Schwätzer-Hijacking

Wenn das 21. Jahrhundert durch etwas ausgezeichnet ist, dann dadurch, dass das Verhältnis derer, die über etwas reden, im Verhältnis zu denen, die dieses Etwas tun, immer schiefer wird. Überspitzt formuliert leben wir in einem Zeitalter des Schwätzer-Hijackings, in dem es immer mehr selbst ernannte Experten gibt, die von dem, wovon sie Experte zu sein vorgeben, überhaupt keine Ahnung haben, weil sie außer Reden in ihrem Leben noch nie etwas getan haben.

hijackingDie Experten beraten uns in allen Lebenslagen. Sie kennen sich im Leben von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, von Dicken und Dünnen, von Melancholischen und von Lebensfreudigen in gleicher Weise aus. Sie wissen genau, wie man Ziele erreicht, verbal jedenfalls, sie erklären uns die Verwandtschaftsverhältnisse von Philipp Lahm, während sie ein Fussballspiel kommentieren, sie konstituieren eine Schwätzer-Schicht, die in unzähligen Meetings Probleme wälzt, die es ohne sie nie gegeben hätte.

Vor allem, aber nicht nur, im Genderismus wächst und gedeiht eine Schwätzer-Kultur, die ihresgleichen sucht. Und wie wenig das Geschwätz mit dem zu tun hat, worüber geschwatzt wird, wird am Beispiel der GenderIT-Konferenz an der Universität Siegen deutlich.

Wenn man, ganz unbedarft, erzählt bekommt, dass es an der Universität Siegen eine GenderIT-Konferenz gibt, dann denkt man, dort treffen sich Männer und Frauen um über Algorithmen, Hardware-Probleme, neue Entwicklungen im IT-Bereich und die Frage zu diskutieren, wie man Windows 8 von seinem Computer entfernen kann. Man denkt, die Konferenz habe die Tätigkeiten zum Gegenstand, die im Bereich des IT anfallen.

Weit gefehlt.

Die Konferenz hat Geschwätz zum Gegenstand. Man trifft sich, um über die zu schwatzen, die im IT-Bereich die Arbeit machen, die Arbeit, von denen die Schwätzer keine Ahnung haben, aber Ahnung, so behaupten sie, haben sie von einem vermeintlichen Missstand:

“Yet the clubhouses of computing have not been open to all, in particular girls and women. Less than 12% of undergraduate degrees are awarded in the last year to women, and this is down from 37% in the 1980’s”

genderIT2014_144Die GenderIT-Konferenz ist eine Lamento-Konferenz, auf der sich Schwätzer treffen, um ihr Lieblingsklagelied anzustimmen: Zu wenig Frauen im IT-Bereich, so geht der Singsang, der drei Tage durch die Hallen der Siegener Uni gehallt ist, auf Kosten der Steuerzahler versteht sich. Und während die Teilnehmer ihre Hymne singen, merken sie gar nicht, dass in den 1980er Jahren, als es noch keine Schwätzer-Konferenzen gab, die sich für Gender in IT interessiert haben, sich mehr Frauen für IT interessiert haben als es nunmehr tun, seit sich Schwätzer aufgeschwungen haben, Probleme von Frauen erst zu erfinden, um sie dann mit Geschwätz lösen zu wollen.

Es ist nicht weiter verwunderlich, dass sich die gesamte GenderIT-Konferenz ausschließlich um Frauen und IT, vor allem den Mangel an Frauen in IT und eine Reihe anderer, herbeigeschwätzter Probleme rankt:

Hier ein paar Kostproben:

  • Frauen und ihre Work-Life-Balance im IT-Consulting in Deutschland
  • Der Effekt von IT-Förderprogrammen für Mädchen (Worauf? Auf irgend etwas werden die Programme schon einen Effekt haben)
  • Selbstverteidigungs-IT: Migrantenfrauen und IKT Strategien
  • Emanzipation durch Medien (das war vermutlich der Spassvortrag)
  • Ein eigenes Gleis: Plätze für Frauen in der IT schaffen!

Und dann gab es ein Diskussionsforum, dessen Thema vielversprechend mit der Aussage eingeleitet wird, dass es nicht gut sei, Frauen monolithisch in den Raum zu stellen, wie dies der Feminismus tue. Haben die was gemerkt, so denkt man und: perish the thought, nein, es sind keine Zweifel daran, dass die manische Fixierung auf das weibliche Geschlecht diejenigen, die damit inkubiert sind, lächerlich macht. Nein, es ist die Überzeugung, dass man Geschlecht differenzieren müsse, in Trans-Frauen (sic!) zum Beispiel – im IT-Bereich natürlich.

unischwaetzer

T-shirt, das u.a. den Erfolg des Genderismus ausweist

Das ist dann auch die Meldung, die den Teilnehmern der Konferenz, in der es um IT und Gender gehen sollte, mit auf den Weg gegeben wird: Wir haben, so weiß Jennifer Rode von der Drexel University, Sex und Geschlecht mit einander vermengt. Das muss enden, damit beide, Männer und Frauen, den ganzen Bereich femininer Geschlechtsidentitäten zur Schau stellen können, während sie versuchen, einer Technologie Herr zu werden. Wie man sieht besteht keine Gefahr, dass die Mitglieder der Gender-Schwätz-Kultur jemals auf die Idee kommen, ihre Fixierung auf weibliche Geschlechtsteile sei einerseits peinlich und andererseits manisch. Sie sind vor solche Einsichten effizient durch eine Phantasie- und Einfallslosigkeit geschützt, die nur noch durch intellektuellen Stumpfsinn übertroffen wird.

Aber kein Stumpfsinn ist stumpfsinnig genug, als dass man nicht darüber schwätzen könnte. Und damit sind wir beim Beitrag von Bente Knoll und Bernadette Fritz, die die IT-Konferenz zum Anlass genommen haben, um die Selbstrepräsentation von 25 jungen Männern und 21 jungen Frauen im Alter von 14 bis 20 Jahren auf Facebook zu untersuchen. Dabei sind sie zu der für sie erschreckenden Erkenntnis gelangt, dass dann, wenn man junge Männer auffordert, ein Facebook-Profilbild für “starke Jungen” zu erstellen (im Original steht starke in ironischen Anführungszeichen, was an sich schon bezeichnend ist), die resultierenden starken Männer im Profil häufig mit nacktem Oberkörper und mit Muskeln dargestellt sind. Daraus resultiert das folgende Gejammer: “Ähnlich wie in der nicht-digitalen Welt unterwerfen sich Jugendliche genderbestimmten Klischees und Rollenvorgaben”. Fehlt nur noch der alte Gassenhauer: “… auf Facebook haben junge Männer Angst ihre Gefühle zu zeigen”.

Als relativ alter Mann darf ich an dieser Stelle einmal feststellen, dass ich gegenüber Personen wie Knoll und Fritz nur zu gerne meine Gefühle zeigen würde. Ich fürchte nur, sie würden nicht mögen, was sie sehen, denn ihnen scheinen Gefühle nur als narzistische Äußerung und nicht als Mittel sozialer Interaktion bekannt zu sein. Ebenso wie ihnen der Reiz, der von einem muskulösen männlichen Körper ausgeht, nicht bekannt zu sein scheint, auch eine Form der Deprivation, mit der man vielleicht erklären kann, warum sie sich nicht getraut haben, ihre 21 weiblichen jungen Menschen das Profil eines “starken Jungen” erstellen zu lassen.

Wundert sich eigentilch noch jemand, warum so Wenige Interesse an einer Karriere im IT-Bereich haben? Wer will sich schon dem Geschwätz dieser Experten aussetzen, zur Zielscheibe dieser verbal Onanierer werden, die außer Worten noch nie etwas produziert haben?

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22 Responses to Schwätzer-Hijacking

  1. A.Behrens says:

    Beruflich habe ich viel mit Off- und Nearshore Firmen im IT-Bereich zu tun. Also Programmierer aus Russland/Indien/Ungarn/…

    Die gefühlte Frauenquote dürfte dort im Bereich von 50% liegen. (Real sicher etwas weniger, eher im Bereich von 40%.) Von daher glaube ich, dass ich ein funktionierendes Rezept für die Anhebung der Frauenquote in der deutschen IT habe:

    Streichung aller Frauenförderungen, aller Work-Live-Balance-Gelder, Streichung des Trennungs- und Exehegattenunterhalts, des Kindergeldes, und sämtlicher Frauenquoten. Gibt es nämlich in den betroffenen Ländern nicht. Die Folge ist, dass Frauen die Wahl haben zwischen Verhungern, vollberufliche Mutter (quasi Angestellte eines gutverdienenden Ehemanns) oder eines rational sinnvoll ausgesuchten Berufs.

    Aber eine solch einfache Lösung wird vermutlich von der Labber-Industrie nicht gewünscht. Obwohl sie nachweißlich funktioniert. In allen Ostblockstaaten war die Frauenquote in den Ingenieurberufen bei 50%, es gab aber keinen Trennungsunterhalt.

    • Markus says:

      Die Frage ist: Will jemand wirklich etwas an der Narrenfreiheit deutscher Frauen ändern, oder wollen die einfach nur bezahlt Kaffeeklatschen und über ihre Männer und den Vater Staat jammern und eine gute Zeit verbringen ?!?? Nicht vergessen: Es handelt sich um FRAUEN !

  2. Lernender says:

    ..schade dass Frau Gesche Joost, Steinbrücks Netzexpertin und Internetbotschafterin, nicht im Artikel erwähnt wurde 🙂

    ” Ihre Forschungsthemen sind Human-Computer-Interaction, Aspekte von Gender- & Diversity in der Kommunikationstechnologie, Community-Building und soziale Nachhaltigkeit sowie Grundlagen der Designtheorie und -forschung.”
    “Joost gilt als netzpolitische Expertin des Teams, sie selbst verwendet den Ausdruck „Forscherin zu Mensch-Maschine-Interaktion“.

    Sie hatte einen erheblichen (unfreiwilligen) Anteil daran Gender&Hdydesign in in Kooperation mit T-Labs (Telekom) in Youtube eine Fangemeinde hat..




    (Kommentare sind göttlich)

    Reizgasversprühende, mit Fell, Strass und Plüsch beklebte Hdys, die eine automatische Nr.-Rückholprogramm haben, sollte der Typ von der Disse ein Tag später doch nicht mehr vakant sein..
    Die Krönung ist das Bongo-Hdy, in das man entweder nur sprechen oder nur hören kann, gleichzeitg – bei Bedarf – auch als schickes Handtäschchen genutzt wird.

    For the record – die ist NETZEXPERTIN und INTERNETBOTSCHAFTERIN, und was war die erste “Amtshandlung” …

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-wahlkaempferin-joost-fordert-frauenquote-in-talkshows-a-900184.html

    Alles klar :)))

  3. Manfred Michael Schwirske says:

    Lieber Herr Klein,
    Bitte Niveau halten. Auch wenn’s schwer fällt.
    Im übrigen halte ich eine theoretische Befassung mit der Differenz von Wissen und Können generell für überfällig. Ein Thema, das aber soziologisches Schwätzen schon ansatzweise nicht verträgt. Koennen ist selten geworden. Auch in der Technik, der Oekonomie, der Politik ohnehin. Ein knappes Gut. Eine Wissensgesellschaft redet und schreibt sich zu Tode. Bibliotheken laufen
    über in endlosem Wortmüll.

    • Lieber Herr Schwirske,

      was wollen Sie mir sagen?
      Ich weiß es nicht und muss daher zurückgebenen:
      Bitte auf Aussagekraft achten, auch wenn es schwerfällt, sonst müsste man ihre zukünftigen Kommentare gleich unter Wortmüll ablegen ->straight in the bin

    • lernender says:

      Sorry, Wortgeschwalle schlechthin. Zitiere ich Einstein (bin mir nicht sicher) “Kannst du es einem sechsjährigen nicht erklären, hast du es selber nicht verstanden”

      Also ich fasse zusammen: Können ist seltener geworden, zwischen Theorie und Praxis gibt es Unterschiede. Und Bbliotheken laufen..?

      Was soll ich jetzt daraus entnehmen?

  4. A.Behrens says:

    @Informatiker-Kollegen: Bitte nicht grillen für etwaige Unschärfen. Mir geht es um philosophische Fragen, nicht um Hardcore-Informatik. 🙂

    Mich macht diese Konferenz traurig. Die Auswahl der Themen degradiert Informatiker-Frauen zu vollkommene Idioten (IdioInnen?), zu Menschen deren Lebensinhalt es ist, sich die Muschi zu streicheln (vulgo: Work-Live-Balance).

    Dabei gibt es in meinen Augen in der Informatik tatsächlich spannende Fragestellungen, bei denen ein anderer/neuer Blick zu völlig neuen Ergebnissen und zu völlig neuen Lösungen führen könnte.

    Beispielweise Logik. Die Gesetze der Logik sind lediglich logisch, aber nicht in Stein gemeißelt. Aus diesem Grund haben Informatiker nicht nur die harmlose Ja/Nein-Logik, sondern auch eine ternäre Logik (ja-nein-vielleicht)(1) und sogar eine unscharfe Logik (ziemlich viel, aber nicht ganz) und gestandene Programmierer werden wie Kinder wenn es um Fuzzy-Projekte geht (“Och Chef, lass uns doch auch mal Fuzzy-Logik machen, nicht immer nur die anderen”).

    Wenn man die Geschichte der Informatik zurückverfolgt, dann kommt man auf Leibniz, der die Binärzahlen und damit die zweiwertige Logik entdeckt hat. Mal angenommen Leibniz wäre kein Deutscher gewesen, sondern Inder und im Kontext der indischen Logik aufgewachsen (Syādvāda), für die zum Beispiel der Satz “wahr ist falsch oder auch nicht und möglicherweise ist es unbeschreibbar) völlig logisch ist. Wie würden Computer heute aussehen? Möglicherweise wie Analogcomputer (4)

    Oder wenn der Computer in China erfunden worden wäre: Bei 30.000 Zeichen hätte es nie einen ASCII-Zeichensatz gegeben, kein HTML (basiert auf ASCII) und damit kein Web, keine Sortierung und möglicherweise nicht mal Google (Google basiert im tiefsten innersten Kern auf binären Bäumen, also die Reduzierung von Daten auf Ja/Nein-Fragen). Dafür hätte es möglicherweise von Anfang an holografische Speichersysteme gegeben und Quantencomputer gäbe es heute schon bei Mediamarkt.

    Heute ist Computerbenutzung Allgemeinwissen. Aber wer vor 20 Jahren Computerkurse gegeben hat, weiß wie irrational manche Dinge beim Computer sein können. Etwa der Windows-Start-Button, der nichts startet. Oder die Tatsache das Computer nicht das machen was der Benutzer will, sondern das was der Benutzer ihm sagt. Könnte übrigens ein Top-Thema für einen feministischen IT-Workshop sein. Der Unterschied zwischen dem was man sagt und was man sagen will. Bessere GUIs sind generell ein Top-Thema für Informatiker.

    Statt dessen gibt es dann sowas wie in (3), bei der eine Studentin für “Technology and Social Change” sich mal so eben eine feministische Programmiersprache wünscht “für ihre Thesis” und dabei selbst elementarste Dinge nicht versteht. Etwa die Tatsache das es Objektorientierte Programmiersprachen gibt ist für sie sexistisch, denn sie will nicht als Objekt behandelt werden. Das ein Objekt während der Laufzeit eines Programms als Instanz (also als Subjekt) bezeichnet wird, weiß sie scheinbar nicht. Statt dessen kommen die üblichen Allgemeinposten, dass Programmiersprachen/Computersysteme bestimmte Wörter nicht erlauben soll. Und natürlich ein Unverständnis darüber, dass Computerbefehle wie “man” nichts mit Männern zu haben, sondern es sich um eine Abkürzung von manuals, also Handbüchern handelt…

    Traurig das alles.

    Ich bin dafür das Wiener Modell zu übernehmen. Ein Stadtviertel vollkommen männerfrei und nur regiert von feministischer Weisheit. Und natürlich mit großem Zaun drumrum. Damit keiner raus- äh reinkommt.

    (1) http://de.wikipedia.org/wiki/Dreiwertige_Logik
    (2) http://de.wikipedia.org/wiki/Fuzzylogik
    (3) http://www.hastac.org/blogs/ari-schlesinger/2013/12/13/feminist-programmer
    (4) http://de.wikipedia.org/wiki/Analogrechner

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @A. Behrens

      nur zur Sicherheit:

      Wenn Sie schreiben, es gäbe in der Informatik durchaus

      “spannende Fragestellungen, bei denen ein anderer/neuer Blick zu völlig neuen Ergebnissen und zu völlig neuen Lösungen führen könnte”,

      dann liegt dieser Feststellung nicht etwa die Prämisse zugrunde, dass ein “anderer/neuer” Blick derjenige von Frauen sei, die eben einen “anderen” Blick auf die Dinge hätten als Männer?!?!? Solche Simplifizierungen und Homogenisierungen von Milliarden von Menschen würden Sie doch sicherlich nicht vornehmen. Also stellt sich die Frage nach dem “anderen” Blick als Frage nach Individuen, deren Blick nicht durch Sozialisation in den mainstream der üblichen Informatik-Ausbildung geprägt wurde, oder!?

      • A. Behrens says:

        Nein! Ich war offensichtlich uneindeutig.

        Mit anderem Blick meine ich tatsächlich ganz naiv anderen Blick. Nicht bezogen auf ein Geschlecht, eine Religion oder eine Hautfarbe, sondern tatsächlich einfach mit einem anderen Hintergrund drauf zu gucken.

        Es geht darum, dass Informatiker letztlich in Boxen oder Schubladen denken.

        Als Beispiel: Das was heute in der Informatik passiert, ist im Kern die Weiterentwicklung der Automatentheorie die vor fast 70 Jahren entwickelt wurden (Von-Neumann-Maschine und Turingmaschine). Wesentlicher Kern der Automaten ist dabei die Abstraktion bzw. Isolation von Einzelproblemen und deren getrennte Lösung.

        Die Ideen sind gut und haben uns weit gebracht. Der größte Vorteil ist, dass sich Einzelprobleme isoliert betrachten und lösen lassen und das die Ergebnisse beweisbare Resultate bringen. Allerdings hat der Von-Neumann-Computer Probleme bei der Skalierbarkeit bei massiver Parallelverarbeitung, es gibt hohe Leistungsverluste und bestimmte Probleme lassen sich oft gar nicht parallelisieren, etwa wenn Rekursionen gebraucht werden.

        Und ja: Moderne Informatiker sind Von-Neumann-Und-Turing-Sozialisiert.

        Und da könnte ein anderer Blick hilfreich sein und ich ziemlich sicher, dass die neuen Ansätze nicht von klassischen Informatikern kommen werden, egal ob Männlein oder Weiblein.

        Bezogen auf den Kongress: Wenn die Frauen etwas anders machen wollen, warum sich dann nicht diesen echten IT-Problemen stellen? Es gibt genügend Raum für etwas großes und gänzliches neues. Und wenn es wirklich gut ist oder auch nur gut riecht, würden Männer in Heerscharen das Lager wechseln. Wenn aber statt dessen versucht wird “gendergerechte Programmiersprachen” zu erfinden, dann …

        Jetzt klarer? 🙂

        PS: Weil natürliche Sprachen so missverständlich sind, haben Informatiker vor 30 Jahren angefangen diverse Bildsprachen wie UML zu erfinden… 🙂

        • @A. Behrens

          Ja, das ist viel klarer, und vielen Dank für die Erläuterung! Ich bin sicher, dass sie hilft, Missverständnisse zu vermeiden.

          Inhaltlich kann ich mich nicht wirklich kompetent äußern. Immerhin weiß ich aber, dass es schon vor zehn, zwanzig Jahren Versuche gab, die von Ihnen angesprochenen Schwierigkeiten, die es mit der Isolation von Problemen und Problemlösungen gab, anzugehen, wenn nicht zu lösen, anscheinend wohl vor allem durch den Aufbau intelligenter und sich selbst organisierender Netzwerke und basierend auf der Komplexitätstheorie bzw. “nonlinear dynamics” und so. Und es gab ja sogar zaghafte Versuche, solche Ansätze für die Sozialwissenschaften fruchtbar zu machen.

          War das nur eine Art Mode, die zu nichts geführt hat? Sind solche Versuche einfach gescheitert oder im Sand verlaufen, oder basieren sie letztlich eben doch auf derselben Isolationslogik? Ich fände es interessant zu wissen, was aus ihnen geworden ist ….

          • A. Behrens says:

            Naja. Halt der Informatikertypische Ansatz: Wir machen jetzt hier eine Box, darin dann ein wenig unscharfe Logik. Aber so, dass sie sich bitte innerhalb der Parameter bewegt … 🙂

            Alles was ich so mitbekommen habe (KI, Neuronale Netze, selbstoptimierende Algorithmen, Agenten …) haben in der Praxis nicht funktioniert oder sind zu Insellösungen geworden. Als Informatiker kenne ich den Grund für das Scheitern der jeweiligen Lösung, aber kann nicht sagen ob z.B. Neuronale Netze generell nicht funktionieren oder aber ob Informatiker eine geheime Zutat übersehen. IMO könnten hier Biologen/Neurologen/Soziologen/Philosophen etwas wissen, von dem sie möglicherweise noch gar nicht wissen das sie es wissen –> anderer Blick.

          • Marco says:

            Seid den 1980 Jahren verfügt die Informatik über diverse parallele/Verteilite Berechnungsmodelle (alternierende Turingmaschine, PRAM, Schaltkreisnetzwerke, u.a.), die eine gute Analyse der entsprechenden Probleme/Algorithmen erlauben. Was sich gerade erst entwickelt, ist der Übergang von der Theorie in die Praxis. Inzwischen haben selbst Smartphones mehrere Kerne, so dass es auch für den Alltagsprogrammierer interessant ist, spezifische parallele Algorithmen zu entwickeln. Und so ist es aktuell so, dass sich in den diversen Programmiersprachen Konstrukte und Bibliotheken etablieren, die es den Programmieren leicht(er) machen, diese zu nutzen.

            Auch Google’s Erfolg basiert im wesentlichen auf einer speziellen Form des verteilten Rechnens. Mit viel billiger Hardware und einem abgeschwächten Ergebniskonsistenz kann Google seine Suchen durchführen. Das Map-Reduce-Verfahrens reicht da aus, um diese Leistung zu erbringen. Die Resultate müssen nicht im strengen Sinn konsistent sein, weil das keinen Kunden interessiert, ob auf der x’ten Seite wirklich alles aktuell ist und so kann sich Google da einiges an (überflüssiger) Prüferei sparen.

            Kurz: An parallelem/verteiltem Rechnen ist nichts Mysteriöses mehr, es geht schon längst darum, es da einzusetzen, wo es nützlich ist.

            Bei den neuronalen/selbstorganisierenden Netzwerken ist das etwas anders. Bis auf wenige Nischen (Mustererkennung) gibt es da kaum Einsatzgebiete. Letztlich kann man eben nicht garantieren, was diese Netzwerke “lernen”. Für die meisten Anwendungen wäre das aber gut, wenn man das vorher wüsste. 😉

            • @A. Behrens, @Marco,

              vielen Dank für die Informationen bzw. Ihre Einschätzungen mit Bezug auf die neuronalen Netzwerke!

              Schade, dass es diesbezüglich keine nennenswerten Weiterentwicklungen gegeben hat, denn ja, sicher – für konkrete Anwendungen mit klaren Zielsetzungen muss man natürlich wissen, was ein neuronales Netzwerk lernt, bzw. ist ein neuronales Netzwerk vielleicht gar nicht notwendig, aber der besagte neue Blick stellt sich ja oft erst ein, wenn er durch unerwartete Beobachtungen erzwungen wird, und solche Beobachtungen könnten ja im Zusammenhang mit den Lernprozessen neuronaler Netzwerke gemacht werden. Und haben nicht alle wirklich neuen Entdeckungen oder gar Paradigmenwechsel letztlich ihren Ursprung in der guten alten empirischen Arbeit, also der systematischen Beobachtung, die neue, bislang unentdeckte und vielleicht noch unerklärbare Phänomene zeigt?

              Naja, jedenfalls finde ich neuronale Netzwerke sehr interessant, sicherlich auch deswegen, weil die Sozialwissenschaften ja auch mit dem Problem der Emergenz zu kämpfen haben, sofern man das Problem nicht einfach ignorieren und sich mit vermeintlich Unerkennbarem abfinden will.

              • Stuff says:

                Ein paar Hinweise, was denn eigentlich zu Parallel-Rechnern geführt hat, möchte ich noch anmerken:
                Zuallererst gibt es Geschwindigkeitsprobleme, die Geschwindigkeit der Speicherzugriffe auf RAM (=random acces memory, das ist der Zugriff auf eine Speicheradresse völlig unabhängig von der zuvor adressierten) stagnieren seit nun gut 20 Jahren, nochmals präzisiert: der wahlfreie, nicht-sequenzielle Zugriff auf den Arbeitsspeicher ist gemeint. CPU adressieren de facto nur noch kleine Segmente des Speichers (Cache), die bei Adressierung, die ausserhalb dieses Cache praktisch ein Nachladen dieses Cache aus dem Arbeitsspeicher erfordert, wobei aber der bisherige Inhalt dieses Cache überschrieben wird: Eine Rückkehr des Programmes beispielsweise in Teile, die zuvor im Cache waren, erfordert wiederum das erneute Laden dieses zuvor benutzten Programmteiles bzw. der Daten. Random Access ist damit de facto nur mehr auf die Grösse dieser Cache reduziert.
                Das ist zwar eine sehr grobe Darstellung aber im Prinzip läuft das so. Moderne Compiler berücksichtigen diese Beschränkungen und organisieren Kompilate so, dass dieses swapping minimiert wird.
                Weiters ist seit etwa ~10 Jahren in der Geschwindigkeit der CPU Ende der Fahnenstange, schneller als das, was so herkömmlich angeboten wird, wird es mit der bisherigen Technologie wohl nicht mehr werden, bei >4 GHz beginnen quantenmechanische Effekte die Zuleitungen (bonding) zu zerbröseln.
                Ausweg aus diesem Dilemma ist die Busbreite zu erhöhen, also nicht 16 oder 32 bit breite Zugriffe auf das RAM, sondern 64 bit breit, da nun mit einem Ladezyklus nun nicht mehr 2 bzw. 4 Byte sondern 8 Byte in die CPU geschafft werden und die Parallelisierung, das heisst, mehrere CPU mit jeweils eigenem Cache greifen auf das RAM zu. Graphikprozessoren (GPU) werden mit noch grösseren Busbreiten betrieben, damit die Spiele weniger ruckeln, haben aber ihr RAM on Board, um allzulange Leiterbahnen zu vermeiden
                Allzu grosse Busbreiten sind aber auf herkömmlichen Platinen nicht zu verwirklichen, da dann Laufzeitunterschiede zwischen den einzelnen, nicht immer gleichlang zu haltenden Leiterbahnen auftreten; auch kann man den auf der CPU plazierten Cache nicht beliebig vergrössern, da es sonst thermische Probleme gibt.

                Leider ist Programmierern das (und die Ursache für neue Ideen) nicht immer bewusst, da nur wenige in den Keller der Technik hinuntersteigen und so kann es dazu kommen, dass vom Drücken des Nothalteknopfes bis zum eigentlichen Bremsbefehl dann eine Sekunde vergeht. (http://blog.fefe.de/?ts=ae4fdfeb)

                Soweit mein Rant zu den Grenzen der Kombjuda…

    • mcs says:

      manuals?
      #Aufschrei!
      Ich fordere umgehend femuals und einen safe space auf der Platte!

    • Marco says:

      Manche philosophische Fragen dampfen ein, wenn sie sachlich betrachtet werden. Das Entscheidende am Computer ist nicht ja/nein, wahr/falsch, 1/0 oder – allgemein – das Binäre, sondern die Tatsache, dass digital, also mit diskretem Zeichensatz gerechnet wird. Das geht auch mit nur einem Zeichen! Bloß ist dann der Speicherbedarf recht groß, weshalb man die Darstellung mit mehr als einem Zeichen bevorzugt (und so – bei zwei Zeichen – statt n nur noch log n Platz benötigt). Man kann auch mehr als zwei Zeichen verwenden, allerdings spart man dann nicht mehr wirklich viel. Ob man dann eine amerikanische (ASCII), chinesische oder die standardisierte UTF-16 Kodierung verwendet, ist recht egal und ändert am Prinzip des Rechners wenig. Mit diesen variablen Zeichensätzen wurden auch schon die ersten (abstrakten) Rechnermodelle von Turing und von Neumann entworfen (seid ca. den 1930 Jahren).

      Bisher hat sich von allen, an der Oberfläche doch teilweise sehr verschiedenen, Berechnungsmodellen gezeigt, dass sie in ihrer prinzipiellen Leistungsfähigkeit äquivalent sind (woran auch kein Quantencomputer etwas ändert). Manche Modelle haben Ähnlichkeiten in der Art, wie dort Algorithmen implementiert werden, manche sind sehr verschieden und erfordern ein andere Art der Programmierung. Dennoch lassen sich Programme des einen Modells mechanisch in Programme des anderen übersetzen. Ob es eine Berechnungsmodell gibt, dass grundsätzlich anders funktioniert ist sehr fraglich (Church-Turing-These).

      Dennoch ist es natürlich sinnvoll daran zu arbeiten, dass man Programmiermodelle oder Sprachen hat, die dem Denken von Menschen nahe kommen. Werkzeuge sollten so gestaltet sein, dass sie dem Benutzer ein effizientes, fehlerfreies und angenehmes Arbeiten erlauben. Das gilt selbstverständlich auch für die Informatik. Das betrifft (offensichtlich) Benutzeroberflächen aber auch Programmiersprachen, die sich ihren Einsatzgebieten anpassen sollten (siehe etwa Scratch als visuelle Programmiersprache für Kinder oder als wenig alltagstaugliches Gegenbeispiel Brainfuck).

      Im Programm der GenderIT ist aber wenig enthalten, was die Forschung in diesem Sinne weiterbringt. Bestenfalls ergibt sich aus dem Programm irgendwas, was mit Didaktik zu tun haben könnte. Ansonsten kann ich bei dem ganzen “Gender all around” nichts entdecken, was mit Informatik zu tun hat. Sätze, wie Instead of say we need more ‘women’, we need to ensure BOTH men and women can comfortably display a range of feminine gender identities while their pursuing mastery of technology. lassen mich schlicht ratlos zurück, weil ich keine Ahnung habe, wofür es wichtig ist, welche Frisur man dabei hat, wenn man eine Technik erlernt.

  5. lernender says:

    Im übrigen möchte ich den Thread nicht überfordern, allerdings muss ich jetzt den Vergleich nochmals bildlich darstellen zwischen Genderwissenschaften und vermeintlich intellektuellen Gutmenschen mit allumfassender Toleranz und keiner sagt, dass Wissensvermittlung kein Spass machen darf..



  6. Striesen says:

    Schwätzer-Hijacking zahlt sich aber aus. Das neue „U-Multirank“ der EU sieht bei Forschung wen auf Platz 2? Tätärätä:

    “Die deutsche Universität Siegen steht mit einem „A“ weltweit an zweiter Stelle, direkt hinter der University of California Santa Cruz und vor weltberühmten Hochschulen wie dem MIT, Princeton, Berkeley oder Stanford, die – wie viele andere der 792 aufgeführten Hochschulen – ebenfalls ein „A“ bekomme.”

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/unirangliste-u-multirank-ergebnisse-im-ueberblick/9887734-2.html

    Vielleicht handelt es sich dabei auch nur um ein Schwätzer-Multiranking …

  7. Markus says:

    Ich verstehe auch nicht, warum denn dieses Männerabgezocke immer noch irgendwie mit akademischem Blabla unterlegt werden muss, warum sagt die Frauenbewegung (egal ob in der CDU, SPD, Grüne oder Kommunisten) nicht einfach wie weiland die Gewerkschaften: Wir wollen die Knete und wir haben die Mittel, sie uns zu holen ! Das war doch viel ehrlicher !

    Warum muss sich die Frauenbewegung immer diesen lächerlich schiefen, in Bierernst vorgetragenen akademischen Anstrich geben und konzentriert sich nicht auf ihr Kerngeschäft – dafür zu sorgen, dass Männer auch weiterhin sich kaputtmachen und dafür auch noch sich beschimpfen lassen müssen ?! Das wäre doch ausreichend und man müsste sich garnicht zum Gespött der Intelligenten machen,

    Letztlich liesse sich dieses ganze Frauenproblem nur lösen, indem man wieder ein zumindest ansatzweises Zensuswahlrecht einführte, in dem Männern zumindest ansatzweise die Möglichkeit gegeben würde, über das Geld, das der Staat ihnen entwendet (remember: 80% aller Steuergelder zahlen Männer …) auch mitzuentscheiden. So aber erzeugt die höhere Lebenserwartung und die demografische Entwicklung eine Situation, in dem sich die Parteiendemokratie der Logik des “Frauenbedienens durch Männerabzocken” garnicht entziehen kann (Frauen leben 7 Jahre länger und es werden immer mehr – und diese alten Frauen entscheiden zunehmend Wahlen bei reinem, leistungsunabhängigem Mehrheitswahlrecht) .

  8. rugay says:

    Ich lese die SFs zwar nicht täglich dennoch habe ich den Eindruck, dass aus der Ecke der z.B. Gender-Gescholtenen hier nie eine direkte Stellungnahme (per Kommentar)erfolgt, sondern höchstens (ich bin jetzt mal gemein) irgendwelche Fanboys- oder Girls hier auflaufen um die Ergüsse ihrer selbsterwählten Helden und Epigonen sinnfrei zu verteidigen.

    Woran liegt das ? (Kann ja auch eine komplette Fehlinterpretation sein)

    a.Wissen die Betreffenden, dass sie sang-und klanglos untergehen wenn sie hier posten ? Oder wissen sie, dass wenn das sinnfreie Treiben allzusehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, Schluss ist mit Gender-lustig ?

    b.Sortiert SF entsprechendes Geschwätz dazu sowieso präventiv aus weil man das niemandem zumuten kann ?

    c.Oder ist es so (wie ich befürchte), dass diese Klientel voll Hybris in hermetisch abgeriegelten geistigen (“alternativlosen”) Leerräumen residiert in denen grundsätzlich nicht sein kann was nicht sein darf ?
    (Als plastisches Beispiel vielleicht dieses Video in Betracht gezogen https://www.youtube.com/watch?v=OXgXJSRELsg ).

    d.Kriegen sie beide (Diefenbach & Klein) stattdessen laufend private Hassmails von getroffenen Hunden ?

    Das interessiert mich. Vor allem deswegen weil ich vieles was so in dt. Amts- und Uni-Stuben vor sich geht nur noch als “komplett durchgeknallt” bezeichnen kann.

    Gruß

    • Zu Ihren Fragen:
      a) Da Genderisten keine empirischen Ergebnisse und keine Theorien vorzuweisen haben, dafür aber Unmengen leerer Behauptungen und logischer Fehler, liegt der Verdacht nahe, dass sie Angst haben, sang- und klanglos unterzugehen.
      b) Nein
      c) Insofern sich manche Genderisten sicher in dem Hochmut sonnen, dass man die auf ScienceFiles gestellten Fragen nicht beantworten müsse, vermutlich.
      d) Nein.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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