Demonstrationen gegen van der Bellen! Oder: Wie rot Medien eingefärbt sind

Nun ist er zum zweiten Mal zum Präsidenten Österreichs gewählt, der Alexander van der Bellen, und schon formiert sich der Widerstand!

Österreich-Präsident: Van der Bellen ist nicht normal, so heißt es in der ZEIT.

Von einem Schock für die Welt ist im Münchener Merkur die Rede:

“Mit seinem sensationellen Sieg zieht ein Demagoge in die Wiener Hofburg ein, dessen politische Unerfahrenheit und teilweise radikalen Pläne nur noch von seinen charakterlichen Schwächen übertroffen werden“.

Alexander van der Bellen beweist die Verdummung der Österreicher, so titelt der Focus.

Der Kölner Stadtanzeiger erblickt in van der Bellen die Galionsfigur der Zornigen und Abgehängten.

N-TV interessiert sich für die wahre Katastrophe hinter dem Erfolg von van der Bellen und erkennt sie in dessen Haltung: Verachtung.

Die Berliner Morgenpost sieht in van der Bellen den Präsidenten der Wutbürger und für Österreich ein intellektuelles 9/11.

Im Spiegel wird van der Bellen attestiert, er haben einen Sieg des Zerstörens errungen. Nun folge die politische Katastrophe für Österreich und die Welt.

Die SHZ tröstet alle, die von der Wahl van der Bellens erschreckt sind, damit, dass es Dummen möglich sein müsse dumm zu wählen, auch Österreichischen Dummen.

Die Tagesschau sieht im Sieg von van der Bellen eine Mahnung an alle Demokratien im Westen gerichtet.

Für die FAZ zieht mit van der Bellen ein Rächer in die Hofburg ein.

Die Neue Osnabrücker Zeitung beschwichtigt: Die Wahl van der Bellens muss nicht die Apokalypse sein.

Präsident Alexander van der Bellen: Das größte Fuck-you aller Zeiten, so heißt es kurz und bündig bei N.TV.

Angela Merkel will Alexander van der Bellen in einem Telefongespräch, das sie irgendwann in den nächsten vier Wochen zu führen gedenkt, an die westlichen Werte, an Toleranz und die Verantwortung der Österreicher für die freie Welt erinnern. Außenminister Steinmeier schmollt und konnte bislang nicht dazu bewegt werden, van der Bellen zu gratulieren.

Auf Sturm stehen die Zeichen bei der politischen Rechten, die das Ergebnis nicht anerkennen will. In mehreren Hauptstädten Deutschlands, in Paris, Amsterdam, in Berlin, Prag, Warschau und London sind Mahn-Fackelzüge mit Marschmusik geplant, deren Ziel die jeweilige Botschaft Österreichs ist.

Und die EU-Kommission will sich am Montag zu einem Krisentreffen treffen mit dem Titel, die EU nach der Österreich-Wahl: Fällt nun auseinander, was nicht zusammengehört, um eine Strategie zu überlegen, mit der man Österreich zurück in den Kanon der rechtschaffenden Staaten Europas zwingen kann. Die Ideen reichen von einem temporären Ausschluss Österreichs bis zu einem Betätigungsverbot für österreichische Wähler von fünf Jahren.

Alle Meldungen, die wir hier gesammelt haben, sind authentisch. Das Verhalten von Angela Merkel ist ebenso authentisch wie die Schlagzeilen, die wir oben wiedergegeben haben. Nur: Sie beziehen sich auf die Wahl Donald Trumps, nicht auf die Wahl Alexander van der Bellens.

Man wird im Zusammenhang mit der Wahl van der Bellens in den Medien nichts von dummen Wählern, vom Rächer in der Hofburg oder vom Präsidenten der Wutbürger, von Abgehängten oder charakterlicher Schwäche lesen. Und dass man dergleichen nicht lesen wird, obwohl man damit nach der Wahl von Donald Trump zugeschüttet wurde, ist der beste Beleg für die gleichgeschaltete ideologische Färbung deutscher Medien, die angeblich doch unabhängig und überparteilich sein wollen.

Dass man dergleichen im Zusammenhang mit der Wahl von Donald Trump lesen musste, ist ein Beleg dafür, dass Moral und Anstand im deutschen Blätterwald unter fallendem Lauf 

Manche Deutsche lieben es, manipuliert zu werden

Vor wenigen Tagen haben wir einen Tweet der taz kritisiert, der eine Form der Manipulation darstellt, die man getrost als weit unter der Gürtellinie ansehen kann. Von Moral und Anstand zu sprechen, verbietet sich in diesem Fall von selbst.

Der Tweet lautet:
„In Zeiten von Trump und AfD ist der Blick zurück wichtiger denn je. Über Euthanasie in der NS-Zeit“

Im Tweet wird also ein Zusammenhang zwischen AfD, Trump und der Euthanasie in der NS-Zeit hergestellt. Im verlinkten Text kann man dann die Geschichte von Walter Frick nachlesen, der angesichts seiner Einberufung in die Wehrmacht wohl die Nerven verloren hat. Er wurde in die Nervenheilanstalt Bernau eingeliefert und ist dort kurze Zeit später verstorben. Ein Opfer von Euthanasie, wie seine Verwandten vermuten.

Was hat die Geschichte mit Trump und der AfD zu tun? Warum bringt die taz die Geschichte eines in der Nervenheilanstalt vermutlich oder vielleicht Ermordeten mit der AfD und Trump in Verbindung? Eigentlich ist der brachiale Versuch der Suggestion: Wenn die AfD an die Macht kommt, dann werden wieder Behinderte in der Anstalt umgebracht, [AfD mit Trump austauschbar] zu offensichtlich, als dass man ihn übersehen kann.

ManipulationstechnikenDas Problem mit suggestiver Manipulation, wenn sie dermaßen dumm angestellt wird, wie im Beispiel der taz, besteht nun darin, dass man es auch wörtlich nehmen und mit der vermeintlichen Euthanasie von Walter Frick beginnen kann, um aus der Geschichte in der taz auf den Tweet zu schließen und daraus die offensichtliche Empfehlung abzuleiten, aus der Vergangenheit zu lernen und aus Sicht der taz Behinderte wie Trump oder die Mitglieder der AfD per Euthanasie zu beseitigen.

Wir haben uns für die zweite Variante entschieden, um die taz in ihrer ganzen Armseligkeit bloßzustellen. Und wir mussten einmal mehr lernen, dass es offensichtlich in Deutschland Leute gibt, die uns Kommentare schicken, die selbst dieser Armseligkeit etwas abgewinnen können und behaupten, der Tweet sei gar nicht so gemeint, sei eigentlich ganz in Ordnung, jedenfalls kein Aufruf zur Euthanasie.

Angesichts dieses Ausmaßes an, sagen wir: Naivität, kann man nur Folgern, dass die entsprechenden Kommentatoren entweder dumm sind (oder bei der taz arbeiten) oder es lieben, manipuliert zu werden. Oder sie haben kein Problem mit Manipulation, so lange sie die politisch Andersdenkenden betrifft.

Wie kann man geistige Tiefschläfer wecken?
Wir haben uns für die taz-Brachialmethode entschieden und die ideologische Passung, die im taz Tweet vorhanden ist, gestrichen.

Was würden Sie wohl sagen angesichts eines Tweets wie:

In Zeiten von AIDS und LSBTI ist der Blick zurück wichtiger denn je. Über Euthanasie in der NS-Zeit:
Der Link führt auf die Geschichte von Walter Frick.

Oder wie wäre es damit:

In Zeiten von LINKE und Bündnis90/Grüne ist der Blick zurück wichtiger denn je: Über die Ermordung politisch anders Denkender während der Stalinistischen Säuberungen.

Oder, auch ganz nett:
In Zeiten von Feminismus ist der Blick zurück, wichtiger denn je: Miles wird von seiner Erzieherin ermordet.

Wie wäre es damit:
In Zeiten von Migration ist der Blick zurück, wichtiger denn je: Die Zerstörung Roms durch keltische Migranten.

Einer geht noch:
In Zeiten von Dummheit ist der Blick zurück, wichtiger denn je: Die Zerstörung der Bibliothek von Alexandria durch Caliph Omar.

Lust auf Brachialsuggestion wider den politischen Mainstream?

Schicken Sie uns ihren taz-Tweet als Kommentar!

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