Die stille Übernahme: 25 Jahre DDRisierung

Das offizielle Deutschland feiert 25 Jahre Deutsche Einheit.

Das heißt:  Vor 25 Jahren ging die Bonner Republik unter.

Zeit für einen nostalgischen Rückblick.

Für alle, die die Bonner Republik nicht mehr kennen, deren Sozialisation danach stattgefunden hat oder die zu jung waren, um die Aufbruchsstimmung der 1980er Jahre mitzubekommen, Jahre, die das Ende des Sozialismus, die Öffnung und Integration von nationalen Märkten, den Beginn der Verfügbarkeit von Konsumgütern auf einem Weltmarkt und die ersten Gehversuche dessen, was heute als World Wide Web eine Selbstverständlichkeit geworden ist, gesehen haben, hier ein kurzer Rückblick in die letzten Jahre der Bonner Republik.

Franz_Josef_StraußPolitik in der Bonner Republik, das war noch etwas Besonderes. Politiker hatten zumeist Statur, einen Beruf erlernt, und sie waren streibar. Die Elefantenrunden von Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Dietrich Genscher und Franz-Josef Strauss, sie haben für jeden etwas geboten. Politainment durch Profis und nicht durch Aushilfskräfte.

In gewisser Weise spiegeln die Politiker der 1980er Jahre den Atem der Zeit wieder, eine individuelle und freie Zeit, in der die Grünen möglich waren, jene Grünen, die, wären sie in den 1980er Jahren schon die etablierte Partei gewesen, die sie heute sind, sich selbst verunmöglicht hätten. Doch in den 1980er Jahren wurden selbst die Grünen toleriert, zunächst belächelt und dann ins Parlament aufgenommen, trotz ihres fundamentalistischen Flügels, dessen Kredo darin bestand, alles zu verweigern außer den Diätenzahlungen.

Die letzten Jahre der Bonner Republik, sie sind geprägt durch die freiheitlich-demokratische Grundordnung, jenen Grundkonsens unter Demokraten, wie man das damals genannt hat, der dafür gesorgt hat, dass selbst Politiker sich einem Grundethos verpflichtet fühlten. Kinderpornos waren damals ebenso ein „no go!“ wie ein Verbleiben im Amt derjenigen, die gegen den Ethos verstoßen haben.

Sicher, auch die 1980er Jahre haben das gesehen, was Politiker auszeichnet: Den Versuch, sich und seine Partei zu bereichern. Damals z.B. mit Hilfe des Flick-Konzerns, der die Taschen von CDU, CSU, SPD und FDP prall gefüllt hat. Als Ergebnis wurden damals die Vorschriften über Spenden im Parteiengesetz und die Meldepflicht der Nebeneinkünfte von Abgeordneten verschärft, und zwar auf Druck der Öffentlichkeit und der Presse. Das war so in der Bonner Republik, dass Politiker auf den Druck von Öffentlichkeit und Presse reagieren mussten.

Heute ist die Öffentlichkeit das ärgerliche Beiwerk, die alle vier Jahre in inszenierten Spielen an die Wahlurne getrieben werden muss, um dort ein Kreuz vor unterschiedlichen Abkürzungen zu machen, die doch alle dasselbe bedeuten: Übergriffe auf die persönliche Freiheit und Bevormundung.

Denn: mit dem Ende der Bonner Republik ist auch der autonome Bürger untergegangen. Er ist durch den Staatsbürger der DDR, der erzogen werden muss, ersetzt worden. Erziehungsgegenstand ist nicht mehr in erster Linie der Marxismus-Leninismus. Seine Rolle wird heute u.a. durch Genderismus gefüllt. Erziehungsgegenstand ist das gesamte Leben des neuen Staatsbürgers. Von der Wiege bis zur Bahre wird er von seinem Staat verwaltet, von den U-Untersuchungen bis zur Lebensführung und der Art, den Lebensabend zu verbringen.

Hellmut SchmidtSensüchtig erinnert man sich an den Kanzler, der ein wahrer Schlot war, dessen Zigarettenkonsum legendär ist und der trotz: „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit“ noch lebt. Heute geht das nicht mehr: Wer raucht, wird nicht gewählt. Die Partei-Marketingabteilung macht deshalb aus rauchenden Kandidaten nichtrauchende. Überhaupt sorgen die Marketingabteilungen der Parteien, mit ihren lahmen Mottos, „Wir für mehr Kita-Plätze“ oder „Gemeinsam erfolgreich“ dafür, dass die Parteien zu den Waschmittelverkäufern geworden sind, deren Entstehen Anthony Downs schon in den 1960er Jahren vorhergesagt hat.

Der Staatsbürger des Jahres 2015, der zur DDRisierung ansteht, er kann sich entscheiden, ob er eine Partei wählt, die ihn für Angewohnheiten bestraft, die nicht gut angesehen sind, also dafür, dass er raucht, trinkt, gerne isst, fettreich und mit viel Zucker, ob er eine Partei wählt, die ihm das Autofahren vergällen und verteuern, ihm das weibliche Heil verodnen und seine Gesinnung überwachen will oder ob er eine Partei wählt, deren politisches Profil auf anti-Unternehmer-Affekte und pro-Mittelschicht-Frauen-Lobbyismus eingeschrumpft ist – natürlich im Rahmen einer von Nichtrauchern gendersensibel geführten Partei.

Wie man sich doch die 1980er Jahre zurückwünscht, die letzten Jahre der Bonner Republik, als Boy George von Karma Chameleon singen konnte, ohne dass er als Aushängeschild der Schwulen herhalten musste, die Zeit von Roberto Blanco und Boney M., deren Schwarzsein niemand zum Anlass genommen hat, um eine Anti-Diskriminierungskampagne zu starten. Oder die Zeit, in der die Pet Shop Boys mit einem Lied mehr für Homosexuelle getan haben, ohne dass es groß thematisiert werden musste, als all die Berufsaktivisten, die sich heute dafür bezahlen lassen, dass sie ihr homophobes Gewissen öffentlichkeitswirksam beruhigen.

Gruene AbgeordneteWas waren das noch Zeiten des Easy Goings, Zeiten, in denen man noch in Supermärkten einkaufen konnte, ohne den warnenden Zeigefinger von Gewerkschaften, Amnesty International oder von Greenpeace zu provozieren, Zeiten, in denen die gesellschaftliche Zukunft ein mehr und besser in modernen Technologien versprochen hat, kein weniger und Gürtel-enger-Schnallen in vormodernen Technologien, deren Haupteffekt darin besteht, Landschaften zu zerstören.

Die 1980er Jahre, sie waren weit davon entfernt, ein goldenes Zeitalter zu sein, aber sie waren eine Zeit, in der Individuen noch die Chance hatten, als Individuen wahrgenommen zu werden und nicht als Vertreter einer Gruppe, die im gesellschaftlichen Fünfjahresplan mit bestimmten Defiziten oder Privilegien verzeichnet ist. Entsprechend konnte es passieren, dass Kinder aus Arbeiterfamilien, deren Eltern vollkommen desinteressiert an der Schulbildung ihrer Kinder waren, dennoch auf dem Gymnasium oder auf einer Universität landeten, dieselben Kinder, denen heute angeblich wohlmeinende Mittelschichtslehrer den Zugang zu höherer Bildung mit dem Hinweis auf fehlende Unterstützung im Elternhaus verweigern.

An Universitäten wurde in den 1980er Jahren noch gelehrt. Es gab noch Wissenschaftler, die empirisch geforscht haben und an der Realität interessiert waren. Die DDRisierung hat sie durch Ideologen ersetzt, die umerziehen und vorgeben wollen, was richtig ist. Sie wollen nicht mehr forschen, sondern verkünden und sehen entsprechend ein Studium als die Fortsetzung der gymnasialen Oberstufe. Aus der Möglichkeit, eine breite Bildung zu erwerben, ist der Zwang geworden, die Grenzen des eigenen ideologischen Tellerrands einzuhalten.

Helmut KohlUnd natürlich waren die 1980er Jahre die letzten Jahre in denen man nach seiner Fasson selig werden konnte und nicht mit einer Horde von durch Parteien über Umwege finanzierter Gesinnungswächter konfrontiert war, die Anstoß daran nehmen, dass die Sprache nicht genderkonform ist, die angeblich vorhandene eigene weiße Privilegierung nicht angemessen reflektiert wird, nicht berücksichtigt wird, dass irgend ein Hanswurst sich diskriminiert fühlen könnte, weil gerade der Begriff „Hanswurst“ benutzt wurde.

Die Bonner Republik, mit allen ihren Fehlern, sie war eine Republik des Individualismus, die Chancen und Möglichkeiten betont hat. An ihre Stelle ist eine Neuauflage geistiger DDRisierung getreten, die den Kollektivismus in Gruppenform verherrlicht und an die Stelle von Chancen und Möglichkeiten, die Vorteilsnahme durch Regulation gesetzt hat, Regulation, die Individualität erstickt und Möglichkeiten, nach seiner Fasson selig zu werden, zu nostalgischen Erinnerung schrumpft.

25 Jahre ist es her, dass die Bonner Republik untergegangen ist, von Helmut Kohl verscherbelt wurde, um DDR-Kadern den Zugang zu westdeutschen Institutionen zu ebnen.

Es kommt einem vor, wie eine Ewigkeit, dass auch in Deutschland der Geist der Freiheit geweht und nicht von sozialistischem Duckmäusertum und entsprechender kleingeistiger Anpassung verdrängt wurde.

Über Michael Klein
... concerned with and about science

42 Responses to Die stille Übernahme: 25 Jahre DDRisierung

  1. MURAT O. says:

    Hat dies auf MURAT O. rebloggt.

  2. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Die stille Übernahme: 25 Jahre DDRisierung

  3. gunst01 says:

    Hier herrscht wohl die rosarote Geschichtsbrille vor. Bis 1991 gab es en Radikalenerlass in der tollen Repubik. Annähernd 2 Millionen Personen wurden bespitzelt und mussten auf Grund ihrer Gesinnung ihren Lebensweg ändern.

      • Fiete says:

        Heute denke ich manchmal, daß wir einen „Radikalenerlass“ bräuchten.
        Z.B. wenn Kindergärtnerinnen sich als „Erzieher“ nicht nur bezeichnen ( wer hat diesen groben Unfug eigentlich veranlasst? ), sondern auch so empfinden und tatsächlich meinen, sie hätten dem Kind eine „soziale Grundbildung“ in von „Zugführern“ geleiteten Gleichaltrigengrupppen nach ideologischer Hochglanzbroschüre einzutrichtern.
        Oder wenn radikale und somit per se grundrechtsfeindliche Feministinnen zu Verfassungsrichtern hochgekungelt werden, ungeachtet der Tatsache, daß sie nie in einer juristischen Praxisposition gearbeitet haben.

        • [zensiert] says:

          >[…]sie hätten dem Kind eine “soziale Grundbildung” in von “Zugführern” geleiteten Gleichaltrigengrupppen nach ideologischer Hochglanzbroschüre einzutrichtern.

          sprechen sie vom bildungsprogramm „bildung: elementar – bildung von anfang an“?

    • A.S. says:

      Ein Radikalenerlass wäre auch heute wieder sinnvoll. Gerade bei Linken und Grünen wüsste ich einige Leute deren Verfassungstreue vmtl. eher zweifelhaft ist.

    • @ineitzke says:

      Gunst01, Wikipedia schreibt von 1,4 Millionen Personen, Sie von anähernd 2 Millionen. Es gelang mir noch nicht ohne kostenpflichtige Registrierung beim Statistischen Bundesamt die offizielle Zahl zu erhalten. Kennen Sie einen für 0815-Bürger offenen Weg?

    • @gunst01

      Bei Ihnen herrscht wohl die rosarote Ideologenbrille vor, die es Ihnen erlaubt, völlig unangemessene Kritik zu äußern:

      Wo, bitte, haben wir denn behauptet, dass in der Bonner Republik ALLES in Ordnung war und nichts existiert habe, was kritikwürdig gewesen wäre?

  4. zrwd2 says:

    Klasse! Volle Zustimmung!

    @gunst01 deine aus dem ND und anderen Hassorganen des Sozialismus gewonnenen verlogenen Ergüsse kannst du in die Tonne treten.

  5. whgreiner says:

    Nun ja, damals war auch nicht alles so golden, wie es heute in der Erinnerung glänzen mag. Ich erinnere mich da z. B. an einen Antrag bei der Bundespost, den ich zur Genehmigung des Betriebs eines Mikrowellenherdes stellen musste, weil das Kurzwellenstrahlung war… Die 70er und 80er in Westdeutschland kannten schon auch ihre Bräsigkeiten.

    Trotzdem: tendenziell muß ich Dir aus eigener Erfahrung recht geben. Eine derart abgehoben agierende Regierung wie die Merkelsche, die sich nicht mehr an der Ethik und Interessen des von ihr vertretenen Volkes orientiert, sondern stattdessen dem Volk ihre Pseudo-Ethik in Form einer „political correctness“ überzustülpen versucht, wäre damals nicht möglich gewesen. Selbst ein F. J. Strauss – damals als Prototyp eines autoritären Machtmenschen verschrien – war im Vergleich zu Merkel ein über alle Zweifel erhabener Musterdemokrat. Ihm blieb gar nichts anderes übrig, weil er noch von einer wirklich kritischen Presse und einer zum Skeptizismus erzogenen Intelligenzia auf Schritt und Tritt kontrolliert wurde. Die systematische, intellektuelle Vernebelung einer ganzen Generation hatte da noch nicht stattgefunden; eine pseudodemokratische Politik, wie sie Merkel heute betreibt, hätte damals prompt und sehr zu Recht zu einem Generalstreik der Bevölkerung geführt.

  6. Manfred Michael Schwirske says:

    Eine subjektive Sicht. Nicht falsch. Nur nicht das Ganze.

    • Eben – nicht falsch, und das genügt uns vollauf!

      Dass wir „das Ganze“ beschrieben hätten, haben wir nicht behauptet, und eine solche Behauptung wäre auch lächerlich. Dessen ungeachtet wirft Ihr Kommentar die Frage auf, ob „das Ganze“ mit „objektiv“ identisch sein kann, denn wenn etwas von jemandem als nunmehr „das Ganze“ eingeordnet wird, zeigt das ja nur, dass ER meint, dass nun alles (relevante?!) zu einer Sache gesagt worden sei. Aber das ist natürlich eine subjektive Einschätzung ….

      • Manfred Michael Schwirske says:

        Klar doch. Mein obiger Beitrag war eher Lesehinweis als Kommentar. Kommentar: DDRisierung verstehe und sehe ich ebenso, ist ein guter Begriff. Den Begriff Übernahme würde ich allenfalls für eine forcierte Polemik verwenden; übernommen wurden üble Elemente und Techniken autoritären Regierens.

  7. Orwell says:

    Einer der besten Artikel hier, die nicht den Genderismus „an sich“ betreffen. Große Klasse, – vielen Dank.

  8. Pingback: News 03.10. 2015 | Krisenfrei

  9. tag heute says:

    Was sind denn wirklich die Wünsche?

    1. Sicherheit. Schon allein wegen der Erwachsenenverantwortung für die Kinder.

    2. Wohnung

    3. Auto

    4. Urlaub

    Das alles ermöglicht durch die „Soziale Marktwirtschaft“, die nach der Übernahme der DDR durch das Großkapital wieder abgebaut und ersetzt durch die perverse neoliberale Fälschung der Bertelsmann-Stiftung „Neue Soziale Marktwirtschaft“, sich damit als reines politisches Schaufenster herausstellte, an dem die Menschen im Osten sich ihre Nasen platt drücken sollten bis ihnen jede West-Banane glänzender erschien, als der Betrieb, den sie mit eigenen Händen aufgebaut hatten und die Kataloge westlicher Versandhäuser mit hochwertigen Waren füllte. Die DDR wurde von einer SED geleitet und war in den 40 Jahren ihres Bestehens an keinem Krieg beteiligt, im Gegensatz zur BRD, die von einer KED, einer kapitalistischen Einheitspartei geleitet wird, deren „Blockflöten“ deutsche Soldaten heute nicht nur weiter schicken, als ihre Väter je gekommen, sondern zunehmend den Eindruck erwecken, nichts gelernt, und wenn, es 1989 freudig wieder vergessen zu haben.

    Bereits Schiller unterschied in seiner Antrittsrede als Professor den „philosphischen Kopf“ vom „Brotgelehrten“ und natürlich heißt Bildung auch heute nicht, zu wissen, wie man China auf dem Weltmarkt schägt, sondern zu lernen, wie ein gutes solidarisches Land mit einer Infrastruktur aufgebaut wird, die es ermöglicht, dass Wert des Menschen keinem Kosten/Nutzen-Verhältnis neoliberaler Gesinnungswächter unterworfen ist, sondern in seiner Einzigartigkeit nur mit sich selbst vergleichbar, gemäß der menschlichen Natur von der Gemeinschaft unterstützt, die eigenen Fähigkeiten zum Erblühen bringen kann.

    Sicher gibt es die immer dicker aufgetragene pseudolinke Maske auf dem schon leichenblassen Gesicht der das gesellschaftliche Vermögen in wenigen privaten Händen anhäufenden Wirtschaftsweise des mit der Ideologie des Kapitalismus gerechtfertigten Handels mit Zukunftswerten. Es war eine historisch notwendige Entwicklungsphase, die mit dem reinen Geldhandel nun im Endstadium ist – wie in der Ukraine, aufrechterhalten mit den despotischen Mitteln des Faschismus. Nur imperialistisches Klauengehen, zuerst beim eigenen Volk und dann bei den Nachbarn, verspricht noch etwas Aufschub. Deshalb die ganze, letztlich gegen Russland gerichtete Kriegstreiberei und der Terrorismus. Von angeblichen Linken durchgesetzte rechtsgerichtete Politik ist der Hauptgewinn fürs Großkapital. Umerziehung? Wenn es sie doch nur gäbe, die Umerziehung zum Frieden.

    • “ Umerziehung? Wenn es sie doch nur gäbe, die Umerziehung zum Frieden“

      Ja, das wäre schön, aber noch lieber wäre mir:

      Umerziehung zur Vernunft!

      Und das bedeutet, dass man die Voraussetzungen für Frieden erkennen kann, und die wichtigste hierunter dürfte Urteilsvermögen und Rationalität sein, und von beidem scheint mir Ihr Komemntar nicht gerade Zeugnis abzulegen. (Von wegen Geldhandel und so – …)

      Schon Peter Tosh sang m.E. völlig zutreffend: „Everyone is crying out for peace, nobody is crying out for justice“

      – zutreffend deshalb, weil ein Friede nicht von langer Dauer sein kann, wenn die Leute nicht das Gefühl haben, dass die derzeit bestehende Ordnung eine gerechte Ordnung ist, die u.a. auf der Einhaltung von Individualrechten (und darunter wiederum von Eigentumsrechten) basiert.

      Daher: Wer Frieden will, muss um Gerechtigkeit kämpfen können!

  10. hope says:

    Ja klar, Erich Mielke und Margot Honecker haben Europa übernommen und kungeln nun mit Obama rum.

    Und folgt man dann noch der kolportierten Lesart, die DDR war angeblich bankrott, dann hat sich die zweitstärkste Volkswirtschaft der Welt, und das war die BRD, den ostdeutschen Habenichtsen widerstandslos ergeben.

  11. Fassungslos says:

    Der Artikel beschreibt die Lage der Dinge im Lande sehr treffend. Ob es einen vernunftgesteuerten Ausweg aus dieser ideologischen Sackgasse gibt? Mir erschließt sich momentan leider keiner. Selbst bei den noch in unendlicher Ferne liegenden Bundestagswahlen. Vielleicht rührt sich ja bei den im nächsten Jahr anstehenden Landtagswahlen erstmalig wieder der gesunde Menschenverstand…

  12. ott says:

    dieser artikel ist totale verdrehung der dinge der müll wie Gender, frühsex, enteignung, krieg, kommt von westen

  13. herbert says:

    Das ist ein treffender Artikel. Unser Staat ist nach meiner Meinung zu einem DDR Ableger geworden. Einheitsparlament. Ein Kanzler der den Staat und somit die Bürger wie sein Eigentum behandelt. Fast keinerlei Opposition. Das System ist Krank. Ich möchte die Zeit gerne zurückdrehen , was leider nicht möglich ist. Wir sitzen alle auf der Titanic fest. Ende bekannt.

  14. [zensiert] says:

    ich war zur wende 14. ich gehöre heute einer generation, um die 40 jahre, an, welche die ddr durchaus positiv in erinnerung haben kann und auch darf. nichtsdestotrotz habe ich die folgenden jahre der kohlregierung als eine zeit in erinnerung, die geprägt war von politischer stringenz, parteilicher abgrenzung, politischem engagement aller beteiligten und inhaltlichen debatten. nach meinem subjektiven empfinden begann die talfahrt unseres gemeinsamen landes mit schröder und ging einher mit einem immer größer werdenden aufkommen von universal-laien (*) in der politik. rückblickend stelle ich mir manchmal die frage, wer vor 25 jahren eigentlich wen übernommen hat, wenn ich beobachten und erfahren kann, dass die brd der ddr immer ähnlicher wird.

    danke für ihre zusammenfassung.

    (*) http://www.danisch.de/blog/2015/06/13/man-soll-wahlen-ohne-eine-wahl-zu-haben/

  15. Jürg Rückert says:

    „Die Römer haben die Griechen besiegt (militärisch), die Griechen haben die Römer besiegt (geistig)“, ein Satz aus der Antike.
    „Die BRD hat die DDR übernommen, die DDR hat die BRD übernommen“, so heute

  16. djadmoros says:

    Das ist zur Abwechslung mal eine selten einseitige Perspektive bei Sciencefiles. Schließlich fallen in dieselbe Zeit seit 1989 auch Meilensteine der Globalisierung und einer Radikalisierung des Finanzmarktkapitalismus, und damit eine fortgesetzte Erosion staatlicher Souveränität im Verhältnis zu den großen Akteuren einer transnationalen Marktwirtschaft.

    Die von Ihnen beschriebene Entwicklung einer zunehmenden, ideologisch getriebenen Repression kann man nämlich dazu in Beziehung setzen, wenn man sie als politische Ersatzhandlungen versteht: gerade *weil* die staatliche Handlungsfähigkeit gegenüber marktwirtschaftlichen Akteuren immer weiter zurückgeht und dementsprechend immer weniger abzusehen ist, wie die krisenhafte Gesamtentwicklung des Kapitalismus und geordnete Bahnen gelenkt werden könnte, treten moralisch definierte Probleme an die Stelle politisch unlösbar gewordener struktureller Probleme, und zwar ganz besonders bei der Sozialdemokratie, die wirtschaftpolitische »Reformen« durchgesetzt hat, an denen die CDU gescheitert wäre.

    Gerade *weil* die Sozis wie sonst kaum jemand in die Genderthematik eingestiegen sind, können sie sich moralisch fortschrittlich und politisch handlungsfähig fühlen, *obwohl* sie Dinge wie Hartz IV und Finanzmarktliberalisierungen eingeführt haben.

    In Ihrem Blogpost zeichnen Sie das Bild eines alles erstickenden, »DDRisierten« staatlichen Leviathans, obwohl es sich ebenso gut – oder besser – als Bild eines galoppierenden staatlichen Souveränitätsverlustes gegenüber globalen Marktmechanismen zeichnen ließe. Da entsteht in mir schon der Verdacht, dass Ihr eigenes »Feindbild Staat« gelegentlich mit Ihnen durchgeht.

    • Lesen Sie den Text noch einmal, dieses Mal mit Abstand und unter Aufnahme und Verdauung der darin enthaltenen Argumente und Ihr Problem wird verschwinden. Die „Meilensteine der Radikalisierung des Finanzmarktkapitalismus“, die würden mich dann schon interessieren. Welche Meilensteine sind das? Worin besteht die Radikalisierung? Und was ist Finanzmarktkapitalismus?

    • Manfred Michael Schwirske says:

      Richtig. Aber man muss die Elemente der politischen und kulturellen Repression nicht als Ersatzhandlung verstehen. Sie folgen aus den derzeitigen Steuerungsnotwendigkeiten. Und in einer Gesellschaft, die ihre Reproduktion professionalisiert und vermarktlicht, sind familiale Elemente mindestens disfunktional. Sie werden liquidiert, sprich gegendert. Übrigens: Deregulation und Reregulation gehen doch wohl immer Hand in Hand.

    • @djadmoros

      Das ist eine selten einseitige Darstellung der Dinge, die Sie hier – zur Abwechslung oder prinzipiell, weiß ich nicht – produzieren!

      Wenn Sie ScienceFiles regelmäßig lesen (würden) und Sie auch nur die leiseste Ahnung von den Verhältnissen, der Ideologie und der Rhetorik in der DDR haben, dann wissen Sie z.B., dass der Grad des ideologischen Fortschritts (in Richtung Sozialismus, versteht sich,) stark an DER Stellung DER Frau gemessen wurde, ganz nach dem Vorbild des dilettantischen Friedrich Engels, der vom lumpigen Individuum nichts hielt und noch weniger von männlichen lumpigen Individuen, und die Erziehung samt Indoktrination von Kindern staatlich organisiert war etc. etc. etc. Ähnlichkeiten mit Genderisierung und Gender mainstreaming sind natürkich rein zufällig, oder!?

      Wie Ihr Kommentar deutlich macht, haben Sie etwas gegen den Markt, der Ihnen den Lebensstandard erlaubt, den Sie sicherlich pflegen und schätzen, aber Ihre Ablehnung von Markt und Kapitalismus rechtfertigt nicht, historische Tatsachen und Zusammenhänge anzustreiten.

      Es lässt sich trefflich darüber streiten, WAS genau WIE stark auf etwas eingewirkt hat, und es wäre interessant, dies anhand von Personen und Positionen und Netzwerken zu untersuchen, aber leider sind es solche prinzipiell ablehnenden Positonen wie Ihre, die bereits eine solche Untersuchung als eine Art Sündenfall erscheinen lassen, weshalb man auch von berufener Seite (Politikwissenschaftler allen voran!) lieber die Finger von der Thematik lässt.

      Und wenn ich dann so etwas höre wie „Souveränitätsverlus gegenüber globalen Marktmechanismen“, –

      dann kann ich Ihnen nur wünschen, dass Deutschland seine Souveränität demnächst dazu nutzt, sich aus der freien Welt, in der das Internet ohne Einschränkungen von allen Bürgern genutzt werden kann, zu verabschieden und Zugänge schließt, Inhalte kontrolliert etc. (in den USA sind solche Pläne gerade am Widerstand der Bürger gescheitert!). Dann haben Sie gute Chancen, solche furchtbar einseitigen Darstellungen wie die auf ScienceFiles nicht mehr lesen zu KÖNNEN!

      Aber egal – wenn man Ihnen das als Maßnahme gegen die „globalen Marktmechansimen“ verkauft, dann schlucken Sie vermutlich auch das ganz brav!

      Das eben ist die Irrationalität, die sich im Zuge der Ideologisierung der Republik breitgemacht hat, die wir beklagen!

  17. Also ich bin ja für mehr Regulierung. Damit die Märkte nicht mehr solche Verwerfungen durch ihre Risikotoleranz und Verantwortungslosigkeit erzeugen. Wie paßt es eigentlich in diese romantisierende Darstellung, daß Rotgrün ab 1998 die Finanzmärkte liberalisiert, die Prostitution legalisiert hat und die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homos eingeführt wurde?

    Ich freue mich auf immer mehr Regulierung, damit die Löhne hier und weltweit steigen, sich die Arbeitsbedingungen verbessern, die Umwelt stärker geschont und weniger Profit erwirtschaftet wird. Es müssen halt nur alle mitmachen, sonst startet erneut der Teufelskreis der Konkurrenz- und Profitlogik, der mit schönen Wörtern wie „Freiheit“ und „Konkurrenzfähigkeit“ bemäntelt wird.

    Fragt sich eben, was für eine Konkurrenzfähigkeit das ist.

  18. Pingback: 25 Jahre DDR 2.0 Dank Kohl und Merkel | HeinTirol's Blog

  19. Hat dies auf Gerd Schweitzer rebloggt und kommentierte:
    Wahre Worte zum Tag der deutschen Volksverarschung, der Volksverhetzung, des vorsätzlich begangenen Völkermordes der kriminellen Organisationen CDU, CSU, SPD,Grüne und FDP, der Lobbyisten, Bonzen und Bänkster und nicht uletzt der möchtegern „Beamten“.

  20. Pingback: Die stille Übernahme: 25 Jahre DDRisierung | wir gegen Hartz IV !

  21. fdominicus says:

    „Es kommt einem vor, wie eine Ewigkeit, dass auch in Deutschland der Geist der Freiheit geweht und nicht von sozialistischem Duckmäusertum und entsprechender kleingeistiger Anpassung verdrängt wurde.“

    Yepp, schreibe ich auch schon seit 8 Jahren. Hatte mir sogar mal gedacht mit der FDP könnte man dagegen halten, schön blöd‘ stehe ich damit heute da.

Bevor Sie hier kommentieren, lesen Sie bitte unser Grundsatzprogramm. Kommentare, die Beleidigungen enthalten oder lediglich gepostet wurden, um sich zu erleichtern, wandern direkt in den virtuellen Mülleimer

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s