Ambushologie: Verbaler Hinterhalt als pseudo-wissenschaftliche Disziplin

In letzter Zeit lesen wir immer wieder von der offenen Gesellschaft. Von der offenen Gesellschaft kann man eigentlich nicht reden, ohne Karl Raimund Popper mitzudenken. Insofern ist es mehr als ironisch, wenn ausgerechnet Linke von der offenen Gesellschaft sprechen zu können meinen.

Aber dazu kommen wir in einem anderen Post.

Wissenschaft ist eigentlich ein Modell der offenen Gesellschaft. Nun ja, Wissenschaft soll ein Modell für eine offene Gesellschaft sein. Die offene Gesellschaft ist die Norm, die Idealvorstellung, von der man aber dennoch annehmen muss, dass ihr die Wissenschaft am nächsten kommt.

Offene GesellschaftOffene Gesellschaft meint nämlich: Freien Wettbewerb von Ideen und Meinungen. Keine Idee, keine Meinung wird ausgeschlossen, keine Idee, keine Meinung wird privilegiert. Es herrscht Meinungsgleichheit.

Allerdings ist nicht alles Meinung, was als Meinung daherkommt.

Behauptungen, die unbelegt bleiben, sind keine Meinung.

Aussagen, die über das emotionale Befinden des Aussagenden Auskunft geben, sind keine Meinung.

Eine Meinung ist eine Aussage zu einem konkreten Gegenstand, in der etwas empirisch Prüfbares ausgesagt wird.

Wir sind zum Beispiel der Meinung, dass die inflationäre Verwendung des Begriffs „Diskriminierung“ ein Indiz dafür ist, dass viele den Begriff verwenden, aber nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet. An die Stelle der Bedeutung tritt bei Ihnen die Bewertung. Bezichtigen sie andere der Diskriminierung, dann sagen sie damit eigentlich: Diese anderen sind böse. Und zu etwas anderem als dieser Verwendung sind die meisten nicht in der Lage. Schon gar nicht sind sie dazu in der Lage, Diskriminierung in positive und negative Diskriminierung zu unterteilen. Diskriminierung ist nämlich auch positiv, dann nämlich, wenn Straftäter von der nicht-delinquenten Bevölkerung diskriminiert werden, indem man sie in ein Gefängnis steckt. Diskriminierung ist also ein Begriff, der immer vor einer normativen Basis benutzt werden muss, und diese normative Basis ist je nach Zeit und je nach Kontext verschieden. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Diskriminierung nur als negativ ansehen kann, der kann den Begriff nicht verwenden.

Das war eine lange, aber notwendige Ausführung, um deutlich zu machen, dass Meinung nicht das ist, was einem in den Kopf kommt, sondern das, was man begründen und argumentieren kann. Denn Sprache wurde im Wesentlichen dazu ersonnen, Information auszutauschen – eine Funktion, die heute allzu oft in Vergessenheit gerät.

Wissenschaftliche Sprache geht im Vergleich zur Alltagssprache noch einen Schritt weiter: Sprache wird formalisiert, wird mit Spezialbegriffen zur Bezeichnung bestimmter Sachverhalten angefüllt, um die Verständigung, die Diskussion, den wissenschaftlichen Austausch und vor allem den Erkenntnisprozess voranzutreiben. Entsprechend sollte man denken, dass Wissenschaftler oder solche, die sich dafür halten, darauf wertlegen, die Gründe ihrer Meinung darzulegen.

Deshalb kann man ein KO-Kriterium formulieren und feststellen, dass Personen, die Aussagen dennoch treffen, obwohl sie sie nicht begründen können, Personen, die Aussagen treffen, um Dritte zu diffamieren, herabzuwürdigen oder in sonst einer Weise negativ zu diskriminieren, also Personen, mit denen ihren Emotionen durchgehen und entsprechend der Verstand auf der Strecke bleibt, dass diese Personen keine Wissenschaftler sind.

Es dürfte wohl Konsens geben, dass Aussagen wie:

“„Das ist die Sprache eines ethnozentrisch verrohten demagogischen Gemüts. Er denunziert Geflüchtete und die zu Hunderttausenden gegenwärtig Helfenden …“.

Oder:

eine Feststellung dahingehend, “dass der „vergleichende Politikwissenschaftler“ um „schiefe Vergleiche nicht verlegen zu sein scheint“, die um eine „polemische Verzerrungsabsicht“ ergänzt wird“

nur dann als Meinung gelten können, wenn sie begründet werden und nur dann als Teil eines wissenschaftlichen Austausches und als Äußerung eines Wissenschaftlers angesehen werden können, wenn die Begründung empirisch prüfbar ist.

Werner patzeltDie beiden Aussagen stammen von Hajo Funke, emeritierter Professor der Politikwissenschaft und Karl-Siegbert Rehberg, (hoffentlich) bald emeritierter Professor der Soziologie. Beide haben die entsprechenden Aussagen einfach so und ohne Begründung, quasi als Dogma verkündet, wie Gott seine 10 Gebote, und zwar über Werner Patzelt, denn Patzelt ist der Gegenstand beider Aussagen.

Und dieser Werner Patzelt hat sich nun bemüht, die Begründung beider Aussagen von Funke und Rehberg zu erfahren, eine unglaubliche Geste, die man nur bewundern kann (Wir sind mehr Vertreter altestamentarischer Verhaltensweisen wie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und hätten wohl entsprechend gehandelt). Patzelt hat also seine beiden „Kollegen“, wie er sagt, angeschrieben und um eine Begründung für beider Aussagen gebeten.

„Kollege“ Rehberg hat die Lieferung einer Begründung aufgrund seiner Arbeitsbelastung derzeit ausgeschlossen, was nur den Schluss zulässt, dass Arbeitsbelastung konstruktiven, überlegten und begründeten Aussagen im Weg steht, nicht jedoch emotionalen und in niederer Absicht gemachten Aussagen, denn um solche muss es sich bei Rehberg handeln, denn sonst hätte er seine Begründung natürlich parat. “Kollege” Funke ist vollkommen untergetaucht und hat keinerlei Lebenszeichen von sich gegeben, jedenfalls gegenüber Werner Patzelt. Beide “Kollegen” bevorzugen offensichtlich eher eine Form der Ambushologie, deren Vorgehensweise man in drei Schritte unterteilen kann:

1. Eine große Klappe riskieren und verbal um sich schlagen.
2. Wegrennen und verstecken.
3. Bei Entdeckung: Keine große Klappe mehr riskieren und versuchen, sich zu wegzudrücken.

Personen wie Funke und Rehberg haben anscheinend die Agenda, die offene Gesellschaft der Wissenschaft in einen Partisanenkrieg zu verwickeln, in dem sie Wissenschaftler, deren begründete Meinung sie nicht mögen, diskreditieren und jede Begründung ihrer Behauptungen verweigern, in der Hoffnung, dass die Diskreditierung länger in Erinnerung bleibt als die eigene Feigheit und Unfähigkeit der Begründung.

Nicht nur Werner Pazelt ist zum Opfer von Ambushologen geworden. Andere haben ähnliche Probleme, das zum Trost:

Collegial Advice: Burn Up Like a Fire.


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Der neue Messias: Die ZEIT macht auf Faschismus

Generationen von Wissenschaftlern haben sich gefragt und fragen sich bis heute, wie „das“ passieren konnte. „Das“ ist einer der größten Betriebsunfälle der rationalen Weltgeschichte, der sich in den Jahren 1933 bis 1945 in Deutschland ereignet hat. Die Antworten darauf, wie „das“ geschehen konnte, variieren und haben alle eines gemeinsam: Sie sind weniger oder mehr aber nicht voll befriedigend.

Auf der Suche nach Antworten darauf, wie „das“ geschehen konnte, sind wir auf den Hinweis eines Lesers und einen Beitrag bei Danisch gestoßen. Und langsam wird klar, wie „das“ geschehen konnte.

Es beginnt damit, dass einer des Weges kommt und sich gibt, wie ein erleuchteter Messias, der die Wahrheit schon mit dem Kaffee in sich aufnimmt. Er, der erleuchtete Messias, nennen wir ihn doch der Einfachheit halber Christian SeidelBruder Seidel oder Gott Seidel, je nach Geschmack, dieser erleuchtete Messias, er ist kein egoistischer Messias. Er will seine Wahrheit, sein Wissen darum, was die Welt im Innersten zusammenhält, mit denen Teilen, die nicht das Glück seiner Erleuchtung, seiner Erwählung haben.

Deshalb lässt er sie – kostenpflichtig zwar, aber man muss ja von etwas leben, auch als Messias Seidel – an seiner wahren Erkenntnis teilhaben, durch Lesen, durch Lesen seines Buches „Gender Key. Wie sich Frauen in der Männerwelt durchsetzen“. Die ZEIT, immer willig, wenn es darum geht, Faschismus, nein: Wahrheit unter das dumme Volk zu bringen, hat sich in Person von Sabine Hockling bereit gefunden, das Marketing für die göttliche Wahrheit des Seidel zu übernehmen, und ein Interview verbreitet, das den Mitgliedern des dummen Volkes zeigt, wie der Hase läuft.

Erkennet die Wahrheit, Ihr männlichen Deppen: Höret die Worte des Messias. Lauscht dem, was Seidel in seiner stillen Kammer von Azathot zugeflüstert wird:

„Seit mehr als 2000 Jahren herrschen Männer über Frauen“, so die Neuauflage der feuchten Träume, die schon Engels vor Seidel geträumt hat. [Dr. habil. Heike Diefenbach ist bereits an dieser Stelle, angesichts der Peinlichkeit dieses Ladenhüters von einer falschen Behauptung der Kopf auf die Tischplatte gefallen…] Offensichtlich hatten beide denselben Gott, der ihnen die Wahrheit eingeflüstert hat. „Solange die Frauen davon nicht loslassen [von ihrem Männerbild, das sie “anhimmeln”] und „die Männer nicht erkennen, was sie für Probleme haben, hat die Gleichstellungsuhr nicht sehr viel mehr als ein paar Sekunden getickt.“

Nun, ihr Männer, erkennt Ihr Eure Probleme? Erkennt Ihr die Probleme, die ihr mit Messiasen wie Seidel habt? Messiasen, die Geld damit verdienen wollen, sich auf dem Rücken von Männern als Frauenversteher zu produzieren, Messiase die von ihnen verkündete Wahrheit, wenn es sein muss, mit dem Schwert durchsetzen werden?

Oder in der feigen Sprache verklausulierter Gewaltandrohung, wie sie unter Messiasen gepflegt zu werden scheint: „ZEIT ONLINE: Brauchen nicht vielmehr Männer eine Anleitung? Seidel: Ja, eine ganz klare: die kollektive Verordnung einer Therapie. Weil sie alle glauben, dass bei Ihnen alles in Ordnung sei.“

Dieser letzte Selbstwiderspruch der Seidelschen „ravings“, er ist indikativ dafür, wo Faschismus herkommt, er erklärt, wie „das“ passieren konnte.

Die Erklärung in Stufen:

1. Es kommt einer des Weges, der von sich behauptet, er habe die Wahrheit mit Löffeln gefressen.

2. Der, der des Weges kommt, und sich als neuer Messias ausbauen will, er ist voller Verachtung und und hat keinerlei Respekt für seine Mitmenschen, denn seine Mitmenschen leben nicht so, wie er es für richtig hält.

3. Deshalb will er seinen Mitmenschen das Heil, das er zu besitzen glaubt, aufzwingen, sie sich gefügig machen, wahlweise mit Therapie oder mit Gewalt.

4. Der Messias findet Verbündete, die es als opportun ansehen, gerade dieses Heil zu nutzen, um die eigenen Zwecke zu verfolgen.

5. Gemeinsam propagieren sie nun, den Weg zum Heil, der sich dadurch auszeichnet, dass er gegen den Willen von Menschen diesen aufgezwungen wird.

6. Jetzt braucht es nur noch willige Opportunisten in öffentlichen Positionen, die das neue Heil in Gesetze verpacken und (mit Gewalt) durchsetzen, und der Faschismus ist geschaffen.

So geht Faschismus und entsprechend muss man feststellen, dass zwischen dem völkischen Beobachter und der ZEIT nur ein schmaler Grat, wenn überhaupt, verläuft.

lebensborn-svgBleibt noch der Selbstwiderspruch aufzulösen: Wenn Seidel sagt, dass „die Männer nicht erkennen, was sie für Probleme haben“ und dass die Männer eine „kollektive Verordnung einer Therapie“ brauchen, weil „sie alle glauben, dass bei Ihnen alles in Ordnung sei“, dann heißt das, unter der Annahme, dass Christian Seidel männlich ist (zugegeben eine starke Annahme), dass Seidel nicht erkennt, was für Probleme er hat, weil er glaubt, dass bei ihm alles in Ordnung ist. Er braucht entsprechend eine Therapie und dieser logische Schluss, der sich zwingend aus Seidels Behauptungen ergibt, ist dann auch das einzige, was wir von dem teilen, was er von sich gibt. Die Sache wäre natürlich anders, wenn Seidel weiblich wäre, dann wäre er nach eigener Aussage in „Geschlechterklischees“ gefangen, würde ein Männerbild „anhimmeln“, das „keine Weiblichkeit in sich verträgt“ und wäre ansonsten zur Fertilität verpflichtet, zum Austragen des Nachwuchses, der hoffentlich intelligenter ist als der Austräger …, der Projekt Lebensborn wohl zu sehr verinnerlicht hat, … Faschismus eben.


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