Neue Wissenschaft: Butterologie – Fettforschung

Persönlichkeitspsychologie?

Neurologie?

Sozialpsychologie?

Soziologie?

Schnickschnack!

Wer wird sich mit diesen absterbenden Wissenschaften beschäftigen, wenn es neue, aufstrebende und vielversprechende Wissenschaften gibt, wie die Butterologie.

Die Butterologie, sie wurde von Arla Kærgården® in Auftrag gegeben.

ArlaDas Marktforschungsinstitut rheingold salon hat die Butterologie im Auftrag von Arla Kærgården® erfunden und gleich noch eine eigene butterologische Methode entwickelt: tiefenpsychologisch-repräsentative Studien.

Wie man sich die Masseninterviews auf der Couch vorstellen muss, das verraten die Mannen von rheingold salon natürlich nicht. Nur soviel: Es werden 6 dreistündige rheingoldGroups® durchgeführt, nicht irgendwo, nein in Hamburg, Dresden und Köln. Warum nicht Mainz, Würzburg und Rostock? Keine Ahnung, vermutlich sind die Hamburger, Dresdener und Kölner tiefenpsychologisch repräsentativer.

48 Teilnehmer hatten die 6 dreistündigen rheingoldGroups®, und anschließend wurden noch 1.000 Personen quantitativ befragt. Gruppeninterview plus quantitative Befragung macht: eine “tiefenpsychologisch-repräsentative Studie”. Wer das für absoluten und vollkommenen Quatsch hält, und auch mit noch so großer Anstrengung nicht zu einem anderen, einem sozial-verträglicheren Wort als Quatsch gelangt, der hat sein Brot ohne die Butter bestrichen, die man bei rheingold salon an Arla Kærgården® verkauft und von der man behauptet hat, es sei Nutella.

Doch zurück zu den 1000 quantitativ Befragten und den 48 in Gruppen erdiskutierten Tiefenpsychologien, sie, die sie die neue Methode der Butterologie begründen, sie haben zu einer Vielzahl von Ergebnissen geführt.

ButtersoehnchenHalten Sie sich fest, denn was nun kommt, das wird Ihre Welt völlig auf den Kopf stellen. Es sind dies die repräsentativen Ergebnisse einer tiefenpsychologischen Studie, 48 repräsentative Gruppendiskutierer, 1000 Befragte und ein gutgläubiger oder ahnungsloser oder dummer Auftraggeber sind ausreichend, um diese Methode der Butterologie zu begründen und revolutionäre Ergebnisse zu erzielen:

Die “wirklichen Gründe, warum wir Butter oder Margarine essen, liegen oft in unserer Kindheit verwurzelt.”

Bestimmt haben Sie gedacht, de gustibus non est dispudandum, aber dem ist nicht so, denn der Geschmack, er wird in der Kindheit verwurzelt, und von wem?

Von der Mama oder der Großmama:

“Butter-Mutter: Butter verkörpert ein nahezu ideales Familienbild. Butterliebhaber hatten oder wünschen sich enge Familienbindungen.”

Die richtige Familie sie ist streichzart, nicht zu hart, muss gekühlt gehalten werden, wird zuweilen ranzig und macht ansonsten fett, wenn man zuviel davon bekommt.

Was, wenn die “Butter-Mutter” kein Interesse an der festen Familienbindung hat, trotz Butter? Na, dann nimmt man halt die Großmutter: “Dann orientieren sie sich oftmals an der Großmutter als ‘idealisiertes Familienbild'”.

Butteresser sind also Familienmenschen, was die unglaublich spannende Frage aufwirft, was das Essen von Margarine über den Esser aussagt:

“Margarine-Mama: Margarinenliebhabern ist nicht selten das Butterideal und die damit einhergehende enge Familienbindung zu eng. Margarine hilft, eigene Wege zu gehe, sich von aus ihrer Sicht veralteten und verkrusteten Idealen zu lösen.”

Die Margarine, diese verschlagene Öl- und Wassermischung, sie hat also die Zersetzung von fest gebundenen Familien und die Zerstörung der Butterseligkeit in trauter Familie, die natürlich nur aus der Butter-Mama besteht, der Bier-Papa kommt nicht vor, zum Ziel. Wehret den Anfängen kann man da nur sagen: Esst keine Margarine, Margarine zerstört soziale Bindungen, Margarine ist a-sozialer Brotaufstricht.

Indes, Margarine löst verkrustete und veraltete Ideale. Das klingt gut, und zeigt: Ohne Margarine kein Fortschritt, mit Butter kein Fortschritt.

Ein Dilemma, dem man als Verbraucher schutzlos ausgeliefert ist. Isst man Butter, dann kommt die Butter-Mama oder die Großmama und etabliert Familienbindungen, isst man Margarine, dann gibt es weder Verkrustetes noch Veraltetes, aber auch keine Butter-Mama.

Dieses inhärente Dilemma der Butterologie, rheingold salon hat es gelöst, auf bauernschlaue Weise und durch Mischen:

“Die Menschen, die Mischfette aus bester Butter und wertvollem Rapsöl verwenden (z.B. Arla Kærgården®), haben das Gefühl, eine eigene Lösung gefunden zu haben. Sie können Traditionen fortsetzen und gleichzeitig neue Wege gehen. Das geht auch einher mit dem Trend zu festen und gut geschmierten Bindungen.”

Dieser repräsentativ, tiefenpsychologische Unsinn, der 1000 Befragte in einer quantitativen Befragung vermutlich hat am Verstand von Marktforschern zweifeln lassen, er hat Arla Kærgården® mit Sicherheit eine Stange Geld gekostet. Und zur Belohnung wissen sie nun, dass 66% aller Kinder, deren Eltern auch Butter verwendet haben, Buttersöhnchen sind.

Wir haben revolutionäre Erkenntnisse versprochen, und hier sind sie:

  • Keine Forschung scheint dumm genug, als dass man sie nicht einem Manager verkaufen könnte.
  • Sobald man das Wörtchen “repräsentativ” fallen lässt, kann man jeden Unsinn für teures Geld verkaufen, selbst repräsentativ tiefenpsychologische Gruppeninterviews.
  • Der Tag, an dem Marktforscher sich der Methoden der empirischen Sozialforschung und statistischer Methoden bemächtigt haben, er war ein schwarzer Tag, the day reason died.

Warnhinweis: Wer Produkte von Arla kauft, finanziert damit Unsinn.

Verarbeitet haben wir: ‘Mischen’ possible – das Beste aus zwei Welten / Die tiefenpsychologische Arla Kærgården® Studie (FOTO)

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Irrationales Weltbild: Von genderistischen Schöpfungsmythen – Ein Exklusivinterview mit Ulrich Kutschera

Ulrich Kutschera hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Verteidiger von Rationalität und Wissenschaft gemacht. Wer für Rationalität kämpft und Wissenschaft als rationale Methode zur Gewinnung von Erkenntnis betrachtet (und was sollte sonst der Unterschied zu Willkür und Ideologie sein?), der stolpert über kurz oder lang über Kreationismus und Genderismus. Beides sind Anschläge auf die Rationalität und Versuche, den Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft hinter Aristoteles zurückzudrehen.

Ulrich Kutschera ist einer der wenigen deutschen Wissenschaftler, die sich gegen den Einbruch dieser Irrationalität in die Wissenschaft wehren, und er ist der einzige deutsche Wissenschaftler, der bislang den Mut hat, darauf hinzuweisen, dass Kreationismus und Genderismus aus der selben Wurzel der Irrationalität wachsen.

Wir freuen uns an dieser Stelle den ersten Teil eines Interviews wiederzugeben, das wir mit Ulrich Kutschera geführt haben. Der zweite Teil folgt im Neuen Jahr. Es gibt also schon einen Grund, auf das Neue Jahr gespannt zu sein.

ScienceFiles: Herr Kutschera, vielen Dank, dass Sie ScienceFiles ein Exklusivinterview geben. Für die Leser, die Sie nicht kennen, möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen: Wie sind Sie institutionell angebunden? Was lehren und forschen Sie?

U.KutscheraUlrich Kutschera: Ich habe eine biologische Doppel-Karriere durchlaufen. Während meines Biologie/Chemie-Studiums an der Universität Freiburg waren meine Schwerpunkte Evolution und Physiologie der Organismen. Meine erste Abschlussarbeit habe ich dann auch auf dem Gebiet der Zoologischen Systematik/Evolutionsforschung verfasst und mit der Entdeckung einer neuen Egel-Art (1981), die erst seit 2005 als invasive, weltweit verbreitete Spezies international bekannt geworden ist, meine wissenschaftliche Laufbahn begründet. Danach bin ich in die Pflanzenphysiologie gewechselt. An der Uni Freiburg waren das damals inhaltlich wie räumlich zwei völlig getrennte Welten, und habe mich dort weiterqualifiziert (Dr. rer. nat.). Nach Forschungsaufenthalten an der kalifornischen Stanford University sowie der Michigan State University habe ich mich an der Universität Bonn habilitiert und wurde kurz danach, im Alter von 37 Jahren, auf eine C4-Professur berufen (Universität Kassel). Seit über 30 Jahren publiziere ich auf mehreren Gebieten, angefangen von der Zoologie (Sexualverhalten/Evolution aquatischer Anneliden) über die Mikrobiologie (epiphytische Bakterien), der Entwicklungsphysiologie und Evolution der Pflanzen (u. a. Phytohormon-Wirkungen) bis zu evolutionstheoretischen Veröffentlichungen. Seit rund 10 Jahren bin ich zeitweise wieder dort zurück, wo meine unabhängige Karriere begonnen hatte: In Stanford, Kalifornien, wo ich an einem Forschungsinstitut einen Laborbereich leite, mit eigenen physiologisch/molekularbiologischen Projekten. Zusätzlich arbeite ich seit 2009 als Visiting Scientist an der University of California/Berkeley mit einem zoologisch/entwicklungsbiologischen Schwerpunkt.

ScienceFiles: Sie haben sich in der letzten Zeit als Kritiker des Genderismus und der Gender Studies einen Namen gemacht und diese mit dem Kreationismus verglichen. Wie definieren Sie Kreationismus?

Ulrich Kutschera: Seit Jahren werde ich immer wieder gebeten, nicht nur den Kreationismus, d. h. den auf biologische Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben kritisch zu analysieren, sondern auch die Gender Studies unter die Lupe zu nehmen. Wie ich in einigen Beiträgen dargelegt habe, ist der Genderismus, wie der wörtlich verstandene Schöpfungsglaube, ein pseudowissenschaftliches Gedankenkonstrukt ohne faktische Grundlage.

ScienceFiles: Wo sind die Gemeinsamkeiten von Kreationismus und Genderismus?

Kutschera-end-utb.jpgUlrich Kutschera: In meinem aktuellen Lehrbuch “Evolutionsbiologie. Ursprung und Stammesentwicklung der Organismen (2015)” habe ich in zwei Kapiteln die Strategien und Argumente der Kreationisten beschrieben. Basierend auf den in Kapitel 1 bis 10 dargelegten evolutionsbiologischen Fakten sind dann die teilweise recht geschickt formulierten Anti-Evo-Argumente Punkt für Punkt zurückgewiesen worden. Bis heute hat mir noch niemand unterstellt, diese Widerlegungen wären fehlerhaft.

Vertreter der Gender-Ideologie glauben an eine geschlechtsneutrale menschliche Geburt mit anschließender Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung – biologische Fakten zählen nicht, evolutionär herausgebildete Unterschiede zwischen Mann und Frau werden ignoriert, sodass von einem genderistischen Schöpfungsdogma gesprochen werden kann. Anstelle der erschaffenen Grundtypen lesen wir dementsprechend von „sozial konstruierten Unisex-Menschen“. Derartige Thesen findet man bei der kritischen Durchsicht einschlägiger Schriften zur Verbreitung der Gender-Ideologie. Genau wie Kreationisten leugnen Anhänger des Gender-Glaubens somit biologische Tatsachen bzw. pervertieren diese, sodass sie dann in ihr irrationales Weltbild passen.

ScienceFiles: Ein aktuelles Thema, das Ihnen derzeit sehr am Herzen liegt, ist der wachsende Einfluss von Kreationismus in Evangelischen Bekenntnisschulen. Was hat es damit auf sich?

Science Files Interview 1_KalenderblattUlrich Kutschera: Als ich gestern in einem Kasseler Supermarkt noch etwas eingekauft habe, fiel mir ein weiteres Mal ein exzellenter Werbe-Flyer für Kinder in die Hände, der von einer kreationistischen Vereinigung bundesweit verbreitet wird. Titel: „Aus Gottes wunderbarer Schöpfung: Ein Fotokalender mit Ausmalbildern für Kinder“ (Stifung Missionswerk Werner Hekelbach, Kinder-Büro, Bergneustadt). In meinem Lehrbuch Evolutionsbiologie 2015 sind die wichtigsten Kreationisten-Bünde genannt (die vernetzt sind), aber das Missionswerk Heukelbach agiert doch besonders unverschämt. Die betreffenden Werbe-Heftchen sind exzellent ausgearbeitete Pamphlete gegen die Biologie und werden insbesondere von Kindern bzw. Schülern gerne gesammelt und gelesen.

ScienceFiles: Gibt es eine Verbindung zwischen dem schulischen und dem universitären Kreationismus?

Ulrich Kutschera: Leider existiert diese Verbindung, und sie funktioniert reibungslos. So ist z. B. Herr Professor Siegfried Scherer, von der TU München, ein prominenter Vertreter der christlichen „Grundtypen-Biologie“, die ich im Detail analysiert und als Pseudowissenschaft enttarnen konnte. Über die Propaganda-Aktionen der Studiengemeinschaft Wort und Wissen (Sg W+W), eine evangelikale Sekte im deutschen Kreationisten-Netzwerk, wird der universitäre mit dem schulischen Schöpfungsglauben verbunden. Das Problem ist, dass die professionell erstellten W+W-Produkte (ein sogenanntes Evolutionskritisches Lehrbuch, Hefte und Materialien für Schüler, Zeitschriften usw.) mit Professoren-Siegel versehen sind, und damit für Schüler und andere Laien seriös wirken. Selbst studierte Biologie-Lehrer haben vor den akademisch hochtrabend klingenden Propagandawerken von Wort und Wissen Respekt.

ScienceFiles: Wie kann man verhindern, dass Kreationismus in Schulen und an Universitäten noch stärker Fuss fasst?

Ulrich Kutschera: Bei der Überarbeitung des Textes zur 4. Auflage meines Lehrbuchs zur Evolutionsbiologie habe ich ein neues General-Schema zur Dokumentation der Tatsache, dass alle Organismen der Erde miteinander abstammungsverwandt sind, erarbeitet. Ich bin der Ansicht, dass man mit dieser Grafik jeden zum logischen denken fähigen Menschen davon überzeugen kann, dass rezente wie fossile Organismen von den gut belegten, ca. 3.500 Millionen Jahre alten Urmikroben abstammen, und dass die Makroevolution eine Tatsache ist. Ich hoffe, dass dieses Schema bzw. die damit verbundene Basic Message bald in den Schulbüchern auftauchen wird, wo bereits aus früheren Auflagen meines Lehrbuchs einzelne Grafiken übernommen worden sind. Nur durch derartige Sachinfos, die allgemein verständlich sein müssen, kann man der kreationistischen Indoktrination unserer Schüler entgegenwirken.

Soweit Teil 1 des Interviews mit Ulrich Kutschera. Schon dieser erste Teil zeichnet sich dadurch aus, dass Ulrich Kutschera kein Blatt vor den Mund nimmt und Ursprung und Verbreitungswege des Kreationismus klar benennt. Vielleicht ist damit ja die Feigheitsschwelle für andere Wissenschaftler, die sich bislang nicht trauen, gegen Kreationismus und Genderismus eindeutig Position zu beziehen, herabgesetzt.

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