Das Lied der Partei und Aktion: Pay for it

Gestern haben wir auf das Lied der Partei verlinkt. Aber ein Link ist eigentlich nicht genug, um diesem traurigen Zeitzeugen eines kollektiven und menschenverachtenden Geistes, der einst die DDR aus Ruinen auferstehen und in eben diesen Ruinen leben ließ, gebührend Rechnung zu tragen. Deshalb wollen wir dem Lied der Partei, das Louis Fürnberg 1949 geschrieben hat und das über die Dauer der DDR die Hymne der SED war, heute einen würdigen Platz auf ScienceFiles einräumen. Wer nachdem er den Text gelesen hat, immer noch der Meinung ist, man könne und dürfe sozialistische Experimente machen, dem ist nicht mehr zu helfen:

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!
Klicken Sie, um das Lied auch akkustisch zu genießen!

Sie hat uns alles gegeben,
Sonne und Wind, und sie geizt nie.
Wo sie war, war das Leben,
Was wir sind, sind wir durch sie.
Sie hat uns niemals verlassen,
Frohr auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt die Mutter der Massen,
Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht
Und Genossen es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer Recht,
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Lenin’schem Geist
Wächst von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei.

Sie hat uns niemals geschmeichelt.
Sank uns im Kampfe auch immer der Mut.
Hat sie uns leis nur gestreichelt:
“Zagt nicht!” und gleich war uns gut.
Zählt denn noch Schmerz und Beschwerde,
Wenn uns das Gute gelingt.
Wenn man den Ärmsten der Erde,
Freiheit und Frieden erzwingt?

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht …

Sie hat uns alles gegeben,
Ziegel zum Bau und den großen Plan.
Sie sprach: “Meistert das Leben,
Vorwärts Genossen, packt an.”
Hetzen Hyänen zum Kriege,
Bricht euer Bau ihre Macht.
Zimmert das Haus und die Wiege,
Bauleute seid auf der Wacht!

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht …

Deutlicher kann man die Verachtung des Individuums nicht machen. Deutlicher kann man die im Sozialismus angelegte Überschätzung, man wisse, was richtig und gut und wahr ist und könne das Leben anderer planen, für sie sprechen und über sie bestimmen kaum machen. Und wer weiß, vielleicht hat die derzeit in Vergessenheit geratene Hymne ja eine Zukunft, dann, wenn die deutsche Regierung ihre Bevölkerung jetzt schubsen will, in die richtige Richtung schubsen will, setzt das voraus: “Die Regierung, die Regierung, die hat immer recht und Genossen es bleibe dabei …”.

Zum Thema die Bevölkerung Schubsen gibt es eine neue Untersuchung, die Lee Shephard, Ronan E. O’Carroll und Eamonn Ferguson erstellt haben. Über 13 Jahre (2000 bis 2012) haben sie die Spenderaten von Organen in Ländern mit unterschiedlichen Systemen zum Schubsen der Bevölkerung untersucht. Während in manchen Ländern Organspende als Standard gesetzt wird, und Nicht-Spender ihre Nichtspende erklären müssen (opt-out), wird in anderen Ländern das Nichtspenden als Standard gesetzt und Spender müssen ihre Spendewilligkeit erklären (opt-in).

Das Ziel beider Systeme besteht darin, so viel wie möglich Organe zu ernten (to harvest), und entsprechend ist die Menge der geerntete Organe das Maß aller Dinge. Die Ergebnisse: Mehr Organe gibt es bei opt-out Systemen, vermutlich weil viele vergessen, dem System ihre Organe zu entziehen bevor sie der Tod ereilt. Dafür gibt es in opt-in Systemen mehr Lebensspender also Menschen, die eine ihrer Nieren spenden und mit der verbleibenden weiterleben.

Das verkompliziert das Unternehmen “Organspende”, denn wie so oft im Leben erweist sich die Realität als komplexer als die Gedankengänge der nach ihrer eigenen Überzeugung allwissenden Planer. Das gibt einem ein Gefühl der Zufriedenheit, zeigt es doch, dass die Planer planen können wie sie wollen und dennoch hinter ihren Zielen zurückbleiben werden. Egal, wie geschubst wird, immer wird sub-optimal geschubst, denn die gewählte Form der Schubserei bleibt in mindestens einem Punkt hinter dem Ergebnis der abgwählten Form der Schubserei zurück.

Allerdings ist es ärgerlich, wie Planer und Ärzte und all diejenigen, die am Organhandel verdienen, denken, sie könnten mit den Organen ihrer Bevölkerung planen, mit den Organen der naiven Spender, die umsonst hergeben, woran andere sich dann eine goldene Nase verdienen. Deshalb und um die Fronten im Organhandel gerade zu rücken, haben wir eine Aktion gestartet:

If you want my organ – pay for it.

Wenn Ihr eines meiner Organe wollt – zahlt dafür!

Es ist nämlich nicht einzusehen, dass ausgerechnet diejenigen, die die Güter bereitstellen, auf denen die Wertschöpfungskette des Organhandels aufbaut, leer ausgehen.

Pay for it

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