Betrug ist Teilhabe: Rheinland-Pfälzisches Ministerium betreibt eigene Newspeak

Peter Trier, den wir langsam zu unserem Sonderbotschafter ernennen müssen, denn er macht sich weit überdurchschnittlich um die Wissenschaft verdient, Peter Trier hat das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung, Kultur und – haben wir etwas vergessen? Nein: für Weiterbildung und Kultur, so lange gedrängt, bis er eine Antwort auf seine Fragen erhalten hat.

Die Fragen von Peter Trier, sie haben das Professorinnenprogramm und die folgende Ausschreibung der Universität Koblenz-Landau zum Gegenstand:

PP_Koblenz-landau

Die entscheidende Stelle dieser Ausschreibung, sie lautet:

„Die Stipendien werden im Rahmen des Professorinnenprogramms ausgeschrieben, das von Bund und Ländern gemeinsam finanziert wird und darauf abzielt, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen…“ und so weiter.

Aus dem Professorinnenprogramm werden keine männlichen Bewerber gefördert, sondern ausschließlich weibliche. Damit ist ausgeschlossen, dass ein männlicher Bewerber auf eine der ausgeschriebenen Stellen berufen werden kann. Dennoch wird in der Ausschreibung so getan, als sei die Stelle sowohl für männliche als auch weibliche Bewerber verfügbar. Das nennen Menschen, die der deutschen Sprache und des semantischen Gehalts der Wörter der deutschen Sprache mächtig sind, Betrug.

Beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, bei dem schon in der Namensgebung deutlich wird, dass Bildung nichts mit Wissenschaft zu tun hat, ist das anders. Dort nennt man Betrug die Gewährleistung einer männlichen Teilhabe am Bewerbungsverfahren.

Ja, liebe Leser, Sie haben sich nicht verlesen. In deutschen Ministerien wird Absurdität und Unsinn auf ganz neuen Höhen betrieben und man kann vom Genderismus halten, was man will, man kann den Genderisten nicht ihr Verdienst dahingehend streitig machen, dass sie Betrug, Täuschung und alle sonstigen Varianten, Menschen hinters Licht zu führen, in bisher nicht dagewesenem Ausmaß pflegen.

Zitieren wir aus der Antwort, die eine Dr. Daniela Heinemann vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur an Peter Trier und mit Bezug auf die Rechtmäßigkeit von Ausschreibungen, die männlichen Bewerbern vorgaukeln, sie hätten eine Chance auf die ausgeschriebene Position, gegeben hat:

Ministry of truth 2„Es wird ein geschlechtsneutrales Bewerbungsverfahren ausgeführt, das bedeutet, dass am Ende tatsächlich ein Mann als am besten geeigneter Bewerber aus dem Verfahren hervorgehen kann. Sollte dieser Mann am Ende des Bewerbungsverfahrens als am besten geeigneter Kandidat den Vorzug vor Kandidatinnen erhalten, besteht für die Hochschule grundsätzlich die Möglichkeit, dass sie die Stelle aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellt. Auf diese Möglichkeit hat die Universität Koblenz-Landau in dem von Ihnen geschilderten Fall verzichtet. Dies ist eine Entscheidung im Rahmen ihrer Hochschulautonomie. Aus dem Professorinnenprogramm kann der auf Nr. 1 platzierte männliche Bewerber nicht gefördert werden, weil dieses tatsächlich nur Frauen fördert. Der Mann kommt daher nicht mit der Inanspruchnahme des Stipendiums zum Zuge, aber er verhindert eine Vergabe des Stipendiums. Das ist insgesamt keine glückliche Situation, zeigt aber, dass die männliche Teilhabe an Bewerbungsverfahren, die unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm steht, durchaus greift und die Männer damit nicht „für dumm verkauft werden“.

Für alle, die es nicht glauben können, hier noch einmal die Kurzversion:
Relevant ist, dass geschlechterneutral ausgeschrieben wird. Männliche Bewerber werden nicht darüber getäuscht, dass sie die ausgeschriebene Stelle wegen ihres Geschlechts nicht bekommen können, denn sie können ja am Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Sie können sogar zum besten Bewerber gewählt werden, nur berufen werden können sie dann nicht, denn das Professorinnenprogramm finanziert nur zweit-, dritt-, viert- oder ferner liefen beste weibliche Bewerber. Männliche Bewerber werden also nicht für dumm verkauft, wenn man ihnen eine Stelle in Aussicht stellt, die nur weibliche Bewerber besetzen können.

Die Unmoral, die hinter derartigen Ausführungen steht, sie ist bodenlos. Abermals muss man feststellen, dass es der Genderismus geschafft hat, Moral und Anstand weitgehend zu beseitigen und offensichtliche Täuschung, Betrug und fiese Übervorteilung an ihre Stelle zu setzen.

Deceibe infeigle obfuscateDiese Interpretation setzt voraus, dass Genderisten und Ministerialbeamte wie Frau Heinemann wissen, was sie tun und schreiben. Streicht man diese Interpretation und nimmt nunmehr nur an, dass sie affektiv reagieren und der Gutheit der Frauenförderung, die gut ist, weil sie eben gut ist und keinen sonstigen Wert hat, anhängen, dann muss man hoffen, dass die entsprechenden Genderisten niemals Notzeiten erleben, in denen sie beim Bäcker nicht bedient werden: Nicht dass sie nicht anstehen dürften. Das dürfen sie in jedem Fall. Nur bedient werden sie nicht, denn das Brot wird aus dem Hilfefonds der Menschen mit Verstand bezahlt und entsprechend können nur Menschen mit Verstand Brot kaufen. Aber wir hindern natürlich niemand daran, sich umsonst für Brot anzustellen.

Wirft man auch die Hypothese von der affektiven Anhänglichkeit über Bord, dann bleibt, was Dr. habil. Heike Diefenbach gerade in einem anderen Zusammenhang recherchiert hat: Tiefendyslexie, die Unfähigkeit, den semantischen Gehalt von Worten zu verstehen. Und damit wäre erklärt, warum in rheinland-pfälzischen Ministerien Betrug neuerdings „Teilhabe an Bewerbungsverfahren“ heißt.

P.S.

Es ist  interessant zu sehen, wie ein rechtsfreier Raum geschaffen wird. Eine Seite, das Ministerium, sagt: Die Ausschreibung muss geschlechtsneutral sein, aber wir bezahlen aus dem Professorinnenprogramm nur weibliche Bewerber. Wenn ihr einen männlichen Bewerber auf Platz 1 setzt, dann müsst ihr ihn selbst finanzieren. Die andere Seite sagt: wir schreiben geschlechtsneutral eine Stelle, die aus dem Professorinnenprogramm finanziert wird, aus und berufen, wenn wir nur gute männliche Bewerber finden, niemanden. Beim Ministerium können sie sich in der Gewissheit sonnen, dass dann, wenn die Stelle nicht besetzt wird, die Universität schuld ist, dass es deren „Entscheidung im Rahmen von Hochschulautonomie“ ist. Bei der Universität können sie sich in der Gewissheit sonnen, dass sie keinen männlichen Bewerber berufen können, obwohl sie das wollen, weil sie keine entsprechenden Mittel haben. Keiner meint er sei schuld und dennoch pflastern Leichen ihren Weg. So ähnlich muss es im Dritten Reich gewesen sein. Irgendwie sind die Juden in den Duschen aufgetaucht und irgendwie kam Gas in die Wasserleitung.

Die Frage, wie ein Ministerium dazu kommt, nach Geschlecht unterschiedlich zu behandeln, ist eine weitere Frage, die der Beantwortung harrt.

Wollen Sie, dass wir den Regierenden in Deutschland und den Auswüchsen ihrer Bildungspolitik in Vollzeit und nicht nur nebenbei auf die Finger schauen? Dann unterstützen Sie unser ScienceFiles-Projekt.

 

Über Michael Klein
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13 Responses to Betrug ist Teilhabe: Rheinland-Pfälzisches Ministerium betreibt eigene Newspeak

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  2. Peter Trier sagt:

    Besonders schön ist doch die Begründung, warum „die männliche Teilhabe […] durchaus greift und die Männer damit nicht ‚für dumm verkauft‘ werden“, nämlich dass ein männlicher Bewerber zwar das Stipendium nicht erhalten aber immerhin seine Vergabe verhindern könne. Alles klar: Frauen bewerben sich, um das Stipendium zu erhalten, Männer, um die Förderung zu vereiteln. Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt, er versucht nur die Verschwendung öffentlicher Gelder zu verhindern … Ich warte allerdings nur auf die nächste Twitterkampagne gegen diese destruktive Praxis: Ein Mann hat sich auf eine Stelle beworben, die er gar nicht kriegen kann, nur damit keine Frau sie kriegt, Kreisch, Aufschrei. Man wüsste auch gern, warum ausgerechnet in den Gender-Studies Frauenförderung bis zum Gehtnichtmehr betrieben wird: Ist der Männerüberschuss dort gar so hoch?
    Grüße
    Peter Trier

    • Hosenmatz sagt:

      Mehr Augenwischerei geht wohl kaum, denn „dass ein männlicher Bewerber zwar das Stipendium nicht erhalten aber immerhin seine Vergabe verhindern könne“, wird mit Sichereheit nie passieren. Es wird eher so sein, dass sich noch so viele topqualifizierte Männer bewerben können, aber sobald eine – ich sags mal grob – weibliche Dumpfbacke unter den Bewerbern findet, dann bekommt diese die Stelle. Weil vermutlich, außer diesen Stipendien, noch weitere Forschungsgelder und Fördermittel an diese Proffessur gebunden sind, und die will sich doch keine Hochschule entgehen lassen und den „Fehler“ machen, einen männlichen Berwerber auszuwählen.

  3. Nonnen sagt:

    Gender Mainstreaming strebt nicht – wie häufig behauptet – die ultimative Gleichberechtigung an, sondern die Gleichstellung, also letztlich nicht die Chancengleichheit, vielmehr die (nivellierte) Ergebnisgleichheit an.
    Die einseitig theoretisierende Gender Mainstreaming-Ideologie begeht den fundamentalen Irrtum, die als entscheidende menschliche Gegebenheit vorliegenden und prägenden neurophysiologischen Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann völlig auszuklammern bzw. zu negieren.
    [Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4; EUR 7,90]

    • Georg Schloss sagt:

      Dem stimme ich in vollem Umfange zu. Ich kann dazu auch das Buch von Birgit Kelle empfehlen „Gender-Gaga“ ! Darin finden sich so viele Abstrusitäten, dass man sich am Ende fragt, was dieser Gender Studies Blödsinn, der da unser tägliches Leben bestimmen soll, eigentlich in Wahrheit will.
      Sprachpolizei hat schon Orwell in „1984“ befürchtet. Scheint leider wahr zu werden.
      Daher: Nur sich regen bringt Segen !
      Gender Mainstreaming zerstört Familie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    • Peter sagt:

      „““Gender Mainstreaming strebt nicht – wie häufig behauptet – die ultimative Gleichberechtigung an, sondern die Gleichstellung, also letztlich nicht die Chancengleichheit, vielmehr die (nivellierte) Ergebnisgleichheit an.“““

      Das ist so nicht richtig. Gender Mainstreaming ist Frauenprivilegierung und lediglich die ideologische Fassade, die die Diskriminierung von Männern als (gerechte) Kompensation für (behauptete) Privilegien der Männer propagiert, um den immanenten Sexismus von GM zu verschleiern.
      Frauenförderung unter dem Label GM wird selbst da betrieben, wo Männer eindeutig unterrepräsentiert sind. In wenig atrraktiven Tätigkeitsbereichen, wo ein klarer Männerüberschuss festzustellen ist – beispielsweise Müllabfuhr, Strassenbau etc. – wird keineswegs ein zahlenmässiger Ausgleich angestrebt.

    • KaRa sagt:

      Auch zu empfehlen:
      „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“
      Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen
      von Allan & Barbara Pease Ullstein Verlag

    • Marcel Elsener sagt:

      Unabhängig davon, dass Gender Mainstreaming keine wissenschaftliche Grundlage hat und somit einfach eine Ideologie ist:

      Was ist eigentlich der Gegensatz zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung?

      Ich kann keinen fundamentalen Gegensatz zwischen beidem erkennen. Wenn zwei Personen gleich berechtigt sind, dann sind sie einander auch gleich gestellt. Und zwei einander Gleichgestellte haben auch dieselben Rechte und Pflichten, ansonsten wären sie ja eben nicht untereinander gleich gestellt. Meines Erachtens ist diese Unterscheidung in Gleichberechtigung und Gleichstellung völlig willkürlich – ein Dogma, das in einer ganz bestimmten orthodoxen Form installiert werden soll und nicht mehr angezweifelt werden darf.

      Für mich gibt es jedoch einen fundamentalen Gegensatz zwischen Freiheit auf der einen Seite und Gleichberechtigung/Gleichstellung auf der anderen Seite.

      Ersteres ist das Individuelle Vermögen, sein Leben selbst zu gestalten und zu bestimmen, ohne dass irgendeine Obrigkeit da dreinredet. Damit einher geht auch die Verantwortung, die den Freien dazu zwingt, die Folgen der eigenen Entscheide zu tragen. Das zur Freiheit passende und diese dadurch ergänzende Gegenstück ist somit die Verantwortung.

      Letzteres ist ein obrigkeitliches Herrschaftsinstrument der Verrechtlichung möglichst vieler Lebensbereiche mit dem Ziele der Unterwerfung und Gängelung der Untertanen. Der Untertan verzichtet auf seine Freiheit und bekommt im Gegenzug von der Obrigkeit windige Rechte zugestanden, die er im Zweifelsfall wiederum bei obrigkeitlichen Instanzen (Gerichten) einklagen muss; der zuvor freie, selbstbestimmte Bürger ist somit zum untertänigen Bittsteller gegenüber der Herrscherbürokratie herabgesunken. Das zum Recht passende und dieses dadurch ergänzende Gegenstück heisst übrigens Pflicht.

      Wir haben also zwei philosophische Prinzipien, die im Gegensatz zu einander stehen und damit auch ein Spannungsfeld dazwischen erzeugen: Freiheit und Verantwortung versus Rechte und Pflichten. Gleichberechtigung und Gleichstellung gehören beide zu letzterem.

  4. Max St. sagt:

    Wie am Ende sofort die Nazikeule rausgeholt wird mit den Juden und deren angebl. Vergasung.
    Damit habt ihr den Vogel abgeschossen.
    Ist es möglich, einen Artikel zu schreiben, OHNE das darin die ewige Schuld des achso bösen Deutschen durch seine Ahnen wiedergekaut wird?
    Ich sag euch mal was: Keine Schuld ist vererbbar! Ausserdem schreibt der Sieger die Geschichte, und wer hat den Krieg gewonnen? Bingo! (Das weiss sogar ich als Mensch aus der Unterschicht stammend)

    • Das ist mein zweitliebster Kommentar heute. Erst phantasieren Sie sich etwas über unsere Motivation zusammen und dann regen Sie sich über Ihr Phantasieprodukt auf. Sonst geht es Ihnen noch gut?

  5. Max St. sagt:

    Mein Kommentar wurde direkt nicht veröffentlicht, was bitte ist am Wort „Na-Zi-Keule verehrt?
    Mal schauen ob ich wieder zensiert werde

    • Das ist mein Lieblichskommenter für heute. Sie sind mir vielleicht ein Wichtigtuer. Denken Sie wirklich, gerade Ihr Kommentar ist so wichtig, dass wir uns die Mühe machen, ihn zu löschen? Wenn Sie nichts bessere zu tun haben, als an einem Sonntag morgen darauf zu lauern, ob der Kommentar, den Sie am 10.16 Uhr geschrieben haben, fünf Minuten später veröffentlicht ist, dann frage ich mich, ob Sie etwas falsch machen, in ihrem Leben. Wir genießen um die Zeit den Sonntag, in der Regel bei einem ausgedehnten Frühstück in unserer Lounge mit Blick auf die Brecon Beacons.

      Im übrigen geben ihre Befürchtungen einen Einblick in Ihre Psyche, den ich Sie bitte, das nächste Mal für sich zu behalten. Das ist mir alles zu armselig, was ich da sehe.
      Und müssen Sie immer die Zensurkeule auspacken?
      Mal schaun, ob wir wieder von Ihnen beschimpft werden.

  6. Statistiker sagt:

    Und die Universität Koblenz-Landau ist kein Einzelfall, es geht immer weiter mit Professuren, auf die kein Mann berufen werden kann und soll. Diesmal an der TU Berlin und finanziert durch das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre:

    https://tub.stellenticket.de/de/offers/24668/

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