Genderisten sind keine Wissenschaftler – Rettet die Soziologie!

Hadmut Danisch hat heute einen Bericht zu einer Veranstaltung veröffentlicht, die er in Berlin besucht hat, eine Veranstaltung unter dem Titel “Was tun gegen Antifeminismus?”. Interessierten sei der Bericht von Hadmut empfohlen, allerdings mit einer Einschränkung voraus: Das Soziologen-Bashing von Hadmut ist nicht berechtigt. Das Problem besteht darin, dass Hadmut Leuten, die behaupten, sie seien Soziologen, das Primat der Definition einräumt. Entsprechend hält er den Unsinn, den diese Leute dann erzählen für Soziologie. Es ist aber mitnichten Soziologie.

Turner SociologyDie Soziologie ist die einzige Sozialwissenschaft, die in der Terminologie von Thomas Kuhn kurz vor die Phase der Normalwissenschaft gekommen ist. Die Soziologie hat Theorien darüber, wie soziale Phänomene zu erklären sind. Die Soziologie hat Handlungstheorien, die erklären, wie Menschen zu Handlungen kommen und wie aus Einzelhandlungen kollektive Phänomene entstehen, wie man z.B. erklären kann, dass trotz einer Bildungsexpansion die Sozialstruktur in Deutschland mehr oder weniger unverändert geblieben ist. Die Soziologie hat eine Vielzahl von Methoden zur Datenerhebung, die gut bewährt sind. Und, last but not least basiert Soziologie auf einem wissenschaftstheoretischen Fundament, das in weiten Teilen von Karl Raimund Popper, Hans Albert, Karl Acham und Ernst Topitsch gelegt wurde. Kurz: Wer sich mit Soziologie beschäftigt, der merkt schnell, dass er es mit einer Wissenschaft zu tun hat.

Das Problem der Soziologie besteht nun darin, dass es das Fach ist, in dem viele alte Recken und herausragende, international bekannte Wissenschaftler zugesehen haben, wie die Soziologie und auch die politische Soziologie, der Teil der Politikwissenschaft, der es über die reine Deskription von Phänomenen hinaus geschafft hat, vor die Hunde gegangen sind, wie sie von Schwallern gekapert wurden, die sich für links halten und nun Gutes wirken wollen, für Arbeiter, die sie noch nie aus der Nähe gesehen haben, für Benachteiligte, die sie nur als Benachteiligte kennen oder eben für Frauen.

Der Frauenhilfe-Markt ist der größte Markt innerhalb der Soziologie, und zwar deshalb, weil staatliche Eingriffe die entsprechenden Stellen geschaffen haben und durch diese Stellen dazu beigetragen haben, dass Personen auf Positionen an Hochschulen gelangt sind, die nicht die Spur einer Ahnung davon haben, was Wissenschaft ist, wie man Erkenntnis gewinnt, wie man Erkenntnis prüfbar und kritisierbar macht, wie man Wissenschaft zu Wege bringt, denn Wissenschaft ist ein kumulatives Unterfangen, das über Kritik funktioniert, über die Kritik eigener und der Forschungsergebnisse anderer, eine Kritik, die nur dann möglich ist, wenn die Forschungsergebnisse nachvollziehbar und prüfbar sind.

Mit dem Einzug der Schwaller in die Soziologie sind diese methodischen Standards ebenso weitgehend verschwunden wie die Soziologie als Wissenschaft weitgehend verschwunden ist. Denn: Die Schwaller, die sich als Kapitalismuskritiker inszenieren oder sich zu Frauenfragen äußern zu können glauben oder die in sonstigen Modethemen ihre Gutheit zur Schau stellen wollen, sie haben ganz viel Überzeugung und gar kein empirisches Datum, das ihre Überzeugung zu stützen im Stande wäre. Sie sind die reinen Ideologen, die das Denken zugunsten der Selbstsuggestion ihrer Gut- und Überlegenheit aufgegeben haben. Sie verkünden und teilen mit. Sie veröffentlichen keine Forschungsergebnisse mehr, um Kollegen die Möglichkeit zur Kritik zu geben. Sie schreiben leere Texte voller nominaler Konstruktionen, die der eigenen Inszenierung als Wissenschaftler dienen sollen. Sie veröffentlichen ideologische Traktate und gaukeln Wissenschaft vor. Sie sind Überzeugungstäter, die im Namen des von ihnen erkannten Guten unterwegs sind oder Opportunisten, die das vorgeben. Sie sind keine Wissenschaftler, die auf der Suche nach Erkenntnis sind.

Und Hadmut beschreibt die Folgen, die ein solches Sendungsbewusstsein für die davon Gesalbten hat, in seinem Bericht recht anschaulich:

“Dabei ist den Leuten jede Fähigkeit, sich selbst und die eigene Situation einzuschätzen, völlig abhanden gekommen. Ich habe heute Leute mit schwerem Realitätsverlust gesehen. Sie stellen fest, dass sie immer stärker, immer schärfer, immer mehr kritisiert werden, dass man sich immer mehr über sie lustig macht, dass man sie für immer unwissenschaftlicher hält – und nehmen das als den Beleg dafür, dass sie kurz vor dem Endsieg stehen, dass der Antifeminismus mit dem Rücken zur Wand steht und in den letzten Zügen liegt. Das hatte so ein Aroma von Honecker vor dem Mauerfall.”

Opp MethodologieWer seine Überzeugungen vor der Realität schützt und gegen Kritik abschirmt, der verliert über kurz oder lang den Bezug zur Realität und fängt an, im Ozean der eigenen Einbildungen zu treiben, und zwar hilflos, weil er vergessen hat, in welcher Richtung das Land liegt. Besonders deutlich wird dies daran, dass die Treibenden offensichtlich überhaupt nicht auf die Idee kommen, sie könnten die Kritik, die an sie gerichtet ist, entkräften.

Um auf diese Idee zu kommen, muss man (1) der Ansicht sein, Kritik sei möglich, was (2) notwendig mit der Möglichkeit einhergeht, dass die eigene Überzeugung falsch sein kann und es (3) voraussetzt, dass man wissenschaftlich sozialisiert ist und den Wert von Kritik im Rahmen von Erkenntnisgewinn kennt, was notwendig voraussetzt, dass (4) Erkenntnisgewinn das Ziel ist. Davon abgesehen setzt es die Fähigkeit zur Reflexion oder zur viel beschworenen Selbstreflexion voraus.

Da Genderisten noch nie auf die Idee gekommen sind, Kritik zu beantworten oder zu versuchen, Kritik zu entkräften, sie nur einen Reaktionsmodus kennen, nämlich den, pikiert, verärgert, ja entrüstet zu sein, ob der Häresie, die ihnen gerade als Kritik zuteil wird, muss man feststellen, dass in ihrem Weltbild (1) Kritik nicht vorgesehen ist, sie (2) die Möglichkeit, ihre Lehre sei falsch, nicht vorsehen, sie (3) entsprechend keine Idee davon haben, welche Bedeutung Kritik im Rahmen von Wissenschaft zukommt, sie (4) nicht Erkenntnisgewinn zum Ziel haben können, und sie folglich keine Wissenschaftler sind.

Genderisten sind Ideologen und Gläubige, das sollte jedem, der sich mit dem Genderismus beschäftigt, sehr klar sein, und sie sind eine Gefahr für die Sozialwissenschaften, denn sie sind sehr erfolgreich in ihrem Bemühen, Sozialwissenschaft als Ganzes lächerlich zu machen.

Auch das hat Hadmut Danisch schön auf den Punkt gebracht:

“Ich habe da heute Leute gesehen, die ich nicht mehr für gesellschaftslebensfähig und nicht mehr selbsternährungsfähig halte, sondern eher im Wahn einer Sekte. Dass das bislang funktioniert liegt daran, dass unser Hochschulsystem mit seiner Vollversorgung und Schnell hill esserBeamtenmentalität für genau solche Leute ein Zuhause gebaut hat. Feminismus ist in gewisser Hinsicht nichts anderes als das Unterfangen, das ganze Land zu so einem Idioten-Zuhause nach Stil der Gender-Institute umzubauen.”

Wir stimmen in so ziemlich allem, was Hadmut schreibt, mit ihm überein, nur in einem Punkt nicht: Der Wahnsinn, den Hadmut beobachtet, der hat nichts mit Soziologie zu tun. Soziologie ist eine Disziplin, die Theorie, Methode und wissenschaftilche Standards bereitstellt, an denen man diejenigen, die behaupten, Soziologe zu sein, messen kann. Auf diese Weise ist es einfach, richtige und ernsthafte Soziologen von denen zu unterscheiden, die sich als Soziologe inszenieren wollen, von den Betrügern, die scheinbar angetreten sind, ein sozialwissenschaftliches Fach zu zerstören.

Prof. Dr. Günter Buchholz hat unseren Gedankengang fortgeführt und eine zusätzliche Forderung gestellt, die wir vollauf unterstützen:

Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gibt eine genderistische Abteilung, oder eine Sektion “Frauen und Geschlechterforschung” die, nicht zuletzt im Interesse der vielen anderen Sektionen, die wissenschaftlich seriös arbeiten, zügig abgewickelt werden sollte, um den Ruf der deutschen Soziologie zu retten, was hoffentlich noch möglich ist. Denn es gibt keine feministische Wissenschaft, das ist vielmehr ein Widerspruch im Beiwort, eine contradictio in adiecto. In demselben Sinne kann es zum Beispiel auch keine “christliche Wissenschaft” geben, wie etwa den “Kreationismus” in den USA, der die Gültigkeit der Bibel der biologischen Forschung unbefragbar voraussetzt, so wenig wie es irgendeine andere X-Wissenschaft geben kann.

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42 Responses to Genderisten sind keine Wissenschaftler – Rettet die Soziologie!

  1. “und nehmen das als den Beleg dafür, dass sie kurz vor dem Endsieg stehen, dass der Antifeminismus mit dem Rücken zur Wand steht und in den letzten Zügen liegt. Das hatte so ein Aroma von Honecker vor dem Mauerfall.”

    Und es hat leider auch ein Aroma von realitätsuntüchtigen Nationalsozialisten, die in ihrem Wahn unbedingt noch junge Leute in ihren Tod schicken mussten, weil sie nicht wahrhaben wollten, dass der Krieg verloren ist oder sie dachten für andere (!) entscheiden zu können, dass es besser sei, den Märtyrertod zu sterben und sich in Walhalla wiederzufinden als mit dem Ende und nach dem Ende der Ideologie zu leben.

    Und das ist es doch, was sie den jungen Leuten antun, die jetzt noch als Kader und Wasserträger für das ungeliebte ideologisch-sozialtechnologische Programm aufgestellt werden sollen: ihre Lebenschancen vernichten!

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  3. LoMi says:

    “Um auf diese Idee zu kommen, muss man (1) der Ansicht sein, Kritik sei möglich, was (2) notwendig mit der Möglichkeit einhergeht, dass die eigene Überzeugung falsch sein kann und es (3) voraussetzt, dass man wissenschaftlich sozialisiert ist und den Wert von Kritik im Rahmen von Erkenntnisgewinn kennt, was notwendig voraussetzt, dass (4) Erkenntnisgewinn das Ziel ist. Davon abgesehen setzt es die Fähigkeit zur Reflexion oder zur viel beschworenen Selbstreflexion voraus.”

    Schließlich gehört dazu noch, dass man andere überzeugen muss von dem, was man vertritt. Dazu muss man sowohl Daten als auch Argumentationen beibringen, die der kritischen Prüfung ausgesetzt werden. Mit den Kritiken muss man sich schließlich auseinandersetzen und darauf eingehen.

    Man muss sich im Klaren darüber sein, dass ggf. gewählte normative Standpunkte genau das NICHT können: überzeugen. Sie sind schlichte Setzungen, die sich allenfalls in philosophischen Diskursen rechtfertigen lassen.

    Auch muss man seine Erkenntnisse intersubjektiv nachvollziehbar machen durch Darstellung von Methode und theoretischem Ansatz. Es ist dann der scientific community überlassen, ob sie die vertretenen Erkenntnisse auf der Basis dieses Designs anerkennen kann. Was dagegen nicht geht, ist ein allein innerhalb der eigenen peer group akklammierter Wahrheitsanspruch.

    Da die Soziologie auf lange Sicht weiterhin ein theoriepluralistisches Fach ist, muss jeder Anhänger eines bestimmten Ansatzes von vornherein anerkennen, dass seine Position mit hoher Sicherheit nur ein Angebot unter vielen ist. Insgesamt wird er akzeptieren müssen, dass sozialwissenschaftliche Behauptungen niemals zweifelsfrei zu beweisen sind. Insofern verbietet sich jeder Absolutheitsanspruch.

    Luhmannsch gesprochen gehören jene, die Soziologie als Dienstmagd ihrer normativen Standpunkte benutzen, nicht mehr dem Wissenschaftssystem an, sondern der Politik.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      “Luhmannsch gesprochen gehören jene, die Soziologie als Dienstmagd ihrer normativen Standpunkte benutzen, nicht mehr dem Wissenschaftssystem an, sondern der Politik.”

      Genau auf den Punkt gebracht! Aber die Metapher von der Dienstmagd kenne ich von Dahrendorf, nicht von Luhmann!?

      • LoMi says:

        Einst galt die Philosophie als “Magd der Theologie”. Ich nehme an, daher stammt die Redewendung. Luhmann hatte das nicht so gesagt. Aber seine Unterscheidung systemspezifischer Codes legt ein solches “Dienstverhältnis” nahe. Denn sobald man vorrangig den Code Macht/Ohnmacht benutzt, kann man nicht mehr über Wahrheit/Unwahrheit reden. Wer Theorie als Instrument der Politik einsetzt, kommuniziert längst mit der Leitunterscheidung Macht/Ohnmacht.

        Ich weiß gar nicht, ob Luhmann sich überhaupt zu denen geäußert hat, die eine politisch bewegte “Soziologie” betreiben. Getan hat es Rainer Paris (“Bewegungssoziologie”) und sich davon abgegrenzt.

  4. Axel says:

    Na ja, ob bei den Sozios noch was zu retten ist… Hab mal bei den empirischen gejobbt (die könnte man retten!), und gegenüber vom Büro hing ein Marxismus-Reklameplakat – seit 4 Jahren. In den richtigen Wissenschaften, zB der Medizin hätte es dafür einen Einlauf gegeben.

    Plötzlich war das Plakat weg, als ich da angefangen habe. Weiß auch nicht, wer sich da als Altpapierentsorger engagiert hat…

    Tatsache ist, daß Powis und Sowis zum größten Teil dunkelrot sind, was mir eine Studentin aus Potsdam bestätigt hat (Sowi). Ist auch nix Neues: War die “Forschung” von Adorno et al. was anderes als ein linkes Hirngespinst?

    Selbst wenn schlaue Sozios Gender ablehnen, weil sie genau wissen, wie dieser arrogante Oberschicht-Quatsch in der Bevölkerung aufgenommen wird, sind sie meist selber politisch korrekt oder ähnliches. Antira, Antifa, Anti-anti-blablabla…
    Antikapitalistisch ist auch beliebt. Solange das ordentliche Gehalt, erwirtschaftet durch kapitalistischen Mehrwert (von anderen), pünktlich auf dem eigenen Konto eingeht.

    Mein Vorschlag: Alle Sozialwissenschaftler müssen unters Diktat von Heike Diefenbach und Michael Klein. Wer nicht spurt, geht in die Produktion.

    Alternative: Universitäten auftrennen. Rote Wissenschaften irgendwo in der Walachei in extra roten Unis konzentrieren. Bielefeld, Saarbrücken, Hildesheim. Richtige Wissenschaften, wo die persönliche Ideologie nichts in der Forschung zu suchen hat, werden an MINT-Unis in Metropolen konzentriert. Berlin, Leipzig, Hamburg.
    Angenehmer Nebeneffekt: Die Pseudowissenschaften können nicht mehr vom guten Ruf der MINT-Fächer schmarotzen.
    Da sollen sich die roten Unis ruhig ihren Ruf versauen, während Physiker und Biochemiker das Image der Humboldt-Universität zu Berlin wiederherstellen.

    • LoMi says:

      “Tatsache ist, daß Powis und Sowis zum größten Teil dunkelrot sind, was mir eine Studentin aus Potsdam bestätigt hat (Sowi). Ist auch nix Neues: War die “Forschung” von Adorno et al. was anderes als ein linkes Hirngespinst?”

      Das ist unzutreffend.
      Zunächst finde ich Adorno schwierig, ein echter Soziologe war er nie. Links war er schon. Irgendwie. Die 68er haben ihn nicht akzeptiert und er sie nicht.

      Zweitens kann ich aus eigener Anschauung sagen, dass Soziologen und Politikwissenschaftler keineswegs durchgängig links sind. Selbst das einst linke OSI an der Freien Universität Berlin hat sich diesbezüglich massiv gewandelt. Zwar lehren dort noch einige Altlinke. Aber ein Großteil der Professoren dort gehört mittlerweile zu der Sorte smarte Politikberater, die bestens integriert sind im aktuellen Zeitgeist.

      Soziologen und Politikwissenschaftler sind es oft auch, die bei aktuellen Entwicklungen führend mitwirken, z.B. der Einführung des New Public Managements in den Universitäten. Das wiederum ist ein gänzlich nicht-linkes Projekt.

      Die meisten Soziologen arbeiten still an ihren Projekten, welche selten wirklich politisch sind und sich mit nüchternen Fachfragen befassen. Einer breiten Öffentlichkeit werden diese Leute nicht bekannt, weil ihre Themen nicht so “sensationell” sind wie das, was Lann Hornscheidt macht.

      Wichtige Klassiker der Soziologie, die heute noch zitiert und benutzt werden, sind z.b. Durkheim und Weber. Weber ist bekannt als Marxismuskritiker. Gleichzeitig war er einer der Gründer des Faches und man kommt um ihn nicht herum. Die einflussreichen Systemtheoretiker Parsons und Luhmann gelten als konservativ. Habermas, ein deutscher Theorieexportschlager, ist zwar Ziehkind der linken Frankfurter Schule und startete als Marxist. Er ist aber ein Liberaler.

      Der Genderismus wiederum ist gar nicht wirklich links. Marxistische Wurzeln hat er kaum. Er bezieht sich auf postmoderne philosophische Ansätze, die zwar einen Emanzipationsanspruch haben, aber sich von klassisch linker Weltsicht weit entfernt haben (falls sie je dazu Berühung hatten).

      Es ist übrigens auch vollkommen nutzlos, alle in einen Sack zu stecken und wahllos draufzuhauen. Man verschreckt potenzielle Bündnispartner. Wozu das gut sein soll, erschließt sich mir nicht. Undifferenziertes Bashing hat nur einen individualpsychologischen Nutzen. Politisch ist es es kontraproduktiv.

      • Zu den Wurzeln des Genderismus empfehle ich Ihnen den Beitrag “Das Patriarchat” von Dr. habil. Heike Diefenbach. Die Frage, ob Genderismus links ist oder nicht und auf welchen Wurzeln er aufbaut, ist dort eindeutig beantwortet und abgesehen davon, wenn man sich mit Genderismus befasst, kann man gar nicht anders als immer und immer wieder bei Unsinn ankommen, der seinen Ausgangspunkt im Sozialismus hat.

        • LoMi says:

          Ich habe den Text gelesen und finde ihn gut.

          Was Sozialismus im einzelnen sein soll, darüber bin ich mir nicht so ganz im klaren. Der Kommentator Crumar hat aber anderenorts mal deutlich gemacht, worin sich Genderismus und Marxismus unterscheiden. Und intuitiv stimme ich dem zu, dass wesentliche Elemente des Marxismus bei Leuten wie Derrida oder Butler fehlen: nämlich der Blick auf ökonomische Verhältnisse. Der Genderismus hat die Palette der in der Sozialstrukturanalyse verwendeten Ungleichheitsansätze dagegen verengt auf Geschlecht allein und verliert sich z.B. in Sprachkritik. Ein Marxist würde dagegen eher die Besitzverhältnisse ins Zentrum stellen.

          Es kann schon sein, dass Genderismus einen irgendwie gearteten Sozialismus produziert. So what. Ideengeschichtlich sollte man dennoch differenzieren. Es gehört nicht alles in einen Topf.

          Aber das ist ein Nebenkriegsschauplatz. Denn letztendlich zählt aber vor allem die Wissenschaftlichkeit, also auch die Freihaltung des Faches von ideologischen Prämissen. Politik gehört nicht in die Wissenschaft. Buchholz hat es drüben so beschrieben:

          “Entscheidend aber ist die STRIKTE TRENNUNG DES BEGRÜNDUNGSZUSAMMENHANGS sowohl vom Entstehungs- wie vom Verwendungszusammenhang, ohne diese jedoch zu ignorieren. Ich erinnere in diesem Zusammenhang beispielhaft an die experimentelle Entdeckung der Kernspaltung und die Folgen.

          Der Begründungszusammenhang von Wissenschaft kennt einzig und allein Kategorien, Methoden, Logik und empirische Evidenz.

          Und deshalb sind alle X-Wissenschaften keine Wissenschaften. Denn es wird hier der Begründungszusammenhang von Wissenschaft, der allein wissenschaftstheoretischen und methodischen Ansprüchen genügen muß, vermischt mit Motiven des geschichtlichen Entstehungszusammenhangs und mit Interessen des Verwendungszusammenhangs von Wissenschaft. ”

          http://frankfurter-erklaerung.de/2014/12/genderisten-sind-keine-wissenschaftler-rettet-die-soziologie/

          Wo das vergessen wird, landet man in einer “Bewegungssoziologie”, wie Rainer Paris kritisch anmerkte.

          • Axel says:

            Hallo Lomi,

            tja, gut, wenn Du da Innenansichten hast, die ich nicht besitze, muß ich das anerkennen.

            Die Frage ist nun, welchen Einfluß die linken Krawallmacher in den Geistes- und Sozialwissenschaften haben, und welchen “Geist”, “Zeitgeist” oder welches “Klima” sie erzeugen.

            Oben hatte ich das Beispiel genannt: Bei den empirischen Sozios, die ich nicht des Radikalismus verdächtige, hing jahrelang unangetastet ein Marxismus-Reklameplakat.
            In den MINT-Fächern ein Ding der Unmöglichkeit, sowohl ideologisch wie rechtlich. Bei Biologen etc. ist strikte politische Neutralität gefordert (bei mir auch vom Dekan).

            In den Sozi-Fächern ganz offensichtlich nicht! Heißt, auch wenn die Radikalos in der (großen) Minderheit sind, so haben sie viel zu viel Macht.

            Zu den Genderologen und Linksradikalismus: Die Diskussion um Ideengeschichte halte ich für fruchtlos.
            Fanatiker sind politisch, also Lügner und Betrüger. Wen oder was sie alles so retten und beschützen wollen, Frauen, Schwule, Ausländer, Kaninchen, x, y; ist eigentlich gleich.
            Das tatsächliche oder imaginierte Diskriminierungsopfer ist nur ein nützlicher Idiot, dessen Interessensvertretung als Machtmaschine dient.

            Hat es schon mal einen Unilinken gegeben, Gender, Sozialist, Anarcho oder was immer, der nicht zuvorderst dafür gesorgt hat, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen?
            Kaum.

            • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

              @Axel,

              je nachdem, was man selbst zum Maßstab seiner Beurteilung macht, kann man das natürlich durchaus so sehen, dass die ideengeschichtliche Aufarbeitung letztlich nicht wichtig ist; nur – für viele Leute ist es sehr wichtig, weil Ideengeschichte Teil ihrer identifikation mit Ideen, Bewegungen, Leuten ist, und wenn sie diesbezüglich un- oder fehlinformiert sind, dann wissen sie einfach oft nicht, womit sie sich eigentlich identifizieren.

              Ja, sicher, richtige Stahlköpfe erreicht man durch diese Art der Aufklärung nicht, aber die erreicht man auch durch sonst nichts, weil die Ideologie für ihre Identität unabdingbar ist. Aber um diese geht es ja auch gar nicht, sondern um die breitere Öffentlichkeit, um diejenigen, die in gutem Glauben bestimmten Ideen folgen, und die durchaus bereit und fähig sind, ihre Position zu überdenken, wenn sie neue Informationen bekommen, die die Dinge in anderem Licht erscheinen lassen.

              Die “eigenen Schäfchen ins Trockene” bringen nicht die Stahlköpfe, sondern die Opportunisten, und denen muss man den Versorgungshahn zudrehen, was ebenfalls nur dann gelingen kann, wenn man die bereitere Öffentlichkeit auf seiner Seite hat, was zurückverweist auf den vorstehenden Absatz. Und je mehr Krawall die Krawallmacher machen, desto besser stehen die Chancen, dass sie von immer mehr Menschen genauso betrachtet werden – und nicht als Sozialwissenschaftler.

              • Axel says:

                ät Dr. Diefenbach:
                Wenn´s was nützt, ist mir eine ideengeschichtliche Auseinandersetzung recht. Problematisch ist die unrealistische und abgehobene Denkweise des Poststrukturalismus, der ja die Basis für Gendatralala sein soll. Haben Sie mal den Wiki-Artikel gelesen? Puh!
                Den Leuten auf der Straße dieses Gefasel aufdröseln dürfte schwer sein. Auch bei Normalostudenten, die Gender “irgendwie so” gut finden.

                Sie sprechen es ja selbst an: Radikale Ideologien dienen der Identitätsbildung und als sozialer Code für die eigene Schicht. Die Stammesgeschichte läßt grüßen. Ob der Inhalt sinnlos ist, spielt keine Rolle. Im Gegenteil: Manchmal habe ich den Eindruck, je absurder, desto besser.

                Was die Krawallos angeht, da kann man sich als Kritiker über solche Typen wie Professx oder Tuider nur freuen, das stimmt!

                • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

                  “Problematisch ist die unrealistische und abgehobene Denkweise des Poststrukturalismus, der ja die Basis für Gendatralala sein soll”

                  – ich bin eher der Meinung, dass das für sich selbst spricht! Wenn man deutlich machen kann, dass Gender* eben etwas anderes ist als Soziologie und dass es nicht nur möglich, sondern schlichtweg erforderlich ist, die tatsächlich spannenden Dinge im sozialen Leben in verständlicher Sprache darzustellen, eben weil sie zu wichtig sind als dass man sie nur einem eingeweihten Kreis von Sondersprechern überlassen kann, dann kann man, glaube ich, Punkte für die Soziologie machen und Lehren wie den Genderismus in weiteren Legitimationszwang bringen. Warum sollte es anderen Leuten anders gehen als mir oder Ihnen, von wegen: je absurder, desto besser!?!

            • LoMi says:

              Axel

              “tja, gut, wenn Du da Innenansichten hast, die ich nicht besitze, muß ich das anerkennen.

              Die Frage ist nun, welchen Einfluß die linken Krawallmacher in den Geistes- und Sozialwissenschaften haben, und welchen “Geist”, “Zeitgeist” oder welches “Klima” sie erzeugen.”

              Das ist eine empirische Frage und sie muss eben auch mit Zahlen beantwortet werden. Ansonsten tut man mit voreiligen Behauptungen das, was man seinen Gegnern vorwirft: man spekuliert ungeprüft. Das wäre gegenüber den redlich arbeitenden Soziologen ungerecht, die nichts dafür können, dass Personen wie Hornscheidt in der Zeitung stehen und nicht sie.

      • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

        @LoMi

        Ich stimme mit sehr vielem überein, das Sie in Ihrem Kommentar geschrieben haben, aber nicht mit diesem Absatz:

        “Der Genderismus wiederum ist gar nicht wirklich links. Marxistische Wurzeln hat er kaum. Er bezieht sich auf postmoderne philosophische Ansätze, die zwar einen Emanzipationsanspruch haben, aber sich von klassisch linker Weltsicht weit entfernt haben (falls sie je dazu Berühung hatten).”

        Wann immer man bestimmte Aussagen von bestimmten Leuten aus den Reihen der Genderisten verfolgt, stößt man früher oder später auf Autoren, auf die sie sich berufen oder denen sie nahe sind, die in der Regel recht klar als marxistisch, althusserisch, engelsisch, reichisch, jedenfalls aber links, identifiziert werden können; meist identifizieren sie sich selbst unmissverständlich so.

        Nehmen Sie z.B. meinen Patriarchats-Artikel; vielen Leuten ist nicht bewußt, dass die Idee von Patriarchat zutiefst mit Engels und seinen sozialistischen Phantasien zu tun hat.

        Ebenso wissen viele Leute nicht, dass die Wichtigkeit einer gesellschaftlich möglichst vorteilhaften Position von Frauen historisch untrennbar mit Engels und Bebels (u.a.) verbunden ist und z.B. in der DDR ein wichtiger Maßstab für den Entwicklungsstand der Gesellschaft auf dem Weg zum echten, guten, wahren Sozialismus war.

        Oder nehmen Sie Frau Tuider, die sich explizit auf Wilhelm Reich beruft, der in der sozialistischen Partei gewesen ist, bevor er Kommunist wurde (bevor er in die USA gegangen ist, wo das nicht so gern gesehen war …) und die Thesen vertreten hat, dass die Arbeiterklasse nicht aufstehen und die marxistische Revolution herbeiführen wird, solange sie nicht sexuell befreit ist, und dass die russische Revolution deshalb nicht erfolgreich war, weil zwar die Institutionen ausgetauscht worden wären, aber die Leute nach wie vor nicht “orgastisch potent” (was immer das genau bedeuten mag) seien.

        Oder betrachten Sie die auffällige Allianz von Genderisten und Anti-Rassisten. Die Rassimuskritiker, die selbstverständlich explizite Sexismusgegner sind, berufen sich zumindest teilweise auf Althusser.

        Ich bin diesen Zusammenhängen nun schon so oft begegnet – und der Genderismus ist glücklicherweise nicht das, womit ich vergleichsweise viel Zeit zubringe; ich vermute, ich kratze nur an der Spitze des Eisbergs. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass es Genderismus, wenn überhaupt, dann nur in Ausnahmefällen, jenseits eines sozialistischen Gesellschaftsentwurfs gibt.

        Und ich finde es sehr wichtig, dass das möglichst vielen Leuten deutlich wird, denn dann sehen Sie vielleicht nicht mehr so großzügig über ein paar Leute hinweg, die sich aus unerfindlichen Gründen gerne mit Geschlechtsteilen und allem, was sie aufgrund ihrer Fixierung damit in Verbindung bringen, beschäftigen, hinweg.

        • Axl says:

          Klar sind alle Genderistas links. Was sonst? Katholisch-patriotisch-wertkonservativ?
          Da fällt mir der Intersektionalitätskram von Asterix Hornscheidt ein: http://portal-intersektionalitaet.de/theoriebildung/schluesseltexte/hornscheidt/

          Was steht da oben links im Bild? Rasse-Klasse-Gender-Sexualität-Ethnizität-…
          “Ethnizität – interessantes Wort übrigens. Nie gehört.
          Und der hier ist gut: “wie eine institutionalisierte und personelle selbstvergewisserung WEIßER statisierter forsch_erinnen, die so ihre position strukturell und inhaltlich über ein konzeptuelles aufrufen von ‚intersektionalität‘ legitimieren…”

          Gender kommt von Politkorrektheit, und PK ist eine versponnene Anwendung von Antirassismus, Antifaschismus, Pro-Arbeiter-Sozialismus, Feminismus etc.

        • LoMi says:

          Frau Diefenbach,

          na klar, es gibt deutlich linke Wurzeln des Genderismus.

          Aber ich würde nicht alle Wurzeln dort verorten. Jemand wie Bourdieu ist in der Tat strikt links. Michel Foucault sehe ich dagegen nicht als Linken. Wichtig für die Gender-Theorie ist er allemal. Was die postmodernen Philosophen angeht, weiß ich nicht, ob diese aus linken Traditionen herkommen, also z.B. Derrida. Insgesamt empfinde ich die Postmodernen nicht wirklich als links.

          Ich habe vermutlich ein recht altmodisches und enges Verständnis von “links”, nämlich den expliziten Bezug zur ökonomischen Ungleichheit und zur Kapitalismuskritik. In diesem Sinne sind Großteile der Genderisten klar nicht links.

          Dass sich Gender und Radikale Linke verschwistert haben, ist allerdings unbestritten.

          Interessant ist aber, dass der Genderismus über diese Kreise hinaus sehr anschlussfähig ist und das gelingt ihm durch einen Verzicht auf linke Kernideen (glaube ich). Der Genderismus scheint auch attraktiv zu sein für Teile des Bürgertums, vermutlich eher des “Bio-Bürgertums” (wie es irgendwo kürzlich hieß). Die wählen vermutlich auch oft grün, aber die Grünen sind beileibe nicht (mehr) links. Eins fällt an diesem Milieu aber auf, dass sie sich eben nicht mehr für die Frage sozialer Ungleichheit interessieren, es sei denn, ihre Mieten in den Szenebezirken steigen. Sie suchen vielmehr ganz individuell ihr Heil, in “alternativer Medizin” und eben auch in der vermeintlichen Befreiung von Rollenzwängen.

          Sie mögen recht haben, dass der organisierte Genderismus einen sozialistischen Gesellschaftsentwurf hat. Zumindest ist er autoritär und etatistisch und damit illiberal. Aber ich glaube durchaus, dass die Akademikerinnen im Genderismus eher eine Selbstverwirklichungslehre sehen, die ihnen erklärt, warum ihr Lebensentwurf sich als kompliziert erweist. Hier tun dann Mythen wie die “gläsernen Decken” und “Old Boys Networks” ihren Dienst. Das ist zugegeben eher vulgärer Feminismus und kein ausgearbeiteter Genderismus. Vielleicht muss man das noch klarer unterscheiden.

          • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

            LoMi,

            wie gesagt: was den organisierten Genderismus betrifft, bin ich ziemlich sicher, dass das mit dem sozialistischen Gesellschaftsentwurf zutrifft; anders kann ich die vielen “zufälligen” Übereinstimmungen in den jeweiligen Utopien (oder vielmehr: Dystopien), ihren Prämissen, ihren rhetorischen Figuren, ihren Zielsetzungen …. nicht erklären.

            Dass es daneben Leute gibt, für die der Genderismus aus verschiedenen Gründen attraktiv ist, bestreite ich nicht; im Gegenteil: ich habe früh und immer wieder darauf hingewiesen, dass das ein einfacher vermeintlicher Karrierepfad für bestimmte Leute zu sein scheint, und ja, sicherlich eignet er sich als Ideologie – wie jede Ideologie – für einige Leute zur Psychohygiene angesichts aller möglicher Widrigkeiten und Defizite, die man in seinem Leben oder an sich selbst wahrnimmt, zu rationalisieren….

            Ich habe prinzipiell auch nichts dagegen, verschiedene Gruppen von Personen, die auf ihre spezielle Art von der Ideologie profitieren, zu unterscheiden; zur Aufklärung der soziologisch relevanten Mechanismen, die zum Genderismus oder seiner Ausbreitung geführt haben, ist das sicherlich relevant. Aber im Resultat tragen die verschiedenen Personengruppen alle gleichermaßen ihren Teil dazu bei, dass am Ende ein totalitärer Sozialismus droht – auch dann, wenn einige Leute, die sich am Genderismus beteiligen, das nicht wollen; die Soziologie könnte man geradezu die Lehre von den unbeabsichtigten Effekten nennen. Und je früher man hierauf hinweist, desto besser; vielleicht kann man dadurch dem einen oder anderen den Blick dafür öffnen, was ihm oder ihr da als die gute Gesellschaft in Aussicht gestellt wird.

            Was Foucault oder Derrida betrifft, so würde ich mich gegen Versuche, sie als “Linke” vereinnahmen zu wollen, die sich vom Genderismus, Feminismus, Anti-Rassismus oder sonst etwas in dieser Richtung umstandslos adaptieren lassen, ebenfalls verwahren. Gerade Foucault war niemals einfach nur politisch korrekt (was immer er auch sonst gewesen sein mag), und nichts spricht dafür, dass er Staatsfeminismus und Genderismus, würde er heute leben, nicht einer gründlichen Analyse unterziehen würde, die beide dekonstruiert und so manches aufzeigt, was deren Vertreter nicht mögen würden.

            Der Punkt ist nur: genau diese Vereinnahmung findet statt – und gelingt zumindest zum Teil, wenn man als Gelingen das Kriterium akzeptiert, dass die Vereinnahmung weitgehend unwidersprochen bleibt. Es wäre notwendig, sich den verschiedenen Leuten, auf die sich Genderisten gerne berufen, zu widmen; in vieler Hinsicht handelt es sich dabei um Fehlzeptionen oder äußerst einseitige Rezeptionen, die ich gewöhnlich als “cherry picking” bezeichne. Aber das ist eine sehr aufwändige und zeitintensive Aufgabe, und sie würde die Kooperation vieler Kollegen erfordern. Ich tue diesbezüglich, was ich kann, aber das ist zugegebenermaßen nicht viel.

            Aber noch zu Bourdieu:

            Mit dem Linkssein von Bourdieu ist es auch so eine Sache: er wird gerne als Linker von den Mittelschichtslinken vereinnahmt, aber er selbst hat sich sogar öffentlich dagegen gewehrt, sich als mainstream-Linker für Tagespolitik missbrauchen zu lassen und z.B. im Radio erklärt, dass er meine, dass die Jugendlichen in den banlieus zusehen sollten, dass sie eine Arbeit bekommen, statt weiter der Hilfeindustrie sachdienlich zu sein.

            Aber das wird von denjenigen, die gerne Bourdieu für ihre gesellschaftspolitischen Anschauungen anstrengen, gewöhnlich nicht wahrgenommen und schon gar nicht mitgeteilt. Ebenso wenig wird der Tatsache Rechnung getragen, dass Bourdieu Ethnologie strukturalistischer Prägung war, was sich in vielen seiner Thesen deutlich zeigt. Ich persönlich finde, dass man Bourdieu nicht angemessen würdigen kann, wenn man nicht seine Feldforschung bei den Kabylen (also: seine Theorie der Praxis) gelesen hat, aber meine Beobachtung ist, dass Bourdieu besonders Studierenden nur noch durch die Sekundärliteratur bekannt wird oder bestenfalls durch die “Feinen Unterschiede”, aber das ergibt ein sehr, sehr unvollständiges Bild von Bourdieu.

            Man könnte. glaube ich, sagen, dass Bourdieu ein linkerer Linker ist als es den mainsteam-Linken lieb ist. Sie zeichnen sich ja durch eine Gemenge-Lage aus Feminismus, Multikulturalismus, Umweltschutz und gleichzeitig Avantgarde-Gedanke, politische Korrektheit, Hass gegen alles, was sich nicht mit allen möglichen Interessen ihrer Lobbyisten identifziert, und antidemokratischen Tendenzen bis hin zur uneingeschränkten Bereitschaft zur Sozialtechnologie aus, und das ist nicht das, was einen klassischen “Linken” bewegt, der sich mit der Arbeiterklasse identifiziert und sein Leben von der eigenen Arbeit fristen will und dafür kämpft, dass er das auch kann, sprich: sich für Chancegerechtigkeit einsetzt. Selbst Marx hat sich ja bekanntermaßen über das für ihn falsche Bewusstsein der Arbeiter gewundert … Und mit Marx und Engels – oder vielleicht ist das etwas ungerecht, vielleicht müsste es angemessener heißen: mit dem ersten Funktionärsposten – begann der Entwurf einer bourgeoisen Variante des “Linken”, mit deren späten Früchten wir heute leider konfrontiert sind.

            Mit der Okkupation von Teilen des Bürgertums des “Linken” finden sich die klassischen Linken zunehmend als Liberale wieder, und “links” ist heute, so fürchte ich, weitgehend ein sozialistisch-totalitaristischer Entwurf, der wiederum nicht so weit weg ist von einem Sozialismus, der u.a. national ausgelegt werden kann, was diese “Linken” in bemerkenswerte Nähe zu denen rückt, die gemeinhin als Rechte gelten.

            Diese Verschiebungen sind sehr interessant, und man könnte sicherlich viel und lange darüber diskutieren, ob mein hier ziemlich kurz und krude formulierten Entwurf angemessen ist. Wie auch immer es hierum bestellt sei – mich verwundert es sehr, dass es keine entsprechenden deskriptiven oder erklärenden Arbeiten von Politikwissenchaftlern (aber auch von anderen Sozialwissenschaftlern) gibt….

            • LoMi says:

              In der Tat, Foucault hätte wohl seine Probleme mit diesen Leuten. Abgesehen davon könnte man mit Hilfe von Foucaults Diskurstheorie auch feministische Diskurse analysieren. Das Rüstzeug bietet er allemal.

              Was Bourdieu betrifft: Er wird für manche Leute attraktiv dadurch, dass er einen zentralen Konflikt insinuiert, gewissermaßen klassisch-marxistisch. Das ist sein strukturalistisches Erbe. Er behauptet letztlich, dass noch jede Alltagspraxis sich irgendwie auf einer gesellschaftlichen Rangskala einordnen ließe (und hier fließen seine Arbeiten über die Kabylen mit ein, wie sie auch später in die “Männliche Herrschaft” einfließen). Das Ende vom Lied ist, dass noch jede kleine Lebensäußerung irgendwo Teil eines Klassenkonfliktes ist.

              Den Zugriff auf “Klasse” hatte man bis dato verloren, weil die Soziologie erklärte, dass “Klasse” kaum Erklärungskraft habe, zumindest für Deutschland. Bourdieu modellierte jedoch eine Gesellschaft, in der alles und jedes durch Klassenunterschiede strukturiert sei (Vermutlich ist diese Lesart zu grob). Das hilft, sich selbst politisch zu verorten, eben hüben oder drüben. Mit “Individualisierung” würde das nicht so gut gelingen.

              • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

                Mit Bezug auf Foucault sind wir uns völlig einig.

                Bourdieu sehe ich wie gesagt etwas anders: Er ist insofern Strukturalist als er vom Strukturalismus her kommt, den Levi-Strauss in der Ethnologie etabliert hat. Seine Analyse ist also eine in diesem Sinn strukturale; er zeigt, wie Dinge ineinandergreifen, welche “innere Logik” sie (seiner Beobachtung oder Auffassung nach) haben; es geht im aber nicht, jedenfalls sicher nicht vorrangig, um die Inhalte, die dabei eine Rolle spielen.

                Insofern die Inhalte, die als sinnhaft angesehen werden, als Gegensätze konzipiert sind – und hier ist Bourdieu sicherlich von Levi-Strauss geprägt), kann Bourdieu gar nicht anders als konflikttheoretisch zu denken. KONFLIKTtheorie ist aber nicht notwendigerweise (und tatsächlich eher selten) eine Theorie des KLASSENkonfliktes marx’scher Prägung.

                Ich meine, beobachtet zu haben, dass Bourdieu in einigen seiner Texte mehr als in anderen Anlass gibt, ihn für dem Marxismus nahe stehend zu halten, aber das ist, glaube ich, gerade Teil des Problems, ihm gerecht zu werden. In jedem Fall wird Bourdieu sehr häufig auf diejenigen Texte oder Textteile festgenagelt, die ihn dem Marxismus nahestehend vermuten lassen als andere, und das meine ich mit “cherry picking”; so lange man all das nicht beachtet, was hierzu nicht zu recht passen will, erscheint er als ein bourgeoiser Linker, aber wenn man etwas genauer hinschaut, wird doch schnell klar, dass diese Lesart zu einfach ist. Sie schreiben es ja auch selbst, dass diese Lesart zu grob ist.

                Jedenfalls ist es eine Tatsache, dass Bourdieu sich – wie ich schon schrieb – zu den rebellierenden Jugendlichen in den banlieus auf eine Weise geäußert hat, die durchaus nicht den Klassenkampf oder Ähnliches heraufbeschwört, sondern im Gegenteil für die Verantwortungsübernahme der Jugendlichen für ihr eigenes Leben votiert hat. Und das hat in Frankreich sehr viele Linke sehr aufgebracht. (In Deutschland scheint man es zu ignorieren oder gleich gar nicht mitbekommen zu haben.)

                • LoMi says:

                  “Insofern die Inhalte, die als sinnhaft angesehen werden, als Gegensätze konzipiert sind – und hier ist Bourdieu sicherlich von Levi-Strauss geprägt), kann Bourdieu gar nicht anders als konflikttheoretisch zu denken. KONFLIKTtheorie ist aber nicht notwendigerweise (und tatsächlich eher selten) eine Theorie des KLASSENkonfliktes marx’scher Prägung.”

                  Dem stimme ich zu. Natürlich folgt das Denken in Konflikten dem strukturalistischen Erbe. Es ist ja auch nicht falsch. Die Behauptung zentraler Konflikte ist auch tatsächlich kein Alleinstellungsmerkmal von Marxisten. Konservative arbeiten ähnlich, nur dass sie dabei seltener versuchen, eine Grundstruktur der Gesellschaft zu identifizieren.

                  Einen Klassenkonflikt hat Bourdieu aber schon behauptet in den “Feinen Unterschieden”. Sein Klassenbegriff ist allerdings nicht so dichotom gestrickt wie der marxistische. Er lässt sehr viel mehr Differenzierungen zu. Aber dennoch tendiert er in diesem Buch dazu, so gut wie alles zu interpretieren als einen Kampf um Aufstiege. Klar ist aber, dass er mit seinen Begriffen kein reiner Marxist sein kann, etwa mit dem Feldbegriff und eben seiner eigenen Vorstellung von “Klasse” wie eben auch den sozialstrukturellen Determinanten, die über rein ökonomische Ungleichheiten hinausgehen.

                  ” In jedem Fall wird Bourdieu sehr häufig auf diejenigen Texte oder Textteile festgenagelt, die ihn dem Marxismus nahestehend vermuten lassen als andere, und das meine ich mit “cherry picking”; so lange man all das nicht beachtet, was hierzu nicht zu recht passen will, erscheint er als ein bourgeoiser Linker, aber wenn man etwas genauer hinschaut, wird doch schnell klar, dass diese Lesart zu einfach ist. Sie schreiben es ja auch selbst, dass diese Lesart zu grob ist.”

                  Das gilt allemal für noch jeden bedeutenderen Theoretiker, selbst für Marx. Bei Marx gibt es z.b. gar keinen ordentlich ausgearbeiteten Klassenbegriff. Aber Marx war auch deutlich realistischer als seine Interpreten, was die Analyse der tatsächlichen Verhältnisse anging. Er hat keineswegs behauptet, es gäbe nur zwei Klassen, er sah vielmehr eine recht vielfältige Sozialstruktur. Seine Interpreten haben diese Differenzierungen dann ebenfalls unter den Tisch fallen lassen. Das ist eben immer das Problem, wenn man Theoretiker vereinnahmt für politische Zwecke. Dann gehen die Ambivalenzen und Facetten verloren. Wo es politisch wird, wird selektiv gelesen. Da werden auch Autoren aussortiert, die etwa als “konservativ” oder umgekehrt als “links” gelten. Nicht einmal die Postmodernen haben nur Unsinn geschrieben und womöglich findet sich gar bei Judith Butler der eine oder andere überzeugende Gedanke.

                  Ein Autor, der durch Cherry picking verbrannt worden ist, ist dann noch Adorno. Ich habe gerne Leute aus der linken Szene damit geärgert, Adorno als großbürgerlich zu interpretieren (was meiner Meinung nach naheliegt). In der feminismuskritischen Netzwelt gilt Adorno heute quasi als Symbol für verbortes Linkstum. Das ist ausgesprochen bedauerlich, weil das so nicht stimmt, jedenfalls nicht so absolut.

                  “Jedenfalls ist es eine Tatsache, dass Bourdieu sich – wie ich schon schrieb – zu den rebellierenden Jugendlichen in den banlieus auf eine Weise geäußert hat, die durchaus nicht den Klassenkampf oder Ähnliches heraufbeschwört, sondern im Gegenteil für die Verantwortungsübernahme der Jugendlichen für ihr eigenes Leben votiert hat. Und das hat in Frankreich sehr viele Linke sehr aufgebracht. (In Deutschland scheint man es zu ignorieren oder gleich gar nicht mitbekommen zu haben.)”

                  Das hat er dann mit dem Marx-Anhänger Giddens gemein, der zu einem ähnlichen Schluss kommt. Aber gut, Giddens ist seit Tony Blair eher eine Unperson in der linken Szene.

                  • Sie schreiben:
                    “Einen Klassenkonflikt hat Bourdieu aber schon behauptet in den “Feinen Unterschieden”. Sein Klassenbegriff ist allerdings nicht so dichotom gestrickt wie der marxistische. Er lässt sehr viel mehr Differenzierungen zu. Aber dennoch tendiert er in diesem Buch dazu, so gut wie alles zu interpretieren als einen Kampf um Aufstiege.”

                    Ja, das verweist zurück auf das, was ich schon einmal geschrieben habe: die meisten Leute berufen sich mit Bezug auf Bourdieu und den Klassenkonflikt auf die “Feinen Unterschiede”. Aber das genügt eben nicht, wenn man Bourdieu annähernd gerecht werden will.

                    Und noch zu Ihrer Bemerkung:
                    “Das gilt allemal für noch jeden bedeutenderen Theoretiker, …”

                    Das stimmt, glaube ich, nur teilweise, nämlich dann, wenn der in Frage stehende Autor hinreichend nebulös formuliert hat oder einfach so viel geschrieben hat, dass im Verlauf seiner eigenen Entwicklung etwas unterschiedliche Schwerpunktsetzungen erfolgt sind und er damit unterschiedlich auslegungsfähig wird.

                    Sicher ist die Vereinnahmung vielen Autoren widerfahren, und es ließen sich viele weitere Beispiele nennen (ich denke, dass Goffman sich hier fast schon aufdrängt), aber eben nicht allen. Z.B. sind Karl R. Popper oder James S. Coleman schwerlich zu vereinnahmen, und das hat m.E. mit ihrer klaren Argumentation und mit einer überdurchschnittlich klaren Darstellung zu tun.

                    Ein Stück weit ist man gewöhnlich selbst schuld, wenn man vereinnahmt wird; jedenfalls sollte es einem zu denken geben, woran das liegen mag und wie man die Wahrscheinlichkeit für die Vereinnahmung verringern kann.

            • youandme says:

              “mich verwundert es sehr, dass es keine entsprechenden deskriptiven oder erklärenden Arbeiten von Politikwissenchaftlern (aber auch von anderen Sozialwissenschaftlern) gibt….”

              Frau Diefenbach, ich denke mal, dieses Ausbleiben solcher Studien hat den sehr simplen Grund, daß abgesägt wird, wer es wagt! Und wer gibt für sowas Geld? Ich erinnere (wie heute schon mal auf diesen Seiten) an den Michael Bock – zwar kein PoWi – der es versucht hat und der es sehr bereut hat, irgendwie seinen Mund aufzumachen – nicht mal wegen einer Studie, sondern nur wegen ein paar recht kurzer, im Grunde philosophischer Texte…

              Ich selbst habe in meiner Diplomarbeit (Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit) es doch tatsächlich gewagt zu behaupten, die geringe Anzahl an Männern in Kitas könne evtl. auch was damit zu tun haben, das die Erzieherdamen mancher Einrichtungen schlicht latent oder offen misandrien sind und alles nötige dafür tun, damit in diesen Einrichtungen Männer gar nicht erst arbeiten (da mir zwei meiner acht interviewten Männer aus Kitas das eben so gesagt hatten, wobei einer der beiden in vielen Kitas war, um für mehr Männer in Kitas zu werben und öfter genau die Aussage hörte “wir wollen (!) hier eigentlich gar keine Männer”). In meiner Diplomarbeit war von den Prüfern kaum etwas angemalert, aber dieser eine Satz, es könne seitens der Frauen in Kitas eine Misandrie geben und dies könne mit (!) eine Ursache (nicht die einzige!) für so wenige Männer in Kitas sein – insbesondere durch “Abschreckung” an der Ausbildung interessierter junger Männer – das wurde gleich dick durchgestrichen und daneben geschrieben irgendwas im Sinne von “unmöglich, abwegig, absurd” und in der Begründung für die Note 2,1 nochmal explizit erwähnt (und ich hatte mich schon übel zurückgehalten, irgendwas in die Richtung zu schreiben, aber ganz lügen konnte und wollte ich nicht). Denn niemals könnte es sein, das in einer Institution, die seit mehr als einem Jahrhundert fast ausschließlich weiblich besetzt wird, sich irgendwie auch nur der Hauch einer misandrienen Struktur herausgebildet haben könnte. Frauen machen sowas nicht… Frauen denken auch ganz sicher nicht im Sinne von “wir wollen verteidigen, was wir haben” (O-Ton eines Erziehers für die Begründung, warum manche Frauen keine Männer in Kitas wollen). Schon so billige hättehätte-Andeutungen sind selbst in Pädagogik quasi fast ein Suizidversuch, den zu unternehmen nur psychohygienischen Nutzen hat. Diskutiert wird nicht.

              Man muß sich ja auch überlegen: für was riskiert man denn seine Haut, wenn man sich als Akademiker gegen die Genders positioniert? Was gewinnt man denn da heute noch? Irgend eine befristete 1/3-Stelle mit Aussicht auf jahrelanges Andienen an den heiligen Vorgesetzten, der womöglich noch den Gendermüll mitmacht, weil er/sie/es daran gut verdient oder gar wirklich dran glaubt. Bevor man sich entscheidet, für die Soziologie oder sonst eine Geisteswissenschaft gegen den Genderirrsinn zu schreiben, um sich damit möglicherweise über Jahre Schmutzkampagnen aussetzen zu müßen, geht man lieber gleich ganz woanders hin, solange man noch Möglichkeiten dazu hat. Schlechte Arbeit auf dem Niveau der Universitäten zu bekommen (Mittelbau hat zu 90% befristete Verträge) ist in diesem Land hier wirklich kein Problem mehr, da muß man sich nicht noch extra den brownnoser-Zusatzauftrag auferlegen, um dann entweder nur das sagen zu dürfen, was alle auch sagen, oder für alle anderen Gedankengänge abgeschoßen (und evtl. ganz aus dem akademischen Betrieb gegangen) zu werden, ohne Möglichkeit sich im Rahmen wissenschaftlichen oder auch nur allgemein-sittlichen Streitens wehren zu können. Ich würde sagen, diejenigen, die vom Kopf her in der Lage wären, gegen die Genderirren vorzugehen, entschließen sich aus ähnlichen Überlegungen heraus, das tote Pferd nur bis zum gewünschten Abschluß zu reiten und dann aber schnell das Weite zu suchen. Es gibt ja nichts zu gewinnen dort außer Frust und einen Kindergarten, der nicht mal in Kitas so kindisch stattfindet. Und im Gegensatz zu der Kindischkeit von Kindern in Kitas, ist die Kindischkeit von Erwachsenen in Universitäten auf die Dauer, glaube ich, auch extrem anstrengend-beschämend. Man muss den intellektuellen Gürtel da ja immer enger schnallen, wenn man nicht als outlaw erscheinen will und das mit Aussicht darauf, mit 40 oder so ganz gehen zu müßen, wenn man mal zu viel gesagt hat (was bei dem Befindlichkeitslotto der Genders ja schneller passieren kann, als ein Brüderle “schorry” lallen kann).

              Und wer sollte es schaffen, sich in der Kürze eines Bachelorstudiums, gemartert vom Genderirrsinn und den Segnungen des Bologna-Prozesses, noch so dermaßen in die Soziologie als Wisssenschaft zu “verlieben”, daß er die oben genannte Unbill auf sich nehmen möchte zumm Zwecke der Verteidigung seines lieben Kindes?

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      “Mein Vorschlag: Alle Sozialwissenschaftler müssen unters Diktat von Heike Diefenbach und Michael Klein. Wer nicht spurt, geht in die Produktion.”

      Zuerst dachte ich, dass ich diesem Vorschlag einiges abgewinnen könnte, aber dann wurde mir klar, dass ich dann irgendwie mitverantworlich wäre, wenn in der Produktion demnächst alles schiefgeht …:-)

      • Axl says:

        ät Dr. Diefenbach:
        Wir machen das wie bei der Stasi ’89: Einfache Tätigkeiten, strenge Aufsicht. Dann ist die Staatskohle für die ganze Ausbildung und die Titel zwar verschwendet, aber eigentlich ist das bei Rotforschern sowieso der Fall… 😉

  5. Lars says:

    Sehr geehrter Herr Klein,
    Sie schreiben, die Soziologie habe Theorien , die gesellschaftliche Phänomene erklären kann, was ich ihnen glaube, aber nicht beurteilen kann, da ich mit Naturwissenschaften zu tun habe.
    In der Physik zum Beispiel, stellt man an ein Modell oder eine Theorie die Forderung, dass sie eine gewisse Prognosefähigkeit hat, gewisse Effekte voraussagt. Mich würde interessieren, ob man an soziologische Theorien ähnliche Ansprüche stellt oder überhaupt stellen kann.
    Wenn sie antworten, schon mal vielen Dank.
    P.S. : ich lese ihren Blog mit großer Begeisterung.

    • Sicher. Ernsthafte soziologische Theorien folgen dem Erklärungsansatz, den Hempel und Oppenheim vorgelegt haben und entsprechend ist es möglich, aufgrund der gemachten Annahmen und der vorhandenen Zusammenhänge auch Vorhersagen zu machen, die jedoch deutlich hinter der Prognose-Qualität zurückbleiben, in der Regel heißt das, die Sie vermutlich gewohnt sind.

      Das hier ist ein guter Überblick:
      http://books.google.co.uk/books?id=fBlaulpmNowC&printsec=frontcover&dq=sociology+and+simulation&hl=en&sa=X&ei=EKeAVJwfhsg8tMSB-AQ&redir_esc=y#v=onepage&q=sociology%20and%20simulation&f=false
      und das hier, ist ein Blick in die Zukunft, der für Sie vielleicht interessant ist:
      http://books.google.co.uk/books?id=a0UpHklsPN8C&pg=PA157&dq=sociology+and+simulation&hl=en&sa=X&ei=EKeAVJwfhsg8tMSB-AQ&redir_esc=y#v=onepage&q=sociology%20and%20simulation&f=false

      • Analytische Methoden haben enge Grenzen. Ebenso haben Simulationen Grenzen. Diese liegen oft schon in den Grenzen, die analytischen Methoden gezogen sind, denn sie bauen auf diesen auf. Trotzdem wird oft Hoffnung in Simulation gesetzt. Simulationen haben außerdem offene Tore für Ideologien. Diese beiden Argumente kann man derzeit gut am Klimazirkus beobachten. Analytik versagt, Simulation versagt folglich und Simulation befriedigt ideologisches Wunschdenken.
        Bitte, es soll keine Beleidigung sein. Ich habe bisher aus dem soziologischen Bereich nur, vorsichtig ausgedrückt, Mist gesehen. Es mag sein, daß ich blind bin und daß es da zwei oder drei Rosinen gibt. Das aber noch als Wissenschaft verteidigen zu wollen ist schon starker Toback.

        Einstein zu empirischer Forschung, induktiver Methode:
        “Es gibt keine induktive Methode, die zu den Grundbegriffen der Physik führt. Daß dies nicht erkannt wurde, stellt den grundlegenden philosophischen Irrtum dar, dem so viele Forscher des 19. Jahrhunderts erlagen.”
        Aus meinen späten Jahren, Stuttgart, 1952
        Zitiert nach Horst Melcher, Albert Einstein wider Vorurteile und Denkgewohnheiten

        Was hat das mit Physik zu tun? Ich meine, daß gesellschaftliche Vorgänge mindestens so kompliziert wie die Physik sind. Eine große Hürde stellen die mathematisch analytischen Methoden dar. Wer aber meint, sich ein leichteres Fach aussuchen zu können ist auf dem Holzweg. WEIL die Soziologie nichts zu bieten hat nisteten sich so viele Schwätzer ein. Der obige Irrtum führte zur Überschätzung empirischer Methoden und zu fools with tools.
        Daß ebensolches in einem Bereich der Physik geschehen kann zeigt der Klimazirkus, bei dessen Betrachtung man selbst am Verständnis der Physik von Physikern zweifeln kann. Dort wird ebenso wie in der Soziologie der Wunsch zur Simulation.

        Bevor meine lange Rede ohne Sinn endet, diesen Leitfaden, diese Orientierung, ohne die Empirik und Induktion nicht auskommen, gibt es. Es ist das was geschehen ist und was bewährt ist, die Entwicklung, begonnen mit der biologischen Entwicklung. Man könnte allgemeine Zusammenhänge auch so erkennen, der Wissenschaftsbetrieb ist aber nicht dazu in der Lage. Er steht ja nicht isoliert da und muß ideologischen Angriffen aus der Gesellschaft standhalten. Dabei versagt er ständig. Besonders die Untersuchung und Beurteilung gesellschaftlicher Probleme ist dem Dauerfeuer aus dieser ausgesetzt, was wissenschaftlich neutrales Arbeiten unmöglich macht.
        Erst die Klärung von Evolution und Information kann das Fundament liefern, auf dem auch eine Gesellschaftswissenschaft stehen kann, die dann auch endlich brauchbare Interpretationen empirischer Ergebnisse liefern kann.

        Gelungene Simulationen gibt es aber schon, den kleinen Roboter EMO von Dietrich Dörner zum Beispiel. Daran werden auch wieder deren Grenzen sichtbar.

        Carsten Thumulla

        Blut ist zwar ein besondrer Saft,
        Doch hat auch Tinte ihre Kraft.
        Eugen Roth

        • LoMi says:

          “Wer aber meint, sich ein leichteres Fach aussuchen zu können ist auf dem Holzweg. WEIL die Soziologie nichts zu bieten hat nisteten sich so viele Schwätzer ein”

          Die Einnistung der Schwätzer ist eine Fehlentwicklung. Das liegt aber nicht daran, dass die Soziologie nichts zu bieten hat. Das hat sie sehr wohl. Soziologie ist zu allererst eine Perspektive und diese ist durchaus in unserer Kultur verankert. Immer dann, wenn wir danach fragen, wie gesellschaftliche Verhältnisse durch das Handeln von Menschen hergestellt werden, machen wir schon Soziologie, zumindest als Art und Weise des Fragens.

          Die Kritik am Genderismus ist daher im Grunde eine soziologische, wenn sie dieses Problem ableitet aus politischen Bewegungen und ihr Einwirken auf die Hochschulen.

          Die Möglichkeit, Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufzuklären, bietet allein die Soziologie. Das geht übrigens empörungsfrei und “cool”, wenn man z.B. bei Weber nachschaut. Sich mit diesen Themen zu befassen, erfordert weder das Proklamieren eines eigenen politischen Standpunktes noch das Ableiten von politischen Schlussfolgerungen. Diese Phänomene lassen sich ganz sachlich und ohne Wertung analysieren.

          Wer es moderner möchte, mache sich mit dem Thema Mikropolitik vertraut (z.B. Crozier/Friedberg). Hochspannend und ungeheuer relevant, wie Organisationen “wirklich” funktionieren. Vollkommen nüchtern ermittelt. Die Soziologie hat sehr viel zu bieten, wenn man denn im Fach dafür sorgt, dass die Standards der guten wissenschaftlichen Praxis eingehalten werden.

          • Die Einnistung der Schwätzer ist eine Fehlentwicklung. Das liegt aber nicht daran, dass die Soziologie nichts zu bieten hat. Das hat sie sehr wohl. Soziologie ist zu allererst eine Perspektive und diese ist durchaus in unserer Kultur verankert. Immer dann, wenn wir danach fragen, wie gesellschaftliche Verhältnisse durch das Handeln von Menschen hergestellt werden, machen wir schon Soziologie, zumindest als Art und Weise des Fragens.

            Dann sind alte Tabus und Priesterkasten auch Soziologie? Es sind Herrschaftsmethoden! Oder ist es umgedreht, ist Soziologie Priestertum?
            Es kann nur mit strenger Trennung von Tisch und Bett funktionieren. Was die Gesellschaft reflektiert darf nicht von ihr finanziert sein oder in irgendeiner anderen Art und Weise von ihr abhängig sein. Sonst würde der Blick in den Spiegel verunmöglicht.

            Die Kritik am Genderismus ist daher im Grunde eine soziologische

            Mag sein, nur daß die Genderisten inzwischen bestimmen, was Soziologie sei. Der Drachenforscher ist aus der Höhle noch nicht zurück.

            Die Möglichkeit, Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufzuklären, bietet allein die Soziologie.

            Sie tut es nicht, sie kann es nicht, so nicht.

            Crozier/Friedberg

            mal sehen, thx

            Carsten

            Banken Streßtest
            http://www.toonpool.com/user/64/files/banken-stresstest_920665.jpg

            • LoMi says:

              “Dann sind alte Tabus und Priesterkasten auch Soziologie? Es sind Herrschaftsmethoden! Oder ist es umgedreht, ist Soziologie Priestertum”

              Da haben Sie mich missverstanden. Soziologisch interessiert, wie Priesterkasten entstehen und zwar durch das Tun von Menschen, denn diese Eliten und ihre Herrschaft fallen nicht vom Himmel.

              “nur daß die Genderisten inzwischen bestimmen, was Soziologie sei”

              Nein, das tun sie nicht. Das tun sie nur in ihrem Beritt, aber damit haben sie keinen Durchgriff auf andere Lehrstühle. Wenn diese unter Zwang geraten, dann direkt durch Politik oder feministische Institutionen (Gleichstellungsbeauftragte usw.). Aber für gewöhnlich kann jeder Nicht-Gender-Lehrstuhl weiterhin so forschen, wie er es für richtig hält. Und das machen die Leute auch.

              Problematisch ist nur: die sind halt auch oft abhängig, von Drittmitteln oder vom Wohlwollen des Staates und betreiben dann Auftragsforschung zu anderen Themen, wo man sich ebenso korrumpieren lassen kann. Aber das ist beileibe kein Spezifikum der Soziologen. Das machen andere auch. Über Drittmittel regiert die Politik massiv in die Uni hinein, weil der Bund einer der größten MIttelgeber ist und so die Inhalte von Forschungsprogrammen bestimmt.

              “Sie tut es nicht, sie kann es nicht, so nicht.”

              Aber gewiss kann sie das. Das liest bloß keiner. Alle gucken auf Hornscheidt und empören sich (wohl auch zu Recht), aber übersehen eben das, was an solidem Handwerk existiert. Crozier/Friedberg sind ein Beispiel. Weniger modern, aber sehr griffig in der Darstellung ist Heinrich Popitz “Phänomene der Macht”. Dergleichen gibt es noch viel mehr.

              • Ja, aber wenn die Priester bestimmen, was Soziologie ist, dann bekommen sie immer das Bild, das sie haben wollen. So funktioniert Selbstreflexion nicht.

                Gut, hoffen wir auf eine Selbstreinigung.

                • LoMi says:

                  “Ja, aber wenn die Priester bestimmen, was Soziologie ist, dann bekommen sie immer das Bild, das sie haben wollen”

                  Die Gefahr besteht immer. Aber aus Sicht der Priester besteht auch permanent die Gefahr der Eigensinnigkeit des Nachwuchses, dem das Nachbeten zu langweilig ist. Niemand wird gezwungen, bei Hornscheidt oder Lenz zu promovieren …

        • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

          “Analytische Methoden haben enge Grenzen.”

          Aber gerade das ist doch von großem Wert, dass die Grenzen (jeweils und bis auf Weiteres) bekannt und angebbar sind! Nur allumfassende Heilslehren, die man halt glauben kann oder nicht, aber eben nichts mit Wissenschaft zu tun haben, können und wollen keine Grenzen der eigenen Zuständigkeit und Erkenntnisfähigkeit an- oder zugeben.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      Michael Kleins links, die sich ja stark auf die Frage nach der Prognosefähigkeit beziehen, möchte ich noch den Hinweis anfügen, dass es einige gute und zeitgemäße Entwürfe prüfbarer und im Prinzip (“im Prinzip wegen der unbeabsichtigten Folgen sozialen Handelns) für Prognosen geeignete Modelle soziologischer Erklärung gibt, allen voran das Modell von James S. Coleman, auch in seiner Verwendung und Entwicklung durch Karl-Dieter Opp.

      Und dann ist da natürlich noch das für mich beste Buch darüber, was Soziologie ist, was eine soziologische Erklärung ist, wie Soziologie geht – wenn man so sagen möchte – und was Soziologie leisten kann; es ist das Buch von

      Peter Hedström “Dissecting the Social. On the Principles of Analytical Sociology” (2005; Cambrige UP).

      Wenn man diese Literatur betrachtet, wird, glaube ich, gut erkennbar, dass es ein Programm gibt, das der Soziologie – bislang leider nur in Teilen – zugrundeliegt und das sie klar als Wissenschaft ausweist: das der sogenannten analytischen Soziologie. Eigentlich ist es traurig, wenn nicht absurd, dass man “Soziologie” ein “analytisch” voranstellen muss, jedenfalls dann, wenn man meint, Soziologie sei eine Wissenchaft.

  6. Lars says:

    Vielen Dank für die Links. Die Idee Simulationen zu benutzen, erinnert an die Soziobiologie, in der man versucht tierisches Verhalten mit Hilfe von Verhaltensstrategien zu simulieren. Und zwar ziemlich erfolgreich.
    Vielen Dank für die Links.

  7. Gluteus Maximus says:

    Jede Grenze, die die Dialektik fernhalten will, ist eo ipso Aberglaube und Beschränktheit.

    “Sei es nun ein Wort, ein Satz, ein Buch, ein Mann, eine Gemeinschaft, es sei, was es wolle, sobald es in der Weise eine Grenze sein soll, dass die Grenze selbst nicht dialektisch ist, ist es Aberglaube und Beschränktheit” (Kierkegaard).

  8. Schmunzelt says:

    OT, oder auch nicht:

    Da ich Engels, Marx und Co nicht gelesen habe bedanke ich mich für die im Link angeführten Hypothesen dieser Herren (Seite 12,13 u. 14).

    https://sciencefiles.org/2012/06/heike-diefenbach_2012_das-patricharchat_sciencefiles-org.pdf

    Jetzt versteht man besser, warum Sozialismus nie funktioniert und weswegen er so gerne Säuberungsaktionen durchführt. Egal ob internationaler oder nationaler Sozialismus. Nach den Ausführungen dieser Herren sind eugenische Maßnahmen zwingend.

    Andererseits muss man diese Werke im Kontext ihrer Zeit sehen. Sie sind in der Spätromantik verhaftet. Einer Zeit wo nach vielen Feldzügen und Wirren so mancher Sterbender nach der heiligen Frau im wohligen zuhause schrie. Dieses romantische Bild wurde mit dem Titel der “Frau” festgeschrieben wohingegen eine ähnliche Ehre Männern bislang verwehrt blieb. Sie wurde also geadelt.

    Diese Herren sehen aber weder die Tributpflichtigkeit der Untertanen, weswegen Zivilisation erst möglich wird, noch, dass sie im Sozialismus bestehen bleibt. Im Sozialismus kann aber nicht durch einmal gewährte Freiheiten abgeschöpft werden, sondern man teilt zu und plant und ersetzt das Erwerbsmittel (Geld) durch Bezugsscheine. Das böse Geld ist weg. Offiziell wenigstens. Der Zwang des Staates bleibt. Inoffiziell entstehen natürlich Märkte (weil man Wünsche und Bedarf nicht verbieten kann). Schuldscheine (Geld) werden eben durch andere monetäre Mittel ersetzt z.B. Bananen, Auspuffe, Kugelschreiber, Reis oder Beziehungen und Einfluss. Was auch immer. Und ich gehe stark davon aus, dass es nicht wenige heilige Frauen geben wird, die für den Erwerb von monetären Mitteln mit dem bezahlen werden, was sie anbieten können. Von der liebenden hingebungsvollen Madonna träumen viele Jugendliche. Die ist aber genau so eine Mär, wie dass jeder Mann der über die Mittel verfügt, für eine Frau einfach so bezahlen wird.

    Interessant ist aber (wenn man an diese Herren anknüpfen möchte), dass gerade Frauen an der staatlichen, monogamen Ehe so interessiert sind. Gerade das, was diese Herren dem vermeintlichen Patriarchat zuschreiben möchten (wen meinen Sie?) Vielleicht deswegen, weil er staatlich geregelte Pflichten für Frauen abwirft ?
    Die weitere Frage ist, wie Frauen ihren Bedarf und Wünsche decken werden, wenn der Plan umgesetzt wird, dass frauenanbetende Liebeskasper (die es ja Gott sei Dank gibt) verboten werden und durch selbstlose Sklaven, die der Allgemeinheit zu dienen haben, ersetzt werden. Augenscheinlich ist, dass hier vielmehr Mittel umgeleitet werden sollen, die für bestimmte Gruppen (Homosexuelle z.B.) sonst nicht verfügbar wären. Es liegt zumindest der Schluss nahe. Leider wird dabei der Kuchen von dem verteilt werden soll auch immer kleiner. Eine Milchmädchenrechnung.
    Wenn man sich diese Fragen sparen möchte und will, dass Frauen die Sicherheit verlassen und sich selbst erhalten, sieht es nicht viel besser aus. Trotz vielem Händchenhalten hat sich hier wenig getan.

    Der wievielte Versuch, eine “Bessere Gesellschaft” zu installieren, ist das jetzt eigentlich?. Wenn man aber eine Stammesgesellschaft möchte (nach Engels), dann müsste man die Tributpflicht abschaffen (den Staat). Dann bleibt nicht mehr viel für die Elite (Damen) übrig. Es wäre ja nicht so, dass es diesen Versuch nicht schon gegeben hätte. Leider haben die herrschenden Despoten dabei vergessen, dass sie sich selbst sowie ihren Apparat abschaffen müssten, damit es funktioniert. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

    • “Wenn man aber eine Stammesgesellschaft möchte (nach Engels), dann müsste man die Tributpflicht abschaffen (den Staat).”

      Das ist einer der wenigen Punkte, in denen Engels folgerichtig gedacht hat: für ihn war die Idee der Steuerzahlung an einen Staat tatsächlich ein Unding!

  9. mitm says:

    Im Zusammenhang mit den Qualitätsproblemen der Soziologie ist folgender Text extrem lesenswert:

    Stefan Hirschauer: Wozu Gender Studies? Ein Forschungsfeld zwischen Feminismus und Kulturwissenschaft. Forschung und Lehre, 2014-11. http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=17324

    Ich habe ihn hier ausführlicher kommentiert, inkl. Anmerkungen zur Relevanz von Herrn Hirschauer.

    Hirschauer verbittet sich zwar im Nachwort jede maskulistische Vereinnahmung, allerdings ist seine Insider-Kritik in zentralen Punkten identisch mit der Kritik an den Gender Studies, die hier und woanders seit Jahren vorgebracht wird. Er versucht mit seiner Definition von GS:
    “In einem engen und präzisen Sinn bezeichnet Gender Studies die kulturwissenschaftliche Forschung zur Geschlechterdifferenzierung”
    den Begriff Gender Studies zu retten, indem er die unwissenschaftlichen Anteile bzw. Personen als Phänomene einordnet, für die der Begriff sozusagen mißbraucht wird. Über diese Etikettierung kann man streiten.
    Das Hauptdefizit seiner seiner Definition sehe ich aber darin, daß immer noch glaubt, Geschlechterforschung ohne Biologie (inkl. einschlägige Medizin, Verhaltensbiologie usw.usw.) machen zu können. Er ist selber Kulturwissenschaftler und kann sich offenbar eine Beteiligung der Biologie auf Augenhöhe nicht vorstellen. Dieser Anspruch, daß alleine die Kulturwissenschaften für die Geschlechterforschung zuständig sind und dieses Thema deren Privatbesitz ist, ist heutzutage schlicht absurd.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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