Zeitungs-GEZ: Warum der deutsche Journalismus in der Krise ist

Sinkende Auflage, sinkendes Vertrauen zu Medien und ein scheidender Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbands (DJV) – was braucht es noch zu einer hausgemachten Katastrophe?

Ein Interview!

Michael Konken, die scheidende DJV-Vorsitzende, er hat es gegeben, das Interview. Kress.de hat er geantwortet und dabei den Eindruck erweckt, dass er ein paar Entwicklungen, die sich über die letzten Jahrzehnte ereignet haben, nicht mitbekommen hat.

Hier ein paar Ausschnitte aus dem Interview:

DJV“kress.de: Wo werden der DJV bzw. der Journalismus in zehn Jahren stehen?
Michael Konken: Das wichtigste Thema wird aus meiner Sicht die Finanzierung des Journalismus werden. …
kress.de: Was heißt das konkret? Wie soll diese Finanzierung aussehen?
Michael Konken: Wir werden ein ähnliches Modell wie bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten brauchen. Ich halte es für realistisch, dass eine Haushaltsabgabe für Zeitungen, egal ob sie als Printprodukte oder online erscheinen, eingeführt wird.”

GEZ für das Naumburger Tageblatt und den Schwarzwälder Boten, die Augsburger Allgemeinen Abgabe, der der Münchner Merkur Cent und das Süddeutsche Almosen. Michael Konken hat wirklich Humor oder er beweist, dass er die Grundlage der Marktwirtschaft nicht verstanden hat: Wenn ein Produkt nicht mehr nachgefragt wird, weil es uninteressant geworden ist, dann hilft es auch nichts, staatliche Subventionen einzuführen, um dieses Produkt künstlich am Leben zu erhalten. Wozu? Für wen? Für die 36000 verbliebenen Mitglieder des Deutschen Journalistenverbandes?

Wie schnell es heutzutage geht, dass Interessenvertreter wie Michael Konken ihre Finger nach dem Geld von Steuerzahlern ausstrecken, ihnen verordnen wollen, was in ihrem Interesse sei und wofür sie deshalb zur Kasse gebeten werden müssen, ob sie es nachfragen oder nicht.

Warum auch nicht? Erklären wir Zeitungen zum Kulturgut, machen BILD, ZEIT, Welt, WAZ, Freie Presse, Leiziger Volkszeitung und Dresdner Neueste Nachrichten zum kulturellen Deutscherbe, schon weil die SPD an den meisten davon einen Anteil hat. Schon kann man begründen, warum Zeitungen, die offensichtlich immer weniger lesen wollen, von allen Steuerzahlern und gerade von denen, die sie nicht lesen wollen, bezahlt werden müssen.

Seit die DDR untergagengen ist, will die Klassiker des Marxismus-Leninismus auch niemand mehr lesen. Wie wäre es mit einer entsprechenden Druck-Abgabe oder der Verpflichtung, mindestens einen Band der sozialistischen Hochkultur pro Jahr zu erwerben? Nennen wir das den sozialistischen Kultur-Buchclub.

Betrachtet man diesen Vorschlag, einer staatlich geregelten Finanzierung von Zeitungen, mit etwas Abstand, dann wird die ganze Erbärmlichkeit von Vertretern einer Zunft offensichtlich, die die Zeit überholt haben.

Nun stehen sie da, und versuchen aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist, denn es gibt zu viele Quellen der Information, die den Printmedien längst den Rang abgelaufen haben. Die Bloggosphere ist nur ein Beispiel dafür. Aber, Journalismus-Lobbyisten wie Konken sind auch selbstkritisch. Damit der Vertrauensverlust in Medien und Journalismus behoben werde, müsse man “wieder wahrhaftiger … berichten” [Was auf der Prämisse basiert, dass derzeit nicht wahrhaftig berichtet wird – Lügenpresse?]. Man müsse “Journalismus so … betreiben, wie wir das alle einmal gelernt haben”. Die Glaubwürdigkeit wird wiedergewonnen, so meint Konken, “[i]ndem wir die Qualität hochhalten” und außerdem haben Journalisten “eine Kontrollfunktion für die Öffentlichkeit wahrzunehmen”.

Da hat er Recht der Herr Konken. Zeitungen hätten eigentlich eine Kontrollfunktion gegenüber der Politik und dem Staat wahrzunehmen (gegenüber dem Staat, bei dem sich Konken in der Hoffnung auf den Zeitungs-Cent scheinbar andienen will) Falls Sie es also noch nicht bemerkt haben, die Ostseezeitung hat eine Kontrollfunktion und die Märkische Allgemeine, die Rheinpfalz und der Mannheimer Morgen, sie haben eine Kontrollfunktion. Das zeigt sich täglich daran, dass identische Texte, von dpa zugeschickt, die Seiten der Zeitungen ziehren.

Und dann tut Konken noch etwas dafür, die Glaubwürdigkeit des deutschen Journalismus zu beseitigen. Es liest sich so:

“Der Begriff ‘Lügenpresse’ ist üble Hetze [obwohl er selbst der Ansicht ist, man müsse wieder “wahrhaftiger” berichten], aber es gibt auch bei anderen Bürgern, die nicht den Pegida-Rattenfängern auf den Leim gehen, ein Unbehagen an manchen Veröffentlichungen. Wir müssen das als Warnung verstehen und verstärkt daran arbeiten, wieder wahrhaftiger zu berichten” [also doch Lügenpresse].

Es ist natürlich üble Hetze, Bürger als Deppen zu diffamieren, die Rattenfängern auf den Leim gehen, so wie es üble Hetze ist, die Pegida samt und sonders als Rattenfänger zu diffamieren. Entsprechend hat er recht, der Herr Konken, Lügenpresse ist insofern falsch, als Lügenpresse unvollständig ist. Erst mit dem Zusatz Diffamierungspresse ist Lügenpresse richtig!

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