WOW: Nazis bei der Amadeu-Antonio-Stiftung

Fragezeichen als Mittel der Suggestion, erfreuen sich übrigens einer zunehmenden Beliebtheit.

Nazis bei der Amadeu-Antonio-Stiftung?

Urteilen Sie selbst:

Der verlinkte Text berichtet darüber, dass Unbekannte versucht haben, zwei Obdachlose anzuzünden und zu ermorden. Von Sozialdarwinismus ist im Artikel keine Rede. Vielmehr wird sachlich berichtet, dass die Polizei zum Tathergang wenig und zum Täter, zu den Tätern bislang nichts ermitteln konnte. Im verlinkten Text gibt es keinerlei Mutmaßung darüber, welche Ursachen die versuchte Tötung zweier Obdachloser haben könnte.

Die Mutmaßung kommt von der Amadeu-Antonio-Stiftung und zeigt, bei der Stiftung sitzen die eigentlichen Nazis, denn die Erklärung, die die Stiftung suggerieren will, sie lautet: Die Täter, die rechten Täter versteht sich, waren von sozialdarwinistischen Säuberungsphantasien besessen.

Um auf dieses Erklärungsangebot zu kommen, muss man mehrere Prämissen haben:

  1. Man muss der Ansicht sein, dass obdachlose Männer lebensunwerter sind als andere Menschen.
  2. Man muss der Ansicht sein, dass durch die Beseitigung obdachloser Männer der menschlichen Spezies ein Dienst dahingehend erwiesen wird, dass die Unfitten ausgemerzt werden.
  3. Man muss der Ansicht sein, das Ziel menschlicher Gesellschaft bestehe darin, dass sich die Fitten gegenüber den Unfitten durchsetzen.

Logik f dummiesDiese Prämissen, die gemeinhin für Sozialdarwinismus stehen, werden durch den verlinkten Zeitungsartikel in keiner Weise nahegelegt. Es müssen also die Prämissen desjenigen sein, der für den Tweet der Amadeu-Antonio-Stiftung verantwortlich ist, denn niemand außer dem Tweeter ist auf die Idee gekommen, die Tat mit Sozialdarwinismus zu begründen. Da bislang niemand eine Idee von Motiven und Gründen für den versuchten Mord an Obdachlosen hat, ist die Idee, das Motiv und die Gründe seien in Sozialdarwinismus zu suchen, einzig und allein die Idee dessen, der sie getweetet hat (daran ändert auch das Fragezeichen nichts): Er ist wohl der Ansicht, Obdachlose seinen human trash. Er ist wohl der Ansicht, Obdachlose könnte man ohne Kosten für die Gesellschaft beseitigen. Und er ist wohl der Meinung, dass damit dem gesellschaftlichen Fortkommen gedient ist.

Nun ist es seit August Bebel eigentlich kein Geheimnis, dass sich Linke auf die Lehre von Darwin gestürzt und sie auf soziale Fragen übertragen haben. Dabei haben sie sich u.a. bei Ernst Haeckel bedient, einem Biologen, der Darwinismus zu jener, für den deutschen Sprachraum so eigenen Variante des Sozialdarwinismus weiterentwickelt hat. Die Attraktion von Sozialdarwinismus für Linke wie Bebel ist leicht zu erklären: Der Marxismus verkündet in seinem historischen Materialismus die Sukzession der Gesellschaftsformationen, von der Sklavenhaltergesellschaft bis in die Freiheit des Kommunismus. Der Sozialdarwinismus hat denselben Linken, die an die letztendliche Freiheit im Kommunismus glaubten, die Methode an die Hand gegeben, mit der sich die Sukzession der Gesellschaften vollzogen hat, nämlich dadurch, dass die fitte Gesellschaftsformation des Kommunismus z.B. die unfitte Gesellschaftsformation des Feudalismus (in Rußland) oder des Kapitalismus (bislang nirgends) ausmerzt. Rudimente dieser verqueeren Interpretation von Darwinismus, die Charles Darwin amüsiert, irritiert und verärgert hat, scheinen sich heute noch bei der Amadeu-Antonio-Stiftung zu finden. Dort scheint man der Ansicht zu sein, dass mit dem kommunistischen Paradies, der bürgerliche Nazi und der Human Trash bürgerlicher Gesellschaften ausgemerzt würden. Im Paradies, in dem alle bis auf die Schweine gleich sind, hat sich nämlich das Gute durchgesetzt.

Insofern Sozialdarwinismus den meisten Extremismusforschern trotz aller Belege für dessen Ursprung und Adaption im linken ideologischen Lager als Indikator rechtsextremen Gedankenguts, also für Nazis gilt, muss man feststellen: In der Amadeu Antonio Stiftung arbeitet mindestens ein Nazi, aber vermutlich mehrere.

Der Hitlergruß: Nazi-Sucht in Leipzig

Ein Grundpostulat des Symbolischen Interaktionismus lautet: Der Sinn einer Interaktion wird von den an der Interaktion Beteiligten, gemeinsam hergestellt. Was damit gemeint ist, kann man an einem Beispiel deutlich machen, das wir von Herbert Blumer, dem Gründungsvater des Symbolischen Interaktionismus, entliehen und für unsere Zwecke angepasst haben:

Interaktionbericht 1:

BlumerX berichtet, dass er A und B dabei beobachtet habe, wie sie sich prügeln. A sei dabei der aktivere gewesen. Er habe mit seiner Faust wiederholt auf B eingeschlagen, der seine Fäuste schützend vor das eigene Gesicht gehalten habe. Der ebenfalls anwesende C habe den Streit zwischen A und B anscheinend schlichten wollen.

Interaktionsbericht 2:

X erzählt vom Boxkampf zwischen A und B, der ziemlich einseitig verlaufen sei, denn: A war deutlich überlegen, und B wusste sich nur dadurch zu helfen, dass er versucht hat, die Schläge von A zu blocken. Schiedsrichter C hat leider zu häufig in den Kampf eingegriffen, so dass A seine Überlegenheit nicht durch den K.O. seines Gegners deutlich machen konnte.

Beide Male wird die gleiche Interaktion geschildert, aber der Sinn, der den jeweiligen Handlungssituationen zugeschrieben wird, ist ein gänzlich anderer. Die Beispiele machen zudem deutlich, dass die richtige Interpretation einer beobachteten Handlungssituation davon abhängt, dass der Beobachter den Handlungssinn, den die Handelnden in ihren Handlungen ausdrücken, richtig erschließen kann.

Wie falsch man dabei liegen kann, zeigt das Beispiel des ersten Beobachters, der den Boxkampf vollkommen missverstanden hat, und zwar deshalb, weil er den Sinn der Handlungen nicht erkannt und entsprechend falsch rekonstruiert hat.

Das Beispiel zeigt nicht nur, dass es möglich ist, ein und die selbe Situation mit völlig unterschiedlichen Sinnzuschreibungen zu versehen, es zeigt auch, dass Sinnzuschreibung eine Tätigkeit ist, an der sinnvollerweise all diejenigen teilnehmen, die auch an der Handlung beteiligt waren.

Und wie so oft, so kommen wir auch heute wieder bei den Gutmenschen an, die denken, sie könnten ihre Sinnzuschreibung absolut setzen und anderen aufoktroyieren, denn das, was sie sehen und als Sinn einer Handlung ausmachen, das MUSS der Sinn der Handlung gewesen sein. Zweifel ausgeschlossen. Nicht nur, sind Gutmenschen ungeeignet, um soziale Situationen zu analysieren, sie sind auch durch einen extremen Hang zum Dogmatismus gekennzeichnet, der sie nicht einmal in Betracht ziehen lässt, sie könnten mit ihrer Sinnzuschreibung einer Handlung so daneben liegen, dass die Zuschreibung eher ein Beleg für ihren geistig abnormalen Zustand ist als ein Beleg für das, was sie gesehen zu haben glauben.

blinder-schule-leipzigNehmen wir den Leipziger Schüler M, der seinen rechten Arm „halbwegs deutlich“ „auf Augenhöhe“ und mit „flacher Hand schräg nach oben“ gehalten hat. Damit so haben die Mitschüler von M., die Handlung rekonstruiert, habe sich M vor der Sonne, die ihn wohl geblendet habe, schützen wollen. Der Sozialkundelehrer von M, sah das anders: M habe einen Hitlergruß gezeigt. Und weil das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole im Strafgesetzbuch als Tatbestand erfasst ist, deshalb wurde M auf Betreiben seines Sozialkundelehrers und mit dem Segen des Leiters der Bernd Blindow Schule in Leipzig der Schule verwiesen. Die Staatsanwaltschaft hat keinerlei Grund gesehen, den Vorfall zu verfolgen.

Keine Pointe.

Das Beispiel von M, dessen Mitschülern und des Sozialkundelehrers macht deutlich, wie weit Sinnzuschreibungen voneinander abweichen können. Da gibt es den Schüler und seine Mitschüler, die die Notwendigkeit sehen, die Augen gegen die Sonne zu schützen und da gibt es den Lehrer, der darin einen Hitlergruß zu erkennen glaubt. Wer hat recht?

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Was ist hier zu sehen? Eine Aufgabe für den Sozialkundelehrer der Bernd Blindow Schule Leipzig

Der Schutz der eigenen Augen vor der Sonne, einfach dadurch, dass man die flache Hand nutzt, um die eigenen Augen mit Schatten zu versorgen, ist eine Tätigkeit, deren Sinn sich den meisten Beobachtern unmittelbar erschließt, und zwar aufgrund geteilter Menschlichkeit und der Kenntnis, einer im Moment der Handlung blendenden Sonne. Wenn nun ein Anwesender in der Handlung nicht den Schutz der eigenen Augen vor der Sonne, sondern einen Hitlergruß erkennt, dann muss er nicht nur unempfindlich gegen die Tatsache einer blendenden Sonne sein, er muss zudem eine ganz eigene Sinnstiftung vornehmen, die eine bestimmte Haltung der Hand als Hitlergruß und nur als Hitlergruß erkennt. Nicht genug damit, er muss den Hitlergruß auf der Rechnung haben, ständig erwarten, mit einem Hitlergruß konfrontiert zu werden und den anderen, in diesem Fall seinen Schülern, mit einem entsprechenden Argwohn gegenüberstehen. Um den Argwohn und die ständige mentale Habacht-Stellung gegenüber dem Hitlergruß sinnvoll fassen zu können, muss man annehmen, dass sich der entsprechende Lehrer von Nazi-Symbolik umstellt sieht, sie hinter jedem Busch, Baum und Mitmenschen lauern sieht und entsprechend ein psychopathisches Dasein führt, das man ihm dadurch erleichtern sollte, dass man nicht seine Schüler, sondern ihn von der Schule verweist, zunächst zur Entzugskur in einem naheliegenden Asyl, in dem man ihn in mühsamer Kleinarbeit und vermutlich über Monate hinweg, von seiner Nazi-Sucht entwöhnen muss, so lange, bis er bei normalen menschlichen Handlungen die normalen menschlichen Handlungen erkennt, die auch andere Mitglieder der Normalgesellschaft in dieser Situation erkennen.

Für die Schulleitung der Bernd Blindow Schule Leipzig mag es in Zukunft vielleicht sinnvoll sein, der Tatsache, dass an Interaktionen immer mindestens zwei beteiligt sind, dadurch Rechnung zu tragen, dass sie den Schüler, also M., danach befragt, was er mit seiner flachen Hand in Augenhöhe bezweckt hat. Sagt der Schüler: „Meine Augen vor der Sonne schützen“, dann steht seine Aussage, die praktisch nachvollziehbar ist, der Aussage des Lehrers, die nur ideologisch nachvollziehbar ist, gegenüber. In Fällen wie diesem, liegt es nahe, mit Ockhams Razor das anzunehmen, was häufiger vorkommt: Und die flache Hand zu benutzen, um die Augen gegen die Sonne zu schützen, ist häufiger, als die flache Hand zum Hitlergruß zu erheben.

Und selbst wenn es ein Hitlergruß gewesen wäre, so stellt sich die Frage, ob es in irgendeinem Verhältnis steht, einem Schüler die Bildungskarriere und damit seine Lebenschancen zu beschädigen, weil er einen Hitlergruß gezeigt hat. Lehrer, die diese Frage mit „ja“ beantworten, sind aus unserer Sicht nicht tragbar, schon weil die Schule nicht der Ort ist, um die richtige Gesinnung absolut zu setzen, sondern der Ort, an dem z.B. Sozialkundelehrer die Grundlagen des politischen Systems Deutschlands vermitteln sollen, also z.B. den Meinungsstreit als Grundlage der Auswahl des politischen Personals.


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US-Einreiseverbot: FakeNews, Uniformiertheit oder schlicht Stimmungsmache?

Heute.de meldet:

„Von dem US-Einreiseverbot für Bürger aus sieben muslimischen Ländern könnten nach einer Schätzung der Bundesregierung über 130.000 Deutsche mit doppelter Staatsangehörigkeit betroffen sein. Das Innenministerium gab dazu am Montag in Berlin Zahlen von 2011 bekannt, aktuellere Daten existierten nicht. Neben dem deutschen Pass besaßen demnach 80.000 Menschen in der Bundesrepublik eine iranische Staatsangehörigkeit, mehr als 30.000 eine irakische, rund 25.000 besitzen einen syrischen Pass. „Die Zahlen können allenfalls als Richtgröße dienen“, so das Ministerium.“

Die ARD verbreitet Panik:

„Wer darf, wer darf nicht in die USA einreisen? Etwa 130.000 deutsche Doppelstaatler könnten vom Einreiseverbot betroffen sein – darunter Politiker, Journalisten, Kulturschaffende. Vor allem trifft das Dekret aber Menschen, die nicht mehr zu ihren Familien können.“

Seltsam nur, dass im nachfolgenden Text darauf hingewiesen wird, dass man im Auswärtigen Amt keine Ahnung zu haben vorgibt, ob Doppelpass-Inhabern, die z.B. die deutsche und die irakische Staatsangehörigkeit haben, die Einreise in die USA verwehrt wird.

Wie anders sich die Welt doch im Vereinigten Königreich darstellt.

Dort wird nicht vermutet, nicht prognostiziert. Dort ist man nicht ahnungslos und entsprechend finden sich auch keine Panikmeldungen in der Presse, denn Britannien hat einen Außenminister, der seine Arbeit macht:

“Foreign Secretary Boris Johnson said „all British passport holders remain welcome to travel to the US“.
In an address to the House of Commons, he added: „This executive order will make no difference to any British passport holder, irrespective of their country of birth or whether they hold another passport.
„This is of course a highly controversial policy, which has cause unease and I repeat, this is not an approach that this Government would take.“

Auch im Außenministerium ist man nicht so ahnungslos, wie auf der deutschen Seite der Nordsee:

„The US border clampdown should not affect UK nationals travelling to the US, even if they were born in one of the countries on which restrictions have been placed, officials say.“

Britische Inhaber eines Doppelpasses sind demnach nicht von einem Einreiseverbot in die USA betroffen. Mit einer gegebenen Realität in nüchterner Weise umzugehen, ist natürlich den Herz-Schmerz-Geschichten von den Familien und den Kulturschaffenden, die nicht in die USA dürfen, nicht förderlich. Vermutlich wird deshalb in deutschen Medien lieber spekuliert und Stimmungsmache verbreitet, kann man sich doch als guter Mensch, der vom Schreibtisch aus gegen die Übel der Welt kämpft, inszenieren.

Das ganze Theater macht deutlich, dass man in Deutschland nicht sicher ist, ob Inhaber eines Doppelpasses auch als Deutsche gelten.

Übrigens soll es früher Journalisten gegeben haben, die des Recherchierens mächtig waren und Mitarbeiter im Auswärtigen Amt, die ein Ferngespräch in die USA führen konnten.

The Last Stand: Sozialdemokratischer Volkssturm

Bei der SPD glaubt man, einen neuen Messias gefunden zu haben:

 

Die Schwarzen, das sei all denen gesagt, die es nicht wissen, das ist die CDU, damit sind keine Schwarzen gemeint – hoffentlich. Nein, es sind damit keine Schwarzen gemeint, denn Martin Schulz, um den es hier geht, er ist nicht als neuer Entwicklungsminister im Gespräch, er ist Kanzlerkandidat der SPD.

Kanzlerkandidat. Das Wort ist eine Reminiszenz an Zeiten als die SPD noch in die Nähe von 40% gekommen ist und ihren Spitzenkandidaten mit einiger Berechtigung als Kanzlerkandidaten bezeichnen konnte. Derzeit dümpelt die SPD aber bei etwas mehr als 20% in den Umfragen. Sie wissen schon: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre …und so weiter. 20% sind zu wenig, um Kanzler zu werden. Das weiß auch Martin Schulz, trotz seiner jahrelangen Abwesenheit in der Europäischen Enklave, in der Wahlprozente keine Rolle bei der Besetzung von Spitzenposten der Verwaltung spielen.

Deshalb hat sich Martin Schulz hohe Ziele gesetzt: Zur stärksten Kraft bei der Bundestagswahl will er die Genossen machen, Bundeskanzler will er werden. Warum nicht. Es gab schon unwahrscheinlichere Konstellationen. Selbst Gefreite aus dem ersten Weltkrieg haben es zum Reichskanzler gebracht, bar jeder formalen Bildung und nur mit der Kraft des eigenen oder zugeschriebenen Charisma bewaffnet.

Charisma. Hat Martin Schulz Charisma, jene Qualität die weibliche Wähler in Tränen ausbrechen lässt, wenn sie ihren Polit-Helden auch nur aus der Ferne sehen, jene Qualität, die männliche Wähler mit Stolz die Parteifahne tragen und die Reihen schließen lässt?

„C h a r i s m a t i s c h e H e r r s c h a f t“, so hat Max Weber geschrieben, ist Herrschaft „kraft affektiver Hingabe an die Person des Herrn und ihre Gnadengaben (Charisma), insbesondere: magische Fähigkeiten, Offenbarungen oder Heldentum, Macht des Geistes und der Rede. Das ewig Neue, Außerwerktägliche, Niedagewesene und die emotionale Hingenommenheit dadurch sind hier Quellen persönlicher Hingebung. Reinste Typen sind die Herrschaft des Propheten, des Kriegshelden, des großen Demagogen. Der Herrschaftsverband ist die Vergemeinschaftung in der Gemeinde oder Gefolgschaft. Der Typus des Befehlenden ist der F ü h r e r. Der Typus des Gehorchenden ist der J ü n g e r“ (Weber 1988: 481-482).

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Plakat aus dem Jahre 1949 – Man beachte den Umfang Deutschlands

Um Wählerstimmen kraft Charisma einzusammeln braucht es somit z.B. magische Fähigkeiten. Zum einen leben wir in aufgeklärten Zeiten, zum anderen ist Martin Schultz nicht einmal mit viel gutem Willen der Große Martini. Bleiben Offenbarung oder Heldentum. Die Offenbarung, dass Martin Schulz der von den SPD-Getreuen lange erwartete sozialistische Messias ist, mag unter Genossen auf offene Ohren stoßen, vor allem in Schleswig-Holstein soll das der Fall sein, aber im Kreise normaler Bürger, wird die Offenbarung eher taube Ohren vorfinden. Heldentum? Ansätze von Heldentum. Wer in dieser Zeit bereit ist, Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender der SPD zu sein, der muss Züge von Heldentum haben, etwa in der Weise, in der der naive Siegfried Heldenzüge hatte. Bleiben die Macht des Geistes und der Rede. Beides ist kaum zu trennen, nicht einmal durch die Nutzung eines Ghostwriters und für beides sieht es nicht sehr gut aus:

„Wir werden die Wahlen in diesem Jahr richtig spannend machen“, verspricht Schulz, mit Themen wie Steuergerechtigkeit, also dem alten Appell an den Neid, will er die Wahl spannend machen. Und mit der Warnung vor Populisten will er die Wahl spannend machen, etwa so: „Rattenfänger versuchen, auf dem Rücken von Flüchtlingen Kapital zu schlagen. Das ist schändlich und abstoßend“. Reiner Populismus, wenn nicht gar Hate Speech, was Martin Schulz hier von sich gibt, selbstreferentieller Populismus noch dazu, denn er versucht aus Flüchtlingen Kapitel zu schlagen. Er thematisiert Flüchtlinge. Will sich als guten Menschen inszenieren, der gut zu Flüchtlingen ist, sie für seine Zwecke benutzt, versucht, „auf deren Rücken“, wie er sagt, „Kapital zu schlagen“. Kapital schlägt man übrigens nicht auf, sondern aus etwas. Aber das nur nebenbei. Nein. Die Verbindung von Macht des Geistes und der Rede können wir auch streichen. Es bleibt schlicht nichts, was als Charisma durchgehen würde.

Bleibt die Hoffnung, ohne Charisma zur stärksten Partei zu werden. Um zur stärksten Partei zu werden, muss die SPD die CDU/CSU überholen, die derzeit bei rund 35% liegt. Von den 22% der SPD aus gesehen, ist also ein Zugewinn von 60% Wählerstimmen notwendig, um stärkste Partei zu werden. Das ist ein Ziel, das man getrost in das Reich der Illusion und absurden Hoffnung verbannen kann.

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Wahlplakat von 1920

Reiner Dinkel hat in den 1970er Jahren eine Theorie nach Deutschland gebracht, die recht erfolgreich ist, wenn es darum geht, den Ausgang von Hauptwahlen, also z.B. von Bundestagswahlen vorherzusagen. Diese „Nebenwahltheorie“ sieht einen zyklischen Verlauf der Stimmanteile regierender Parteien. Den Tiefpunkt in der Wählergunst erreichen Regierungsparteien regelmäßig in der Mitte der Legislaturperiode. Bis ungefähr zur Mitte der Legislaturperiode verlieren die Regierungsparteien in einem normalen Zyklus an Stimmanteilen, ab der Mitte gewinnen sie wieder hinzu. 41,5% hat die CDU/CSU in der Bundestagswahl 2013 erreicht, bei rund 35% wird sie derzeit geführt. Die SPD hat ein Ausgangsniveau von 25,7% und liegt derzeit bei gut 22%, Bis zur Bundestagswahl sind es noch ein paar Monate hin und mit der der Nebenwahltheorie kann man eine recht gute Vorhersage des Ausgangs der Wahlen treffen. Die CDU/CSU wird in die Nähe von 38% gelangen, die SPD in die Nähe von 24%. Das Ziel von Martin Schulz, die SPD zur stärksten Partei zu machen, auf der Grundlage der Nebenwahltheorie ist es ein illusorisches Ziel.

Kein Charisma, keine Aussicht, auch nur annähernd in die Nähe von 30% zu gelangen. Das Unterfangen „Mehrheit und Kanzlerschaft“ der SPD, es wirkt mehr wie das letzte Aufgebot, wie der Volkssturm der 2017er Jahre. Ein verzweifelter Versuch, den Niedergang einer ehemaligen Volkspartei dadurch zu stoppen, dass man die glorreichen vergangenen Tage beschwört und diejenigen ins Rennen schickt, die man in guten Zeiten nicht an die Wahlfront geschickt hätte, Leute wie Martin Schulz, z.B., die sich dafür hergeben, in aussichtsloser Wahlschlacht verheizt zu werden und die sich freuen, als Sonnenkönig bis zur Wahl gefeiert und in der Wahl geopfert zu werden.

Deutschland ist nur ein imaginiertes „Wir-Phantasma“ – Wissen

Angeblich leben wir in der Moderne. Wenn wir in der Moderne leben, dann teilt die Moderne viele Eigenschaften der vor-sokratischen Phase, in der Philosophie noch als das Forschen nach dem letzten Grund betrieben wurde. Dieser letzte Grund, ob er monistisch oder pluralistisch bestimmt wurde, er galt als das, was die Welt im Innersten zusammenhält, und er war den einen die reine Idee und den anderen die reine Materie.

Heute sind manche nicht viel weiter, gibt es doch Strömungen, die man als Umkehrung der Suche nach dem letzten Grund ansehen kann, Strömungen, die von dessen nicht-Existenz ausgehen, es gibt ihn weder als reine Idee noch als reine Materie. Was es für die Vertreter dieser Ansicht gibt, sind (reine?) Symbole und andere Formen von Einbildungen, aus denen dann doch und irgendwie eine materielle Existenz erwächst.

anderson-imagined-communitiesEine dieser Einbildungen ist die Nation. Die Nation, nennen wir sie Deutschland, ist keine reine Idee und auch keine reine Materie, das kann sie auch nicht sein, denn Deutschland wurde als Begriff nicht im Walhalla der Weltenschöpfung festgelegt und Deutschland als Land kann keine materielle Eigenheit für sich beanspruchen, wie schon die Tatsache sich verändernder Bevölkerung und Außengrenzen zeigt. Daraus müsste man nun eigentlich den Schluss ziehen, dass Deutschland eine mehr oder weniger willkürliche Bezeichnung für eine gegebene Entität ist und dass die Konstitution dieser Entität über eine Vermengung objektiver Fakten und ideeller Zuschreibungen erfolgt. Ersteres wird deutlich, wenn man versucht, von Deutschland in die USA zu reisen, und zwar ohne einen materiellen Beleg für die Existenz Deutschlands, genannt Pass, der dieses Unterfangen erst ermöglicht. Letzteres wird dadurch deutlich, dass die Existenz Deutschlands schnell beendet wäre, wenn die Bewohner des Gebiets, das mit Deutschland umschrieben wird, aufhören, an die Existenz Deutschlands zu glauben und sich statt dessen, anders, vielleicht Bewohner des MilchundHong-Landes nennen, MuHols…

Das, wie gesagt, wäre die normale Reaktion, die man von rationalen Menschen und allen voran von Wissenschaftlern erwarten würde. Und dann gibt es die Reaktion von denen, die sich für besonders kritisch halten, dabei aber das Problem haben, dass Anspruch und Wirklichkeit ihrer intellektuellen Kapazität auseinanderklaffen, so weit, dass die entstehende Lücke durch ein Geflecht aus sprachlichen Lauten, die man am besten als pseudo-intellektuelles Geschwätz bezeichnen kann, überdeckt werden muss, etwa so:

„ (1) Die nationalstaatliche Regulation der migrationsgesellschaftlichen Tatsache ist ganz sicher nicht die einzige bedeutsame Regulationsebene, aber eine relevante. (2) Sie antwortet einem strategischen Bedarf, der dadurch entsteht, dass die imaginierte Einheit ‚Nation‘ durch Prozesse, die nicht allein mit Migrationsphänomenen, aber auch mit diesen einhergehen und aus ihnen resultieren, bei denen Phänomene des faktischen und symbolischen Überschreitens und Infragestellens der nationalen Grenzen eine prominente Rolle spielen, in eine Krise gerät. (3) Es können hier zwei Typen von Krisen unterschieden werden: eine Art Identitätskrise, die zentral darauf verweist, dass die Plausibilität eines Wir-Phantasmas in Bedrängnis gerät, und eine Funktionskrise, in der es um die quantitativ-qualitative Regelung des Nachschubs an Subjekten für den funktionalen Bestand nationalstaatlicher Realität geht.“

Produziert wurde dieser Beleg dafür, dass Sprache eben nicht der Verständigung dient, von Inci Dirim und Paul Mecheril, und zwar unter der Überschrift: Warum nicht jede Sprache in aller Munde sein darf? Formelle und informelle Sprachregelungen als Bewahrung von Zugehörigkeitsordnungen.

Popper hat sich einst den Spaß gemacht, prätentiöses Geschwafel von Habermas auf dessen nichtssagenen Kern zu reduzieren. Wir wollen es Popper hier einmal gleichtun.

Die oben aneinandergereihten Sätze, die wir durchnummeriert haben, können wie folgt übersetzt werden:
(1) Nationalstaaten regeln die Ein- und Ausreise, z.B. durch Gesetze.
(2) Diese Regelung wird notwendig, weil Nationalstaaten eingebildet sind, nicht wirklich existieren. Deshalb geraten Nationalstaaten (also die Einbildung es gäbe Nationalstaaten) dann in eine Krise, wenn eine große Zahl fremder Personen einreist.
(3) Zwei Krisen können unterschieden werden: (a) die Identitätskrise: Die Einbildung vom Nationalstaat wird durch Zuzug gefährdet. (b) die Funktionskrise: Die Frage, sind Geburten oder Migranten wichtiger, um die Phantasie „Nationalstaat“ aufrechtzuerhalten, wird diskutiert.

Was oben so wortreich zusammengeschrieben wurde, klingt doch ziemlich profan, wenn man es auf seinen Bedeutungskern reduziert: Menschen bilden sich ein, dass es ihren Nationalstaat gibt und wenn Menschen zuziehen, die fremd sind, dann geraten die Menschen mit ihrer Einbildung in die Krise, funktional und symbolisch.

Tatsächlich kling das so profan, dass sich drei Fragen aufdrängen: (1) Was hat das mit Wissenschaft zu tun? (2) Ist es wirklich Wissenschaft, wenn man die Existenz von etwas, das sich im täglichen Leben der Menschen niederschlägt, als imaginiert behauptet und Krisen konstruiert, die das, was als imaginiert behauptet wird, faktisch, nämlich durch ganz materiellen Zuzug in die als imaginiert phantasierte nationale Welt in Frage stellen? Oder, logisch gefragt: Kann man eine „ideell gedachte Entität“ (Nationalstaat) durch materielle Entitäten (Flüchtlinge) in Frage stellen? Und (3) ist das noch normal, die real erfahrbare Welt in Frage zu stellen, und zwar auf Grundlage des Missverständnisses, dass Begriffe wie „Deutschland“, die natürlich keine Existenz haben, sondern sprachliche Repräsentationen von etwas sind, deshalb, weil sie willkürlich sind, sich auch auf kein real existierendes Objekt beziehen können? Eigentlich beginnt Wissenschaft damit, dass man die Ontologie und die Erkenntnisfähigkeit zu unterscheiden im Stande ist, also z.B. weiß, dass es einen Unterschied zwischen dem, was bezeichnet wird und dem, was es bezeichnet, gibt. Derzeit sehen wir einen Advent von Spinnern, die der Ansicht sind, das Bezeichnende sei das Bezeichnete. Offensichtlich ist hier in der Sozialisation einiges schief gegangen, was uns zu W. V. Quine bringt, der sich umfassend mit Wort und Gegenstand befasst hat und in seinem gleichnamigen Buch eine hervorragende Beschreibung für das hier aufgezeigte Phänomen bietet:

quine-wort-gegenstand“Eine der Merkwürdigkeiten unserer schwatzhaften Spezies ist die Lallphase im ausgehenden Säuglingsalter. Während dieser Zeit gibt das ziellose Stimmverhalten den Eltern anhaltende Gelegenheit zu Verstärkung von Zufalls-Äußerungen, die ihnen passend erscheinen und so werden die ersten Anfangsgründe der gesprochenen Sprache weitergegeben. Das Lallen fällt unter das von Skinner so bezeichnete operante Veralten, das nicht ausgelöst, sondern vielmehr geäußert wird. Operantes Verhalten läßt sich bei Menschen und anderen Lebewesen durch rasche Belohnung selektiv verstärken. Das Lebewesen neigt dazu, die belohnende Handlung zu wiederholen, wenn Reize, die bei der ersten Ausführung zufällig präsent waren, erneut auftauchen“ (Quine, 1980: 149)

Was, wenn in der Lallphase das Lallen belohnt wird, von Peers oder in Netzwerken, in denen dem Lallen ein hoher Wert zugewiesen wird. Dann ist anzunehmen, dass Lallen zu einem festen konditionierten Verhalten wird, dessen Belohnung darin besteht, dass die Angehörigen im Netzwerke des Lallens, das Lallen, zwar nicht verstehen, aber positiv bewerten. Somit bleibt nur noch eine Frage: Wie konnten es Mitglieder aus Lall-Netzwerken an Universitäten schaffen.

Israelitis: Die Universität Hamburg und die Wissenschaftsfreiheit

Wissenschaftsfreiheit, die Freiheit von Wissenschaft und Lehre ist im Grundgesetz wie folgt definiert:

Artikel 5 Absatz 3 : „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung“

Das Bundesverfassungsgericht hat Versuche von Parteien, Ministerien oder der Verwaltung, Maßnahmen durchzusetzen, die den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn einschränken oder begrenzen wollen, die auf einzelne Forscher Einfluss nehmen wollen oder gesamte Forschungseinrichtungen auf eine vorgegebene Linie bringen wollen, in seiner Rechtsprechung regelmäßig zurückgewiesen und die Freiheit von Forschung und Lehre über die Interessen derer, die ideologischen Einfluss nehmen wollen, gestellt. Die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre ist für die Verfassungsrichter in Karlsruhe ein Gut, dessen Wert den Wert politischer Interessen und aktueller politischer Moden, um ein Vielfaches übersteigt.

ProfessorrinnenprogrammNun haben sich Universitäten in der Vergangenheit und regelmäßig zu Bütteln von Ministerien und politischem Zeitgeist gemacht und sich willig dafür bezahlen lassen, dass sie politische Einflussnahme dulden. Universitäten haben sich zu Kindergärten umfunktionieren lassen, an denen die Kindertagesstätte eine wichtigere Rolle spielt als die Ausstattung der Bibliotheken. Sie haben sich willig für eine Aufnahme in das Professorinnenprogramm beworben und die wissenschaftliche Lauterkeit und Fairness für ein paar Euro verscherbelt. Universitäten bieten ihrem Staat und seinen Parteien die Möglichkeit, Professuren zu finanzieren, wie dies an der HU-Berlin der Fall ist, um über diese Professuren Einfluss auf die Universitätspolitik zu nehmen, und nicht zuletzt haben Universitäten dabei zugesehen, wie sie mit politischen Kommissaren, die als Gleichstellungsbeauftragte die Einhaltung staatlicher Vorgaben überwachen sollen, durchsetzt wurden.

Und nun haben sie den Salat.

Nun mischen sich Hinz und Kunz in die Berufung von Wissenschaftlern an Universitäten ein, und zwar immer dann, wenn ihnen die entsprechenden Personen ideologisch nicht passen.

Uni Bayreuth_StartseiteDerzeit tobt der Streit um Farid Esack, der an der Universität Johannesburg islamische Studien lehrt und Dekan des Fachbereichs „religiöse Studien“ ist. Eigentlich ist Esack jemand, der deutschen Politikern gefallen müsste: Er hat lange Jahre gegen Apartheit gekämpft und wurde von Nelson Mandela zum Beauftragten für die Gleichstellung von Männern und Frauen in Südafrika gemacht. Alles Tätigkeiten, die ihn beim politischen Establishment in Deutschland eigentlich zum gern gesehenen Gast machen sollten.

Eigentlich müssten die deutschen Gutmenschen Farid Esack einen roten Teppich ausrollen, ist er doch derjenige, der versucht, den Koran in einer Weise umzuschreiben, die in kompatibel zu dem macht, was John W. Meyer etwas hochtrabend die „Weltkultur“ genannt hat, einen Kanon von Werten und Normen, die als westliche Werte und Normen beansprucht werden. Ob Esack dabei so erfolgreich ist wie Ameer Ali, der vor gut 150 Jahren und nach langem Lesen mit entsprechender Exegese festgestellt hat, dass der Koran die moralischen Werte des viktorianischen England umfasst, ist eine bislang offene Frage. In jedem Fall bemüht sich Esack intensiv, wenn auch weitgehend isoliert in der islamischen Gemeinde, darum, den Koran an den Staatsfeminismus und die derzeitige In-Ideologie westlicher Länder anzupassen. Deshalb ist Esack in der muslimischen Gemeinde sehr umstritten.

Was kann sich der gute Westler mehr wünschen als einen islamischen Religionslehrer, der die westlichen Werte voll und ganz verinnerlicht hat, versucht, sie in den Koran zu lesen und gar für weibliche Imane eintritt?

Eigentlich müssten die westlichen Guten den südafrikanischen Professor auf Händen tragen.

Tun sie aber nicht. Sie treten ihn eher mit Füßen, denn Farid Esack nimmt das mit der Apartheit ernst. Nicht nur Apartheit, die sich von Weißen gegen Schwarze richtet, sondern auch anders herum oder dann, wenn sie von einem Staat wie Israel gegen Palästinenser ausgeübt wird, erregt sein Missfallen. Entsprechend setzt er sich für einen Boykott israelischer Universitäten und Wissenschaftler ein, sofern sie als Repräsentanten des Staates Israel auftreten. Man könnte auch sagen, er nimmt es mit der Wissenschaftsfreiheit sehr ernst.

farid-esackAll das hat jedoch nichts mit seinen Leistungen auf dem Gebiet der Islamstudien und dem, was er lehrt zu tun, wenn er als Gastprofessor im Forum Humanum an der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg tätig ist. Dorthin ist er vermutilch wegen seiner wissenschaftlichen Arbeit berufen worden, nicht wegen seiner ideologischen Überzeugung. Und war es nicht die westliche Zivilisation, die sich im Schwunge der Aufklärung in ihren Salons brüstete, die kontroversen Ideen kontroverser Denker zu diskutieren?

Das ist lange her. Heute gilt: Hinz und Kunz versucht zu verhindern, dass Universitäten ihrem Auftrag, nämlich dem Gewinn von Erkenntnis, auch wirklich nachkommen. 

Zu diesem Zweck nehmen Politiker und Ministerien seit Jahrzehnten ideologischen Einfluss auf Universitäten. Wie normal es für Politiker geworden ist, dies in immer größerem Maße zu tun, sieht man daran, dass Volker Beck wegen der Berufung Esacks die Hamburger Universität „scharf anzugreifen“ können glaubt. Wie er auf die Idee kommt, interne Angelegenheiten der Universität Hamburg wären etwas, wozu er seine Stimme erheben kann, ist eine bislang unbeantwortete Frage.

Dafür ist die Art und Weise, in der Politiker wie Beck denken, auf universitäre Angelegenheiten Einfluss nehmen zu können, durch den Affenzirkus, der um Esack aufgeführt wird, sehr deutlich geworden. Wer dem politischen Establishment ideologisch nicht genehm ist, der soll nicht an deutsche Universitäten berufen werden. Wessen geistiges Kind die studentischen Blindgänger sind, die Kant nicht mehr lesen wollen, weil er von Negern schreibt oder Professoren, in deren Vorlesungen bespitzeln, weil sie angeblich politisch nicht korrekte Inhalte thematisieren, ist keine Frage mehr: Wenn es nach Politikern wie Volker Beck geht, dann wird Wissenschaft nur noch in dem schmalen Gesichtskreis betrieben, den die Engstirnigkeit derer, die Erkenntnis nur noch zulassen, wenn sie ideologisch genehm ist, vorsieht – ganz so wie dies im Marximus-Leninismus der DDR der Fall war.

„Ich würde gerne wissen, welche Rolle diese Positionen von Herrn Esack [seine kritische Haltung gegenüber der Politik Israels], die ja allgemein bekannt sind, bei seiner Berufung gespielt haben und welche wissenschaftlichen Gründe es gibt, ihn trotz dieser Positionen berufen zu haben?“, so fragt Volker Beck.

Die Positionen, die Volker Beck so bedenklich findet, sie haben hoffentlich keinerlei Rolle bei der Berufung gespielt, denn es gibt eine Trennung zwischen Wissenschaft und Ideologie. Und es ist gerade eine westliche Tradition (Sie wissen schon, die Aufklärung), kontroverse Ideen kontroverser Wissenschaftler zu diskutieren. Man stelle sich vor, an Universitäten dürfte nur noch diskutiert werden, was Volker Beck genehm ist. Das mag sich kurzzeitig auf die Forschung zur Wirkung von Opiaten und anderen Betäubungsmittel wie ein Rausch auswirken, der Rest der Wissenschaft läge jedoch bereits nach kurzer Zeit danieder, wäre eine langweilige und um immer dieselben Inhalten sich drehende Angelegenheit, die nicht in der Gefahr steht, etwas Neues zu entdecken oder gar erst zu formuliert.

Wie wenig Politiker wie Volker Beck von Wissenschaft und von wissenschaftlichen Traditionen verstehen, auf die sie doch so gerne Einfluss nehmen wollen, zeigt sich an der Posse um Farid Esack in besonderer Weise. Ausgerechnet diejenigen, die Polit-Kommissare an Universitäten installiert haben, um Zensur über falsche Sprache und nicht geschlechtergerechte, was auch immer das Plastikwort beschreiben soll, Berufungen oder Lehre oder Forschung an Universitäten zu unterbinden und der Erkenntnis den Garaus zu machen, ausgerechnet diese Feinde der Wissenschaft echauffieren sich nun, dass mit Farid Esack ein Theologe am Forum Humanum der Universität Hamburg Vorträge gehalten hat, und zwar deshalb, weil die Ideologie von Esack nicht 100% zur eigenen passt, und was nicht zu 100% passt, ist staatsfeindliches Gerede früher vom Klassenfeind, heute von denen, die Fakten noch als Fakten benennen, in diesem Fall die Politik der Apartheit des Staates Israel. 

Es wird Zeit, den Politikern, die denken, sie könnten sich in die Angelegenheiten von Hochschulen einmischen, ihre Grenzen, vor allem ihre intellektuellen Grenzen aufzuzeigen. Dazu benötigt man allerdings Wissenschaftler mit Rückgrat, und die sind gerade in Deutschland weitgehend vergriffen – im Sonderangebot finden sich dagegen Wissenschaftler mit eingebauter Andienungsfunktion.

Wir hätten noch gerne gewusst, welche Qualifikation Volker Beck dazu befähigt, die Berufung von Farid Esack in Frage zu stellen. Oder mehr im Sprachgebrauch von Politikern: Volker, nimm‘ Crystal Meth und halt‘ die Klappe!

Mainzer Studie: Vertrauen, von Medien belogen zu werden, steigt

Ein Beitrag zum Thema „Fake-Wissenschaft“

„Vertrauen in Medien steigt“ – das meldet die ZEIT„Studie: Vertrauen in die Medien steigt massiv an – das Misstrauen aber ebenso“ – so titelt MeediaUnd im Tagesspiegel dilettiert Joachim Huber unter der Schlagzeile „Vertrauen in die Medien deutlich gestiegen – und gefallen“.

contradictionAlle drei Schlagzeilen beziehen sich auf eine „Studie der Uni Mainz“, die „Kommunikationsforscher der Universität Mainz“ (ZEIT), der Kommunikationsforscher Tanjev Schultz und sein Kollege Oliver Quiring (Tagesspiel und Meedia) durchgeführt haben. Nein, nicht die beiden Kommunikationsforscher, von denen einer (Tanjev Schultz) unlängst von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung auf einen Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Mainz gewechselt ist und einer (Oliver Quiring) Leiter des Forschungsbereichs Kommunikationswissenschaft an der Gutenberg Universität Mainz ist, haben die „Studie“ durchgeführt, sondern Ifak.

Ifak, eines der vielen Meinungsforschungsinstitute, die den Glauben an die Repräsentativität hochhalten, weil sie damit ihr Geld verdienen, hat „bundesweit 1.200 Personen“ (Meedia) befragt, von Oktober bis November 2016. Herausgekommen ist dabei laut ZEIT, dass die „Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen … in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist“. Denn: Heute sind 40 Prozent der Deutschen der Ansicht, man könne den Medien „in wichtigen Fragen eher oder voll und ganz vertrauen. 2008 hatte der Aussage nur knapp jeder Dritte zugestimmt“.

Hurra, das Vertrauen in die Medien ist gestiegen.

Allerdings ist auch das Misstrauen in die Medien gestiegen, denn laut derselben Studie des Mainzer Professoren und des ehemaligen Angestellten der Süddeutschen Zeitung, die Ifak durchgeführt hat, sagt etwa „jeder vierte Deutsche, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher nicht oder überhaupt nicht vertrauen könne. 2008 waren das noch neun Prozent gewesen“ (ZEIT).

Prinzip 1 des Rationalen Widerstands besagt: Etwas ist nicht sein Gegenteil. Das Vertrauen in die Medien kann nicht gleichzeitig steigen und sinken. Dass dennoch behauptet wird, es steige und falle gleichzeitig, ist einem Trick geschuldet, den die Mainzer Universitätsangestellten anwenden: Normalerweise gibt man dann, wenn man Aussagen über die Antworttendenz machen will, ein zentrales Maß wie den Mittelwert an. Nur dann, wenn man ein Ergebnis schönreden will, zerlegt man eine zentrale Tendenz in zwei sich widersprechende Tendenzen, von denen aber nur eine wahr sein kann.

Gehen wir der Sache auf den Grund.

Zunächst das Argument dafür, die Studie des Kommunikationsforschers und des ehemaligen Journalisten von der Süddeutschen Zeitung in den Mülleimer zu werfen, denn da gehört die Junk-Studie hin.

Methoden eSEs ist nicht möglich, auf der Basis zweier Befragungen, zweier Querschnittsbefragungen, die im Abstand von 7 Jahren, einmal 2008 und einmal 2016 durchgeführt wurden, Aussagen über die Entwicklung zu machen. 2008 wurden völlig andere Personen befragt als 2016, Aussagen darüber, dass sich z.B. die Einstellung gegenüber den Medien verändert hat, kann man aber nur machen, wenn man dieselben Befragten zu unterschiedlichen Zeitpunkten befragt, wenn man die Daten einer Längsschnittsstudie zur Verfügung hat. Diese Daten haben die beiden in empirischer Sozialforschung Unbedarften aus Mainz nicht zur Verfügung. Ergo sind aussagen wie: „Vertrauen in Medien steigt“ oder „Vertrauen in die Medien steigt massiv an“ auf Basis der Daten von Schultz und Quiring nicht möglich.

Aber in der Zwischenzeit hat man sich daran gewöhnt, dass Verlaufsaussagen auf Grundlage diskreter Zeitpunkte, die wiederum von nicht vergleichbaren Populationen gewonnen wurden, gemacht werden. Warum sollen nicht auch Schultz und Quiring als Vertreter dieses Fehlers in empirischer Sozialforschung bekannt werden?

In jedem Fall werden sie bekannt werden als zwei Lehrstuhlbesetzer, die ihre Position an der Universität wohl dazu ausnutzen wollen, die Leser von ZEIT, Meedia, Tagesspiegel und all den anderen Mainstream-Medien, die die Meldung gerne und wortgetreu übernehmen werden, zu manipulieren und zu betrügen.

Die Manipulation steckt im Detail und ist denen, die in empirischer Sozialforschung nicht bewandert sind, schnell untergeschoben.

Wer hat bei den Formulierungen „eher oder voll und ganz“ bzw. „eher nicht und überhaupt nicht“ gestutzt?

Was meinen Sie, wie sehr kann man deutschen Medien in wichtigen Fragen vertrauen?“ Eher oder voll und ganz bzw. eher nicht und überhaupt nicht?

Ganz nebenbei werden den Lesern hier zusammengefasst Antwortkategorien untergeschoben, ohne dass ihnen das mitgeteilt wird, denn die Antwortmöglichkeiten auf die Fragen waren:
Voll und ganz vertrauen
Eher vertrauen
Eher nicht vertrauen
Überhaupt nicht vertrauen.

Wenn aus vier ursprünglichen Kategorien plötzlich zwei werden, dann ist Vorsicht geboten, denn dann wollen Forscher oft etwas verbergen. Es ist umso mehr Vorsicht geboten, wenn plötzlich der Usus, Kennzahlen der zentralen Tendenz zur Zusammenfassung der Antwortverteilung zu nutzen, fallengelassen wird, wie dies im vorliegenden Beispiel der Fall ist, in dem dieselbe Frage einmal mehr Vertrauen und einmal weniger Vertrauen für die Befragung in 2016 ergibt, als dies 2008 der Fall war. Warum ist Vorsicht geboten? Weil durch die Zusammenfassung die Daten manipuliert werden können, und zwar so, dass das Ergebnis geschönt wird.

Ausgangspunkt z.B. diese Verteilung für das Jahr 2008:

  • Voll und ganz vertrauen: 15%
  • Eher vertrauen: 14%
  • Eher nicht vertrauen: 6%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 3%

So könnte die Verteilung, die zu dem zusammengefassten Ergebnis für 2008 (29% Vertrauen, 9% kein Vertrauen) geführt hat, ausgesehen haben. Die Verteilung für 2016 kann folgendes Aussehen haben:

  • Voll und ganz vertrauen: 15%
  • Eher vertrauen: 25%
  • Eher nicht vertrauen: 6%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 19%

Oder

  • Voll und ganz vertrauen: 5%
  • Eher vertrauen: 35%
  • Eher nicht vertrauen: 10%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 15%

Die Prozente, die zu 100% fehlen, lassen vermuten, dass es neben einer Kategorie „weiß nicht“ noch eine Mittelkategorie des „weder noch“, also derjenigen gibt, die nicht wissen, ob sie Mainstream Medien vertrauen oder nicht. Offensichtlich halten die Mainzer Universitätsangestellten diese Information für entbehrlich.

sciencefiles-rationaler-widerstand-3Beide oben dargestellte Verteilungen für das Jahr 2016 führen zu 40% zusammengefasstem Vertrauen und zu 25% zusammengefasstem Misstrauen an deutschen Medien. Dahinter verbergen sich jedoch gänzlich andere Verteilungen und gänzlich andere Zuschreibungen von Vertrauen. Das wissen Wissenschaftler natürlich und deshalb nutzen sie Maße der zentralen Tendenz. Dass dies der Komminkationslehrer und der Journalist aus Mainz nicht tun, kann daran liegen, dass sie keine Ahnung von wissenschaftlichen Gepflogenheiten haben oder daran, dass sie mit ihren Ergebnissen manipulieren und betrügen wollen.

Wie dem auch sei, selbst mit zusammengefassten Daten lässt sich noch ein Teil Wahrheit rekonstruieren und ein Maß der zentralen Tendenz berechnen. Wir berechnen den Mittelwert für die Verteilung von 29% Vertrauen und 9% Misstrauen in 2008 und den Mittelwert für die Verteilung von 40% Vertrauen und 24% Misstrauen in 2016 (unsere Werteskale reicht von 1 bis 2. Je höher der Mittelwert, desto weniger Vertrauen in Medien besteht).

Der Mittelwert für 2008 beträgt: 1,23, der Mittelwert für 2016 beträgt: 1,375. Mit anderen Worten, wenn man die Befragung von 2008 mit der Befragung von 2016 vergleicht, dann muss man feststellen, dass das Misstrauen in öffentliche Medien 2016 größer ist als 2008. Das sieht man auch daran, dass die Anzahl derjenigen, die kein Vertrauen zu Medien haben, 2016 um 15% höher liegt, als 2008. Dagegen liegt die Zahl derer, die vertrauen, im Jahr 2016 um 11% höher als 2008.

Aus den vorhandenen Daten herauslesen zu wollen, dass das Vertrauen in Medien steigen würde bzw. massiv gestiegen sei, grenzt an Datenfälschung. Es ist in jedem Fall ein Fall für die Ethikkommission der Universität Mainz, sofern es die dortige Ethikkommission als ihre Aufgabe betrachtet zu verhindern, dass Universitätsangestellte, von denen einer zugegebenermaßen mehr Erfahrung mit der Süddeutschen Zeitung als mit dem, was an Universitäten gefordert wird und Standard sein sollte, hat, versuchen, die Öffentlichkeit mit manipulierten Daten zum Narren zu halten.

Wissenschaftlichen Ansprüchen und Ansprüchen an Moral und Ehrlichkeit genügt die Darstellung der Daten durch Schultz und Quiring nicht. Aber vielleicht reicht es ja für einen Gastauftritt beim diesjährigen Mainzer Karneval, bei Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht…

Grassierende Trump-Phobie: Die Welt, 1984 und Fake-Kausalitäten

Zufall oder Kausalität“, so fragt ein Redakteur der Welt, von dem wir einmal nicht annehmen wollen, dass er den Text von AP/AFP/sara einfach nur wörtlich übernommen hat, eher scheinheilig und unbedarft, denn die Antwort steht für ihn, der nicht weiß, dass es neben Zufall und Kausalität noch die Korrelation gibt, berets fest:

„Mit den unbelegbaren und falschen Behauptungen rund um die Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump beflügelt das Weiße Haus offenbar die Verkäufe von George Orwells Klassiker ‚1984‘. Bis Dienstagmittag fand sich der dystopische Roman über einen totalitären Überwachungsstaat, in dem Fakten durch Neusprech unterdrückt und verzerrt werden, in den Top fünf der Bücher-Hitliste bei Amazon.com“

Eine kleine Übung in primitiver Manipulationstechnik:

  1. Behauptet wird von der Welt eine Kausalität. Mit Trump steigen die Verkaufszahlen von „1984“, und zwar deshalb, weil manche in ihrer Ignoranz denken, Neusprech sei das zentrale Thema von „1984“.
  2. Behaupten kann man auch, dass die Nachfrage deshalb steigt, weil vielen US-Amerikanern durch die Demonstrationen gegen Trump deutlich geworden ist, wie knapp sie einer Meinungsdiktatur, wie sie in 1984 dargestellt wird, entgangen sind.

Beide Behauptungen sind logisch äquivalent, und beide Behauptungen können nichts als die Plausibilität, die sich einstellt, wenn man ideologisch versucht, Korrelationen zu Kausalitäten zu machen, als Indiz für ihre Richtigkeit reklamieren. Wer Trump nicht mag, der wir zu 1) tendieren. Wer ihm wohlgesonnen ist, zu 2). Wer Wissenschaftler ist, wird den Kopf schütteln ob dieses gewaltsamen Versuchs, die Vernunft zu übertölpeln.

amazon-movers-shakersBehauptet wird mit der Kausalität auch eine Entwicklung, denn: In der Nachfolge von Trumps Inauguration und wegen dieser, sei die Nachfrage nach 1984 gestiegen. Deshalb sind die ganzen Meldungen, die sich auf die Bestseller-Liste von Amazon beziehen, die aktuelle Verkaufszahlen enthält, Unsinn, denn ein diskretes Datum gibt keinerlei Auskunft über eine Entwicklung. Wer eine Entwicklung nachzeichnen will, der muss mindestens zwei Zeitpunkte vergleichen, so wie wir das tun auf Basis der Movers und Shakers-Liste, die Amazon ebenfalls erstellt. Darin sind die Bücher, deren Verkaufszahlen sich in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren, verändert haben, für den Fall aufgelistet, dass die Verkaufszahlen massiv gestiegen sind.

Und in dieser Liste finden wir, mit einem Zuwachs von 45.032% das Buch „House Industries: The Process Is the Inspiration“ auf Platz 1 Das Buch ist von Verkaufsrang 145.772 auf Verkaufsrang 323 emporgeschossen.

An zweiter Stelle findet sich ein Buch über das Meer, „The Sea around us“, das ein populärwissenschaftliches Buch ist. Es ist von Verkaufsrang 58.424 auf Verkaufsrang 148 gestiegen, ein Zuwachs in den Verkaufszahlen von 33.375%.

An dritter Stelle findet sich das Buch „Control Girl: Lessons on Surrendering Your Burden of Control from Seven Women in the Bible”, eines jeder Ratgeberbücher, die dem naiven Gemüt ein glückliches Leben versprechen.

Erst an 9. Stelle der Movers und Shakers findet sich „1984“ von George Orwell. Das Buch, das sich immer unter den Büchern findet, die einen hohen Verkaufsrang haben, ist von 575 auf Verkaufsrang 27 gestiegen, der Verkauf hat somit um 2.049% zugelegt.

Warum ist der geringere Verkaufszuwachs von 1984 so viel interessanter als der weit höhere Zuwachs der drei oben genannten Bücher?

Die Antwort ist einfach.

evil-gnomeWenn man auf der Suche nach etwas Negativem ist, das man mit einem gerüttelten Maß an Rabulistik Donald Trump und seiner Administration anlasten kann, weil man in Deutschland dann, wenn man das tut, Brownie-Points bekommt, die z.B. die Welt mit dramatisch sinkender Auflage dringend nötig hat, am besten in Form einer Förderung durch die Bundesregierung in hard cash, dann wird man auch etwas Entsprechendes finden. Das Gefundene steht zwar in keinerlei belegbarem Zusammenhang zu dem, was behauptet wird, aber das macht nichts, denn die Naiven, die gerne Schlechtes von Trump glauben wollen, sie interessieren sich nicht für Fakten und gehen jeder noch so fadenscheinigen Korrelation, die als Kausalität missrepräsentiert wird, auf den Leim. Ob Journalisten absichtlich versuchen, Stimmung zu machen und Fake-Kausalitäten zu vertreiben oder Opfer ihrer eigenen ideologischen Verblendung und daraus resultierenden intellektuellen Unfähigkeit sind, ist eine Frage, die derzeit wohl nur AP/AFP/sara beantworten kann.

Wie plump der Manipulationsversuch ist, zeigt sich deutlich, wenn man die verbleibenden Bücher mit einer entsprechenden ideologischen Komponente versieht und mit der Inauguration von Trump in Verbindung bringt.

Am stärksten zugelegt hat der Verkauf von „House Industries“, einem Buch, das sich um Hausdesign rankt:

A standard-bearer of American design since 1993, House Industries answers the burning question, “Where do you find inspiration?” with this illustrative collection of helpful lessons, stories, and case studies that demonstrate how to transform obsessive curiosity into personally satisfying and successful work.

Etwas Ideologie und ein wenig Phantasie und schon wird daraus die Feststellung, dass die Administration Trumps den US-Amerikanischen Häuslebauer und –besitzern wieder Mut auf eine bessere Zukunft macht. Die Aussicht auf Prosperität führt dazu, dass sie ein Buch nachfragen, in dem Vorschläge darüber, wie man seine Prosperität und seinen sozialen Status angemessen deutlich machen kann, zu finden sind.

Oder:

Mit Trump ist das Interesse an Fakten und wissenschaftlicher Forschung zurückgekehrt: US-Amerikaner wollen sich wieder ein eigenes Bild über ihre Umwelt machen und sich nicht auf das verlassen, was Klimakatastrophen-Wissenschaftler ihnen erzählen. Das erklärt die starke Zunahme der Verkaufszahlen von „The sea around us“.

Oder: Nehmen wir den Aufsteiger auf Platz 6, die Acid Watcher Diet:

acid-watcher-diet“Do you suffer from abdominal bloating; a chronic, nagging cough or sore throat; postnasal drip; a feeling of a lump in the back of your throat; allergies; or shortness of breath?

If so, odds are that you are experiencing acid reflux without recognizing its silent symptoms, which can lead to serious long-term health problems, including esophageal cancer. “

Angesichts von Gift und Galle, die al jene gespuckt haben, denen das Ergebnis der US-Wahl sauer aufgestoßen ist, scheint es angebracht, den Versuch zu unternehmen, nunmehr die eigene Magensäure zu regulieren und im nächsten Schritt vielleicht das zu akzeptieren, was Trump ins Weiße Haus gebracht hat, den so genannten Wählerwillen. Von Verkaufsrang 25.121 auf 221 ist der Säure-Klassiker gestiegen. Ein Beleg dafür, dass viele derjenigen, die Trump mit Hass, Gift und Galle begegnet sind, zwischenzeitlich an den Folgen, ihrer unregulierten Magensäure leiden.

Natürlich berichten Mainstream-Medien in Deutschland nur davon, dass „1984“ im Absatz etwas zugelegt hat. Und die Wahlentscheidung und das ideologische Lager der Naiven und Dummen vorherzusagen, die die angebotene Kausalität fressen und weitererzählen, ist kein Problem – leider, denn wo Ideologie einsetzt, da hört das Denken auf.

Nebenbei bemerkt, die Partei und das System, gegen das sich 1984 von Orwell richtet, sie fanden sich als Orwell geschrieben hat, im Osten und hatten den Kommunismus oder den Sozialismus auf ihre Fahnen geschrieben. Aber bei manchen Journalisten scheint die Bildung nur dazu ausreichen, negative Konnotationen mit dem zusammenzupacken, was sie nicht mögen.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

63% rechnen mit Wahlfälschung bei der Bundestagswahl 2017

Wenn politische Systeme an Legitimität bei ihrer Bevölkerung verlieren, dann ist dies, je nach System, schlecht oder sehr schlecht.

Verlieren totalitäre System an Legitimität, dann muss die Schraube des staatlichen Zwangs zur Gleichförmigkeit und Angepasstheit angezogen werden, u.a. dadurch dass die Anzahl der staatlichen Überwacher, die dafür sorgen, dass die staatlichen Vorgaben auch unwidersprochen umgesetzt werden, z.B. im Hinblick auf ein Verbot bestimmter Aussagen oder auf die Umsetzung eines Fünfjahresplans, erhöht wird.

talmon-totalitaere-demokratieVerlieren demokratische Systeme an Legitimation, dann hat dies entweder zur Folge, dass das politische Establishment ausgetauscht wird, oder es hat zur Folge, dass die Demokratie zum offen oligarchischen System mutiert und sich langsam aber sicher in Totalitarismus transformiert. Indikatoren für Letzteren sind z.B. eine Ausweitung staatlicher Überwachung und Kontrolle, zumeist unter dem Vorwand, die Bevölkerung oder die Jugend vor Furchtbarem schützen zu müssen. Ein weiterer Indikator dafür, dass demokratische Systeme eine Transformation zum oligarchischen und totalitären System durchmachen ist ein immer größerer Wasserkopf, der immer mehr Bürger in eine komplette finanzielle Abhängigkeit von ihrem Staat bringt, entweder als Empfänger staatlicher Almosen (Transferzahlungen genannt) oder als Begünstigte staatlicher Erziehungs- und Überwachungsprogramme. Ein größer werdender Wasserkopf hat schließlich zur Folge, dass der Schutz des Eigentums aufgeweicht und letztlich beseitigt wird. Da Besteuerung über kurz oder lang nicht mehr ausreicht, um das Herr der Staatsdiener zu versorgen, werden immer ausgefeiltere Techniken ersonnen, um an das Ersparte bzw. das Eigentum von Bürgern, die noch nicht zu 100% von ihrem Staat abhängig sind, zu gelangen. Kurzfristige Solidaritätsabgaben, die ihre Kurzfristigkeit nach 27 Jahren in eine Dauerhaftigkeit umgewandelt haben, sind hier ebenso beliebt, wie die Erfindung neuer Abgaben und Steuern, mit denen verhindert werden kann, dass es sich Bürger leisten können, eine Existenz unabhängig von ihrem Staat zu führen.

Kurz: Eine Demokratie in Transformation, die sich in ein totalitäres System verwandelt, ist dadurch gekennzeichnet, dass Bürger immer weniger Raum haben, um ein selbstbestimmtes Leben zu leben, immer weniger Geld, um ein selbstbestimmtes Leben zu finanzieren und immer weniger Gelegenheit, ein selbstbestimmtes Leben zu leben. Und dies alles führt zu einer weiteren De-Legitimation des politischen Systems.

Und damit sind wir bei der Befragung, die wir vor einigen Tagen auf ScienceFiles durchgeführt haben.

Ein Maß dafür, wie groß das Ausmaß der De-/Legitimation eines demokratischen politischen Systems bereits ist, ist das Ausmaß an Vertrauen, das Bürger, demokratischen Prozessen entgegenbringen. Wahlen sind der zentrale Prozess in parlamentarischen Demokratien wie der deutschen, schon weil Bürger ansonsten keine Gelegenheit haben, sich zumindest symbolisch einzubilden, sie hätten einen Einfluss auf das Geschehen in ihrem Land. Entsprechend wichtig ist es für das politische Establishment, auf eine demokratische Legitimation durch Wahlen verweisen zu können, Wahlen, an denen die Mehrzahl der Bevölkerung teilgenommen hat, und Wahlen, die den regierenden Parteien unter denen, die gewählt haben, eine Mehrheit beschwert haben.

Damit Wahlen als Legitimationsmittel taugen, ist es wichtig, dass die Bürger glauben, bei Wahlen ginge alles mit rechten Dingen zu. Entsprechend kann man die Ansicht, bei Wahlen würde geschoben und Wahlergebnisse würden gefälscht, als einen, wenn nicht den Indikator für die Legitimation bzw. De-Legitimation eines demokratischen politischen Systems ansehen.

Und so haben wir unsere Leser folgende Frage gefragt:

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 gefälscht werden wird?

753 Leser von ScienceFiles haben sich an der Befragung beteiligt. Das Ergebnis ist recht eindeutig: 63% sind der Meinung, das Ergebnis der Bundestagswahlen 2017 werde sehr wahrscheinlich (34%) bzw. wahrscheinlich (29%) gefälscht werden. 16% halten es für unwahrscheinlich, dass das Ergebnis gefälscht werden wird, 15% für sehr unwahrscheinlich.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf Basis dieses Ergebnisses muss man von einer De-Legitimation des politischen Systems Deutschlands ausgehen. Wenn nur mehr 31% der Ansicht sind, bei Wahlen ginge alles mit rechten Dingen zu, dann ist der Karren schon sehr weit in den Dreck gefahren.

Aber, so können wir die ewigen Einwänder schon hören, das Ergebnis ist ja gar nicht repräsentativ. Erstens, ist die Behauptung, das Ergebnis sei nicht repräsentativ, das, was man im Englischen einen red herring nennt, mit dem versucht werden soll, ein Ergebnis auf Basis einer schlichten und noch dazu unbegründeten Behauptung zu diskreditieren (Ob unser Ergebnis die Kriterien, die gemeinhin erfüllt sein müssen, damit von „Repräsentativität“ gesprochen werden kann, erfüllt, weiß außer uns niemand). Zweitens haben wir zum Mythos der Repräsentativität, den wir schon mehrfach auseinander genommen haben, nicht mehr zu sagen, als das, was wir bereits dazu gesagt haben. Drittens, ist es nur von Politikern aus totalitären Systemen bekannt, dass sie Ergebnisse, wie das unsrige, vom Tisch wischen und für irrelevant erklären, denn: Politiker in totalitären Systemen interessieren sich nicht für die Meinung ihrer Bürger, sie interessieren sich dafür, dass Bürger den politischen Vorgaben folgen, tun sie es nicht, wird eben Zwang angewendet.

Anhand der drei Punkte und der Reaktionen auf unser Ergebnis dürfte es sehr leicht sein, das Stadium der Transformation von Demokratie nach Totalitarismus, in dem sich Deutschland befindet, festzustellen.

Zur weiteren Lektüre und zur Wahrscheinlichkeit von Wahlbetrug bzw. Wahlfälschung bei vergangenen Wahlen: Wahlbetrug aus wissenschaftlicher Sicht.

Facebook-Zensur: Besorgte fragen, Correctiv antwortet

Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, die Kriterien von Zensur zu diskutieren. Eine Zensur, findet nicht statt, nur eine Korrektur…

Wir zitieren hier aus den Fragen und Antworten bei Correctiv, den obersten Faktencheckern von Facebook:

Frage: Zensiert ihr Inhalte? Bestimmt ihr, was man in Zukunft posten darf, so wie derzeit einige Nutzer behaupten?

Antwort: Nein, das ist falsch. Zensur geht in der Regel von staatlichen Stellen aus.

correctiv-fbWie kommt man nur auf die Idee, auf eine Frage, die sich nach einer Praxis erkundigt, zu antworten, als wäre die Frage keine Frage, sondern eine Tatsachenaussage? Können die Correctivler nicht zwischen Fragen und Fakten unterscheiden? Wenn nein, dann ist das bedenklich. Ebenso wie es bedenklich ist, dass die Correctivler der Meinung sind, Zensur gehe ausschließlich von staatlichen Stellen aus, was notwendig, den Schluss nahelegt, dass sie denken, wenn Facebook Inhalte löscht, dann sei das keine Zensur. Wenn die Faktenchecker vom Correctiv, Fakten ebenfalls auf Grundlage ihrer eigenen seltsamen Zuschreibung von Wortbedeutung prüfen, bei der es sich natürlich um unseren alten Freund, den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens handelt, dann wird das ein Löschfest für Facebook.

Aber halt: Checken wir unsere Fakten. Correctiv löscht keine Beiträge, Correctiv weist nur darauf hin, dass ein bestimmter Beitrag mit den Fakten, wie sie Correctiv ermittelt hat, nicht zusammenpasst:

Etwa so:

„Ein Beispiel: Wenn jemand schreibt, er habe den Eindruck, die Bundesregierung plane aus Hass auf Deutschland einen Bevölkerungstausch, dann ist das zwar Unsinn, aber ein Unsinn, den man hinnehmen muss (weil es eine Meinungsäußerung ist). Wenn jemand aber sagt, es gebe einen Plan der Bundesregierung, die Bevölkerung auszutauschen, dann können wir prüfen, gibt es einen solchen Plan oder gibt es zumindest irgendeinen Hinweis auf einen solchen Plan. Wenn es keinen Plan und keinen Hinweis auf einen solchen Plan geben sollte, würden wir dies schreiben und den Ursprungstext entsprechend markieren. Wir würden ihn nicht löschen. Dann kann sich der Leser selbst eine Meinung bilden, was er für richtig hält. Den Ursprungstext oder unsere Überprüfung.”

Wenn es nicht zu albern wäre, würden wir jetzt darauf hinweisen, dass das Beispiel von Correctiv geradezu danach schreit, den Text über den Plan mit dem Wörtchen „Geheim“ anzureichern. Das wird dann lustig, wenn sich die Correctivler anschicken zu prüfen, ob es einen Geheimplan gibt, dessen Ziel darin besteht, die Bevölkerung auszutauschen.

Wir gewinnen immer mehr den Eindruck, dass in Deutschland Kindertagesstätten nicht die Orte sind, an denen die Kinder und Infantilen des Landes aufbewahrt werden. Vielmehr hat es den Anschein, als fänden sich die Infantilen in den vielen Organisationen, die ihren Zweck damit bestimmen, darüber zu wachen, dass andere nichts sagen oder schreiben, was wieder andere verletzen oder kränken oder irritieren oder irgendwie so tangieren könnte, dass es negativ sein könnte und schon gar nichts, was falsch ist, denn wie wir alle wissen, werden in Deutschland nur wahre News geschrieben, Nachrichten, die von öffentlich-rechtlichen Stellen geprüft und für bürgertauglich befunden wurden.

Abschließend noch eine Frage, die die Correctivler vergessen haben, sich selbst zu stellen. Deshalb holen wir das nach und sind schon auf die Antwort gespannt.

Welche Qualifikation, welche Kompetenzen und welche Zugänge befähigen die Mitarbeiter von Correctiv dazu, Beiträge und Aussagen auf Facebook daraufhin zu prüfen, ob sie mit den Fakten übereinstimmen?