Intellektuelle Zeitbomben von Genderterroristen

Die Überschrift geht auf Dr. habil. Heike Diefenbach zurück, die das ständige Berieseln der Öffentlichkeit mit Gender-Trash als Form von Terrorismus und Folter ansieht, mit denen normale Menschen in ihrer Denkfähigkeit beeinträchtigt und in ihrer intellektuellen Klarheit bedroht werden sollen. Gender-Terroristen wollen also dadurch, dass Sie die Abgründe an Dummheit und Unsinn, zu denen die Betätigung des neuronalen Netzwerks, das Menschen mitgegeben ist, führen kann, als Zeitbomben platzieren, die jederzeit von einem naiven oder dummen oder naiv-dummen Journalisten zur Explosion gebracht werden können, unter denen, die noch klaren Verstandes sind, Angst und Schrecken verbreiten, in der Hoffnung, sie um den Verstand zu bringen und zur Beute der Genderista machen zu können.

Soviel als Vorrede.

Erinnern Sie sich noch an den Rohrkrepierer #4GenderStudies, der kurz vor Weihnachten das Ansehen der Gender Studies retten sollte, als gäbe es da etwas zu retten?

Als Folge davon finden sich noch eine Reihe intellektueller Zeitbomben im Internet, deren Sprengkraft geeignet ist, noch den letzten Rest von Glauben daran, dass Gender Studies und Intelligenz doch nicht vollständig inkompatibel sind, zu Staub zerbröseln zu lassen.

Die folgende intellektuelle Zeitbombe, die unser Team der Gender-Bombenentschärfung gerade unschädlich gemacht hat, hat uns ein Kommentator geschickt. Sie stammt aus dem Projekt “Gendergerechter Technikjournalismus”, das sich die Hochschule Rhein-Sieg leistet, offenbar in der Annahme, es gebe keine Reputation, die damit zerstört werden könnte. Susanne Keil und Nina Kim Leonhardt haben es zu verantworten.

“Die angehenden Technikjournalistinnen und –journalisten sollen lernen, Technik multimedial und gut verständlich zu vermitteln. Zugleich erwarten wir von ihnen eine kritische Begleitung neuer technischer Entwicklungen. Sie sollen ihren Userinnen und Usern dabei helfen, die Bedeutung künstlicher Intelligenz für die Gesellschaft einzuschätzen, aber auch erklären, wer wieviel Geld in welche technischen Entwicklungen investiert und welche Interessen damit verbunden sind.

Die Gender Studies helfen mit ihrem analytischen und kritischen Blick dabei, genau diese Fragen zu stellen und zu beantworten: Exemplarisch für viele andere Kategorien, die unsere Gesellschaft strukturieren, zeigen sie: Nicht jede technische Entwicklung kommt gleichermaßen Jungen und Alten, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oder Männer und Frauen zugute. Und diejenigen, die Forschungsgelder in Technik investieren, tun dies nicht immer zum Wohle aller Mitglieder einer Gesellschaft.

Auf einer pragmatischen, durchaus wirtschaftlich nutzbaren Ebene können die Gender Studies aber auch dabei helfen, Deutschland innovativer zu machen und das Potenzial und die Ideen von Frauen dabei zu nutzen.”

Booom.

Das war eine kontrollierte Explosion dieses intellektuellen Sprengstoffs, in dem allen Ernstes verbreitet werden sollte, dass wir den Gender Studies die Erkenntnis verdanken, dass nicht jede technische Entwicklung gleichermaßen Alt und Jung und Menschen aus verschiedenen Kulturen und Männer und Frauen zu gute kommt.

Wer hätte das gedacht?
Sie?
Nun, die Besitzer von Pferdedroschgen, die sich mit der Einführung des Automobils in ihrer Existenz gefährdet gesehen haben, hatten sicher keine Idee davon, dass ihnen diese technische Neuerung zunächst einmal nicht zu gute kommt. So wenig wie die männlichen Erfinder des Telefons eine Idee davon hatten, dass Ihr Instrument zur Fern-Kabelübertragung von Sprache unmittelbar von zumeist weiblichen Quasselstrippen, übernommen und zum Schaden aller, deren kurzes Gespräch am Besetzzeichen scheitert, monopolisiert wird.

Oder man denke an die Erfindung der Reproduktionstechnologie, die es noch den letzten Unfruchtbaren ermöglicht, ihren Kinderwunsch auf Kosten der Allgemeinheit umzusetzen. Gut, dass es die Gender Studies gibt und wir derartige Einsichten nunmehr haben, nun nach mehreren tausenden von Jahren, die vergangen sind, seit sich die Ägypter bei Kadesch (1274 v. Chr.) um ihren Pharao Ramses II scharten, um sich bitter darüber zu beklagen, dass sie sich am falschen Ende der Erfindung des Streitwagens finden, während die Hethiter die richtige Seite besetzen. Wir haben hier einen der ersten Fälle kultureller Benachteiligung durch technische Entwicklungen vor uns. Den Göttern sei Dank, dass wir heute auf die Gender Studies zurückgreifen können, die uns das Rätsel von Kadesch, die Niederlage des Gottkönigs Ramses II angesichts überlegener hethitischer Militärtechnologie durch die Erkenntnis erkären kann, dass Interessen hinter technischen Entwicklungen stehen und die Entwicklungen nicht jedem in gleicher Weise zu gute kommen.

Wollen Sie, dass Gender Studies dazu beitragen, Deutschland innovativer zu machen, angesichts der oben beschriebenen Ideen von zwei Personen mit weiblichen Namen von der Rhein-Sieg Hochschule?

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Vom Anti-Feminismus reaktionärer sogenannter Feministen

von Dr. habil. Heike Diefenbach

Unter der Überschrift „Von gekauften Wissenschaftlern und Junk Science in the Making“ haben wir am 9. Januar von einer Werbe-Maßnahme des BMBF berichtet, durch die das Ministerium einer Million Euro Steuergelder verprasst, um unter dem programmatischen Titel „REVERSE“ ein überkommenes Bild vom hilflosen Weibchen, das prinzipiell unfähig ist, im Wettbewerb der Kompetenzen zu bestehen und deshalb vom Staat künstlich auf Stellen gehievt werden muss (warum, bleibt ein Geheimnis), zu propagieren und jeden, der weniger reaktionär (d.h. nach dem Duden „an nicht mehr zeitgemäßen [politischen] Verhältnissen festhaltend) ist, als „anti-feministisch“ einzustufen.

Der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit ist schon angesichts des rein politischen Kontextes von REVERSE lächerlich. Aber REVERSE ist auch gesellschaftspolitisch schwerlich anders denn als lächerlich zu bezeichen, denn im Tollhaus, für das man das BMBF halten muss und in dem sich anscheinend eine ganze Reihe der Frauen, die von den durch dieses reaktionäre Frauenbild begründeten Bevorteilungsmaßnahmen profitiert haben, bei (mindestens) freier Kost und Logis einquartiert haben, wirft man verzweifelt mit Vokabeln um sich, die zu benutzen man sich angewöhnt hat, die aber meist weniger benutzt als vielmehr missbraucht werden. Das beginnt bereits bei den Begriffen „Feminismus“ und „Anti-Feminismus“, die wir uns an dieser Stelle (einmal mehr) etwas näher betrachten wollen.

1. Feminismus im Oxford Dictionary und REVERSE

Im Oxford Dictionary wird „feminism“ definiert als „[t]he advocacy of women’s rights on the ground of the equality of the sexes”.

In dieser Definition wird vorausgesetzt, dass es eine “Gleichheit” der Geschlechter gebe, wobei offen bleibt, worin diese Gleichheit bestehen soll. Der Verweis auf „women’s rights“ legt aber nahe, dass diese Gleichheit als eine rechtliche anzusehen ist. Diese rechtliche Gleichheit von Männern und Frauen ist in Deutschland aber schon seit Langem durch das Grundgesetz gewährleistet, und die Kriminologie hat in den letzten Jahrzehnten keinerlei Hinweise auf eine Diskriminierung von Frauen vor Gericht bzw. in oder bei der Rechtsprechung ergeben (wenn überhaupt, dann eher im Gegenteil).

Wenn man die postulierte, aber nicht näher definierte „Gleichheit“ nicht als eine rechtliche Gleichheit interpretieren möchte, stellt sich die Frage: als was sonst? Gleichstellung von Männern und Frauen im Sinn von Ergebnisgleichheit kann logischerweise nicht mit „equality of the sexes“ gemeint sein, denn sie wird ja als Basis („ground“) für die Rechte von Frauen bezeichnet, aber nicht als Basis für die Rechte von Männern. Das macht nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass prinzipiell, quasi kraft Weiblichkeit, alle Frauen alle vorstellbaren Nachteile in jeder vorstellbaren Hinsicht gegenüber Männern haben, was völlig unplausibel ist und jeder Alltagserfahrung widerspricht. Wenn diese extreme Vermutung aber ausgeschlossen ist, dann muss man feststellen, dass die Gleichheit der Geschlechter die Zuweisung von Rechten (nur) an Frauen logisch ausschließt, denn entweder die Geschlechter sind gleich/werden gleich behandelt oder eben nicht.

Der Anti-Feminist, den REVERSE dingfest machen möchte, wäre, wenn man die Definition von „Feminismus“ im Oxford Dictionary zugrundelegt, also jemand, der sich dagegen wendet, dass Frauen bevorteilt werden, ihnen Sonderrechte zugestehen will, vermutlich, weil er meint, Frauen seien keine inferioren Wesen, sondern Männer und Frauen seien tatsächlich mit gleichen Fähigkeiten oder mit gleichen Rechten ausgestattet, so dass eine Bevorteilung nicht notwendig ist, sondern als Ausdruck von Vorteilsnahme oder von Verachtung von Frauen gelten muss.

2. Feminismus im Dictionary von Merriam-Webster und REVERSE

Im Dictionary von Merriam-Webster wird „Feminismus“ definiert als:

1: the theory of the political, economic, and social equality of the sexes
2: organized activity on behalf of women’s rights and interests

Legt man die erste Definition zugrunde, so verfehlt REVERSE das Thema, denn dann müsste es Inhalt der Maßnahme sein, die Theorie von der (Existenz? Wünschbarkeit? der) politischen, ökonomischen und sozialen Gleichheit der Geschlechter (in welcher Hinsicht?) zu begründen. Sollte die Theorie auf ihre Entsprechung zur Realität hin geprüft werden, würde dies selbstverständlich die Betrachtung all der gesellschaftlichen Bereiche beinhalten müssen, in denen Männer Nachteile haben, und es müssten all die Maßnahmen aufgearbeitet werden, durch die Männer diskriminiert werden, wie z.B. das Professorinnen-Programm. Diejenigen, die sich für die Diskriminierung von Männern einsetzen oder ihren Nachteilen gleichgültig gegenüberstehen, müssten dann als Anti-Feministen bezeichnet werden, denn „Feminismus“ soll sich ja auf die Gleichheit der Geschlechter beziehen. Dies alles ist offentsichtlich nicht das, was durch REVERSE propagiert werden soll. Vor diesem Hintergrund kann man vielleicht vermuten, dass seltsamerweise „Anti-Feministen“, auch im Sprachgebrauch von REVERSE, diejenigen sein müssen, die der ersten Definition von „Feminismus“ im Dictionary von Merriam-Webster etwas abgewinnen können, also in irgendeiner Form die Gleichheit der Geschlechter postulieren oder propagieren und nicht die Bevorteilung von Frauen bzw. die Gleichgültigkeit gegenüber Nachteilen von Männern.

Legt man die zweite Definition zugrunde, so muss man erstens die Prämisse teilen, dass Frauen (als solche) dieselben Rechte hätten oder haben sollten und dass sie alle dieselben Interessen haben. Zumindest was Letzteres betrifft, kann man diese Definition getrost vergessen, weil es von vornherein absurd ist, abzustreiten, dass es eine Vielfalt von Interessen verschiedener Menschen gibt, und statt dessen anzunehmen, dass die Interessen von Menschen durch ein einziges biologisches Merkmal gleichgeschaltet oder auch nur dominiert werden. REVERSE hat offensichtlich Sinn für das Absurde, und es scheint Teil einer „organisierten Aktivität“ zu sein, aber nur einer Aktivität im Hinblick auf die Interessen von Mittelschichtsfrauen im besten Fall und im schlechtesten Fall auf die Interessen derer, die durch die Bevorteilung von Mittelschichtsfrauen selbst nutznießen. Ein „Anti-Feminist“ ist für REVERSE dann jemand, der der Nutznießung an Steuergeldern durch Mittelschichtsfrauen mindestens skeptisch gegenübersteht. Dann steht zu erwarten, dass den reaktionären REVERSElern der bei weitem größte Teil der Menschheit als „anti-feministisch“ gelten wird, denn derselbe gehört nicht zur Mittelschicht oder ist nicht weiblich und ist daher von der Nutznießung ausgeschlossen.

3. Feminismus im Cambridge Dictionary und REVERSE

Im Cambridge Dictionary wird „feminism“ definiert als:

“the belief that women should be allowed the same rights, power, and opportunities as men and be treated in the same way, or the set of activities intended to achievethis state”.

Legt man diese Definition zugrunde, so ist REVERSE entweder schlicht überflüssig, den Frauen haben bereits dieselben Rechte, dieselbe Macht und dieselben Gelegenheiten wie Männer. Oder REVESE müsste wieder die vielen Nachteile von und Diskriminierungen gegen Männer dokumentieren, denn Bestand der Definition ist ja, dass Frauen genauso behandelt werden sollen wie Männer ¬– und eben nicht als kraft Weiblichkeit minderbemittelte und daher konkurrenzunfähige Wesen dargestellt und eben deshalb bevorteilt werden sollen. REVERSE müsste auf der Grundlage dieser Definition Vorschläge darüber machen, welche Aktivitäten entwickelt werden könnten, um jeweilige Nachteile von Frauen und von Männern zu beheben. Weil REVERSE offensichtlich nicht an der Behebung von Nachteilen von Männern gegenüber Frauen interessiert ist, sind die „Anti-Feministen“, die sie dingfest machen wollen, sie selbst.

4. Feminismus im Duden und REVERSE

Im Duden wird (gesellschaftspolitischer) Feminismus definiert als

„Richtung der traditionellen Rollenverteilung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z.B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt“.

In dieser Definition wird – wie im Dictionary von Merriam-Webster – die absurde Vorstellung, dass menschliche Interessen für Angehörige desselben biologischen Geschlechtes dieselben seien, als ein definitorisches Merkmal von „Feminismus“ festgehalten. Mindestens ebenso absurd ist die Rede von „der Frau“ in der Einzahl, so als würde der Duden von der Annahme ausgehen, dass es entweder nur eine einzige Frau auf der Erde gebe, was ziemlich unplausibel ist, oder davon, dass alle auf der Erde real existierenden Frauen im Grunde eine einzige seien, vielleicht in der Form, dass sie ohne Ausnahme Klone einer historischen Eva sind, was die Frage nach der Präsenz von Extra-Terrestrischen auf der Erde vor vielen Jahrtausenden in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Weiterhin wird als ein definitorisches Merkmal von „Feminismus“ festgehalten, dass er auf dem reaktionären Kampfbegriff „patriarchalisch“ aufbaut, der keine empirische Entsprechung hat, denn das Mindeste, was zum sogenannten Patriarchat festgehalten werden muss, ist, dass es aktuell in der westlichen Welt keines gibt, weshalb es auch keines zu bekämpfen gibt. Tatsächlich wird dieser Kampfbegriff sogar von Frauen, die als prominente Vertreteterinnen „des“ Feminismus gelten und sich selbst entsprechend verorten, wie Maria Mies, als ein bloßer „Kampfbegriff“ bezeichnet, was die Frage aufwirft, ob diese Feministinnen nicht tatsächlich Anti-Feministinnen gemäß des Duden sind.

Jedenfalls kann festgehalten werden, dass der Duden „Feminismus“ mit Verweis auf die Vorstellung von „der“ Frau in der Einzahl, auf die Vorstellung von durch das biologische Geschlecht determinierten Interessen und der Verwendung von überholten Kampfbegriffen als eine Don Quichotterie (wenn nicht als Vorstufe zum Wahnsinn) ausweist.

Wenn es im Großen und Ganzen diese Definition aus dem Duden ist, auf die REVERSE aufbaut, dann kann man hieraus ableiten, dass eine Million Steuergelder für irgendwelche Don Quichotterien ausgegeben werden bzw. für Kämpfe gegen nur in der Vorstellung einiger Personen, die (deshalb) als gesellschaftliche Abweichler bezeichnet werden könnten, existieren, eine Million Steuergelder einer besseren Verwendung zugeführt werden würden, wenn sie als das berühmt-berüchtigte Geld zum Anzünden von Zigaretten verwendet würden. Anti-Feministen sind dann diejenigen, die sich gegen die sinnlose Verprassung von Steuergeldern wenden.

Man muss immerhin zugestehen, dass der Titel der Maßnahme, REVERSE, noch am ehesten zur Definition von „Feminismus“ im Duden passt, sollen hier doch längst überwundene Klischees von der angeblich massenhaften Existenz „traditoneller Rollenbilder“, vom „Patriarchat“ und von kraft Weiblichkeit wettbewerbsunfähigen Frauen wiederbelebt werden, vielleicht, um mit der Bevorteilungspolitik von Mittelschichtsfrauen auf den hype aufzusetzen, der derzeit alles Untote umgibt. Möglicherweise kann REVERSE doch noch in ein erfolgreiches Unternehmen transferiert werden, wenn es sich bei seiner Erzählung an den Bucherfolgen von Patricia Rosemoor und Marc Paoletti mit „The Last Vampire“ oder „The Vampire Agent“ oder von Denise Verrico mit den „Annals of the Immortyls“ orientiert.

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Kultur der Boshaftigkeit – Don Alphonso über seine Freunde, die das Denunzieren zu lieben lernten

NetzDG oder wie Freunde lernten, das Denunzieren zu lieben“, so lautet der Titel des neuesten Beitrags, den Don Alphonso bei der FAZ veröffentlicht hat. Darin berichtet er von zwei guten Bekannten, die „immer das richtige gesagt haben“, aber einmal das falsche gesagt haben. Sie haben es zur falschen Zeit am falschen Ort gesagt und … Basta. Das war es mit dem Job.

Es geht, wie könnte es anders sein, um das NetzDG, das Denunziationsdurchsetzungsgesetz, das Heiko Maas nach wie vor stolz verteidigt, vermutlich mit der selben Verve, mit der Arthur Seyß-Inquart seine Unterschrift unter das „Anschlussgesetz“ verteidigt hätte, hätte man ihn 1938 zur Verantwortung gezogen. Zum NetzDG, das zwei seiner Bekannten ihren Job gekostet hat, äußert sich Don Alphonso als der Historiker, der er qua Ausbildung ist: Die Möglichkeit zur Denunziation werde genutzt, wenn man sie schaffe, so schreibt er. Von Der „banalen Mentalität der kleinen Anschwärtzung“ schreibt er und davon, dass die Denunzianten dann, wenn ihre „Anschwärtzung“ Erfolg hatte, dies „auch stolz mitteilen“ werden. Mit dem NetzDG, so kann man sein Argument zusammenfassen, wurde ein gesetzliches Vehikel geschaffen, das es jedem kleinen Denunzianten erlaubt, sein schmutziges Geschäft auszuüben und sich dafür von seinem Staat auch noch auf die Schulter klopfen zu lassen. Und damit endet bei Don Alphonso die Diskussion dessen, was wir für die größte mit dem NetzDG assoziierte Katastrophe halten, denn das NetzDG ermöglicht und verstärkt eine Kultur der Boshaftigkeit, die es in Deutschland, vor allem auf Seiten der politischen Linken gibt.

Es gehört zur Uniform eines Linken, sich als Intellektueller und als denen überlegen zu fühlen, die er für ideologisch und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch menschlich inferior ansieht. Intellektuelle Superiorität kann man sich entweder zugestehen, weil man sich in einer rationalen Argumentation mit seinen Argumenten durchgesetzt hat. Das erfordert Wissen, Kompetenz und Lernen. Drei Qualitäten, die man nur noch bedingt auf der linken Seite des politischen Spektrums vorfindet. Statt dessen findet man den Anspruch, moralisch überlegen zu sein, ein besserer Mensch zu sein, aus dem dann eine intellektuelle Überlegenheit gegenüber all denen abgeleitet wird, die man als ideologische Feinde ansieht, mit denen man sich nicht mehr auseinandersetzt, die man im wahrsten Sinne des Wortes bekämpft. Da wo der wirklich intellektuell Überlegene seine Überlegenheit mit der Wucht seiner Argumentation unter Beweis stellt, da kneifen moderne Linke. Sie suchen nach Surrogaten und die Surrogate, die ihnen angeboten werden, enthalten u.a. die Möglichkeit, sich als Denunziant zu betätigen und dadurch, wie sie glauben, eine moralische Erhöhung zu erfahren. Das aus ihrer Sicht ideologische Ungeziefer, das sie denunzieren, macht sie zu Helden, Volkshelden im Kampf gegen den Hass und die Hetze, Begriffe, hinter denen sich in der Regel einfach nur eine andere Meinung verbirgt.

Die Sozialpsychologie kennt diese Methoden, mit denen kleine Geister versuchen, sich zu großen und überlegenen Menschen zu stilisieren. Von Sherif bis Tajfel, von Turner bis Milgram reichen die klassischen Experimente, mit denen gezeigt wurde, dass kleine Menschen Halt in der Gruppe suchen, dass sie ihre fehlende Urteilsfähigkeit und ihren fehlgeschlagenen Versuch, eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln, durch Zuordnung zu einer Gruppe zu ersetzen bzw. kaschieren suchen und dass sie, als nunmehr soziale Persönlichkeit ohne eigene Idee, freudig bereit sind, sich zum Helfershelfer einer Ordnungsmacht zu machen, deren Ziel darin besteht, Abweichung zu bestraften. Gerade die Experimente von Stanley Milgram zeigen, wie schnell der kleine Geist, der die soziale Surrogat-Persönlichkeit an die Stelle eigener Urteilsfähigkeit gesetzt hat, bereit ist, Dritte, die ihm als abweichend bedeutet wurden, zu bestrafen, hart zu bestrafen und dabei auch deren Tod in Kauf zu nehmen.

Die gesellschaftliche Katastrophe die Gesetz, die NetzDG geworden ist, sie schafft Randbedingungen, unter denen die Denunziation blüht, unter denen Boshaftigkeit und Niedertracht belohnt werden, unter denen der kleine Denunziant mit stolz geschwelter Brust zum verdienten Helden des Volkes im Kampf gegen die Hassrede avancieren kann – wie er glaubt.

Aber es kommt noch schlimmer.

Um 1901 hat Jerome K. Jerome mit seinem Buch „Three Men on the Bummel“ eine humoristische Reisebeschreibung gegeben, in deren Mittelpunkt Deutsche und ihre Eigenarten stehen, wie sie dem britischen Reisenden der damaligen Zeit aufgefallen sind. Das lustige und liebenswürdig gehaltene Buch kommt dennoch an vielen Stellen auf die Eigenschaft der oder mancher Deutschen zurück, die Jerome K. Jerome als die seltsamste, die am wenigsten normale anzusehen scheint: Die Bereitschaft der Deutschen, sich ihrer Obrigkeit freiwillig und in vorauseilendem Gehorsam zu fügen. Dieselbe Mentalität des Untertanen beschreibt Heinrich Mann in seinem gleichnamigen Buch, und sie findet sich nach dem zweiten Weltkrieg in der von Gabriel Almond und Sidney Verba unternommenen Vierländerstudie zur politischen Kultur wieder. Nein, sie findet sich nicht wieder, denn in Deutschland fehlt das, was Almond und Verba eine „Civic Culture“ genannt haben, also letztlich das Bewusstsein, dass Bürger gemeinsam gegen ihren Staat stehen, dass sie nur als freie Bürger überleben können, wenn sie ihren Staat und seine Macht beschränken, beschneiden und notfalls diejenigen, die sich als Staatsdiener verdingen, zum Teufel jagen.

Die entsprechende Civic Culture gibt es in Deutschland nicht. In Deutschland gibt es heute vor allem Linke, die sich zum Diener ihres Staates erklären. Ihnen liegt es näher, ihre Mitbürger zu bekämpfen und bei ihrem Staat anzuschwärzen, als dass sie gemeinsam mit Mitbürgern die Freiheit, die sie teilen oder eben nicht teilen, gegen den Staat und seine Tendenz, Freiheit einzuschränken und vor allem durch die Gewährung von Rechten zu zerstören, verteidigen [Wem bei der Formulierung “Gewährung von Rechten durch den Staat” nicht das Messer in der Tasche aufgeht, der hat die Transformation zum Untertanen bereits erfolgreich hinter sich gebracht.].

Das NetzDG macht sich diese Tendenz, der Obrigkeit dienlich zu sein, die sich vor allem bei Linken findet, ganz einfach deshalb, weil die Linken die größten Nutznießer des Staates sind, zunutze und schafft ein Klima, schafft Randbedingungen, in denen die Denunziation rehabilitiert wird. Denunziation gilt nicht mehr als boshafte Niedrigkeit, zu der man sich als Mensch nicht herunterziehen lässt, sie wird zu einer Form der Selbsterhöhung stilisiert, die dem Denunzianten einen warm glow verspricht, in dem er sich zu sonnen können glaubt.

Das ist für diejenigen, denen die Fähigkeit, sich eine eigene Persönlichkeit mit Urteilsfähigkeit und Menschenverstand zu geben, fehlt, ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Ohne Leistung, ohne Können, ohne Kompetenz und ohne Wissen werden sie einfach nur dadurch, dass sie ein Tweet bei Twitter melden oder einen Post bei Facebook, zum Helden. Sie mutieren in ihren Augen zum Verteidiger der Demokratie und oft genug auch der Meinungsfreiheit, obwohl sie beider Totengräber sind. Sie fühlen sich plötzlich als wer, besser als der, den man denunziert hat. Und wo ganz wenig ist, gilt eben wenig viel.

Heiko Maas kommt das Verdienst zu, Randbedingungen geschaffen zu haben, die das wieder ermöglichen, was Historiker wie Richard Evans und Robert Gellately in ihren Arbeiten umfangreich beschrieben haben. Evans ist einer der besten Kenner der Geschichte des Dritten Reiches. Beide, Evans wie Gellately, haben die Idee, dass die Deutschen ein Volk der von Hitler Verführten und von der Gestapo Überwachten waren, zurückgewiesen und in vielen Beiträgen als falsch belegt. Gellately hat dies am Beispiel der Gestapo-Akten u.a. aus Würzburg getan, die sehr deutlich zeigen, dass nicht die Gestapo Ausgangspunkt eines Klimas war, in dem Deutsche des Deutschen Wolf wurden, dass vielmehr die Gestapo von einer Welle der Denunziation getrieben, ja fast weggeschwemmt wurde. Gesetze, die Juden im Dritten Reich zu Aussätzigen erklärt haben, schufen die Grundlage, auf der die Denunziation von Deutschen geblüht hat. Der Grundstock der Boshaftigkeit, er scheint in Deutschland 1933ff in gleicher Weise vorhanden gewesen zu sein, in der er heute vorhanden ist. Viele kleine Denunzianten, die die schmitzige Arbeit des Staates voller Freude erledigen.

Dass die politische Kultur in Westdeutschland auch nach dem Zweiten Weltkrieg keine grundlegend andere geworden ist, dass Untertänigkeit immer noch höher im Kurs stand als Solidarität mit Mitbürgern, das wissen wir aus der Studie von Almond und Verba. Dass die SED in Ostdeutschland die Kultur der Untertänigkeit, die immer eine Kultur der Boshaftigkeit und Missgunst war, für sich ausgenutzt hat und mit dem Ministerium für Staatssicherheit eine Institution zur Beschnüffelung der eigenen Bürger geschaffen hat, die der Gestapo kaum, wenn überhaupt, nachstand, eine Institution, die auf mehr als eine Million Inoffizielle Mitarbeiter zurückgreifen konnte, die eifrig, wie z.B. der Führungsoffizier von Anetta Kahane es ausgeführt hat, am sozialistischen Heil gearbeitet haben und damit das sozialische Heil auch erreicht wird, Mitbürger bespitzelt und denunziert haben, ist ebenfalls bekannt.

Man muss also feststellen, dass es in Deutschland eine Kultur der Boshaftigkeit gibt, die man anzapfen kann, wie dies Heiko Maas getan hat, um Bürger gegen Bürger in Stellung zu bringen, um diejenigen sich mit der Obrigkeit solidarisieren zu sehen, die zu den kleinen unter den Lichtern gehören und es nötig haben, durch ihren unermüdlichen Kampf für eingebildete Konzepte und gegen konkrete Mitbürger, Surrogat-Selbstwert zu kaufen. Wie gesagt, Tajfel, Turner, Milgram und Sherif, sie haben die sozialpsychologische Ärmlichkeit beschrieben, auf denen ein Denunziant wächst und gezeigt, wie einfach es ist, aus einem schüchternen Bürger einen brutalen Verteidiger von Konzepten zu machen, die er nicht einmal kennt.

Heiko Maas wird von nachfolgenden Generationen für sein NetzDG gescholten werden. Historiker werden es anführen, wenn sie die Brutalisierung und Entmenschlichung des öffentlichen Diskurses, wie sie unter Merkel stattgefunden hat, erklären wollen. Andere werden wieder einmal auf die Banalität des Bösen verweisen, die mit Gesetzen wie dem NetzDG losgelassen und tausendfach in Aktion gesetzt wurde. Wieder andere werden einen neuen Anwendungsfall von Stanley Milgrams Erkenntnissen darüber sehen, wie leicht es doch ist, ein kleines Menschlein, das nicht weiß, was es ist und keine Leistung erbracht hat, um eine Persönlichkeit darauf zu bauen, mit einem Ersatz für beides zu versorgen, der es dazu motiviert, nun, da es etwas ist, andere, die eben anders sind, zu denunzieren und zu bestrafen.

Heiko Mass ist der Ausgangspunkt eines neuen Kapitels im Buch, das der deutschen Kultur der Boshaftigkeit gewidmet ist. Die Geschichte wird ihm dafür den Platz einrichten, der ihm gebührt.

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