Journalismus kann jeder: Ein Experiment

Journalismus kann jeder – oder?

Pro:

Thumbs up320px-SMirC-thumbsup.svgZeitungen unterscheiden sich nur noch im Titel, nicht mehr im Inhalt. Die dpa-risierung ist soweit fortgeschritten, dass derselbe Text in verschiedenen Zeitungen landauf landab erscheint. Journalismus besteht darin, den gelieferten Text in eine vorgegebene Maske zu kopieren. Journalisten recherchieren auch nicht mehr. Meldungen bestehen heute nicht mehr aus recherchierten Fakten, sondern aus den Meinungen der Redakteure. Und seinen Senf dazu geben, dass kann jeder. Schließlich zeichnen sich Jorunalisten auch nicht mehr durch eine journalistische Sprache aus, sondern dadurch, dass sie schreiben, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Auch das kann jeder. Journalismus ist bloßes Verbalsieren politischer Korrektheit und kultureller Stereotype.

Contra:

thumbs downDie dpa-Texte, die in unterschiedlichen Zeitungen erscheinen, müssen editiert und bearbeitet werden, um in die verschiedenen Zeitungsformate zu passen. Ein Redakteur ist dazu notwendig, der eine Ausbildung durchlaufen hat, denn Journalismus muss man lernen: Wie schreibt man? Welche Arten von journalistischen Texten gibt es? Wie unterscheiden sich die entsprechenden Texte? Was macht eine Reportage aus, was einen Kommentar? Diese Fragen kann ein Laie nicht beantworten. Um Journalist zu sein, muss man mindestens studiert und als Volontär Berufserfahrung gesammelt haben. Journalismus ist mehr als das Verbalisieren politischer Korrektheit und kultureller Stereotype. Erst durch die journalistische Arbeit wird ein Text zu einem Zeitungstext.

Wer hat die besseren Argumente? Pro oder Contra?

Wir machen ein Experiment.

Wir geben unseren Lesern zwei Formate vor:

Die Süddeutsche Zeitung und die Bildzeitung

Die Aufgabe besteht darin, aus den folgenden Begriffen eine Meldung zu basteln, die in einer von beiden Zeitungen erscheinen könnte. Den jeweiligen Beitrag bitten wir, über das Kommentarfeld abzusetzen (unter Angabe der Zeitung, in der der Beitrag erscheinen soll). Der beste Beitrag wird von uns mit einer ScienceFiles-Mug belohnt.

Hier die Begriffe:

Mehmet Scholl
Mittelmeer
Durchhalteparole
Brandstifter
geheime Absprache
fünf-Phasen Plan
nationale Krise
Schrott
Weihnachten
Noch ein Weltkrieg
Jürgen Klopp
Friedenstaube

Zusatzpunkte erhält, wer einen oder alle der folgenden Begriffe unterbringt:

Osterhase
Wutpolitiker
Lüneburger Heide
Roy Black

Das erklärt einiges: Vom Redakteur “Computer” generierte Texte

Beginnen wir mit einem Dementi:

Weser kurierMoritz Dobler, der Chefredakteur des Weser-Kuriers, er hat dementiert, dass es beim Weser Kurier von “Robotern geschriebene Fussballberichte” gebe. Man experimentiere derzeit nur mit “computergenerierten Vor- und Nachberichten” für fünf regionale Amateurfussball-Ligen.

Die Idee von Kollege Redakteur Computer, an ihr lassen sich eine Reihe von Prämissen darlegen, die es wert sind, einmal ausgesprochen zu werden:

Wer mit computergeneriertem Text experimentiert, nur bei Spielberichten aus der regionalen Amateurliga versteht sich, der scheint der Ansicht zu sein, dass man die entsprechenden Leser auch mit dem abspeisen kann, was ein Computer an Textbausteinen zusammenklaubt.

Da der entsprechende Computer ja nicht vor Ort war, um das Spiel, dessen Bericht er zusammenklaubt, anzusehen, folgt die nächste Prämisse, die da lautet: Das,  worüber in der Zeitung berichtet wird, muss mit dem, worüber berichtet wird, nicht unbedingt eine Kongruenz aufweisen. Es geht nur darum, Leser abzuspeisen, so dass sie denken, sie würden einen Text lesen, in dem über etwas berichtet wird, worüber sich der Berichtende kundig gemacht hat.

Dass man allen Ernstes bei einer Zeitung denkt, man könne Computer Text generieren lassen, Text-Floskeln zusammensetzen lassen und auf diese Weise den Eindruck von Berichterstattung erwecken bzw. vorgaukeln, das lässt tief blicken: tief ist die Verachtung für die Leser, jene Textnachfrager, die Zeitungen brauchen, um die Werbeeinnahmen zu generieren, über die sie sich eigentlich finanzieren.

Computergenerierter TextUnd doch ist es nur der logisch nächste Schritt einer Zunft, die sich sowieso weitgehend aus den selben Texten von dpa bestückt und der redaktionellen Arbeit in weiten Teilen Adieu gesagt hat, was, wenn man die Ergüsse mancher liest, die sich Redakteur oder Journalist nennen, vielleicht auch besser ist.

Doch zurück zum computergenerierten Text beim Weserkurier. Den folgenden Text haben wir beim Weserkurier gefunden.

Ist der nun computergeneriert, aus Bausteinen zusammengesetzt oder fällt manchen Redakteuren wirklich derartiger nichtssagender Text ein?

“Neue Unterkünfte, die der Senat plane, sollen dazu führen, dass die Turnhallen schrittweise wieder freigegeben werden können. ‘Diese Zielsetzung steht unter dem Vorbehalt, dass die Zugangszahlen nicht weiter ansteigen’, heißt es in der Vorlage.

Den Landessportbund treibt die Sorge um, wie lange der Zustand andauert. Bei einer Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende hätten die Mitglieder betont, dass die Sporthallen schnellstmöglich wieder freigegeben werden sollten, sagte die Geschäftsführerin des Landessportbundes Bremen, Karoline Müller, vor der Sitzung. Die Mitglieder machten sich außerdem über den Zustand der Hallen nach der Freigabe Sorgen.”

Vielleicht wären Computer, die Text generieren, gar keine so schlechte Idee oder am Ende ist der Text bereits von einem Computer generiert?

Was meinen die Leser von ScienceFiles?

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