Ahnungslose Journalisten: Manipulation so einfach wie nie!

In den  letzten Tagen konnte man bewundern, wie die Erfindung der unbezahlten Arbeit vorangetrieben wurde. Anlass ist u.a. eine Pressemeldung des Statistischen Bundesamts, die mit “Jeder dritte Vater wünscht sich mehr Zeit für seine Kinder” überschrieben ist.

Punkt 1 der Pressemeldung lautet:

  • Väter und Mütter leisten pro Woche knapp 10 Stunden mehr bezahlte und unbezahlte Arbeit als Personen ohne Kinder. Dies ist vor allem auf ein höheres Pensum an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.

DestatisDie Pressemitteilung ist Teil eines großen Presseauftriebs, bei dem man u.a. Roderich Egeler, den Präsidenten des Statistischen Bundesamts, hat viel über unbezahlte Arbeit erzählen hören. Seine wichtigsten Punkte sind die folgenden:

  • Frauen ab 18 Jahre arbeiten mit 45,5 Stunden in der Woche eine Stunde mehr als Männer. Das ist auf das größere Volumen an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.
  • Väter und Mütter leisten pro Woche 10 Stunden mehr Arbeit (also bezahlte und unbezahlte Arbeit) als Personen ohne Kinder.
  • Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Kinderbetreuung auf wie Väter.

Abermals ist die unbezahlte Arbeit an vorderster Front zu finden. Sie ist die Ursache allen Übels, sie soll offensichtlich zum neuen Gap aufgebaut werden, das z.B. von der Darstellerin, die derzeit Bundesminister für FSFJ mimt, aufgenommen wird, um die 32 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich für Eltern zu fordern, weil die so überlastet sind. Schließlich arbeiten sie 10 Stunden mehr unbezahlt (und bezahlt?) als Personen ohne Kinder.

Nur: Was ist diese unbezahlte Arbeit?

Von denen, die die unbezahlte Arbeit anführen, sagt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Von den Journalisten, die mit unbezahlter Arbeit konfrontiert werden, fragt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Die unbezahlte Arbeit, sie ist ein Mysterium, das der Erkundung durch ScienceFiles harrt.

Nehmen wir eine Grafik zum Ausgangspunkt, die Roderich Egeler unvorsichtiger Weise mit seiner Präsentation verteilt hat:

Roderich egeler prae

Wenn man der Abbildung auch nicht entnehmen kann, was die geheimnisvolle “unbezahlte Arbeit” sein soll, so weiß man doch, was es nicht ist:

  • Schlaf und Körperpflege sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Erwerbstätigkeit und Bildung sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Essen ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Sonstiges ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Freizeit ist keine unbezahlte Arbeit.

Immerhin.
Die Suche nach der unbezahlten Arbeit, sie ist damit bei Egeler ans Ende gelangt, denn Egeler erzählt nur von der unbezahlten Arbeit, er sagt nicht, was es ist, das hier gearbeitet wird und unbezahlt bleibt.

Unsere Suche führt uns daher weg von Egeler und hin zur Zeitverwendungserhebung, die “Aktivitäten in Stunden und Minuten für ausgewählte Personengruppen” umfasst. Sie bildet die Grundlage für die Aussagen Egelers und zeichnet sich dadurch aus, dass “unbezahlte Arbeit” in keiner Weise, weder als Begriff noch als Datum in der gesamten Ergebung, auf den gesamten 162 Seiten vorkommt.

Was also wurde hier als unbezahlte Arbeit zusammengeschustert?

Nun, die Daten in der Zeitverwendungserhebung, sie sind in Kategorien unterteilt, und zwar die folgenden:

  • Physiologische Regeneration (Schlafen, Essen und Trinken);
  • Erwerbstätigkeit;
  • Qualifikation, Bildung;
  • Haushaltsführung und Betreuung der Familie;
  • Ehrenamt, freilliges Engagement, Unterstützung anderer Haushalte, Versammlungen;
  • Soziales Leben und Unterhaltung;
  • Sport, Hobbys, Spiele;
  • Mediennutzung;

Halten wir Egeler zu Gute, dass er Mediennutzung, soziales Leben und Unterhaltung, ebenso wie Sport, Hobbys und Spiele und Ehrenämter, freiwilliges Engagement und Unterstützung anderer Haushalte sowie Versammlungen, nicht als unbezahlte Arbeit ansieht, dann bleibt für die unbezahlte Arbeit der Punkt “Haushaltsführung und Betreuung der Familie”.

Folglich umfasst die unbezahlte Arbeit:

  • Zubereitung von Mahlzeiten inkl. Geschirrspülen;
  • Instandhaltung von Haus und Wohnung, inkl. Wäschewaschen;
  • Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege;
  • Bauen und handwerkliche Tätigkeiten;
  • Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen;
  • Betreuung von Kindern im Haushalt;
  • Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern,
  • Andere Tätigkeiten im Bereich Haushaltsführung, darunter: Wegzeiten;

Wie so oft kommt man dann, wenn man nur einen kurzen Blick in die Daten wirft, auf denen der ideologische Popanz aufgesetzt ist, der Journalisten präsentiert wird, die nur darauf zu warten scheinen, die entsprechenden ideologischen Kröten roh und ungekaut zu schlucken, zu der Frage: Halten die ihre Mitmenschen wirklich für so dumm?

x fuer uDenkt Herr Egeler, wenn er behauptet, dass Väter und Mütter pro Woche 10 Stunden mehr arbeiten als Personen ohne Kinder, dann kommt niemand darauf, dass in die angebliche Mehrarbeit die Zeit für Kinderbetreuung, die bei Kinderfreien zwangsläufig 0 Stunden, 0 Minuten und 0 Sekunden einnimmt, mit eingerechnet wurde?

Welch’ billiger Versuch, die Öffentlichkeit hinter das Licht zu führen ist das denn? Ganz zu schweigen von den Wegzeiten, die anfallen, um Kinder von A nach B zu kutschieren und den Zubereitungszeiten für Mittagessen, die bei vollerwerbstätigen Kinderlosen durch Essen in der Kantine, das nicht als unbezahlte Arbeit, sondern als bezahlte Arbeit angerechnet wird, ersetzt wird.

Gibt es in Deutschland wirklich eine nennenswerte Anzahl von Leuten, die auf derart billige Tricks und grobe Versuche, andere hinters Licht zu führen, hereinfällt – außer Journalisten?

Es ist erschreckend.

So erschreckend, wie die Funktionsfähigkeit des alten Tricks der Auslassung. Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Betreuung von Kindern auf “als”, (steht so im Original) Väter, so verkündet Herr Egeler. Die Journalisten, die an seinem Speichel hängen, sie tragen es willig weiter. Und sie merken nicht einmal, dass hier etwas seltsam ist, dass etwas fehlt, etwas von Seite 3 der Egelerschen Präsentation.

Männer verbringen im Durchschnitt 25 Stunden und 13 Minuten pro Woche mit Erwerbsarbeit, Frauen 16,09 Stunden. Frauen verwenden 10,15 Stunden für Kinderbetreuung, wie man aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts entnehmen kann, Männer 7,075 Stunden. D.h. Männer arbeiten in der Woche 8 Stunden und 54 Minuten mehr als Frauen, verbringen aber nur 7,075 Stunden weniger mit Kinderbetreuung als Frauen.

Was bitte machen die Frauen in den verbliebenden 1,52 Stunden? Fernsehschauen?

Anyway, wozu ist es wichtig, die Zeitverwendung von Männern und Frauen zu kontrollieren? Ah, wir haben es vergessen, die Laiendarstellerin im BMFSFJ, die den Minister gibt, will wieder etwas fordern: 32 Stunden für Eltern maximale Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich… und wer darf es bezahlen: Die Kinderfreien, weil sie vollerwerbstätig sind und in der Kantine essen.

Es wird übrigens niemand dazu gezwungen, Kinder in die Welt zu setzen. Wer sich dafür entscheidet, von dem muss angenommen werden, dass er sich überlegt hat, was er tut und entsprechend die Verantwortung für seine Entscheidung übernimmt. Die Verantwortung umfasst auch die Arbeit, die Kinder verursachen. Dass sie Arbeit verursachen, ist eigentlich hinreichend bekannt, so dass es etwas seltsam, weil zu offen nutznießerisch wirkt, wenn nun gejammert wird, dass die Betreuung von Kindern unbezahlte Arbeit sei und Eltern ein Ausgleich gewährt werden müsse.

Die Arbeit am Kinde, sie ist übrigens keine unbezahlte Arbeit, sie wird mit allerlei Vergünstigungen bezahlt, vom Kindergeld über den Kinderfreibetrag, die Bereitstellung von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten aus Steuergeldern, über Muttergeld und Barbeträge im Rahmen von Hartz IV bis zu all den anderen Vergünstigungen, die ausgelöst werden, weil die großartige Leistung menschlicher Fertilität erbracht wurde.

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