Reines deutsches Liedgut vom unbedenklichen Sänger

Wer der internationalen Presse folgt, der erlebt derzeit, wie aus Xavier Naidoo wahlweise ein antisemitischer Singer wird (Arutz Sheva), ein homophober Sänger (Japan Times) oder ein Sänger, dessen Texte Juden verspotten (The Telegraf).

Immer mit von der Party, wenn es darum geht, Naidoo zu diskreditieren, ist Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung:

“I find his nomination problematic,” agreed Anetta Kahane of the Amadeu Antonio Foundation. “I know him personally. He is a nice guy. But this is not enough. He has to address the discrepancy between who he is and what he writes.”

Naidoo_So einfach ist es in den Kreisen der politisch Korrekten, einen Sänger, den man angeblich persönlich kennt, zu diskreditieren. Wir kennen Kahane nicht persönlich, finden die Art und Weise, wie sie als Justitia der politischen Korrektheit aufzutreten können glaubt, ausgerechnet sie, die eine Geschichte, eine IM-Geschichte mit der Stasi hat, bei der bereits in der Vergangenheit mehrere persönliche Bekannte von Kahane auf der Strecke geblieben sind, problematisch.

Aber scheinbar spricht es sich dann besonders gerne von Moral und scheinbar sonnt man sich selbst besonders dann gerne im Heiligenschein der eigenen Moralität, wenn man bereits bewiesen hat, was man von Moral hält. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich bekanntlich völlig ungeniert.

Wir wollen die Groteske um Xavier Naidoo heute zum Anlass nehmen, um uns der Angelegenheit aus ethnomethodologischer und somit verfremdeter Perspektive zu widmen.

Zunächst zu den Anklagepunkten:

  • “Am Tag der Deutschen Einheit 2014 sprach er vor rechtspopulistischen Reichsbürgern, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen.”
  • “2012 löste der Text des Liedes “Wo sind sie jetzt” von Naidoo und Kool Savas Empörung aus. Dort geht es in sehr vulgärer Sprache um Kindermorde, einige Passagen wurden als schwulenfeindlich kritisiert, Homosexuelle würden mit Pädophilen gleichgesetzt.”
  • Schließlich singt Naidoo von  Baron Deadschild und benutzt das jiddische Wort “Shmock”, dessen Bedeutung sich niemand zu benennen traut… es ist halt vulgär.

Was ist von den Anklagepunkten zu halten?

  • Mit seiner Rede nimmt Naidoo die bürgerlichen Rechte wahr, die jeder Bürger im Grundgesetz garantiert bekommen hat. Wer daran Anstoß nimmt, hat ein Problem mit Meinungsfreiheit und sollte nach Venezuela ausreisen.
  • Was ist aus der vielbeschworenen künstlerischen Freiheit geworden? Gilt die entsprechende Freiheit, in Liedtexten nur dann, wenn sich Beleidigungen an die richtige Adresse richten, wie z.B. im Lied “Sie brauchen keinen Führer” von Udo Lindenberg?:
    “Nein, sie brauchen keinen Führer,
    nein, sie können’s jetzt auch alleine
    nein, sie brauchen ihn nicht mehr
    diese neuen Nazi-Schweine”

Wie gewöhnlich reduziert sich die ganze Gutmenschen-Aufregung auf die Fragen: Wer bestimmt, was als künstlerische Freiheit gilt? Wer definiert das politisch Korrekte? Wer bestimmt, was Meinungsfreiheit umfasst?

StasiWie gewöhnlich, so bleibt auch dieses Mal die Meinungsfreiheit auf der Strecke, denn man kann Freiheit nicht nach erlaubtem oder unerlaubtem Gebrauch differenzieren. Das tun nur diejenigen, die wie Kahane eine Diktatur der Gutmenschen einführen wollen, in der Freiheit genau auf der Parzelle möglich ist, die von den Gesinnungswächtern für Meinungsfreiheit freigegeben wurde.

Und wieso eine Kultur, die kein Problem damit hat, einem Transvestiten und seinem Lied zuzujubeln, ein Problem damit hat, einem mixed Sänger zuzujubeln, der in der Vergangenheit seine Bürgerrechte wahrgenommen und ein par explizite Liedtexte gemacht hat, die einem nicht gefallen müssen, die man sich nicht einmal anhören muss, das sind Fragen, die nur die Gutmenschen beantworten können, die angetreten sind, die Welt von unautorisierter Wahrnehmung der Meinungsfreiheit zu reinigen.

In jedem Fall kann man feststellen, dass es in Deutschland eine Anzahl von Personen gibt, die sich langweilen, und die nichts anderes mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als sich z.B. auf Sänger zu stürzen, denen sie einen Fehltritt in der Vergangenheit nachweisen zu können glauben. Dass die Stasi abgeschafft wurde, ist angesichts von Stiftungen wie Amadeu Antonio kein Wunder. Die Stasi ist einfach überflüssig geworden.

“Der Eurovision Song Contest ist ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen. Dieser Charakter muss unbedingt erhalten bleiben.” Das sagt der ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Und gerade wenn dem so ist, hätten Schreiber und der NDR an Naidoo festhalten müssen und sich nicht politischem und ideologischem Druck der auf einem genetischen Fehlschluss basiert, beugen dürfen, denn nun ist klar: es geht in jedem Fall um Politik und um Ideologie und nicht um ein fröhliches Event der Völkerverständigung, denn wäre dem so, das Lied wäre wichtig, die Qualität der künstlerischen Darbietung und nicht die moralische Integrität oder die beanstandungsfreie Vergangenheit des Sängers.

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