Hat die EU eine Zukunft? Juncker verspricht sich … sie

Im Marketing spielt die Ikonographie eine große Rolle. Ganze Synapsen laufen heiß, wenn die Neuronen mit ihren Ideen darüber, welche bildliche Darstellung man für ein Produkt oder ein Unternehmen (als Logo) wählen soll, eintreffen.

Sicher gibt es auch bei der EU eine Reihe von Marketingspezialisten, die sich Gedanken darüber machen, wie man die EU am besten verkaufen, am besten darstellen kann.

Wie z.B. kann man die Vorankündigung der Rede bebildern, die Jean-Claude Juncker am 13. September halten will, die Rede, in der es um die Zukunft der EU gehen soll, die Rede, in der er Ideen vorstellen und umreißen will, die die Zukunft der EU, der nach-BREXIT EU betreffen?

Welche bildliche Darstellung würden Sie der Vorankündigung gewichtiger Ideen, an denen entlang die Zukunft der EU gestaltet werden soll, geben?

Was symbolisiert Vision, Augenmaß, Weitblick, Neues, Innovation, Wohlstand, Zufriedenheit und Fortschritt?

Gar nicht so einfach.
Deshalb beschäftigt die EU auch eine ganze Reihe von Marketingspezialisten, die sich den Kopf über Frage zerbrechen, wie die, die wir gerade gestellt haben.

Und dabei kommt dann das Folgende heraus:

Die Zukunft der EU wird demnach am besten bildlich durch Kinder dargestellt, die mit Kreide auf Asphalt malen. Man beachte, dass das, was gemalt wird, eher abstrakt, jedenfalls kein klar angebbarer Gegenstand ist.

Die Zukunft der EU, das muss man der Ikonographie entnehmen, sie ist für Juncker nicht klar benennbar, seine Ideen sind nicht konkret, sondern abstrakt, wenngleich er wohl in der Lage ist, das, was er nicht weiß, in bunten oder schillernden Farben darzustellen, was uns wieder zurück zu Herbert Wehner bringt und seiner Bemerkung, dass das Phraseologische keine faktensetzende Kraft hat oder: Man kann schwätzen so viel man will, es materialisiert sich nichts: Auch Junckers Worte werden nicht Fleisch werden.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Spitzenpolitiker: Unter Blinden ist der Einäugige König

Das Ausmaß an Veränderung bemerkt man oft erst, wenn man mit Zeitzeugnissen einer vergangenen Ära konfrontiert ist, die den Kontrast zwischen damals und heute sehr deutlich machen.

Die vergleichende Politikwissenschaft hat sich diese Eigenschaft zunutze gemacht und vergleicht nicht nur in der Zeit, sondern auch zwischen politischen Systemen, Nationen, der Art und Weise, in der Akteure politische Ämter ausfüllen usw.

Demgemäß definieren Jan-Erik Lane und Svante Errson, die der Vergleichenden Politikwissenschaft Anfang der 1990er Jahre eine neue Richtung gegeben haben, Vergleichende Politikwissenschaft als „basically an attempt to interpret States, how they persist and how they perform“ und sie vergleichen Staaten, deren Dauerhaftigkeit, Regime, die Effizienz von Staaten, politische Akteure uvm.

Die Grundlage aller Vergleiche und aller Erkenntnis, die man aus Vergleichen ziehen kann, ist der Unterschied oder die Veränderung. Anders formuliert: Die Möglichkeit Vergleichender Politikwissenschaft setzt Unterschiede und Veränderungen voraus. Man stelle sich die armen Politikwissenschaftler vor, die in 150 bis 200 Jahren die politischen Systeme Kontinentaleuropas im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen untereinander und im Hinblick auf die Veränderung vergleichen sollen, die sie sagen wir von 2000 bis 2020 genommen haben. Sie werden, außer politisch-korrekter Gleichschaltung, die mit mehr oder weniger offener Gewalt durchgesetzt wurde, wenig zu beschreiben haben.

Ein Blick auf die Politiker wird für die nämlichen Forscher die Sache nicht besser machen: Parteisoldaten, die dem Diktat der Fraktion und der Partei unterliegen, gleichgeschaltete Gestalten in Parlamenten deren Äußerungen sich allesamt innerhalb des schmalen Gangs des politisch Korrekten bewegt, in dem sie dieselben Sprachregelungen, Benennungen und Formulierungen benutzen, um die Einöde vollständig zu machen.

Man kann den Politikwissenschaftlern der Zukunft nur raten, ihren Vergleich auf die Jahre der Bonner Republik auszuweiten, auf die Zeit, als Parlamente noch Orte des politischen Streits und nicht Orte des politischen Anbiederns waren, als Politiker zu intellektuell zu Formulierungen wie, dass es eine normative Kraft des Faktischen, aber keine faktensetzende Kraft des Phraseologischen gebe, im Stande waren, als es Politiker aus Leidenschaft und nicht Politiker zum Broterwerb gab, Parlamente, wie Dieter Hildebrandt Herbert Wehner in den Mund gelegt hat, Orte der besten Köpfe und nicht Orte der strapazierfähigsten Gesäße sein sollten.

Vor diesem Hintergrund haben wir ein wenig in Archiven gewühlt und von dort zunächst zwei Ikonen der ideologischen Auseinandersetzung herausgesucht: Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß. Beide hatten viel Spaß miteinander und sind keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen.

Heute werden die Positionen, die Wehner und Strauß innehatten als ihr Streit seinen Zenit erreichte, von Thomas Oppermann (ja, wirklich!) und von Horst Seehofer eingenommen. Man stelle sich eine Auseinandersetzung zwischen beiden vor. Wandfarbe beim Trocknen zuzusehen, dürfte aufregender sein.

Im Anschluss an den Clip featuring Herbert Wehner und Franz-Josef Strauß gibt es dann noch ein besonderes Schmankerl: Die Abschiedsrede von Herbert Wehner, die Wehner nie gehalten hat, schon weil sie Dieter Hildebrandt geschrieben hat. Wir haben uns für die Version entschieden, in der Hildebrandt und nicht Thomas Freitag die Rede hält.

Viel Spaß.

Die Pflicht:

Und die Kür:

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