Bei Rundfunk(gebühren) hört die Demokratie auf!

Wir haben eine Rubrik, die wir intern „spitze Finger Forschung“ nennen. Das sind im Wesentlichen Themen, die im Kontext politischer Korrektheit nicht angefasst werden und wenn, dann mit spitzen, ganz spitzen Fingern.

Mit spitzen Fingern hat YouGov eine Befragung zum Thema „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ durchgeführt. Gegenstand: demokratische Teilhabe in Form einer Abstimmung über den öffentlichen Rundfunk – wie die Schweizer – und u.a. die gewünschte Höhe des Rundfunkbeitrags. YouGov führt derartige Befragungen immerhin durch, während andere Meinungsforschungsinstitute sich als Steigbügelhalter öffentlicher Rundfunkanstalten verdingen und Befragungen so konzipieren, dass Vertrauen und Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Leistungen öffentlich-rechtlicher Anstalten dabei herauskommen (Wir haben über einige dieser „Umfragen“ auf ScienceFiles berichtet).

Die Jubel-Umfragen, die von den Chefs bei WDR, NDR oder SWR so gerne zitiert werden, sie stehen in einem krassen Gegensatz zu dem, was YouGov in seiner Befragung, an der 1.139 Personen ab 18 Jahren teilgenommen haben, herausgefunden hat.

Demnach wollen 76 Prozent der Befragten das gleiche Recht wie die Schweizer: Sie wollen über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abstimmen, also darüber, ob er abgeschafft werden soll. Ein Ergebnis bei dem 76 Prozent sich in einer Umfrage für etwas aussprechen, was auch immer, wird von Politikern, dann, wenn es ihnen in den Kram passt, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten angeführt, um zu zeigen, wie sehr sie im Einklang mit der Bevölkerung sind, wie demokratisch doch alles in Deutschland ist, wie responsiv sie auf die Meinung der Bevölkerung reagieren, wie sehr sie sich an deren Meinung halten … Geht es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann ist das anders. Dann werden die 76 Prozent ignoriert, dann gibt es kein Loblied auf die Bürgerbeteiligung, niemandem fällt Partizipation als Stichwort ein… Es steht viel auf dem Spiel, denn Politiker scheinen der Ansicht zu sein, sie könnten über öffentlich-rechtliche Anstalten eine Kontrolle über ihre Bevölkerung ausüben. Nur so macht der „Bildungsauftrag“, den ausgerechnet öffentlich-rechtliche Anstalten haben sollen, Sinn.

Wie auch immer, die Befragung von YouGov ist ein eindrückliches Zeugnis der Unzufriedenheit mit dem, was öffentlich-rechtliche Anstalten tun und anbieten. Seine Kulmination findet diese Unzufriedenheit darin, dass 49% der Befragten nur bereit wären 1 bis 5 Euro pro Monat an Rundfunkgebühren zu bezahlen, wenn sie es entscheiden könnten. Aber sie gehören nur zum Souverän in einer Demokratie. Sie haben entsprechend nichts zu entscheiden und keine Absolventen weitgehend nutzloser Studienfächer davon abzuhalten, sich ein schönes Auskommen zu verschaffen.

Immerhin 25% der Befragten wären bereit, 6 bis 10 Euro pro Monat zu bezahlen, weitere 9% könnten sich mit 11 bis 15 Euro anfreunden. Somit sind 83% der Befragten die derzeitigen Rundfunkgebühren von 17.50 Euro im Monat zu hoch. Ein eindeutiges demokratisches Votum. Aber kein Politiker der Parteien, die in den Rundfunkräten sitzen, nimmt es auf. Sie wollen eben nur das Beste von ihren Wähler, möglichst hohe Gebühren.

Warum die große Mehrheit der von YouGov-Befragten, die alle Indikatoren erfüllen, um unter anderen Vorzeichen von Politikern als repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung bejubelt zu werden, die Rundfunkgebühren von 17.50 Euro pro Monat nicht in dieser Höhe bezahlen will, wenn überhaupt, machen weitere Ergebnisse von YouGov deutlich:

  • 44% finden 17.50 Euro Rundfunkgebühren zu hoch;
  • 43% wollen eigentlich gar keine Rundfunkgebühren mehr zahlen;
  • 30% finden sich mit ihren Interessen im Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht wieder;
  • 28% finden eine Rundfunkgebühr grundsätzlich in Ordnung, finden aber das derzeitige Angebot zu schlecht, als dass es Rundfunkgebühren rechtfertigen würde;
  • 23% nutzen das Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten überhaupt nicht;
  • 20% finden sich mit ihrer Meinung im Angebot der öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht wieder

Das sind verheerende Zahlen, vor deren Hintergrund man es eigentlich nicht rechtfertigen kann, Deutsche weiterhin und ohne Ausnahme für öffentlich-rechtliche Sender bezahlen zu lassen. In einer Demokratie würden derartige Ergebnisse öffentlicher Meinung dazu führen, dass Politiker das Thema aufnehmen und letztlich eine Lösung in Form einer Volksabstimmung herbeiführen. Aber in Deutschland gibt es keine Demokratie. Hier herrscht die Parteienoligarchie, eine Autokratie, die sich wie eine Krake in alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche ausgebreitet hat und dort finanzielle Wohltaten für sich einsammelt. Parteivertreter sitzen in Aufsichtsräten von Unternehmen, in Vorständen von Vereinen und Stiftungen, sie sitzen in den Programmräten der öffentlich-rechtlichen Anstalten und erhalten für ihr aufopferungsvolles Handeln natürlich eine finanzielle Aufwandsentschädigung. Es ist geradezu naiv anzunehmen, ausgerechnet Politiker würden sich den finanziellen Ast, auf dem sie sitzen, abschneiden, indem sie demokratische Grundrechte wie eine Partizipation ernst nehmen und Zwang gegen eine Mehrheit der Bevölkerung vermeiden.

Von Arnim könnte sein Buch der Parteienkritik heute nicht mehr mit „Der Staat als Beute“ betiteln. Das ist eine Untertreibung. Die Parteien haben sich längst die Gesellschaft zur Geisel genommen und die saugen sie nun aus, finanziell, moralisch, körperlich …

Und am Beispiel von YouGov sieht man, was dabei herauskommt, wenn man die falschen Fragen stellt, Fragen, auf die man Antworten bekommen kann, die politisch Korrekte gar nicht hören wollen. Da hilft nur eins: YouGov sind Rechte.

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Telepolis: Die Redaktion der minder Intelligenten? [AfDologie]

Der Titel ist natürlich eine Abwandlung des Titels „AfD: Die Partei für die weniger Intelligenten“, den Tomasz Konicz seinem Beitrag auf heise.de gegeben hat.

Der Beitrag ist bemerkenswert, aus vielerlei Hinsicht.

Aus sozial-psychologischer Hinsicht.

Es ist nicht erst seit den Studien von Amos Tversky und Daniel Kahneman bekannt, dass Menschen anfällig sind, für eine Vielzahl von Fehlurteilen und dass diese Anfälligkeit einhergeht, mit einer beeindruckenden Zahl kognitiver Fehlleistungen. Wie zum Beispiel der Tendenz, aus einer Fliege einen repräsentativen Elefanten machen zu wollen (Heuristik der Repräsentativität) oder der Prädisposition, alle Informationen, die man erhält nur und ausschließlich vor dem Hintergrund der eigenen Überzeugungen zu interpretieren (bekannt als Framing, overconfidence und Erwartungsbestätigungseffekt).

Die Realität fast ausschließlich vor dem Hintergrund der eigenen Erwartungen zu interpretieren, ist eine Eigenschaft, die vor allem dumme Menschen teilen, denn mit der Eigenschaft geht die Unfähigkeit, zu lernen, einher. Lernen ist nur möglich, wenn man zulässt, dass die Realität von eigenen Überzeugungen abweichen kann.
Gemessen daran muss man Konicz als einen dummen Menschen ansehen.

Aus psychologischer Sicht

Im Gegensatz zur Sozial-Psychologie, die sich mit Zwischenmenschlichem beschäftigt, hat die Psychologie innermenschliches zum Gegenstand. Auch hier ist der Beitrag von Konicz interessant, denn er offenbart eine gewisse Pathologie, die mit der Lust, andere in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, einhergeht und somit als soziale Störung anzusehen ist. F91.2 oder F91.3 aus dem ICD-10 sind vermutlich die angemessenen Diagnosen für das Leiden von Konicz.

Aus inhaltlicher Sicht

Wie würden Roboter beim wahren-Ich abschneiden?

Auch wenn man den Inhalt des Beitrags von Konicz betrachtet, kann man nicht umhin, die Sozialpsychologie mit ins Boot zu holen, denn Konicz ist ein Musterbeispiel für Menschen, die es schaffen, in unterschiedlichen Zusammenhängen, Gegensätzliches zu behaupten, ohne dadurch kognitive Dissonanzen zu erleiden.

Konicz schreibt über einen Intelligenztest, der auf einer Seite, deren Domain, „dein-wahres-ich“, heißt, zu finden ist. Dieser Intelligenztest, ein Online-Intelligenztest, hat erbracht, so behaupten die Macher dieser Seite, dass ein niedrigerer Testwert mit einer Präferenz für die AfD bei Bundestagswahlen einhergeht. AfD-Wähler, so behauptet Konicz, hätten einen IQ von durchschnittlich 93 Punkten, Grüne von 99, SPD-Wähler von 100 usw. Es sei hier nur kursorisch angemerkt, dass es sich nicht um AfD-Wähler handelt, wie Konicz eigentlich wissen müsste, hat er doch selbst geschrieben, dass die IQ-Testteilnehmer nach ihrer Parteipräferenz befragt wurden, also danach, welche Partei sie wählen würden, nicht danach, welche Partei sie gewählt haben. In einem solchen Fall sprechen nur Dumme von Wählern, Dumme, die keine Ahnung von empirischer Wahlforschung haben.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie diejenigen, die mit allen möglichen Einwänden gegen Online-Umfragen auftreten, alle angeblichen Bedenken und methodischen Kenntnisse, die sie zu haben reklamieren, über Bord werfen, wenn ihnen ein Ergebnis in den ideologischen Kram passt.

Betrachtet man die Ergebnisse, die das wahre Ich angeblich produziert hat, dann kann man nicht anders, als mit dem Kopf schütteln, ob dieser kritiklosen, unkritischen Übernahmen von Ergebnissen durch Konicz, Ergebnissen,

von denen man nicht weiß, auf wie vielen Testpersonen sie basieren,
von denen man nicht weiß, auf welcher Stichprobe der Grundgesamtheit sie basieren;
von denen man nicht weiß, wie sie überhaupt zu Stande gekommen sind und somit nicht weiß, was sie überhaupt messen.

Um die letztere Frage zu beantworten hat eine Testperson aus der ScienceFiles-Redaktion den Intelligenztest des Wahren-Ichs mit einem nachweislich überdurchschnittlichen Ergebnis abgeschlossen. Auf dieser Grundlage können wir sagen, dass der Test kognitive Fähigkeiten, Mustererkennung, logisches Schlussfolgern und Sprachkenntnisse testet. Ob damit Intelligenz gemessen werden kann, ist eine andere Frage, die uns hier nicht interessieren muss. Es reicht der Hinweis darauf, dass die Frage, wie man Intelligenz misst, heftig umstritten ist:

• Für Phares (1984) setzt sich Intelligenz (a) aus der Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen, (b) der optimalen Nutzung von Erfahrung(en), d.h. aus Lernen und (c) dem abstrakten Denken und dem Benutzen von Symbolen zusammen. Im Test des wahren-Ichs wird nur (c) gemessen.

• Gardner (1983) bestimmt Intelligenz als Art, die Welt zu betrachten. Für Gardner ergibt sich die Art, die Welt zu betrachten, aus sieben verschiedenen kognitiven Fähigkeiten: (1) linguistische Fähigkeiten, (2) logisch-mathematische Fähigkeiten, (3) räumliches Wahrnehmungsvermögen, (4) musikalische Fähigkeiten, (5) körperlich-kinästhetische Fähigkeiten, (6) interpersonale Fähigkeiten und (7) intrapersonale Fähigkeiten.
Im Test vom wahren-Ich werden nur (1) und (2) gemessen.

• Sternberg (1986) unterscheidet drei Arten von Intelligenz, die er in verschiedenen Problembereichen angesiedelt sieht, wodurch er allgemeine Intelligenz als allgemeine Problemlösefähigkeit betrachtet: (1) Der komponentenbezogene Aspekt der Intelligenz umfasst die kognitiven Prozesse, die bei der Problemlösung beteiligt sind. (2) Der erfahrungsbezogene Aspekt der Intelligenz beschreibt den Zusammenhang zwischen der inneren Welt eines Menschen und der äußeren Welt. (3) Der kontextuelle Aspekt der Intelligenz bezieht sich auf den Einfluss, den Menschen auf ihre Umwelt ausüben.
Im Test des wahren-Ichs wird keiner der Aspekte, die für Sternberg Intelligenz ausmachen, gemessen.

Was also ist der Test des Wahren-Ichs überhaupt wert? Das ist eine Frage, die man einen kritischen Journalisten zu stellen erwarten würde. Nur dumme Journalisten übernehmen, was ihnen vorgegeben wird. In dieser Hinsicht ist Konicz ein dummer Journalist.

Aus methodischer Sicht

Der Test des wahren-Ichs besteht aus 51 Testfragen. Damit werden IQ-Werte gemessen, die einen Mittelwert bei 100 haben, wenn sie eine theoretische Verteilung des IQ-Tests wiederspieglen und woanders, wenn es eine empirische Verteilung ist.

Wie werden aus den 51 Testfragen IQ-Werte? Eine wichtige Frage, denn die Fragen messen nicht alle dasselbe. Mindestens linguistische und logisch-mathematische Fähigkeiten, vielleicht auch räumliches Vorstellungsvermögen werden erhoben. Das sind unterschiedliche, nicht äquivalente Bereiche. Wie werden diese Bereiche zueinander abgegrenzt, wie gewichtet? Dass sie gewichtet werden, ist offenkundig, wenn aus 51 richtig beantworteten Fragen ein IQ von >113 werden kann.

Nur ein dummer Journalist, der sich in ein Ergebnis ideologisch verliebt hat, übernimmt es unkritisch und macht sich zum Büttel derer, die ihre Vorgehensweise vermutlich aus guten Gründen nicht transparent machen.

Und was ist mit denen, die diesen Test ausfüllen?
Ein Blick auf die Seite des wahren Ichs, zeigt, dass diejenigen, die sich von dieser Seite angesprochen fühlen, entweder Kinder und Jugendliche sind, die „geilen Sprüchen“ und „Horoskopen“ noch einen Sinn abgewinnen können, oder infantile Erwachsene, die den Sprung in die richtige Welt (noch) nicht geschafft haben. Unter beiden sind diejenigen, die eine Präferenz für die AfD angeben, nicht sonderlich breit gesät. Wir wetten daher, die Stichprobe des wahren Ich hat einen Altersbias und sie hat natürlich einen Schüler- und Studentenbias, denn der Unsinn, den derartige Intelligenztests darstellen, ist vor allem unter Schülern und Studenten und Ewigjungen, also denen, die Thomas Mann als Geck bezeichnet, verbreitet.

Hinzu kommt, das Testergebnis wird durch die Auflösung des Monitors, auf dem man den Test betrachtet, beeinflusst. Die Mustererkennungsfragen können auf einem Smartphone kaum sinnvoll bearbeitet werden, aber viele der Befragten haben den Test auf einem Smartphone bearbeitet.

Kurz: Was der Test misst, ist eine offene Frage, welche Aussagekraft seine Ergebnisse haben, entsprechend auch, nur die Frage, ob man diese Ergebnisse verallgemeinern kann, ist nicht offen: man kann es nicht. Nur ein dummer Mensch versucht, solche fast willkürlich zu nennenden Ergebnisse als Ausdruck des wahren-Ichs, als des Essentialismus‘ zu nehmen, der dieser idiotischen Namensgebung innewohnt.

Und damit sind wir zurück beim Text von Konicz.
Wir zitieren:

„Somit harrt der nun empirisch verifizierte Zusammenhang zwischen rechter Gesinnung und Dummheit weiterer wissenschaftlicher Studien. Gerade angesichts der Streitfrage, in welchen[m] Ausmaß Intelligenz angeboren oder im Zuge der Sozialisation angelernt wird. Zu klären wäre etwa, wie die konkrete rechte Ideologie, die immer mit einfachen Wahrheiten und der Präsentation von Sündenböcken operiert, die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen tangiert.“

Nur ein dummer Mensch spricht von einem empirischen Beweis und benutzt das Wort „verifiziert“ (schon gar nicht angesichts eines solchen Tests). Empirische Tests bestätigen, aber sie verifizieren nichts. Das ist Allgemeinwissen, das nur dumme Menschen nicht teilen. Zudem kann der Test des wahren Ichs nichts bestätigen, was gar nicht Gegenstand des Tests war. Er hat weder „rechte Gesinnung“ noch „Dummheit“ gemessen. Gemessen wurde das, was die Autoren des Tests als Intelligenz ansehen, und das wurde mit einer Präferenz für die AfD in Zusammenhang gebracht. Weder hat ein durchschnittlicher Testwert von 93 (wenn wir einmal davon ausgehen, er gebe einen Hinweis auf Intelligenz) etwas mit Dummheit zu tun, noch hat eine Präferenz für die AfD etwas mit einer rechten Gesinnung zu tun. Beide Mengen sind nicht äquivalent. Nur einem dummen Menschen ist nicht klar, dass man die AfD wählen kann, ohne eine rechte Gesinnung zu haben und in einem Intelligenztest schlecht abschneiden kann, ohne dumm zu sein. Auch in dieser Hinsicht qualifiziert sich Konicz als dummer Mensch.

„Es ist fraglich, ob die[die] es einfach dumme Menschen sind, die sich von der AfD angezogen fühlen. Die zentrale Frage, die der
wissenschaftlichen Klärung harrt, lautet eher, ob die AfD ihre Anhängerschaft durch ihre Ideologie dümmer macht.“

Immer wenn man glaubt, Blödsinn ließe sich nicht steigern, kommt ein Satz von Konicz. Die zentrale Frage, die nach unserer Ansicht der Klärung harrt, ist, ob die Mitgliedschaft in der Telepolis Redaktion Konicz dümmer gemacht hat… Aber Ernst beiseite. Da nichts über den Zusammenhang zwischen Dummheit und AfD-Anziehung bekannt ist, weil beides nicht gemessen wurde, ist der ganze Absatz, in dem sich Konicz angeblich Gedanken macht, Unsinn. Das einzige, was man diesem Absatz entnehmen kann ist, dass Konicz der Ansicht ist, die AfD-Ideologie sei dumm. Nur ein dummer Mensch ist der Ansicht, er könnte anderen sein eigenes Vorurteil unterstellen, ohne dass die anderen das merken, wie Konicz das tut.

„Die AfD wäre somit nicht einfach ein sozialer Magnet, der geringere Intelligenz anzieht, sondern eine Art politische Verdummungsfabrik, die den IQ der Betroffenen langsam, aber sicher in den Keller treibt. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass eine Loslösung aus dem Umfeld der AfD auch der geistigen Leistungsfähigkeit der Betroffenen zugute kommen könnte. (Tomasz Konicz)”

Dieser Absatz ist etwas für Psychiater. Uns reicht es festzustellen, dass das einzige, was man diesen Zeilen entnehmen kann, das Bemühen Konics ist, die AfD und die Menschen, die eine Präferenz für die AfD haben, zu diskreditieren. Die Hilflosigkeit, in der er das tut, erinnert sehr an die Diskussion um das Unterschichtenfernsehen, in dem diejenigen, die zum von Dr. habil. Heike Diefenbach als akademisches Prekariat bezeichneten Milieu gehören, versucht haben, ihre vermeintlich höhere Intelligenz als trennendes Merkmal gegenüber einer Unter- und Arbeiterschicht einzuführen, die es längst mit Blick auf Eigentum und Wohlstand überholt hat. Konicz scheint diesem prekären Milieu anzugehören und ein entsprechendes Verlangen zu verspüren, sich über seine vermeintliche Zugehörigkeit zu denen, die in einem haarigen Intelligenztest auf einer Kinder- und Jugendlichenseite besser abgeschnitten haben, von denen, die er unter sich wähnt, zu differenzieren. Das alles sind psychologische Verarbeitungsprozesse, die den Kreis dieses Posts schließen und zu dem Hinweis führen, dass die Diskussion darüber, ob Intelligenz angeboren ist oder nicht, in diesem Zusammenhang wirklich vollkommener Unsinn ist. Selbstverständlich kann man diesen Kreis nicht ohne den Hinweis schließen, dass der Umkehrschluss, von dem Konicz fabuliert, einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens darstellt.

Wie könnte jemand, der weder sprechen noch rechnen kann, die Fragen beantworten, die im Test vom wahren Ich gestellt werden? Gar nicht. Eben. Deshalb sind die Fähigkeiten, die man benötigt, um diese Fragen zu beantworten ERLERNT. Die Frage, ob die Beantwortung der Fragen auf Intelligenz schließen lässt, ist somit zur Frage, ob die erfragten Fähigkeiten einen Rückschluss auf Intelligenz zulassen, geworden. Aber das sind nur Fragen, die sich Menschen stellen, die nicht dumm sind. Konicz stellt sich diese Fragen nicht.

Zur Frage in der Überschrift: Ist Telepolis die Redaktion der minder Intelligenten? Auf Grundlage unserer Einzelfallstudie kann man diese Frage nicht affirmativ beantworten (ohne einen Fehlschluss zu begehen), aber eine kleine grammatische Veränderung des Satzes vom Dativ zum Genitiv macht die positive Antwort korrekt. In jedem Fall wäre wohl eine “Loslösung” der übrigen Redaktion von Tomasz Konicz der geistigen Leistungsfähigkeit in der Redaktion förderlich.

Gardner, Howard (1983). Frames of Mind. New York: Basic Books.

Phares, E. Jerry (1984). Clinical Psychology. Concepts, Methods, and Professionals. Homewood: Dorsey.

Sternberg, Robert J. (1986). Intelligence Applied. San Diego: Harcourt Brace Jovanovic.

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