Sigmar Gabriel ist ein falscher Nazi – nach eigener Aussage

Sigmar Gabriel hat t-online ein Interview gegeben. Ein Auszug daraus:


Frage: Im Februar haben Sie gesagt: „Es gibt ein großes Wählerpotenzial, das bereit ist, SPD zu wählen, aber nicht als Koalitionspartner der Union.“ Ich habe den Eindruck: Sieben Monate später und zwei Wochen vor der Bundestagswahl ist nicht viel zu sehen von einem solchen Potenzial. Erreicht die SPD Menschen nicht mehr?

Gabriel: Die Ereignisse der letzten Wochen, die unterdrückte Debatte über die Flüchtlingskrise und die Terroranschläge in europäischen Städten haben dazu geführt, dass sich viele Menschen offenbar mit dem Gedanken tragen, die AfD zu wählen. Es gibt eine Menge Menschen, die den Eindruck haben, dass über ihre Sorgen – Flüchtlinge, innere Sicherheit und die Angst um den Arbeitsplatz – im Wahlkampf nicht geredet wird. Wenn wir Pech haben, senden diese Menschen bei der Wahl ein Signal der Unzufriedenheit, das schlimme Folgen haben wird. Dann haben wir zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkriegs im deutschen Reichstag wieder echte Nazis.

Wir haben Gabriel schon immer für jemanden gehalten, der mit der Logik (und Vernunft) auf Kriegsfuß steht. Aber diese Fehlleistung ist eine besondere Fehlleistung.

Wenn mit der AfD echte Nazis in den deutschen Reichstag einziehen, dann heißt das, dass derzeit keine echten Nazis im Reichstag sitzen, sondern falsche, denn das Gegenteil von echten Nazis sind nicht-echte, also falsche Nazis. Das Dumme an der näheren Bestimmung von Mengen ist, dass mit der näheren Bestimmung auch die Gegenmenge näher bestimmt wird. Die Gegenmenge zu echten Nazis sind falsche Nazis. Gabriel muss sich entsprechend als falschen Nazi sehen, sonst hätte er die AfD nicht als echte Nazis, sondern nur als Nazis klassifiziert.

Dass er ein falscher Nazi ist, dafür spricht auch sein Irrtum, zur Wahl stünde am 24. September die Besetzung des Reichstags. Gabriel hinkt hier seiner Zeit hinterher. Seit 1933 finden keine Wahlen zum Deutschen Reichstag mehr statt (Die Wahlen von 1936 und 1938 lassen wir einmal außen vor.).

Seit 1949 wird gar ein Bundestag gewählt. Das muss Gabriel entgangen sein. Da fragt man sich doch, wo der Mann, dessen Partei nach seiner Ansicht nicht gewählt wird, weil dunkle Mächte die „Debatte über die Flüchtlingskrise und die Terroranschläge“ unterdrücken, der falsche Nazi Gabriel mit seinen Gedanken ist?

In der Vergangenheit?

Im Ewiggestrigen?

Anyone’s guess.

Deutscher Irrsinn 2017: Der Glockenklang der Nazis

In den Wissenschaften, die sich mit den Ergebnissen einer menschlichen Gehirntätigkeit auseinandersetzen, wird der Strich zwischen der Normalität und der Abnormalität von Verhaltensweisen oder von Wahrnehmungen in der Regel da gezogen, wo Verhalten oder Wahrnehmungen nicht mehr rational nachvollziehbar sind. Wenn jemand überall Aliens, Geister oder CIA-Agenten sieht, dann ist dies für den Fall, dass niemand sonst die behaupteten Aliens, Geister oder CIA-Agenten sieht, bedenklich. Wenn jemand, weil er und nur er, Aliens, Geister oder CIA-Agenten sieht, der Ansicht ist, er müssen sich ständig unter Tischen verstecken und könne sein Wohnzimmer nicht mehr verlassen, dann ist das nicht nur bedenklich, sondern sehr bedenklich. Und er dann, unter seinem Tisch einen Computer aufbaut und Nachrichten in die Welt sendet, in denen er vor Aliens, Geistern oder CIA-Agenten warnt, die allgegenwärtig und derzeit dabei sind, die Welt zu übernehmen, dann ist es nicht nur sehr bedenklich, dann liegt eine geistige Krankheit vor, die man behandeln muss.

Da denkt man jahrelang, die Pfalz sei eine der Regionen in Deutschland, die von Irrsinn, Hysterie und Gutmenschen verschont geblieben sind, und jetzt das: In Herxheim am Berg gibt es Hysteriker, die sich einbilden, man könne einer Kirchenglocke anhören, was aufgedruckt ist, auf die Glocke.

Seit 1934 läutet in Herxheim am Berg eine Glocke. Jahrzehnte lang gab es nichts zu beanstanden. Weder der Klang noch die Lautstärke der Glocke gaben Anlass zu Klagen. Dann sickerte etwas durch, sickerte quasi aus der Höhe des Glockenturms in die Niederungen, die menschlichen Niederungen des Ortes.

Die Glocke ist keine normale Glocke.
Die Glocke ist eine Glocke des Teufels.
Die Glocke ist eine Nazi-Glocke.
Die Glocke ist eine Hitler-Glocke.
Die Glocke trägt die Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler“.
Und ein Hakenkreuz.
Die Aufschrift oder das Hakenkreuz sieht zwar niemand bzw. es sehen sie nur wenige.
Aber seit Aufschrift und Aufdruck bekannt sind, häufen sich die Klagen über die Nazi-Glocke.

Menschen, die Jahrzehntelang nicht gehört haben, dass die Glocke eine Nazi-Glocke ist, die behaupten, sie hörten es jetzt. Sie hörten jetzt, dass eine rechte Glocke im Glockenturm hängt, eine, auf der sich ein Hakenkreuz befindet, eine, die nach Hakenkreuz klingt:

Das interessante an dieser Form der Hysterie ist, dass man sie gar nicht als Hysterie fassen muss. Man kann sie auch als Opportunismus fassen, als Opportunismus, der an Glocken ausgelebt wird. Dazu benötigt man nur eine Person, die allen anderen zeigen will, dass sie eine politisch-korrekte und gute Person ist. Im Dritten Reich hat man das dadurch gezeigt, dass man andere denunziert hat oder die Läden von Juden geplündert hat, heute macht man das anders. Heute zeigt man, dass man auf der richtigen Seite steht, in dem man sich einbildet, man hörte es einer Glocke an, welcher Aufdruck und welche Aufschrift sich darauf befindet. Virtue Signalling nennt dies James Bartholomew. Virtue Signalling hat bereits Charles Dickens beschrieben, und zwar in der Person von Mrs. Jellyby, der Dickens eine telescopic philantropy attestiert. Voller Sorge darüber, einem afrikanischen Stamm (damals musste man seine Gutheit dadurch zur Schau stellen, dass man sich um vermeintlich benachteiligte Menschen in Afrika kümmert oder sich zu kümmern vorgibt) Gutes in Form von Pamphleten und Aufrufen zu tun, schadet sie all denen in ihrer direkten Umgebung. Charles Dickens hat den Busybody, den Do-Gooder vorgezeichnet.

Für die Glocken-Kritiker, die im Klang die Aufschrift mithören, folgt daraus: Sie ergreifen die Gelegenheit beim Schopfe und versuchen, sich als gut und korrekt und voller virtue zu inszenieren.

Die Erklärung durch Hysterie ist nicht weniger „bleak“. Bildet man sich erst ein, dass man einer Glocke die Aufschrift anhört, dann folgen daraus eine ganze Reihe weiterer Einbildungen, von den Nazis, die durch den Glockenklang aus ihrem tausendjährigen Schlaf geweckt werden, bis zum bösen Ohmen, das die Glocke für Hochzeiten darstellt (Wie ist eigentlich die Scheidungsquote in Herxheim am Berg?). Eine derartige Vorstellung vom verderblichen Einfluss des Nazi-Klangs, den sie jahrelang nicht als solchen erkannt haben, scheint diejenigen zu treiben, die sich einem Bericht der Rheinpfalz zur Folge darüber ärgern, dass man unter der Nazi-Glocke gar Ehen schließen könne.

Rationalität und Vernunft haben es derzeit in Deutschland sehr schwer, fasst dass es den Anschein hat, als wären beide aus Deutschland weggelaufen, denn etwas Besseres als Irrationale, die nach Jahrzehnten etwas hören wollen, was sie jahrzehntelang nicht gehört haben, findet man überall.

Die Glocke wird übrigens abgeschaltet.
Bevor sich der Volkszorn gegen die Glocke und diejenigen, die sie, die aus Bronze gegossen nichts dafür kann, welchen Aufdruck und welche Aufschrift man ihr verpasst hat, verteidigen, richtet, hat man die Glocke zum Verstummen gebracht. Es hat übrigens noch nie etwas genutzt, Irrationalität, Unvernunft und Wahnsinn zu hofieren, ihnen gefügig zu sein. Damit erreicht man nur mehr Unvernunft, Wahnsinn und Irrationalität. Man kann sie schon sehen, die guten Menschen, die Kirchtürme erklimmen, die sie Jahrzehnte mit Ignoranz gestraft haben, die aber nun versprechen, etwas ganz Besonderes zum Vorschein zu bringen: Eine Nazi-Glocke, dies höchste Gutmenschenglück auf Erden, an dem man demonstrieren kann, was man doch für ein toller Mensch ist, einer, der die Welt verändert, einer, der Glocken zum Verstummen bringt.

Die Nationalsozialisten haben übrigens auch Wasserrohre verlegt. Es steht zu befürchten, dass Deutsche, vor allem Deutsche in Städten, auf einem wahren Labyrinth nationalsozialistischer Embleme und Widmungen leben, täglich darauf laufen, darauf fahren, daraus trinken… Na, wem schmeckt sein Wasser nicht mehr? Wasser, das durch nationalsozialistische Rohre geleitet wurde, schmeckt nämlich anders – oder?

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Ist Gewalt in der Pflege an der Tagesordnung?

Vor einigen Tagen haben wir einen Post veröffentlicht, in dem wir auf eine mutige Befragung eingegangen sind, die die B. Braun Stiftung und das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung durchgeführt haben. Befragt wurden Auszubildende und Schüler der Gesundheits- und Krankenpflege u.a. zu ihrer Erfahrung mit Gewalt in der Pflege. Erschreckende 30,8% der 402 Befragten haben angegeben, dass sie sehr häufig oder eher häufig Zeuge davon wurden, wie gegen den Willen von Patienten Pflegemaßnahmen durchgeführt werden.

Derzeit führen Politiker häufig den Begriff der Menschenwürde im Mund. Bislang ist keiner auf die Idee gekommen, die Frage zu stellen, wie Mehrbettzimmer in Altenheimen, Fixierungen und Behandlungen gegen den Willen von Patienten mit der Menschenwürde, die angeblich so wichtig ist, vereinbar ist. Es zeigt sich einmal mehr, dass es nicht darum geht, konkrete Situationen von Menschen zu verbessern, sondern darum, sich mit Begriffen zu schmücken und virtue signalling ohne jegliche empirische Basis zu betreiben.

Zwischenzeitlich hat uns ein Feedback eines Lesers erreicht, in der er seine Erfahrungen mit der Normalität von und der Art und Weise, mit der Gewalt in der Pflege angewendet wird, beschreibt. Es ist ein erschreckender Bericht von dem, was offensichtlich Normalität in deutschen Krankenhäusern ist:

„Gewalt in der Pflege: Als Zivildienstleistender habe ich im Jahr 2000 die Gewalt selber miterlebt und zu meiner eigenen Scham heute, auch teilweise selber mal angewandt. Als junger naiver 19-Jähriger komme ich in ein Krankenhaus und stehe quasi unter Befehlszwang. Von einigen Schwestern höre ich ständig Sätze wie, “wäre der mal lieber zum Bund gegangen, dann hätte er gewusst, wie man Befehle befolgt.” Da wird einem z.B. dann von den Schwestern vorgemacht, wie renitenten Patienten die Tabletten verabreicht werden: Nase zu halten und warten bis dieser Mensch Luft holen muss… Mund geht auf, Tabletten rein, Flüssigkeit mit der Schnabeltasse dazu und fertig. Die Schwestern verhielten sich zu meinem Entsetzen auch untereinander sehr feindselig. Keine gönnte der Anderen was. War man die ersten Monate noch froh über meine Hilfe, wurde sie später als Waffe gegen andere Schwestern eingesetzt. Wurde ich am Anfang noch auf alles Mögliche angelernt, schwärzten sich die selben Krankenschwestern dann an, wenn ich was in deren Auftrag tat, es aber wohl rechtlich nicht erlaubt war. Auch erlebte ich wie man fast sehenden Auges einen Arzt im Praktikum (AIP) einen Fehler machen lassen wollte, der den Patienten verletzt hätte. Im letzten Monat sagte ich als Zivi dann Stopp, und wies den AIP auf seinen Fehler hin. Der war sichtbar dankbar, aber die wütenden Blicke (Oberarzt, Stationsarzt, Chef-Stationsschwester und einige andere Schwestern) der mir galten, weil ich die “Zirkusvorstellung” vorzeitig beendet hatte, die werde ich nicht vergessen.

Seid damals sind viele Jahre vergangen, und ich habe diese dominante menschenverachtende Art der Medizin auch an mir selbst als Patient und bei Verwandten erleben müssen. Den Ärzten, Schwestern und Krankenhäusern vertraue ich nicht mehr wirklich. Gleichzeitig muss ich bei vielen meiner Mitmenschen feststellen, dass sie diese “Medizin-Profis” immer noch für die Götter in weiß halten. Gruß ein ehemaliger Zivildienstleistender (Pflegezivi jeweils für ein halbes Jahr auf der Intensivstation und halbes Jahr einer Neurologie-Station)“

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