Vorabdruck: Ulrich Kutschera – „Das Gender-Paradoxon“

Das Jahr 2016 bringt nicht nur neue Steuern, Abgaben und neue Bußgelder, es bringt auch Food for Thought in der Form eines neuen Buches von Ulrich Kutschera, das im LIT-Verlag erscheinen wird und den Titel „Das Gender-Paradoxon“ trägt.

Und auch wenn wir nicht in allem mit dem Autor übereinstimmen, schon weil wir die starke individuelle Variation unter Menschen, auch oder gerade innerhalb der Gruppen von Männern bzw. Frauen für relevanter halten als Unterschiede zwischen den beiden Gruppen ( oder im Hinblick auf die „vernünftigen Sachargumente der deutschen Frauenbewegung“ oder die beiden „Menschentypen“), so sind wir dennoch der Ansicht, das neue Buch von Ulrich Kutschera ist ein wichtiger Beitrag zur Ent-Genderung der Wissenschaft.

Wer wissen will, was es mit John Money auf sich hat, das Schicksal von Bruce Reimer, dem vielleicht ersten Todesopfer der Gender-Ideologie nachvollziehen will, wer wissen will, worin die Verbindung zwischen Bruce Reimer und dem Bildunsplan in Baden-Württemberg zu sehen ist, wer den religiösen Ursprung und die religiösen Grundlagen der Gender Ideologie entdecken will, wer fundiert über Unterschiede informiert werden will, die sich aus XX bzw. XY-Chromosomenpaaren ableiten lassen, und wer die „Gender-Ideologie in allen ihren Facetten“ inklusive einiger „Erfahrungsberichte des Autors“ beleuchtet haben will, der darf auf das neue Buch von Ulrich Kutschera gespannt sein.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle mit der Genehmigung des Autors einen kleinen Teaser, der dazu gedacht ist, die Zeit bis zur verspäteten Bescherung durch den LIT-Verlag zu überbrücken:

13297-0 Genderparadoxon Kutschera„Seit der Veröffentlichung meines Bestsellers Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte (Februar 2009) werde ich regelmäßig von Journalisten kontaktiert mit der Bitte, mich nicht nur mit dem Kreationismus, d. h. den auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben, sondern auch mit der GenderIdeologie öffentlich auseinanderzusetzen. Die Grundgedanken dieser Geschlechter-Weltanschauung“ lassen sich wie folgt verdeutlichen.

Im November 2014, nur wenige Tage nach dem 100. Todestag des Urvaters der modernen „Sex-Forschung“, August Weismann (Freiburg i. Br.), ist in dessen Bundesland Baden-Württemberg ein sogenannter „Entwurf zum Bildungsplan 2015“ der Stuttgarter Landesregierung bekanntgeworden. Nach Veröffentlichung dieses Dokuments gab es bundesweit Proteste – warum?

Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Man plante, z. B. Achtklässler (ca. 14 Jahre alt, mitten in der Pubertät) im Biologieunterricht zu fragen, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Weiterhin sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa
95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. Die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde. Proteste aus ganz Deutschland haben dann bald dazu geführt, dass der Ministerpräsident Baden-Württembergs, der hinter diesen genderistischen Irrlehren stand, seinen Vorschlag zurückgezogen hat.

Da ich mich, unabhängig von diesem Vorfall, im „WeismannJahr 2014“ u. a. im Fachjournal Nature mit dem Darwinischen Feminismus auseinandergesetzt hatte, begann ich mit der systematischen Sichtung meiner Aufzeichnungen zum Gender-Thema.

Der Text baut auf der 4. Auflage meines Lehrbuchs Evolutionsbiologie (2015) auf und stellt eine Erweiterung der dort zusammengetragenen Sachverhalte dar. Er kann mit acht runden „Sex/Gender-Geburtstagen“ in Verbindung gebracht werden:

1. Vor 150 Jahren (1865) wurde die deutsche Frauenbewegung gegründet, die mit vernünftigen Sachargumenten der damaligen Diskriminierung des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung entgegengetreten ist. Im selben Jahr hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) ein Lehrbuch verfasst, in welchem eine erste SexGender-Definition niedergeschrieben war.

2. Vor 70 Jahren (1945) wurde auf der Gründungsversammlung der Vereinten Nationen (UN) in San Francisco/Kalifornien (USA) die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben, die dann 1958 im Grundgesetz verankert worden ist.

3. Vor 60 Jahren (1955) hat der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921–2006) die aus Zwitter (Hermaphroditen)-Studien abgeleitete „Gender-Theorie“ formuliert, welche besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden und erst später eine erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung erfahren.

4. Vor 50 Jahren (1965) ist Bruce (David) Reimer in Kanada als eineiiger Zwillingsbruder zur Welt gekommen. Der Junge wurde zum „Beweis“ der Gender-These als Säugling kastriert und zu einem Mädchen
umgestaltet – der gepeinigte Kastrat beging 2004 Selbstmord.

5. Vor 30 Jahren (1985) ist ein Artikel „Sex and Gender“ in der Serie Annual Review of Psychology erschienen, wo diese Begriffe präzise
definiert worden sind, mit Kritik an der feministischen Gleichmacher-Ideologie. Im selben Jahr hat John Money in einem Fachbeitrag dargelegt, dass der biblische Schöpfer ein Hermaphrodit sei („manwoman God“), d. h. seine Lehre hat vermutlich auch eine religiöse Komponente.

6. Vor 20 Jahren (1995) ist auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz (Beijing, China) die „Gender-Agenda“ beschlossen worden (Macht-Gleichstellung von Mann und Frau). Diese auf Moneys Geschlechter-Dogmatik basierende Lehre ist daraufhin unter dem Pseudonym „Gender Mainstreaming“ (GM) von der damaligen rot/grünen Bundesregierung als verbindliche Leitlinie umgesetzt worden. Das Doppelwort GM wird oft fälschlicherweise mit „Frauenförderung bzw. Gleichberechtigung“ übersetzt. Dahinter verbirgt sich jedoch ein radikal-feministisches Umerziehungsprogramm, basierend auf dem
Moneyistischen Glaubenssatz, das Geschlecht des Menschen sei nicht primär biologisch bestimmt, sondern gesellschaftlich-sozial konstruiert und daher form- und wandelbar. Diese Sicht ist mit dem
biblischen Kreationismus geistesverwandt.

7. Vor zehn Jahren (2005) wurde entdeckt, dass sich Mann und Frau, wie die Säugerarten Schimpanse/Mensch, um ca. 1,5 % genetisch voneinander unterscheiden. Dieser „große Erbgut-Unterschied“ basiert auf einer evolutionär herausgebildeten Geschlechter-Verschiedenheit (Sexual-Dimorphismus), die wiederum auf die unterschiedlichen Größen und Funktionen der Geschlechtszellen (XY- bzw. XX-Gameten) zurückgeführt werden kann (Anisogamie). Diese gravierenden Mann-Frau-Unterschiede resultierten 2005 in der Konsolidierung der bereits 1993 eingeführen geschlechtergerechten Tier- bzw. Menschen-Forschung, die international als Gender-Biomedizin (GB) bezeichnet wird.

8. Vor einem Jahr (2014) wurde die GB als neue, der soziologisch begründeten GM-Ideologie (Moneyismus) entgegen gerichtete Wissenschaftsdisziplin auf internationaler Ebene etabliert.

In diesem Fachbuch, das stellenweise den Charakter einer Fakten- bzw. Textesammlung zeigt, wird zunächst dargelegt, was Biologen seit ca. 1735 unter „Sex“ verstehen, und dass dieses Wort von Erziehungs- bzw. Sozialwissenschaftlern im Sinne von „erotische Akte“ verwendet wird. In verschiedenen Kapiteln wird die Entwicklung der Gender-Ideologie in all ihren Facetten beleuchtet, wobei auch Erlebnisberichte des Autors aufgenommen worden sind. Das Buch ist als Nachfolge-Titel meiner Monographie Design-Fehler in der Natur konzipiert und steht daher in der bewährten Tradition der LIT-Serie „Naturwissenschaft und Glaube“.

Die in diesem Text zusammengetragenen Fakten, Theorien und Modelle sind weder religiös noch politisch motiviert (ich bin ein ungläubiger Nichtwähler und Kriegsdienstverweigerer). Wie in meinen Büchern zur Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie wurden sämtliche Aussagen mit soliden Quellen belegt.“

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8 Responses to Vorabdruck: Ulrich Kutschera – „Das Gender-Paradoxon“

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  3. Peter Wörmer sagt:

    Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wurde schon 1949 im Grundgesetz verankert.

    • Guy Brunner sagt:

      Gesetze kann man ändern – Naturgesetze nicht!

    • Tuka sagt:

      1896 wurde in Deutschland das Bürgerliche Gesetzbuch veröffentlicht. Bereits das bürgerliche Gesetzbuch hat Männer und Frauen als gleichberechtigt angesehen. Genauer gesagt: Es ging nicht davon aus, dass Männer und Frauen ungleich behandelt werden sollen (mal von pragmatischen Ausnahmen abgesehen, die Menschen damals gingen davon aus die Geschlechter unterschiedlich sind und z.B. nur Frauen schwanger werden können und nur Männer beim Militär dienen)

      1871 wurde die Reichsverfassung des Deutschen Reiches veröffentlicht. Diese Reichsverfassung ging von der Gleichberechtigung der Geschlechter aus.

      Vorgänger war die Verfassung des Norddeutschen Bundes. Natürlich mit Gleichberechtigung der Geschlechter. Im Norddeutsche Bund als Bundesstaat hatten die Verfassungen der Bundesstaaten weiterhin Gültigkeit. Und in jeder dieser Verfassungen ging davon aus, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Etwa Bayerische Verfassung von 1818.

      Wie es mit der Gleichberechtigung der Geschlechter vor der schriftlichen Niederlegung von Gesetzen aussah, ist für mich mit einfachen Googeln schwer zu beweisen, aber ich gehe davon aus, dass Männer und Frauen in Deutschland schon immer gleichberechtigt waren.

      Warum auch nicht? Ich halte die Behauptung das Männer und Frauen ungleiche Rechte haben, für einen Mythos.

      Was es allerdings gab, war ein anderes Wahlrecht. Heute gibt es ein allgemeines Wahlrecht. Früher gab es Landeswahlrecht, welches an Pflichten gebunden war. Es durfte nur der wählen gehen, der Steuern bezahlte, nicht von der Armenhilfe lebte und nicht beim Militär (also Befehlsgebunden ) war.

      Dieses Wahlrecht geht auf das römische Wahlrecht zurück, nachdem nur der wählen durfte, der mit Einsatz des Lebens (=abgeschlossener Militärdienst), Arbeitskraft (=Steuern) und Landbesitz tatsächlich für die Existenz des Staates bürgte, also Bürge bzw. Bürger war.

      Und in meinen Augen würde uns dieses alte Wahlrecht wieder gut zu Gesichte stehen. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes hat nach meiner Beobachtung in allen Staaten der Welt zu Staatsverschuldung, Steuererhöhungen und Ausweitung von Kriegen geführt. Sie hat außerdem die politische Argumentation weg von rationalen Argumenten hin zu Emotionen geführt.

    • dentix07 sagt:

      Und stand auch schon in der Weimarer Verfassung!

  4. labolg sagt:

    Gender Mainstreaming strebt nicht – wie häufig behauptet – die ultimative Gleichberechtigung an, sondern die Gleichstellung, also letztlich nicht die Chancengleichheit, vielmehr die (nivellierte) Ergebnisgleichheit an.
    Die einseitig theoretisierende Gender Mainstreaming-Ideologie begeht den fundamentalen Irrtum, die als entscheidende menschliche Gegebenheit vorliegenden und prägenden neurophysiologischen Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann völlig auszuklammern bzw. zu negieren.
    [Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4; EUR 7,90]

  5. Pingback: JAWOs Links am Mittwoch – KW 52/53 in 2015 - NICHT-Feminist

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