Öffentlich-rechtlicher Schaum vor dem Mund

Wir müssen heute einmal Wissenschaftler verteidigen, und zwar die fünf Wissenschaftler, die zusammen den Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschatflichen Entwicklung bilden, dessen Aufgabe es u.a. ist, ein Jahresgutachten zu erstellen, in dem die wirtschaftliche Entwicklung auf Grundlage der vergangenen wirtschaftlichen Entwicklung und politischer Entscheidungen prognostiziert wird.

Nun kann man von diesem Sachverständigenrat halten, was man will, aber man wird den darin versammelten fünf Professoren schwerlich absprechen können, dass sie in der Lage sind, wissenschaftliche Expertisen zu erstellen und über die dazu notwendige Expertise auch zu verfügen. Und natürlich erstellen sie das Jahresgutachten nicht alleine, sie sind ja nur zu fünft. Den anderen Wissenschaftlern, die am Gutachten beteiligt waren, sind die Punkte 5 bis 12 des Vorworts zum Jahresgutachten 2014/2015 gewidmet und da sich das Vorwort zu Beginn der 405 Seiten des Berichts findet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vowort gelesen wird, selbst von Journalisten gelesen wird, recht hoch – so denkt man.

Jedenfalls denkt man das, bevor man den Kommentar von Claus Heinrich gelesen hat, der für den SWR im Hauptstadtstudio tätig ist und dort auf Kosten der Gebührenzahler sein Unwesen in einer Weise treiben darf, das seiner Sozialisation bei taz und SPD leider nur zu gerecht wird. Und dieser Mann wird mit seinem geballten Zorn und einer grüttelten Ladung Unwissen von der ARD auf ihre in diesem Fall Leser losgelassen, und er darf so richtig austeilen, schimpfen und verbal randalieren und dabei deutlich machen, dass er selbst wenn man ihn fragen würde, nicht wüsste, was Anstand und Fairness sein sollen.

Im Originalton:

clausheinrich103~_v-portraetklein8x9“Darauf muss man erst einmal kommen: Der Mindestlohn, der noch gar nicht in Kraft ist, ist schon jetzt schuld an der Eintrübung der Konjunktur in Deutschland. Das behaupten jedenfalls die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten. 100.000 Minijobs seien gefährdet und 40.000 sozialversicherte auch. Der Mindestlohn der Bundesregierung, der ab 1. Januar in Kraft treten soll, sei ein “sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang”.

Wie immer, wenn der Schaum vor dem Mund die Sicht auf den Text versperrt oder der Text durch zu viel tropfenden Speichel unlesbar geworden ist, entgeht dem Keifenden das Wesentliche: Das Jahresgutachten 2014/2015 (!sic) ist ein Gutachten, das die zukünftige Entwicklung abschätzen soll, und zwar auf Grundlage bisheriger Entwicklung und politischer Entscheidungen. Der Mindestlohn ist eine politische Entscheidung, ein Markteingriff, der getätigt wurde. Die Folgen, die die Sachverständigen beschreiben, ergeben sich nach ihrer Ansicht, die sie sich auf Grundlage von Daten gebildet haben, in der Zukunft. Deshalb beschreiben sie Konjunkturaussichten in ihrem Gutachten. Aber das hat der Herr Heinrich auf der Höhe seines Zornes offensichtlich übersehen, ebenso wie er übersehen hat, dass es eine umfangreiche Forschung zum Thema “Mindeslohn” gibt, die einhellig zeigt, dass ein Mindestlohn der Konjunktur schadet.

Und natürlich ist der Mindestlohn ein sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang oder will der zornige Heinrich etwa behaupten, er könne die Zukunft vorhersehen und wisse genau, wie der Mindestlohn sich auf die Konjunktur auswirkt? Wie gesagt, nach aller wissenschaftlichen Forschung kann man sich recht sicher sein, dass sich ein Mindestlohn negativ auf die Konjunktur auwirkt, aber nicht nur darauf, wie ein Blick in den Bericht der Sachverständigen zeigt:

“Der Mindestlohn wird vor allem die Arbeitsnachfrage im Bereich einfacher Tätigkeiten belasten. Dort wird es im Jahr 2015 zu Lohnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich kommen (Brenke, 2014). Selbst unter der Annahme einer geringen Lohnelastizität der Arbeitsnachfrage und der Tatsache, dass zunächst – etwa aufgrund von Ausnahmeregelungen – nicht bei allen Beschäftigten der Lohn entsprechend angepasst wird, ist von deutlich negativen Beschäftigungseffekten auszugehen (Henzel und Engelhardt, 2014).

Insbesondere bei geringfügig entlohnt Beschäftigten dürfte es wegen der Verdienstgrenzen zu Anpassungen der (vereinbarten) Arbeitszeit bei unverändertem Entgelt kommen. Unabhängig von der Art der Anpassung steigt für die vom Mindestlohn betroffenen Arbeitnehmer die für die Rentabilität ihres Arbeitsplatzes erforderliche Produktivität. Letztere wird vor allem für geringqualifizierte Arbeitnehmer oft schwer zu erreichen sein. Der Sachverständigenrat nimmt daher im Rahmen der Prognose an, dass im Jahr 2015 rund 100 000 Minijobs und etwa 40 000 sozialversicherungspflichtige Stellen weniger entstehen als ohne den Mindestlohn” (110).

Die Zusammenhänge, die hier beschrieben sind, sind nicht nur xfach belegt, sie sind auch einfach nachzuvollziehen: Wenn mich als Arbeitgeber Arbeitnehmer, die eine geringfügige Tätigkeit ausüben, plötzlich mehr kosten, dann werde ich so viele der Arbeitnehmer einsparen, wie notwendig, um die Kosten auf das Ausgangsniveau vor Einführung des Mindestlohns zu drücken. Diese Konsequenz des Mindestlohns ist rational und vorhersehbar, und sie widerspricht dem ideologischen Vorurteil von Herrn Heinrich, der lieber die Augen zuhält und behauptet, die Erde sei eine Scheibe, wie er gerade sehen könne.

Nicht genug damit, dass Herr Heinrich sich aufschwingt, ein Gutachten von 405 Seiten in Bausch und Bogen vom Tisch zu wischen und zudem versucht, denjenigen, die er als Ersteller des Gutachtens ansieht, ans Bein zu pinkeln, er versucht auch aufs Primitivste zu manipulieren, indem er suggeriert, 100 000 Minijobs und 40 000 sozialversicherungspflichtige Jobs seien in Gefahr. Wer die zitierte Stelle liest, der sieht: Sie sind nicht in Gefahr, wie der nicht schlaue Heinrich behauptet, nein, die Sachverständigen fürchten, dass Unternehmen die entsprechenden Stellen gar nicht erst schaffen werden, die sie ohne Mindestlohn geschaffen hätten. Das ist ein Unterschied Herr Heinrich.

Und dann geht es mit dem ehemaligen taz Redakteur und SPD Mitglied ganz durch:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt. Dann relativiert sich auch das neidzersetzte Gemecker über Leute, die 45 Jahre den Buckel krumm gemacht und mit ihren Steuern Universitäten finanziert haben, die sie für sich selbst nie genutzt haben. Und die sich dann von deren hochbezahlten Lehrkräften auch noch dafür beschimpfen lassen [zu] müssen, wenn sie nach 45 Jahren nicht mehr malochen wollen.”

Man kann das Gutachten wieder und wieder durchsuchen: es findet sich keine Stelle, an der die Gutachter “Leute” beschimpfen, “die 45 Jahre den Buckel krum gemacht haben”, um das Studium von ehemaligen taz Redakteuren, die jetzt versuchen, sich als öffentlich-rechtlicher Schaumschläger ein Einkommen zu sichern, zu finanzieren. Die Beschimpfung gibt es nur in der Phantasie, im Kopf von Herrn Heinrich, in dem, angesichts der vielen Phantasien für die Realität kein Platz mehr bleibt, die Realität, die sich auf 405 Seiten eines Berichtes findet, in dem sich die Rente mit 63 nur an vergleichsweise wenigen Stellen überhaupt findet.

Maggy ThatcherUnd natürlich ist es ein Unding, wenn man angesichts steigender Ausgaben für die Sozialversicherung, die schon jetzt mehr als 50% des Bundeshaushalts ausmachen und bis 2018 nach Ansicht der Bundesregierung “stark steigen”, angesichts einer steigenden Lebenserwartung und angesichts einer z.B. durch den Mindestlohn verschlechterten konjunkturellen Aussicht, Steuergeschenke verteilt, wie dies die Parteifreundin von Claus Heinrich mit der Rente ab 63 gemacht hat. Ressourcen sind nun einmal begrenzt. Da kann man mit dem Fuss aufstampfen, da kann man mit dem Kopf gegen die Wand laufen, aber man kann es schlicht nicht ändern: Wenn Geld weniger wird, kann man nicht immer mehr ausgeben. Das müsste selbst Herrn Heinrich einleuchten.

Um seiner Ahnungslosigkeit die Krone aufzusetzen, denkt er, er könne die Sachverständigen nun mit seinem Wissen beeindrucken und ihnen eine Fehlstelle nachweisen:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt.”

Das fabuliert der veritable Herr Heinrich, der aus den Gebühren der Zwangsseher öffentlich-rechtlicher Anstalten finanziert wird. Nun, die fünf Wirtschaftsweisen sind:

  1. Prof. Dr. Peter Bofinger
  2. Prof. Dr. Lars P. Feld
  3. Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender
  4. Prof. Dr. Isabel Schnabel
  5. Prof. Volker Wieland, Ph.D.

Auch in Zeiten der Gender-Manie ist Isabel Schnabel noch als weiblich zu erkennen. Ob Claus Heinrich so sehr vom Genderistischen-Zeitgeist besetzt ist, dass er nicht zu denken in der Lage ist, es könne einen weiblichen Menschen geben, der sich mit kalter, von weißen heteronormativ-patriarchalischen Männern betriebener Ökonomie beschäftigt, ist uns nicht bekannt. Wir tendieren zu der Annahme, dass der keifende Heinrich das Jahresgutachten der Sachverständigen nie in der Hand hatte und keine Idee hat, wer die Wirtschaftsweisen eigentlich sind. Wozu auch: Um als Journalist für die ARD im Hauptstadtbüro tätig zu sein, reicht es offensichtlich, über Schaum vor dem Mund zu verfügen. Kenntnisse in irgend einem Bereich werden nicht erwartet.

Schließlich sei dem Herrn Claus die Expertise des Sachverständigenrates aus dem Jahre 2011 mit dem Titel “Herausforderungen des demografischen Wandels” empfohlen. Darin setzen sich vier Herren und eine Dame, die zum damaligen Zeitpunkt die fünf Wirtschaftsweisen gebildet haben, mit dem Thema Zuwanderung eingehend auseinander.

Aber das weiß Herr Heinrich nicht.

Er weiß eigentlich gar nichts.

Er hat Schaum vor dem Mund und das reicht, um ARD-tauglich zu sein.

Und nun noch das Schmankerl zum Schluss. Auf der Seite des ARD-Hauptstadtstudios versucht sich Claus Heinrich leutselig zu geben und beantwortet die Frage: “Was sehen Sie als die größte Herausforderung im politischen Journalismus [an]?” mit: “Die eigenen Vorurteile nicht für Vorwissen zu halten.”

Das ist es dann wohl, was man Realsatire nennt!

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32 Responses to Öffentlich-rechtlicher Schaum vor dem Mund

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  2. Sven H. Schillings says:

    Klasse Beispiel, an dem man feststellen kann, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen gleichgeschaltet ist. Denn während sich Claus Heinrich vom SWR wissensbefreit über die fünf Wirtschaftsweisen hermacht, läßt Angela Merkel die mehr als berechtigte Kritik der Sachverständigen an den teuren Fehlentscheidungen der großen Koalition ( Rente mit 63, Mütterrente und Mindestlohn ) mit süffisantem Lächeln an sich abprallen. Es könne ja schließlich nicht sein, daß man jetzt schon absehen könne, wie sich der Mindestlohn auswirken wird, da er doch erst am 1. Januar beginnt. Die Krönung des ganzen Polittheaters schaffte dann noch die Alibi-Migrantin der SPD, Yasmin Fahimi, indem sie allen Ernstes die Äußerungen des Wirtschaftsrates zum Mindestlohn als “hanebüchen” bezeichnete und sich in die Forderung verstieg, den Wirtschaftsrat aufzulösen. Man sieht, öff. – rechtl. Fernsehen und Politik befinden sich im Mainstream und Kritik, und sei sie noch so fundiert, wird plattgemacht.

    • Und dann gibt es im Medienvolk noch diejenigen, die dem abgestimmten Manipulationsspiel auf den Leim gehen und lieber auf Wissenschaftler, die zumindest wissen, wie man statistische Tools bedient, einschlagen als auf Politiker und Journalisten, die einen Median nicht von einem Modus unterscheiden können.

  3. Dirk says:

    Gibt es eigentlich eine Auswertung über die Qualität der Prognosen des „Sachverständigenrates“? Einfach eine schlichte Tabelle Horoskop – Realität?? Ich habe leider nix gefunden …

  4. Manfred Michael Schwirske says:

    So gern ich sciencefiles lese. Wie immer wieder beim Thema Oekonomie fällt einmal mehr der weitaus überzogene Vorwurf auf den Verfasser zurück: Schaum vorm Mund. Und die Realsatire verwandelt sich in Wissenschaftssatire.

    • Haben Sie vielleicht auch einen Beleg oder ein Argument oder ist Ihnen gerade einfach nur danach, etwas zu behaupten, weil Ihnen die Aussage im Text nicht passt?

    • @M.M.S.

      vermutlich hat Sie dieser Kommentar von psychischem Druck erleichtert, aber wenn Sie ScienceFiles gerne lesen, dann wissen Sie auch, dass solche Erleichterungen, die keinerlei Begründung für die implizierte Meinung enthalten, von uns überhaupt nicht geschätzt werden, weil sie weder uns noch irgendjemandem sonst weiterhelfen.

      Alle haben mehr von ScienceFiles, wenn Einschätzungen aus anderen Gründen formuliert werden als der bloßen psychologischen Erleichterung – vorausgesetzt, diese Gründe werden dann auch angegeben; sonst gibt es nichts zu diskutieren und wir sinken auf das Niveau des Schlagabtausches. Das mag derzeit in Deutschland üblich sein und akzeptabel erscheinen, aber in jedem Fall ist es in keiner Weise konstruktiv.

  5. NeuMama says:

    Vielen Dank für diesen Artikel. Habe mich köstlich amüsiert.

  6. lernender says:

    „Es ist nicht ganz trivial zu verstehen, wie ein Beschluss, der noch nicht in Kraft ist, jetzt schon die konjunkturelle Dämpfung hervorrufen kann“

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/angela-merkel-zur-wirtschaftsweisen-prognose-2015-13261762.html

    Es ist auch nicht ganz trivial zu verstehen, warum ein Fallschirmspringer vorher die Reißleine zieht und nicht erst wenn er aufschlägt.

    Herr im Himmel lass Hirn regnen auch wenn ich der Meinung bin, die Zonenwachtel kanns selbst dann nicht besser.

    “Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt.”

    Kollege, die, die eingewandert sind, wandern gerade wieder aus.
    Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker in Universitäten wo nicht rumgegendert wird, der Rest macht einen auf Djihad, also auch nix mit Gegenfinanzierung..

    • Sven H. Schillings says:

      “Herr im Himmel lass Hirn regnen auch wenn ich der Meinung bin, die Zonenwachtel kanns selbst dann nicht besser.”
      Wir hatten am Montag eine Lesung organisiert mit Frank Schäffler, Ex-MdB zum Thema Rettungsschirme. In diesem Kontext berichtete er aus seiner politischen Erfahrung in den Entscheidungsgremien in Berlin, daß sehr häufig sich die Regierung ausdrücklich gegen die wissenschaftlich-fachliche Kompetenz entscheidet, aus parteipolitischen oder Proporz- Gründen. Solange wir von Amateuren regiert werden, die nicht mal auf die vorhandene Fachkompetenz zurückgreifen, sondern nach diffusen oder emotionalen Gesichtspunkten entscheiden, kommen wir nicht wirklich einer Lösung der großen anstehenden Probleme näher, im Gegenteil.

  7. baumbaron says:

    Ich stimme Herrn Schwirske in vollem Maße zu! Wenn ich mir anschaue, was die 5 (Big Five oder Pfeifen?) in Zeiten der Krise nach 2008 so zum Besten gegeben haben und wie verlässlich sie waren, dann kann man versucht sein vorzuschlagen, man solle diese Art der universitären Religion in den Fluren der Genderisten unterbringen! Dann wären die Richtigen beieinander!

    Und zum Thema Mindestlohn noch ein schönes Beispiel:
    Ich habe vor einiger Zeit ein den Betrieb eines Veranstaltungsgebäudes aus öffentlicher Hand übernommen. Da lief ein Reinigungsvertrag, den hatte man ausgeschrieben. Und damit wurde und wurde das Ding nicht sauber, obwohl nicht gerade wenig Geld floss. Dann sind wir dem auf den Grund gegangen. Ergebnis: die Reinigerinnen durften nur 1/4 der Zeit brauchen, die bezahlt wurde, sie erhielten für den Schweinsgalopp nur zwei Drittel des avisierten Mindestlohns, hatten keinen Urlaubsanspruch und erhielten Überstunden nicht bezahlt. Ebenfalls 4/5 waren Aufstockerinnen. (Das ist übrigens der Grund, warum unsere Schulen landauf/landab so aussehen, wie sie aussehen.)
    Wir haben dieses Spiel beendet und beschäftigen diese Kräfte selbst und zahlen über Mindestlohn! Und es rechnet sich, weil wir die Belegung fast verdoppeln konnten (unter anderem weil sauber!).
    Und wir liegen dem Steuerzahler nicht auf der Tasche, weil die Kräfte nicht mehr aufstocken! Da erwarte ich mir halt etwas mehr universitäres komplexes Denken der 5 tollen Hechte!

    • Das finde ich erstaunlich, dass Sie Herrn Schwirske zustimmen, wo er doch überhaupt kein Argument gemacht hat.

      Um einmal die Diskussion auf das zu bringen, worum es geht: es geht darum, dass die Sachverständigen auf der Grundlage von Information und Daten eine Empfehlung geben, eine fundierte Empfehlung und dann kommt ein Journalist, von dem ich nicht weiß, ob er weiß, was eine multiple Regression oder eine Monte Carlo Simulation ist und befindet, ohne Angabe auch nur eines Arguments, das sei alles Quatsch. Allein darum geht es, um das völlige Fehlen jeder auch nur rudimentär zu nennenden Diskussionskultur, um das Fehlen jeder auch nur ansatzweise vorhanenden Fairness im Umgang miteinander, darum, das Herrschaften, von denen man nicht weiß, wo sie die Fähigkeiten und Kenntnisser hernehmen wollen, um das zu beurteilen, was die Sachverständigen sagen, den Mund bis zum Anschlag aufreisen. Und solange es Kommentatoren gibt, die diese Art des Umgangs unbedenklich finden, wird es in Deutschland weiter den Bach runter gehen, denn niemand hat offensichtlich ein Interesse daran, einen normalen Diskurs mit Argumenten zu führen. Richtig: Argumente, so etwas gibt es.

      Und nehmen Sie es mir nicht übel, aber ein Einzelfallbeispiel zum Mindestlohn aus Ihrer Erfahrung hat überhaupt keinen Stellenwert, wenn dem Einzelfall Myriaden Auswertungen von Datensätzen gegenüberstehen, die zeigen, wie zum Teil verheerend sich ein Mindestlohn auf die Beschäftigungsaussichten von z.B. Geringqualifizierten auswirkt, aber um die geht es ja nicht, die werden nur hervorgezogen, wenn es darum geht, Stimmung zu machen und anschließend schnell wieder weggepackt. Manchmal ist die Heuchelei in Deutschland wirklich nicht mehr zu ertragen.

    • A. Behrens says:

      Zitat “Ergebnis: die Reinigerinnen durften nur 1/4 der Zeit brauchen, die bezahlt wurde”

      Wenn das stimmt, würde ich hier die Ursache des Sauberkeits-Problems sehen. Nicht im Mindestlohn, nicht in der Aufstockung, sondern schlich darin, dass nicht für die eigentliche Leistung bezahlt wurde, sondern irgend etwas anderes.

      Die angeblichen “Pfeifen” könnten ihnen auch sagen warum genau das passiert, die haben sogar einen Begriff dafür: Minimalprinzip. Bei gegebenem finanziellem Ergebnis wird der Putz-Aufwand minimiert. Und eine mögliche Lösung haben Sie gefunden. Statt eines Geldbetrages wird eine Leistung als Ergebnis verlangt. Wollen Sie jetzt tatsächlich den “Pfeifen” vorwerfen, dass Sie eine Bestätigung der herrschenden Lehrmeinung gefunden haben?

  8. fdominicus says:

    Der Schaum vor dem Mund ist nicht gänzlich unverschämt/unverdient. In dem ganzen Zirkel gibt es keine Ökonomen der Nicht-Mainstream Schule und die Qualität der “Vorhersagen” kann man nur katastrophal nennen. Jeder kann sich diese Gutachten selber zu “Gemüte” führen
    http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/expertisen.html?&no_cache=1

    Zur Verteidigung kann man festhalten, es ist noch immer weitaus wissenschaftlich fundierter als alles was vom WBGU kommt. Und wbgu enthält wissenschaftlicher Beirat. Was aber in jedem Maßstab nur eine Planungskommision sein kann. Selten in meinem Leben habe ich etwas Schlechteres, Schlimmeres und Verschwurbelteres als
    http://www.wbgu.de/hauptgutachten/hg-2011-transformation/ gelesen.

    Keine Ahnung ob Sie es sich mal angeschaut haben, wenn nicht, dann sollten Sie das wirklich nachholen. Da haben Sie Stoff für jahrelange Einträge hier….

    • Kennen Sie eine Untersuchung, in der die Vorhersagen des Sachverständigenrates post hoc geprüft worden wären. Ich kenne keine, aber wie ich bereits in einem anderen Kommentar geschrieben habe, geht es auch nicht darum, die Qualität der Vorhersagen zu beurteilen, sondern darum, die Art der Auseinandersetzung und das Jeder-reißt-das-Maul-Auf-Syndrom aufzuzeigen. Wenn Sie die Qualifikation des Sachverständigen beurteilen, warum beurteilen Sie nicht die Qualifikation des Herrn Heinrich, sofern er eine vorzuweisen hat. Ich bin schon gespannt auf die Arbeiten, die belegen, dass er beurteilen kann, worüber er wie Nero zu richten können glaubt.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      + @Baumfreund

      Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie leicht es gelingt, viele Deutsche in die Spur zu setzen, die dann unaufhaltsam in Richtung “Ökonomie-ist-suspekt”/”Ökonomen, wenn nicht gar: Bonzen, sind an allem schuld, was ich gerne hätte, aber nicht habe” rasen, wenn ein Menschenfänger von Hameln oder auch der ARD bzw. des SWR die Signalflöte erklingen lässt!

      Haben Sie sich irgendwann einmal gefragt, wie es möglich ist, dass die ja nun wirklich seit 25 Jahren sattsam bekannte demographische Entwicklung von politischer Seite vollkommen ignoriert wurde und nun jeder, der darauf hinweist, dass es das Rentenproblem tatsächlich gibt und dass es durch bestimmte populäre, aber ökonomisch unverantwortliche Umverteilungsprozesse wie Mindestlohn und andere Transferzahlungen verschärft wird, madig gemacht wird? Wer glauben Sie, ist dafür verantwortlich? Die Demographen, die die demographische Entwicklung (durchaus richtig) vorausgesagt haben? Die Ökonomen, die auf bestimmte gut erforschte Zusammenhänge hinweisen, die es in der Realität nachweisbar gibt?

      Und selbst dann, wenn Sie damit Recht hätten, dass die Big 5 irgendeine Entwicklung nicht richtig eingeschätzt haben – warum stört Sie das so, während es Sie bei anderen Adressen nicht stört, wenn sie völlig daneben liegen oder zukünftige Entwicklungen gänzlich ignorieren? Außerdem würde die Fehleinschätzung in der Vergangenheit, selbst dann, wenn Sie Recht hätten, nicht Ohne Weiteres dafür sprechen, dass Aussagen über Zusammenhänge, die empirisch belegt sind, falsch sind, nur weil sie von denjenigen geäußert wurden, die in der Vergangenheit falsche Voraussagen über Entwicklungen gemacht haben, Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und wenn Sie das nicht in Rechnung stellen, gehen Sie einem ad hominem auf den Leim.

      Last, but not least:
      Wenn Sie meinen, der Schaum vorm Mund eines ARD-Autoren sei in der Sache gerechtfertigt, wundert es Sie dann nicht, dass besagter Autor es vorgezogen hat, Schaum zu schlagen, statt die Argumente, die Ihrer Meinung berechtigterweise dazu führen könnten, dass jemand Schaum vorm Mund hat, zu nennen? Scheint es Ihnen nicht auch so, als wäre hier nur emotionaler Schaum geschlagen worden – in Abwesenheit rationaler Argumentation?

      Fest steht: Falls es gute Argumente gegen das gibt, was die Big 5 vorgebracht haben, dann sind sie jedenfalls nicht bei Herrn Heinrich zu finden und nicht von ihm formuliert worden, ich finde seine Anmassung, ökonomische Zusammenhänge beurteilen zu können, deshalb einfach lächerlich bis peinlich,

      Wenn Sie gute Argumente (und nicht illustrative Beispiele für das, von dem man lediglich meint, es treffe in der Realität zu!) haben, dann teilen Sie sie doch mit, statt Gefahr zu laufen, sich zu disqualifizieren, indem Sie in der Sache unqualifizierten Schaumschlägern probeweise zustimmen!

  9. patzer says:

    Bettina Röhl über Medien und Politik:
    http://www.rolandtichy.de/kolumnen/bettina-roehl-direkt/obama-und-die-hooligans/
    Anderes Thema,aber typisch.

  10. fdominicus says:

    Mit meiner Meinung gerade über den Sachverständigenrat bin ich nicht ganz allein:
    http://www.rottmeyer.de/miss-merkel-was-not-amused/

    Wie geschrieben ganz unverdient ist der Schaum nicht….

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @fdominicus

      Und? Was soll das zeigen? Ein argumentum ad populum gehört zu den Pseudoargumenten bzw. ist ein fehlerhaftes oder – wie ich vorziehen würde zu sagen – gar kein Argument.

      • fdominicus says:

        Ich denke mit den Pseudoargumenten sollte man etwas vorsichtiger sein. Ich habe geschrieben teilweise verdienicht völlg verdient. Die Ergebnisse des Sachverständigenrates waren nun einmal oft weit daneben. Das sollte man nicht völlig ignorieren.

        Es kann eigentlich keine Frage darüber geben ob erhönte Preise nicht doch irgendwann zu einer sinkenden Nachfrage kommen. Die Frage sich sich stellt. Ist der angepeilte Stundenlohn von 8,5 Euro eine Erhöhung der unteren Grenze oder nicht. Wäre er es nicht ist nicht mit einer Änderung zu rechnen, ist er es wird es eine Änderugn geben.

        Der Sachverständigenrat sieht offenbar eine Änderung das ist legitim aber eben nicht komplett raus. Und nein wenn in einem Gremium nur eine Meinunt vertreten wird, darf auch das angesprochen werden.

        Es ist eine Armutszeugnis sondergleichen für alle VWLer was seit 2008 abgelaufen ist. Und es gibt beweisbar wissenschaftlich Arbeitende die davor gewarnt haben. Keiner davon wurde bei diesen Fragen konsultiert.

        • Ich fände die Diskussion würde erheblich gewinnen, wenn Sie nicht nur Behauptungen aufstellen, sondern auch Belege für die Behauptungen bringen würden. Und noch einmal: Es geht im Beitrag nicht darum, ob die Sachverständigen richtig oder falsch vorhersagen, sondern darum, welche selbsternannten Experten sich aufschwingen, die Ergebnisse der Sachverständigen, in Bausch und Bogen und ohne auch nur ein einziges Argument zu nennen oder auch nur einen einzigen Fehler aufzuzeigen, vom Tisch wischen

          • fdominicus says:

            Gerne. Es gibt offenbar einige Bücher darüber:

            40 Jahre Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung 1963-2003

            dürfte wahrscheinlich am Interessantesten sein.
            Dann gibt es auch noch:
            Zehn Jahre Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Eine kritische Bestandsaufnahme by R. Molitor

            Einen Fehler der vorhanden sein könnte habe ich Ihnen in meiner vorherigen Antwort mitgeteilt.

            • Verstehe ich das richtig: Sie formulieren hier Kritik auf Basis von Hörensagen “Es gibt offenbar einige Bücher”?

              Nun, das Buch, das Sie ansprechen, ist nur wirklich nicht geeignet, um den Sachverständigenrat in Misskredit zu bringen. Im Gegenteil, es ist ein Tagungsband, dessen Zweck darin besteht, den Sachverständigenrat in seiner Wichtigkeit zu feiern. Etwas länger googlen und sie kommen zum PDF zu ihrer Quelle, dem man leicht entnehmen kann, dass Sie auf etwas verlinken, was das Gegenteil dessen zeigt, was Sie behaupten:

              http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/Sonstiges/Tagungsband.pdf

              Ihr anderes angebliches Argument ist eigentlich nicht der Betrachtung wert, denn wenn man davon ausgeht, dass eine Verteuerung von Arbeitskraft die Nachfrage nach Arbeitskraft reduziert, dann ist die Frage, ob bei einem Euro Erhöhung 10000 und bei zwei Euro Erhöhung 20000 Arbeitsplätze nicht geschaffen werden, wirklich zweitrangig – oder?

              • fdominicus says:

                Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört auch seine Grenzen zu kennen und be gewissen Dingen zu schweigen. Der Sachverständigenrat hat diese Grenzen seltenst zu kennen gegegen und Sie können die Vorhersagen mit dem eingetroffenen durchaus selber vergleichen. Der Sachverständigenrat und alls Wirtschaftsweisen lagen meist sehr daneben. So mit kann der Sachverständigenrag für sich nicht in Anspruch nehmen wissenschaftlich zu arbeiten. Wissenschaft heißt nicht für eine gewisse Zeit in derZukunft etwas zu wissen es geht um derzeitiges und falsifizierbares Wissen. Das angebliche Wissen der VWL Mainstreamer kann man beeindruckend an den derzeitigen Schuldenlasten messen.

                Sie haben komplett versagt. Die einzigen Ökonomen die ein stringente Antwort auf die derzeitigen Problem haben und bisher nicht wiederlegt wurden gibt es und Sie sind auch für Sie einfach zu finden. Der Sachverständigenrat gehört nicht dazu.

                Das sich hier zwei Blinde über Wirtschaft auseinandersetzen ist leider übliche Praxis. Und es ist weiterhin üblich nicht diejenigen zu Rate zu ziehen und zu hören die bisher nicht wiederlegt werden konnte.

                Ihre Ansprüche an Wissenschaftlichkeit laufen speziell bei der Kritik an Kommentatoren abe auch bei Ihren Ansprüchen der Wissenschaftlichekeit des Sachverständigenrates in’s Leere.

                Die derzeitige VWL ist Voodo . Und zwar mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Sie kritiisieren genauso den Genderwahnsinn nun dort haben Sie den Vorteil der einfachen Wiederlegbarkeit. Die Untaten der VWLer können nur im Nachhinein festgestellt werde und selbst dann gibt es mindestens soviele Interpretationen wie Interpreten. Nur eines kann keiner der derzeitigen Zentralbanker, Wirtschafsweisen wiederlegen die simple stringente Theorie der “Österreicher”. Sie wollen die Grundlagen für das Versagen der derzeiteigen VWLer und Besserwisser herausfinden? Gut dann fangen Sie an die Bücher der Österreicher zu studieren.

                Und wenn Sie dann immer noch der Meinung sind meine Kritik am Sachverständigenrat ist unangemessen, setze ich mich dann gerne mit Ihnen auseinander.

                Ihr Bericht ist nach meinen Dafürhalte unausgewogen und Sie nehmen etwas in Schutz was Ihren Ansprüchen nicht genügt.

                Ich werde mich damit aus dieser Diskussion ausklnken.

                • Ich lese unzählige Behauptungen und nicht einen Beleg. Und was nach Ihrem Dafürhalten ausgewogen ist und was nicht, ist solange für die soziale Umwelt irrelevant, so lange Sie es nicht begründen.

        • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

          @fdominicus

          Ja, genau darauf habe ich Sie ja hingewiesen; Sie sollten wirklich sehr vorsichtig damit sein, ob Ihr Argument ein gültiges ist oder nicht, und ich freue mich, wenn Sie das auch so sehen. Wie Sie sicherlich bemerkt haben, habe ich mich mit meinem Hinweis auf Ihren Kommentar reagiert, der lautete:

          “Mit meiner Meinung gerade über den Sachverständigenrat bin ich nicht ganz allein”,

          und das ist und bleibt nun einmal ein argumentum ad populum.

          Was Ihre anderen Bemerkungen betrifft, so verweise ich auf meinen anderen Kommentar, den ich (außer an die interessierten Mitleser) an Sie und an “baumfreund” gerichtet habe.

  11. osthollandia says:

    So, wie der Verfasser argumentiert, kann man getrost davon ausgehen, dass er als Ökonom lediglich die Angebotsseite kennt und benennt, genau wie die Herren Gutachter. Es gibt aber auch die Nachfrageseite. Nachfrage entsteht immer dann, wenn ein Bedürfnis mit Geld ausgestattet wird. Normalerweise passiert das über die Löhne, die sorgen dafür, dass die Privaten überhaupt nachfragen können, leider hat auch dieses Gutachten -wie immer- diese Seite komplett ausgeblendet. Autos kaufen keine Autos, das wusste schon Henry Ford. Und niemand wird in neue Anlagen investieren, wenn er keinen Käufer für das Produkt hat. Diese Annahme ist doch grober Unfug, aber gerade da wird von einer Zunahme von 3 % gefaselt, letztes Jahr hatte man 6 % prognostiziert und wir können foh sein, wenn es 1 oder 2 % werden.

    Ich empfehle an dieser Stelle das Studium der “volkswirtschaftlichen Saldenmechanik” von Wolfgang Stötzel.

    Und das der Mindestlohn der Untergang des Abendlandes sei und ganze Heerscharen von Menschen in die Arbeitslosigkeit treiben würde darf getrost ins Reich der Sagen und Märchen geschoben werden. Selbst in England und USA ist das nicht passiert. Und im Friseurhandwerk, wo das heute schon eingeführt ist, steigen die Beschäftigtenzahlen.

    2 blinde, die von Farben reden, keiner hat Ahnung, und es wird sich aufgeregt. Der ARD-Mann ist bestenfalls peinlich, der Verfasser steht ihm in NICHTS nach.

    • Es ist immer wieder schön auf jemanden zu treffen, der von keinerlei Selbstzweifeln geplagt wird und entsprechend frei und ungezwungen aufschreiben kann. Wie gut, dass Sie wissen, was der Verfasser Ökonom ist und nur die Angebotsseite kennt. Es ist ebenfalls erstaunlich, wie fest verankert die Bittsteller-Mentalität bei Keynesianern wie dem Kommentator ist, denn Angebot, das muss Unternehmen sein, nicht etwa ein Arbeitnehmer, der seine Arbeitskraft anbietet und entsprechend einen hohen Preis dafür erzielen will. Nein, er hat Nachfrager zu sein, nach einem Arbeitsplatz, damit die eigene Hierarchie und der planende Eingriff, der den Arbeitnehmern ja nur helfen will in Orndung und gerechtfertigt ist.

      Stimmt, in den USA und im VK gibt es einen Mindestlohn und es gibt eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und es gibt einen Arbeitsmarkt, der nicht ansatzweise so stark reglementiert ist, wie der deutsche, so dass es einem gering qualifizierten möglich ist, durch Straßenzüge zu tingeln und anzubieten, Hausbesitzern die Hecken zu schneiden, und zwar ganz ohne Nachweis einer Sozialversicherung.

      Es ist immer wieder erstaunlich, wie der böse Kapitalismus, der in den USA und dem VK herrscht dämonisirt wird, wenn es einem gerade in den Kram passt, weil man den Markt an Stelle X reglementieren will, nur um dann gelobt und als leuchtendes Beispiel ausgepacht zu werden, wenn man den Markt an Stelle Y reglementieren will.

      Sind sie tatsächlich der Ansicht, ein Mindestlohn von 8,5 Euro wirkt sich auf das Bruttosozialprodukt aus? Ich kann’s nicht glauben…

      Das Hauptargument gegen einen Mindestlohn besteht übrigens nicht darin, dass er zu teuer ist, sondern darin, dass Unternehmen in Zukunft Stellen, die sie geschaffen hätten, gäbe es keinen Mindestlohn, nicht mehr schaffen werden. Und es gibt Unmengen ökonomischer Forschung, die genau diesen Zusammenhang belegen. Der Kaufkraftzugewinn, den der Mindestlohn vielleicht darstellt, nutzt demjenigen entsprechend nichts, der arbeitslos ist.

      • osthollandia says:

        Ich glaube tatsächlich, dass sich ein Mindestlohn auf das BIP auswirkt ;o) Ich gebe Ihnen völlig Recht, 8,50 ist ein Armutslohn, und der ist auch noch löchrig wie ein schweizer Käse. Er wird immerhin dazu führen, dass die Leistungen für die sog. Hartz IV Aufstockungen zurück gehen, die kommunalen Haushalte werden so entlastet. Womöglich ist ja dann Geld da, damit man Schulen renovieren kann, das schafft dann Nachfrage bei den Handwerkern.

        Ich glaube auch, dass es aus nationalökonomischer Sicht sehr schlecht ist, die Löhne zu subventionieren, etwa so, wie man das bei den sog. Hartz IV Aufstockern macht. Price themselve back to the markets hat noch nie funktioniert, und ich bitte um Nachweis der zahlreichen Studien. Ich persönlich würde den Nachweis für die Friseure erbringen und verweise hier auf die entsprechenden Statistiken der Bundesagentur für Arbeit, die man als Excel-Sheets downloaden kann. Da kann man das dann sehr schön vergleichen.

        Ausserdem glaube ich, das Steuern gut sind, weil ich Polizei-Fan bin, die Feuerwehr toll finde und ich mich für Schlaglochfreie Strassen richtig begeistern kann und es super finde, wenn den Kindern in der Schule nicht der Putz auf die Köpfe fliegt..
        Aber ich bin ja Keynsianer oder Kommunist, wahrscheinlich beides.

        Und ansonsten: wenn ich eine Autowerkstatt habe stelle ich nur dann einen Mechaniker zusätzlich ein, wenn ich glaube, das ich für den Arbeit habe. Egal, was der in der Stunde verdient, solange keine zusätzliche Nachfrage besteht, stelle ich keinen ein.

        Und ich kann mir nicht helfen, es ist falsch immer nur eine Seite zu bedienen. Es ist falsch nur Angebotsseitige Politik zu betreiben und genauso falsch nur einseitige Nachfragepolitik zu betreiben. Man muss einfach beides tun und berücksichtigen. Und der große Fehler des aktuellen Gutachtens ist es wieder mal die Nachfrageseite zu ignorieren. Wir haben seit 20 Jahren eine Binnenkonjunktur, die den Namen nicht verdient. Wir kaufen unsere Waren nicht selber, wir exportieren auf Teufel komm raus und finden das auch noch super. Seit 20 Jahren die alte Leier von Lohnzurückhaltung und Flexibilisierung der Arbeitsmärkte, die seit 20 Jahren nicht funktioniert. Und warum sollen eigentlich die Arbeitgeber nicht um die Arbeitnehmer konkurieren, etwa durch bessere Arbeitsbedigungen? Der Arbeitgeber schöpft schließlich den Mehrwert der Arbeit, die der Arbeitnehmer erbracht hat ab, Gewinne fallen nicht vom Himmel. Einen Gewinn habe ich ja nur dann, wenn die Stückkosten niedriger sind als der Verkaufserlös.

        Warum sind in USA eigentlich so viele Menschen arm? Ist es möglich, das hier die De-Industrialisierung zugeschlagen hat, genau wie in England? Das man nunmehr in China produzieren lässt und Jahr für Jahr Handelsbilanzdefizite in ungeahnten Höhen einfährt? Könnte es sein, das es deshalb so wenig Arbeit dort gibt und die Jugendarbeitslosigkeit so hoch ist? Etwa weil die nichts mehr produzieren, denn die Arbeitgeber nutzen dann doch lieber das noch billigere Arbeitsangebot der Chinesen?

        Selbstzweifel kenne ich übrigens viele, aber an soviel Unvernunft wie derzeit herrscht, verzweifel ich.

        • Warum sind in USA eigentlich so viele Menschen arm? Ist es möglich, das hier die De-Industrialisierung zugeschlagen hat, genau wie in England?

          Wegen dem Mindestlohn?
          Waren Sie schon einmal in Cardiff? Fahren Sie hin und sie sehen, was Deindustrialisierung alles bewirkt. Übrigens gibt es im von Margareth Thatcher so vermeintlich heftig gebeutelten Wales kaum einen Handwerker, der nicht heilfroh ist, dass es die Einführung eines Marktes in seiner Heimat gegeben hat …

          Was ihr sonstiges Glaubensbekenntnis angeht: Was soll man damit anfangen, mit generellen Aussagen wie:

          “Ausserdem glaube ich, das Steuern gut sind, weil ich Polizei-Fan bin, die Feuerwehr toll finde und ich mich für Schlaglochfreie Strassen richtig begeistern kann und es super finde, wenn den Kindern in der Schule nicht der Putz auf die Köpfe fliegt..”

          Na wenn Sie Steuern generell gut finden, dann haben Sie sicher nichts dagegen, dass Politiker sich bereichern, politische Stiftungen Steuerzahler mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr kosten, dass Steuergelder genutzt werden, um Horden von Therapeuten und Coaches und sonstige Berufsangehörige ohne erkennbaren Mehrwert zu beschäftigen und mit Sicherheit haben sie nichts dagegen, dass mit Steuergeldern der Lebensentwurf, der Politikern gerade in den Kram passt, weil es der eigene ist, heftig subventioniert wird.

          Worüber beklagen Sie sich eigentlich?

    • Manfred Sachs says:

      “Und im Friseurhandwerk, wo das heute schon eingeführt ist, steigen die Beschäftigtenzahlen.”

      Das ist ja merkwürdig. Der Bundesverband des Friseurhandwerks moniert nämlich, daß die Beschäftigungszahlen anhaltend rückläufig seien und daß immer mehr derer, die keine Festanstellung zu einem Mindestlohn ergattern können, sich als Selbstständige versuchen und mit ihren Ein-Personen-Unternehmungen einen ruinösen (was sonst?) Preisdruck ausüben würden.

      Eine fassungslos machende, vollkommen überraschende Entwicklung würde ich sagen.

      Grüße

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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