Queer, links, feministisch und anti: Der gute Mensch aus Merseburg

Was haben sich Sozialpsychologen abgestrampelt, um die Grundlagen von Vorurteilen deutlich zu machen. Vorurteile haben sie als Urteile auf Basis von Null- bis keiner Information beschrieben, Urteile aufgrund irrelevanter Merkmale, die eben einmal absolut gesetzt werden, Urteile aufgrund von Emotionen.

Benz Legenden Luegen VorurteileVorurteile sind ein Shortcut, der genutzt werden soll, um sich in der Welt zurecht zu finden. Insofern entsprechen sie dem Stereotyp. Sie unterscheiden sich jedoch in einer Reihe von Punkten von Stereotypen, die im Gegensatz zu Vorurteilen nützliche kognitive Verkürzungen darstellen, die Orientierung geben. Dagegen hindern Vorurteile bei der Orientierung, denn sie sind (1) auch durch empirische Fakten nicht zu korrigieren, basieren (2) auf affektiven Reaktionen, die keiner sachlichen Diskussion zugänglich sind und werden (3) ohne Ansehen der Person auf Angehörige einer bestimmten Gruppe übertragen.

Pastorino und Doyle-Portillo haben diese Unterscheidung zwischen nützlichen Stereotypen und unnützen Vorurteilen wie folgt beschrieben:

“One way to conceptualize prejudice is as a stereotype gone awry. A stereotype can be thought of as the cognitive component of an attitude or the knowledge you have stored in memory about some group of people. Stereotypes become problematic when we generally apply them to all members of a group without regard to those individuals’ unique characteristics. Furthermore, when a stereotype contains biased and negative information about a particular group of people, the stereotype begins to look like a prejudice. Finally, when a biased negative stereotype becomes coupled with a negative affect or emotional reaction towards all (or most) people belonging to that group, a prejudice results” (Pastorino & Doyle-Portillo, 2010, S.375).

Auch Assmann hat die oben berichteten Unterschiede zwischen einem Stereotyp und einem Vorurteil sehr klar zusammengefasst:

„Prejudice cannot be explained – as stereotype can – on a cognitive basis alone; it is charged with collective emotions together with norms that are hidden behind values and taboos. It is not a tool for understanding the world, but a weapon in power and identity politics. This explains one characteristic of the prejudice: It is incorrigible. It can, on the contrary, be defined as a mental strategy to block the process of learning, which involves constant readjustment and reconstruction of preconceived ideas in the light of new experience and information. Instead of reconstructing the stereotype to accommodate the new evidence, the prejudice is constructed to block and destroy evidence. While the stereotype is adapted to the world, prejudice adapts the world to itself” (Assmann, 2009, S.9).

Man kann also feststellen:

  • Vorurteile sind nicht veränderbar und gegen jede Art von falsifizierenden Fakten resistent.
  • Sie werden als Wall gegen die Realität errichtet, um keine falsifizierenden Fakten zur Kenntnis nehmen zu müssen.
  • Sie basieren auf Emotionen und sind deshalb keiner Veränderung zugänglich.

Entsprechend stellen sich die Träger von Vorurteilen als unfähig und unwillig dar, mit einer komplexen Umwelt umzugehen und sich an die Veränderungen der sie umgebenden Umwelt anzupassen.

Seltsamerweise finden wir viele Personen, die mit Vorurteilen hantieren, als hinge ihr Überleben an deren Aufrechterhaltung, ausgerechnet unter denen, die von sich behaupten, sie seien offen, sozial, gut, fortschrittlich, an der Emanzipation aller interessiert und wollten nur das Beste, jedenfalls für sich und ihresgleichen.

Heinz-Jürgen Voß, der an der Hochschule Merseburg eine Professur für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung besetzt, schein jemand zu sein, der so in der Welt seiner Vorurteile gefangen ist, dass alle Versuche, ihn nicht nur sexuell, sondern auch intellektuell zu befreien, zum Scheitern verurteilt zu sein scheinen.

Voss Web 20Immerhin ist Heinz-Jürgen Voß (zwar mit einigen Jahren Rückstand, aber doch immerhin) im von ihm so bezeichneten Web 2.0 angekommen.

Und im Web 2.0, da wird diskutiert. Diskussionen haben nun den unangenehmen Beigeschmack, dass man Gefahr läuft, mit abweichenden Meinungen, mit gegensätzlichen Meinungen konfrontiert zu werden, mit Meinungen, die den Emotionen, auf denen die eigenen Vorurteile basieren, nicht passen (eine unangenehme Nebenwirkung der Meinungsfreiheit). Deshalb müssen die entsprechenden Meinungen in Bausch und Bogen diskreditiert werden. Deshalb werden die Träger der Meinungen diskreditiert und der Inhalt der Meinungen gar nicht berücksichtigt. Deshalb ist der Fehlschluss ad hominem ein so guter Indikator für einen mit Vorurteilen Beladenen.

Also schreibt Heinz-Jürgen Voß,  in der Funktion eines Professors, und somit in einer Position, von der aus er den offenen Diskurs über Ideen und Meinungen fördern sollte:

“Es geht also darum, dass mensch sich zwar nicht Debatten von Maskulinisten und anderen Leuten der extremen Rechten aufdrängen lassen sollte, aber dass mensch in Blog-Diskussionen durchaus auch immer wieder feministische, queere und gegen Rassismus gerichtete Positionen einbringen sollte.”

“Mensch” ist die Bezeichnung für die Guten, diejenigen, die dieselbe Meinung teilen, die Voß teilt, die er wiederum für der Wahrheit letzten Schluss zu halten scheint. Es ist dies die Meinung der Glaubenskongregation der Gutmenschen, nein, in diesem Fall von “mensch” als solchem. Und, so macht er deutlich, “Maskulisten und andere Leute der extremen Rechte” sind keine Menschen. Das an sich ist schon heftig und in Nähe zum Faschismus, aber es reicht noch nicht, meint Voß doch, er könne seinen Vorurteilen freien Lauf lassen und Maskulisten, wer immer sie auch sein mögen, mit Rechtsextremisten gleichsetzen.

Und beide sind natürlich böse. Die Guten, das sind Feministen, Queere und alle, die sich vermeintlich gegen Rassismus richten. Rassismus, so hat Dr. habil. Heike Diefenbach gerade deutlich gemacht, basiert auf der behaupteten Überlegenheit einer Gruppe von Menschen über eine andere Gruppe von Menschen, ganz so, wie Voß dies hier für Queere und Feministen nahelegt, die aus seiner Sicht Maskulisten und Rechtsextremen überlegen sind, womit er sich in die Reihe derer, die man entsprechend dieser Definition als Rassisten bezeichnen müsste, stellt.

Nun sind gute Menschen wie Heinz-Jürgen Voß immer bemüht, die Wahrheit, die ihrer Gutheit zugrunde liegt, unter die Menschheit zu bringen und andere zum Heil zu bekehren. Wie wir schon von Lann Hornscheidt wissen, erfolgt die Verbreitung der Gutheit über eine Form der Missionierung, die sich nicht darauf beschränkt, mit dem Wachturm an der Straßenecke zu stehen, die vielmehr Interventionen umfasst. Und wie wir vom letzten Zitat wissen, ist es Voß ein Dorn im Auge, dass es Rechtsextremisten und Maskulisten, die ein und dasselbe für ihn sind, überhaupt gibt, dass diejenigen, der in Bausch und Bogen als rechtsextreme Maskulisten klassifiziert, überhaupt die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu äußern. Also fordert er seine Gefolgschaft auf, Folgendes zu tun:

Heinz J voss“Lasst uns vornehmen, dass wir alle(!) jeweils pro Woche zwei Kommentare, die gegen Rassismus, gegen Sexismus, gegen Heterosexismus gerichtet sind, in Online-Diskussionen einbringen! Wenn wir alle das machen, dann tauchen in den Kommentarspalten zumindest auch immer kurz emanzipatorische Inhalte als kurze Brechung auf.”

Die Prediger von Heilslehren haben sich immer als Herren über eine Minderheit dargestellt, eine erleuchtete Minderheit von Jüngern, denen die Wahrheit eingesalbt wurde, damit sie in die Welt gehen und Gutes tun, bevor sie Eingang in das Himmelreich finden.

Und immer haben die Prediger von Heilslehren für sich in Anspruch genommen, emanzipativ zu wirken, eine befreiende Botschaft zu verbreiten. Auch nicht neu ist, dass sich die Heilsbringer nicht mehr darauf beschränken, Ihr Heil zu verkünden, sondern andere, die aus ihrer Sicht einer anderen und somit falschen Heilslehre anhängen, zu bekämpfen.

Wir finden entsprechende Auseinandersetzungen im Mittelalter, wir finden sie in der Weimarer Republik in den Straßenkämpfen, die zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten geführt wurden, und wir finden sie heute in einem anderen Gewand, im Gewand des nicknames, hinter dem man sich mit seinen “emanzipatorischen Inhalten” verstecken kann.

Und wir finden sie als Aufruf zur Sabotage:

“Gleiches gilt für Amazon. Auf Grund der schlechten Arbeitsbedingungen kauft mensch dort zwar keine Bücher. Dennoch beeinflusst Amazon stark die Sicht auf Bücher. Daher: Lasst uns dort jeweils ein Profil haben und jeweils wöchentlich zwei Bücher positiv oder negativ besprechen. Dazu reicht ein Dreizeiler völlig aus. Das wirkt den häufig schlechten Bewertungen linker und emanzipatorischer Bücher entgegen. Gleichzeitig machen viele knappe Rezensionen letztlich immer deutlicher, dass Leute sich auf die Bewertungen bei Amazon nicht verlassen können.”

Das muss man sich jetzt wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Da besetzt ein Heinz-Jürgen Voß einen Lehrstuhl, der mit öffentlichen Mitteln finanziert wird und nutzt die Ressourcen eines Blogs, das an der Humboldt-Universität Berlin angesiedelt ist und ebenfalls aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, um politische Agitation zu betreiben, um die wahre Lehre des guten linken Menschen zu verbreiten.

Nicht nur das: Er ruft in einer Art und Weise, die man nicht anders als hinterhältig bezeichnen kann, zur Sabotage einer Serviceleistung auf, die ein privates Unternehmen seinen Kunden bietet, Kunden, von denen der gute Mensch aus Merseburg offensichtlich denkt, dass sie allesamt Idioten sind, die sich kein Urteil über die Qualität einer Buchrezension bilden können – vor allem wenn sie drei Zeilen umfasst.

Hochschule MerseburgUnd obwohl der gute Mensch aus Merseburg nie bei Amazon kaufen würde, weil die Arbeitsbedingungen bei Amazon schlecht sind, was er vermutlich nicht weiß, weil er dort gearbeitet hat, sondern vom Hörensagen, also dem, was David Hume die Vorstellungen des menschlichen Geistes genannt hat, hat er doch kein Problem damit, die Infrastruktur, die Amazon zur Verfügung stellt, zu benutzen, um seine politischen Ziele zu verfolgen. Und diese politischen Ziele bestehen nicht darin, Rezensionen zu platzieren, deren Zweck es ist, den Eindruck zu vermitteln, den man beim Lesen eines Buches hatte, sondern darin, ein Buch, das dem eigenen Lager zugerechnet wird, in drei Zeilen zu loben, damit den häufig schlechten Bewertungen “linker und emanzipativer Bücher” etwas entgegen zu setzen.

Natürlich kommt Voß keinen Moment auf die Idee, dass die schlechten Bewertungen “linker und emanzipativer Bücher” etwas damit zu tun haben könnten, dass die entsprechenden “linken und emanzipativen Bücher” schlecht sind. Nein, eine derartige Idee kann nur haben, wer sich auf Fakten und die Realität einlässt, wer die Welt nicht aus einer von Vorurteilen gefärbten Brille betrachtet. Das, so zeigt sich, tut Voß nicht.

Und ganz uneigennützig scheint der gute Mensch aus Merseburg auch nicht zu sein, finden sich doch unter den Büchern, die er vermutlich für “links und emanzipativ” hält, Bücher, die er selbst (mit-)verfasst hat. Bücher wie dieses, dessen Bewertungen zu 50% aus Jubel und zu 50% aus schlechter Bewertung besteht.

Aber natürlich ist der gute Mensch aus Merseburg nicht wegen der schlechten Bewertungen, die u.a. seine “emanzipativen und linken” Bücher erhalten, tätig geworden. Perish the thought! Er, der gegen ausbeuterische Unternehmen wie Amazon agitiert, selbst wenn sie seine Bücher verkaufen, er spendet den Erlös aus dem Verkauf seiner Bücher mit Sicherheit einem guten Zweck – wetten?

Wir haben uns ja schon an einiges gewöhnt. An Lehrstuhlbesetzer, die Studenten offen zu politischen Agent Provocateur machen wollen. An Lehrstuhlbesetzer, die zu Straftaten aufrufen. Nun an Lehrstuhlbesetzer, die zur Sabotage von Serviceleistungen privater Unternehmen aufrufen. Was kommt als nächstes? Wir wissen es nicht, ebenso wenig wie wir wissen, was Personen wie Heinz-Jürgen Voß an einer Hochschule zu suchen haben.

Aber eines wissen wir aus Erfahrung: Es kommt selten etwas Besseres nach, und wir sind schon ganz unten – aus unserer Sicht jedenfalls.

Albert TraktatDa Wissenschaft gerade nicht mit der Überzeugung eigener Überlegenheit kraft Offenbarung der korrekten Heilslehre vereinbar ist, wie unter anderem Hans Albert sehr deutlich gemacht hat, müssten wir jetzt eigentlich fordern, dass Heinz-Jürgen Voß wie das Hornscheidt von der Hochschule entfernt wird, da er sich offensichtlich als politischer Aktivist und nicht als Hochschullehrer oder gar Wissenschaftler sieht.

Aber das würde bedeuten, dass wir der Ansicht sind, an der Hochschule Merseburg wäre noch etwas zu retten.

Derzeit sind wir dieser Ansicht nicht, wir lassen uns aber gerne von Argumenten überzeugen. Derweil bitten wir lieber unsere Leser darüber abzustimmen, ob politische Aktivisten wie Heinz-Jürgen Voss von Steuerzahlern dafür finanziert werden sollen, dass sie an Hochschulen einen Lehrstuhl besetzen, um dort politisch aktiv zu sein.

Ist Heinz-Jürgen Voß ein Professor, der die Steuermittel, aus denen er finanziert wird, rechtfertigt?

Wo wir gerade bei Argumenten sind: Wo unterscheidet sich das, was Heinz-Jürgen Voß predigt, von dem, was ein angeblicher islamistischer Hassprediger predigt?

Schließlich haben wir Amazon.de eine eMail geschrieben und den CEO des Unternehmens darauf hingewiesen, dass er eine Reihe von Büchern, die Heinz-Jürgen Voß (mit-)verfasst hat, im Sortiment führt. Da Heinz-Jürgen Voß die Arbeitsbedingungen bei Amazon als “schlecht” bezeichnet hat und deshalb bei Amazon nie kaufen würde, da er zudem zur Sabotage eines Serviceangebots von Amazon aufruft, haben wir den CEO gebeten, sich zu überlegen, ob er die Bücher von Heinz-Jürgen Voß nicht komplett aus dem Sortiment von Amazon nehmen will, denn Herr Voß will sicherlich nicht von den “schlechten” Arbeitsbedingungen bei Amazon bzw. den Serviceleistungen von Amazon profitieren.

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29 Responses to Queer, links, feministisch und anti: Der gute Mensch aus Merseburg

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Queer, links, feministisch und anti: Der gute Mensch aus Merseburg | netzlesen.de

  2. Wenn man sich mit Herrn Voß auf eine Stufe stellen wollte (und könnte), dann würde man wohl – wie er – auf die Verwendung von vernünftigen Kriterien bei der Beurteilung von Literatur gänzlich verzichten und – wie er – statt dessen nach weltanschaulichem Gusto und der eigenen Niederträchtigkeit folgend seine mit-/verfassten Bücher, die amazon (noch) vertreibt, mit negativen Rezensionen versehen.

    Würde man z.B. schreiben: “Potenzielle Leser, seid gewarnt: Dieses Buch kann kein wissenschaftlich ernstzunehmende Buch sein, weil sich der Autor öffentlich dafür ausgesprochen hat, statt wissenschaftliche Kriterien ideologischen gusto bei der Beurteilung von Büchern zu verwenden und seine Ablehnung in einem Dreizeiler (also notwendigerweise ohne nennenswerte Begründung) zu formulieren, so dass man vermuten darf, dass er sich der Wissenschaft, wenn überhaupt, nur sehr locker verbunden fühlt, (seiner Position an der Uni aber sicherlich deutlich stärker,)”

    dann würde man sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit den Nagel auf den Kopf treffen – aber eben nur damit: mit hoher Wahrscheinlichkeit, und deshalb kann ich als rationaler Mensch mich nicht dazu überwinden, mich mit Herrn Voß auf eine Stufe zu stellen und seine Texte auf diese Weise zu beurteilen.

  3. Dr.McSchreck says:

    ich tue mich immer etwas schwer mit Forderungen, jemanden zu entlassen, auch wenn ich glaube, dass Herr Voß wie eine andere Person unbekannten Geschlechts über vermutlich wenig wissenschaftliche Qualifikation und dafür viel “Vitamin B” verfügt hat, um an seine Stelle zu kommen.
    Was ich aber defintiv unterstütze, ist der letzte Satz. Nach dem Motto “practice, what you preach” sollte eigentlich Herr Voß selbst auf die Idee gekommen sein, dass der Vertriebsweg Amanzon für seine Bücher inakzeptabel ist.
    Ich fürchte aber, das Gegenteil wird der Fall sein. Sollte Amazon ihn aus dem Programm nehmen, wird “Zensur” gebrüllt werden.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @Dr.McSchreck

      Sie schreiben:

      “ich tue mich immer etwas schwer mit Forderungen, jemanden zu entlassen, auch wenn ich glaube, dass Herr Voß wie eine andere Person unbekannten Geschlechts über vermutlich wenig wissenschaftliche Qualifikation und dafür viel “Vitamin B” verfügt hat, um an seine Stelle zu kommen.”

      Ich verstehe das nicht. Warum tun Sie sich schwer, jemanden von einem Posten zu entlassen, auf dem Wissenschaft betrieben und vermittelt werden soll, wenn diese Person Ihrer Meinung nach (und ich glaube, durch seine Bemerkung hinreichend empirisch belegt) entweder nicht weiß, was Wissenschaft von Ideologie unterscheidet, oder sich nicht um Wissenschaft schert, sie vielleicht durch Ideologie ersetzen will?

      Wir Steuerzahler finanzieren diese Stellen, und es ist unser gutes Recht, dafür Sorge zu tragen, dass auf diesen Stellen Leute sitzen, die sie auch ausfüllen können und wollen. Herr Voß kann seine ideologischen Anliegen meinetwegen als Privatperson ausleben, aber sicherlich nicht in seiner Eigenschaft als Inhaber einer Professur. Professuren sind Einrichtungen der institutionalisierten Wissenschaft, nicht einer institutionalisierten ideologischen Kaderschmiede. Und wer den Unterschied nicht kennt, der ist offensichtlich eine Fehlbesetzung auf einem Posten, der im Dienst der und für die Wissenschaft geschaffen wurde.

      Ergo: Herr Voß sollte von seinen Funktionen in der institutionalisierten Wissenschaft und im Interesse derselben sowie der Studierenden und des Steuerzahlers entbunden werden, und da ihm Wissenschaft ohnehin nicht am Herzen zu liegen scheint, sehe ich auch nicht, wieso das für ihn einen Verlust bedeuten könnte – außer natürlich mit Bezug auf das Gehalt, das er derzeit so schön und ungestört durch Predigen seiner Weltanschauung von der “Unikanzel” aus einstreicht. Aber das ist sicherlich kein hinreichend schwerwiegender Grund, um ihn für sein ideologisches Engagement auf einer öffentlich finanzierten Stelle zu beschäftigen.

      • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

        Nachtrag zu meiner Antwort auf Ihren Kommentar:

        Lebensweltlich gewendet:

        Würden Sie sich auch schwer tun, den herbeigerufenen Klempner trotz Wasserrohrbruch wieder heimzuschicken, wenn sich zeigen sollte, dass er keine Ahnung hat, was er mit dem Desaster anfangen soll, weil er eigentlich Bäcker gelernt hat und sich bloß als Klempner versucht, weil er mitbekommen hat, dass gerade recht gute und einträgliche Berufschancen für Klempner bestehen? Würden Sie ihn statt den Wasserrohrbruch beheben ein hübsches Brot in Ihrer Küche backen lassen – da er nun schon ‘mal da ist? 🙂

  4. Striesen says:

    Ich gebe ja gern zu, auch meine Vorurteile zu haben. Eines davon lautet, dass “man” bei der Verwendung von von frei erfundenen Wörtern beim betreffenden Sprachverschmutzer eine Inselbehinderung unterstellen muss.

    Abgesehen davon kritisiere ich den ansonsten vorzüglichen Beitrag wegen seiner Unvollständigkeit. Ich habe deshalb einen Link vorbereitet:

    http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article136544744/Akif-Pirincci-wegen-Beleidigung-verurteilt.html

    Auch diese Facette sollte nicht unter den Tisch fallen …

  5. Der Aufruf von Heinz-Jürgen Voß ist für meine Wahrnehmung ein alter Hut. Ich arbeitete bei einem Verein, der sich vorsichtig kritisch aber sachlich mit der Schwulenbewegung auseinandersetzte. Wir mussten schon vor über 12 Jahren die Kommentare-Spalte schliessen, weil viele Schwule mit Copy-Past von Kommentarspalte zu Kommentarspalte pilgerten, um ihre Botschaft zu verkünden. Ich habe einige Einträge auch auf anderen Homepages gefunden: Mit den praktisch identischen Sätzen. 60% der kritischen Kommentare waren von so unsäglich tiefem Niveau… Manchmal hat es mich einfach sprachlos gemacht. Eine weitere Masche war: einfach mit Behauptungen eindecken.
    Einmal machte ich den naiven Versuch mit sojemandem in Diskussion zu kommen. Als Theologe erklärte ich einen Terminus Technicus. Worauf mir das gegenüber fadenscheinig, heftig aber inhaltslos übers Maul fuhr. Dieser Mensch hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung, musste mich aber heftigst belehren.

    • Ja, sicherlich ist die Strategie nicht neu. Neu ist aber, dass Leute im öffentlichen Dienst, die vom Steuerzahler dafür bezahlt werden, eine bestimmte Dienstleistung zu erbringen, hier: WISSENSCHAFT zu betreiben und an Studierende weiterzugeben, öffentlich mit moralisch sehr fragewürdigen Ideen dazu auftreten, wie man eine bestimmte Ideologie so darstellen kann, dass der Eindruck entsteht, sie habe nennenswerte viele Anhänger, also mit Ideen zu miesen Täuschungsmanövern im Dienst einer Ideologie.

      Herr Voß kann seine ideologischen Anliegen meinetwegen als Privatperson ausleben, aber sicherlich nicht in seiner Eigenschaft als Inhaber einer Professur. Professuren sind Einrichtungen der institutionalisierten Wissenschaft, nicht einer institutionalisierten ideologischen Kaderschmiede. Und wer den Unterschied nicht kennt, der ist offensichtlich eine Fehlbesetzung auf einem Posten, der im Dienst der und für die Wissenschaft geschaffen wurde.

  6. Barbie aus Berlin says:

    Hört doch bitte mal auf, die arme, kranke Antje Hornscheidt mit Phantasienamen (Lann) zu bezeichnen. Ihr bestätigt sie damit nur in ihrem Wahn.

    • Philocodex says:

      Zu spät. Selbst bei Wiki wurde sie so gelistet. Kritik daran wurde mit dem Verweis auf Freddie Mercury abgeschmettert. Ob “Lann” aber als Künstlername durchgeht?

      Ist in ihrem Institut übrigens mittlerweile wohl Mode. Ein Mitarbeitx (Sekretx?) nennt sich “Lian”.

  7. Ich glaube, man könnte sowohl Voß als auch Hornscheidt wieder in Spur bringen, indem man sie miteinander verheiratet. Ich schreibe jetzt nichts zu den Gründen, wenn wie man bei Pirinvvi und Gender Universum gesehen hat, sind solche vom Steuerzahler fettalimentierten Gestalten in Sachen Meinungsfreiheit nicht sehr fortschrittlich und lassen gerne mal andere Meinungen per Gerichten verbieten.

    Wer hätte gedacht, dass in Deutschland nach dem Dritten Reich ausgerechnet Berufsschwule und -Genderisten samt des sie umwabernden Lagers der Linksextremisten die größten Feinde der Meinungsfreiheit würden?

  8. Pingback: Heinz-Jürgen Voß in der Kritik: “Agitation statt Wissenschaft” | FreieWelt.net

  9. Hier noch ein kurzer Hinweis auf die Wissenschaftlichkeit von Voss, die vielleicht interessiert:

    In seinem Buch “Wider die Natürlichkeit” beruft sich Voss darauf, dass Darwin einen gewissen Lamarckismus vertreten habe und damit seinen Ausführungen und Ansichten nicht entgegen steht.
    Ich habe das hier besprochen:

    https://allesevolution.wordpress.com/2012/04/25/darwin-lamarckismus-und-geschlecht-wider-die-naturlichkeit/

    Darwin kannte bestimmte Vererbungsmechanismen noch nicht, die heute absolut grundlegend sind. Nur auf dieser Basis ist dieser Abschnitt von Darwin zu verstehen, ihn als Biologe heute tatsächlich als etwas anzuführen, was die eigenen Theorien stützt muss dann entweder unredlich sein oder belegt, dass man sich mit dem Thema nicht beschäftigt hat.

    Sich heute tatsächlich auf einen Lamarckismus zu stützen sollte eigentlich eher peinlich sein.

    • Matthias says:

      @ Christian

      Das kann man wohl sagen. Was Herrn Voss betrifft, sollte dazu jeder diese Äußerung von ihm kennen:

      “Bis in die 1920er Jahre sprach man von ­Geschlechtervielfalt. Mit den Nazis kam die Theorie einer weitgehend klaren biologi­schen Zweiteilung, die auch immer noch im Biologiestudium vermittelt wird, obwohl die aktuelle Forschung längst weiter ist. Solche einfachen Thesen machten mich stutzig, und ich erkannte, dass die vermeintlich natür­liche Zweiteilung viel Leid mit sich bringt.”

      Quelle: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2013/weder-mann-noch-frau-19543, http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz-J%C3%BCrgen_Vo%C3%9F_%28Sozialwissenschaftler%29

      Es ist kaum zu glauben, was dieser Mann von sich gibt. (Selbstverständlich ignoriert er die Tatsache, dass Darwin 1871 eine Abhandlung über Männchen und Weibchen verfasst hat, also über ZWEI Geschlechter. Natürlich ignoriert er auch völlig die Tatsache, dass schon z.B. die alten Römer sprachlich zwischen zwei Geschlechtern unterschieden. Aber das ist eine typische Masche solcher Leute: Alles, was ihnen nicht gefällt, wird gleich mit den Nazis in Verbindung gebracht.) Auch sein Qualifikationsprofil spricht Bände:

      Diplom-Biologe, fachfremd promoviert (zum Dr. phill anstatt zum Dr. rer.nat), nicht habilitiert, aber nun Professor. Und das in dem Alter. In der “normalen” Biologie wäre so eine Karriere definitiv nicht möglich.

      Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich nicht harte und ehrliche Arbeit, sondern das Vertreten etablierter Staatsideologien auszahlt.

      • Philocodex says:

        @ Matthias und Christian:
        Schau an, wen man so wiedertrifft. Hallo!
        Die innere Widersprüchlichkeit des Genderings, an allen Ecken, ist tatsächlich frappierend. Gut, für Spinnxs nicht ungewöhnlich, bei Stefan Raab waren gestern zwei reifere Eheleute zu sehen, die über Merkel, Putin & Co. schwadronierten und kaum eine faßbare Aussage hinbekamen.
        Aber an einer Hochschule? Voss ist bekanntlich der einzige Gender-Profix im verschlafenen Lande Martin Luthers. Wer hat den nur berufen? Seine geistigen Leistungen sind ja seit Jahren bei Amazon nachlesbar.

      • Matthias says:

        Nachtrag: Das hier

        http://man-tau.blogspot.de/2015/02/merseburger-zauberspruche-der.html

        ist ein sehr gelungener Artikel über Heinz-Jürgen Voss!

  10. Jochen Reimar says:

    Ich habe in der letzten Zeit selten einen Artikel gelesen, der so sicher und gewandt ins Ziel trifft. Glückwunsch dazu!

  11. Pingback: Vorurteile | Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht

  12. Danke für den Abriss über Vorurteile. Den kann ich grade für einen eigenen Artikel gut gebrauchen 😉

  13. Philocodex says:

    Jetzt aber. Grade gelesen: Die Positivbewertungen für die Bücher von Voß sind teils erkennbar Gefälligkeitsgutachten von Freunden.

    Nur ein Kommentator sticht heraus, ein gewisser Ralf Buchterkirchen. http://www.amazon.de/Heinz-J%C3%BCrgen-Vo%C3%9F/e/B00BL01XTK/ref=dp_byline_cont_book_1

    Pikant ist, daß es sich laut Google um einen engen Freund oder eher den Partner von Voß handelt (http://www.sz-trauer.de/jahresgedenken/prof-dr-heinz-jurgen-voss/30020263 , http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3998).

  14. Pingback: Matthias' Woche - Links der KW 08 - NICHT-Feminist

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