Im BMFSFJ sind Kinder an der Macht…

Heute ist ein Tag, an dem der Unsinn Feste feiert.

So haben wir ein paar Pressemeldungen des BMFSFJ nachgearbeitet. Dabei war uns Philip Mayring mit seiner qualitativen Inhaltsanalyse behilflich, vor allem seine Methode der Ankerbeispiele hat sich als sehr nützlich erwiesen, um die Hypothese, dass im BMFSFJ nicht alles mit rechten Dingen zugeht, zu prüfen – Weiterlesen auf eigene Gefahr:

“Kinder an die Macht” – so lautete das heutige (Freitag) Motto beim Kinderaktionstag im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anlässlich des bevorstehenden Weltkindertages am 20. September 2014. In einem Rollenspiel haben Berliner Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse für einen Tag die Hausleitung übernommen. Sie haben einen Einblick in den Arbeitsalltag der Ministerin bekommen und wurden an den politischen Abläufen beteiligt.

Wir lernen: 11- und 12jährige sind in der Lage, das BMFSFJ zu führen und zu leiten. Sind wir eigentlich sicher, dass das BMFSFJ an anderen Tagen von Erwachsenene geleitet und geführt wird oder Erwachsene zumindest an der Führung und Leitung beteiligt sind? Wir haben unsere Zweifel, vor allem, weil die Insassen des BMFSFJ denken, sie hätten Macht.

“Der Weltkindertag ist ein wichtiger Tag für die Kinderrechte. Weltweit wird auf die Rechte von Kindern aufmerksam gemacht, damit die besonderen Bedürfnisse und Wünsche von Kindern im Alltag noch mehr beachtet und auch ernst genommen werden. Mir ist es wichtig, die Kinder zu beteiligen und ihnen Gehör zu verschaffen”, sagte Bundesministerin Manuela Schwesig.

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Der Weltkindertag ist ein wichtiger Tag, weil weitweit darauf aufmerksam gemacht wird, dass der Weltkindertag ein wichtiger Tag ist und weil darauf aufmerksam gemacht wird, dass es wichtig ist, Kinder zu beteiligen, weltweit und nicht nur am Weltkindertag und außerdem ist es wichtig Kindern Gehör zu verschaffen. Wir sind uns zunehmend sicher: Kinder haben im BMFSFJ längst die Macht.

An anderer Stelle:

“Für mich als Kinderministerin gibt es keine wichtigere Aufgabe als den Schutz von Kindern und Jugendlichen.”

Ist das nun ein Genitiv: Ministerin der Kinder oder nicht? Und ist die Kinderministerin nicht auch eine Jugendlichenministerin? Oder ist “Kinderministerin” als: weibliches Kind ist Ministerin gemeint, so wie es hier gemeint ist:

“Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs”

Das BMFSFJ hat also einen Spezialisten in sexuellem Missbrauch beauftragt, unabhängig versteht sich. Dieser Experte für sexuellen Missbrauch, der unabhängig im BMFSFJ ein und aus zu gehen scheint, gepaart mit der Tatsache, dass dort Kinder an der Macht sind und von einer Kinderministerin geführt werden, wirkt irgendwie entnervend. Man fragt sich: Was geht dort vor?

Weiteres qualitatives Analysieren der Pressemeldungen des BMFSFJ bringt es an den Tag. Es geht dort nicht mit rechten Dingen zu:

“Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen. Aber wir übernehmen Verantwortung und wollen die Betroffenen mit den Hilfeleistungen unterstützen”

Die Übernahme von Verantwortung in einem Ministerium, in dem ein unabhängiger “Beauftragter für alle Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs” sein Unwesen treibt, ist das mindeste, wie wir meinen, wenngleich wir Bedenken haben, dass der Kinderministerin das Ausmaß des Problems das aus dem unziemlichen Austausch entsteht, bewusst ist:

“Doch wir müssen in diesem wichtigen Bereich weiterhin Kinder gezielt unterstützen und begleiten”

Man wagt es sich kaum vorzustellen, wobei die Kinderministerin und ihr unabhängiger Experte die Kinder gezielt unterstützen und begleiten wollen, vor allem, weil schon im Hinblick auf die Konsequenzen vorgebaut wird:

“Wir müssen gemeinsam den Betroffenen und ihren Familien und Freunden Unterstützung bieten. Wir dürfen sie nicht allein lassen.”

Und vor allem scheint für das BMFSFJ auch dann, wenn Kinder an der Macht sind, das Parkinsonschen Law der Selbstvermehrung der Verwaltung zu gelten, denn wie die Kinderministerin sagt:

“Wir brauchen nicht nur mehr Plätze, sondern auch gute Plätze.”

KinderministeriumWobei die Sprache natürlich mehr an eine Anstalt als an ein Ministerium erinnert, was letztlich die Erklärung dafür zu sein scheint, warum im BMFSFJ so eine bunte Mischung von Personen, Kindern, Jugendlichen und unabhängigen Experten am Werk ist:

“Wir dürfen Demenzkranke und ihre Angehörigen nicht allein lassen. Sie sollen so lange wie möglich am sozialen Leben teilnehmen und im vertrauten Umfeld leben können.”

Noch Fragen?

 

Alle Zitate in diesem Beitrag sind Originalzitate. Wir haben die Zitate neu angeordnet und in den Kontext unserer Forschungshypothese gestellt, qualitative Sozialforschung (Dokumentenanalyse) in Aktion sozusagen.

Quellen:

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=208348.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209878.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209848.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209570.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209628.html

Hochglanz-Unsinn: Credit Suisse versucht sich in Research

Ein Leser aus Basel, bei dem wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken, hat uns auf einen Bericht in der Schweizer Tageswoche aufmerksam gemacht, der wiederum eine Studie von Credit Suisse Research zum Gegenstand hat – eine Hochglanzstudie mit viel Bild und wenig Text.

Credit suisseTitel der Studie: The CS Gender 3000: Women in Senior Management. Titel des Beitrags in der Tageswoche: “Nur 1,7 Prozent: Frauen sind rar in Schweizer Chefetagen”.

Nachdem wir uns von diesem Schock erholt haben und uns ein Blick aus dem Fenster bestätigt hat, dass die Brecon Beacons immer noch da sind, obwohl Frauen in Schweizer Chefetagen rar sind, haben wir uns – widerstrebend und mit wenig Lust, der Studie gewidmet – im notwendigen Ausmaß.

Man schafft es bis Seite 5, um dort einen Widerspruch zu finden, der die ganze Studie für den Papierkorb reif macht. Der Widerspruch steht in zwei “Bulletpoints”, die direkt aufeinander folgen und – nun ja – man kann ihn nicht übersehen, wenn man alle fünf Sinne beisammen hat und über ein Gehirn verfügt, das zumindest die von den Augen kommenden Informationen richtig prozessiert:

“The participation of women in top management tends to be skewed towards areas of less influence and with lower promotion opportunities”.

Also: böse maskuline Kräfte verschieben die meisten Frauen im “Top Management” auf Positionen, auf denen sie wenig Einfluss haben (oder auf denen sie wenig Schaden anrichten können – je nach Interpretation). Soweit das Lamento. Gehen wir einen Punkt weiter:

“Companies displaying greater board gender diversity excess stockmarket returns adjusted for sector bias. Companies with more than one women on the board have returned a compound 3,7% a year over those that have none since 2005”.

Also: Unternehmen, bei denen mehr als eine Frau im Aufsichtsrat sitzt, machen einen höheren Umsatz als Unternehmen, bei denen keine Frau im Aufsichtsrat sitzt.

It’s magic! Es ist der Einfluss des Weiblichen auf den Umsatz von Unternehmen.

Aber, eine Seite zuvor liest man:

“… we acknowledge that we are not able to answer the causality question and this is an important caveat to the observations below in the report. Do better companies hire more women, do women choose to work for more successful companies, or do women themselves help improve companies’ performance. The most likely answer is a combination of the three.”

Wir haben also folgende Situation:

  • Üble maskuline Kräfte verschieben die meisten Frauen auf Vorstandspositionen mit wenig Einfluss.
  • Unternehmen mit mehr als einer Frau auf Vorstandsposten mit wenig Einfluss machen (etwas) mehr Umsatz als Unternehmen keiner Frau auf einem Vorstandsposten.
  • Frauen werden von den erfolgreicheren Unternehmen eher auf Vorstandsposten befördert und Frauen suchen sich lieber einen Vorstandsposten in einem erfolgreichen Unternehmen, auch einen mit wenig Einfluss und die wenigen Frauen im Vorstand, die sich dort auf zumeist unwichtigen Posten finden, helfen dabei, den Umsatz von Unternehmen zu steigern.

It’s simply magic.

Female magic: Zwei Frauen auf unwichtigen Posten in Unternehmen erhöhen den Umsatz, einfach nur durch ihre Anwesenheit, so steht zu vermuten. Die reine Gegenwart reiner Weiblichkeit erhöht den Umsatz um durchschnittlich 3,7%. Auf welchen verschlungenen Pfaden dieser Effekt sich Bahn bricht, wir wissen es nicht: It is magic.

Vielleicht sind die Götter Unternehmen mit mehr als zwei Frauen im Vorstand, auf eher unwichtigen Posten des Vorstands, um 3,7%Umsatz mehr geneigt. Vielleicht sind die Frauen auf den eher unwichtigen Posten im Vorstand kleine Einsteininnen, die durch ihre Genialität selbst vom unwichtigen Posten aus den Umsatz auf ein höheres, ein 3,7% höheres Niveau zu transzendieren im Stande sind.

Was auch immer es ist, wir werden nicht erfahren, was es ist, das den 3,7%weiblichen Einfluss auf den Umsatz transportiert und möglich macht, denn Credit Suisse hat es nicht untersucht.

magic moneyHaben Sie übrigens ein Konto bei Credit Suisse?
Das würden wir uns überlegen.
Die glauben dort an Magie.
Eher beunruhigend.

Bleibt noch anzufügen, dass bei Credit Suisse nicht nur Magier, sondern auch Seher unterwegs sind:

“We see three main obstacles to achieving greater diversity: cultural biases, workplace-related biases; and structural/policy issues.”

Wer diese Hindernisse auch sieht, diese kulturellen, mit dem Arbeitsplatz verbundenen und strukturellen und politischen Hindernisse, der sollte sich im Lottospielen versuchen, denn er sieht offensichtlich wie die Autoren der Credit Suisse Studie etwas, was man nicht mit Daten belegen kann, was man nur dadurch verdichten kann, dass man auf jemanden verweist, der es auch schon gesehen hat… ein richtiges Seher-Netzwerk, aber eben keine Wissenschaft, nicht einmal ansatzweise etwas wie Wissenschaft.

Aber etwas, worüber die Schweizer Tageswoche berichten muss, unter der Überschrift, die oben genannt wurde. Seit der Veröffentlichung des Artikels am 23.9.2014, um 16:19 Uhr sind einige Tage und Stunden vergangen. Die Erde dreht sich immer noch um die Sonne. Die Brecon Beacons stehen auch jetzt noch, wo wir sie erwarten und die mehr als eine Frau im Vorstand von Unternehmen üben weiterhin ihre 3,7%Umsatz-Magie.

Schön!

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