfgang, 2007: Der trügerische Charme des Mindestlohns. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 4: 431-438.
  14. Galindo-Rueda, Fernando & Pereira, Sonia, 2004: The Impact of the National Minimum Wage on British Firms. Final Report of the Low Pay Commission on the Econometric Evidence From the Annual Respondents Database. London: London School of Economics.
  15. Hammermesh, Daniel, 1995: ‚Myth and Measurement:’ The New Economics of the Minimum Wage. Comment. Industrial and Labor Relations Review 48, 4: 830-834.
  16. Kim, Taeil & Taylor, Lowell J., 1995: The Employment Effect in Retail Trade of California’s 1988 Minimum Wage Increase. Journal of Business and Economic Statistics 13, 2: 175-182.
  17. Leigh, Andrew, 2007: Does Raising the Minimum Wage Help the Poor? Economic Record 83, 263: 432-445.
  18. Machin, Stephen, Manning, Alan & Rahman, Lupin, 2003: Where the Minimum Wage Bites Hard: Introduction of Minimum Wages to a Low Wage Sector. Journal of the European Economic Association 1, 1: 154-180.
  19. Machin, Stephen & Wilson, Joan, 2004: Minimum Wages in a Low-Wage Labour Market: Care Homes in the UK.. Economic Journal 114, 494: C102-C109.
  20. Manning, Alan, 2003: Monopsony in Motion: Imperfect Competition in Labor Markets. Princeton: Princeton University Press.
  21. Metcalf, David, 1999: The Low Pay Commission and the National Minimum Wage. Economic Journal 109 (453): F46-F66.
  22. Müller, Kai-Uwe & Steiner, Viktor, 2009: Labor Market and Income Effects of a Legal Minimum Wage – A Microsimulation Study for Germany. Paper proposed for the IZA Conference “The Economics of the Minimum Wage” Berlin, June 21-23, 2009.
  23. Neumark, David, 2001: The Employment Effects of Minimum Wages: Evidence from a Prespecified Research Design. Industrial Relations 40, 1: 121-144.
  24. Neumark, David, Schweitzer, Mark E. & Wascher, William, 2005: The Effects of Minimum Wages on the Distribution of Family Incomes: A Nonparametric Analysis. Journal of Human Resources 40, 4: 867-894.
  25. Neumark, David & Wascher, William, 2007: Minimum Wages and Employment. IZA Discussion Paper No. 2570. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit/Institute for the Study of Labour (IZA).
  26. Neumark, David & Wascher, William, 2002: Do Minimum Wages Fight Poverty? Economic Inquiry 40, 3: 315-333.
  27. Neumark, David & Wascher, William, 1994: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages. Reply to Card, Katz and Krueger. Industrial and Labor Relations Review 47, 3: 497-512.
  28. Neumark, David & Wascher, William, 1992: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages: Panel Data on State Minimum Wage Laws. Industrial and Labor Relations Review 46, 1: 55-81.
  29. Nickell, Stephen, 1997: Unemployment and Labor Market Rigidities: Europe versus North America. Journal of Economic Perspectives 11 (3): 55-74.
  30. Nickell, Stephen & Bell, Brian, 1995: The Collapse in Demand For the Unskilled and Unemployment Across the OECD. Oxford Review of Economic Policy 11, 1: 40-62.
  31. Nickell, Stephen, Nunziata, Luca & Ochel, Wolfgang, 2005: Unemployment in the OECD Since the 1960s. What Do We Know? Economic Journal 115: 1-27.
  32. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2008: Beschäftigungswirkungen von Mindestlöhnen – eine Erläuterung zu den Berechnungen des ifo Instituts. ifo Schnelldienst 61, 1: 16-20.
  33. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2007: Zur Einführung von Mindestlöhnen: Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors. Ifo Schnelldienst 60, 10: 33-35.
  34. Scarpetta, Stefano, 1997: Assessing the Role of the Labour Market Policies and Institutional Settings on Unemployment: A Cross-Country Study. OECD  Economic Studies 26: 43-96.
  35. Spriggs, William E. & Klein, Bruce W., 1994: Raising the Floor: The Effect of the Minimum Wage on Low-Wage Workers. Washington: Economic Policy Institute.
  36. Straubhaar, Thomas, 1996: Schutzzoll auf Arbeit – das neue Gesicht des Protektionismus. List Forum 3: 209-221.
  37. Yelowitz, Aaron S., 2005: How Did the $8.50 Citywide Minimum Wage Affect the Santa Fe Labor Market. Washington: Employment Policies Institute.

Die Frauenquote in Aufsichtsräten, die die SPD als einen ihrer wichtigsten Punkte in die Verhandlungen zur Großen Koalition eingebracht hat, ist ein weiterer Stechschritt in den Sozialismus. Ich will hier nicht noch einmal all die wissenschaftlichen Belege zusammentragen, die zeigen, dass eine Frauenquote in Aufsichtsräten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung der zur Quote gezwungenen Unternehmen auswirkt. Ich habe dies in der Vergangenheit umfassend getan und keine Lust, mich zu wiederholen. Ich halte es vielmehr mit Schopenhauer und verweise, die an Argumenten gegen eine Frauenquote Interessierten auf den grundlegenden Text, der als Written Evidence an das House of Lords (S.106-111) geschickt wurde bzw. auf dessen deutsche Übersetzung:

Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar.

arbeiterIch will vielmehr ein wenig Nostalgie betreiben, SPD-Nostalgie. Die SPD, das werden jüngere Leser nicht mehr wissen, war nämlich nicht immer eine Partei der Lehrer, Juristen, Studeinabbrecher und Staatsfeministen, nein, die SPD ist als Arbeiterpartei gestartet und hatte entsprechend Anliegen von Arbeitern zumindest kurzzeitig auf der Rechnung. Von diesen Anliegen hat sich die SPD über die Jahre immer weiter entfernt. Bereits 1914 ist sie durch ihre Zustimmung zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs zur staatstragenden Partei geworden und in der Folge, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die ehemalige Arbeiterpartei zu einer Versammlung pseudo-intellektueller Gutmenschen entwickelt, deren derzeit wichtigstes Ziele in der Fortpflanzung und Förderung von Frauen aus der Mittelschicht besteht.

Arbeiterfrauen und Arbeiter als solche, sind der derzeitigen SPD-Führung nur als diejenigen bekannt, die beim Italiener die Lasagne al forno bringen oder bei Abercombi und Fitch oder bei Dallmayr an der Kasse sitzen bzw. bedienen. Und Arbeiter, gering qualifizierte Arbeiter, sind diejenigen, die die SPD-Spitzenverdiener – zumeist ohne ausgeübten Beruf -, nunmehr in die Arbeitslosigkeit schicken, weil die Symbolik des Mindestlohns wichtiger ist als alle wissenschaftliche Erkenntnis in diesem Bereich.

Die SPD ist zu einer Partei geworden, die die partikularen Interessen von Frauen aus der Mittelschicht bedient, solchen, die sich Hoffnungn machen, über Gewerkschaftssitze oder über Parteikarrieren nunmehr und auf Teilzeit in Aufsichtsräte zu kommen. Für sie wird eigens eine Frauenquote beschlossen, um ihnen ein Nutznießen auf Kosten aller anderen zu ermöglichen. Klarer als durch die Forderung nach einer Mittelschichts-Frauenquote in Aufsichtsräten kann man es als Partei nicht mehr machen, wessen Diener man geworden ist und wessen Interessen man nicht vertritt. Und entsprechend sollte langsam ein #Aufschrei durch die arbeitende Bevölkerung gehen, wenn sich Mitglieder der SPD hinstellen und sich als Arbeitervertreter ausgeben.

Und die CDU? Nun, die CDU hat sich auf beide Deals eingelassen und sich somit von ihrem ökonomischen Sachverstand, den sie noch unter Kohl von Wählern attestiert bekommen hat, verabschiedet. Das deutsche Parteiensystem entwickelt sich mehr und mehr zu einem zentripetalen Parteiensystem, wie es Anthony Downs beschrieben hat, Parteien werden in seinem Bild zu Waschmittelverkäufern, die denselben Inhalt in unterschiedlichen Verpackungen verkaufen. Und der gleiche Inhalt besteht aus dem Giftpulver des Sozialismus, das es bislang noch immer geschafft hat, gesunde Ökonomien und florierende Gesellschaften über kurz oder lang zu zerstören.

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21 Responses to Mindestlohn und Frauenquote: Gegen alle Ratio mit Volldampf in den Sozialismus

  1. Flo says:

    “jenen Anderen, von denen man nur vom Hörensagen weiß, dass sie nachts die Büros säubern, die man tagsüber bevölkert”

    Ein schlechtes Beispiel, denn für Reinigungskräfte gibt es in Westdeutschland bereits einen zwischen den Tarifparteien ausgehandelten Mindestlohn, der mit z.Z. 9 Euro die Stunde über den 8,50 Euro liegt.

  2. Manfred Michael Schwirske says:

    Michael Kleins Ratio produziert auch nur Thesen. Und bei der Frage einer Lohn-Regulierung per Mindestlohn wird die wissenschaftliche Luft zu Produktion schon sehr dünn. Trotz ellenlanger Literaturliste. Man darf also Rationalist und dennoch pro Mindestlohn bleiben. Dass mit dem jetzt politisch auf die Agenda gesetzten Mindestlohn der Sozialismus ausbräche, auf diese wissenschaftliche Begründung darf man besonders gespannt sein. Siehe Eingangsthese. Zur Überschrift reichts, zum wissenschaftlichen Gütesiegel nicht.

    • Ich lese etliche Sätze und Behauptungen, aber keinerlei Argument oder Beleg. Entsprechend kann ich nur feststellen, dass es offensichtlicht zum Kommentieren reicht, aber nicht zum Belegen, geschweige denn, zum Argumentieren.

    • SH001 says:

      Der staatlich festgelegte Mindestlohn untergräbt die Tarifautonomie der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter. Vielleicht ist das nicht Sozialistisch aber auf jedenfall Paternalistisch.

      Der Staat verursacht durch schlechte Gesetzgebung eine Schieflageund versucht durch noch schlechtere Gesetzgebung diese Schieflage zu korrigieren… Schildbürgerstreich?

    • @Manfred Michael

      “Dünn” ist zweifellos Ihre müde Entgegnung, denn sie ist völlig unfundiert und widmet sich in keiner Weise den theoretischen und empirischen Argumenten, die den 37 Studien genannt sind, die wir zum Thema gelesen und ausgewertet haben.

      Ich habe erhebliche Zweifel, dass Sie diese Studien (oder sogar noch weitere) alle kennen und sich kompetent dazu äußern können, und wenn das so ist, worauf wollen Sie denn dann Ihr Urteil, unsere Einschätzung sei “dünn” gründen? Maßen Sie sich an, das beurteilen zu können, obwohl Sie vermutlich nicht annähnernd über die Informationsgrundlage verfügen, über die wir verfügen? Oder woraus speist sich Ihre scheinbar in Selbstherrlichkeit in Anspruch genommene Autorität?

  3. Tja, diese Weltverbesserer!
    Aber diskutiere mal mit einem solchen. Argumente und Fakten werden nur als störend empfunden.

    Die Firma wird erstmal teurer produzieren. Dann werden Gelder aus anderen Bereichen für den Mindestlohn aktiviert. Einsparungen werden bei den Arbeitsplätzen gemacht, die um den Mindestlohn herum kosten. In diesem Zuge werden auch die Löhne für Arbeitsplätze über dem Mindestlohn absinken. Ja, vielleicht bekommt auch der Chef weniger und die Preise gehen hoch, wenn sie das noch können. Die Bereiche unter dem Mindestlohn sind weg und die Bereiche über dem Mindestlohn werden ausgedünnt. Die Menschen werden schwerer Arbeit finden. Eine Lösung ist das nicht. Wie dynamische Systeme funktionieren wollen diese Leute nicht verstehen.

    Wo Bürokraten eingreifen, da entfernt sich das Gesamtsystem vom Optimum, immer! Man sieht ja, wie die Staaten wirtschaften und wie das Geld verpulvert wird.

    Warum kommen eigentlich die Menschenverbesserer nicht auf die Idee, die Arbeitszeit herunterzusetzen? Wo ist der Produktivitätszuwachs seit dem Krieg geblieben? Die einen rackern neun Stunden am Tag und manche über lange Zeit deutlich länger und der Rest wird vor dem Fernseher und durch Konsum ruhiggestellt. Es gibt noch genug Menschen, die eine qualifizierte Arbeit ausführen könnten und das gerne täten. Aber dieser Gedanke ist TABU.

    Carsten

    Postkarten schreiben
    http://ruthe.de/cartoons/strip_0456.jpg

    • SH001 says:

      Durch mehr Mitarbeiter (bei gleichbleibender Bruttolohnsumme und Stundenzahl) entstehen einem Unternehmen trotzdem zusätzliche Kosten (mehrArbeit in der Verwaltung, Urlaub, Krankheit, Versicherung, Beiträge, ggf. höhere Lohnneben-/ Lohnzusatzkosten usw.) Von daher ist es für jedes Unternehmen von Vorteil die Anzahl der Mitarbeit auf ein Minimum zu reduzieren.
      D.h. der Produktivitätszuwachs seit dem Krieg ist nicht veschwunden, der hat nur dafür gesorgt das sie für den gleichen Output weniger Mitarbeiter benötigen und das sind diejenigen welche jetzt “vor dem Ferseher durch Kosum ruhiggestellt” werden.
      Wenn diese Menschen qualifizerte Arbeit ausführen können, sollten sie sich eine Arbeit suchen, ggf. müssen sie ihre Gehaltswünsche reduzieren und zusätzliches ALG2 beantragen (Aufstocken)

      • Durch mehr Mitarbeiter (bei gleichbleibender Bruttolohnsumme und Stundenzahl) entstehen einem Unternehmen trotzdem zusätzliche Kosten (mehrArbeit in der Verwaltung, Urlaub, Krankheit, Versicherung, Beiträge, ggf. höhere Lohnneben-/ Lohnzusatzkosten usw.) Von daher ist es für jedes Unternehmen von Vorteil die Anzahl der Mitarbeit auf ein Minimum zu reduzieren.

        Eben, weil der Staat sich eingemischt hat ist kein linearer Zusammenhang zwischen Anzahl der Arbeiter und Kosten mehr vorhanden. Schon da begann das Übel.

        D.h. der Produktivitätszuwachs seit dem Krieg ist nicht veschwunden, der hat nur dafür gesorgt das sie für den gleichen Output weniger Mitarbeiter benötigen und das sind diejenigen welche jetzt “vor dem Ferseher durch Kosum ruhiggestellt” werden.

        Den Produktivitätszuwachs hat der gesellschaftliche Overhead, “der Staat”, gefressen.

        Wenn diese Menschen qualifizerte Arbeit ausführen können, sollten sie sich eine Arbeit suchen, ggf. müssen sie ihre Gehaltswünsche reduzieren und zusätzliches ALG2 beantragen (Aufstocken)

        Das zeigt nur, wie versaut das System ist. Damit die Menschen nicht verhungern zahlt der Staat per Umverteilung und löst sie aus natürlichen Zwängen heraus. Da das nicht funktioniert werden neue, künstliche Zwänge erzeugt. Nebenbei schwillt die Bürokratie…

        Carsten

        “Wenn Sie so weitermachen, kommen Sie nie wieder heraus.”
        Richter Otto Brixner

  4. Bergische Löwin says:

    Die Langsamsten, Schwächsten, Dümmsten oder Faulsten werden entlassen, weil Sie, Herr Schwirske, oder Sie, lieber Kunde, nicht bereit sein werden, beim Friseur 50 Euro für den Haarschnitt zu lassen oder z. B. dem Handwerker am Bau zu geben, dem Sie beim Gehen noch die Schuhe besohlen könnten. Insofern ist diese gesamte Maßnahme noch viel mehr als unsozial, da sie nicht nur die eine Hälfte der Armen beschäftigt und die andere ausschließt, sondern (Achtung Gutmenschen!) viel schlimmer noch, eine negative Auslese unter den Armen begünstigen wird. Zum bitteren Ende treibt man diese Leute dann in die Schwarzarbeit, damit in die Illegalität und im schlimmsten Falle in die Kriminalität. Gute Idee, Pseudo-Gutmenschen? Nein, asozial im höchsten Grade. Aber Hauptsache, man kann gut schlafen. Schön hierzu auch Jan Fleischhauer:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mindestlohndebatte-politik-des-reinen-herzens-a-936141.html

    • a.behrens says:

      Ich gehe gern zum Friseur. Und gebe auch reichlich Trinkgeld. Aber wenn ein Herrenschnitt 50,- EUR kostet, dann kaufe ich mir sowas:

      http://www.amazon.de/Flowbee-Das-Haarschneidesystem-f%C3%BCr-Hause/dp/B000PPBSTC/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1386850189&sr=8-1&keywords=flowbee

    • SH001 says:

      Also 50€ für den Damenhaarschnitt (ca. 1h) wenn der Mindestlohn eingeführt wird….

      Davon wären dann (Mindestlohn 8,50€) ca.20€ Lohnkosten (Faktor 2,36 für Sozialabgaben,Krankheit+Urlaub, Zeiten ohne Kunden) und 8€ Mwst…
      der Rest (22€) müsste sich dann aus den anderen Kosten(Miete, Beiträge, Strom, Steuer, Verbrauchsmaterial, AfA usw.) und dem Gewinn des Unternehmers zusammensetzen.

      Wenn wir von gleichen Restkosten + Gewinnanteil bei heutigen ca.5€ Stundenlohn ausgehen
      würde sich der heutig Preis so zusammen setzen
      22€ (Kosten+Gewinn) +11,80€ (Lohnkosten 5€ x 2,36) = 33,80€ + 6,42€ (9% Mwst)
      = 40,22€
      d.h der zukünftige 50€ Damenhaarschnitt würde heute bereits ca.40€ Kosten.

  5. SH001 says:

    Wie unterscheiden sich, die staatlich festgelegte Lohnuntergrenze, von einem Tarifvertrag der i.d.S. eine Lohnuntergrenze für alle Unternehmen einer Branche darstellt?.
    Müsste man dann nicht auch Tarifverträge und Gewerkschaften verbieten, um rigide Arbeitsmärkte zu verhindern?

    Daher stellt sich mir die Frage was ist Marktwirtschaftlicher?
    Wenn der Konsument die Lohnkosten über den Produktpreis bezahlt, oder wenn der Konsument die Lohnkosten über Produktpreis sowie Steuern und Abgaben bezahlt(Aufstocker)?

    In einem Wirtschaftsystem das vom Massenkonsum lebt kann eine überproportionale Akkumulation von Kapital in einem kleinen Bereich ein Systemrisiko darstellen, da diese Kapital nicht ausreichend in den Konsum investiert wird und unter bestimmten Umständen auch nur in geringem Umfang für direkt Investitionen in Unternehmen (Unternehmer i.s. von Schumpeter) zur Verfügung gestellt wird.

  6. Chaeremon says:

    Hallo, wer den angepeilten Mindestlohn nicht als politisches “Druckmittel” begreift, der ist entweder kein Unternehmer den seine Mitarbeiter gerne mal zum Sonntagsessen einladen damit er die Kleinkinder mal kennenlernt und die Kreditraten des Mitarbeiters anhand dessen Haus/Wohnung selbst mal einschätzen kann, oder ist auch kein Konzernchef (oder Politiker) der das Thema Mindestlohn zum Wegdenken delegieren kann.

    Selbstverständlich wird Mindestlohn auch von Ökonomen eingeschätzt, sonst würde denen ja wesentliche Teile der beruflichen Ermessensgrundlage abhanden gehen. Daher kommt ökologischer Mindestlohn, je nach ideologischer Ausrichtung (äh, Mittelaufkommen an “Forschung”-sgeldern), beim Ökonomen (und als Bestandteil in “Statistiken” …) unterschiedlich weg.

    Betroffen aber ist von solcherart Biertisch-Meinungen gar keiner, oder? Und Verantwortung für “Empfehlungen” oder “Bedenken” oder “Anforderungen” zu übernehmen, seit wann ist das erforderlich — anstelle von nie.

    Was also sollen Arbeitgeber und/oder Politiker mit “falscher” Bezahlung für “richtige” Arbeit anfangen? Ab Besten ist, erst garnicht so genau hinzuhören (-zu-lesen) bei den SchlauMichWeiss Buchautoren und bedenklichkeitshalber ernannten (äh, bezahlten) Experten.

    Die Betroffenen werden sich schon melden (und ggfs. in den Medien zu Wort kommen), entweder im veränderten Steueraufkommen oder in Arbeitsmarktberichten; und genau dahin zielt dieses Mindestlohn-Projekt. Das nennt man übrigens Politik: weg nix wagt der hat entweder zuviel zu verlieren oder nix zu gewinnen. Nur dem Untätigen (von den Wissenschaftstouristen ganz zu schweigen) gebührt die Dekadenz.

  7. A.S. says:

    Bei der Diskussion über Mindestlöhne fehlt mir immer der Hinweis auf die Staatsquote. Bei fast 50% Staatsquote kann man die Rolle von Steuern und Abgaben doch aus einer Lohndiskussion nicht heraushalten. Der Staat ist ein gewaltiger Lohndrücker.
    Vereinfacht gesagt: Schaffe den Staat ab, dann könnten alle Löhne verdoppelt werden und wir bräuchten keinen Mindestlohn mehr. (Ich weiß, Verdoppelung stimmt so nicht, aber die Schlamperei erlaube ich mir)

  8. Meier, Hans (Kempten) says:

    Die Mindestlohndebatte lenkt doch nur vom eigentlichen Problem ab:

    1. Prinzipiell hat jeder Mensch in unserer Gesellschaft Anspruch auf ein bestimmtes Existenzminimum (dessen konkrete Höhe Gegenstand immerwährender politischer Auseinandersetzung ist).

    2. Dieses Existenzminimum stellt prinzipiell so etwas wie eine faktische Lohnuntergrenze dar – arbeiten tut nur, für wen der Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Gehalt liegt, das entsprechend weit über dem Exiistenzminimum liegen müsste.

    3. Diesen Vogang hat desavouiert die von der SPD betrebene Einführung von Ein-Euro-Jobs einerseits (faktisch eine Art Arbeitszwang für Menschen auf Existenzminimum) in Kombination andererseits mit der von der SPD betriebenen Ermöglichung niedriger bezahlter Jobs durch die Zusicherung des “Aufstockens” – was es erst möglich macht, dass Menschen 40 h arbeiten und trotzdem zu Amte kriechen müssen, um auf das Existenminimum zu kommen.

    4. Wenn nun dieselbe SPD einen Mindestlohn fordert, hat dies zwei Konsequenzen:

    4.1. Von denjenigen, die weniger verdienen, werden etliche den Job verlieren. Ergebnis: sie werden zu Amte kriechen müssen.

    4.2. In einigen Branchen und Jobs wird der Mindestlohn zur Lohnorientierung – die Betroffenen werden quasi auf eine politische festgelegte Lohnhöhe festgelegt, in vielen Fällen “kalt” abgesenkt (etwa durch Ausbleiben von inflationsausgleichenden ohnerhöhungen – analog zur “kalten Progression” im Steuerrecht. Begründung: Noch seid ihr über Mindestlohn.)

    Auf jeden Fall steigt die Zahl der staatlicher Verwaltung unterworfenen Menschen.

    Ob sie dies wollen, ob dies gut für sie ist, ist irrelevant. Die Verwaltung hat gesiegt. Dass sie natürlich immer nur das Beste will für die von ihr Verwalteten (und nicht am geringsten daran interessiert ist, nur deshalb immer mehr zur Verwaltung zu bekommen, um immer mehr Macht und Stellen zu bekommen), ja, das wissen wir alle sehr, sehr gut.

    Nur allzu gut.

  9. Exphilosoph says:

    Von zehn Mitarbeitern werden drei wegen der höheren Kosten entlassen. Die glücklichen sieben bekommen mehr Lohn, müssen aber für die drei entlassenen mitarbeiten, bekommen also pro Leistung nicht mehr Lohn. Im schlimmsten Fall sinkt die Qualität durch die Mehrbelastung und damit die Produktivität. Die drei entlassenen müssen auch leben (Arbeitslosengeld). Die Steuerbelastung der sieben steigt und frisst den Vorteil des Mindestlohnes auf.
    Alternative: die Kosten bei den besser bezahlten und im Produktionsprozess einsparen. Konsequenz: Verminderte Qualität und Wertschöpfung, wegrationalisierung von Arbeitsplätzen, weniger Steuereinnahmen, weniger Geld für die unglücklichen drei. In Summa verlieren alle.

  10. harry says:

    Thema Frauenquote: die EU spendiert den Genderforschern wieder mal einen dicken Batzen, diesmal 9.5 Mio., um ENDLICH mehr Mädels in die MINT-Fächer zu locken, damit auch dort wegen Personalüberangebot die Löhne sinken:

    http://ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/opportunities/h2020/calls/h2020-geri-2014-1.html

    CALL FOR PROMOTING GENDER EQUALITY IN RESEARCH AND INNOVATION

    H2020-GERI-2014-1Sub call of: H2020-GERI-2014-2015

    Publication date 2013-12-11 Deadline Date 2014-10-02 +17:00:00 (Brussels local time)

    Budget €9,500,000 Main Pillar Science with and for Society

    Status Open OJ reference OJ C361 of 11 December 2013

    Mit folgenden sub-calls:

    * GERI-1-2014: Innovative approach to communication encouraging girls to study science
    * GERI-4-2014: Support to research organisations to implement gender equality plans
    * GERI-2-2014: Impact of gender diversity on Research & Innovation

  11. Pingback: Nutznießer-Spirale: Wohlfahrtsstaaten sind der Anfang vom Ende | Kritische Wissenschaft - critical science

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