Unsinn der Woche: Pro-Quote in der Medizin

Stammleser, die ScienceFiles folgen, werden sich vielleicht gefragt haben, warum wir keinen Beitrag zur Frauenquote, die nunmehr per Gesetz und im Schnelldurchgang implementiert werden soll, gebracht haben. Der Grund dafür ist leicht zu benennen: Wir haben schon alles zur Frauenquote geschrieben, was es dazu zu schreiben gibt.

    Eine Frauenquote, die Unternehmen aufgezwungen wird, ist:

  • ein Verstoß gegen das Prinzip der unternehmerischer Freiheit,
  • ein Verstoß gegen das meritokratische Prinzip, denn belohnt wird per Gesetz Geschlecht und nicht Leistung,
  • krudes Nutznießen von weißen Mittelschichtsfrauen, die offensichtlich von sich denken, sie hätten nicht genug Kompetenz und fachliche Qualifikation vorzuweisen, um ohne Quote in entsprechende Positionen zu kommen,
  • und weil dem so ist, ist die Frauenquote ein Race-to-the-Bottom, eine Selbstselektion, bei der leistungsfähige und kompetente männliche und weibliche Personen abgeschreckt und nicht oder wenig leistungsfähige bzw. kompetente weibliche Personen angezogen werden.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Wer das jeweilige Explanans zu diesen Konklusionen lesen will, der sei auf die folgenden Beiträge verwiesen:

  1. Warum man als Frau gegen eine Frauenquote sein muss: Journalisten fragen, Dr. Diefenbach antwortet.
  2. Fiktion und Fakt: Einmal mehr erweist sich die Frauenquoten-Saga als Lüge
  3. Alles Lüge: Feministisches Rent-Seeking durch Frauenquoten
  4. Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar
  5. Die gesellschaftlichen Kosten einer gesetzlichen Frauenquote
  6. Wer ist eigentlich für eine Frauenquote?

Wenn wir mit diesem Post unser bisheriges Schweigen brechen, dann deshalb, weil uns ein Hinweis auf einen selten dummen Text in die Mailbox geflattert ist, der nur ein Ergebnis haben kann:

Die Auszeichnung zum “Unsinn der Woche”.

Pro quoteweb-100Dabei handelt es sich um einen von “Ärztinnen und Wissenschaftlerinnnen, Medizinstudentinnen und Frauen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und des Gesundheitswesens” (man beachte die Hierarchie in dieser Abfolge!) unterzeichneten Offenen Brief, der wirklich an Unsinn kaum zu übertreffen ist.

Damit unsere Leser auch in den vollen Genuss der gesammelten Ladung von Unsinn kommen, hier der Offene Brief im Wortlaut:

“Sehr geehrter Herr Bundesminister, Dekane, Präsidenten, Direktoren und Vorstände!

[Absatz 1]Die Zukunft der Medizin ist weiblich. Heute sind mehr als 60 Prozent der Studierenden im Fach Medizin Frauen. Auf den Führungspositionen der Medizin stagniert die Quote von Ärztinnen seit Jahren unter 10%, an der Spitze stehen über 90% Männer.

[Absatz 2]Erst wenn auch Ärztinnen an entscheidenden Stellen tätig sind und Therapiekonzepte und Strukturen gestalten, werden wir den Gegebenheiten und Anforderungen unseres Gesundheitswesens gerecht – denn auch mehr als die Hälfte unserer Patienten sind weiblich!

Es ist Zeit etwas zu ändern.

[Absatz 3]Wir fordern, dass Führungspositionen in Universitätskliniken und Krankenhäusern und in allen Gremien der Universitäten und der ärztlichen Selbstverwaltung im Laufe der nächsten fünf Jahre zu 40%, bis 2023 zu 50% mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Wir freuen uns auf eine baldige Antwort von Ihnen, die wir auf unserer Website
www.pro-quote-medizin.de veröffentlichen möchten.

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnerinnen”

Wo soll man anfangen? Am besten wir gehen absatzweise vor:

Absatz 1:

Double facepalmWenn die Zukunft der Medizin weiblich ist, weil derzeit 60% der Studenten im Fach Medizin Frauen sind und man der Ansicht ist, dass man die 40% Männer, die Medizin studieren eben einmal als marginale und nicht weiter beachtenswerte Gruppe ansehen kann, dann hat dies dennoch überhaupt nichts mit der Tatsache zu tun, dass heute, also jetzt, 90% der “Führungspositionen der Medizin” mit Männern besetzt sind. Nach wie vor, auch wenn es in der Teilchenphysik Experimente gibt, die die Zeit zurückdrehen können, ist Zeit für die meisten Menschen ein Prozess, der aus der Vergangenheit kommt und über die Gegenwart in die Zukunft verläuft. Wenn man also nicht argumentieren will, dass die 60% weiblichen Studenten sofort auf Führungspositionen gehievt werden müssen, weil sie aus eigener Kraft und aufgrund eigener Qualifikation und vielleicht auch wegen mangelnder Motivation weder bis 2020 noch bis 2023 dazu in der Lage sein werden, dann macht der erste Absatz schlicht und ergreifend keinen Sinn.

Absatz 2

scully facepalmDer im zweiten Absatz enthaltene Biologismus sollte jeden dazu veranlassen, sich die Namen der Unterzeichnerinnen genau zu merken und dann, wenn er als männlicher Patient mit einer der Unterzeichnerinnen als behandeltem Arzt oder Zahnarzt konfrontiert ist, das Weite zu suchen, sind die Unterzeichnerinnen doch der Ansicht, dass weibliche Patienten nur von weiblichen Ärzten behandelt werden können, da nur diese in der Lage sind, die relevanten Therapiekonzepte und Strukturen zu entwickeln.

Wer einen derartigen Unsinn schreibt oder unterschreibt, wer tatsächlich der Ansicht ist, ein entzündeter Blinddarm könne nur von einem weiblichen Arzt fachgerecht aus einem weiblichen Körper entfernt werden, der hat damit nicht nur belegt, dass sein intellektuelles Niveau irgendwo zwischen Unsinn und Wahnsinn oszilliert, sondern auch, dass er eine wandelnde Bedrohung im Arztkittel ist, die vor allem für männliche Patienten gefährlich werden kann. Vielleicht sollte man vor diesem Hintergrund, die rund 19.000 durch Behandlungsfehler Getöteten und die rund 190 000 durch Behandlungsfehler Verletzten, die der AOK Krankenhausreport 2014 benennt, daraufhin untersuchen, ob der behandelnde Arzt weiblich war.

Absatz 3

run for your lifeOffensichtlich sind die Unterzeichnerinnen der Ansicht, allein ein abgeschlossenes Studium in Verbindung mit einem weiblichen Geschlecht qualifiziere den Inhaber dazu, eine Führungsposition einzunehmen. Tatsächliche Leistung und Motivation, nicht zu sprechen von Kompetenz und fachlicher Qualifikation spielen entsprechend keine Rolle. Wer derartiges in die Welt setzt, bei dem sind entsprechende Rückschlüsse darauf, welche Kompetenzen und fachlichen Qualifikationen er denn vorzuweisen hat, mehr als angebracht, denn offensichtlich sind Kompetenzen und fachliche Qualifikationen bei ihm in einem Ausmaß vorhanden, die einem als Patienten das kalte Grausen bereiten. Offensichtlich sind die Unterzeichnerinnen der Ansicht, ihre eigene Kompetenz und fachliche Qualifikation reiche nicht aus, um in Führungspositionen zu gelangen und entsprechend müsse man mit einer Quote nachhelfen. Einer solchen Ärztin will man doch besser nicht in die Hände fallen.

Deshalb sehen wir es als unsere zivilbürgerliche Pflicht hier auf die Liste der Unterzeichnerinnen zu verlinken, damit Leser, sollten sie jemals in die Lage kommen, einen Arzt zu benötigen und in der Lage sein, ein Wörtchen dabei mitzusprechen, wer sie behandelt, wissen, wen sie besser meiden.

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