Wie konnte sich der wissenschaftliche Betriebsunfall “Gender Studies” ereignen?

ScienceFiles-Breakfast-Club (Diskussion vom 30. September 2015).

ScienceFiles_BreakfastclubWas uns immer wieder beschäftigt, das ist die Frage, wie war es möglich, dass sich Gender Studies an Universitäten ausbreiten? Wie konnte dieser wissenschaftliche Betriebsunfall geschehen, dessen Folgen unabsehbar sind? Wie ist es möglich, dass sich Ideologen ohne erkennbares Forschungsprogramm, ohne vorhandene Methode und Methodologie, ohne wissenschaftliche Grundkenntnisse, deren Vertreter dies durch ihre Unfähigkeit, selbst die einfachsten Fragen an die Grundlagen der eigenen doch angeblichen wissenschaftlichen Tätigkeit zu beantworten auffallen, an Hochschulen festsetzen?

Ein Grundstock an Essentialismus, der in Deutschland wie in kaum einem anderen Land vorhanden ist, eine Tradition des irrationalen und wirren Durcheinanders von Neuronen, das man nicht als Denken bezeichnen kann, ist vermutlich mindestens ein Grund dafür, wenn nicht der Grund.

Um dies zu verdeutlichen, reicht es, das Konzept der Gruppe zur Hand zu nehmen. “Gruppe” ist ein Konzept, denn eine Gruppe gibt es nicht. Sie ist eine – wie David Hume das genannt hat – abstrakte Vorstellung, die sich aus der Verknüpfung von Ähnlichkeiten ergibt.

Letzteres wird deutlich, wenn man z.B. die folgenden Begriffe zur Bezeichung von Gruppen zur Hand nimmt: Flüchlinge, Deutsche, Rechte, Berufspolitiker. Keine der so bezeichneten Gruppen ist wirklich existent. Jede wird durch Ähnlichkeiten hergestellt, durch ein Merkmal, das diejenigen, die zur Gruppe gezählt werden, teilen.

Flüchtlinge teilen z.B. das Merkmal “vor etwas zu fliehen”. Deutsche teilen das Merkmal deutscher Staatsangehörigkeit, was es voraussetzt als Kind von Deutschen geboren zu werden. Rechte teilen das Merkmal, dass sie Linken irgendwie als von sich aus gesehen rechts vorkommen, und Berufspolitiker könnte man über das Merkmal bestimmen, dass sie über keinen richtigen Beruf, keine entsprechende Ausbildung und häufig über einen durch den Diebstahl geistigen Eigentums zu Stande gekommenen akademischen Titel verfügen.

Nun sind die beschriebenen Gruppen in sich sehr heterogen: Die vorgestellte Gruppe der Deustchen umfasst Linke, Rechte, Dicke, Dünne, Berufspolitiker, Flüchtlinge, Krebskranke, Intelligente, Dumme, Lügner, Wissenschaftler, Genderisten, Gärtner, Betrüger, selbst Mathematiker und zuweilen rationale Denker finden sich in der Gruppe der Deutschen. Die Vielfalt der Merkmale, mit denen die Mitglieder der vorgestellten Gruppe “Deutsche” untereinander differenziert werden können, macht deutlich, dass es viel mehr gibt, das Deutsche trennt als sie eint.

Das kann auch gar nicht anders sein, denn Gruppen sind immer vorgestellte Entitäten, die auf Grund von einem oder zwei Merkmalen zusammengefasst werden. Dass Menschen nicht duch ein oder zwei Merkmale erschöpfend beschrieben werden können, ist eigentlich offensichtlich, so offensichtlich wie die Tatsache, dass Gruppen nicht über das Merkmal, das genutzt wurde, um sie zu bilden, hinausweisen können.

Deutsche sind eben diejenigen, die per Geburt eine deutsche Staatsangehörigkeit haben – nicht mehr. Flüchtlinge sind auf der Flucht, das beschreibt die Gruppe der Flüchtlinge, die wie die Gruppe der Deutschen in hohem Maße heterogen ist und Linke, Rechte, Dicke, Dünne, Dumme und Intelligente, Berufspolitiker, Flüchtlinge, Krebskranke, Lügner, Wissenschaftler, Genderisten, Gärtner, Betrüger, Mathematiker und rationale Denker umfasst.

Gender Studies BraunschweigNur ein Essentialist kann hinter einer Gruppe mehr sehen als das Merkmal, das genutzt wurde, um sie zu beschreiben. Nur ein Essentialist kann denken, dass Deutschsein mehr ist, als eine deutsche Staatsangehörigkeit zu besitzen, dass die Gruppe der Flüchtlinge mehr zusammenfasst als diejenigen, die auf der Flucht sind, oder dass die Gruppen von Männern und Frauen durch mehr voneinander getrennt sind als das biologische Geschlecht.

Und hier kommen wir wieder zurück zu den Gender Studies, jenem Betriebsunfall der Wissenschaft, der den Erkenntnisprozess in die Zeiten des Gottesbeweises zurückversetzt, als nicht die Erkenntnis, die uns über die Eindrücke, die wir wahrnehmen, erreicht, das bestimmt hat, was wir wissen, sondern die Einbildung. Z.B. die Einbildung, dass die Gruppen der Männer und Frauen außer den entsprechenden Spezialisten der medizinischen Zunft noch andere interessieren sollten.

Oder die Einbildung, dass Frauen eine homogene Gruppe seien, die sich aus Opfern zusammensetzt, die sich in nichts unterscheidet und die durch ihr Frausein bestimmt sind als ewige Opfer der Gruppe der Männer, die ebenso homogen ist und Mörder, Kriegstreiber, Gewaltherrscher, also ausschließlich Täter umfasst. Die Dummheit, die hinter solchen Annahmen steht, ist kaum mehr zu überbieten, der Essentialismus auf die Spitze getrieben. Er ist in einer Weise auf die Spitze getrieben, die darauf hindeutet, dass diejenigen, die homogene Gruppen von Frauen und Männern sehen, nicht auf diesem Planeten unterwegs sein können. Sie können in ihrem Leben noch nie einen Vertreter beider Gruppen als Mensch wahrgenommen haben. Sie können immer nur Geschlechtsteil und Täter oder Geschlechtsteil und Opfer erkennen.

Es handelt sich bei Ihnen ihnen um eine hochneurotische und psychologisch gestörte Population, die die Komplexität der Außenwelt nicht aushält, die Kompmlexität, die darin besteht, dass z.B. die Gruppe der Männer vom kurzsichtigen Scheidungsvater mit lichtem Haar, der selbstmitleidg und abgelegt sein Dasein fristet bis zum Hobbyarchäologen reicht, den sein Alter und seine Arthritis nicht daran hindern, jede freie Minute im Norden von Wales nach dem einen Schatz der Kelten zu suchen, der sein Leben auf einen Schlag verändern würde.

Menschen, die die Komplexität der Welt, die sie umgibt, nicht aushalten, sind psychisch krank. Menschen, die nicht mehr merken, dass Gruppen keine Existenz haben, sondern Zusammenfassungen von Menschen über Ähnlichkeiten sind, und zwar auf Grundlage zumeist nur eines Merkmals; Menschen, die nicht mehr wissen, dass Gruppenmitglieder, die ein Merkmal gemeinsam haben, Unmengen von weiteren Merkmalen besitzen, die sie voneinander unterscheiden, sie haben ein Problem mit dieser Welt. Sie versuchen dieses Problem dadurch zu bewältigen, dass sie die Realität zu einer Travestie machen, einer kaum mehr erkennbaren Vereinfachung dessen, was uns umgibt.

GenderforschungNun sind Wissenschaftler in der Regel Menschen, die von der Vielfalt, der Komplexität der Welt, die sie umgibt, fasziniert sind. Sie sind in keinem Fall Menschen, die versuchen, die Pluralität der Lebensformen auf zwei Geschlechter zu reduzieren, denen sie Myriaden von geschlechtsbasierten Phantasien zuschreiben. Insofern sind Gender Studies nicht nur ein Betriebsunfall der Wissenschaft, sie sind mit Wissenschaft nicht vereinbar, das gilt sowohl für den Inhalt als auch für die Betreibenden.

Und wie konnte es zu den Gender Studies kommen?

Erklären wir es mit einer Analogie: So wie Pflanzen zuweilen anfällig für Blattkrankheiten sind, so haben auch die Wissenschaften eine Schwäche, die in ihrer Liberalität besteht, darin, dass Wissenschaft als Wettbewerb der Ideen geführt wird. Und wenn im Rahmen dieses Wettbewerbs vergessen wird, dass Ideen nicht um ihrer selbst Willen geäußert werden, sondern zum Erkenntnisgewinn beitragen sollen, wenn die Methodologie, die Wissenschaft von Nichtwissenschaft unterscheidet, zeitweise in Vergessenheit gerät, dann schaffen es Ideologien wie die Gender Studies sich festzusetzen und sich auszubreiten.

Das wiederum macht es einfach, Wissenschaften von Gender Studies und anderen Ideologien, von Essentialismen aller Art, zu denen auch Biologismen gehören, die uns neuerdings erzählen wollen, alles sei in Genen und Biologie angelegt und die menschliche Entwicklung gleiche dem Spiel von Marionetten, die an geschlechtssensiblen Fäden hängen, zu befreien. Es reicht, sich auf das zurückzubesinnen, was Wissenschaft ausmacht: Nachvollziehbarkeit der Aussagen, Prüfbarkeit der Aussagen und die Notwendigkeit, Aussagen so zu fomulieren, dass sie an der Realität scheitern können.

Methodologie war noch immer das beste Heilmittel um geistige Verwirrungen, die den wissenschaftlichen Geist irritiert haben, aufzuklären.

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