Erneut belegter Befund: Linke Landesregierung verschärft jungenfeindliches Klima in Schulen

Unser Beitrag “Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen in der Schule ab“, hat einigen Wirbel verursacht. Fast, dass wir uns nach 2002 zurückversetzt fühlen. Damals hat die Veröffentlichung von “Bringing Boys Back In” und die Tatsache, dass wir darin nicht nur die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen im deutschen Bildungssystem gezeigt haben, sondern auch gezeigt haben, dass die Nachteile umso geringer werden, je höher der Anteil männlicher Grundschullehrer ist, viel Staub aufgewirbelt.

Die Reaktionen damals wie heute waren bei gewissen Leuten bestimmter ideologischer Ausrichtung die gleichen: Ungläubiges Staunen, gefolgt von einem Abwehrreflex, gefolgt von entsprechenden Abwehrmaßnahmen, abermals gefolgt vom mehr oder weniger untauglichen Versuchen, unsere Ergebnisse zu diskreditieren.

Wir haben ein deja vu.

BenninghausJenseits dieser Reaktionen gibt es wohl auch eine Reihe von Lesern, die nicht nachvollziehen können, was bei der Berechnung der Zusammenhangsmaße eigentlich gemacht wurde, und weil ich gestern abend einer Reihe von guten Argumenten ausgesetzt war, die allesamt von der wie immer empathischen Dr. habil. Heike Diefenbach gemacht wurden (als Fürsprecher mancher Kommentatoren), haben wir heute die Daten aus dem eher rustikalen Excel in das elaboriertere SPSS (Statistical Package for Social Sciences, IBM SPSS Version 22) übertragen und alles noch einmal und in mehreren Varianten berechnet.

Da etliche Leser mit der Konstruktion des Index Probleme hatten, sie nicht nachvollziehen konnten oder Einwände dagegen erhoben haben, gibt es nunmehr vier Indices:

  • Den Ausgangsindex, ein 5-Minuten-Index, bei dem den Parteien mit steigender Linkslastigkeit steigende Werte zugewiesen werden, und bei dem die entsprechenden Werte addiert werden, wenn Länder von Koalitionen regiert werden.
  • Aber, so ein Einwand, dann hat ja eine Koalition aus CDU und SPD den Wert 5 und somit den Wert, den eine Landesregierung der Linken hätte, wenn es Sie denn gäbe. Also haben wir einen gestreckten Index berechnet, der deratige theoretisch mögliche Überlappungen vermeidet.
  • Dann gibt es einen gestauchten Index, der nicht vom theoretischen Möglichkeitsraum der Parteienkoalitionen ausgeht, sondern von den emprisch vorhandenen Koalitionen. Die entsprechenden Koalitionen auf Landesebene (und die Alleinregierung der CSU) wurden nach aufsteigender Linkslastigkeit sortiert, und es wurden Ihnen Werte von 1 bis maximal 6 zugewiesen, 6 ganz einfach deshalb, weil es sechs verschiedene Zusammensetzungen von Landesregierungen mit Blick auf Parteien gibt [also: 1 = CSU, 2 = CDU + SPD, 3 = CDU + Grüne, 4 = SPD + Grüne; 5 = SPD + Linke; 6 = Linke, SPD + Grüne].
  • Schließlich gibt es für die Daten-Mitteln-Fraktion einen eigenen Index, in dem die Werte für die Koalitionen gemittelt wurden.

Die Daten für die vier Indices und die Daten für die abhängigen Variablen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt, ebenso die Ergebnisse der Berechnungen.

Den Ergebnissen ist voranzuschicken, dass ich beim Übertragen der Daten festgestellt habe, dass ich die Leute in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Linke-SPD-Regierung beglückt habe. Das habe ich korrigiert, und falls sich Leute in Mecklenburg-Vorpommern von dieser Regierungs-Aussicht bedroht fühlen, hier meine Entschuldigung.

Der kleine Fehler hat indes keinerlei Effekt auf die Ergebnisse, denn die statistisch feineren Analysen in SPSS, die es z.B. erlauben das von Dr. habil. Heike Diefenbach ins Spiel gebrachte Eta zu berechnen, also ein Maß, für dessen Berechnung das Skalenniveau der unabhängigen Variablen (hier der Indices) egal ist, bestätigen unser vorgestern veröffentlichtes Ergebnis. Damit sollten alle Diskussionen darüber, ob die Annahme von Linerarität, die der Berechnung von Pearsons r zugrunde liegt, im vorliegenden Fall gerechtfertigt ist oder nicht, beendet sein. Wie überhaupt alle Diskussionen darüber, ob die Ergebnisse, die wir publiziert haben, valide sind, damit beendet sein sollten (immer einen rationalen Diskurs und keinen emotionalen Diskurs vorausgesetzt).

Noch mehr nachteile von Jungen

Die Tabelle zeigt sehr eindrücklich, dass ein Zusammenhang zwischen den berechneten Indices und dem Abschneiden von Jungen in der Schule besteht. Kurz: Dass linke Landesregierungen zu Lasten des schulischen Erfolgs von Jungen gehen, ist abermals und noch eindrücklicher belegt als beim letzten Mal.

Im Einzelnen zeigen die Korrelationen Folgendes:

  • Die Werte für Eta zeigen für alle Arten der Berechnung des Index der Linkslastigkeit der Regierung dasselbe Ergebnis: Linkere Landesregierungen gehen mit größeren Nachteilen von Jungen gegenüber Mädchen beim Abitur und bei denen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, einher als weniger linke Landesregierungen.
  • Der Zusammenhang ist offensichtlich vollkommen unabhängig von der Art und Weise, in der Index berechnet wird. Er ist stabil.
  • Die Werte für Pearson’s R sind generell geringer als die Werte für Eta, was daraufhin deutet, dass die Annahme der Linearität des Zusammenhangs grundsätzlich gilt, dass innerhalb des Lagers der Linken aber Unterschiede vorhanden sind. Das ist insofern plausibel als die Landespolitiken von SPD und Linker in Brandenburg sich von der Landespolitik der Grünen und der SPD in Baden-Württemberg unterscheidet, was letztlich dafür spricht, dass innerhalb der Linken eine gewisse Fragmentierung vorhanden ist.
  • Dass Jungen häufiger die Schule ohne einen Abschluss verlassen als Mädchen lässt sich nicht linear als Ergebnis einer steigenden Linkslastigkeit erklären. Da Eta jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen allen Indices der Linkslastigkeit, insbesondere dem gestauchten Index, der von der tatsächlichen Verteilung der Koalitionen auf Landesebene ausgeht, zeigt, muss man auch hier davon ausgehen, dass das jungenfeindliche Klima, das in allen Analysen zum Ausdruck kommt, innerhalb des linken Lagers immerhin in verschiedenen Graden der Intensität vorhanden ist.

Fazit:

  • Linke Regierungen auf Landesebene verschärfen das ohnehin schon jungenfeindliche Klima in Deutschland noch weiter.
  • Der Effekt linker Bildungspolitik zeigt sich besonders einheitlich bei der Bevorzugung von Mädchen mit Bezug auf die (Fach-)Hochschulreife.
  • Dagegen gibt es offensichtlich keine einheitliche Haltung bei linken Bildungspolitikern im Hinblick auf Schüler, die ohne Schulabschluss ihre Schulausbildung beenden. Das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Mehrzahl derjenigen, die in ihr Berufsleben ohne einen Schulabschluss entlassen werden, Jungen sind.

Es gibt am Befund also nichts zu rütteln:

Linke Bildungspolitik bevorzugt Mädchen vor allem bei der (Fach-)Hochschulreife und schadet Jungen. Linke Bildungspolitik verschärft ein ohnehin schon jungen- und männerfeindliches Klima in Deutschland.

©ScienceFiles, 2015

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28 Responses to Erneut belegter Befund: Linke Landesregierung verschärft jungenfeindliches Klima in Schulen

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  2. meier, hans (kempten) says:

    DANKE für die sehr überzeugende Arbeit.

    Zu überlegen wäre allenfalls, ob es nicht besser wäre, von linker Bildungspolitik statt von linker Landesregierung zu sprechen. Gründe:

    1. Regierungen wechseln (siehe Baden-Württemberg).
    2. Institutionalisierte Politik und ihre Wirkungen sind etwas langsamer und zählebiger als Regierungen (weider Badebn-Württemberg: da ist wohl mit einer Tendenz zur Verschlechterung zu rechnen – von vergleichweise guten Ausgangsdaten aus. Bis diese Tendenz sich richtig durchgesetzt hat, gibt es aber womöglich schon wieder eine andere Regierung).
    3. Koalitionsregierungen teilen Politikfelder unter sich auf. Ein eher konservativ regiertes Land kann bei entsprechender Regierungskoalition durchaus eine linke Bildungspolitik haben.

  3. Lieber Michael,

    Du schreibst: “… als Fürsprecher mancher Kommentatoren …”

    – ja, richtig: mancher, wie Messi, aber nicht aller.

    Das wollte ich hier nur noch einmal betonen und anfügen, dass ich hoffe, dass die Leser die wieder einmal unvorhergesehen in dieses blog investierte Abend-, manche würden vermutlich auch sagen: Nacht-, Zeit zu schätzen wissen!

  4. user unknown says:

    > Fazit: Linke Regierungen auf Landesebene verschärfen das ohnehin schon jungenfeindliche Klima in Deutschland noch weiter.

    Ist das nicht etwas rasch von der Korrelation auf die Kausalität geschlossen? Denkbar wäre auch, dass Wähler, wenn die Leistung von Jungen abfällt, stärker links wählen. Wie überhaupt die Positionierung der Grünen als Linke sehr fragwürdig erscheint.

    Oder, zurück zur Kausalität, dass Linke Regierung und schlechtere, männliche Leistungen eine gemeinsame 3. Ursache haben.

    • Wie lange wollen Sie warten, bevor sie etwas Offensichtliches als offensichtlich bezeichnen? Wir haben übrigens keine Kausalität, sondern eine Korrelation beschrieben. Dass Sie daraus eine Kausalität machen, ist interessant, aber im Text nicht nahegelegt. Vieles ist denkbar, vieles von dem, was denkbar ist, ist nicht sinnvoll. Z.B: Warum sollten Wähler links wählen, wenn die Leistung von Jungen abfällt. Hat es je eine Partei gegeben, die im Wahlprogramm stehen hat, dass sie Jungen besonders fördern will, damit sie die Nachteile gegenüber Mädchen z.B. im Bildungssystem wett machen? Eine linke Partei, die das im Programm stehen hat?

      Korrelationen schreien nach einer Erklärung und dazu muss man die Befunde akzeptieren und nach den Ursachen suchen: Warum sind Jungen dann schlechter, wenn eine linke Regierung Bildungspolitik betreibt.

      • user unknown says:

        Oh, ich wollte nicht nahelegen, dass es so ist, sondern nur darauf hinweisen, dass es sein könnte, wie ja der Absatz über die gemeinsame, dritte Ursache wohl deutlich macht.

        • Ja, das ist schon angekommen. Nur ist es immer besser, nicht nur darauf hinzuweisen, warum etwas auch sein könnte, sondern auch einen Grund dafür anzugeben, warum es auch sein könnte. Dann kann man sich über die Begründung unterhalten und somit zielgerichtet und muss nicht im Brainstorming verharren, was auch sein könnte.

      • Markus says:

        Im Falle der Grünen als “linke” Partei würde ich sogar noch weitergehen:

        Die Grünen sind, was ihr (nicht nur bildungspolitisches) Jungen- und Männerbild angeht, die jungenfeindlichste Partei von allen. Insbesondere die SPD war bis in die 80er Jahre hinein keine jungenfeindlich-feministische, sehr wohl jedoch eine bildungspolitisch linke Partei.
        Ansatz etwa der westdeutschen Bildungsreform nach dem Krieg war, dass endlich Kinder aus traditionell bildungsfernen Schichten (“das katholische Arbeitermädchen vom Land”) Zugang zu guter, insbesondere hochschulqualifizierender Bildung bekommen sollten; da es sich gleichzeitig um ein ökonomisches Argument handelte, waren sich hier SPD und CDU sogar weitgehend einig – das “Wirtschaftswunder” brauchte Arbeits- und Bildungsreserven. “Gleichheit!” war damals noch eine Kompensationsforderung, das gilt auch für die Anfangsjahre der linken DDR. Intellektuelle Leistungspotentiale von Bildungsfernen sollten nicht mehr auf Grund von sachfernen Gründen (etwa eben fehlendem familiären Bildungshintergrund) vernachlässigt werden. Mein Vater hat davon profitiert, die Idee ist zu verteidigen, allerdings muss sie heute gegen eine völlig andere Position verteidigt werden, die ich “grünfeministisch” nennen würde, der es nicht mehr um eine “Gleichheit!”-Forderung, sondern um ein letztlich bodenloses “Mindestens Gleichheit …”-Genörgel geht. Wo Bildungsnachteile von Frauen an den Haaren herbeigezogen werden können, da gibt es Geschrei (denn es ist nicht “mindestens gleich”), wo Jungen/Männer/Väter benachteiligt werden, herrscht aggressives Schweigen (da das eigene “Mindestens Gleichheit!”-Axiom nicht verletzt wird fühlt man sich zu unrecht angepinkelt). Das alles ist purer feministischer Loobyismus und hat mit einer historischen Kompensationsforderung nach einer (volkswirtschaftlich sinnvollen) personen- und schichtenunabhängiger, “linker” Bildungsakzessibilität überhaupt nichts mehr zu tun, erinnert eher an den Adel am Vorabend der französischen Revolution: “Die Jungen haben kein Abitur ? … sollen sie doch arbeiten gehen !”

        Die SPD hat sich “nach ´89” letztlich nur auf den “Frauenzug” aufgeschwungen, weil die (auch Bildungs-)utopie einer links-gerecht-widerspruchsfreien Gesellschaft bei den Genossen jenseits der Elbe so gründlich schiefgegangen war und ein aggressiver Utopieüberschuss einen Kanal suchte – und fand. Bildungsbürgerlicher Luxus zwischen linksdrehendem Biojoghurt, Frankreichurlaub im Wohnmobil und Abitur in Sozialkunde war für eine eher proletarisch-materiell orientierte Partei wie die SPD in den Anfangsjahren der Grünen ein Graus … ich weiss, ich werde alt, das alles ist lange her.

        Insofern ist die “Kausalitätsdebatte” hier historisch durchaus relevant: Früher hätten (bildungsferne) Männer, wären sie in der Bildung benachteiligt worden, tatsächlich links gewählt (Männerbenachteiligung hätte zu Linksrutschen gegenüber den Arrivierten geführt), heute begehen/begingen sie damit (bildungs-)politischen Selbstmord. Auf eine unschöne historische Formel gebracht: “Wer hat uns Männer verraten – Sozialdemokraten !”

        • A.S. says:

          Letztlich hat man in progressiven Bundesländern das Leistungsprinzip abgeschafft. Damit hat man gerade den Kindern von Arbeitern und Handwerkern geschadet. Früher konnten diese Kinder fehlenden Stallgeruch durch Leistung kompensieren, das geht heute nicht mehr. Jetzt zählt va. der Eindruck der Lehrer und die fühlen sich zu Mittel- und Oberschichtskindern deutlich stärker hingezogen.
          Das ist zumindest meine These für die fehlende Durchlässigkeit des Schulsystems.

          • Florian Geyer says:

            DIESE Lehrer fühlen sich zu den Kindern hingezogen, die sich am tiefsten bücken können… 😉
            Früher mußte man lernen, um auf eine “Drei” oder besser zu kommen, heute reicht es, kein Höschen “drunter” zu tragen, dann gibt es die “Drei” und für Sonderleistungen noch ein Mars oder Snickers!

            • A.S. says:

              D muss ich doch meine Kollegen in Schutz nehmen. Es geht nicht um “Arschkriecherei”. Schleimer sind unbeliebt, bei Schülern wie bei Lehrern. Es geht um Stallgeruch, um die Art wie man sich artikuliert, wie man an Probleme rangeht, ob man eher “akademisch” oder praktisch an ein Problem rangeht. Und da haben die Akademikerkinder einfach einen Anpassungsvorteil, den man mit Leistung nicht mehr kompensieren kann bzw. darf.

          • @A.S.

            “Damit hat man gerade den Kindern von Arbeitern und Handwerkern geschadet. Früher konnten diese Kinder fehlenden Stallgeruch durch Leistung kompensieren, das geht heute nicht mehr. Jetzt zählt va. der Eindruck der Lehrer und die fühlen sich zu Mittel- und Oberschichtskindern deutlich stärker hingezogen.
            Das ist zumindest meine These für die fehlende Durchlässigkeit des Schulsystems.”

            – Und das ist ein Argument, das ich ebenfalls genauso vertreten würde!

    • Ist das nicht etwas rasch von der Korrelation auf die Kausalität geschlossen?

      Nein, ist es nicht! Es ist ja gerade Sinn dieser Politik, das zu erreichen. Die Ursache hat sich doch selbst zur Ursache erklärt.

      Denkbar wäre auch, dass Wähler, wenn die Leistung von Jungen abfällt, stärker links wählen.

      Wie solches?

      Carsten

      “Demokratie ist, wenn gegessen wird, was auf den Tisch kommt.”
      Hadmut Danisch

    • @user unknown

      “Linke Regierungen auf Landesebene verschärfen das ohnehin schon jungenfeindliche Klima in Deutschland noch weiter.

      Ist das nicht etwas rasch von der Korrelation auf die Kausalität geschlossen?”

      Halten wir fest:

      – die Korrelation besteht, was nun, glaube ich, wirklich hinreichend belegt ist;

      – wir führen das probeweise auf ein jungenfeindliches Klima zurück, wobei wir hier mangels Daten keine empirisch gestützten Aussagen darüber machen können, durch welche Mechanismen dieses Klima in die differentiellen Schulabschlüsse umgesetzt wird;

      – aus anderen Studien wie z.B. der LAU-Studie in Hamburg wissen wir aber schon, dass Jungen in Hamburg bessere Leistungen als Mädchen erbringen müssen, um eine Empfehlung für einen höheren Bildungsweg/das Gymnasium zu bekommen; und wieder andere Studien legen weitere erklärenden Mechanismen nahe;

      – diese Mechanismen, die aus verschiedenen Studien bekannt sind (die wir aber selbst mangels entsprechender Daten für alle Bundesländer nicht testen können), fassen wir probeweise als “jungenfeindliches Klima” als Bezeichnung einer latenten Variablen, die hinter den verschiedenen Mechanismen liegt, zusammen; mit Bezug auf die LAU-Studie z.B. würde diese latente Variable ihrerseits erklären können, warum anscheinend so viele Lehrer, aber nicht nur Lehrer, bereit sind, Jungen höhere Barrieren aufzurichten als Mädchen bzw. umgekehrt Mädchen gegenüber Jungen zu bevorteilen, was ja nicht rational ist und dem Leistungsprinzip widerspricht, das nach wie vor offiziell im Bildungssystem das leitende System ist;

      – daher ist das “jungenfeindliche Klima” für uns sozusagen nicht das Ende der Erklärung, sondern erst der Beginn insofern als es eine Bezeichnung für eine latente, nicht direkt beobachtbare Größe dient, von der wir annehmen, dass sie sich in verschiedenen Mechanismen zeigt oder niederschlägt; welche Mechanismen das sind, wäre dringend zu erforschen, stößt aber auf Widerstände bei vielen, die beim Staat angestellt sind und sich mit Bildungsfragen beschäftigen (was als weitere Komponente oder Folge der latenten Variable “jungenfeindliches Klima” gelten könnte);

      Das ist ungefähr und kurz zusammengefasst unsere Auffassung mit Bezug auf die Frage nach Korrelationen und Kausalitäten, die sich auf die schulischen Nachteile von Jungen beziehen.

      Ihr Alternativvorschlag, dass Wähler, wenn sie beobachten, dass (Schul-!?)Leistungen von Jungen abfallen würden, eher links wählen, ist für mich ebenso wir für Michael Klein unplausibel.

      Für mich kommt hinzu, dass ich die Prämisse nicht teile: dass die Leistungen von Jungen in der Schule tatsächlich abgefallen sind, wäre erst noch zu zeigen. In jedem Fall kann man schwerlich Schulnoten, die Lehrer vergeben, als Maße für LEISTUNGEN betrachten. Leistungen werden von Leuten erbracht, Schulnoten werden von anderen Leuten gemäß ihrer Wahrnehmung und Wertung vergeben. Es besteht eine Korrelation zwischen beiden, aber wenn Sie diese unkritisch als Kausalität akzeptieren würden, dann würden Sie den Fehler machen, den Sie in Ihrem Kommentar ansprechen, also Korreationen ungeprüft als Kausalitäten interpretieren.

      Was die Positionierung der Grünen als Linke betrifft, so mündet dies letztlich in eine methodische Frage, soweit es die Korrelation betrifft. Wir folgten bei dieser Positionierung der allgemein üblichen, und die Selbstdarstellung der Grünen entspricht linker Ideologie (Gleichheit statt Gerechtigkeit, Leistungsbezug ohne Leistungserbringung, Zuteilung von Gruppenrechten bei Verletzung von Individualrechten etc.)

      BEGRÜNDETE Vorschläge, wie man die Skala, die wir gebaut haben, verbessern kann, können in der Praxis leicht überprüft werden. Die Daten, die wir haben, stammen vom Statistischen Bundesamt und können vor dort bezogen werden.

  5. Pingback: Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen im Bildungssystem ab | ScienceFiles; Kritische Wissenschaft - Critical Science

  6. Michel Houellebecq says:

    Ich halte Studien wie die Vorliegende für ein probates Mittel, auf Männeranliegen aufmerksam zu machen, da mit ihnen eine Debatte entfacht werden kann, die auch Menschen erreicht, die weit ausserhalb der eigentlichen Zielgruppe liegen: Danke und weiter so!

  7. Florian Geyer says:

    In den ausgewiesen “LINKEN” politischen Systemen der DDR und des “Dritten Reiches” (ja waren sie!) war das komischerweise ganz anders.

    Könnte es sein, daß der Begriff “Links” mittlerweile synonym für Regimes von Geisteskranken und Idioten angewandt wird?
    Die Volksrepublik China, Vietnam, Nordkorea und Kuba sind unstrittig “links”, aber solche Idiotien fallen DA keinem ein!

  8. Raphael says:

    Ist es nicht eher so, dass die jungenfeindliche Bildungspolitik von der Regierung vorgegeben wird durch die allseits bekannten Frauenquoten? Darüber regt sich niemand auf, aber wehe wenn ein Bundesland eine demokratisch gewählte linke Regierung hat. Ich finde, man hätte das Geld für diese Studie lieber dazu nehmen sollen um den Armen hier in unserem ach so reichen Land zu helfen.

    • Gestatten Sie dass ich herzlich lache.

      Zum einen regen wir uns konstant über Frauenquoten und entsprechenden Unsinn auf. Lesen Sie einfach auf ScienceFiles und Sie werden fündig. Oder besser noch, klicken Sie hier.

      Zum anderen ist die “Studie” keine “Studie”, sondern das Ergebnis unserer Tätigkeit als Sozialforscher, das wir einfach einmal nebenbei berechnet haben unter Verwendung frei zugänglicher Daten des Statistischen Bundesamts, die man gratis bekommt. Bislang hat uns niemand bezahlt. Wenn Sie uns dafür bezahlen wollen, nur zu.

      Und schließlich kann man an den Ergebnissen nicht vorbei, nur weil sie einem nicht passen. Wenn die Bundesregierung die Politik vorgibt: Wieso gibt es dann so erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern und wieso wirkt sich die Linkslastigkeit der Landesregierung so heftig auf den Schulerfolg von Jungen aus? Nein, der einzige Schuh, den man daraus machen kann, der lautet: Linke Landesregierungen wirken sich negativ auf den Schulerfolg von Jungen aus.

      Ob Ihnen das gefällt oder nicht: Es ist so.

      Also zwei Lehren für Sie: (1) Informieren Sie sich das nächste Mal, bevor Sie sich äußern. Es verhindert, dass Sie sich lächerlich machen. (2) Sparen Sie sich bitte das nächste Mal den sanctimonious crap, also den Hinweis auf die Armen in Deutschland. Wenn Sie Gutes tun wollen, dann gehen Sie raus auf die Straße und helfen Sie einem Obdachlosen dabei, eine Wohnung zu finden.

  9. FLC. says:

    KOMMENTAR GELÖSCHT

    Leider sind Sie nicht qualifiziert, um auf ScienceFiles zu kommentieren.
    Solange Ihnen nichts anderes einfällt als die Verbreitung von Leerformeln und Beleidigungen und Sie so offensichtlich keine Ahnung davon haben, worum es hier geht, kann ich Sie nur in den Kindergarten zurückschicken, einmal, um dort die Benimmregeln zu lernen, ein anderes Mal, um die Grundlagen zu erlernen, die Sie vielleicht für eine Aufnahme einer Bildungskarriere im Bereich der Sekundären Bildung befähigen.
    Michael Klein

    Suchen Sie sich auch eine andere IP-Adresse, denn ihre derzeitige habe ich gesperrt.
    IP-Adresse: 80.128.103.160
    Provider: Deutsche Telekom AG
    Region: Karben (DE) bei Frankfurt

    • … es ist wirklich erstaunlich, was für eine gestörte Beziehung manche Leute zu Daten und empirischen Befunden haben!

      Statt ihnen Anlass zum Nachdenken zu sein, meinen Sie, dass die Befunde als solche so bedrohlich sind, dass sie irgendwie “weggehen” sollen, und glauben, dass das vielleicht klappt, wenn man diejenigen zu beleidigen versucht (was nicht gelingen kann, weil diese Leute nicht das Niveau haben, damit wir uns von ihnen beleidigt fühlen können; wir finden es lediglich unzumutbar unverschämt), die die Befunde produziert oder berichtet haben.

      Ich muss schon sagen: das ist erschreckend hilflos und kindisch!

      Wenn ich glauben würde, dass das hilft, würde ich für solche Leute, mindestens 30 Minuten in der Ecke stehen – und nachdenken! – empfehlen.

  10. Stephan Gerner says:

    Sehr geehrter Herr Klein,
    dem letzten Kommentar entnehme ich, dass Sie die o.g. Korrelation berechnet haben. Gegen das errechnete Ergebnis ist absolut nicht einzuwenden. Doch wie Frau Diefenbach schon bemerkte, ist die daraus gezogene Kausalität etwas “voreilig”. Zusammenhang und Ursache sind mitunter manchmal schwerlich zu trennen. Wenn Sie aber aus Ihren errechneten Ergebnis schließen, dass sich linke Landesregierungen negativ auf den Schulerfolg von Jungen auswirken, dann ist es entweder sehr unglücklich (wissenschaftlich falsch) formuliert oder so bewusst formuliert, dass dem breiten Publikum damit suggeriert wird, dass linke Regierungen die Schuld an dem Dilemma haben. Beide Varianten lassen sie aber in einem wissenschaftlich schlechten Licht dastehen. Richtig müsste es heißen, dass während der Regierungszeit linker Parteien schlechtere Schulerfolge von Jungen zu beobachten sind. Und das bedeutet noch lange nicht, dass diese auch die Ursache dafür sind. Ihr Maßstab des Schulerfolges von Jungen ist ein nicht erreichter Abschluss, ohne zu klären, ob die Jungen wollten, aber nicht konnten oder sie es hätten schaffen können, aber nicht wollten oder sie weder konnten noch wollten. Wenn Ihre Arbeit nun aber versucht Regierungszusammensetzungen als Ursache herauszufiltern, so muss die Frage lauten, ob die Jungen wollten und konnten, aber nicht durften. So hätten weitere Korrelationsparameter die politische Gesinnung der Entscheidungsträger im Ministerium, auf der Schulverwaltungsebene und der Leistungsbeurteiler (Lehrer) sein müssen. Weiterhin ist zu bemängeln, dass aus o.g. Zahlenmaterial nicht ersichtlich ist, in welchen Zeiträumen oder zu welchen Zeitpunkten diese erhoben wurden. Das Nichterreichen des Schulabschlusses ist in der Regel nicht zeitpunktbezogen. Es ist das Ergebniss eines Prozesses, welcher länger als zwei Legislaturperioden dauert. Auch hier wird nicht ersichtlich,ob auch wechselnde Regierungen in diesem Prozess vorhanden waren. Des weiteren wäre es auch für die vergleichende Interpretation hilfreich gewesen, historische Datenerhebungen in einer Zeitreihe einfließen zu lassen.
    Hochachtungsvoll
    Stephan Gerner

    • Wissen Sie, Herr Gerner, ich habe mir eigentlich vorgenommen, zumindest den Versuch zu unternehmen, Kommentare, wie den Ihren, Ernst zu nehmen.
      Seien Sie mir nicht böse: es klappt nicht.

      Sie sind so offensichtlich bar jeder Kenntnis dessen, was wir berechnet haben, geschweige denn, dass Sie wüssten, was ein Aggregatdatum ist und wie man Daten erhebt, oder was empirische Sozialforschung ist, dass ich – selbst wenn ich es wollte – gar nicht wüsste, wo ich anfangen soll mit dem Erklären. Nur so viel: Wie kommt denn die “politische Gesinnung der Entscheidungsträger”, die Sie so wichtig finden, aus dem Kopf der entsprechend Gestopften in die Realität? Wo sieht man sie? Hat sie Handlungsfolgen? Schlägt sie sich in Politiken nieder? Z.B. in Politiken zur Förderung von Mädchen? Und führen diese Politiken vielleicht dazu, dass in Schulen mehr Wert darauf gelegt wird, Jungen, die sich nicht an die neuen Politiken anpassen wollen, auszusondern und mit schlechten Noten abzustrafen und Mädchen, die ja gefördert werden sollen, mit guten Noten für artiges Kopfnicken an den richtigen Stellen zu belohnen?

      Wenn ja, was ist dann Ihr Problem, außer dass Sie versuchen, durch einen Kommentar, der wohl überlegt klingen soll, ein Ergebnis in Diskredit zu bringen, das Sie nicht verstehen, aber emotional ablehnen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf?

      Es ist schon lustig. Seit wir den ersten Post zum Zusammenhang zwischen linker Regierung und schlechtem Abschneiden von Jungen in der Schule veröffentlicht haben, kommt ein empirischer Sozialforschungsexperte nach dem anderen an und erzählt uns etwas vom Pferd, weil er sich nicht vorstellen kann, dass er es hier mit Profis zu tun hat. Dr. habil. Heike Diefenbach und ich betreiben seit mehr als 20 Jahren empirische Sozialforschung, mit allen Arten von Daten für eigene Forschungsprojekte, für die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder die Europäische Union.

      Wir haben hier einen Zusammenhang aufgezeigt und einen Erklärungsvorschlag unterbreitet. Von einer Kausalität haben weder ich noch Dr. habil. Heike Diefenbach an irgend einer Stelle geschrieben. Wir erklären das schlechtere Abschneiden von Jungen in der Tat mit linker Bildungspolitik, die sich in entsprechender Mädchenförderung niederschlägt, die wiederum Jungen benachteiligt. Es gibt viele Studien, die belegen, dass Jungen mehr leisten müssen als Mädchen, um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten (LAU und ELEMENT-Studie), es gibt Forschung von u.a. Dr. Diefenbach, die zeigt, dass Jungen bei besseren kognitiven Kenntnissen dennoch schlechter bewertet werden als Mädchen (Diefenbach, 2007), es gibt Belege en masse dafür, dass Jungen unter der derzeitigen Bildungspolitik Schaden nehmen. Und nun haben wir gezeigt, dass dieser Schaden mit der Linkslastigkeit der Regierung größer wird. Die naheliegende Erklärung dafür ist, dass linke Regierungen Frauen- und Mädchenförderung intensiver und mit mehr Zwang betreiben als nicht-linke Regierungen. Wenn Sie auch nur einen Blick in ein Parteiprogramm einer linken Partei werfen, unter dem Stichwort “Bildungspolitik”, dann werden Sie feststellen, dass darin die entsprechende Förderung intensiv angekündigt und als wichtig bezeichnet wird. Insofern liegt nichts näher als anzunehmen, dass die Ankündigung auch in die Tat umgesetzt wird.

      Dass Jungen nicht wollen, ist ein beliebtes Argument, das immer dann vorgetragen wird, wenn man gegen das Ergebnis, dass Jungen Nachteile im Bildungssystem haben, nichts mehr einzuwenden weiß, weil man schlicht nichts einwenden kann (aber den emotionalen Drang fühlt, unbedingt etwas einzuwenden). Insofern es bis zum heutigen Tag keinen BELEG für diese Behauptung gibt, dafür aber viele Belege dafür, dass Jungen bei gleicher Leistung schlechter abschneiden als Mädchen, ist es nicht nur ein lahmes, sondern ein falsches Argument. Ein lahmes Argument ist es schon deshalb, weil man annehmen muss, dass über Länder hinweg 100000 von Jungen in ihrem Nichtwollen vereint sind und über Länder hinweg dieselben schlechten Noten für Nichtwollen erhalten. Einen derartigen Gleichklang über Ländergrenzen kann man nicht den Individuen aufbürden, sondern lediglich mit strukturellen, also institutionellen Variablen erklären. Das ist doch bestimmt auch für Sie einleuchtend, dass eine Gleichschaltung eher über 16 Bundesländer und die Vorgaben aus Ministerien zu erreichen ist als über Hunderttausend Jungen – oder?

      Wenn Sie etwas beitragen wollen zur Diskussion, dann formulieren Sie eine alternative Hypothese, denn Wissenschaft funktioniert nicht nur kumulativ, sondern auch über das Vortragen, Prüfen und Falsifizieren von Hypothesen. Wir haben unsere Hypothese bestätigt und warten nun auf die Ihre, die ja kommen sollte, oder beschränken Sie sich darauf, Zweifel anzumelden, vermutlich, weil Ihnen keine alternative Erklärung einfällt?

    • Sehr geehrter Herr Gerner,

      zunächst zur Richtigstellung zwei Dinge:

      1. hat Herr Klein es netterweise übernommen, die statistische Analyse in SPSS durchzuführen. Die Ideen zur Analyse, zum Bau der in die Analyse eingegangenen Variablen und zur Auswahl der den Variablen angemessenen Korrelationskoeffizienten, dies alles haben Herr Klein und ich gemeinsam entwickelt und diskutiert;

      2. kann ich mich nicht erinnern, irgendwo in einem Kommentar behauptet zu haben, dass ich es “voreilig” fände, wenn man festhält, dass eine Korrelation eine vermutete Kausalitätsbeziehung bestätigt und man dementsprechend die vermutete Kausalität für vorerst bestätigt, weil nicht falsifiziert benennt.

      Das ist die vollkommen übliche Art und Weise, in der empirischen Sozialforschung zu arbeiten:

      Man hat eine Vermutung/Hypothese, überlegt sich, wie man sie anhand empirischer Daten überprüfen könnte, wozu man nun einmal Entscheidungen hinsichtlich der Operationalisierung der interessierenden Größen treffen muss, und dann stellt man die statistischen Analysen an, um zu prüfen, ob sich die Korrelationen ergeben, die man aufgrund der vermuteten zugrunde liegenden Kausalität beobachten können müssten.

      Wenn das nicht der Fall ist, dann gilt die Hypothese als bis auf Weiteres falsifziert. Das heißt nicht unbedingt, dass sie falsch ist, aber sofern man nicht auf methodische Dinge verweisen kann, die erklären könnten (schlechte Operationalisierung der interessierenden Größen, Selektion der Stichprobe, Zustimmungstendenz etc.), warum die Hypothese nicht bestätigt werden konnte, ist man gut beraten, alternative Hypothesen zu entwickeln, um seine kurze Lebenszeit nicht mit Dingen zu verschwenden, die bis auf Weiteres nicht lohnend erscheinen.

      Wenn es aber der Fall ist, sich also die erwartete Korrelation ergibt, dann steht die Vermutung über die entsprechende Kausalität nicht im Konflikt mit dem, was in der Realität zu beobachten ist, sondern wird – im Gegenteil – durch sie bestätigt. Das ist kein Beweis dafür, dass es sie gibt – Beweise gibt es nur in der Logik und (deshalb) in der Mathematik. In allen anderen Bereichen muss man sich damit begnügen, Hypothesen auf Übereinstimmung mit in der Realität Beobachtbarem zu prüfen, und wenn die Hypothese diese Konfrontation mit der Realität “überlebt”, dann gilt sie als vorläufig bestätigt.

      Daran schließen sich gewöhnlich weitere Prüfungen derselben Hypothese an, damit man sieht, wie gut sie sich bestätigt, wenn man anders misst oder, wenn möglich, eine andere (Teil-/)Stichprbe wählt o.ä.

      So funktioniert Wissenschaft. Sie ist ein Erkenntnisprozess, der kumulativ funktioniert und Kooperation erfordert.

      Es ist dagegen völlig unwissenschaftlich, Korrelationen damit sozusagen aus der Welt schaffen zu wollen, dass man die Kausalitätsvermutung, die Anlass zur Prüfung der Korrelation gegeben hat, angreift, denn davon geht die Korrelation nicht weg.

      Wenn man nicht zeigen kann, dass sie ein statistisches Artefakt ist, dann muss man sie wohl oder übel akzeptieren, d.h. akzeptieren, dass es einfach so ist, dass die schulischen Nachteile von Jungen mit dem Ausmaß der linken Orientierung einer Landesregierung zusammenhängt.

      In der Wissenschaft ist kein Platz für gusto, und die Frage ist nicht, ob einem diese Tatsache gefällt oder nicht.

      Die Frage ist, wie man sie ERKLÄRT. Wir haben einen Erklärungsvorschlag gemacht, der plausibel ist und durch die Daten gestützt wird.

      Wer dagegen argumentieren möchte, muss wenn er ernst genommen werden will, eine Idee darüber entwickeln, wie die Korrelation zustande gekommen sein kann, wenn die vermutete Kausalität, die ihr zugrunde liegt, tatsächlich nicht in der Realität besteht.

      Weitere Ansprüche an diejenigen zu richten, die ihre Vermutung durch empirische Daten getestet haben und ihre Vermutung dadurch bestätigen konnten, ist also völlig verfehlt; diese Leute haben ihren Teil getan, und es gibt überhaupt keinen Anlass, mehr zu tun, bis nicht jemand eine BEGRÜNDETE KRITIK vorbringt. Eine begründete Kritik an dem, was getan wurde, besteht nicht darin, dass man vorbringt, dass eigentlich mehr hätte getan werden müssen – das ist ein ziemlich großer Denkfehler!

      Nun ist es an denjenigen, denen dies alles nicht gefällt, zu zeigen, warum entweder die Korrelation ein methodisches Artefakt ist – dann entfällt ein inhaltlicher Erklärungsversuch – oder wie die Korrelation durch andere als die bislang vermutete Kausalität zustande kommen kann.

      Sie haben in Ihrem Kommentar keine diesbezügliche Vermutung geäußert, oder anders gesagt: da Sie keine selbst auch keine alternative Erklärung parat haben, die auch nur annähernd plausibel ist (100.000e von Jungen sind irgendwie plötzlich und im Gegensatz zu früheren Zeiten und unabhängig voneinander wild entschlossen, die Schule zu boykottieren, und selbst, wenn das so wäre, würde man sich doch wohl fragen müssen, warum die Schule Jungen nichts zu bieten hat, sondern sie gegen sich aufbringt!), müssen Sie die von uns vorgeschlagene bis auf Weiteres akzeptieren, denn sie steht im Einklang mit in der Realität bestehenden Zusammenhängen und als Erklärung für diese Realität bislang allein, d.h. sie ist derzeit konkurrenzlos,

      So funktioniert Wissenschaft, und Wissenschaft macht Spaß (jedenfalls mir)

      Ich kann einfach nicht die ganze Aufregung um einige, aber nicht andere, empirische Befunde verstehen: Wollen wir nun etwas über die Welt, in der wir tatsächlich leben und die Zusammenhänge, die in ihr bestehen, lernen, oder wollen wir nur Dinge sehen, die mit unserer vorgefassten Meinung und Ideologie übereinstimmen, und dementsprechend im eigentlichen Sinn dumm und ungebildet bleiben?

      P.S. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn Sie, bevor Sie kommentiert haben, meinen oben stehenden Kommentar gelesen hätten, indem ich die Sachlage und unsere Auffassung von ihr schon zusammenzufassen versucht habe.

      Noch besser wäre es gewesen, wenn Sie unser Grundsatzprogramm gelesen hätten, weil dort einiges Grundlegendes über Wissenschaft erklärt wird.

  11. Pingback: Linke Bildungspolitik schadet Jungen – noch ein Beleg | ScienceFiles; Kritische Wissenschaft - Critical Science

  12. Pingback: Debatte: Von linken Parteien geführte Bundesländer diskriminieren Jungen besonders stark – steht das fest? | FreieWelt.net

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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