Der letzte Sargnagel für den Gender Pay Mythos: Schlechtere Bezahlung wegen geringerer Produktivität

Fabian Ochsenfeld ist Soziologe an der Goethe-Universität in Frankfurt, mit einem Hang zu Themen, die ihn unbeliebt machen. So haben wir bereits in der Vergangenheit über eine Arbeit von Ochsenfeld berichtet, in der er den Mythos der Gläsernen Decke vollständig als solchen enttarnt hat.

Damals hat er gezeigt, dass die Wahl des Studienfachs und die Entscheidung, sich fortzupflanzen, die beiden Variablen sind, die die Wahrscheinlichkeit, in eine leitende Position zu gelangen, determinieren.

wrecking ballNun hat Fabian Ochsenfeld wieder einen Beitrag veröffentlicht bzw. steht dessen Veröffentlichung bevor: Why Do Women’s Fields of Study Pay Less?, so lautet die Überschrift des Beitrags, der darauf wartet, in der European Sociological Review veröffentlicht zu werden. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die bekannte Tatsache, dass Berufe, in denen mehr Frauen als Männer tätig sind, mit einem geringeren Lohn verbunden sind. Warum, so fragt Ochsenfeld, erhalten Frauen in ihren Berufen geringere Löhne? Die Forschungsfrage ist so konservativ gestellt, dass sie sicherstellen sollte, dass die Angst der Herausgeber der European Sociological Review vor einer Veröffentlichung von Ergebnissen, die zeigen, dass der Feminismus auf einer Basis falscher Behauptungen aufsetzt, sie nicht vor einer Veröffentlichung zurückschrecken lassen wird.

Auf die Frage, warum in Frauenberufen geringere Löhne bezahlt werden, gibt es drei Antworten:

Die übliche Verschwörungstheorie kommt aus der feministischen Ecke: Sie behauptet, dass die Löhne in Frauenberufen deshalb geringer sind als in Männerberufen, weil es sich um Frauenberufe handele und Frauenberufe gesellschaftlich, also durch das angeblich herrschende Patriarchat, abgewertet würden. Dies ist zum einen eine Tautologie und zum anderen eine Variante des “Frauen-sind-Opfer-Mythos”, an dem Feministen seit Jahrzehnten bestens verdienen.

Die Rollentheorie geht dagegen von Menschen aus, die mit einem freien Willen ausgestattet sind, der freie Wille ist auch bei Frauen vorhanden, weshalb es prinzipiell und im Gegensatz zu feministischen Annahmen möglich ist, dass Frauen ihren Beruf frei wählen, was die weitere Möglichkeit umfasst, dass Frauen, die Karriere machen wollen, hochbezahlte Berufe ergreifen. Entsprechend wird die Klumpung von Frauen in Berufen, die geringer entlohnt werden, Ergebnis einer Selbstselektion durch die entsprechenden Frauen. Sie suchen nach einem Beruf, der nicht zu viel Engagement von ihnen fordert und es ihnen ermöglicht, eine oder mehrere Auszeiten aus welchen Gründen auch immer zu nehmen. Prominent hat Catherine Hakim (2000) diese Theorie gemacht.

Die Humankapitaltheorie geht davon aus, dass der Lohn, den Arbeitnehmer erhalten, eine Funktion ihrer Produktivität ist, die wiederum eine Funktion ihres Humankapitals ist. Arbeitnehmer, die viele Fertigkeiten und Fähigkeiten erworben haben, die motiviert und einsatzbereit sind, können entsprechend ihr Humankapital zu einem höheren Preis verkaufen als diejenigen, die das nicht sind.

Aus den beiden Theorien, der Humankapitaltheorie und der Rollentheorie und aus der feministischen Behauptung leitet Ochsenfled Hypothesen ab, die er auf Grundlage eines sehr guten Datensatzes testet. 4.092 Absolventen, die im Jahre 1997 eine Hochschule mit einem Abschluss verlassen haben, wurden 1997 und 2002 im Rahmen des HIS Absolventenpanels befragt. Da es sich bei dem Datensatz um ein Panel handelt, das Daten für dieselben Befragten zu mehreren Zeitpunkten enthält, ist es möglich, die Berufskarriere nach Verlassen der Hochschule nachzuzeichnen und zu untersuchen, welche Faktoren die Höhe des Stundenlohns, den Absolventen 5 Jahre nach Abschluss ihres Studiums erhalten, determinieren und die drei oben genannten Theorien bzw. Behauptungen zu prüfen.

Die Analyse von Panel- oder Verlaufsdaten, ist das beste, was die Sozialforschung zu bieten hat. Entsprechend sind die Ergebnisse, die nun berichtet werden, Ergebnisse, die auf Daten basieren, deren Gültigkeit man kaum in Zweifel ziehen kann.

Was erklärt nun die geringeren Löhne von Frauen im Vergleich zu Männern?

Die Antwort lautet wie folgt:

  • scully facepalmDer Anteil der Frauen in einem Beruf hat keinen Effekt auf den Stundenlohn. D.h. Berufe werden nicht geringer entlohnt, weil sie vornehmlich von Frauen ausgeübt werden. Ganz im Gegensatz zu dem, was die feministische Mythenbildung behauptet.
  • Die Frage, ob das eigene Studium mit Blick auf das nachfolgende Verdienst ergriffen wurde, mit Blick auf die damit verbundene Möglichkeit, berufliche Karriere zu machen und mit Blick darauf, das Ziel eines hohen Verdiensts zu erreichen, hat einen erheblichen Einfluss auf den erzielten Stundenlohn. Ochsenfeld hat die drei Einzelpunkte in einen Index zusammengefasst, den er Breadwinner-Index nennt. Er beantwortet schlicht die Frage, ob jemand plant, nach seinem Studium auf eigenen Beinen zu stehen oder nicht.
  • Die demographischen Variablen, die einen geringeren Lohn zum Ergebnis haben, können wie folgt zusammengefasst werden: Vornehmlich Frauen aus Westdeutschland, die über wenig bis keine Erfahrung im Beruf verfügen und sich auch während des Studiums keine Berufserfahrung angeeignet haben, die keine innerbetriebliche Weiterbildung mitgemacht haben, verdienen weniger als Frauen und Männer auf die die gemachten Einschränkungen nicht zutreffen.

Ochsenfeld interpretiert seine Ergebnisse vornehmlich als Beleg für die Rollen-Theorie, eine – wie wir finden – Interpretation, die man nicht unbedingt vornehmen muss, denn sein “Breadwinner-Index”, der die Wichtigkeit des Verdienstes nach dem Studium, die Auswahl des Studiums im Hinblick auf das Verdienst und die Intensität, mit der diese beiden Ziele verfolgt wurden, zusammenfasst, diskriminiert nicht zwischen Männern und Frauen. Der Index diskriminiert zwischen Absolventen, für die das Studium ein Zugang zu einem hohen Verdienst ist und die ihr Studium genau aus dem Grund, später ein hohes Verdienst zu erreichen, auswählen und denen, die andere Gründe für ihr Studium haben.

Insofern findet eine Selbstselektion entsprechender Studenten in Studienfächer, die Zugang zu hoch entlohnten Berufen gewährleisten, statt, und diese Selbstselektion umfasst mehr männliche als weibliche Studenten. Die Unterschiede zwischen Studenten, die man als hochmotivierte und auf ihr Berufsleben ausgerichtete Studenten, als karriereorientiert ansehen kann und den anderen Studenten, verstärken sich nach Abschluss des Studiums, denn die karriereorientierten unter den Absolventen vergrößern ihren Vorsprung zu den anderen Absolventen durch Weiterbildung, Training und Erfahrung. Sie erhöhen ihr Humankapital und damit den Preis, den sie für ihre Arbeitskraft verlangen können.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich Ochsenfeld scheut, diese Interpretation an seine Daten heranzutragen. Er will die Wahrscheinlichkeit der Veröffentlichung seiner Ergebnisse ja nicht auf Null reduzieren und dass die von ihm beschriebenen Unterschiede Unterschiede zwischen Studenten sind, die in erster Linie Karriere machen wollen und Studenten, die sich ein Hintertürchen offen halten wollen, das sie vom Arbeitsmarkt entlässt und in Familie machen lässt, ist ja auch richtig. Es ist aber nur ein Teil der Wahrheit:

rent-seeking-gordon-tullock-paperback-cover-artDie ganze Wahrheit lautet: Viele Frauen sind nicht bereit, die selben Investitionen in ihre berufliche Karriere zu machen wie Männer. Sie sind nicht bereits, sich über Gebühr zu engagieren, wollen sich nach Möglichkeit nicht übermäßig weiterbilden, nicht ständig ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten verbessern, sie wollen schlicht weniger Aufwand für ihren Beruf betreiben als die meisten Männer. Entsprechend ist ihre Produktivität geringer als die Produktivität hochmotivierter und karriereorientierter vornehmlich Männer, und als Folge höherer Produktivität erhalten Letztere höhere Löhne. Das ist schlicht fair.

Und damit sind wir abermals am Kern dessen, man kann es nicht oft genug sagen, was Feminismus ausmacht. Feminismus ist eine Ideologie, der es nicht um Fairness geht, was man schon daran erkennt, dass der Begriff des Humankapitals von Feministen abgelehnt wird. Humankapital betont den Wert des Einzelnen, den Wert der Investitionen in die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das gerade lehnen Feministen ab. Ihnen geht es nicht um den Wert des Einzelnen, um seine Leistungen und eine gerechte Honorierung für diese Leistungen, sondern darum, sich selbst einen unverdienten Vorteil zu verschaffen.  Feminismus ist der Versuch, gesellschaftliche Ressourcen zu besetzen, und zwar gerade nicht aufgrund eigener Verdienste oder Leistungen.

Entsprechend hat Feminismus wie jede Ideologie ein gestörtes Verhältnis zur Realität. Die Realität ist der größte Feind des Feminismus, entlarvt sie doch die Behauptungen, die von Feministen aufgestellt werden, als haltlos, unbegründet oder schlicht als Lügen, um Vorteile für sich und auf Kosten anderer zu erheischen. Deshalb agitieren Feministen gegen die Rationalität, die Empirie, deshalb ignorieren sie empirische Forschung und wiederholen monoton und gebetsmühlenartig ihr ewiges Lamento.

Die Untersuchung von Ochsenfeld hat eine weitere Behauptung der Feministen, nämlich, dass die Arbeit von Frauen abgewertet, ihre Berufe unterbezahlt sind, als falsche Behauptung entlarvt. Nicht das böse Patriarchat sorgt dafür, dass Frauenberufe geringer bezahlt werden, sondern die geringeren Anforderungen, die geringeren Investition von vielen Frauen in ihre Berufstätigkeit, die geringere Produktivität der von ihnen gewählten Berufe sind die Ursachen. Und damit wird klar und deutlich, worauf Feminismus abzielt: Nicht auf die Gleichberechtigung von Frauen, sondern auf Gleichstellung, darauf, den eigenen Günstlingen Vorteile zu verschaffen, die sie in der Konkurrenz mit anderen aufgrund fehlender Fertigkeiten, Fähigkeiten, fehlenden Engagements und fehlender Bereitschaft, in die eigene Karriere zu investieren, nie erreicht hätten.

Vielleicht wird langsam auch in Deutschland akzeptiert, was nicht von der Hand zu weisen ist: Der Feminismus ist ein Anschlag auf die Gerechtigkeit.

Ochsenfeld, Fabian (2014). Why Do Women’s Fields of Study Pay Less? A Test of Devaluation, Human Capital, and Gender Role Theory. European Sociological Review (online first).

Print Friendly, PDF & Email
18 Comments

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Translate »