Mythologie im ZDF: Bei 37 Grad (im Schatten?)

Wir danken einem Leser für den Link auf eine Sendung im ZDF. Die Ankündigung der Sendung hat uns bereits deutlich gemacht, dass es nicht notwendig ist, diese Sendung anzusehen, es sei denn, man will reality TV gewürzt mit Mythologie betrachten und sich das Ganze als Erklärung für den Bildungsmisserfolg von Jungen auftischen lassen.

37 GradDer Mythos, an dem Katrin Wegner, die für die Sendung bei 37 Grad verantwortlich zeichnet, strickt, ist der Mythos des plötzlich Jungen befallenden Schulmüdigkeitsvirus. Dieses Virus ist, dem Ebola-Virus vergleichbar, ein fast wahllos zuschlagendes Virus, eine Geißel Gottes, das aus dem Nichts auf seine Opfer fällt. Die Phase der Inkubation ist unterschiedlich lang. Immer jedoch äußert sich das Virus in Schulmüdigkeit, elterlicher, meist alleinerziehend-elterlicher Verzweiflung. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Befallenen nicht mehr zum Schulgang fähig, “Fehlzeiten werden immer länger” und am Ende steht: Schule schwänzen.

Da ist zum Beispiel Phillip (17): “Plötzlich … lassen Wissbegier und Motivation nach, seine Leistungen nehmen rapide ab, und er schwänzt nur noch den Unterricht”. Oder: Jakob –  “Die Probleme des zwölfjährigen Jakob begangen ganz plötzlich in der Grundschule: Ständig saß er unter dem Tisch und zerriss die Arbeitsblätter, statt sie auszufüllen”.

Wir sehen, das Anti-Jungenbildungs-Virus sucht seine Opfer ohne Vorwarnung heim. Gestern noch saß Jakob am und nicht unterm Tisch, heute ist das anders. Oder Philip, er war “ein Überflieger” in der Schule, der ganz plötzlich eine Bruchlandung macht und als Folge lassen “Wissbegier und Motivation nach”. Ein weiterer Beleg für die Hinterhältigkeit des Anti-Jungenbildungs-Virus, das seine Opfer ganz plötzlich heimsucht.

ebola_micrograph_virus-afriqueUnd wie bei Ebola, so ist auch beim Anti-Jungenbildungs-Virus eine Heilung kaum möglich. Bislang gibt es kein Gegenmittel, nicht einmal eine Vermutung darüber, wo das Virus seinen Wirt hat, von wo aus, es seine Opfer befällt. Entsprechend ist die Frage, die Katrin Wegner bei 37 Grad stellt: “Warum scheitern Jungs öfter?”, [schon weil der Bezug fehlt: … als Mädchen, … als Väter, …. als ZDF-Redakteure] bislang unbeantwortet. Das einzige, was wir wissen, der schulische Verfall, der bei manchen Jungen noch vor der Grundschule und im Rahmen der Einschulungsuntersuchung einsetzt, tritt plötzlich, unvorhergesehen und natürlich ohne Ursache in der Umgebung der Jungen auf.

Selbstverständlich tut die Umgebung der Jungen, die schulische Umgebung der Jungen, alles, was in ihrer Macht steht, um die Jungen auf ihrem Bildungsweg in gleicher Weise zu unterstützen wie die Mädchen. Es ist ein Rätsel! Tagein, tagaus gehen Jungen zur Schule und dann: ohne Vorankündigung schlägt das Virus zu. Ein Rätsel, das es sonst an keiner Stelle in der deutschen Gesellschaft, ja nicht einmal in der Weltgesellschaft gibt. Sonst gilt immer, dass eine Wirkung eine Ursache hat. Im vorliegenden Fall ist das anders, das fiese Anti-Jungenbildungs-Virus schlägt ohne Grund zu – einfach so, weil es etwas gegen Jungen hat, nicht etwa gegen Mädchen, nein, das Virus, es differenziert nach Geschlecht! Nicht einmal Ebola differenziert nach Geschlecht. Insofern haben wir es mit einem hoch-spezialisierten, schnell-wirksamen Virus zu tun, dass es in nur kurzer Zeit dazu bringt, Patienten, wie den 17jährigen Phillip, in einer Form aktuter Bildungsdemenz aus dem Gymnasium in die Hauptschule zu verfrachten.

Niemand weiß, wie es das tut, wie das Virus die Schulanbindung der befallenen Jungen beeinflusst. Erste Vermutungen, die Wegner hat, verweisen auf Stress und die Familie, auf fehlende Rollenbilder, weil Väter lieber arbeiten als sich um ihre Söhne zu kümmern, so wie sie das über Jahrhunderte lieber getan haben, ohne dass dieses fiese Anti-Jungenbildungs-Virus derart hinterhältig zugeschlagen hätte. Aber heute, im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das anders. Heute schlägt dieses Virus aus dem Nichts zu, heute ist es, aus seinem jahrhundertelangen Schlaf erwacht und wütet unter Jungen, die nur noch 45% der Besatzung von Gymansien stellen. Ein Kahlschlag von 10% gegenüber Mädchen und das in nicht einmal 20 Jahren. Ebola verblasst im Vergleich zum Anti-Jungenbildungs-Virus.

Hurrelmann BildungsverliererAuf ihrer Suche nach Ursachen für die Bildungsseuche unter Jungen hat Wegner sogar das Undenkbare gedacht und sich getraut, häretische Werke zu lesen, die eine Verbindung zwischen dem immer größer werdenden Anteil weiblicher Lehrer in Schulen und der immer intensiveren Art und Weise, in der das Anti-Jungenbildungs-Virus zuschlägt, herstellen. Das ist natürlich falsch, wie Wegner feststellt, die ihre früher gemachte Annahme fehlender Rollenbilder offensichtlich  und per offenem Widerspruch verworfen hat, und zwar deshalb, weil “Neue Studien [nachweisen], dass Lehrerinnen nicht schuld sind am schlechten Abschneiden der männlichen Schüler”.

Kleiner Einschub: Es gibt natürlich nicht mehrere “Neue” und ungenannt bleibende Studien. Es gibt genau eine (siehe unten) für Deutschland, die mehrfach aufgetischt wurde und ihren Ursprung im Berliner WZB hat. Was zeigt, wie einfach es heutzutage ist, institutionellen Unsinn unter das (Journalisten-)Volk zu bringen und dabei gleich zu vermehren.

In der Mythologie ist bekanntlich kein Platz für Vagheiten. In Mythologien herrscht Wahrheit, alles hat seinen Platz und deshalb ist in Mythologien Wissenschaft, Sozialwissenschaft insbesondere, in der Lage zu beweisen, zu beweisen, dass Lehrerinnen nicht schuld sind. Dieser Gottesbeweis, erbracht von wackeren Helden wie diesen hier, die den Unterschied zwischen Benotung und Schulbesuch nicht kennen und nicht zu wissen scheinen, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einer Hauptschule oder auf einem Gymnasium benotet wird. Wegen dieses Unterschieds ist die Vergabe von Noten nur insofern interessant als es erstaunlich ist, dass die gleichen Noten zuweilen sogar bessere Noten, die Jungen im Durchschnitt und im Vergleich zu Mädchen haben, dazu führen, dass weniger Jungen als Mädchen ein Gymnasium besuchen. Insofern muss man den vermeintlich beweisenden Studien dankbar sein, denn ohne die Naivität der entsprechenden Autoren, wäre nie deutlich geworden, dass Jungen trotz durchschnittlich besserer Noten, schlechter in Schulen abschneiden als Mädchen. Was uns zurückbringt zur Frage, warum ist das so?

Warum? Seit Wegner uns bei 37 Grad ihre Mythologie aufgetischt hat, wissen wir es: Wegen des Anti-Jungenbildungs-Virus, das Jungen befällt, das nichts mit Schulen und schon gar nichts mit Lehrerinnen zu tun hat, das auch im Elternhaus nur in Spuren zu finden ist und letztlich am Ende die selbe Ratlosigkeit hinterlässt, mit der man losgegangen ist. Was tun mit einem Virus, von dem man nichts weiß und vor allem nichts wissen will?

Computer VirusOder will man doch? “Über 60 Prozent aller Jungen ab zehn besitzen eine Spielkonsole und sitzen mehr als viereinhalb Stunden täglich am Computer”, so weiß Wegner und damit ist klar: Das Virus wird durch die Computer übertragen. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Alle Welt spricht vom Computer-Virus. Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase mit dem Erfinden von Viren und dem Verkauf entsprechender Anti-Viren-Programme. Und dennoch ist es nicht einmal der WHO in den Sinn gekommen, was Wegner hier durch phantatischen Journalismus aufgedeckt hat: Viren können zwischen Computern und Jungen übertragen werden.

Hervorragend! Die perfekte Erklärung für ein Problem, das man nicht lösen will: Jungen schneiden schlechter in der Schule ab, weil sie beim Spielen von Computerspielen, jedenfalls 60% von ihnen, von einem Anti-Jungenbildungs-Virus befallen werden.

Amen!

Stupid on Top: Warum gelangen Ungeeignete in Positionen?

In Medien finden sich Beiträge, bei denen man sich fragt, wie sie möglich waren: Was bringt manche Journalisten dazu, Unsinn, wie den, den Stefan Bach derzeit verbreitet, unkritisch und ungeprüft zu übernehmen?

media-feedBei Hypes wie dem Gender-Hype, bei dem Lügen und Falschaussagen an der Tagesordnung sind, die Basis des Hype darstellen, fragt man sich, wie kann es geschehen, dass Menschen auf diesen Unsinn, den man schon mit wenig Nachdenken als solchen entlarven kann, hereinfallen?

Wenn Funktionäre im Brusttom der Überzeugung schwadronieren, was “Wir” brauchen, fragt man sich, wieso “Wir minus Funktionär” nicht aufstehen, und diesen Funktionär für seine Anmaßung, uns eben einmal zu entmündigen und für uns zu sprechen, ohrfeigen?

Wenn Politiker ihren neuesten Spleen auf Kosten von Steuerzahlern verbreiten und ihn damit zu legitimieren suchen, dass Sie die Welt in düsteren Farben zeichnen, z.B. als eine Welt des Rassismus und der Diskriminierung, um dann ihren Spleen als General-Arznei zu verkaufen, an der die Welt gesunden wird, dann fragt man sich, wieso gehen ihnen viele auf den Leim, glauben den Unsinn, den Politiker verbreiten?

Und, schließlich: Warum gehen immer noch Menschen wählen, trotz einer Geschichte von Jahrzehnten, die zeigt, dass Sie als Stimmvieh missbraucht und nach der Wahl benutzt werden, um das Friends-and-Family-Programm der Politiker zu legitimieren, die sich munter selbst bedienen und auch ihre Freunde nicht vergessen, wenn es darum geht, Steuergelder zu verteilen?

All diese Fragen harren bislang einer Beantwortung.

Bislang.

Denn nun gibt es eine gut gemachte, fundierte und überzeugende wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, warum viele Politikern, Funktionären, Aktivisten und sonstigen Palaverern auf den Leim gehen.

Shakti Lamba und Vivek Nityananda von der Exeter University bzw. der Queen Mary University in London sind für diese Untersuchung verantwortlich, die das Rätsel, wie Dumme oder Ungeeignete es in Positionen schaffen können, ein für alle Mal löst.

Die beiden haben für ihre Untersuchung Studenten rekrutiert, 73 an der Zahl, die sich in Tutorien getroffen und in den meisten Fällen dort zum ersten Mal gesehen haben. Über sechs Wochen wurden die Studenten verfolgt und zu Beginn und zum Ende gebeten, ihre eigene und (unter vier Augen) die Leistung ihrer Komilitonen vorherzusagen. Am Ende des Tutoriums gab es zudem einen Leistungstest, den ein Tutor bewertet hat, ohne zu wissen, wessen Leistung er gerade bewertet.

Aus diesen wenigen Informationen haben die Autoren eine klassische Untersuchung zusammengestellt, in dem sie Selbsttäuschung als Differenz zwischen der für sich selbst vorhergesagten Leistungen und der tatsächlichen Leistung gemessen haben. Täuschung als Differenz der durchschnittlichen Vorhersage für einen Studenten durch seine Komilitonen und seiner tatsächliche Leistung. Schließlich haben die Autoren die Anfälligkeit für Täuschung als Differenz des Mittelwerts der Abweichung zwischen den von Studenten für ihre Komilitonen vorhergesagten Leistungen und deren tatsächlicher Leistung berechnet. Folglich haben die Autoren drei Maße bestimmt:

Selbsttäuschung, Täuschung und Anfälligkeit für Täuschung. Selbsttäuschung liegt vor, wenn jemand seine Leistung besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist. Täuschung liegt vor, wenn Studenten die Leistung eines Kommilitonen besser/schlechter einschätzen als sie tatsächlich ist. Anfälligkeit für Täuschung liegt vor, wenn ein Student die Leistung seiner Kommilitonen besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist.

Die Ergebnisse, die dieses einfache Forschungsdesign ermöglicht, sind bemerkenswert:

  • overconfidenceStudenten, die sich selbst besser einschätzten als sie sind, die – mit anderen Worten – eine ungerechtfertigte Aura der Kompetenz verbreiten, die in Selbstüberschätzung basiert, wurden von ihren Kommilitonen ebenfalls besser eingeschätzt als sie tatsächlich waren.
  • Studenten, die sich selbst als schlechter einschätzten als sie sind, wurden auch von ihren Kommilitonen schlechter eingeschätzt.
  • Auch nach sechs Wochen, in denen die Studenten miteinander Erfahrung machen konnten, änderte sich nichts daran, dass Studenten, die ihre Leistung überschätzt haben , auch von ihren Kommilitonen und in ihrer Leistung überschätzt wurden, während Studenten, die sich selbst unter Wert verkaufen, in der schlechten Einschätzung ihrer Person weiterhin Unterstützung durch ihre Kommilitonen erfahren haben.
  • Für Studenten, die sich besser eingeschätzt haben, als sie es tatsächlich sind, gab es keinerlei Korrelation zwischen der Einschätzung ihrer Leistung und ihrer tatsächlichen Leistung, das gleiche gilt für die Einschätzung ihrer Leistung durch Kommilitonen.
  • Schließlich konnten die Autoren zeigen, dass Studenten, die sich selbst überschätzen auch mit der Einschätzung anderer Studenten Schwierigkeiten haben.

Damit ist das Rätsel, wie prätentiöse, häufig inkompetente und vermutlich nicht sonderlich intelligente Personen in Positionen gelangen können, gelöst: Sie sind gut darin, andere zu täuschen und viele dieser anderen lassen sich von hoher, aber ungerechtfertigter Selbstsicherheit, die auf Selbstüberschätzung basiert, von der Fassade, hinter der sich schlicht nichts oder nur sehr wenig findet, täuschen. Je pompöser also z.B. Funktionäre oder Politiker oder Aktivisten auftreten, desto erfolgreicher sind sie darin, ihre Zuhörer, Adressaten oder Mitglieder zu täuschen. Je mehr Kompetenz sie mitbringen und je zurückhaltender sie sich ausdrücken, eben weil sie mehr Kompetenz haben, desto geringer sind die Chancen von Personen, überhaupt in Positionen, die durch Wahl besetzt werden, zu gelangen.

Das also ist des Pudels Kern.

Doch damit nicht genug:

“Our findings have implications for many types of social interactions but especially for those involving partner-choice (e.g. choosing mates, hiring people for jobs), suggesting that we may be rewarding overconfidence and penalizing underconfidence irrespective of an individual’s capability. Furthermore, if overconfident individuals are more likely to be risk-prone [11] then by promoting such individuals we may be creating institutions such as banks, trading floors and armies, that are also more vulnerable to risk. From our smallest interactions to the institutions we build, self-deception may play a profound role in shaping the world we inhabit”. (5)

Es ist demnach in allen Lebenslagen besser, diejenigen zu goutieren und denjenigen zu vertrauen, die sich nicht durch eine Selbstüberschätzung auszeichen, die nicht prätentiöse sind und vorgeben, sie könnten im “Wir” reden oder für andere entscheiden, wüssten, was für andere gut ist.

pretentiousnessUnd wie merkt man, ob man es mit jemandem zu tun hat, der sich selbst überschätzt und dessen Selbstsicherheit entsprechend auf Inkompetenz basiert, darauf, dass er nicht weiß, was er alles nicht weiß, der vielmehr meint, alles genau zu wissen? Nun, die Antwort auf diese Frage ist einfach: Indem man prüft, ob das, was er sagt, irgend einen Gehalt, irgend eine Verbindung zur Wirklichkeit hat, nachvollziehbar ist. Es reicht in der Regel schon, die Aussagen von wertenden Adjektiven zu befreien, um festzustellen, dass derjenige, der mit der vollen Einbildung seiner Kompetenz schwadroniert, nichts zu sagen hat.

Das Forschungsergebnis von Lamba und Nityananda bestätigt ein Forschungsergebnis zu Inkompetenz, das wir bereits auf ScienceFiels besprochen haben.

Lamba, Shakti & Nityananda, Vivek (2014). Self-Deceived Individuals Are Better at Deceiving Others. Plos One

Das Anstands-Gap: Lügen, Falschaussagen und Gender Pay

Verzweiflung ist etwas, was nur Intelligente empfinden können, denn es bedarf eines gewissen Quantums an Verstand, um über Dinge verzweifelt sein zu können, denn Verzweiflung resultiert aus der Kenntnis, dass das, was die Verzweiflung auslöst, nicht so sein muss, anders sein könnte, ja müsste, wenn Grundlagen, Erkenntnisse weiter verbreitet wären, wenn nicht jeder, der sprechen kann, dächte, er müsse zu allem den Mund aufmachen, wenn nicht …, nun, es ist eben zum verzweifeln.

Niemand hat Verzweiflung angesichts einer Mauer aus Dummheit und stoischem Behauptens, der Baum, gegen den man laufe, sei gar kein Baum, besser zum Ausdruck gebracht als Karl Raimund Popper, der zeitlebens versucht hat, Naheliegendes zu verbreiten, nämlich dass man von begrenztem Wissen nicht auf unbegrenztes Wissen schließen kann – unter Philosophen bekannt als so genanntes Induktionsproblem:

Logik der Forschung“Es ist jetzt 50 Jahre her, seit ich im Jahre 1932 das abgeschlossene Manuskript meines Buches Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie … Rudolf Carnap und Herbert Feigl und einigen anderen Wissenschaftstheoretikern und auch einem Physiker, Franz Urbach, zu lesen gab. […] Jetzt, nach 50 Jahren, wird die triviale Einsicht, dass es keine probabilistische Induktion gibt, noch immer von den meisten Wissenschaftstheoretikern bekämpft – wenn auch nicht so heftig als vor 20 Jahren. Ich habe in dieser Zeit immer wieder neue [mathematische] Beweise vorgelegt, die mir einfach und überzeugend erschienen. Keiner dieser Beweise wurde je widerlegt. Die induktivistische Einstellung war geradezu Allgemeingut, und sie ist es ja noch immer. So wurden meine Beweise nicht ernst genommen.
Der hier abgegebene Beweis scheint mir (wie der jeweils letzte meiner Beweise) der beste zu sein, und der einfachste, den ich bisher gegeben habe. Er ist auch wohl der letzte, den ich, als 80jähriger, in diesem Buch veröffentlichen werde. (…) Ob mein letzter und einfachster Beweis […] endlich Beachtung finden wird oder zumindest eine sachliche und ernste Kritik?” (Popper, 1994: 444).

Man sieht, die Ignoranz, mit der von Vertretern bestimmter Interessen Belege ignoriert werden, die die Behauptungen, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen wollen, widerlegen, ist kein neues Phänomen. Es scheint, dass das Spiel mit der Dummheit und der Leichtgläubigkeit anderer gerade von denen sehr erfolgreich betrieben wird, die über keinerlei empirische Basis, über keinerlei Belege für ihre Behauptungen verfügen.

Das ist die Einleitung zu einem Hinweis, den wir Günter Buchholz verdanken. Er hat uns auf die Seite “Equal Pay Day” Aufmerksam gemacht. Dort wird die alte Lüge des Gender Pay Gaps in einer Weise vorgebracht, bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Vorab zur Einordnung: Es gibt in westlichen Ländern kein Gender Pay Gap.

Deceibe infeigle obfuscateUnd zur theoretischen Einordnung: Das Gender Pay Gap geht auf Ökonomen wie Oaxaca und Blinder zurück, die eine diskutierbare Behauptung aufgestellt haben, nämlich dass dann, wenn man Lohnunterschiede über Variablen erklärt, die einen Effekt auf die Lohnhöhe haben, Variablen wie Bildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Branche usw., und am Ende bleibt ein Residuum, ein Teil, der nicht erklärt werden kann, dann könne man diesen unerklärten Teil als Ergebnis von Diskriminierung auffassen. Wie so oft, bewegen sich die entsprechenden Ökonomen in einer Modellwelt, denn die Interpretation des Residuums als Diskriminierung setzt voraus, dass alle Variablen, die einen Effekt auf die Höhe des Entgelts haben, in der Erklärung berücksichtigt sind. Wenn es unter den Lesern jemanden gibt, der mit empirischen Daten hantiert und es schon einmal geschafft hat, die gesamte Varianz seiner abhängigen Variablen zu erklären, dann soll er sich bitte melden, denn bislang ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem dies gelungen wäre. Kurz: Zu behaupten, dass das, was man nicht erklären kann, Ergebnis von Diskriminierung sei, ohne die Behauptung anhand empirischer Daten zu prüfen, ist gelinde gesagt haarig, ohne Zurückhaltung ein Ausbund an Unfug, den man von gestandenen  Ökonomen so nicht erwartet hätte.

Das rhetorische Figur des Gender Pay Gap ist gefundenes Fressen für all diejenigen, die sich mit seiner Vermarktung selbst bereichern wollen, wie z.B. die oben verlinkte Seite “Equal Pay Day”, eine Seite, die an Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist.

Zu Beginn wird behauptet, das (nicht existente) Gender Pay Gap betrage in Deutschland 22%. Der Behauptung folgt der Aufreger der in der weiteren Behauptung besteht, dass Frauen 80 Tage umsonst arbeiten würden, denn 22% von 365 Tagen sind 80 Tage.

Kennen Sie jemanden, der 365 Tage im Jahr arbeitet? Nicht einmal Selbständige machen das. Aber Arbeit und Arbeitstage scheinen den Betreibern der Seite zum Equal Pay Day, um Henrike von Platen ebenso fremd zu sein wie logisches Denken. Zudem scheint es sich zu von Platen und Genossinnen nicht herumgesprochen zu haben, dass es Sonn- und Feiertage gibt, ganz zu schweigen vom bezahlten Urlaub, alles Tage, an denen nicht gearbeitet wird und die von den 365 Tagen abgezogen werden müssen – was sie natürlich nicht werden, denn von Platen und Genossinenn geht es nicht um die Wahrheit, sondern darum, Effekte zu erzielen, Effekte der Bestürzung und der Entrüstung bei Leichgläubigen, bei Dummen, bei denen, die von Platen und Genossinnen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen.

Und deshalb geht es weiter im Lügen-Konzert. Die 22%, die eben noch als Fanal der Benachteiligung armer Frauen durch böse Bonzen präsentiert wurden, werden sodann berechnet, und zwar als Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und dem durschschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen. Seltsamerweise ergibt die unbereinigte Lohnlücke, die dabei herauskommt, einen Prozentwert, der wiederum die Relation beider durchschnittlichen Bruttostundenlöhne zueinander abbildet, aber es ist ja bekannt, dass diejenigen, die sich für Geschlechterfragen einsetzen mit MINT so ihre Probleme haben und selbst rudimentäres Prozentrechnen ist Mathematik.

Sodann gibt es ein Zugeständnis, nämlich das Zugeständnis, dass man die Leser bislang belogen hat, denn die 22% sind irrelevant, sind ein angeblich unbereinigtes Gap, etwa so, wie es im Vergleich der Entgelte zwischen der Putzfrau Elfriede W und Frau von Platen besteht. Bereinigt man das unbereinigte Gender Pay Gap, also führt man die erklärenden Variablen ein, was der eigentliche Witz an diesem unsäglichen Konstrukt des Gender Pay Gap ist, von denen oben die Rede war, dann so lernen wir, passiert Folgendes:

Lies nothing but lies“Zieht man die erklärbaren Prozentpunkte von den 22 Prozent ab, erhält man den so genannten bereinigten Gender Pay Gap. Der bereinigte Gender Pay Gap lässt sich nicht auf erklärbare, strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen. Das bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde weniger verdienen als Männer. Für den bereinigten Wert des aktuellen Gender Pay Gap liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Er lag nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts von März 2012 bei durchschnittlich 8 Prozent.”

In der Wissenschaft, also in jenem vermeintlich männlichen Unterfangen, das sich nicht mit Ideologie, sondern mit der Empirie und der Erklärung derselben beschäftigt, ist ein Fehlschluss bekannt: der “Ökologische Fehlschluss”. Der “Ökologische Fehlschluss” hat, wie vermutlich manche, besonders aus dem Lager von Frau von Platen denken, nichts mit Umweltschutz zu tun, nein, er hat etwas damit zu tun, dass man Zusammenhänge, die man auf der Aggregatebene findet, nicht umstandslos auf die Individualebene übertragen kann.

Angenommen, wir finden einen Unterschied im IQ auf der Aggregatebene: Aktivisten, die sich heftigst für bestimmte Dinge einsetzen, weisen im Durchschnitt einen IQ von 65 auf, Personen, die sich mit ihrem Leben beschäftigen, haben im Durchschnitt einen IQ von 130. Aus diesem Zusammenhang nun zu schließen, dass Frau von Platen einen IQ von 65 hat, wäre ein ökologischer Fehlschluss und aus dem selben Grund, aus dem man in unserem Beispiel von der Aggregat- nicht auf die Individualebene schließen kann, wie gerechtfertigt der entsprechende Schluss einem auch erscheinen mag, aus demselben Grund kann man von einem bislang nicht erklärten Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen in seiner bereinigten Varinate nicht auf individuelle Benachteiligung, d.h. bei gleicher Qualifikation geringeres Gehalt schließen.

Wir erwarten nicht, dass Fraun von Platen oder andere Anhängerinnen des Gender Pay Mythos, diese Transferaufgabe zu leisten im Stande sind, aber es wäre, so denken wir, doch wirklich an der Zeit, diese unsinnige Diskussion über einen Gender Pay Gap, den es nicht gibt, zu beenden und die enstprechenden Aktivisten, die nicht einsehen wollen, dass nicht der Mond scheint, sondern die Sonne, auch nachts, in die Wüste gejagt werden, denn der Stumpfsinn, mit dem Falsches verbreitet wird, mit dem versucht wird, die Unwissenheit, Leichtgläubigkeit und emotionale Tangierbarkeit von beeinflussbaren Existenzen auszunutzen, ist nicht mehr tolerierbar.

Ganz davon abgesehen offenbart sich hier ein Anstands-Gap, denn wer versucht, mit Lügen, falschen Behauptungen oder – im günstigsten Fall – mit Aussagen über Zusammenhänge, die er nicht versteht, Dritte zu manipulieren, der ist nicht anständig, der hat ein Anstands-Gap, verglichen mit dem durchschnittlichen Anstand der Normalbevölkerung.

Wenn Frau von Platen die Welt verbessern will, dann soll sie in ein Altenheim gehen und sich dort z.B. in der Pflege alter Menschen nützlich machen.

Ansonsten haben wir ausführlich gezeigt, dass ein Gender Pay Gap nicht existiert.

Nachtrag

In den letzten Tagen wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, dieses Mal unter Überschriften wie:

Frauen erwirtschaften halb so viel Geld wie Männer bzw.
Frauen verdienen nur halb so viel wie Männer

Die Qualitätsjournalie aus ZEIT und Welt ist also in der Lage, ein und dasselbe Ergebnis einmal als erwirtschaftetes Geld und einmal als Verdienst zu verkaufen. Tatsächlich geht der geballte Unfug auf einen politisch korrekten Beitrag aus dem DIW zurück, in dem Stefan Bach, der uns bereits als Laienprediger bekannt ist, Aggregate von Einkommen für Männer und Frauen vergleicht.

Grundlage seines neuerlichen Versuches, Wissenschaft lächerlich zu machen, ist eine Statistik der Einkommens- und Lohnsteuer, in der sich zeigt, dass Frauen rund 50% weniger Einkommen oder Entgelt versteuern als Männer. Warum das so ist, zeigt sich in einer Statistik auf Basis der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer natürlich nicht (Der Fall Schwarzer legt allerdings nahe, den Unterschied als Ergebnis intensiverer Steuerhinterziehung durch Frauen zu sehen). Entsprechend schafft es Herr Bach, Wissenschaft weit hinter Heron von Alexandria zurück zu verfrachten, jedenfalls dann, wenn es irgend jemanden geben sollte, der seinen Unsinn kolportiert, und natürlich wird es genügend Opportunisten geben, die denken, man könne der Tatsache, dass Männer mehr Einkommens- und Lohnsteuer zahlen als Frauen auch nur irgend etwas entnehmen.

Was man dem neuerlichen Bachschen Machwerk entnehmen kann, ist die Tatsache, dass Anstand auch im DIW nicht weit verbreitet ist, dass die Frage ob das Anstands-Gap auch mit einem IQ-Gap verbunden ist, bislang nicht untersucht wurde und dass, schließlich, der Unterschied in der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer, wie er zwischen Schreibtischtätern wie Herrn Bach und Müllfahrern wie Klaus F. besteht, auf Benachteiligung von F. zurückzuführen ist, weshalb wir hier öffentlich dafür plädieren, die Lehren, die Herr Bach zu ziehen können glaubt, auf ihn selbst anzuwenden!

Wir engagieren uns zivilgesellschaftlich! Gegen die Verschwendung von Steuergeldern

Die Bundesregierung ist bestimmt stolz auf uns.

Oder auch nicht.

BafyaWie dem auch sei, in unserer Reihe “gelebte Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement” haben wir uns heute dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) gewidmet. Für alle, die es nicht Wissen, das BAFzA ist nicht anderes als die Verwaltungsstelle, die die Verwaltung der Verwaltungsaufgaben des BMFSFJ übernommen hat. Das BMFSFJ ist mit einem Haushalt von 7 Milliarden Euro und Personalausgaben von 97 Millionen Euro offensichtlich nicht in der Lage, die Verwaltung der eigenen Verwaltungsaufgaben zu übernehmen.

Folglich wurde mit dem BAFzA ein Ableger gegründet, der nunmehr 241,7 Millionen Euro verwaltet und dafür 40 Millionen Euro Personalaufgaben verheizt. Offensichtlich trifft Parkinson’s Law, das die Selbstvermehrung der Verwaltung beschreibt, dem einzigen Selbtsbefruchter, den die Menschheit kennt, hier voll zu.

Wir haben das BAFzA zum Anlass genommen, um uns zivilgesellschaftlich zu engagieren, noch mehr, als wir das eh schon tun, und ein paar Stichproben der Tätigkeit des BAFzA zu entnehmen:

Ein Verwaltungsstrang, den die BAFzA-Verwalter verwalten ist mit

“Wir für Demokratie” überschrieben.

Der Anspruch liest sich so:

“Die Demokratieprogramme haben komplementären Charakter. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte, sprechen verschiedene Zielgruppen an und verfolgen unterschiedliche Erfolgsstrategien. In ihrer Gesamtheit ergänzen sie sich zu einer ressortübergreifenden, kohärenten Gesamtstrategie der Bundesregierung. Zahlreiche Projekte, Initiativen, zivilgesellschaftliche Gruppen, Verbände, Vereine, Bildungseinrichtungen und ehrenamtlich engagierte Bürger werden gefördert, die einen wichtigen Beitrag zur Prävention extremistischer Tendenzen leisten.

Weitere Informationen über die Bundesprogramme, Initiativen, Projekte und Einzelmaßnahmen, die das demokratische und zivilgesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger fördern finden Sie sich auf www.wir-fuer-demokratie.de.”

Demokratieprogramme sind also gleichzeitig unterschiedlich und doch kohärent und korrespondieren und sind ergänzend und, naja, eben gegen extremistische Tendenzen – oder so. Vielleicht hilft der Link ja weiter, der Link in die Programmwirklichkeit, die so aussieht:

Wir für demokratie

Die Selbstbeschreibung haben wir ergänzt, damit der Link ins Off des Internets nicht so leer bleibt. Der Selbstbeschreibung kann man im Wesentlichen entnehmen, was wir bereits geschrieben haben: BAFzA verwaltet Verwaltung. Darüber hinaus kann man der Selbstbeschreibung entnehmen, dass Mitarbeiter des BAFzA wahre Kompetenzmonster sein müssen, denn sie kennen sich in freiwilligem Engagement, demografischem Wandel (ob die Reihenfolge zufällig ist?) und jugendpolitischen Fragen gleichermaßen gut aus, so dass man sich fragt, warum diese offensichtlich überschaubaren Bereiche in unterschiedliche Verwaltungsstränge und “Programme”, wie es oben heißt, aufgespalten wurden.

Doch weiter im Programm:

Toleranz fördern – Kompetenz stärken – eigentlich reicht so ein Titel, um zu wissen, dass man es mit Sprachonanierern zu tun hat, aber der nähere Blick lohnt sich dennoch in Gänze. Was es zu lesen gibt, spottet jeder Beschreibung und lässt selbst Jim Hackers Department of Administrative Affairs im Schatten stehen.

Toleranz foerdern“Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ist vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit der Umsetzung des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN beauftragt worden.

Die Aufgabe wird im BAFzA von der Regiestelle TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN wahrgenommen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regiestelle koordinieren und organisieren das Bundesprogramm in enger Zusammenarbeit und Abstimmung nach den Vorgaben des BMFSFJ, beraten und betreuen die Programmpartner in allen Belangen rund um das Bundesprogramm, führen in Abstimmung mit dem BMFSFJ die Öffentlichkeitsarbeit durch, wickeln die Antragsbearbeitung bis hin zur Auszahlung der Mittel ab, übernehmen anfallende Verwaltungsaufgaben und vieles mehr.”

Kurz: Die Regiestelle “TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN” wurde vom BMFSFJ eingerichtet, um sich vom BMFSFJ sagen zu lassen, wie das Bundesprogramm “TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN” durchgeführt werden soll. Das, was den Regiestellern in “enger Abstimmung” vom BMFSFJ gesagt wurde, tragen sie dann an die Programmpartner weiter und das, was die Programmpartner sagen, fragen oder wollen, das tragen die Regiesteller dann an das BMFSFJ zurück. Kein Wunder, dass der “Hauptsitz der Regiestelle … sich im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Bildungszentrum Schleife” befindet (vermutlich in der Endlosschleife).

Und warum sprechen die Bundesministeriellen aus dem FSFJ nicht direkt mit den “Programmpartnern”? Weil Verwaltung nichts mit Effizienz zu tun hat, sondern mit Stellen, je mehr Mitarbeter ein Ministerium kommandieren kann, desto wichtiger ist es in eigener Wahrnehmung. Und für die Wichtigkeit des BMFSFJ kann man schon eimal 241,8 Millionen Euro springen lassen – oder?

Abermals weiter im Programm:

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

BAFzA übernimmt hier die Verwaltung des beim Referat 305 im BMFSFJ angesiedelten Projekts, worin diese Verwaltung, die offensichtlich von zwei Stellen gleichzeitig betrieben wird, auch bestehen mag. Abermals wird hier auf Kosten von Steuerzahlern eine Verwaltungsschleife eingeführt, die man am besten als ministerielles Ping-Pong-Spiel bezeichnet: pro Schlag 7,7 Millionen Euro weg. 7,7 Millionen Euro, das sind die Kosten, die für das Hilfetelefon bislang entstanden sind, Kosten dafür, dass nicht näher genannte “Beraterinnen”, die angeblich “qualifizierte Fachkräfte, die Erfahrungen mit der Beratung von gewaltbetroffenen Frauen haben”, sein sollen, sich am Telefon, z.B. die anonyme Klage einer Ehefrau, die Lust hat, ihren Ehemann billig loszuwerden, anhören. Entsprechende anonyme Verleumdungsmöglichkeiten waren bislang nur aus dem Mittelalter und im Zusammenhang mit der Heiligen Inquisition bekannt.

Aus dem Werbetext:

Kachelmann Inquisition“Das Beratungsangebot des Hilfetelefons umfasst alle Formen von Gewalt gegen Frauen, insbesondere Gewalt in Ehe und Partnerschaft, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung, sexuelle Belästigung sowie Stalking, Zwangsverheiratung, Menschenhandel und Zwangsprostitution. Das Hilfetelefon berät individuell in all diesen Fällen.”

Wie schön, dass das Telefon individuell berät, es werden also keine Gruppentherapien durchgeführt. Also: zwangsverheiratete, gestalkte, gehandelte und sexuell übergriffene Frauen dieses Landes, meldet Euch! Professionelle Fachkräfte warten auf Eure Denunziation. Warum Denunziation? Weil jemand, der wirklich Opfer von Gewalt geworden ist, sicher an alles denkt, aber nicht an ein nettes Kaffeekränzchen am Telefon.

Einer geht noch.

Das BAFzA veraltet auch die Maßnahmen zu Alter und Pflege und hier das Programm “Altersbilder”, und dieses Mal funktioniert auch der Link. Angekündigt wird der Link wie folgt:

Realistische Altenbilder

Realistische Altenbilder

“Das BAFzA betreut die gleichnamige Internetseite zum “Programm Altersbilder”. Mit dieser Plattform sollen neue, realistische und differenzierte Bilder vom Alter und vom Altern in die breite öffentliche Diskussion gebracht werden. Es werde nicht nur die Auswirkungen spezifischer Altersbilder in den unterschiedlichen Lebensbereichen aufgezeigt, sondern auch alle gesellschaftlichen Akteure für potenziell negative Auswirkungen bestimmter Altersbilder sensibilisiert. So soll angeregt werden, das eigene Bild vom Alter(n) zu überprüfen und das gegenseitige Verständnis untereinander und der Zusammenhalt in der Gesellschaft gefördert werden.”

Wir müssen uns also korrigieren. Das BAFzA verwaltet nicht nur die Verwaltung, es betreut auch Internetseiten, quasi eine Kulanzleistung, die im Etat von 241,7 Millionen Euro enthalten ist. Und weil es so schön ist, hier ein paar Beispiele der realitischen und differenzierten Bilder von Alter, die im Programm “Altersbilder” produziert werden:

Wanderausstellung: “Was heißt schon alt?”
Das Alter in der Karikatur.
Auch 2014 wieder: Neue Bilder von Alter auf der Leinwand.

Na, da weiß man doch, dass seine Steuergelder gut angelegt sind, während in Pflegeheimen der Ausnahmezustand herrscht. Und wie gut es ist, zu wissen, dass die Steuergelder nicht etwa von einer Stelle verwaltet werden, nein, gleich zwei Stellen verwalten sich im Kreis und gegenseitig. Natürlich nur, um Steuerzahlern die höchste und effizienteste, ja die Exzellenz-Verwaltung zukommen zu lassen. Wo früher ein Steuereuro nur 25 Cent Verwaltung kaufen konnte, schafft er es heute auf 50 Cent, Tendenz steigend.

Die Grumph-Offensive: Für eine grumphige Gesellschaft

Da sage noch einer, es gebe heutzutage nichts Neues mehr zu entdecken. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Für das Zusammenleben von Menschen ist eine Zutat von besonderer Wichtigkeit: Grumph hat sie Michael C. Deepwater genannt, weil ihm kein besserer Begriff eingefallen ist.

“Grumph hat vielfältige Auswirkungen auf das Leben von Menschen”, sagt Deepwater. Grumph beeinflusst direkt die Lebensqualität, die Zufriedenheit, ja Glück als solches, und vor allem wirkt es sich auf die nächste Generation aus: So schone eine grumphige Wirtschaftsweise den Planeten, grumphig angelegte Ressourcen bringen nicht nur mehr Profit, sondern haben auch mehr Ökologie zur Folge. Dass Grumph mit Ökonomie und Ökologie in gleicher Weise vereinbar sei, zeige ein Grumph-Fonds, der Wachstumsraten im zweistelligen Bereich aufweise.

Grumph1Grumph sei, so hat Deepwater feststellen müssen, in der Bevölkerung ungleich verteilt. Tiefenpsychologische Gespräche mit seiner Mutter und deren Schwester hätten gezeigt, dass zu wenig Grumph Diskriminierung zur Folge habe und in Ungerechtigkeit münde. Eine breit angelegte Anti-Diskriminierungskampagne könne hier Verbesserung bringen, unter dem Motto, “Aktiv für das Grumph” oder “Keine Toleranz für Anti-Grumph” müsse in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Grumph für die Zukunft Deutschlands und der ganzen Erde von höchster Wichtigkeit sei.

Eine Diskursanalyse der letzten Gespräche mit seinem Bruder und dessen Freund habe zudem gezeigt, dass unter Verwendung dekonstruktivistischer Techniken, alle fruchtbaren und sinnvollen Aussagen, einen Anteil von Grumph in sich getragen hätten. “Ohne Grumph kein Dialog”, so verallgemeinert Deepwater seine Ergebnisse und regt an, dass ein Programm zur systematischen Erforschung von Grumph aufgelegt werde. Dieses Programm solle sich insbesondere der Frage widmen, welche Faktoren sich negativ auf Grumph auswirken, denn es sei davon auszugehen, dass diese Faktoren die Entwicklung ganzer Generationen, ja von Gesellschaften behindern.

Die letzten Jahrhunderte stehen im Zeichen der Unterdrückung von Grumph. Grumph sei systematisch von einer Anti-Grumph Mafia behindert worden, die eigene wirtschaftliche Interessen befödern wolle. Da sich Grumph positv auf die Friedensliebe und negativ auf Aggression auswirke, sei klar, um welche Interessen es sich handele: Kriegsgewinnler, Rüstungsmagnaten, Kapitalisten und Banker, weiße Männer mit dicken Zigarren seien die Hauptgegner von Grumph, die sich in geheimen Logen und Freimauerbünden der Verhinderung des Einflusses von Grumph, ja zur Beseitigung von Grumph verschworen hätten.

Erst modere Forschung und vor allem die Arbeiten von Paul Thiry d’Holbach, der in seinem “System de la Nature” auf den Seiten 221 und 318 Grumph erwähnt, hätten auf die Bedeutung von Grumph aufmerksam gemacht und die neue revolutionäre, emanzipatorische, befreiende, umwälzende, innovative und die Welt verändernde Grumph-Forschung angeregt, die sich eng an GW Hegel und vor allem die von ihm grundgelegte Lehre der konstruktiven Widersprüchlichkeit anlehnt.

Grumph3Entsprechend sind Grumph-Forscher überall dabei, Grumph systematisch in seinen Eigenschaften und Auswirkungen zu erforschen. Wie sich dabei gezeigt habe, habe Grumph nicht nur positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben, auf Prosperität, Wachstum und Zufriedenheit der Bevölkerung, Grumph in reiner oder kombinierter Form, Deepwater spricht hier lieber von intersektioniertem Grumph, bilde die Grundlage aller menschlichen Beziehungen. Jede Handlung, jede Interaktion sei durch das Grumph bestimmt.

Nicht nur das: Grumph ist die Qualität, die Menschen determiniert, ihre Handlungen bestimmt. Kriminelle, Soldaten, Menschen, die Schlechtes tun, sind durch einen Mangel an Grumph ausgezeichnet, wie sich leicht an ihrem Verhalten ablesen lässt. Wer Grumph hat, grumphy ist, wie Michael C. Deepwater sagt, der ist friedlich, gut, freundlich zu seiner Umgebung, der gibt freudig, anstatt zu nehmen: “Grumphy people are simply good people”.

Entsprechend ist es notwendig, das Grumph in uns allen zu fördern. Erste Grumph-Selbsterfahrungs- und Förderkurse werden bereits vereinzelt angeboten. Ziel der Kurse, für deren Besuch derzeit noch Kosten von 19.500 Euro anfallen, ist es, die Teilnehmer zum zertifizierten Grumphologen auszubilden, denn die ungleiche Verteilung von Grumph zeige, dass viele Menschen Grumph-unbewusst oder, schlimmer noch: grumphlos durch die Welt gehen. Einen schlimmeren Zustand kann sich Deepwater nicht vorstellen.

Dabei verfolgt die Ausbildung zum zertifizierten Grumphologen einen körperorientierten Ansatz. Mit seinem anwendungsorientierten Methoden hat er vielfältige Stärken für professionelles Handeln in der grumphologischen Bildung, Beratung und Therapie. Er zeigt auf, wie Grumph gelernt wird und Menschen lebenslang ihren Grumph selbstbestimmt entfalten können. Angesichts der Nachteile, die Menschen und Gesellschaften aus der Nichtentwicklung und Nichtbeherrschung des Ego-Grumph entstehen, sind Kurse, wie der zum Grumphologen von besonderer Wichtigkeit.

Deshalb gibt es bereits heute eine Förderung durch Kultusministerien, die die Kosten der zertifizierten Ausbildung zum Grumphologen übernehmen. Die Einsatzfelder der Grumphologen sind vielfältig: Die Gründung grumphologischer Zentren, die der ganztägigen Vermittlung des Grumph gewidmet sind, und zwar im Rahmen von abgeschlossenen Intensivkursen, die eine Gemeinschaftsbildung der Teilnehmer ohne Einfluss der Umwelt garantieren, ist erstes Ziel der Ausbildung.

Aufbauend auf den grumphologischen Zentren ist dann die Einrichtung so genannter Grumph-Häuser geplant, in denen sich Menschen, die wegen einer Diskriminierung auzfgrund exzessiv gelebten Grumphs Nachteile befürchten, einfinden können, um dort mit Gleichgesinnten in Sicherheit zu leben. Eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Sozialfonds ist hier bereits bewilligt.

Die Wichtigkeit von Grumph macht es darüber hinaus notwendig, Grumph nicht nur und bereits in Schulen zu lehren, sondern allen Bildungseinrichtungen einen Grumph-Berater anzufügen, der Schüler und Studenten, Lehrer und Dozenten in Grumph unterrichtet und darüber wacht, dass Ausbildung, Lehre und Forschung, dem Grumph ausreichend Rechnung tragen. Was als ausreichend zu gelten hat, liegt im Ermessen des jeweiligen Grumph-Beraters.

Grumph hat, wie Eingangs gezeigt wurde, auch positive Effekte auf die Zukunft, auf Ökonomie und Ökologie. Deshalb ist es bereits heute das Ziel, Grumph als Verfassungsauftrag fest im Grundgesetz zu verankern: ” Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung von Grumph und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin”. Dieser grundgesetzliche Auftrag wird sodann genutzt, um Grumph vollumfassend zur Geltung zu verhelfen:

Grumph2Grumphierung der Universitäten; Keine Forschung ohne Grumph-Anteil;

Der Bedeutung von Grumph ist auch sprachlich Rechnung zu tragen;

Grumph-Erziehung und Grumph-Schnupperkurse, Grumph-Tage bereits für die Kleinsten;

Grumph-Berater an Schulen und Hochschulen, die über die Einhaltung von Grumph-Grundsätzen wachen;

Grumphhaltigkeit als Verpflichtung für Unternehmen und Organisationen;

Grumph morgens, Grumph mittags und Grumph abends als Bildungsauftrag öffentlich-rechtlicher Medien;

Grumph-gewogene Entscheidungen als Aufgabe aller;

Festgelegte Grumph-Anteile in Positionen und Funktionen;

Grumph von der Wiege bis zur Bahre;

Keine staatliche Finanzierung ohne einen Nachweis von mindestens 60% Grumph;

Grumph als neue Staatsreligion – Aktiv gegen die Grumph-lose Gesellschaft;

Grumph für die Welt;

Keine Toleranz für Anti-Grumph;

Grumph-Schaltung der Gesellschaft;

Widersprüchler und Anti-Grumphler sind in entsprechenden Anti-Grumph-Umerziehungslagern zu sammeln und auf die Folgen ihres Widerstands gegen Grumph hinzuweisen;

Finale Maßnahmen bei aktivem und fortgesetzem Widerstand sind zu verwenden;

P.S.

Wer nun noch immer nicht weiß, was Grumph ist, der sollte sich schnellstens an einen Grumph-Berater wenden, um diesen Mangel zu beheben, ehe es zu spät ist.

 

 

 

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