Osterzeit ist Spendenzeit

Es ist Zeit, wieder darauf hinzuweisen, dass wir eigentlich keine Zeit für ScienceFiles haben. Eigentlich. Tatsächlich hat sich das Hobby zu einem Zeitfresser entwickelt, den wir immer häufiger rechtfertigen müssen, vor uns selbst und bislang glücklicherweise mit Erfolg.

Dass wir das können, dafür sorgen all diejenigen, die uns mit kleinen, mittleren und großen Spenden unterstützen und dafür sorgen, dass Zeit für ScienceFiles keine Arbeitszeit ist, die von hohen Opportunitätskosten überschattet wird, sondern eine Arbeitszeit, die von geringen Opportunitätskosten überschattet wird.

Also, bevor Sie sich in alten Volksmythen ergehen, bevor sie so tun, als würden Osterhasen Eier legen und Menschen, die man vom Kreuz genommen hat, nach einer Rekonvaleszenz von nur drei Tagen wieder munter durch die Gegend springen, bevor sie wieder alles, was wir in mühevoller Kleinarbeit und unter Aufwand von viel Zeit hier von Wissenschaft erzählt haben, in den Wind schießen, und zwar mit der Begründung, es sei Osterzeit, Spaßzeit, Freizeit oder Zeit für welchen Unfug auch immer, kaufen Sie einen Ablass von ihren kommenden Vergehen gegen Ratio und Wissenschaft, unterstützen Sie ScienceFiles!

Spenden finden uns auf drei Wegen:

Entweder per Paypal:

paypal-logo

oder per Transferwise

tranferwise.png

  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein

oder direkt auf unser Spendenkonto bei Tesco Bank.

  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontonummer: 10588246
  • Bankleitzahl: 40-64-20
  • Kontoinhaber: Michael Klein

Die Dummen sterben nicht aus: Sie feiern Genderfeste

Aus der Redaktion:
Heike?
Ja.
Ich habe hier einen Text, in dem wieder eine behauptet, „Sprache beeinflusse unser Denken“.
Arghh – Bumm [Kopf auf Tischplatte aufgeschlagen].

Die Sapir-Whorf-These, sie gehört zu den Lieblingsthesen von Dr. habil. Heike Diefenbach. Die Sapir-Whorf-These hat zwei Varianten, eine starke und eine schwache. Die starke Variante behauptet, dass Menschen so über die Welt denken, wie sie sprechen. Die schwache Variante behauptet, dass die Art, wie Menschen über die Welt denken, von der Sprache, die sie sprechen, beeinflusst wird.

In keiner Variante ist die These je zufriedenstellend belegt worden. Vielmehr häufen sich die Hinweise, die das Gegenteil belegen, die zeigen, dass das Denken der Sprache vorausgeht. Eigentlich selbstverständlich, denn es gibt Stumme und Taubstumme, die dennoch denken können, und es gibt vor allem eine Vielzahl von Lebewesen, die denken, ohne dass sie eine Sprache entwickelt hätten, jedenfalls keine, die Menschen verstünden.

Kurz: Die These, dass die Sprache das Denken beeinflusst, ist vornehm ausgedrückt: nicht belegt, weniger vornehm ausgedrückt: unplausibel, noch weniger vornehm ausgedrückt: Unsinn.

Tu gerecht formulieren 1.JPGFür Genderisten ist dann, wenn sie ihre Ideologie durchsetzen wollen, bekanntlich kein Unsinn unsinnig genug. Und so hat uns heute ein eher entnervt wirkender Leser, der an der TU-Darmstadt seine Brötchen verdient, die neueste Broschüre „Geschlechtergerecht formulieren: Sprechen und Schreiben“, die nicht, wie die Aufmachung nahelegt, im TU-Kindergarten erstellt wurde, sondern von der Gleichstellungsbeauftragten der TU-Darmstadt, Uta Zybell, verbrochen wurde, zugeschickt.

In dieser Broschüre findet sich der folgende Blödsinn:

„Der Gebrauch von verallgemeinernden männlichen Personenbezeichnungen für Männer und Frauen ist geläufig und im Uni-Alltag weit verbreitet. Doch auch wenn es häufig anders gemeint ist, werden Frauen bei solchen Formulierungen oft gedanklich nicht miterfasst und bleiben so in der Vorstellung unsichtbar. Sprache beeinflusst unser Denken. Daher reicht es nicht aus, andere nur mitzumeinen. Es ist gerecht, alle Geschlechter gleichwertig anzusprechen und Frauen in der Sprache sichtbar zu machen“.

Zu diesem Ausbund an Blödsinn haben wir Folgendes festzustellen:

  • Alle Geschlechter sind nicht gleichwertig, wie man schnell bemerkt, wenn ein transsexueller Mann, der sich als Frau fühlt, im 100 Meter Lauf mit Frauen konkurriert.
  • Sprache beeinflusst unser Denken nicht, wie Genderisten das behaupten. Die Sapir-Whorf-These wurde nie ausreichend belegt.
  • Es gibt einen Unterscheid zwischen dem grammatikalischen und dem biologischen Geschlecht. Im Unterschied zu Genderisten sind die meisten normalen Menschen nicht auf die menschlichen Teile, die sich zwischen Beinen befinden, fixiert.
  • Ob Menschen Frauen mitdenken wollen oder nicht, ist deren Sache und geht Genderisten und Gendergleichsteller überhaupt nichts an. Die Gedanken sind nach wie vor frei.
  • Daher reicht es aus, andere mitzumeinen.
  • Man kann Menschen direkt ansprechen, indirekt ansprechen, im Zug oder im Kino ansprechen, aber man kann sie nicht gleichwertig ansprechen. Die entsprechende Floskel hat sich in den falschen Kontext veirrt.
  • Angesichts von Blödsinn wie dem, den Frau Uta Zybell verbreitet, wäre es besser, manche Frauen in der Sprache gerade nicht sichtbar zu machen. Da Gerechtigkeit ein Konzept ist, das Leistung und Ergebnis in Relation zueinander setzt, wäre es geradezu [geschlechter]gerecht, die Nichtleistung mancher, die sich vornehmlich als Geschlecht auffassen, mit Schweigen zu  goutieren.

Wenn man die Benutzung von Worten wie “gerecht” oder “gleichwertig” betrachtet, dann hat man zunehmend den Eindruck, Genderisten seien abgerichtete Floskelnutzer, die keinerlei Begriff von der Bedeutung der Begriffe, die sie benutzen, haben. Sie sind bedeutungsunsensible Phrasendrescher (Dr. Diefenbach nennt sie gewöhnlich semantische Nullen), die es nicht zu einer Benutzung der Sprache bringen, die der eines Normalbürgers gleichwertig ist.

 

„Faszination Verschwörung“: Die ARD versucht/vergeht sich an Wissenschaft

Meistens, wenn sich Journalisten in öffentlich-rechtlichen Medien mit Wissenschaft beschäftigen und ihre Leser über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse unterrichten wollen, wird es peinlich, für die Journalisten. Erinnert sei nur an die Berichte über den Beitrag in der „Spaß-Ausgabe“ des British Medical Journal, in dem britische Forscher um Dennis Lendrem eben einmal die „Male Idiot Theory“ erfunden und sehr erfolgreich vor allem deutschen Journalisten untergeschoben haben..

sheepr-conspiracy-tvNun hat die ARD, ausgerechnet die ARD, ein Portal eröffnet, auf dem sie über FakeNews aufklären will. Tobias Jaecker vom RBB ist einer, dem diese für öffentlich-rechtliche Medien scheinbar so wichtige Aufgabe zufällt. Jaeckers Aufgabe besteht darin, Verschwörungstheorien zu verarbeiten und das tut er dann auch, und zwar in einer Weise, die man nicht anders zusammenfassen kann, als dass Jaecker eine Verschwörungstheorie über Verschwörungstheorien aufstellt. Finstere Verlage wie der Kopp-Verlag, verschlagene Medien wie „Epoch Times“ oder ganz dunkle Vertreter eines alternativen Journalismus wie Ken FM und Compact-Magazin sind es, die hinter den Verschwörungstheorien stecken, so die Meta-Verschwörungstheorie von Jaecker.

Das besonders Peinliche an der Darstellung von Jaecker, er schreibt einen Text, der sich nach seinen eigenen Kriterien, die Jaecker zur Identifikation einer Verschwörungstheorie gibt, als eine Verschwörungstheorie darstellt.

Verschwörungstheorien zeichnen sich für Jaecker dadurch aus, dass (1) „willkürlich herausgegriffene Fakten … in kausale Zusammenhänge gestellt werden“, (2) dass sie ein Körnchen Wahrheit enthalten, dass sie (3) auf Vorurteilen oder Ressentiments aufbauen und (4) dass sie auf mächtige Gruppen abstellen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Alle vier Kriterien befriedigt Jaecker mit seinem eigenen Text

(1) Willkürlich herausgegriffene Fakten in kausalem Zusammenhang

Jaecker behauptet: Verschwörungstheorien seien in Krisenzeiten der Renner, wenn Menschen von politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen überrollt würden, lieferten solche Theorien „simple, scheinbar schlüssige Erklärungen“. Die offiziellen Erklärungen würden als Lug und Trug abgetan, die die Wahrheit verbergen sollen.

Alles, was Jaecker hier behauptet, trifft auf seine eigene „Theorie“ zu (und abgesehen davon ist es die reine Erfindung, da es keinerlei empirisch belastbare Daten gibt, die zeigen, was Jaecker hier behauptet). Er hat keinerlei Beleg dafür, dass Verschwörungstheorien in „Krisenzeiten der Renner“ sind, er hat nicht einmal einen Beleg dafür, dass wir derzeit in einer Krisenzeit leben, wie er suggerieren will. Er liefert vielmehr eine simple, aus seiner Sicht schlüssige Erklärung dafür, warum Verschwörungstheorien florierten und macht seine eigene Theorie somit zur Verschwörungstheorie, mit der alles, was nicht der offiziellen Erklärung genügt, als Lug und Trug abgetan und die Wahrheit offizieller Erklärungen in Abrede gestellt werden soll.

(2) Körnchen Wahrheit

Das Körnchen Wahrheit ist leicht zu finden, es muss ja nur ein Körnchen sein, im Fall von Jaecker besteht es in der Aussage, Verschwörungstheorien basierten darauf, einer kleinen Gruppe zu unterstellen, sie wolle das Volk täuschen. Da Verschwörungstheorien so definiert sind, wie es Jaecker hier schreibt, ist es nicht verwunderlich, dass man in seiner Aussage ein Körnchen Wahrheit findet.

(3) Vorurteile und Ressentiments

Conspiracy TheoriesVorurteile und Ressentiments finden sich im Text von Jaeckel, mit dem alles, was nicht offizielle Theorie ist, diskreditiert werden soll, zu Hauf: Triebkräfte hinter Verschwörungstheorien seien Hass, so befindet Jaeckel, im Fokus von Verschwörungstheorien seien immer „die gleichen Gruppen“, nämlich „Juden“, „Amis“ oder „Politiker“. Dem Herrn Jaeckel, der doch Journalist sein will, sei eine Recherche zum Thema Verschwörungstheorie empfohlen, um seine doch engstirnigen Vorurteile darüber, gegen wen sich Verschwörungstheorien richten, zu erweitern. Nur so viel: Verschwörungstheorien werden nicht nur von Rechten in die Welt gesetzt. Es gibt auch linke Verschwörungstheorien…

(4) Mächtige dunkle Mächte im Hintergrund

Eine regelrechte „Verschwörungsindustrie, … die auf die Verbreitung derartiger Gerüchte spezialisiert sei“, so weiß Jaecker zu berichten, habe sich in Deutschland etabliert. Warum? Um Geld zu verdienen, quasi eine anti-jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung, die uns Jaecker hier nahebringen will. Insofern zeigt sich Jaecker als bestes Beispiel eines Verschwörungstheoretikers, der wie er schreibt – für ihn „undurchschaubare Ereignisse in ein geschlossenes Weltbild einordne[t] und alte Feindbilder bediene[t]“.

Bei/mit der ARD hat man, im Bemühen FakeNews und Verschwörungstheorien zu bekämpfen, wieder einmal den Bock zum Gärtner gemacht. Es ist, wie so oft, wenn man bei öffentlich-rechtlichen Anstalten in die erste Reihe gezwungen wird – in den Worten Jaeckers: alles „ein großer Bluff“.

Und der positive Teil zum Schluss:

Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie, die eine Verschwörung als Ursache einer Entwicklung oder eines Ereignisses behauptet.
Wie jede Theorie müssen sich auch Verschwörungstheorien an drei Kriterien, die Theorien auszeichnen, messen lassen:

  • Die Theorie muss einen empirischen Gehalt haben: Es muss möglich sein, aus der Theorie singuläre Aussagen abzuleiten, die an der Realität scheitern können.
  • Die Theorie muss in sich stimmig sein und darf keine logischen Widersprüche enthalten. Warum nicht? Weil man dann etwas und sein Gegenteil aus der Theorie ableiten kann (z.B.: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.).
  • Singuläre Aussagen, die aus der Theorie abgeleitet, die an der Empirie getestet wurden und die sich als falsch erwiesen haben, müssen zu einer Veränderung der Theorie führen. Die Theorie muss entsprechend modifiziert werden, so dass die falsifizierende Beobachtung nicht mehr im Gegensatz zu den Aussagen der Theorie steht. Ist eine solche Modifikation nicht möglich, ist die Theorie zu verwerfen.

Wenig verwunderlich genügt der Text über Verschwörungstheorien, den Jaecker fabriziert hat, seine Theorie der Verschwörungstheorie keinem der drei Kriterien, womit seine Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorie hinter einer Vielzahl von Verschwörungstheorien zurückbleibt.