Leuphana-Universität: Bananen sind wichtiger als Bildung

Manche Universitäten sind dafür berühmt, dass an Ihnen Nobelpreisträger lehren.

Manche Universitäten sind für ihre herausragende Forschung berühmt.

Manche Universitäten sind für das Humankapital ihrer Absolventen berühmt.

Manche Universitäten sind Weltspitze, wenn es darum geht, Wissen zu sammeln und in digitale Form zu bringen.

Manche Universitäten haben einen Think-Tank, der Wissenschaftler versammelt, die mit immer neuen guten Ideen bekannt werden.

LeuphanaUnd dann gibt es die Leuphana. Die Universität von Lüneburg.

Die Leuphana ist eine der weniger berühmten Universitäten, obwohl die Verantwortlichen wirklich viel tun, um sich bei öffentlichen Geldgebern anzudienen.

Doch es ist nicht so, dass die Leuphana in nichts bemerkenswert ist oder nichts vorzuweisen hätten, denn:

Leuphana ist jetzt Fairtrade-University

Die Universität Lüneburg ist gerade bei der TransFair, dem Träger von Fair Trade Deutschland eingestiegen und hat sich wohl bereit erklärt, jährliche Lizenzgebühren an das Unternehmen zu zahlen, Lizenzgebühren dafür, dass sich die Leuphana nun FairTrade-University nennen darf.

Wenn schon keine Brillanz oder Weltführerschaft in Qualität von Forschung und Lehre, so haben sich die Verantwortlichen wohl gedacht, dann wenigstens FairTrade-University. Das Gütesiegel „FairTrade-University“, so liest man und staunt:

„wird von TransFair Deutschland e.V. nach einer erfolgreichen Bewerbung verliehen. Es kennzeichnet Hochschulen, die das Thema fairer Handel in die Lehre integrieren, in öffentlichen Veranstaltungen behandeln und den Hochschulmitgliedern fair gehandelte Produkte anbieten.“

Ein grandioser Marketingtrick von TransFair – auf den die Leuphaner da hereingefallen sind.

Fair Trade UniversityTransFair bezeichnet sich selbst als „Nicht-Regierungsorganisation“. Tatsächlich ist TransFair in derselben Weise eine Nicht-Regierungsorganisation, wie Nestlé eine Nicht-Regierungsorganisation ist. Allein die deutsche Niederlassung von FairTrade International erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 11,5 Millionen Euro (2014). Rund 8,8 Millionen Euro des Umsatzes stammen aus Lizenzeinnahmen, also aus der Vergabe des Gütesiegels „FairTrade“. 2,3 Millionen Euro wendet FairTrade Deutschland jährlich auf, um die Personalausgaben des Unternehmens zu decken, 2,2 Millionen werden für „Kampagnen und Marketing“ ausgegeben, 2,5 Millionen Euro wurden 2014 als Rücklage verbucht, also zinsbringend angelegt und rund 2 Millionen an FairTrade International, den Mutterkonzern überwiesen. Der Bilanzgewinn wird mit 237.104 Euro ausgewiesen, was kein Wunder ist, da 2 Millionen Euro an den Mutterkonzern durchgereicht wurden und 2,5 Millionen Euro zur Rücklage erklärt wurden.

FairTrade ist ein weltweit tätiger Konzern, der alle Möglichkeiten der Konzernbilanzierung nutzt, um seinen jeweiligen Gewinn kleinzurechnen und darüber hinaus als eingetragener Verein die damit verbundenen Steuervorteile in Deutschland genießt.

Aber: FairTrade ist gut. FairTrade verspricht, dass arme Bauern für ihre Bananen mehr Geld erhalten, als sie ohne FairTrade erhalten würden, ein Versprechen, dem man besser nicht zu genau auf den Grund geht, denn tatsächlich hat FairTrade in vielen Bereichen zu einer Bürokratisierung und einer Oligarchiebildung in Bauernvereinen geführt, die Kleinbauern dabei so arm wie eh und je belassen (Griffiths, 2012; Henderson, 2008).

Und die Leuphana, sie ist nun FairTrade Universität, bezahlt vermutlich Lizenzgebühren dafür, dass sie nun die „Lünebohne“ vermarkten kann.

Was das Ganze mit Bildung und mit dem Auftrag einer Universität zu tun hat? Nichts. Es hat etwas damit zu tun, dass die Leuphana-Verantwortlichen Bildung durch Ideologie ersetzt haben und nun versuchen, als Musterschüler der Nachhaltigkeit und des FairTrade durchzugehen, immer in der Hoffnung, dass es Studenten gibt, denen ein FairTrade-Gütesiegel wichtiger ist als gute Lehre und Ausbildungsbedingungen. Aber wir wollen Sascha Spoun, dem Präsidenten der Leuphana, seine Freude nicht verderben. Er, der sich über die „wertvolle Ergänzung [der] zahlreichen Initiativen und Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit“ freut.

Bildung, das war gestern. Ideologie, nachhaltige Ideologie, das ist heute, die FairTrade-Universität tritt an die Stelle der einstigen Bildungsinstitution. Zivilklauseln machen deutlich, dass nur das reine Gute an Universitäten herrscht, dass sich Studenten besser mit FairTrade Bananen als mit Matrizenrechnung auskennen und dass alles ganz nachhaltig ist – und gut natürlich.

Bildung?

Wer geht an Universitäten wegen Bildung?
In welchem Zeitalter leben Sie eigentlich?
Man geht an Universitäten, um sich zum korrekten Parteigänger zu entwickeln, zum Kämpfer für die Rechte von PoCs, zum Aktivisten gegen Rechts, zum Nachwuchs-Spitzel in den Vorlesungen ideologisch verdächtiger Professoren, zur FairTrade-Lünebone und natürlich, nicht zu vergessen, zu einem in allen Weisen der Sprachverhunzung geschulten Verwender von _I*nnen.
Niemand braucht Bildung. Alle brauchen FairTrade – oder?

Wie weit die Pläne der Leuphana zur ersten mit Windkraft getriebenen Schwatzbude, sorry: FairTrade-Schwatzbude der Republik zu werden, gediehen sind, ist bislang nicht bekannt.

Für Studenten, die versuchen eine Universität zu finden, an der noch Wissen vermittelt wird, haben wir die ScienceFiles-Kritierien zur richtigen Universitätswahl erarbeitet.

Kritik an FairTrade:

Griffiths, Peter (2012). Ethical Objections to Fairtrade. Journal of Business Ethics 105(3): 357-373.

Henderson, David R. (2008). Fair Trade is Counterproductive – and Unfair. Economic Affairs 28(3): 62-64.

 

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5 Responses to Leuphana-Universität: Bananen sind wichtiger als Bildung

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Leuphana-Universität: Bananen sind wichtiger als Bildung

  2. peisistratos sagt:

    Erschreckend ist ja auch, dass sich heutzutage jede Klitsche bzw. ehemalige PH Universität oder University nennt, nur weil man da irgendeinen Bachelor oder Master erwerben kann. Universität im Sinne eines universellen Fächerangebotes, Einheit von Lehre und Forschung etc.? Die Literaturtheoretiker der Postmoderne erhalten wohl in einer für sie unerwarteten Weise Recht: Das Verhältnis von Signifikant und Signifikat wird instabil, und mit dem Referenten haben beide nix mehr zu tun… :))) Aber damit tut man diesem Unsinn, dem man auf sciencefiles so beeindruckend auf dem Zahn fühlt, wohl schon zu viel der Ehre an.

  3. Ralf Pöhling sagt:

    Sehr gutes Beispiel dafür, dass nach aussen propagierte Wohltätigkeit oftmals nichts anderes ist, als banale Geschäftemacherei.
    Das wäre an sich nicht weiter schlimm, würde es den „Konsumenten“ nicht ihre Sinne vernebeln und den Hilfsbedürftigen die finanziellen Ressourcen wegnehmen.

    Ein weiteres, altbekanntes Beispiel für diese Unsitte sind die ja die überall aufgestellten Kleidersammlungscontainer.
    Man denkt beim Einwurf, man lässt Bedürftigen umsonst Kleidung zukommen, dabei wird sie an diese verkauft und jemand anderes verdient sich dumm und dusselig daran.

  4. FDominicus sagt:

    Machen Sie sich das Vergnügen und jagen den spärlich vorhandenen Text dieser „Bilanz“ durch den Bla bla Meter. Aber hey was weiß der schon über „gute Menschen“ oder war es Gutmenschen….

  5. Pingback: JAWOs Links – nicht-feministische Links der KW 07/16 - NICHT-Feminist

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