Der doppelte Korbmann: Von Wissenschaftlern und Ideologen

Jedes Jahr um die Weihnachtszeit wiederholt sich ein Vorgang. Ein bis dato weitgehend unbedeutendes Blog mit dem Namen “Wissenschaft kommuniziert” schießt in den Rankings plötzlich nach oben, um dann, im Verlauf von Januar bis November, wieder in Unbedeutendheit zu versinken. Eike blogDie Ursache dafür ist ein Marketing-Trick, den sich Reiner Korbmann, seit 35 Jahren, wie er sagt, auf der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kommunikation tätig, ausgedacht hat: Die Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres. Die Rechnung, auf die wir auch schon reingefallen sind, ist einfach: Nominiert werden u.a. die zehn Blogs in der Kategorie “Wissenschaft und Forschung”, die den meisten Publikumsverkehr haben. Die Nominierung, so das Kalkül, wird Legionen von Lesern dieser Blogs auf den Korbmann Blog leiten und dem Büro der Wissenschafts- und Technikkommunikation der Science&Media, die Korbmann repräsentiert, publicity und wer weiß, Kunden verschaffen. Ein Trick aus dem Lehrbuch des Marketing, der jedoch Probleme mit sich bringt, Probleme, die man als Anpassungskosten und Versicherungskosten bezeichnen könnte, sind doch unter den meistgelesenen Blogs in der Kategorie “Wissenschaft und Forschung” eine Reihe von non-mainstream und nicht politisch-korrekte Blogs. Das wird dann zum Problem, wenn man – wie Korbmann – zum Mainstream gehören will, wenn man Angst davor hat, einen Gedanken jenseits des Mainstream zu formulieren, und wenn einem die Haare zu Berge stehen bei dem Gedanken, man könne mit etwas in Verbindung gebracht werden, was politisch nicht korrekt ist. Wie soll man als Science&Media Aufträge von öffentlichen Institutionen bekommen, wenn man im Verdacht steht, politisch nicht korrekt zu sein, wenn eine Beauftragung die Gefahr mit sich bringt, abweichende und die eigene Engstirnigkeit gefährdende Ideen geliefert zu bekommen. ScienceSceptialblogDiese Probleme waren Korbmann, als er seine Marketing Idee hatte, offensichtlich nicht bekannt. Sie haben ihn mittlerweile eingeholt, in Form von “Diskussionen”, wie er sagt, “vor und hinter den Kulissen”. Und aus dem, was vor und hinter den Kulissen geschehen ist, hat Korbmann, wie er sagt, gelernt. Auch wenn wir es begrüßen, dass auch Korbmann lernen kann, so muss einschränkend doch angefügt werden, dass vermeintliches Lernen, das durch Druck, der hinter den Kulissen ausgeübt wird (Korbmann, wie viele Mittelschichtler, merkt in dem Bemühen, wichtig zu erscheinen, nicht, was er schreibt), geschieht, eher nichts wert ist, denn es ist kein Lernen, es ist Anpassung an den entsprechenden Druck, und es ist ein Mittel der Versicherung: Korbmann versichert: Es besteht bei mir keine Gefahr. Ich habe keine Idee jenseits des Mainstream. Ich werde auch in Zukunft keine Idee (jenseits des Mainstream) haben. Es ist diese Versicherung, die Korbmann jetzt, wie er wohl sagen würde: kommuniziert, für alle potentiellen Auftraggeber. Und damit diese Versicherung nicht danach aussieht, als habe er sich Druck gebeugt, als sei er ein Wendehals oder ein Fähnchen im Wind, deshalb gibt es einen langen Post drumrum, in dem Unsinn wie: “Gesellschaft braucht Wissenschaft und Wissenschaft braucht Gesellschaft” steht. Das ist deshalb Unsinn, weil Wissenschaft Teil der Gesellschaft ist und nicht von dieser getrennt – oder zum besseren Verständnis für Reiner Korbmann: Wissenschaft ist Gesellschaft. Umrankt wird dieser Unsinn von einer wichtigtuerischen Selbstbeweihräucherung, die in erhabener Leerformel daher kommt und wie so oft, wenn geschrieben wird, ohne zu denken, in ordinären Widersprüchen endet. Hier eine kleine Passage, die unsere Leser angeht, und die wir Ihnen nicht ersparen wollen:

“Sogar ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist der Meinung: „Die Menschen vertrauen zu sehr der Wissenschaft und nicht genug ihren Gefühlen und dem Glauben.“ Mindestens ein Drittel also ist Wissenschafts-skeptisch! In einer Demokratie eine gehörige Minderheit. Soll Wissenschaft an diesen Menschen vorbei gehen? Das wäre ein großer Fehler. Grenzwissenschaft blogDenn wenn Wissenschaftskommunikation die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft darstellt, dann muss sie eine so große Minderheit im Auge haben. Was aber wissen wir über diese Menschen? Ich denke, herzlich wenig, und da will ich mich persönlich gar nicht ausnehmen. Nur vielleicht so viel: Es sind wahrscheinlich nicht die Leser von „bild der wissenschaft“, wohl kaum die regelmäßigen Besucher der Wissenschaftsseiten und Wissenschaftsjournale, die Betrachter von Wissenschaftssendungen im Fernsehen oder der Wissenschaftsnachrichten im Internet, ob „Spiegel online“ oder in den „Helmholtz-Blogs“. Diese Menschen holen sich ihre Informationen und Interpretationen in Medien und auf Blogs im Esoterischen, Pseudowissenschaftlichen, Ideologischen, Anonymen, Skeptischen, voreingenommen Antiwissenschaftlichem wie „Grenzwissenschaft-aktuell“, „EIKE“, „Kalte Sonne“, „Kritische Wissenschaft“ oder „Science Skeptical“. Diese Medien existieren und haben großen Zuspruch – die große Zahl Wissenschafts-skeptischer Bürger, die etwa im Wissenschaftsbarometer aufscheint, ist keineswegs nur eine statistische Größe, die man übersehen könnte. Das war die erste Lehre, die ich aus den Wahlen des „Wissenschafts-Blogs des Jahres“ gezogen habe.

Korbmann hat also ein Problem ausgemacht, das darin besteht, dass sich ein Drittel der Befragten in einer Umfrage bei seinen Gefühlen besser aufgehoben fühlt, als bei der exakten Wissenschaft, Menschen wie z.B. Korbmann, der im nächsten Satz eingesteht, über diese Menschen nicht viel zu wissen, “herzlich wenig” wisse er über diese Menschen, aber er weiß doch ganz genau, dass diese Menschen “wahrscheinlich” nicht “Bild der Wissenschaft”, “Spiegel” oder “Helmholtz-Blogs” lesen. Damit wissen wir zumindest, wer die Guten in der Welt des Herrn Korbmann sind. Die Gefühlsabhängigen, also Menschen wie Korbmann, die herzlich wenig wissen, sie holen sich ihre Informationen und Interpretationen im “Esoterischen, Pseudowissenschaftlichen, Ideologischen, Anonymen, Skeptischen, voreingenommen Antiwissenschaftlichem wie „Grenzwissenschaft-aktuell“, „EIKE“, „Kalte Sonne“, „Kritische Wissenschaft“ oder „Science Skeptical“. kalte Sonne blogUnd jetzt kommt der einzige Satz, der wirklich der Empirie entsprungen ist: “Diese Medien existieren und haben großen Zuspruch”. Dank Reiner Korbmann wissen wir jetzt, dass es uns gibt und dass wir großen Zuspruch haben. Nun erklärt man uns nicht ungestraft zu einem “esoterischen, pseudowissenschaftlichen, ideologischen, anonymen, skeptischen, voreingenommen antiwissenschaftlichen” Blog. Deshalb haben wir uns zur Korbmann-Challenge entschlossen. Da Herr Korbmann ja zu den Wissenschaftlern gehören will, für die er gerne kommunizieren würde, sofern er einen entsprechenden Auftrag erhielte, reicht es nicht, dass er behauptet, aber nicht belegt. Zudem findet sich auf seinem Blog keinerlei wissenschaftliche Positionsbestimmung, die unserem Grundsatzprogramm vergleichbar wäre. Deshalb fordern wir Reiner Korbmann auf:

  1. Legen Sie Ihr Wissenschaftsverständnis offen.
  2. Beschreiben Sie, was Wissenschaft ist, wie Wissenschaft funktioniert und welche wissenschaftliche Methode Sie anwenden.
  3. Argumentieren Sie vor diesem Hintergrund, warum Sie der Meinung sind, dass ScienceFiles kein wissenschaftliches Blog ist, wobei Sie sich vor allem mit dem Grundsatzprogramm von ScienceFiles auseinandersetzen sollten.
  4. Bringen Sie Belege dafür, dass ScienceFiles kein wissenschaftliches Blog ist.
  5. Schließlich: Welche, wenn überhaupt, wissenschaftliche Qualifikation haben Sie eigentlich?

Wir haben die Aufgaben für Reiner Korbmann absichtlich in Form von Prüfungsaufgaben für die Mittelstufe geschrieben, damit er nicht vor unüberwindbare Probleme gestellt ist. Bis zum Eingang der Antworten von Reiner Korbmann, die Dr. habil. Heike Diefenbach korrigieren wird, schon weil sie über gut 20 Jahre Lehrerfahrung verfügt und als einer der wenigen deutschen Wissenschaftler internationale Reputation hat und im Who is Who in the World genannt ist, die also viel Erfahrung mit wissenschaftlichem Arbeiten und mit der Bewertung studentischer Arbeiten hat, müssen wir davon ausgehen, dass Reiner Korbmann Behauptungen ohne Gehalt aufstellt und vor lauter Angst um die Auftraggeber aus dem Mainstream panische Verleumdungsattacken hat. Gib Korbmann einen KorbWir wollen ihm in Zukunft derartige Panikattacken ersparen und haben deshalb die Aktion: “Gib’ dem Korbmann einen Korb” ins Leben gerufen und bereits eine Reihe von Blogs angeschrieben, damit Korbmann in den nächsten Jahren die Popularitäts-Revolution um die Weihnachtszeit erspart bleibt. Ein letztes: Wer sich vor Ideen fürchtet, die nicht zum Mainstream gehören, ist übrigens ein Ideologe, kein Wissenschaftler: Wissenschaftler reizt das Neue, sie machen nicht davor in die Hosen. P.S. Korbmann meint, die Leser von ScienceFiles seien alle u.a. esoterische, anti-wissenschaftliche Spinner. Wer dieses Urteil, das Herr Korbmann auf keinerlei Informationen über die Leser von ScienceFiles gründet, mit empirischer Evidenz anreichern will, der kann dies hier über die Kommentarfunktion tun. P.P.S. Noch eine Absurdität am Rande. Reiner Korbmann wundert sich:

“Das Engagement und die Begeisterungsfähigkeit, also das emotionale Potenzial der Wissenschafts-Skeptiker ist enorm. Das zeigt die Zahl der Stimmen, die auf diese Blogs entfielen, das zeigt auch der Verlauf der Stimmabgabe: An Wochenenden oder abends, und sogar nachts, wenn bei den wissenschaftskonformen Blogs (die werden eher zu Business-Zeiten gelesen) die große Flaute herrschte, da kamen die Stimmen der Wissenschafts-Skeptiker.”

Was soll man von einem Wissenschafts-Kommunikator halten, der denkt, Wissenschaft gebe es nur zu den Öffnungszeiten des Finanzamts, und Wissenschaft habe mit Begeisterungsfähigkeit nichts zu tun? Man kann ihn eigentlich nur bemitleiden.

Status-Update: Andreas Müller, der Betreiber von Grenzwissenschaft-Aktuell hat zwischenzeitlich die Auszeichnung als Wissenschaftsblog des Jahres entfernt.

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