Wozu hat Volkswagen eigentlich einen Aufsichtsrat?

Fragen wir doch einfach einmal in die Runde und beantworten unsere Frage gleich mit dem, was bei VW zu den Aufgaben des Aufsichtsrates steht:

“Dem Aufsichtsrat obliegt die Überwachung der Geschäftsführung und die Genehmigung wichtiger unternehmerischer Vorgänge. Zudem bestellt der Aufsichtsrat den Vorstand.”

Und an anderer Stelle erklären die Mitglieder des Aufsichtsrates von VW:

VW Bericht des Aufsichtsrats“Der Vorstand informierte den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend in schriftlicher oder mündlicher Form über die Geschäftsentwicklung, die Planung und die Situation des Unternehmens einschließlich der Risikolage und des Risikomanagements. Weiterhin berichtete der Vorstand an den Aufsichtsrat fortlaufend über die Compliance und weitere aktuelle Themen. Entscheidungsrelevante Unterlagen gingen uns stets rechtzeitig vor den Sitzungen zu. Des Weiteren erhielten wir monatlich einen detaillierten Bericht des Vorstands über die aktuelle Geschäftslage und die Vorausschätzung für das laufende Jahr. Im Falle von Abweichungen des Geschäftsverlaufs von den aufgestellten Plänen und Zielen gab uns der Vorstand ausführliche Erläuterungen in schriftlicher oder mündlicher Form. Die Ursachen der Abweichungen analysierten wir zusammen mit dem Vorstand und leiteten daraus gegensteuernde Maßnahmen ab.”

Wenn der Aufsichtsrat von VW also nach eigener Aussage regelmäßig, zeitnah und umfassend in schriftlicher und mündlicher Form über u.a. die Risikolage und die “Compliance”, also die Einhaltung rechtlicher Regelungen unterricht wurde, dann bedeutet dies, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates von den Manipulationen bei VW gewusst haben müssen, und zwar nach eigener Aussage.

Entsprechend wäre es eine Geste des Anstands, wenn sie Martin Winterkorn nicht alleine im Regen stehen lassen würden, sondern die Verantwortung, die sie als Aufsichtsratsmitglieder nun einmal mittragen wahrnehmen und ebenfalls zurücktreten.

Mitglieder im Aufsichtsrat von VW und somit mitverantwortlich für die Manipulationen sind die folgenden Personen:

Mitglieder des Aufsichtsrats

Berthold Huber
Stv. Vorsitzender
Industriegewerkschaft Metall
25.05.2010*

Dr. Hussain Ali Al-Abdulla
Vice Chairman of Qatar Holding LLC
22.04.2010*

Akbar Al Baker
Minister of State, Qatar
Group Chief Executive of Qatar Airways
05.05.2015*

Annika Falkengren
Präsidentin und Vorsitzende des Vorstands der Skandinaviska Enskilda Banken AB
03.05.2011*

Dr. Hans-Peter Fischer
Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen Management Association (VMA)
01.01.2013*

Uwe Fritsch
Vorsitzender des Betriebsrats Werk Braunschweig der Volkswagen AG
19.04.2012*

Babette Fröhlich
Industriegewerkschaft Metall,
FB Koordination der Vorstandsaufgaben und Planung
25.10.2007*

Uwe Hück
Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Porsche AG
01.07.2015*

Dr. Louise Kiesling
Unternehmerin
30.04.2015*

Mag. Julia Kuhn-Piëch
Selbständige Immobilienmanagerin
Mitglied des Aufsichtsrats der MAN Truck & Bus AG
30.04.2015*

Olaf Lies
Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
19.02.2013*

Hartmut Meine
Bezirksleiter des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
30.12.2008*

Peter Mosch
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der AUDI AG
18.01.2006*

Bernd Osterloh
Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG
01.01.2005*

Dr. jur. Hans Michel Piëch
Selbstständiger Rechtsanwalt
07.08.2009*

Dr. jur. Ferdinand Oliver Porsche
Vorstand der Familie Porsche AG Beteiligungsgesellschaft
07.08.2009*

Dr. rer. comm. Wolfgang Porsche
Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche Automobil Holding SE;
Vorsitzender des Aufsichtsrats der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG
24.04.2008*

Stephan Weil
Niedersächsischer Ministerpräsident
19.02.2013*

Stephan Wolf
Stv. Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG
01.01.2013*

Thomas Zwiebler
Vorsitzender des Betriebsrats Volkswagen Nutzfahrzeuge
15.05.2010*

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17 Responses to Wozu hat Volkswagen eigentlich einen Aufsichtsrat?

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  2. anvo1059 says:

    Na wo zu sind Aufsichtsräte da ? Um den Profitfluss zu beaufsichtigen und auf die entsprechenden Konten zu leiten !
    Und so ganz neben bei gibt der s.g. “Aufsichtsratsposten” einigen Nichtskönnern ein Auskommen und Existenzberechtigung !

    • Diese kriminelle Vorgehensweise, der Leute, die diese Sache eingefädelt haben, müsste meines Erachtens vor Gericht gestellt und nicht nur entlassen werden. Und zwar jeder der davon wusste und Verantwortung im Unternehmen trägt. Letztendlich müssen wieder die Beschäftigten die Suppe auslöffeln, heißt bezahlen. Was hat der Aufsichtsrat getan, weis dieser überhaupt, was im Unternehmen läuft, oder interessieren sich diese Leute nicht für das Unternehmen, oder wie erklärt sich, das er nichts weis.

  3. gunst01 says:

    Warum stellt eigentlich niemand die Frage nach dem Wissen des Eigentümers?

    • hgb says:

      Der Eigentümer darf nichts wissen: Ansonsten Gefahr von (strafbaren) Insider Handel.

      • gunst01 says:

        Da einer Eigentümer unter dem nickname der `Ingenieur´ bekannt, kann man wohl vermuten., dass ein Betrug in diesem Ausmaß von ganz oben gedeckzt wurde. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Biografie des Abgasaktivisten. Er war mehrere Jahre bei Daimler beschäftigt.

  4. August Klose says:

    Na ja. Und dann gibt es noch die Leute, die Zahlen so türken, dass sie wettbewerbsfähig sind und die Aufsichtsräte sollen das gar nicht wissen wollen.
    Außer natürlich bei den ehrlichen amerikanischen Unternehmen wird doch überall nun sagen wir getrickst. Wer erreicht die Drittelmixangabe seines Wagens?
    Was mich mich mehr interessiert: Warum gerade jetzt, warum VW? Wem nützt es?

  5. Hatte Herr Piech, bevor er sich – mit einem einzigen Satz – von Herrn Winterkorn distanzierte, etwas von dem erfahren, was jetzt öffentlich geworden ist?
    Es ist wohl zu vermuten.

  6. tuka says:

    Interessant finde ich, dass Herr Winterkorn dadurch Verantwortung übernimmt, dass er zurücktritt. Möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn er Verantwortung durch Übernahme seines Jobs übernommen hätte.

  7. fdominicus says:

    Nein ich denke hier liegen Sie falsch. Zwar steht dort was von umfassend, nur wer sagt denn, daß sich etwaige Vorstände daran halten? Ich meine warum sollte man als Aufsichtsrat “Betrug” vermuten?

    Das vom Aufsichtsrat im Großen und Ganzen nicht viel zu halten ist, steht auf einem anderen Blatt, m.E. müsste der Vorstand die Eigentümer umfassend informieren. Aber das passiert ja in sehr spärlichen Boten.

    Von wegen einmaliger Aufwendungen usw, Einführung von “fair value” Bewertungen und noch vieles mehr.

    • Warum sollte man vermuten, dass das, was da steht, gelogen ist?
      Ich denke, hier liegen Sie falsch.

      • fdominicus says:

        Der Aufsichtsrat hat ein Recht auf Auskunft, und natürlich ist ein Vorstand verpflichtet Auskunft zu geben. Die Frage hätte also lauten müssen. “Hallo Vorstand, betrügt Ihr bei Testläufen” Wie wahrscheinlich wird so eine Frage gestellt?

        Davon abgesehen ist ein Vorstand zwar verantwortlich aber er darf schon darauf bauen, daß die Spezialisten Ihr Gebiet kennen .

        Die entscheidendere Frage ist, wieviel wußte der Vorstand selber wirklich? Wenn der auskunftgebende Vorstand es nicht weiß, dann kann er auch nicht auf etwas verweisen war er nicht kennt.

        Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wußten davon intern nur die Leute die die Software geschrieben haben und diejenigen die es Beuftragten.
        Die Frage ist auch von wo werden die Einspritzanlagen gekauft. Wenn es von außen kommt und man testet das nach den Spezifikationen des Testlaufes und der wird auch erfüllt, wie testet man dann einen Lauf mit einer anderen Kennung? Kann man die diversen Kennlinien wirklich separat anfordern.

        Möglich das es irgendwer im Vorstand auch wußte, aber mit Sicherheit nicht Alle.

        Klar der Aufsichtsrat hätte es herausfinden können. Dafür hätte er aber mindestens einen Verdacht hegen müssen. Und zwar den speziellen, daß bei Testläufen manipuliert wird.

        Gut ist sicherlich was anderes aber ob die Konstruktion eines Aufsichtsrates selber gut ist, kann ich aus meiner Sicht nicht bejahen.

  8. Richard Scheck says:

    Die zitierten Texte zu Aufgaben des Aufsichtsrats und deren Wahrnehmung stehen – entsprechend den gesetzlichen Vorschriften – nahezu wortgleich in allen AG-Geschäftsberichten. Die Frage hätte nach meiner Meinung deshalb lauten müssen „Was qualifiziert die Mitglieder des VW-Aufsichtsrats als VW-Aufsichtsrat?”

  9. Michel Houellebecq says:

    Wofür die Jungs im Aufsichtsrat da sind? Um a) den Geschäftsbericht ab zunicken, b) das Honorar einzustreichen und c) Kontakte zu pflegen- für was denn sonst?

  10. hgb says:

    Anspruch und Wirklichkeit sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe.

  11. MURAT O. says:

    Hat dies auf MURAT O. rebloggt.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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