Ohne Gentechnik: Verbraucher täuschen leicht gemacht

In Kanada gibt es einen Rechtsakt im Hinblick auf die Auszeichnung von Lebensmitteln mit dem Zusatz „Non-GMO“ bzw. ohne Gentechnik in Deutschland. Er lautet:

“6.1.4 Claims that a single-ingredient food is not a product of genetic engineering shall not be made for a single-ingredient food of which no genetically engineered strains have been offered for sale, unless accompanied by an explanatory statement, for example, like all other oranges, these oranges are not a product of genetic engineering.”

Mit anderen Worten, es ist nicht zulässig bei Produkten, die zu 100% aus einer Zutat bestehen, damit zu werben, das entsprechende Produkt sei ohne Verwendung gentechnischer Zutaten hergestellt worden, wenn es überhaupt keine gentechnisch-veränderte Variante der entsprechenden Zutat gibt.

Diese Regelung gilt für Kanada.

In anderen Ländern, natürlich auch in Deutschland, gilt diese Regelung nicht.

Hier floriert das Geschäft mit der Verbrauchertäuschung durch den Zusatz: „Keine Gentechnik“, „Non-GMO“. Unternehmen zahlen viel Geld, um sich als Non-GMO zertifizieren zu lassen oder bringen entsprechende Hinweise auf ihren Produkten an, um die Gentechnik-Phobie einiger Konsumenten auszunutzen, höhere Preise verlangen zu können (wegen non-GMO) und überhaupt Verbraucher täuschen und deren Phobie ausnutzen zu können, wohlwissend, dass es gar keine Möglichkeit gibt, entsprechende Produkte gentechnisch verändert zu kaufen.

Derzeit gibt es nur 10 Getreide, Gemüse, Früchte oder Nutzpflanzen in gentechnisch-veränderter Variante, nämlich:

  • Mais,
  • Sojabohnen,
  • Alfalfa,
  • Zuckerrüben,
  • Papaya,
  • Raps (Canola)
  • Kürbis,
  • Äpfel
  • Kartoffeln und
  • Baumwolle

Somit nutzen diejenigen, die wohlwissend, dass es keinerlei gentechnisch veränderte Alternative zu Ihrem Produkt gibt, ihr Produkt als „ohne Gentechnik“ deklarieren, die Unwissenheit und Gentechnik-Phobie ihrer Kunden aus, um ihr Produkt mit einer Qualität vor Konkurrenzprodukten auszuzeichnen, die es gar nicht auszeichnen kann.

Wir haben bei Amazon ein wenig gesucht und sind schnell fündig geworden bei Herstellern, die mit ihrer Produktbeschreibung, Kunden hinters Licht führen.

Die Weinkellerei Peter Mertes aus Bernkastel-Kues bewirbt Nachtgold Auslese Dersertwein süß, 6 x 0,375l zum Preis von 17,99 Euro als „ohne Gentechnik“. Wein besteht bekanntlich aus Trauben. Hier aus Müller-Thurgau-Trauben. Zuweilen findet sich auch Schwefel in Wein. Mehr nicht. Es gibt derzeit keine zugelassenen gentechnisch veränderten Trauben. Die Weinkellerei Mertes aus Kusel versucht sich einen unlauteren Wettbewerbsvorteil durch irreführende Behauptungen zu verschaffen.


Die Firma Rabenhorst bewirbt ihren Bio-Rote-Bete-Saft, der zu 100% aus Direktsaft bestehen soll (6 x 700 ml = 17,94 Euro) mit dem Hinweis: Ohne Gentechnik. Nun kann man sich fragen, was Rabenhorst unter die 100% Direktsaft normalerweise schmuggelt oder feststellen, dass auch Rabenhorst versucht, diejenigen auszunutzen, die nicht wissen, dass es keine gentechnisch veränderte Rote Bete gibt, um sich einen Vorteil vor der Konkurrenz zu verschaffen.

Die Rapunzel Naturkost AG verkauft Mandelmuss aus 100% Mandeln für 16,20 Euro pro 500 Gramm und wirbt mit „ohne Gentechnik“. Da es keine gentechnisch veränderten Mandel auf dem Markt gibt, muss man schließen, das auch die Rapunzel Naturkost AG die Leichtgläubigkeit von Gentechnik-Phobikern ausnutzen will, die wohl nur wissen, dass gentechnisch veränderte Produkte schlecht sind, nicht weil dem so wäre, sondern weil man es ihnen erzählt hat, aber keine Ahnung haben, welche gentechnisch veränderten Nahrungsmittel eigentlich auf dem Markt sind.

Das Geschäft mit der Angst der Konsumenten ist ein lohnendes Geschäft, und es floriert unter anderen unter dem Banner von Non-GMO.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles


Anregungen, Hinweise, Kontakt? -> Redaktion @ Sciencefiles.org
Wenn Ihnen gefällt, was Sie bei uns lesen, dann bitten wir Sie, uns zu unterstützen.
ScienceFiles lebt weitgehend von Spenden.
Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen:

Entweder direkt über die ScienceFiles-Spendenfunktion spenden [das ist sicher und Sie haben die volle Kontrolle über ihre Daten]:
Zum Spenden einfach klicken


Oder über unser Spendenkonto bei Halifax: ScienceFiles Spendenkonto:
HALIFAX (Konto-Inhaber: Michael Klein):
  • IBAN: GB15 HLFX 1100 3311 0902 67
  • BIC: HLFXG1B21B24


Wenn Sie ScienceFiles weiterhin lesen wollen, dann sind Sie jetzt gefordert.
Print Friendly, PDF & Email
3 Comments

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Liebe Leser,

Robert Habeck hat es auf den Punkt gebracht:

Wenn Sie uns nicht mehr unterstützen, "dann sind wir nicht pleite", hören aber auf zu publizieren.

Damit es nicht soweit kommt, gibt es zwei mögliche Wege für ihre Spende:

  • Unser Spendenkonto bei Halifax
  • Unsere sichere in den Blog integrierte Spendenfunktion.

Sie finden beides hier:
ScienceFiles-Unterstützung

Vielen Dank!