Versteckte Prämissen oder wenn Frauenpower in die Hose geht

Es scheint, als gäbe es grundsätzliche Probleme mit Prämissen, vor allem mit versteckten Prämissen oder unausgesprochenen Prämissen. Unausgesprochene Prämissen durchziehen die öffentliche Diskussion, sie sind ein elementarer Bestandteil von Kommunikation und Manipulation.

Logik fuer DummiesIn der Kommunikation finden sie z.B. ihren Niederschlag in der fatischen Kommunikation, jenem Austausch von Floskeln, der erheblich gestört werden kann, wenn man sie ernst nimmt, wie Harold Garfinkel gezeigt hat, denn: Niemand erwartet auf die Frage, “Wie geht es Dir?”, einen 30minütigen Vortrag über den letzten Arztbesuch und die Ratschläge und Medikamente, die das Gegenüber mitgebracht hat.

Derart harmlosen, versteckten Prämissen wie denen, die fatischer Kommunikation zu Grunde liegen, stehen weniger harmlose versteckte Prämissen gegenüber, die weggelassen werden, um das Gegenüber zu täuschen.

Wer eine ungleiche Verteilung in Spitzenpositionen zwischen Männern und Frauen anprangert, tut dies auf der versteckten Prämisse, dass die ungleiche Verteilung durch Diskriminierung oder sonstige unfaire Mittel zu Stande gekommen ist. Nur so, macht seine Problematisierung einer ungleichen Verteilung Sinn.

Wer das Vorhandensein einer Homo-Heiler Szene anprangert, also des Angebots an Homosexuelle, eine Therapie zu besuchen, um dort vielleicht heterosexuell zu werden, tut dies auf Basis der versteckten Prämissen, dass es unter Homosexuellen niemanden gibt, der ein solches Angebot ernsthaft erwägen würde, dass Homosexualität eine biologische Disposition ist, die man nicht ändern kann und dass jeder, der sich für homosexuell hält, glücklich damit ist und nichts daran ändern will und nicht zu vergessen: das Homosexuelle dumm genug sind, auf derartige Angebote hereinzufallen. Nur auf Grundlage dieser Prämissen macht es Sinn, das Vorhandensein so genannter Homo-Heiler anzuprangern.

Wer nach versteckten Prämissen Ausschau hält, rekonstruiert damit unvollständige Argumente, Argumente, die unvollständig geblieben sind, weil sich jemand einen Vorteil damit verschaffen will, dass er seine Prämissen maskiert. Das Auslassen von Prämissen dient häufig der Manipulation, oder es dient der Täuschung, Zuhörer oder Leser sollen darüber getäuscht werden, dass die Behauptungen, die aufgestellt werden, wie z.B. bei der Diskriminierung von Frauen, die so gerne Vorstand bei Krauss Maffei Wegmann werden wollen, ohne empirischen Beleg ist. Wer gerne behauptet, aber keine Belege vorzuweisen hat, bei dem findet man entsprechend und in schöner Regelmäßigkeit versteckte oder ausgelassene Prämissen.

Folglich ist die Suche nach versteckten Prämissen etwas, was regelmäßig dazu führt, dass man sich diejenigen, die nichts auf der Hand haben, aber dennoch versuchen, andere über den Tisch zu ziehen, zum Feind macht, der zum Beispiel dadurch bekämpft werden soll, dass er in die rechte Ecke gestellt oder zum Homo-Hasser gestempelt wird.

Logik SalmonDie Suche nach versteckten Prämissen hat noch andere Vorteile und Effekte: Sie hilft dabei, Scheinheiligkeit und Heuchelei aufzudecken, z.B. dann, wenn Politiker und Gewerkschaftler sagen, was “Wir” brauchen. Die Prämisse dahinter ist eindeutig: Wenn Politiker und Gewerkschaftler UNS sagen, was WIR brauchen, dann sind wir offensichtlich nicht in der Lage zu erkennen oder zu wissen, was wir brauchen, benötigen daher Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre, die intelligenter sind als wir, so sehr, dass sie wissen, was wir nicht wissen, nämlich was gut für uns ist. Entsprechend entmündigen sie uns Dumme, um ihr überlegenes Wissen loszuwerden.

Wenn man nun die durchschnittliche Kontaminierung von Gewerkschaftlern und Politikern mit IQ in Rechnung stellt, dann wird vielleicht dem einen oder anderen deutlich, warum wir von ScienceFiles es überhaupt nicht tolerieren, wenn Gewerkschaftler, Politiker oder sonstige Funktionäre uns sagen wollen, was “wir brauchen”.

Aber, versteckte Prämissen und die Suche nach Ihnen haben auch etwas Amüsantes, dann nämlich, wenn der ideologische Dunst, der sich über manche herabgesenkt hat, dazu führt, dass sie nicht mehr wissen, was sie sagen oder schreiben – so geschehen in der Pressemeldung zum “Campus-Symposium”, die mit “Frauen-Power beim Campus Symposium” überschrieben ist. Drei Powerfrauen sollen die versammelte Weiblichkeit beim Symposium wohl durch ihre Power beeindrucken und vielleicht auch mit ein paar Leistungen erfreuen. “Starke Pionierinnen” verspricht die Pressemeldung, die bei der Suche nach den “Ursachen für psychische Erkrankungen” mithelfen sollen, die “künftig viel stärker die gesellschaftlichen Randbedingungen” in den Blick nehmen soll.

Wem diese Verbindung zwischen Powerfrauen und psychischen Erkrankungen etwas seltsam vorkommt, der wird seinen Spaß haben, wenn wir die versteckten Prämissen enthüllen, auf denen alles basiert. Dazu ist es nur notwendig, den ersten Satz dieser ungewollt lustigen Pressemeldung zu zitieren, wobei der erste Satz bereits ein Zitat ist, ein Zitat vn Käte Ahlmann, die wohl eine Heldin der Szene ist, und die gesagt haben soll:

“Ob mir ein Mann in der Straßenbahn seinen Platz anbietet, ist mir egal, er soll mir einen Sitz in seinem Aufsichtsrat anbieten.”

SquibDas ganze Elend der Frauenpower in einem Satz, ein wahrer Rohrkrepierer. Frauenpower besteht also darin, angeboten zu bekommen, was man gerne möchte, nicht darin, aus eigener Kraft etwas zu erreichen. Frauenpower ist nichts, was auf eigener Leistung basiert, sondern etwas, was von netten Männern gewährt oder angeboten wird. Frauenpower ist das Ergebnis von Paternalismus, der Zuweisung von Wohltaten durch Männer früher und den Staat heute. Entsprechend kann von Frauenpower keine Rede seien, denn die entsprechenden Powerfrauen sehen sich ganz offenkundig nicht dazu in der Lage, aus eigener Kraft etwas zu erreichen. Man sieht sich als Opfer der Randbedingungen und als Spielball in den Händen das Patriarchats.

Kein Wunder, dass die Emanzipation, die der Feminismus einst wollte, zwischenzeitlich zur freudigen Vorteilsnahme dessen geworden ist, was der nette Staat zum Beispiel im Rahmen des Professorinnenprogramms gerade anbietet. Feminismus im Allgemeinen und Powerfrauen im Besonderen sind ihren eigenen Prämissen zufolge, nichts anderes als hilflos im Fluss der Zeit schwimmende, von den Randbedingungen getriebene und gelenkte Objekte einer externen Einflussnahme. External Locus of Control hat das Julian Rotter genannt und damit letztlich den fehlgeschlagenen Versuch, eine Persönlichkeit auszubilden, beschrieben.

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