Tolle Studie: Die NPD wird gewählt, weil sie gewählt wird

„I’m still here. Elektorale Erfolgsbedingungen der NPD in Gemeinden Sachsens“, so hat Reinhold Melcher in aller Ignoranz der Grammatikregeln des Englischen, einen Beitrag in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft überschrieben, in dem er zunächst einmal mit dem Makel der späten Publikation seiner alten Daten aus dem Jahre 2013 hadert, wird doch, wie er schreibt, der „NPD sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Forschung mittlerweile nur noch selten Aufmerksamkeit zuteil“. Das ist traurig, aber wir haben ja Melcher, der das mit seinem Beitrag ändert, einem Beitrag, dessen Sprachbombast der Analyseärmlichkeit in nichts nachsteht:

Aber lassen wir den Autoren selbst zu Wort kommen:

„Aufgrund des rasanten Aufstiegs der AfD wird der NPD sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Forschung mittlerweile nur noch selten Aufmerksamkeit zuteil. Häufig vernachlässigt wird allerdings, dass die NPD auf Gemeindeebene nach wie vor vertreten und auch elektoral erfolgreich ist. Jedoch nicht überall gleichermaßen. Auf Basis eines most-similar-case-designs untersucht der Beitrag daher die Erfolgsbedingungen der NPD in sächsischen Gemeinden zur Bundestagwahl 2013. Unter Verwendung von Aggregatdaten von 438 sächsischen Gemeinden und mittels räumlicher Fehlermodelle werden insgesamt 14 Hypothesen getestet, die drei Gruppen von Erklärungsfaktoren entstammen: kulturelle demand-side, materialistische demand-side sowie interne supply-side-Faktoren. Die empirischen Analysen zeigen, dass kulturelle Erklärungsfaktoren den Stimmenanteil der NPD am stärksten beeinflussen, wohingegen die Wirkung materialistischer Gemeindefaktoren durch Drittvariablen konditioniert wird. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die NPD im Wesentlichen von günstigen kommunalen Rahmenbedingungen profitiert und nur im begrenzten Maße Einfluss auf den eigenen Wahlerfolg nehmen kann.”

Melcher hat also Aggregatdaten zusammengeklaubt: für 438 sächsische Gemeinden. Was gibt es auf Ebene von Gemeinden? Jetzt kommt das Data Mining.

  • Arbeitslosequote; Gut!
  • Verteilung nach Alter; Gut!
  • Gemeindefinanzen; Gut!
  • Kriminalität; Gut!

Alles spröde: Nennen wir es daher „materialistische demand-side Faktoren“, klingt gleich viel besser.
Weiter:

  • Ausländeranteil; Auch gut!
  • Bevölkerungsdichte; Besonders gut!
  • Pro-Kopf-Mitgliedschaft in Vereinen; Wow!!
  • Anteil der Kirchenmitglieder; Wir sind sprachlos.

Etwas PR-polish und aus den vier langweiligen Datengruppen werden „kulturelle demand-side Faktoren“.

Hört sich gut an, oder?

Noch ein wenig Supply-side gefällig? Aber gerne:

  • Anzahl der NPD-Abgeordneten im Gemeinderat;
  • Fahrtstrecke bis zum nächsten NPD-Wahlkreisbüro;

Damit ist auch gewährleistet, dass wir den Wahlerfolg der NPD mit dem Wahlerfolg der NPD erklären.

Kommen wir nun zu den räumlichen Fehlermodellen im most-similar-case design, bei denen es sich um schlichte Regressionen handelt, die zeigen, dass der Wahlerfolg der NPD tatsächlich vom Wahlerfolg der NPD (gemessen als Anzahl der Abgeordneten in der Gemeinde) beeinflusst wird. Puh. Das beweist, dass etwas gemessen wurde und erklärt, warum Melchert feststellen kann, „dass die NPD im Wesentlichen von günstigen kommunalen Rahmenbedingungen profitiert und nur im begrenzten Maße Einfluss auf den eigenen Wahlerfolg nehmen kann“.

Anders formuliert: Die NPD wird gewählt, weil und wenn Sie gewählt wird. Ein wichtiges Ergebnis, das einmal mehr zeigt, dass keine Tautologie ignoriert werden darf, wenn es darum geht, den Rechtsextremismus an seinen Wurzeln zu zerstören.

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