Nuclear Fallout: Wohin mit dem deutschen Plutonium?

Wenn die Briten die EU verlassen, dann endet damit auch die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in EURATOM. EURATOM ist etwas in Vergessenheit geraten, weil Kernenergie in Deutschland ein Thema non grata ist, obwohl Deutschland nach wie vor an ITER, dem europäischen Versuch (an dem auch u.a. die USA, China und Russland beteiligt sind) Energie durch Kernfusion zu gewinnen, beteiligt ist. Der kleine Bruder von ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) mit dem Namen JET (Joint European Torus), der einzige Reaktor, der derzeit Energie durch Kernfusion gewinnt, steht übrigens im Vereinigten Königreich, in Oxfordshire.

“JET is the current fusion device closest to ITER, sometimes even referred to as “little ITER”. JET is equipped with unique facilities needed to operate a fusion power plant and paves the way to meet ITER’s ambitious goal. As a matter of fact, the experimental results and design studies performed by JET are consolidated to a large extent into the ITER design.”

EURATOM ist nicht nur das Dach für beide Projekte (gemeinsam mit der Europäischen Kommission), EURATOM ist der zentrale Akteur, der innerhalb der EU die Sicherheit der 126 Kernreaktoren, die sich in der EU befinden, von den 58 französischen Reaktoren, über die 6 tschechischen, die je 2 bulgarischen und rumänischen und die 7 deutschen Reaktoren bis zu den 15 britischen Reaktoren gewährleistet und sicherstellt, dass der Atomwaffensperrvertrag eingehalten und z.B. kein Plutonium weitergegeben wird (non-proliferation).

Aber EURATOM ist noch mehr. Über die EURATOM Supply Agency ist die Versorgung von Kernreaktoren mit Erzen und spaltbarem Material zentralisiert. Ob ein Reaktor in Deutschland oder Frankreich steht, seine Versorgung wird durch die EURATOM Supply Agency sichergestellt. Faktisch gibt es also derzeit kein Land in der Europäischen Union, das nationale Souveränität über die friedliche Nutzung der Kernenergie ausüben kann.

Das Vereinigte Königreich wird diese Souveränität ab 2019 (ohne Übergangszeit) wieder ausüben und die Funktionen, die bislang von EURATOM ausgeführt werden, übernehmen.

Im diesem Kontext wird dann die Frage virulent, was mit den 23.2 Tonnen zivilem Plutonium geschieht, die sich nach den aktuellen Zahlen des Office for Nuclear Regulation derzeit in Sellafield und unter den dort gelagerten 133,5 Tonnen Plutonium befinden und entweder Frankreich, Italien oder Deutschland zuzurechnen sind. Der deutsche Anteil dürfte sich in der Region von 5 Tonnen bewegen. Mit dem BREXIT, darin sind sich die britischen und die EU-Unterhändler, die über den BREXIT streiten, einig, wird dieses Plutonium wieder ins Eigentum Deutschlands übergehen. Im Positionspapier der britischen Regierung zu Nuclear Materials and Safeguard Issues ist dies wie folgt formuliert:

“The ownership of all special fissile material that is currently with the Euratom Community by virtue of Article 86 of the Treaty, and which is present on UK territory on the date of withdrawal, should transfer to the persons or undertakings with the right of use and consumption of the material pursuant to Article 87 of the Treaty. This should apply in relation to all persons or undertakings with the right of use and consumption, whether these are established in the UK, EU or non-EU states.”

Dies könnte für Deutschland insofern zum Problem werden als die deutschen Reaktoren bis spätestens 2022 stillgelegt sein sollen, so dass sich die Frage stellt, was mit dem deutschen Plutonium geschehen soll, wenn die Briten es nicht länger für Deutschland lagern wollen und eine Umwandlung in MOX-fuel nicht mehr in Frage kommt.

Es könnte also knüppeldick für die Bundesregierung kommen. Ungarn und Polen weigern sich, die Flüchtlinge der Bundesregierung aufzunehmen, die NATO-Partner wollen nicht länger zusehen, wie Deutschlands Bundeswehr sich auf Kosten der Verbündeten durch laviert und aus dem Vereinigten Königreich könnte sich bald ein Schiff mit deutschem Plutonium auf die Reise nach Hamburg machen.

Es scheint, die Zeit des Aussitzens ist vorbei.

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Petitio Principii – Eine Form der ideologischen Denkbehinderung

Schon Arthur Schopenhauer hat sich über die Petitio Principii, also eher über die Dummheit dahinter, geärgert: Kunstgriff 6 seines kleinen Bevier über die Kunst, Recht zu behalten, lautet:

„Man macht eine versteckte petitio principii, indem man das, was man zu beweisen hätte, posutliert, entweder 1. unter einem anderen Namen, z.B. statt Ehre guter Name, statt Jungfrauschaft Tugend usw., auch Wechselbegriffe: – rotblütige Tiere, statt Wirbeltiere, 2. oder was im Einzelnen streitig ist, im Allgemeinen sich geben lässt, z.B. die Unsicherheit der Medizin behauptet, die Unsicherheit alles menschlichen Lebens postuliert: 3. Wenn vice versa zwei aufeinander folgen, das eine zu beweisen ist; man postuliert das andere: 4. Wenn das Allgemeine zu beweisen und man jedes einzelne sich zugeben lässt (Das umgekehrte von Nr. 2).“ (Schopenhauer 1995: 46).

Die petitio prinicpii ist in Deutschland allgegenwärtig. Martin Ganslmeier, der bei der ARD auf der Gehaltsliste steht, ist einer der ungekrönten Könige der petitio principii, der seine Überzeugung regelmäßig und wenig verwunderlich bestätigt sieht. Ganslmeier denkt, dass Waffenbesitz zu Amoklauf führt. Gibt es einen Amoklauf mit Waffen, dann ist das für ihn Beleg, dass Waffenbesitz zu Amoklauf führt. Ob er sich oder seine Leser oder beide mit diesem fehlerhaften Argument, das voraussetzt, was zu zeigen wäre, täuscht, ist unerheblich. Es reicht festzustellen, dass Ganslmeier irrt, voller Überzeugung und im Bewusstsein, ein guter Mensch zu sein, irrt, aber nichts desto trotz irrt.

Die petitio principii, findet sich in so vielen Zusammenhängen, dass es kaum möglich ist, sie alle zu besprechen. Die Genderista ist – wen wundert es – beherrscht von diesem Fehlschluss, der immer dann, wenn Genderista Kritik wittert, den Anti-Feminismus-Reflex auslöst und dazu führt, dass sie den Kritikern all das unterstellen, was eigentlich zu beweisen wäre: Sie seien rechts, sie seien frauenfeindlich, sie seien liberal oder neo-liberal, sie seien maskulist oder so, der Dummheit gedanklicher Assoziation sind keine Grenzen gesetzt.

Man findet ganze Schulen in dem, was die institutionelle Wissenschaften sind, die auf den Sand der petitio principii gebaut sind, Schulen elaborierter sprachlicher Leere. Moliere bringt dies in „La Malade Imaginaire“ hervorragend auf den Punkt:

„[Der zu prüfende] Bakkalaureus: Ich bin von dem gelehrten Doktor gefragt worden nach der Ursache und dem Grund, warum Opium schlafen macht. Darauf antworte ich: Weil in ihm eine einschläfernde Kraft (virtus dormitiva) ist, deren Natur es ist, die Sinne einzuschläfern. Chorus [der examinierenden Doktoren]: Sehr gut, sehr gut so zu antworten. Würdig, würdig ist er, einzutreten in unseren gelehrten Lehrkörper.”

Moliere im universitären Leben der Whiteness-Studies, dem neuesten Neuronenvernichter aus dem Hause Irrsinn, liest sich dann etwas so:

Warum ist der weiße Mann noch einmal böse? Weil er weiß ist und deshalb privilegiert und weil er privilegiert ist, kann er nie Opfer von Rassismus sein und weil er nie Opfer von Rassismus sein kann, muss er selbst ein Rassist sein und weil er selbst ein Rassist ist, ist er böse, der weiße Mann.

Weil der, der die Petitio Principii benutzt, anderen etwas unterschieben will, lebt ein solcher Petitent zuweilen gefährlich, dann nämlich, wenn er auf Menschen trifft, die sich nicht fremder Leute Prämissen unterschieben lassen und er das auch nach wiederholter Warnung nicht verstehen will.

Das Problem mit einer Petitio Principii besteht natürlich darin, dass sie eine argumentative Leerformel darstellt. Sie trägt keinerlei Gehalt und hat bei manchen die gefährliche Nebenwirkung, die Vorurteile zu bestätigen, die sie haben. Das ist dann ein Problem, wenn die entsprechenden Vorurteile im wissenschaftlichen Kontext ausgelebt werden, etwa in der Weise, wie dies manche, die sich für Antirassimus-Forscher halten, tun. Nicht von ungefähr hat Karl Raimund Popper argumentiert, dass es in der Wissenschaft darum geht, Hypothesen zu falsifizieren, nicht darum, sie zu verifizieren.

Aber das ist eine andere Geschichte.

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