“Alki Alki” – Die Drogenbeauftragte macht Kino

Manche trinken und manche kiffen?
Wir können es verstehen – Sie auch gleich, wetten?

Alki AlkiAm 12. November ist Kinostart. “Alki Alki”, so der Titel, der nicht einmal einen schlafenden Hund hinterm Ofen hevorlockt. Alki Alki, das ist preisgekröntes deutsches Kino. “Besonders wertvoll” sei der Film, sagt die Deutsche Film- und Medienbewertung, und zur Premiere hält die Drogenbeauftragte des Bundes, die Drogenbeauftragte halt, deren Namen uns gerade vor Aufregung entfallen ist, die Laudatio auf Alki Alki. Die Fans stehen schon jetzt Schlange – im Nachbarkino…

Wenn ein Film preisgekrönt ist, dann ist Vorsicht geboten. Ein preisgekrönter Film, das ist mit Sicherheit ein politisch korrekter Film, schon weil er ansonsten nicht mit Fördergeldern des Bundes finanziert worden wäre, kein aufrührerischer, kein innovativer und kein interessanter Film, ein Mainstream-Film, ein Langweiler – unbesehen!

Aus der Beschreibung der Drogenbeauftragten:

“Tobias (Heiko Pinkowski) und Flasche (Peter Trabner) sind seit ihrer Jugend Freunde fürs Leben. Tobias steht in der Blüte seines Lebens, hat Familie und trägt Verantwortung. Trotzdem scheint er nicht erwachsen zu werden, rockt mit Flasche die Diskotheken und feiert mit Leuten, deren Vater er sein könnte. Doch die unbeschwerte Leichtigkeit der Jugendlichkeit ist längst verflogen. Tobias gerät zunehmend mit seiner Frau Anika (Christina Große), den drei Kindern und seinem Kompagnon Thomas (Thorsten Merten) in Streit.

Er verliert seinen Führerschein, Aufträge im Büro, das Liebesleben mit seiner Frau und die Freude an seinen Kindern. Als er einen Autounfall baut, der beinahe das Leben seiner Kinder kostet merkt Tobias Stück für Stück, dass ihm die Freundschaft zu Flasche nicht gut tut und dass es nun an der Zeit ist, sich zu trennen. Doch als Tobias zu dieser Erkenntnis kommt, ist es lange schon zu spät. Tobias kann Flasche nicht loswerden. Also dreht sich die mörderische Spirale weiter.

Solange, bis es dreckig wird.”

Alki Alki!

Die Blüte des Lebens, sie sieht Familie, drei (!sic), drei Kinder, also mehr als zur gesellschaftlichen Reproduktion notwendig, drei Kinder hat Tobias und Bildung, denn sonst wäre er nicht Bauingenieur geworden (das steht an anderer Stelle). Was will Tobias mehr? Frau, Kind, Kinder, drei davon, Beruf, Verdienst, Steuern zahlen, Blüte des Lebens?

Warum setzt er sich nicht im Sessel vorm Fernsehen zur Ruhe und läßt den lieben Gott einen guten Mann sein?

Nein, er muss sich amüsieren, mit Amusements, die kulturell nicht für ihn vorgesehen sind. In die Diskothek geht man, bevor man Kinder in die Welt setzt, nicht danach. Umgang mit Jüngeren ist auf die eigenen Kinder beschränkt! Und schon gar nicht geht man ohne seine Frau irgendwo hin: Nie sollst Du als verheirateter Ehemann Dich der Ehefraulichen-Kontrolle über Dein Leben entziehen. Wer weiß, was dann passiert.

Der Film “Alki Alki” und sein Macher, Axel Ranisch, sie wissen, was dann passiert: Wer Kinder und Frau zuhause lässt und in die Diskothek geht, der fängt an zu trinken, wird Alkoholiker, vertrinkt sein Leben und landet ganz unten in der Gosse.

Dabei hat er doch Verantwortung übernommen, der Tobias, drei Kinder und Frau, das ist Verantwortung. Aber er trinkt. Obwohl er Bauingenieur ist. Was wäre das Leben schön, würde er nicht trinken. Familienausflüge am Wochenende zum Kinderfest, Kaffee mit Freunden auf der Tafel mitten im gemähten Feld, und Frau Antje bringt Käse aus Holland. Und unter der Woche: bauingenieuren, abends mit den Kindern spielen, Tagesschau sehen und sich als guter Deutscher fühlen, die Regierung wählen und schlafen gehen. So schön wäre das Leben.

Nichts außer der Reihe, nichts Besonderes, alles geregelt, geplant und vorherbestimmt, bis zur Höhe der Rente, Zukunft mit Rechenschablone. Aber natürlich ist Tobias der verantwortliche Ehemann und Vater dreier Kinder jederzeit frei, sein Leben aktiv zu gestalten: als Mitglied im Heimatverein, als bürgerlich Engagierter, freiwilliger Helfer oder als Sponsor des lokalen Sportvereins, alles vorgegeben und so, wie es Millionen bereits vor ihm, ohne zu murren getan haben.

Gemurrt wird nicht, im Land der Deutschen. Hier wird Verantwortung übernommen, also Kinder in die Welt setzen und zuhause sitzen.

Wundert sich noch jemand, dass Tobias trinkt, viel trinkt, so viel trinkt, dass ihm sein Leben wieder interessant und spannend vorkommt, er nicht das Gefühlt hat, sein Leben sei vorbei noch ehe es angefangen hat?

Die triste Wirklichkeit hat längst Einzug in das Kino gehalten, niemand kann dem, was als Normalität für ihn vorgesehen ist, entkommen, es sei denn, er trinkt sich ins Delirium.

Prost!

Früher haben sich Soziologen einmal mit Fragen der gesellschaftlichen Normalität befasst. Früher haben sie untersucht, mit welchen Mitteln diejenigen, die ein Interesse daran haben, dass Menschen ihre Freiheit aufgeben und das tun, was ihnen als Übernahme von Verantwortung vorgegaukelt wird, eben diese zu manipulieren versuchen.

Früher!

Heute sind die meisten Soziologen zu angepassten Langweilern geworden, deren Ideen bestenfalls dazu ausreichen, das Drehbuch zu Filmen wie Alki Alki zu lesen.

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Angeblicher Mainzer Politikwissenschaftler über “ostdeutsches Pack”

Akademisierte Beleidigung – diesen Begriff haben wir geprägt, um Denunziation, Beleidigung, zuweilen auch Diffamierung, die von angeblichen Wissenschaftlern vorgetragen und im Zusammenhang mit einer angeblich wissenschaftlichen Argumentation vorgebracht werden, zu bezeichnen.

Mielke nicht stasiGerd Mielke, von dem der SWR behauptet, er sei Politikwissenschaftler, ist einer derjenigen, der sich in akademisierter Beleidigung übt. Er scheint die neue Forschungsrichtung der “Packologie – angewandte akademisierte Beleidigung” begründen zu wollen. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck auf, wenn man sein Interview mit dem SWR liest.

Wie fast immer kommt die akademisierte Beleidigung auf Basis einer doch sehr einfachen und insofern (nur?) primitiv zu nennenden Weltsicht daher.

Die Weltsicht von Gerd Mielke, sie ist wie folgt:

  • Es gibt in Deutschland ein Schmuddel- und Packlager, also Existenzen, die keinerlei Berechtigung haben, in Deutschland überhaupt zu existieren, wie man formulieren könnte.
  • Dieses Schmuddel- und Packlager, es besteht aus Rechten.
  • Die Rechten aus dem Schmuddel- und Packlager, sie haben in der Vergangenheit DVU und Republikaner gewählt.
  • Die AfD ist eine honorige und eine schmuddelige Partei. Honorig sind Professoren wie Bernd Lucke, schmuddelig sind fast alle, die nach Austritt der Lucke-Garde noch in der AfD verblieben sind.
  • Pegida, das ist “Pack”, ganz großes und vor allem “ostdeutsche Pack”. Man kann davon ausgehen, dass der angebliche Politikwissenschaftler Mielke, die Formulierung “Pack” mit Bedacht gleich mehrfach gewählt hat, und auch dazu steht, was die generelle Bezeichung aller Pegida-Teilnehmer als “ostdeutsches Pack” justiziabel macht, sofern jemand den Packologen aus Mainz vor Gericht herausfordern will.
  • Die AfD überlappt zu sehr mit der Pegida, deshalb ist auch die AfD Pack.

Nun, da wir das Feindbild dieses “Mainzer Politikwissenschaftlers” zusammengetragen haben, stellt sich die Frage, wie man mit dem ostdeutschen Pack und der zugehörigen Packpartei umgehen soll. Auch hier weiß der Mielke Rat:

“Im Gegenteil, man sollte auf eine konsequente Einschüchterung des “Packs” durch eine konsequente Kriminalisierung setzen, eine Strategie, die zumindest die AfD und die Pegida von ihren autoritären Mitläufermassen trennen würde. These: Wenn sich die Mengen von rechtsaffinen Kleinbürgern in Dresden in einem dreistündigen Polizeikessel erst alle mal in die Hose gepinkelt haben und abschließend mit Wasserwerfern traktiert wurden, dann haben sie für eine geraume Weile genug vom Demonstrieren.”

Nun ihr rechtsaffinen Kleinbürger aus Dresden, ihr ostdeutsches Pack, wie fühlt ihr Euch nach dieser Analyse eines angeblichen Politikwissenschaftlers, der an der Universität Mainz Honorarprofessor spielen darf?

Eingeschüchert?
Verärgert?
Entrüstet?
Voller Mitleid?
Geschockt?

Wir haben die Passage mehrmals gelesen, um sicherzustellen, dass Gerd Mielke auch gesagt hat, was wir glauben, dass er gesagt hat: Gerd Mielke schlägt also vor, dass man das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit dann, wenn es von denen genutzt wird, die er als Rechte ansieht, aussetzt und durch das ersetzt, was man Polizeirecht nennen kann, Polizeirecht, wie es z.B. aus dem Chile des General Pinochet, aus China unter Mao, dem Russland Stalins oder dem Kuba von Fidel Castro bekannt ist: Wer dem System nicht genehm ist, der wird vom System gedemütigt, einkassiert und so traktiert, dass er sich nicht mehr traut, seine vermeintlichen Grundrechte wahrzunehmen – sofern er mit dem Leben davongekommen ist.

Man kann nur hoffen, dass Gerd Mielke dann, wenn er auf diese Passage angesprochen wird, mildernde Umstände für sich geltend machen kann, z.B. wegen zeitweise kompletter Vernebelung des Geistes (zum Beispiel als Folge von zu viel Alkohol).

Was jedoch nicht geht, ist jemanden, der sich so offensichtlich als Feind der offenen Gesellschaft erweist, jemanden, der nicht in der Lage ist zu begreifen, dass die Freiheit, die er anderen gerade aberkennen will, die Freiheit ist, von der er erwartet, dass man sie ihm zugesteht, dass ein solcher anti-liberaler und anti-demokratischer Geist als Politikwissenschaftler bezeichnet wird.

Gerd Mielke ist kein Politikwissenschaftler. Er hat Geschichte und Anglistik studiert. Er hat über zwölf Jahre seines Lebens als politischer Beamter in der Staatskanzlei in Mainz gewirkt, wie, das kann man sich nach diesen Ausführungen lebhaft vorstellen. Als er 2004, im Alter von nunmehr 57 Jahren aufs Altenteil geschickt wurde, wurde er postwendend zum Honorarprofessor an der Universität Mainz ernannt.

Zufälle gibt es.

Ein Honorarprofessor, das ist kein ordentlicher, sondern ein ernannter Professor. Wie es der Zufall so will, kann der Dienstherr von Gerd Mielke, der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Honorarprofessoren bestellen.

Zufälle gibt es:

Paragraph 62 des Hochschulgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz lautet:
(1) … der Ministerpräsident kann Personen, die an der Hochschule lehren, ohne dort in der Lehre hauptberuflich tätig zu sein, und aufgrund ihrer wissenschaftlichen oder künstlerischen Leistungen die Voraussetzungen für die Einstellung … Professoren erfüllen (§ 49), auf Vorschlag der Hochschule zu … Honorarprofessoren bestellen. § 61 Abs. 1 gilt entsprechend.

Das also ist der Werdegang des “Politikwissenschaftlers” Mielke, der nach seiner politischen Karriere das Altenteil an der Universität Mainz bezogen hat. Und von dort aus predigt er nun seine neue Lehre, seine Packologie, eine neue Form des antidemokratischen Denkens, die in einer verbalen Gewalttätigkeit daherkommt, die es allemal mit den Rechten, die Mielke angeblich bekämpfen will, aufnehmen kann.

Es ist sehr traurig zu sehen, wer heute alles als Politikwissenschaftler bezeichnet wird. Der Niedergang einer Profession in der öffentlichen Wahrnehmung, ausgelöst durch Personen wie Mielke, ist bedrückend, vor allem wenn man weiß, dass die deutsche Politikwissenschaft auf dem Weg zu einer empirischen Wissenschaft war, in der u.a. aus Theorien des politischen Handelns, Hypothesen abgeleitet und geprüft wurden.

Die Zeiten der Klingemanns, Kaases und Niedermayers, der Mintzels, von Beymes und Gabriels, sie scheinen vorbei zu sein. Die heutige Politikwissenschaft wird in der Außenwahrnehmung von Personen bestimmt, die auf Grundlage von keinerlei Erkenntnis wilde Behauptungen aufstellen und akademisierte Beleidigungen, die der eigentliche Inhalt sind, den sie transportieren wollen, in pseudo-wissenschaftliches Geschwätz verpacken. So wie dies auch Gerd Mielke tut, der die Forschung von Wilhelm Heitmeyer dazu missbraucht, seine wilden und falschen Thesen darüber, wie Stress dazu führt, dass deprivierte Menschen zu ostdeutschem Pack werden, zu verbreiten.

Erich Mielke StasiDass Pegida gerade und überwiegend aus wohlsituierten und fern jeder ökonomischen Deprivation lebenden Personen besteht, interessiert ihn dabei nicht. Er will das “ostdeutsche Pack” beleidigen, das Pegida ist und die AfD damit verbandeln. Das hindert ihn indes nicht daran, gerade dieses “ostdeutsche Pack” für seine politische Agenda zu benutzen, wenn er wohlfahrtsstaatliche “Stress-Milderung” und einen Ausbau des “zurückgebauten Staates” fordert, um die Deprivierten, die es nach seiner Ansicht bei Pegida gibt, zu entstressen und daran zu hindern, als “ostdeutsches Pack” durch die Straßen Dresdens zu ziehen.

Wer solche angeblichen Politikwissenschaftler auf Studenten loslässt, der muss sich nicht wundern, wenn ganze Fachbereiche vor die Hunde gehen.

In der Stasi-Mediathek findet sich ein interessantes Schreiben eines anderen Mielkes, eines Erich Mielkes, dem Mielke, der das Ministerium für Staatssicherheit in der DDR geführt hat. Darin begrüßt Erich Mielke das entschlossene Eingreifen der chinesischen Sicherheitskräfte gegen die Studenten auf dem Tiananmen Platz in Peking. Vermutlich ist es diese Art des Vorgehens ist, die Gerd Mielke vorschwebt, wenn er dafür plädiert, das ostdeutsche Pack dazu zu bringen, sich in die Hosen zu machen.

Werner Patzelt hat sich mit der “eher verkürzten Sicht auf Pegida” des “Mainzer Kollegen Mielke” beschäftigt.

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