Politainment: Jamaica Live im Ersten, Zweiten und auf allen Dritten Programmen

Das gibt es eigentlich nur am Fasching: Prunksitzung vorne, Prunksitzung hinten, Mainz bleibt Mainz im ZDF, Kölle Alaf in der ARD, Prunksitzungen aus Hintertupfingen und Wanne Eickel in den Dritten und auf Arte ein Beitrag über die Kunst hinter der Karnevalsmaske.

Eigentlich.
Tatsächlich gibt es das Ganze auch heute: in bewährter Monotonie, nicht zu überbietender Inhaltsleere und ständigem Bangen: Fällt sie oder fällt sie nicht. Sie fällt, nein, sie fällt nicht. Die Obergrenze natürlich.

Als Andreas Dörner 2001 sein Buch zum Thema Politainment geschrieben hat, hat er damit eine Entwicklung beschreiben wollen, die sich nach seiner Ansicht dadurch auszeichnet, dass Politiker sich mehr und mehr medialer Unterhaltungsformate bedienen, um ihre sowieso schon dünnen Inhalte farblich aufgemotzt und mit Musik und Effekten in die Länge gezogen, unter das Volk zu bringen. Politainment, so hat Dörner geschrieben, mache Politik auch denen zugänglich, die nicht an Politik, sondern an Unterhaltung interessiert seien. Und Thomas Meyer, in der Regel von Sorgen geplagt, fürchtete dass, „[f]ür den Bürger … ja unmittelbar gar nicht mehr nachzuvollziehen [ist], welche der Darstellungen von Politik leere Inszenierungen und welche geschickte Präsentationen tatsächlichen Vollzugs ist“.

Das Putzige an Meyers Einwand: Er geht tatsächlich davon aus, dass Politik auch aus nicht-leeren Inszenierungen bestünde. Einfach putzig.

Sowohl Meyer als auch Dörner hatten nicht auf der Rechnung, dass Politik schnell und gründlich über Politainment die Unterhaltung ruiniert. An die Stelle guter Unterhaltung treten immer dieselben Kommentare von immer denselben Journalisten, die immer dieselben Fragen stellen und weil das alles noch nicht reicht, präsentieren die Gebühren finanzierten Medien die Armut der Sondierungsgespräche, das unsägliche Geschachere darum, wer sich bewegen muss, bei gleichzeitiger Versicherung, dass man sich bewegen müsse, live und auf allen Kanälen.

Volle Dröhnung.

Aber natürlich ist man nicht einmal im Ersten in der ersten Reihe dabei. Das beste, was die Gebührensender zu bieten haben, ist ein Blick auf verschlossene Türen, hinter denen geschachert wird, seit Tagen nun, geschachert wird. Der Blick auf die Tür, der Blick auf den Balkon am Reichstag, das hat keinen Erlebniswert, das ist kein Entertainment, nicht einmal Politainment.

In Britannien spricht man von something as exciting as watching paint dry.

Damit die Zuschauer medialer Eintönigkeit, bei der Betrachtung der Jamaica-Armut nicht auf die Idee kommen, dabei handle es sich um Jamaica, haben wir ein paar Eindrücke aus Jamaica zusammengestellt, die mit Sicherheit aufregender sind, als die Frage: Fällt sie, oder fällt sie nicht.

Verhandlung unter vier Augen:

Aufregung aus Jamaica analog zur Aufregung in Deutschland:

Tipps für Verhandlungspausen

Für Nachdenkliche

Man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben:

„Emancipate yourself from mental slavery, none but ourselves can free our minds…“ (Soviel an die Adresse der Whiteness-Studierer!)

In Jamaica kommen sie mit Leistung zum Ziel:

Und in Berlin? Kommen Sie in Berlin auch durch Leistung zu einem Ergebnis?

Lob des Reichtums: Ungleiche Einkommen und Vermögen sind für Gesellschaften überlebenswichtig

Die Reichen und die Armen – kein Gegensatzpaar hat mehr Geschichte gemacht. Ein Grund dafür: Karl Marx hat es in seinem historischen Materialismus mit allerlei Macht- und Herrschaftsphantasien gemixt.

Mit dem Motiv der zu reichen und der zu armen gehen sozialistische Parteien seit Jahrhunderten auf Stimmenfang, ohne dass sie daran etwas ändern würden – im Übrigen. Denn verglichen mit dem 19. Jahrhundert als der Sozialismus als politische Heilslehre erfunden wurde, ist der Abstand zwischen Reich und Arm kaum anders geworden – trotz sozialistischer Regierungs-Parteien.

Und das ist gut so, denn Reiche und Arme, ungleiche Einkommen, ungleiches Vermögen sind für Gesellschaften überlebenswichtig. Dass es Reiche gibt, gilt denen, die gerne reich wären, als Motivation für eigene Leistung mit dem Ziel, auch reich zu werden. In kapitalistischen und funktionierenden Gesellschaften ist dies möglich. In sozialistischen Gesellschaften ist es regelmäßig so, dass man erhält, ohne etwas zu leisten und dass die, die dennoch leisten wollen, einen Punkt erreichen, ab dem ihre Bereitschaft, andere durchzufüttern, ausgeschöpft ist. Das ist dann in der Regel der Moment, ab dem sozialistische System zum Mittel des Terrors greifen und Mauern um ihr Staatsgebiet bauen.

Von unngleicher Einkommens- und Vermögensverteilung, von Luxus gehen noch weitere positive Effekte aus, wie Ludwig von Mises in seinem 1927 in Jena erschienenen Buch „Liberalismus“ schreibt. Sein Argument in kurz: Alle Massenwaren haben einmal als Luxus von Reichen angefangen. Nimmt man den Reichen das Geld, um im Luxus zu leben, dann hat dies unabersehbare Folgen für die Fähigkeit und Willigkeit der Mitglieder einer Gesellschaft, innovative Güter zu produzieren.

Von Mises hat das in der ihm eigenen Kürze und mit Beispielen versehen, auf den Seiten 27 bis 29 von „Liberalismus“ argumentiert. Das Argument ist bis heute nicht widerlegt. Im Gegenteil, es wird ständig durch das Versagen sozialistischer Systeme aufs Neue bestätigt, so dass man feststellen muss, dass sozialistische Projekte der Umverteilung von Einkommen und Vermögen zu den Sargnägeln moderner Gesellschaften gehören.

 

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