WOW: Nazis bei der Amadeu-Antonio-Stiftung

Fragezeichen als Mittel der Suggestion, erfreuen sich übrigens einer zunehmenden Beliebtheit.

Nazis bei der Amadeu-Antonio-Stiftung?

Urteilen Sie selbst:

Der verlinkte Text berichtet darüber, dass Unbekannte versucht haben, zwei Obdachlose anzuzünden und zu ermorden. Von Sozialdarwinismus ist im Artikel keine Rede. Vielmehr wird sachlich berichtet, dass die Polizei zum Tathergang wenig und zum Täter, zu den Tätern bislang nichts ermitteln konnte. Im verlinkten Text gibt es keinerlei Mutmaßung darüber, welche Ursachen die versuchte Tötung zweier Obdachloser haben könnte.

Die Mutmaßung kommt von der Amadeu-Antonio-Stiftung und zeigt, bei der Stiftung sitzen die eigentlichen Nazis, denn die Erklärung, die die Stiftung suggerieren will, sie lautet: Die Täter, die rechten Täter versteht sich, waren von sozialdarwinistischen Säuberungsphantasien besessen.

Um auf dieses Erklärungsangebot zu kommen, muss man mehrere Prämissen haben:

  1. Man muss der Ansicht sein, dass obdachlose Männer lebensunwerter sind als andere Menschen.
  2. Man muss der Ansicht sein, dass durch die Beseitigung obdachloser Männer der menschlichen Spezies ein Dienst dahingehend erwiesen wird, dass die Unfitten ausgemerzt werden.
  3. Man muss der Ansicht sein, das Ziel menschlicher Gesellschaft bestehe darin, dass sich die Fitten gegenüber den Unfitten durchsetzen.

Logik f dummiesDiese Prämissen, die gemeinhin für Sozialdarwinismus stehen, werden durch den verlinkten Zeitungsartikel in keiner Weise nahegelegt. Es müssen also die Prämissen desjenigen sein, der für den Tweet der Amadeu-Antonio-Stiftung verantwortlich ist, denn niemand außer dem Tweeter ist auf die Idee gekommen, die Tat mit Sozialdarwinismus zu begründen. Da bislang niemand eine Idee von Motiven und Gründen für den versuchten Mord an Obdachlosen hat, ist die Idee, das Motiv und die Gründe seien in Sozialdarwinismus zu suchen, einzig und allein die Idee dessen, der sie getweetet hat (daran ändert auch das Fragezeichen nichts): Er ist wohl der Ansicht, Obdachlose seinen human trash. Er ist wohl der Ansicht, Obdachlose könnte man ohne Kosten für die Gesellschaft beseitigen. Und er ist wohl der Meinung, dass damit dem gesellschaftlichen Fortkommen gedient ist.

Nun ist es seit August Bebel eigentlich kein Geheimnis, dass sich Linke auf die Lehre von Darwin gestürzt und sie auf soziale Fragen übertragen haben. Dabei haben sie sich u.a. bei Ernst Haeckel bedient, einem Biologen, der Darwinismus zu jener, für den deutschen Sprachraum so eigenen Variante des Sozialdarwinismus weiterentwickelt hat. Die Attraktion von Sozialdarwinismus für Linke wie Bebel ist leicht zu erklären: Der Marxismus verkündet in seinem historischen Materialismus die Sukzession der Gesellschaftsformationen, von der Sklavenhaltergesellschaft bis in die Freiheit des Kommunismus. Der Sozialdarwinismus hat denselben Linken, die an die letztendliche Freiheit im Kommunismus glaubten, die Methode an die Hand gegeben, mit der sich die Sukzession der Gesellschaften vollzogen hat, nämlich dadurch, dass die fitte Gesellschaftsformation des Kommunismus z.B. die unfitte Gesellschaftsformation des Feudalismus (in Rußland) oder des Kapitalismus (bislang nirgends) ausmerzt. Rudimente dieser verqueeren Interpretation von Darwinismus, die Charles Darwin amüsiert, irritiert und verärgert hat, scheinen sich heute noch bei der Amadeu-Antonio-Stiftung zu finden. Dort scheint man der Ansicht zu sein, dass mit dem kommunistischen Paradies, der bürgerliche Nazi und der Human Trash bürgerlicher Gesellschaften ausgemerzt würden. Im Paradies, in dem alle bis auf die Schweine gleich sind, hat sich nämlich das Gute durchgesetzt.

Insofern Sozialdarwinismus den meisten Extremismusforschern trotz aller Belege für dessen Ursprung und Adaption im linken ideologischen Lager als Indikator rechtsextremen Gedankenguts, also für Nazis gilt, muss man feststellen: In der Amadeu Antonio Stiftung arbeitet mindestens ein Nazi, aber vermutlich mehrere.

Der Hitlergruß: Nazi-Sucht in Leipzig

Ein Grundpostulat des Symbolischen Interaktionismus lautet: Der Sinn einer Interaktion wird von den an der Interaktion Beteiligten, gemeinsam hergestellt. Was damit gemeint ist, kann man an einem Beispiel deutlich machen, das wir von Herbert Blumer, dem Gründungsvater des Symbolischen Interaktionismus, entliehen und für unsere Zwecke angepasst haben:

Interaktionbericht 1:

BlumerX berichtet, dass er A und B dabei beobachtet habe, wie sie sich prügeln. A sei dabei der aktivere gewesen. Er habe mit seiner Faust wiederholt auf B eingeschlagen, der seine Fäuste schützend vor das eigene Gesicht gehalten habe. Der ebenfalls anwesende C habe den Streit zwischen A und B anscheinend schlichten wollen.

Interaktionsbericht 2:

X erzählt vom Boxkampf zwischen A und B, der ziemlich einseitig verlaufen sei, denn: A war deutlich überlegen, und B wusste sich nur dadurch zu helfen, dass er versucht hat, die Schläge von A zu blocken. Schiedsrichter C hat leider zu häufig in den Kampf eingegriffen, so dass A seine Überlegenheit nicht durch den K.O. seines Gegners deutlich machen konnte.

Beide Male wird die gleiche Interaktion geschildert, aber der Sinn, der den jeweiligen Handlungssituationen zugeschrieben wird, ist ein gänzlich anderer. Die Beispiele machen zudem deutlich, dass die richtige Interpretation einer beobachteten Handlungssituation davon abhängt, dass der Beobachter den Handlungssinn, den die Handelnden in ihren Handlungen ausdrücken, richtig erschließen kann.

Wie falsch man dabei liegen kann, zeigt das Beispiel des ersten Beobachters, der den Boxkampf vollkommen missverstanden hat, und zwar deshalb, weil er den Sinn der Handlungen nicht erkannt und entsprechend falsch rekonstruiert hat.

Das Beispiel zeigt nicht nur, dass es möglich ist, ein und die selbe Situation mit völlig unterschiedlichen Sinnzuschreibungen zu versehen, es zeigt auch, dass Sinnzuschreibung eine Tätigkeit ist, an der sinnvollerweise all diejenigen teilnehmen, die auch an der Handlung beteiligt waren.

Und wie so oft, so kommen wir auch heute wieder bei den Gutmenschen an, die denken, sie könnten ihre Sinnzuschreibung absolut setzen und anderen aufoktroyieren, denn das, was sie sehen und als Sinn einer Handlung ausmachen, das MUSS der Sinn der Handlung gewesen sein. Zweifel ausgeschlossen. Nicht nur, sind Gutmenschen ungeeignet, um soziale Situationen zu analysieren, sie sind auch durch einen extremen Hang zum Dogmatismus gekennzeichnet, der sie nicht einmal in Betracht ziehen lässt, sie könnten mit ihrer Sinnzuschreibung einer Handlung so daneben liegen, dass die Zuschreibung eher ein Beleg für ihren geistig abnormalen Zustand ist als ein Beleg für das, was sie gesehen zu haben glauben.

blinder-schule-leipzigNehmen wir den Leipziger Schüler M, der seinen rechten Arm „halbwegs deutlich“ „auf Augenhöhe“ und mit „flacher Hand schräg nach oben“ gehalten hat. Damit so haben die Mitschüler von M., die Handlung rekonstruiert, habe sich M vor der Sonne, die ihn wohl geblendet habe, schützen wollen. Der Sozialkundelehrer von M, sah das anders: M habe einen Hitlergruß gezeigt. Und weil das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole im Strafgesetzbuch als Tatbestand erfasst ist, deshalb wurde M auf Betreiben seines Sozialkundelehrers und mit dem Segen des Leiters der Bernd Blindow Schule in Leipzig der Schule verwiesen. Die Staatsanwaltschaft hat keinerlei Grund gesehen, den Vorfall zu verfolgen.

Keine Pointe.

Das Beispiel von M, dessen Mitschülern und des Sozialkundelehrers macht deutlich, wie weit Sinnzuschreibungen voneinander abweichen können. Da gibt es den Schüler und seine Mitschüler, die die Notwendigkeit sehen, die Augen gegen die Sonne zu schützen und da gibt es den Lehrer, der darin einen Hitlergruß zu erkennen glaubt. Wer hat recht?

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Was ist hier zu sehen? Eine Aufgabe für den Sozialkundelehrer der Bernd Blindow Schule Leipzig

Der Schutz der eigenen Augen vor der Sonne, einfach dadurch, dass man die flache Hand nutzt, um die eigenen Augen mit Schatten zu versorgen, ist eine Tätigkeit, deren Sinn sich den meisten Beobachtern unmittelbar erschließt, und zwar aufgrund geteilter Menschlichkeit und der Kenntnis, einer im Moment der Handlung blendenden Sonne. Wenn nun ein Anwesender in der Handlung nicht den Schutz der eigenen Augen vor der Sonne, sondern einen Hitlergruß erkennt, dann muss er nicht nur unempfindlich gegen die Tatsache einer blendenden Sonne sein, er muss zudem eine ganz eigene Sinnstiftung vornehmen, die eine bestimmte Haltung der Hand als Hitlergruß und nur als Hitlergruß erkennt. Nicht genug damit, er muss den Hitlergruß auf der Rechnung haben, ständig erwarten, mit einem Hitlergruß konfrontiert zu werden und den anderen, in diesem Fall seinen Schülern, mit einem entsprechenden Argwohn gegenüberstehen. Um den Argwohn und die ständige mentale Habacht-Stellung gegenüber dem Hitlergruß sinnvoll fassen zu können, muss man annehmen, dass sich der entsprechende Lehrer von Nazi-Symbolik umstellt sieht, sie hinter jedem Busch, Baum und Mitmenschen lauern sieht und entsprechend ein psychopathisches Dasein führt, das man ihm dadurch erleichtern sollte, dass man nicht seine Schüler, sondern ihn von der Schule verweist, zunächst zur Entzugskur in einem naheliegenden Asyl, in dem man ihn in mühsamer Kleinarbeit und vermutlich über Monate hinweg, von seiner Nazi-Sucht entwöhnen muss, so lange, bis er bei normalen menschlichen Handlungen die normalen menschlichen Handlungen erkennt, die auch andere Mitglieder der Normalgesellschaft in dieser Situation erkennen.

Für die Schulleitung der Bernd Blindow Schule Leipzig mag es in Zukunft vielleicht sinnvoll sein, der Tatsache, dass an Interaktionen immer mindestens zwei beteiligt sind, dadurch Rechnung zu tragen, dass sie den Schüler, also M., danach befragt, was er mit seiner flachen Hand in Augenhöhe bezweckt hat. Sagt der Schüler: „Meine Augen vor der Sonne schützen“, dann steht seine Aussage, die praktisch nachvollziehbar ist, der Aussage des Lehrers, die nur ideologisch nachvollziehbar ist, gegenüber. In Fällen wie diesem, liegt es nahe, mit Ockhams Razor das anzunehmen, was häufiger vorkommt: Und die flache Hand zu benutzen, um die Augen gegen die Sonne zu schützen, ist häufiger, als die flache Hand zum Hitlergruß zu erheben.

Und selbst wenn es ein Hitlergruß gewesen wäre, so stellt sich die Frage, ob es in irgendeinem Verhältnis steht, einem Schüler die Bildungskarriere und damit seine Lebenschancen zu beschädigen, weil er einen Hitlergruß gezeigt hat. Lehrer, die diese Frage mit „ja“ beantworten, sind aus unserer Sicht nicht tragbar, schon weil die Schule nicht der Ort ist, um die richtige Gesinnung absolut zu setzen, sondern der Ort, an dem z.B. Sozialkundelehrer die Grundlagen des politischen Systems Deutschlands vermitteln sollen, also z.B. den Meinungsstreit als Grundlage der Auswahl des politischen Personals.


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US-Einreiseverbot: FakeNews, Uniformiertheit oder schlicht Stimmungsmache?

Heute.de meldet:

„Von dem US-Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Ländern könnten nach einer Schätzung der Bundesregierung über 130.000 Deutsche mit doppelter Staatsangehörigkeit betroffen sein. Das Innenministerium gab dazu am Montag in Berlin Zahlen von 2011 bekannt, aktuellere Daten existierten nicht. Neben dem deutschen Pass besaßen demnach 80.000 Menschen in der Bundesrepublik eine iranische Staatsangehörigkeit, mehr als 30.000 eine irakische, rund 25.000 besitzen einen syrischen Pass. “Die Zahlen können allenfalls als Richtgröße dienen”, so das Ministerium.“

Die ARD verbreitet Panik:

„Wer darf, wer darf nicht in die USA einreisen? Etwa 130.000 deutsche Doppelstaatler könnten vom Einreiseverbot betroffen sein – darunter Politiker, Journalisten, Kulturschaffende. Vor allem trifft das Dekret aber Menschen, die nicht mehr zu ihren Familien können.“

Seltsam nur, dass im nachfolgenden Text darauf hingewiesen wird, dass man im Auswärtigen Amt keine Ahnung zu haben vorgibt, ob Doppelpass-Inhabern, die z.B. die deutsche und die irakische Staatsangehörigkeit haben, die Einreise in die USA verwehrt wird.

Wie anders sich die Welt doch im Vereinigten Königreich darstellt.

Dort wird nicht vermutet, nicht prognostiziert. Dort ist man nicht ahnungslos und entsprechend finden sich auch keine Panikmeldungen in der Presse, denn Britannien hat einen Außenminister, der seine Arbeit macht:

“Foreign Secretary Boris Johnson said “all British passport holders remain welcome to travel to the US”.
In an address to the House of Commons, he added: “This executive order will make no difference to any British passport holder, irrespective of their country of birth or whether they hold another passport.
“This is of course a highly controversial policy, which has cause unease and I repeat, this is not an approach that this Government would take.”

Auch im Außenministerium ist man nicht so ahnungslos, wie auf der deutschen Seite der Nordsee:

“The US border clampdown should not affect UK nationals travelling to the US, even if they were born in one of the countries on which restrictions have been placed, officials say.”

Britische Inhaber eines Doppelpasses sind demnach nicht von einem Einreiseverbot in die USA betroffen. Mit einer gegebenen Realität in nüchterner Weise umzugehen, ist natürlich den Herz-Schmerz-Geschichten von den Familien und den Kulturschaffenden, die nicht in die USA dürfen, nicht förderlich. Vermutlich wird deshalb in deutschen Medien lieber spekuliert und Stimmungsmache verbreitet, kann man sich doch als guter Mensch, der vom Schreibtisch aus gegen die Übel der Welt kämpft, inszenieren.

Das ganze Theater macht deutlich, dass man in Deutschland nicht sicher ist, ob Inhaber eines Doppelpasses auch als Deutsche gelten.

Übrigens soll es früher Journalisten gegeben haben, die des Recherchierens mächtig waren und Mitarbeiter im Auswärtigen Amt, die ein Ferngespräch in die USA führen konnten.

The Last Stand: Sozialdemokratischer Volkssturm

Bei der SPD glaubt man, einen neuen Messias gefunden zu haben:

 

Die Schwarzen, das sei all denen gesagt, die es nicht wissen, das ist die CDU, damit sind keine Schwarzen gemeint – hoffentlich. Nein, es sind damit keine Schwarzen gemeint, denn Martin Schulz, um den es hier geht, er ist nicht als neuer Entwicklungsminister im Gespräch, er ist Kanzlerkandidat der SPD.

Kanzlerkandidat. Das Wort ist eine Reminiszenz an Zeiten als die SPD noch in die Nähe von 40% gekommen ist und ihren Spitzenkandidaten mit einiger Berechtigung als Kanzlerkandidaten bezeichnen konnte. Derzeit dümpelt die SPD aber bei etwas mehr als 20% in den Umfragen. Sie wissen schon: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre …und so weiter. 20% sind zu wenig, um Kanzler zu werden. Das weiß auch Martin Schulz, trotz seiner jahrelangen Abwesenheit in der Europäischen Enklave, in der Wahlprozente keine Rolle bei der Besetzung von Spitzenposten der Verwaltung spielen.

Deshalb hat sich Martin Schulz hohe Ziele gesetzt: Zur stärksten Kraft bei der Bundestagswahl will er die Genossen machen, Bundeskanzler will er werden. Warum nicht. Es gab schon unwahrscheinlichere Konstellationen. Selbst Gefreite aus dem ersten Weltkrieg haben es zum Reichskanzler gebracht, bar jeder formalen Bildung und nur mit der Kraft des eigenen oder zugeschriebenen Charisma bewaffnet.

Charisma. Hat Martin Schulz Charisma, jene Qualität die weibliche Wähler in Tränen ausbrechen lässt, wenn sie ihren Polit-Helden auch nur aus der Ferne sehen, jene Qualität, die männliche Wähler mit Stolz die Parteifahne tragen und die Reihen schließen lässt?

„C h a r i s m a t i s c h e H e r r s c h a f t“, so hat Max Weber geschrieben, ist Herrschaft „kraft affektiver Hingabe an die Person des Herrn und ihre Gnadengaben (Charisma), insbesondere: magische Fähigkeiten, Offenbarungen oder Heldentum, Macht des Geistes und der Rede. Das ewig Neue, Außerwerktägliche, Niedagewesene und die emotionale Hingenommenheit dadurch sind hier Quellen persönlicher Hingebung. Reinste Typen sind die Herrschaft des Propheten, des Kriegshelden, des großen Demagogen. Der Herrschaftsverband ist die Vergemeinschaftung in der Gemeinde oder Gefolgschaft. Der Typus des Befehlenden ist der F ü h r e r. Der Typus des Gehorchenden ist der J ü n g e r“ (Weber 1988: 481-482).

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Plakat aus dem Jahre 1949 – Man beachte den Umfang Deutschlands

Um Wählerstimmen kraft Charisma einzusammeln braucht es somit z.B. magische Fähigkeiten. Zum einen leben wir in aufgeklärten Zeiten, zum anderen ist Martin Schultz nicht einmal mit viel gutem Willen der Große Martini. Bleiben Offenbarung oder Heldentum. Die Offenbarung, dass Martin Schulz der von den SPD-Getreuen lange erwartete sozialistische Messias ist, mag unter Genossen auf offene Ohren stoßen, vor allem in Schleswig-Holstein soll das der Fall sein, aber im Kreise normaler Bürger, wird die Offenbarung eher taube Ohren vorfinden. Heldentum? Ansätze von Heldentum. Wer in dieser Zeit bereit ist, Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender der SPD zu sein, der muss Züge von Heldentum haben, etwa in der Weise, in der der naive Siegfried Heldenzüge hatte. Bleiben die Macht des Geistes und der Rede. Beides ist kaum zu trennen, nicht einmal durch die Nutzung eines Ghostwriters und für beides sieht es nicht sehr gut aus:

„Wir werden die Wahlen in diesem Jahr richtig spannend machen“, verspricht Schulz, mit Themen wie Steuergerechtigkeit, also dem alten Appell an den Neid, will er die Wahl spannend machen. Und mit der Warnung vor Populisten will er die Wahl spannend machen, etwa so: „Rattenfänger versuchen, auf dem Rücken von Flüchtlingen Kapital zu schlagen. Das ist schändlich und abstoßend“. Reiner Populismus, wenn nicht gar Hate Speech, was Martin Schulz hier von sich gibt, selbstreferentieller Populismus noch dazu, denn er versucht aus Flüchtlingen Kapitel zu schlagen. Er thematisiert Flüchtlinge. Will sich als guten Menschen inszenieren, der gut zu Flüchtlingen ist, sie für seine Zwecke benutzt, versucht, „auf deren Rücken“, wie er sagt, „Kapital zu schlagen“. Kapital schlägt man übrigens nicht auf, sondern aus etwas. Aber das nur nebenbei. Nein. Die Verbindung von Macht des Geistes und der Rede können wir auch streichen. Es bleibt schlicht nichts, was als Charisma durchgehen würde.

Bleibt die Hoffnung, ohne Charisma zur stärksten Partei zu werden. Um zur stärksten Partei zu werden, muss die SPD die CDU/CSU überholen, die derzeit bei rund 35% liegt. Von den 22% der SPD aus gesehen, ist also ein Zugewinn von 60% Wählerstimmen notwendig, um stärkste Partei zu werden. Das ist ein Ziel, das man getrost in das Reich der Illusion und absurden Hoffnung verbannen kann.

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Wahlplakat von 1920

Reiner Dinkel hat in den 1970er Jahren eine Theorie nach Deutschland gebracht, die recht erfolgreich ist, wenn es darum geht, den Ausgang von Hauptwahlen, also z.B. von Bundestagswahlen vorherzusagen. Diese „Nebenwahltheorie“ sieht einen zyklischen Verlauf der Stimmanteile regierender Parteien. Den Tiefpunkt in der Wählergunst erreichen Regierungsparteien regelmäßig in der Mitte der Legislaturperiode. Bis ungefähr zur Mitte der Legislaturperiode verlieren die Regierungsparteien in einem normalen Zyklus an Stimmanteilen, ab der Mitte gewinnen sie wieder hinzu. 41,5% hat die CDU/CSU in der Bundestagswahl 2013 erreicht, bei rund 35% wird sie derzeit geführt. Die SPD hat ein Ausgangsniveau von 25,7% und liegt derzeit bei gut 22%, Bis zur Bundestagswahl sind es noch ein paar Monate hin und mit der der Nebenwahltheorie kann man eine recht gute Vorhersage des Ausgangs der Wahlen treffen. Die CDU/CSU wird in die Nähe von 38% gelangen, die SPD in die Nähe von 24%. Das Ziel von Martin Schulz, die SPD zur stärksten Partei zu machen, auf der Grundlage der Nebenwahltheorie ist es ein illusorisches Ziel.

Kein Charisma, keine Aussicht, auch nur annähernd in die Nähe von 30% zu gelangen. Das Unterfangen „Mehrheit und Kanzlerschaft“ der SPD, es wirkt mehr wie das letzte Aufgebot, wie der Volkssturm der 2017er Jahre. Ein verzweifelter Versuch, den Niedergang einer ehemaligen Volkspartei dadurch zu stoppen, dass man die glorreichen vergangenen Tage beschwört und diejenigen ins Rennen schickt, die man in guten Zeiten nicht an die Wahlfront geschickt hätte, Leute wie Martin Schulz, z.B., die sich dafür hergeben, in aussichtsloser Wahlschlacht verheizt zu werden und die sich freuen, als Sonnenkönig bis zur Wahl gefeiert und in der Wahl geopfert zu werden.

Deutschland ist nur ein imaginiertes „Wir-Phantasma“ – Wissen

Angeblich leben wir in der Moderne. Wenn wir in der Moderne leben, dann teilt die Moderne viele Eigenschaften der vor-sokratischen Phase, in der Philosophie noch als das Forschen nach dem letzten Grund betrieben wurde. Dieser letzte Grund, ob er monistisch oder pluralistisch bestimmt wurde, er galt als das, was die Welt im Innersten zusammenhält, und er war den einen die reine Idee und den anderen die reine Materie.

Heute sind manche nicht viel weiter, gibt es doch Strömungen, die man als Umkehrung der Suche nach dem letzten Grund ansehen kann, Strömungen, die von dessen nicht-Existenz ausgehen, es gibt ihn weder als reine Idee noch als reine Materie. Was es für die Vertreter dieser Ansicht gibt, sind (reine?) Symbole und andere Formen von Einbildungen, aus denen dann doch und irgendwie eine materielle Existenz erwächst.

anderson-imagined-communitiesEine dieser Einbildungen ist die Nation. Die Nation, nennen wir sie Deutschland, ist keine reine Idee und auch keine reine Materie, das kann sie auch nicht sein, denn Deutschland wurde als Begriff nicht im Walhalla der Weltenschöpfung festgelegt und Deutschland als Land kann keine materielle Eigenheit für sich beanspruchen, wie schon die Tatsache sich verändernder Bevölkerung und Außengrenzen zeigt. Daraus müsste man nun eigentlich den Schluss ziehen, dass Deutschland eine mehr oder weniger willkürliche Bezeichnung für eine gegebene Entität ist und dass die Konstitution dieser Entität über eine Vermengung objektiver Fakten und ideeller Zuschreibungen erfolgt. Ersteres wird deutlich, wenn man versucht, von Deutschland in die USA zu reisen, und zwar ohne einen materiellen Beleg für die Existenz Deutschlands, genannt Pass, der dieses Unterfangen erst ermöglicht. Letzteres wird dadurch deutlich, dass die Existenz Deutschlands schnell beendet wäre, wenn die Bewohner des Gebiets, das mit Deutschland umschrieben wird, aufhören, an die Existenz Deutschlands zu glauben und sich statt dessen, anders, vielleicht Bewohner des MilchundHong-Landes nennen, MuHols…

Das, wie gesagt, wäre die normale Reaktion, die man von rationalen Menschen und allen voran von Wissenschaftlern erwarten würde. Und dann gibt es die Reaktion von denen, die sich für besonders kritisch halten, dabei aber das Problem haben, dass Anspruch und Wirklichkeit ihrer intellektuellen Kapazität auseinanderklaffen, so weit, dass die entstehende Lücke durch ein Geflecht aus sprachlichen Lauten, die man am besten als pseudo-intellektuelles Geschwätz bezeichnen kann, überdeckt werden muss, etwa so:

„ (1) Die nationalstaatliche Regulation der migrationsgesellschaftlichen Tatsache ist ganz sicher nicht die einzige bedeutsame Regulationsebene, aber eine relevante. (2) Sie antwortet einem strategischen Bedarf, der dadurch entsteht, dass die imaginierte Einheit ‚Nation‘ durch Prozesse, die nicht allein mit Migrationsphänomenen, aber auch mit diesen einhergehen und aus ihnen resultieren, bei denen Phänomene des faktischen und symbolischen Überschreitens und Infragestellens der nationalen Grenzen eine prominente Rolle spielen, in eine Krise gerät. (3) Es können hier zwei Typen von Krisen unterschieden werden: eine Art Identitätskrise, die zentral darauf verweist, dass die Plausibilität eines Wir-Phantasmas in Bedrängnis gerät, und eine Funktionskrise, in der es um die quantitativ-qualitative Regelung des Nachschubs an Subjekten für den funktionalen Bestand nationalstaatlicher Realität geht.“

Produziert wurde dieser Beleg dafür, dass Sprache eben nicht der Verständigung dient, von Inci Dirim und Paul Mecheril, und zwar unter der Überschrift: Warum nicht jede Sprache in aller Munde sein darf? Formelle und informelle Sprachregelungen als Bewahrung von Zugehörigkeitsordnungen.

Popper hat sich einst den Spaß gemacht, prätentiöses Geschwafel von Habermas auf dessen nichtssagenen Kern zu reduzieren. Wir wollen es Popper hier einmal gleichtun.

Die oben aneinandergereihten Sätze, die wir durchnummeriert haben, können wie folgt übersetzt werden:
(1) Nationalstaaten regeln die Ein- und Ausreise, z.B. durch Gesetze.
(2) Diese Regelung wird notwendig, weil Nationalstaaten eingebildet sind, nicht wirklich existieren. Deshalb geraten Nationalstaaten (also die Einbildung es gäbe Nationalstaaten) dann in eine Krise, wenn eine große Zahl fremder Personen einreist.
(3) Zwei Krisen können unterschieden werden: (a) die Identitätskrise: Die Einbildung vom Nationalstaat wird durch Zuzug gefährdet. (b) die Funktionskrise: Die Frage, sind Geburten oder Migranten wichtiger, um die Phantasie „Nationalstaat“ aufrechtzuerhalten, wird diskutiert.

Was oben so wortreich zusammengeschrieben wurde, klingt doch ziemlich profan, wenn man es auf seinen Bedeutungskern reduziert: Menschen bilden sich ein, dass es ihren Nationalstaat gibt und wenn Menschen zuziehen, die fremd sind, dann geraten die Menschen mit ihrer Einbildung in die Krise, funktional und symbolisch.

Tatsächlich kling das so profan, dass sich drei Fragen aufdrängen: (1) Was hat das mit Wissenschaft zu tun? (2) Ist es wirklich Wissenschaft, wenn man die Existenz von etwas, das sich im täglichen Leben der Menschen niederschlägt, als imaginiert behauptet und Krisen konstruiert, die das, was als imaginiert behauptet wird, faktisch, nämlich durch ganz materiellen Zuzug in die als imaginiert phantasierte nationale Welt in Frage stellen? Oder, logisch gefragt: Kann man eine „ideell gedachte Entität“ (Nationalstaat) durch materielle Entitäten (Flüchtlinge) in Frage stellen? Und (3) ist das noch normal, die real erfahrbare Welt in Frage zu stellen, und zwar auf Grundlage des Missverständnisses, dass Begriffe wie „Deutschland“, die natürlich keine Existenz haben, sondern sprachliche Repräsentationen von etwas sind, deshalb, weil sie willkürlich sind, sich auch auf kein real existierendes Objekt beziehen können? Eigentlich beginnt Wissenschaft damit, dass man die Ontologie und die Erkenntnisfähigkeit zu unterscheiden im Stande ist, also z.B. weiß, dass es einen Unterschied zwischen dem, was bezeichnet wird und dem, was es bezeichnet, gibt. Derzeit sehen wir einen Advent von Spinnern, die der Ansicht sind, das Bezeichnende sei das Bezeichnete. Offensichtlich ist hier in der Sozialisation einiges schief gegangen, was uns zu W. V. Quine bringt, der sich umfassend mit Wort und Gegenstand befasst hat und in seinem gleichnamigen Buch eine hervorragende Beschreibung für das hier aufgezeigte Phänomen bietet:

quine-wort-gegenstand“Eine der Merkwürdigkeiten unserer schwatzhaften Spezies ist die Lallphase im ausgehenden Säuglingsalter. Während dieser Zeit gibt das ziellose Stimmverhalten den Eltern anhaltende Gelegenheit zu Verstärkung von Zufalls-Äußerungen, die ihnen passend erscheinen und so werden die ersten Anfangsgründe der gesprochenen Sprache weitergegeben. Das Lallen fällt unter das von Skinner so bezeichnete operante Veralten, das nicht ausgelöst, sondern vielmehr geäußert wird. Operantes Verhalten läßt sich bei Menschen und anderen Lebewesen durch rasche Belohnung selektiv verstärken. Das Lebewesen neigt dazu, die belohnende Handlung zu wiederholen, wenn Reize, die bei der ersten Ausführung zufällig präsent waren, erneut auftauchen“ (Quine, 1980: 149)

Was, wenn in der Lallphase das Lallen belohnt wird, von Peers oder in Netzwerken, in denen dem Lallen ein hoher Wert zugewiesen wird. Dann ist anzunehmen, dass Lallen zu einem festen konditionierten Verhalten wird, dessen Belohnung darin besteht, dass die Angehörigen im Netzwerke des Lallens, das Lallen, zwar nicht verstehen, aber positiv bewerten. Somit bleibt nur noch eine Frage: Wie konnten es Mitglieder aus Lall-Netzwerken an Universitäten schaffen.

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