Das auch noch: Master in Prostitution (Sexologie), M.A.S.c. sex.

Nachdem wir gerade einen Beitrag über die Sex-Besessenheit von rot-grünen Abgeordneten des Niedersächsichen Landtags veröffentlicht haben, ist uns eine Pressemeldung auf den Schreibtisch gekommen, die wir mittlerweile dreimal gelesen haben, weil wir nicht glauben konnten, was da steht.

Hochschule MerseburgDie Hochschule Merseburg bietet einen “berufsbegleitenden Weiterbildungsmaster” in Prostitution (Sexologie) an. Die Fixierung auf Sexualität in Deutschland nimmt immer groteskere Züge an, aber lesen Sie selbst:

“Mit dem berufsbegleitenden Masterstudiengang erlangen zukünftige” Prostituierte “(Sexologen) eine solide theoretische Grundlage in” Prostitution (Sexologie), “auf der das anwendungsorientierte Wissen für die sexuelle Bildung und die Sexualberatung aufbaut”.

Und weiter:

“Die Hospitationen, die Praktika sowie die Fallstudien tragen zudem zu den hohen qualitativen sexologischen Fachkompetenzen der Studierenden bei.”

Und natürlich wird im neuen Studiengang an der Hochschule Merseburg auch an die vielfältigen Vorarbeiten im Bereich LGTBI angeknüpft, also im Hinblick auf die sexuellen Orientierungen von Lesben, Schwulen, Trans-, Bi- und Intersexuellen. Ein Anbieter sexueller Dienstleistungen muss heutzutage divers aufgestellt sein, ein Portfolio der Kenntnisse und Techniken beherrschen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein:

“Im Masterstudiengang werden Studierende befähigt, …, Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer sowie LGBTI in ihrer sexuellen Gesundheit zu fördern. Kompetente und engagierte Dozierende vermitteln Kompetenzen, wie Fachkräfte mit Sorgfalt, Sensibilität und Freude, Menschen in ihrer Lebenslust und in ihrem sexuellen Wohlbefinden begleiten und beraten können.”

Im Gegensatz zu Universitäten, an denen die Theorie vorherrscht und derzeit noch Trockenkurse in wenig praxisorientierten Fächern gegeben werden, ist der neue Masterstudiengang “Prostitution” (Sexologie) an der Hochschule Merseburg dem Ansatz des learning by doing verpflichtet, nur durch praktische Erfahrung kann Exzellenz sichergestellt werden:

“Die Lehre in den verschiedenen Modulen des Studiengangs verknüpft Theorie und Praxis in einer Weise, welche es den Studierenden ermöglicht, auf einem zuverlässigen Fundament konkreten Wissens, kreative und vielfältige Instrumente für die berufliche Tätigkeit zu entwickeln. Hospitationen, Praktika, Lerngruppen, Lehrtherapie sowie Fallsupervisionen [Früher hat man die einfach Spanner genannt…] unterstützen den Erwerb professioneller Kompetenzen.”

Selbstverständlich gibt es in modernen Studiengängen keine Lehre ohne den internationalen Vergleich. Bekanntlich ermöglicht es der internationale Vergleich, die Welt aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen und darüber hinaus Kenntnisse, Fähigkeiten und Techniken zu erlernen, die zum kulturellen Schatz anderer Gesellschaften gehören:

“Die internationale Zusammenarbeit ermöglicht den Studierenden, das Fachgebiet der Sexualität aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.”

Kritisch anzumerken, am neuen Studiengang ist jedoch, dass er keine ökonomischen Grundlagen umfasst. Bereits 14jährige lernen, wenn es nach Elisabeth Tuider von der Universität Kassel geht, dass die Führung eines Bordells nicht nur auf die Diversität der Kunden im Hinblick auf deren sexuelle Orientierung und Vorlieben Rücksicht nehmen muss, sondern auch eine ökonomische Grundlage erwirtschaften muss, die einen profitablen Betrieb gewährleistet.

Insofern sollte im vorliegenden Studiengang noch nachgelegt werden.

Wer sich trotz dieser Mängel in Merseburg einschreiben will, der kann dies unter diesem Link tun. Der Studiengang startet im Oktober und hat eine Dauer von 2,5 Jahren, d.h. fünf Semester, er endet mit einem Magister in Prositution (Sexologie) M.A.S.c. sex.

Die Studiengebühren belaufen sich auf 19.500 Euro. Eine Förderung im Programm “Sachsen-Anhalt Weiterbildung Direkt” ist möglich. Das Studium ist berufsbegleitend. [Update: Zwischenzeitlich wurden die Kursgebühren auf 17.500 Euro reduziert – Jetzt Zugreifen!]

Die Seminare finden in der Regel einmal monatlich jeweils von Donnerstag bis Sonntag statt. Es handelt sich demnach um Intensivkurse.

Update:

Seit wir diesen Text im August 2014 veröffentlicht haben, hat man an der Hochschule Merseburg heftig editiert und die Webadressen geändert. Wir haben die Links soweit angepasst. Das hat dazu geführt, dass der im Post zitierte Text, von Text auf den Seiten der Hochschule Merseburg zuweilen abweicht. Die Abweichungen zu untersuchen, wäre an sich eine lohnende Aufgabe. Vielleicht findet sich jemand dazu bereit herauszufinden, was manchen an der Hochschule Merseburg doch zu peinlich war, als dass sie es im Internet belassen wollten.

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