Genderkrieg: Der Unsinn frisst seine Kinder

Siegwart Lindenberg hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass es sich Gesellschaften nur so lange leisten können, Geld aus dem Fenster zu werfen, wie sie genug Geld haben, das sie aus dem Fenster werfen können.

Er hat es natürlich wissenschaftlicher ausgedrückt.

Die deutsche Gesellschaft wirft viel Geld für das aus dem Fenster, was man im Englischen Social Justice Warriors nennt, also Personen, die denken, die eigene Erleuchtung mit einer als gut empfundenen Mission sei ausreichend, um sich a) von Steuerzahlern aushalten zu lassen und b) andere penetrieren zu können.

Die entsprechenden Kämpfer finden sich vornehmlich in sozialistischer Ausprägung als Anti-Rassisten, Anti-Rechtsextremisten, sie haben Hochschulen mit Gender Studies infiltriert und treiben in Unternehmen als Gender-Kommissare ihr Unwesen.

Mit Blick auf die Gender Studies haben wir schon seit langem darauf hingewiesen, dass den Gender Studies alles fehlt, was deren Dasein an einer Hochschule zu rechtfertigen im Stande ist, angefangen von der Theorie, über die Epistemologie bis zur Methode. Es sind bislang keinerlei wissenschaftliche Ergebnisse bekannt, die die Gender Studies für sich reklamieren könnten, und es ist keinerlei Nutzen bekannt, der von Gender Studies, jenseits der sehr teuren Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die sie darstellen, ausgeht. Wir geben seit Jahren Vertretern der Gender Studies die Gelegenheit, diese Kritik, die wir in 30 Fragen übertragen haben, zu entkräften. Bislang hat noch keiner der Vertreter der Gender Studies sich im Stande gesehen, die Fragen zu beantworten. Einer der Vertreter, der es im Laufe von nunmehr knapp drei Jahren nicht geschafft hat, 30 Fragen zu beantworten, die jeder Wissenschaftler im Schlaf beantworten können muss, ist Sabine Hark, jene Sabine Hark, die nun im Zentrum eines Genderkriegs mitmischt, der innerhalb der Gender-Clique um die immer knapper werdenden Mittel aus den Töpfen der Steuerzahler geführt wird.

Wir, die unbeteiligten Kriegsberichterstatter von ScienceFiles, stehen dem robespierresken Gendertreiben seit einiger Zeit mit zunehmendem Wohlwollen gegenüber: Erst waren es die Beissreflexe, ein Sammelband, in dem Opfer der Gender Studies von ihren Erfahrungen mit Gender Studies und wohl Gender-Furien berichten, dann war es ein Beitrag, in der Emma, in dem die Gender Studies zu Sargnägeln des Feminismus erklärt wurden (nicht etwa zu Geschwüren der Wissenschaft!), und nun ist der Genderkrieg in vollem Gange. Die letzte Schlacht wurde gerade in der ZEIT geschlagen, Sabine Hark und Judith Butler haben sie gemeinsam geschlagen und das folgende Bild vom beklagenswerten Zustand der Gender Studies geben.

Die Verleumdung, so haben die beiden Gender-Krieger ihren ZEIT-Beitrag überschrieben. Ein Beitrag, in dem sie dazu aufrufen, auf die „Tugenden des Differenzierens und der Deeskalation“ zu setzen und sich nicht zum Zwecke einer „Zurschaustellung eigener moralischer Überlegenheit“ einer Strategie zu bedienen, die zu Prozessen der Entsolidarisierung beiträgt.

Die Anwendung der Tugend des „Differenzierens und der Deeskalation“, die der Zuschaustellung eigener moralischer Überlegenheit entgegenwirken soll, hat bei Butler und Hark den folgenden sprachlichen Niederschlag gefunden:

„Autoritär grundierte Ressentiments“, die eine „Grammatik der Härte“ und ein „korrespondierendes Register der Bezichtigung und des Verdachts, der Verfemung und Verleumdung“ ziehen, sehen Butler und Hark gleich zu Beginn ihres Textes. Sie sind natürlich die Guten, die tolerant an Deeskalation arbeiten. Das tun sie dadurch, dass sie alle Kritik an den Gender Studies „(a)sozialen Medien“ anlasten, die „Respektlosigkeit, Hassrede, Gewaltandrohung“ in das „gesellschaftliche Miteinander“ eingeführt haben. Das alles, Respektlosigkeit, Hassrede und Gewaltandrohung gab es nämlich im prä-sozialen und netzwerklosen Gender Idyll nicht. Aber nun finden sich „rohe Bürgerlichkeit“ „auch“ im „linken, queerfeministischen und antirassistischen Kontext“, also da, wo man sich bislang im Gender-Idyll gewähnt hat. Die, die die kritische Reflexion zu ihrer Berufung gewählt haben, sie reflektieren nicht kritisch, wie man daran erkennen kann, dass sie zu einem anderen Ergebnis kommen als Butler und Hark.

Die differenzierte Betrachtung der zur kritischen Reflexion unfähigen Beschmutzer des queerfeministisch antirassistischen Nestes, sie trifft die volle Breitseite der Hassrede, nein der Tugend der Deeskalation, die natürlich nicht dazu dient, eigene moralische Überlegenheit zur Schau zu stellen, wenn die Feinde in der eigenen Mitte von den Kombat-Tanten Hark und Butler der „ruchlosen Rede“ bezichtigt, als bar jeder akademischen Redlichkeit, als – schlimmster Vorwurf: infiziert mit einem Schuß „Trumpism“, als „vorurteilsvolle“ Basher, Lügner, Verbreiter „beißender Häme“, „beißender, skandalisierender Häme“, als Überläufer ins Lager der Feinde der Gender Studies und mithin Verräter bezeichnet werden. Mit diesen Ergebnissen ihrer „kritischen Reflexion“ wollen Hark und Butler zweifellos zur Deeskalation beitragen und natürlich sind die Begriffe „Denunziation“, Diffamierung“, „ruchlose Rede“ dann, wenn sie von Butler und Hark benutzt werden, auch keine „Grammatik der Härte“ und ein „beschleunigter Modus vergifteter Karikatur und Denunziation“ liegt natürlich auch nicht vor, vielmehr ist mit den beschriebenen Begriffen der Komplexität der Gender Studies in vollem Ausmaß Rechnung getragen.

Nein wirklich.
Dass dann, wenn Kombat-Tanten aufeinander treffen, denen keine argumentativen Mittel zur Verfügung stehen, nichts bleibt, als sich aus dem Arsenal der „Grammatik der Härte“ zu bedienen, das macht das derzeitige Gender-Treiben sehr deutlich. Wo die Argumente fehlen, bleibt die Bezichtigung, bleibt der Streit darum, wer nun das Opfer von wem ist und wie immer bleibt die Behauptung, dass die Kritik dem komplexen Forschungsfeld der Gender Studies, das zu komplex zu sein scheint, als dass man auch nur ein für die Gesellschaft relevantes Ergebnis vorbringen könnte, nicht gerecht wird.

Wir hoffen, dass die Tugend der Deeskalation und der Differenzierung wie sie von Hark und Butler gerade zur Schau gestellt wurde, noch viele Schlachten prägen wird, damit wir am Ende in Abwandlung eines Zitats von Robespierre feststellen können: Der Unsinn hat seine Kinder gefressen!

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Das Schindluder mit der Kinderarmut

Früher gab es einmal einen Bereich der Soziologie, der sich mit der Frage beschäftigt hat, wie „Entitäten am Begriffshimmel“ geschaffen werden, Reifikationen hat dies z.B. Heinz Steinert genannt. Damit wird das Erschaffen von Begriffen beschrieben, die ohne empirische Basis auskommen, Konzepte, die reine Gedankengebilde ohne empirischen Niederschlag sind. Kinderarmut in der Art und Weise, wie der Begriff in Deutschland lächerlich gemacht wird, ist eine solche Reifikation.

Das Hans-Böckler-Institut ist dann, wenn es darum geht, Armut als empirischen Zustand, der mit physischer Not verbunden ist, zu verhöhnen, in vorderster Front zu finden. Das Institut der Gewerkschaft hat es sich auf die roten Fahnen geschrieben, die Armut immer und überall zu finden – und wenn man sie eigens herbei rechnen muss. Und herbei rechnen, das ist, was die Hans-Böckler-Stiftung tut. Sie kreiert eine ganz eigene Form von Armut, verschweigt selbst die Tatsache, dass andere, sagen wir, mehr an Lauterkeit orientierte Menschen, im selben Zusammenhang nicht von Armut, sondern bestenfalls von relativer Armut sprechen und trommelt auf diese Weise für eine Reifikation, für etwas, das es in der Realität nicht einmal ansatzweise in dem Ausmaß gibt, wie die Stiftung behauptet – wenn Kinderarmut in Deutschland überhaupt existent ist.

Zur Erinnerung: Armut bedeutet, dass man sich zum Leben notwendige Dinge nicht leisten kann. Die Betonung liegt auf „zum Leben notwendige Dinge“.

Der ganze Unsinn, der sich hinter dem Konzept von Kinderarmut in Deutschland verbirgt, wird anhand der neuesten Katastrophenmeldung aus dem Hans-Böckler-Institut deutlich: „Die Kinderarmut in Deutschland hat 2016 erneut spürbar zugenommen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die unter der Armutsgefährdungsgrenze leben, stieg um 0,6 Prozent auf 20,3 Prozent“.

Die Ursache für diesen Anstieg ist die Zuwanderung. Nähme man die Meldung aus dem Hans-Böckler-Institut und den damit verbundenen Alarmismus ernst, dann müsste man feststellen, dass der deutsche Staat den Zuwanderern viel zu wenig Geld überweist, denn eine vierköpfige Familie ist gezwungen ohne einer Arbeit nachzugehen mit weniger als 1.978 Euro im Monat auszukommen. So mancher, der einer Arbeit nachgeht und weiß, wie lange er für 1.978 Euro Netto malochen muss, wird sich hier vermutlich die Augen reiben.

Bei der Gewerkschafts-Stiftung ist das anders. Waren Gewerkschaften nicht ursprünglich als Vertretung von Arbeitern angetreten, bevor sie zum Lobbyverein für Mittelschichtsfrauen, die lieber in Vorständen sitzen, als sich die Hände schmutzig zu machen, zu Kinderlobbyisten, Umweltlobbyisten, Antikapitalisten und Aktivisten gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und alles, was man sonst noch so als guter Mensch bekämpfen kann, wurden?

Wir behandeln die Hans-Böckler-Stiftung, die Gewerkschaftsstiftung, heute in ihrer Eigenschaft als Lobbyist all derer, die an Kindern verdienen.

Damit man an Kindern verdienen kann, ist es wichtig, eine Geschichte darüber zu erfinden, wie schlecht es Kindern doch geht. Schließlich ist es das Ziel, Steuermittel für sozial arbeitende Menschen aller Art einzuwerben, die es diesen sozial arbeitenden Menschen, die anderen Gutes tun wollen, ob diese anderen wollen oder nicht, erlaubt, sich ein Auskommen zu verschaffen.

Diese Geschichte basiert auf der Reifikation der Kinderarmut, jenem Ergebnis einer Berechnung von Luftblasen, das tatsächliche Armut verhöhnt:

„Für ihre Analyse haben die WSI-Forscher Dr. Eric Seils und Jutta Höhne die gerade erschienenen Armutsdaten des Mikrozensus 2016 ausgewertet. Als arm gelten nach gängiger wissenschaftlicher Definition Haushalte, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens beträgt.“

Immerhin findet sich diese Beschreibung dessen, was Seils und Höhne getan haben, um ihre Kinderarmut zu schaffen, in der Pressemeldung aus dem Hans-Böckler-Institut. Im Bericht findet sich nichts dergleichen, auch kein Verweis darauf, dass die Armut, von der die Rede ist, keine richtige Armut ist, sondern eine berechnete Armut, eine die es nicht wirklich gibt, eine, die mathematisch geschaffen wird, und zwar so:

Die OECD hat vor einiger Zeit schon eine Berechnungsweise zusammen geschustert, die „relative Armut“ oder „Armutsgefährdung“ oder die „Armutsrisikogrenze“, das, was beim Hans-Böckler-Institut schlicht und fälschlicherweise Armut genannt wird, zu berechnen.

Es funktioniert wie folgt:

Im Jahr 2015 beträgt das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen in Deutschland 23.499 Euro im Jahr oder 1.958,25 Euro. Das Nettoäquivalenzeinkommen gibt an, was deutsche Haushalte an Einkommen durchschnittlich pro Jahr zur Verfügung haben. Die Berechnungsgrundlage sind Einpersonenhaushalte. Der Median des Haushaltseinkommens liegt bei 20.668 Euro. Der Median teilt eine Verteilung in zwei gleichgroße Gruppen, d.h. die Hälfte der Haushalte hat ein Nettoeinkommen von weniger als 20.668 Euro zur Verfügung, die Hälfte mehr als 20.668 Euro im Jahr oder 1.722 Euro im Monat.

Für Haushalte mit Kindern erfolgt die Berechnung des Äquivalenzeinskommens wie folgt:

Median des Nettoäquivalenzeinkommens: 20.668 Euro
Erster Erwachsener: Faktor 1
+ Zweiter Erwachsener: Faktor 1.5
+ Erstes Kind: Faktor 2.1
+ Zweites Kind: Faktor 2.3.

Ein Haushalt aus vier Personen, in dem beide Erwachsene 20.668 Euro im Jahr verdienen, wird auf diese Weise auf ein Äquivalenzeinkommen von (20.668 + 20.668) / 2.3 gerechnet, also auf 17.972,17 Euro im Jahr oder 1.497.68 Euro im Monat. Der ganze Hokuspokus dient also dazu, eine Familie als Bedarfsgemeinschaft auf das Einkommen herunter zu rechnen, das ein Einzelner ohne Familie angeblich haben soll. Dabei wird natürlich nicht in Rechnung gestellt, dass ein Einzelner mehr Steuer zu entrichten hat als eine Familie. Die Äquivalenz, die der Begriff Äquivalenzeinkommen umfasst, bezieht sich also auf die Äquivalenz zu einem Einpersonenhaushalt.

Als armutsgefährdet oder relativ arm oder für die Hans-Böckler-Stiftung als schlicht arm gilt somit eine vierköpfige Familie dann, wenn das auf die oben dargestellte Weise berechnete Einkommen weniger als 60% des Nettoäquivalenzeinkommens beträgt. 60% des Nettoäquivalenzeinkommens im Jahr 2015 wären 12.401 Euro. D.h. eine vierköpfige Familie, die im Jahr 2015 ein Haushaltseinkommen von (12.401 * 2.3 =) 28.521,84 Euro oder 2.376,82 Euro pro Monat zur Verfügung hatte, gilt bei der Hans-Böckler-Stiftung als arm.

Das zeigt deutlich, wie hier Schindluder auf dem Rücken von Menschen getrieben wird, die tatsächlich arm sind, um die Gruppe der angeblich Armen möglichst groß zu rechnen. Die große Kinderarmut, die die Hans-Böckler-Stiftung berechnet hat, findet zwar keinerlei Widerspiegelung in der Realität wird aber begierig von all den Lobbygruppen aufgenommen, die nur darauf gewartet haben, ihre Interessen auf dem Rücken von wirklich Armen verfolgen zu können. Gut, dass es in Deutschland keine wirklich Armen gibt.

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