Hamburger Mathematikschwäche: Eine Gleichung ohne Unbekannte

In Hamburg ist man irritiert.

Die Hamburger Schüler sind in Mathematik schlecht, schlechter als der Durchschnitt, fast schlechter als die Schüler in Bremen. Das wäre dann wirklich eine exponentielle Katastrophe. Die Wurzel allen Übels ist für Hamburger eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Das x will einfach nicht aufgelöst werden.

Deshalb hat der Hamburger Schulsenator, Ties Rabe, über dessen Mathematikkenntnisse nichts bekannt ist, ein Expertengremium eingesetzt, um den Hamburgern das Rechnen mit Unbekannten beizubringen und nach Lösungen für die Gleichung zu suchen, auf deren rechter Seite zu oft die falsche Lösung als Funktion einer Mathematikschwäche steht.

Das Rätsel beginnt, wie Rabe meint, bereits Ende der 1990er Jahre.
Urplötzlich scheinen die Hamburger Schüler von einer grassierenden Unfähigkeit, vermutlich eine Variante des calculus vitiosus, erfasst worden zu sein und seither ist die Gleichung offen, die Lösung gesucht und die Mathematikschwäche vorhanden.

Die Experten der Kommission, sie sollen das ändern.

Der Mathematikunterricht soll qualitativ besser werden – aber wie?

Vorschläge für neue Unterrichtsmethoden sollen gemacht werden. Nur welche?

Wieder gibt es viele Gleichungen und noch mehr Unbekannte.

Das einzige, was man an Lösung aus der Expertenkommission bislang hört: „Studien belegen, dass es einen Unterschied für den Schulerfolg macht, dass Schüler glauben, dass sie etwas können“.

Der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Ob er auch Unbekannte aus Gleichungen versetzen kann, das wird die Expertenkommission ausrechnen. Wenig rechnen muss der Schatzmeister der Stadt Hamburg. Ihn machen die Experten um 150.000 Euro ärmer. Damit ist das Ergebnis der Gleichung „Expertenkommission“ bereits bekannt. X = 150.000. Fehlt noch der Lösungsweg.

Wie dem auch sei. Wir haben uns natürlich sofort in die Spur gesetzt und den alten Ockham beim Wort genommen. Wenn die Hamburger Schüler zwischen dem Anfang der 1990er Jahre und dem Ende der 1990er Jahre ihre Mathematikschwäche entdeckt haben, dann muss sich im Verlauf der 1990er Jahre etwas verändert und zur Mathematikschwäche geführt haben.

Was hat sich geändert?
Das Verhältnis des Männer- zum Frauenanteils unter den vollzeitbeschäftigten Lehrern hat sich verändert. Männliche Lehrer sind seltener, weibliche Lehrer häufiger geworden.

Wir schlagen daher vor, in die Rechnung mit den Unbekannten, die die Mathematikschwäche der Schüler in Hamburg zum Ergebnis hat, eine bekannte Größe, die einen nachgewiesenen und von jedem mit anekdotischen Belegen aus seinem eigenen Schulleben zu versehenden Einfluss auf die Leistungsfähigkeit von Schülern hat. Dabei handelt es sich nicht um den Lehrplan. Auch nicht um das Selbstbewusstsein der Schüler. Nein, die Unterrichtsmethoden sind es auch nicht. Es sind die Lehrer, deren pädagogische und fachliche Fähigkeiten.

Bei den Versuchen, die Schulleistungsgleichung mit Variablen zu füllen, wird in der Regel jeder Unsinn berücksichtigt und das Naheliegende vergessen: Lehrer.

Unser Rat an die Expertenkommission lautet daher: Lösen Sie die Gleichung der Mathematikschwäche der Schüler nach den Fähigkeiten der Lehrer unterschieden nach Geschlecht auf. Ergebnis garantiert größer als Null.

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Krankheit gleich verteilen. Aus Bremen kommt immer der beste Unsinn

Nachdem wir uns in der Redaktion zwischenzeitlich wieder beruhigt und die Tränen aus den Augen gewischt haben, wollen wir unseren Lesern den folgenden Auszug aus der Pressmeldung der Appollon Hochschule („Ihr Fernstudium im Gesundheitswesen“) nicht vorenthalten.

Taschentuch bereit legen!
Los geht’s.

„Diversität und gesundheitliche Chancengleichheit – so lautet das hochaktuelle Thema, dem sich die APPOLLON-Hochschule im Rahmen des ganztägigen Symposiums [am Freitag, den 10. November 2017 in Bremen] widmet. Als ältestes Sozialversicherungssystem der Welt mit vergleichsweise hohen Gesundheitsausgaben hat Deutschland den Anspruch, Gesundheit solidarisch zu gestalten. Inwieweit das gelingt, ist jedoch fraglich: Denn es ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass diejenigen, die arm oder wenig gebildet sind, öfter krank werden und früher sterben als diejenigen, die in der Lage sind, sich Gesundheitsinformationen zu beschaffen und über finanzielle Ressourcen verfügen. Die Frage ist also: Wie kann Gesundheit gerechter verteilt werden, beziehungsweise ist das überhaupt gewünscht?“

Natürlich ist das gewünscht.
Fangen wir gleich damit an. Für jeden Krebstoten, den es unter Armen und Ungebildeten mehr gibt als unter nicht-Armen und nicht Ungebildeten, wird ein nicht-Armer und nicht-Ungebildeter mit Krebs infiziert und zu Tode gebracht. Gleiches gilt für Mortalitäten auf Grund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder aufgrund von anderen so genannten Wohlstandskrankheiten, die vermeintlich in den Kreisen der Armen und Ungebildeten weiter verbreitet sind.

Für die unter den nicht-Armen und nicht-Ungebildeten weiter verbreiteten Krankheiten wie AIDS, Hepatitis B, für Drogensucht und Syphilis sind entsprechende Ausgleichsmaßnahmen zu ergreifen, die eine gerechte und leiche Verteilung der entsprechenden Krankheiten auch unter den Armen und Ungebildeten gewährleisten.

Extremistisches Material, in dem behauptet wird, bestimmte Krankheiten seien erblich, ist einzusammeln und, soweit es digital vorhanden ist, zu löschen, soweit es in Papier- oder Buchform vorliegt, zu verbrennen. Offenkundig widerspricht jede Form der Erblichkeit dem Gebot der gerechten Verteilung von Krankheit.

Damit die nicht-Ungebildeten und nicht-Armen nicht weiterhin in den Genuss einer sozial ungerechten besseren Gesundheit kommen, sind zudem Materialien, aus denen die nicht-Ungebildeten ihre nicht-Unbildung beziehen, zu verbieten. Um den Vorteilen, die aus der Möglichkeit von nicht-Ungebildeten erwächst, mehr Kredit aufnehmen zu können als es Ungebildete können, im Hinblick auf die Gesundheit den Boden zu entziehen, werden alle entsprechenden finanziellen Vorteile vom Staat abgeschöpft und in die flächendeckende Verbreitung von Karzinogenen investiert, damit die gerechte Verteilung von Gesundheit bzw. Krankheit auch auf diesem Weg gewährleistet ist.

Dieses strikt sozialistische Programm, das letztlich zu einer gerechten Verteilung von Krankheit und Mortalität führt, steht in direkter Tradition sozialistischer Programme, wie sie in der DDR oder in der Sowjetunion verfolgt wurden und im Rahmen des Gender Mainstreamings derzeit umgesetzt werden. Damit sind wir der „gesundheitlichen Chancengleichheit“, über die Rolf Rosenbrock in seinem Impulsreferat referieren will, schon so viel näher gekommen, dass es das Impulsreferat gar nicht mehr braucht.

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(Keine) Heimat: Die Sprachpolizei ist wieder aktiv

Fast hätten wir Anatol Stefanowitsch, den Professor für die “Struktur des heutigen Englisch” an der FU Berlin, der vornehmlich zu Fragen der „Struktur des heutigen Deutsch“ seinen Senf gibt, vergessen. Doch nun hat sich Stefonwitsch, bereits ein Vorkämpfer geschlechtergerechter deutscher Sprache, wieder in Erinnerung gebracht.

Der Begriff der Heimat, er passt ihm nicht.

Und weil ihm der Begriff nicht passt, weil er eine persönliche Abneigung gegen den Begriff hat, deshalb will er seine Benutzung im Politischen verbieten oder verhindern. Die Begründung dafür, warum er seine persönliche Vorliebe zur Pflicht für andere erklären will, kann man auf vier Sätze reduzieren.

  • Heimat sei ein Ort, mit dem sich positive affektive Konnotationen verbinden.
  • Heimat sei immer derselbe Ort.
  • Wer deshalb von einem Ort zum anderen wandere, sei nur Zuhause, aber nicht daheim.
  • Weil er nicht daheim sei, im Zuhause, deshalb sei er ausgeschlossen, diskriminiert, werde er zum Fremden und deshalb habe „Heimat in der Politik nichts zu suchen“, geht es doch, wie man folgern muss, für Stefanowitsch in der Politik darum, andere nicht zu Fremden zu machen, sie nicht auszuschließen.

Der alltägliche Totalitarismus, er hat Stefanowitsch in Beschlag genommen und davongetragen.

Um dies zu zeigen, muss man gar nicht darauf verweisen, dass manche Menschen ihre Heimat von Ort A nach Ort B verlagern, wir zum Beispiel, problemlos und falsifizierend für den Essentialismus, den Stefanowitsch mit dem Begriff verbindet. Es reicht, die unausgesprochenen Prämissen von Stefanowitsch ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Der Begriff „Heimat“, so lässt sich, was Stefanowitsch schreibt, verallgemeinern, beschreibt eine affektive Bindung an einen Ort.
Affektive Bindungen an z.B. die Heimat haben die Konsequenz, dass sie Dritte ausschließen, Dritte, die die affektive Bindung an, sagen wir: die Südpfalz, nicht teilen.
Sie, so folgert Stefanowitsch, werden ausgeschlossen, sie werden zu Fremden.
Die Politik müsse aber integrierend wirken und dürfe niemanden ausschließen (außer den AfD-Wählern und den AfD-Mitgliedern und den AfD-Sympathisanten und den AfD-Toleranten und den Rechten usw.), für den Stefanowitsch beschlossen hat, dass man ihn nicht ausschließen darf.

Ich Anatol, Professor und Gott …

Nähme man ernst, was Stefanowitsch allen Ernstes in die Tageszeitung geschrieben hat, dann wären die Folgen für die Politik unübersehbar.
Denn es ist nicht einzusehen, dass nur ein Stefanowitsch das Recht haben soll, seine persönlichen Vorlieben für andere zur Verbindlichkeit zu erklären.
Affektive Bindungen, die per definitionem diskriminierend sind, gibt es nicht nur mit Bezug auf Heimat. Es gibt sie in so vielen Formen, dass für die Politik kein Gegenstand mehr übrig bleibt.

Eine Beziehung ist eine affektive Bindung, die alle-1 ausschließt. Eine schlimmere Form der Diskriminierung und der Schaffung von Fremden kann man sich kaum vorstellen. Entsprechend hätte alles, was mit Beziehung und Familie zu tun hat, aus der Politik zu verschwinden, ginge es nach Stefanowitsch.

Affektive Bindungen kann man nicht nur zu Orten oder anderen Menschen aufbauen, man kann sie auch mit Bezug auf Ideen, Einstellungen, Überzeugungen etablieren. Manche sind z.B. in affektiver Bindung mit ihrer sexuellen Orientierung, sehen ihre LSBTusw. als Definiendum des eigenen Seins. Damit schließen sie alle Heterosexuellen aus, machen sie zu Fremden, spalten die Gesellschaft. Auch LSBTusw. haben, nähme man Stefanowitsch ernst, in der Politik nichts zu suchen.

Dasselbe gilt für Gender Mainstreaming, das für viele Feministen zum affektiven Lebensinhalt geworden ist. Es schließt Männer aus und hat nach Stefanowitsch in der Politik nichts zu suchen.

Die Liste der Gegenstände affektiver Bindung, die nach Stefanowitsch nichts in der Politik zu suchen haben, sie ist unüberschaubar:

  • Umwelt-/Klimaschutz;
  • Windräder und andere unzuverlässige Energieformen;
  • Kampf gegen Rechtsextremismus;
  • Anti-Kapitalismus;
  • Die Düngemittelverordnung;
  • Arbeitslosengeld;
  • Hilfe für Flüchtlinge;
  • Anti-Rassismus;
  • Frauenquote;
  • Soziale Dienste;
  • Caritas;
  • Das Jugendamt;
  • Geschlechtergerechte Toiletten;
  • Kindergeld;
  • Bundeswehr;
  • Demokratieerziehung;
  • Parteienfinanzierung;
  • Strafgesetze;

Es gibt kaum einen Gegenstand des Politischen, an dem keine affektiven Bindungen beteiligt sind und der nicht diskriminierend wirkt, der nicht die Gesellschaft in Befürworter und Gegner, in Begünstigte und Nettozahler usw. unterteilt. Das genau ist nämlich der Gegenstand des Politischen, Dinge, die diskriminieren auf dem freien Markt der Ideen und ohne totalitäre Eingriffe zu diskutieren und zu Entscheidungen darüber zu kommen, wer durch Entscheidungen besser, wer schlechter gestellt werden soll.

Das nennt man auch Demokratie. Zur Erinnerung: Eine Demokratie lebt davon, dass ein Wettbewerb zwischen Ideen stattfindet, ein Wettbewerb, der es den Marktteilnehmern ermöglich, sich für eine Idee zu entscheiden. Welche Idee letztlich das Rennen macht, ist eine Entscheidung der Mehrheit und eine Frage der Fähigkeit von Ideen, sich an die Bedingungen der Zeit anzupassen. Um einen Wettbewerb der Ideen gewährleisten zu können, muss der Zugang zum Markt der Demokratie unbeschränkt sein und jedem, sei seine Idee auch noch so schräg, offen stehen. Weil dem so ist, muss man Leute wie Stefanowitsch, den den Zugang zum Markt der Demokratie nach ihren eigenen Vorlieben gestalten und mit Schranken und Privilegien versehen wollen, als Feinde der Demokratie ansehen, die ihre totalitären Phantasien auszuleben versuchen.

Deshalb wäre es in einer demokratischen Gesellschaft so, dass es Anbieter im Markt des Politischen gibt, die mit Begriffen wie “Heimat” werben und den entsprechenden Nachfragern eine – wenn man so will: politische Heimat bieten. Andere, die mit Heimat eher nichts anfangen können, könnten ihre politische Heimat bei anderen politischen Anbietern suchen. And never the twain shall meet. Leute wie Stefanowitsch, die in einem Schwung Angebot und Nachfrage verbieten wollen, sind somit keine Demokraten. Sie sind totalitär, auf Kontrolle des Marktes und auf die Bevormundung derer ausgerichtet, die sie für Fremde halten, die ihnen Angst machen, die ihnen zeigen, dass es Gruppen gibt, zu denen sie nicht gehören. Und genau das, nicht dazu zu gehören, dass können die Stefanowitschs dieser Welt nicht aushalten. Deshalb wollen sie verbieten, was sie ausschließt und zeigen damit aller Welt, wie schwach, wie ängstlich sie sind oder, je nach Gewichtung, wie viele Sprünge sie in der Schüssel haben, wenn sie bereits mit Begriffen ins Bockshorn zu jagen sind. Sie sind offensichtlich nicht geeignet, um in einer Freien Gesellschaft, in einer Gesellschaft offener politischer Märkte zu leben. Nach dem Ende der Sowjetunion, dem Ruin des Arbeiter- und Bauernstaates bleiben fast nur Nordkorea und Venezuela als Zuflucht für diejenigen, die keine Freiheit, vor allem dann, wenn andere sie nutzen, ertragen können.

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