Zuschauer verschaukeln: SWR sucht Strohmann für vorgefertigte Meinung

Die neue Sendung des SWR trägt den Titel „Mal ehrlich“.

In der neuen Sendung des SWR sollen Bürger „mit ihren Sorgen und Meinungen, Erfahrungen und Wünschen im Zentrum stehen“.

Der SWR will diese Sendung seinen Zuschauern als Einblick in die Welt der normalen Menschen mit ihren Sorgen und Nöten verkaufen.

Hinter dieser Fassade steckt jedoch eine perfide Form von Täuschung, denn beim SWR wird gezielt nach Statisten gesucht, die vorgegebene Meinungen gegen ein Honorar vertreten.

Die folgende Suchmeldung wurde uns anonym zugespielt.

Sie zeigt, wie man bei öffentlich-rechtlichen Sendern versucht, Zuschauer zu verschaukeln oder pfälzischer ausgedrückt: zu verarschen, indem ihnen vorgegaukelt wird, das, was sie sehen, wären authentische Erfahrungen, Sorgen und Nöte von Menschen, die sich in ihrer Sorge an den SWR gewendet haben. Tatsächlich handelt es sich um bezahlte Statisten, die sich zu einem vorgegeben Thema gemeldet haben und gegen Bezahlung eine vorgegebene Meinung vertreten.

Widerlich!

Hier der Suchtext:

“Wir suchen für ein neues SWR-TV-Format eine/einen Alleinerziehenden, der sagt, dass sie/er aufgrund der Kindererziehung oder -ausbildung kein Geld für die Rente hat. Und mit Schrecken an die eigene Rente denkt. Bedingung: Die Person muss aus Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg kommen. Sie bekommen 150€ für Ihre Meinung und wir übernehmen Ihre Anreise nach Mannheim zur Sendung.

Hintergrundinfos zur Sendung:
Am 06. September startet mit „mal ehrlich…“ eine neue Gesprächssendung beim SWR, in der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Sorgen, ihren Meinungen, Erfahrungen und Wünsche[n] im Zentrum stehen. In jeder Sendung, die 60 Minuten dauert und aus Mannheim gesendet wird, soll ein aktuelles und relevantes Thema behandelt werden. Hier werden die Bürger, Zuschauer und Betroffene vornehmlich zu Wort kommen, um ihre Erfahrungen, Probleme und Forderungen zum jeweiligen Thema zu benennen. Politiker und Experten sind zwar auch eingeladen, stehen hier aber eher Rede und Antwort. Die erste Sendung am 06.09.2017 soll sich mit der Frage befassen: „…macht meine Rente mich arm?“, das Thema, das die SPD für den kommenden Bundestagswahlkampf auserkoren hat. Kontakt: Beate Zimmermann b.zimmermann@encanto.tv 0221.925785-34″

Was WIR alles brauchen …

Irgendwer muss Politikern und anderen Darstellern erzählt haben, dass man die eigenen Interessen am besten dadurch durchsetzen kann, dass man behauptet, WIR alle würden das brauchen. Deshalb sind Hinz und Kunz angetreten um uns mitzuteilen, was WIR brauchen.

Das neueste Beispiel kommt vom derzeitigen Ministerdarsteller für FSFJ:

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder.

Wer gedacht hat, er kann seine Kinder den Fängen des Staates zumindest zeitweise entziehen, der sieht sich getäuscht. WIR brauchen einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder. WIR alle brauchen das. Sie, ich, der da hinten, der Postbote, der Rentner um die Ecke, WIR alle brauchen das. So will es der Dummschwätzer, Darsteller, der sich derzeit auf dem Posten eines Ministers herumdrückt. Es gibt zwar keinerlei wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Rundum-Betreuung in der Grundschule irgend einen positiven Einfluss auf die geistige und seelische Entwicklung von Grundschülern hat. Es gibt eher Grund anzunehmen, dass sich die Rundumbetreuung durch Grundschullehrerinnen negativ auf die intellektuelle Entwicklung von mindestens Jungen und ab einer gewissen Schmerzgrenze vermutlich auch von Mädchen auswirkt, aber das soll uns nicht stören, denn WIR brauchen einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder.

Rechtsansprüche werden gerne gewählt, wenn man Menschen vormachen will, das, was man ihnen andreht, sei eigentlich in ihrem Interesse und weil der Rechtsanspruch alleine nicht glücklich macht, deshalb kommt er mit der folgenden Sahnehaube: „Gute ganztägige Angebote für Kinder sind wichtig für ein gutes Aufwachsen von Kindern, Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern. Deshalb setzt sich Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley für einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung und Förderung für Grundschulkinder ein.“

Wo nimmt Frau Gerste die Weisheit her, ganztägige Angebote hätten irgend einen Einfluss auf Chancengleichheit? Aus wissenschaftlicher Forschung sicher nicht. Aber egal, WIR brauchen diesen Rechtsanspruch und demnächst vermutlich einen Rechtsanspruch auf Rundumbetreuung von Sonder-; Haupt-, Realschülern und Gymnasiasten nicht zu vergessen und natürlich Studenten, die auch immer infantiler werden, „get yourself born“, so hat Jerome K. Jerome schon vor 115 Jahren über Deutsche gewitzelt, „we do the rest“.

Natürlich ist der Anspruch auf betreutes Grundschülerdasein nicht das einzige, was WIR brauchen. Wir haben uns einmal in den deutschen Medien kundig gemacht, was WIR so alles brauchen. Die zusammengekommene Liste zeigt den Aberwitz hinter dem Versuch, anderen erzählen zu wollen, was sie brauchen:

WIR brauchen:

– Kontrollierten Asylzuzug;
– Einen nationalen Zukunftpakt für die Autoindustrie, nein: für UNSERE Autoindustrie;
– Mehr Wohnungen für Flüchtlinge;
– Zehn Siege und zwölf Unentschieden;
– Den Blick für die Schwachen;
– Ein Gesamtkonzept und keine Wahlplakate;
– Keine Dieselbetrügerrettungsprämie;
– Ein europäisches Asylrecht;
– Einen sozialen Arbeitsmarkt;
– Eine neue Deutschland-AG;
– Den deutschen Gurdiola;
– Eine Demokratisierung der Polizei;
– Einen dreistelligen Millionenbetrag;
– Ein europäisches Kormoran-Management;
– Neue Preismodelle;
– Mehr private Investitionen;
– Viel, viel mehr Arbeitskreise;
– Rußland als Partner;
– Keine Love-Brands, sondern Marken mit Verantwortung;
– Dringend Personal für die Pflege;
– Einen Masterplan;
– Keine Scheindebatten;
– Das politische Signal;
– Mehr Bayern in Berlin;
– Einen Marshall-Plan für Afrika;
– Mehr männlichen Diskurs über Feminismus;
– Den Mut zur Veränderung;
– Neues Problembewusstsein;
– Konkrete Lösungen;
– Ein stärkeres Europa;
– Eine ehrliche Autoindustrie;
– Diese Menschen;
– Keine Luftballons;
– Eine neue Leitkultur;
– Kein neues System;
Gegenwind;
– Eine positive Utopie;
– Luft zum Atmen;
– Einen Tarif auf Rädern;

Falls Sie sich berufen fühlen, uns zu erzählen, was WIR brauchen, dann tun Sie sich bitte keinen Zwang an. Sagen Sie uns, was WIR brauchen. Um uns zu sagen, was WIR brauchen, brauchen Sie keinerlei Qualifikation, keinerlei Kompetenz, keinerlei Wissen, einfach nur eine große Klappe, wenig Skrupel, schon gar keine Intellektuellen und eine Plattform. Also nur zu: Sagen Sie uns, was in unserem Leben fehlt, wofür WIR aus Ihrer Sicht bezahlen sollen.

Junk Science: Medien entdecken den gewalttätigen Ausländer als “Angstfigur”

Schade, dass man Junk Science nicht steigern kann.

Die angebliche Studie, die Thomas Hestermann von der „[FACH]Hochschule Macromedia“ durchgeführt hat, sie verlangt geradezu danach, vom anderen Junk Studien abgehoben zu werden – als besonderer Junk, Mega-Junk oder Junk XXL.

Hestermann verbreitet seinen Junk vorab. Noch bevor die angebliche Studie veröffentlicht ist, veröffentlicht er eine Pressemeldung, die die Ergebnisse der Junk Studie zusammenfasst. Das ist nicht nur schlechter Stil, das ist unlauter, denn der Journalist Hestermann weiß natürlich, dass seine Kollegen nur zu willig auf Pressemeldungen springen und in der Regel gar nicht auf die Idee kommen, auch nur das Deckblatt der zugrunde liegenden Studie zu betrachten. Angesichts der Widersprüche und Idiotien, die sich bereits in der Pressemeldung finden, könnte man auch auf die Idee kommen, Hestermann habe die Studie nicht gleichzeitig veröffentlicht, um sie der Kritik zu entziehen, die unweigerlich kommen muss.

Warum?
Darum:

„Die Studie untersucht 283 Artikel im überregionalen redaktionellen Teil von Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Bild und taz im Zeitraum von Januar bis April 2017 sowie 67 TV-Beiträge aus den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL, RTL2, Sat1, ProSieben, kabel eins und Vox zu Nichtdeutschen in Deutschland“.

Wie die 283 Artikel im überregionalen redaktionellen Teil der vier Zeitungen (warum diese vier Zeitungen?) ausgewählt wurden, warum sie ausgewählt wurden, ist ebenso unklar wie die Antwort auf dieselbe Frage mit Bezug auf die acht Fernsehsender. Fakt ist: In einem Zeitraum von drei oder vier Monaten (es ist unklar, ob der April noch zum Untersuchungszeitraum gehört) fallen in acht Sendern mehr als 67 TV-Beiträge mit Bezug zu „Nichtdeutschen“ an.

Der Begriff „Nichtdeutsche“ wird in der Pressemeldung synonym mit den Begriffen „Ausländer“, Flüchtling und Zuwanderer verwendet. Indes gilt: Nicht alle Zuwanderer sind Flüchtlinge. Nicht alle Ausländer sind Flüchtlinge oder Zuwanderer, und nicht alle Nichtdeutschen sind Ausländer. Derart grundlegende Schnitzer in einem so kurzen Text wie der Pressemeldung, auf die wir uns beziehen, geben einen Einblick in die geistige Verfassung dessen, der für diese Studie verantwortlich ist. Um diesen Eindruck zu belegen, hier ein direktes Zitat des Verfassers:

„Seit der Kölner Silvesternacht 2015/2016 hat sich der mediale Blick auf Flüchtlinge und Zuwanderer deutlich verändert: Sie geraten vor allem als mutmaßliche Gewalttäter in den Fokus der Berichterstattung, während die wachsende Gewalt gegen Flüchtlinge kaum thematisiert wird. Das belegt eine aktuelle Studie. “Die deutschen Medien haben den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt”, resümiert Thomas Hestermann. Der Medienwissenschaftler ist Journalismus-Professor an der Hochschule Macromedia”

Nun hat der vermeintliche Medienwissenschaftler gar keine Daten, auf die die gemachten Behauptungen gestützt werden könnten. Er hat Daten für den kurzen Zeitraum von Januar bis April 2017 (ob in- oder exklusive April ist wie gesagt unklar) und diese Daten nur für einige ausgewählte Zeitungen und ein paar TV-Nachrichten. Mehr nicht. Er kann auf Grundlage dieser Daten keinerlei Aussagen über den “Blick auf Flüchtlinge” wie er sich heute im Vergleich zu 2015/2016 darstellt, machen.

Dass die Medien den „gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt haben“, setzt voraus, dass es ihn schon einmal gegeben hätte. Ob und wenn ja, wann es ihn gegeben hat, kann der Medienwissenschaftler nicht angeben, mit Sicherheit nicht auf Grundlage seiner Daten. Denn: Er hat 283 Zeitungs- und 67 TV-Beiträge über „Ausländer“ oder „Nichtdeutsche“ untersucht, also nicht über Einwanderer und die untersuchten Beiträge in zwei Gruppen zu solchen geteilt, die positiv und solche, die negativ über Ausländer berichtet haben. Im Ergebnis haber er gefunden, so sagt er, dass von Januar bis April 2017 in „64,3 Prozent der Berichte“ in der Bild-Zeitung, 39,5 Prozent der Berichte in der Süddeutschen Zeitung, 38,2 Prozent der Berichte in der FAZ und 18,6 Prozent der Berichte in der taz negativ über Ausländer, nein Nichtdeutsche berichtet wurde.

Das ist das Ergebnis.

Mehr gibt es nicht zu sagen.
Mehr als dass, z.B. die taz in 18,6% der Artikel aus der taz, in denen Nichtdeutsche vorgekommen sind und die im untersuchten, kurzen Zeitraum wie auch immer ausgewählt wurden, negativ über Nichtdeutsche berichtet hat, kann man nicht sagen.

Aber natürlich begnügt sich Herrn Hestermann von der „Hochschule Macromedia“, die eine Fachhochschule ist, nicht mit diesen Fakten, er beginnt zu phantasieren.

Er sieht eine Vervielfachung der Berichte seit 2014, „in denen Gewalt nichtdeutscher Tatverdächtiger“ thematisiert wird. Der Vergleich mit 2014 ist auf Grundlage von Daten, die im Frühjahr 2017 gesammelt wurden, natürlich nicht möglich. Ebenso wenig wie ein Vergleich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik möglich ist: Diese verzeichne, so heißt es in der Pressemeldung, nur einen Anstieg von einem Drittel bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen.

Offensichtlich hat Herr Hestermann nicht nur Phantasie, er kann auch in die Zukunft sehen, denn bislang gibt es die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2017 noch nicht. Er hat aber Daten aus dem Frühjahr von 2017. Abgesehen davon sind die Straftaten, über die in Medien z.B. 2016 berichtet wurde, nicht notwendigerweise die Straftaten, die 2016 in der PKS erfasst wurden. Nächster Lapsus.

Zurück zu Hestermann:
„Medien haben gewalttätigen Ausländer als Angstfigur entdeckt“, so sein „Resümee“. Um dieses Resümee ziehen zu können, benötigt man:

  1. Verlaufsdaten
  2. Eine Vergleichsgruppe,
  3. Vor allem: einen Abgleich mit der Realität

Man benötigt Verlaufsdaten, da die Entdeckung einer Veränderung zum Zeitpunkt X im Vergleich zum Zeitpunkt Y impliziert, dass sich im Vergleich von Zeitpunkten etwas verändert hat. Hestermann hat keine Verlaufsdaten, er hat nicht einmal Querschnittsdaten zu zwei Zeitpunkten. Er kann entsprechend keinen Vergleich über Zeit anstellen.

Man benötigt eine Vergleichsgruppe, da ein hoher Anteil einer negativen Berichterstattung über die Gruppe der Ausländer mit einem ebensolchen bei Berichten über Deutschen einhergehen kann. Entsprechend wäre der Anteil der Berichterstattung über Ausländer nichts besonderes.
Hestermann hat keine Vergleichsgruppe.

Man benötigt einen Abgleich mit der Realität, weil eine Zunahme von Berichten über Straftaten von Ausländern (ein Datum, das Hestermann nicht erhoben hat), mit einer Zunahme der Straftaten, die von Ausländern begangen werden, einhergehen kann (auch diese Daten hat Hestermann nicht erhoben).
Hestermann macht keinen Abgleich mit der Realität.

Hestermann erwartet von seinen Lesern, dass sie seine Phantasie teilen, nach der die „deutschen Medien“ (Es sei nur angemerkt, dass es mehr als 4 Tageszeitungen in Deutschland gibt, auch mehr als 4 überregionale Tageszeitungen) den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur entdeckt haben, auch wenn er keinerlei Daten hat, die seine Behauptung stützen und nicht einmal sicher ist, ob er nun Ausländer, Nichtdeutsche, Zuwanderer oder Flüchtlinge untersucht hat.

Nie war es angemessener von Stümperei zu sprechen.
Hestermann hat Junk Science auf ein neues Niveau gesenkt, so sehr, dass wir uns entschlossen haben, den Hestermann-Junk als neues Tiefstmaß für Junk-Science einzuführen.

Aber das ganze hat auch seine positiven Seiten, denn es verweist abermals darauf, dass die heute verbreitete Vorstellung, man könne auch ohne entsprechende Kenntnisse und Ausbildung einfach darauf losforschen, nicht weit bringt. Der Junk wird über kurz oder lang als solcher entlarvt werden, der Autor als junkfähig identifiziert.

„Dr. Thomas Hestermann lehrt Journalismus an den Campus Hamburg und Berlin der Hochschule Macromedia. Gelernt hat er den Journalismus von der Pike auf. Er fuhr als Reporter in den Schacht von Gorleben hinunter, war unterwegs mit gewalttätigen Skinheads und führte Interviews auf dem Gipfel des Montblanc. Er arbeitete als Sprecher eines Umweltverbandes, moderierte beim Norddeutschen Rundfunk und leitet heute die Redaktion der Fernsehreihe „Tacheles – Talk am roten Tisch“, die er 1999 entwickelte und die Phoenix seitdem ausstrahlt. Der Fernsehmacher, Buchautor, Online- und Hörfunkjournalist Thomas Hestermann sieht die Zukunft des Journalismus in crossmedialer Verknüpfung.“ (Quelle: FACHhochschule Macromedia)

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