„Performativer Selbstwiderspruch“ Professurbesetzer-Geschwätz

Unter Sozialwissenschaftlern gibt es manche, die wenig zu sagen haben, zuweilen auch gar nichts, dieses Wenige oder gar nichts jedoch in eine sprachliche Form kleiden, deren monumentaler Umfang zum nicht vorhandenen Inhalt in einem gewissen Widerspruch, gemessen am Aussagegehalt in einem Selbstwiderspruch – weil die Aussage eben keine Aussage hat, steht.

“André Brodocz ist Professor für Politische Theorie an der Universität Erfurt und Mitherausgeber der Zeitschrift für Politische Theorie. Von 2003 bis 2011 war er Mitglied im Vorstand der DVPW-Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“.

Und weil das nicht reicht, hat er nunmehr im Theorieblog seinen Senf zum Urteil der Karlsruher BGH-Richter aus dem VI. Zivilsenat gegeben, die „Frauen keinen Rechtsanspruch auf weibliche Personenbezeichnungen in Vordrucken und Formularen“ zugesprochen haben, wie er meint.

Dann kommt viel Text mit nur wenig Inhalt bis wir schließlich bei der Aussage angekommen sind, dass die Richter beim BGH durch ein Geschlechtssuffix als männlich oder weiblich ausgezeichnet werden, Richter am BGH oder Richterin am BGH. Wer selbst auf seinen Geschlechtszusatz Wert lege, so Brodocz, der dürfe anderen den Geschlechtszusatz nicht als Rechtsanspruch verweigern. Wer es dennoch tue, begehe einen „performativen Selbstwiderspruch“.

Oh je.
Zunächst Brodocz im Original:

„Dazu gehört der eigene Name, mit dem die Senatsmitglieder die Urteile persönlich zeichnen. Dazu gehört offensichtlich auch ihr Geschlecht, das sie als „Richterin“ oder „Richter“ ebenso zum Ausdruck bringen. Der Sprachgebrauch der Senatsmitglieder sieht im generischen Maskulinum des „Richters“ anscheinend eine Personenbezeichnung, die ihnen nur dem Anschein nach neutral ist. Diese Geschlechtersensibilität lassen sie folgerichtig auch Personen in Gerichtsverfahren zuteilkommen, die sie als „Kläger“ oder „Klägerin“, als „Beklagte“ oder „Beklagter“ ansprechen. Frau K. wollen sie aber mit genau diesem Sprachgebrauch das Recht auf eine solche Ansprache durch die Sparkasse nicht zugestehen. Diesem performativen Selbstwiderspruch bieten sich nur wenig Auflösungen …”

Dann ScienceFiles in der Bewertung: Wer solche Professoren hat, braucht sich nicht über Studenten zu wundern. Zumindest wenn sie in Erfurt politische Theorie studieren wollten und statt dessen mit Genderismus abgefüllt wurden, sind sie entschuldigt.

Nun zum performativen Widerspruch.

Perfomativ ist ein Begriff, den der Sprachwissenschaftler John L. Austin geprägt hat. Performative Aussagen werden von Austin von „constativen“ Aussagen unterschieden. Im Gegensatz zu diesen sind performative Aussagen weder wahr noch falsch. Eine performative Aussage ist für Austin ein Illokutionärer Akt, mit dem ein Gefühl, ein Wunsch, eine Absicht oder eine Überzeugung zum Ausdruck gebracht wird. Wenn jemand sagt, ich haue jetzt diesen Studenten in die Pfanne, dann ist das ein illokutionärer Akt in Form einer performativen Aussage, denn mit der Aussage ist keinerlei Hinweis darauf, ob die Absicht auch in die Tat umgesetzt wurde, verbunden. Später hat Austin noch zwischen expliziten „Ich hasse alle Rechten“ und impliziten performativen Aussagen, deren Bedeutung aus dem Teil der Aussage erwächst, der nicht ausgesprochen wird (kontextabhängige Aussagen im Sinne von Stuart Hall), unterschieden. Zudem hat Austin darauf hingewiesen, dass der Gehalt einer performativen Aussage sozial umstritten sein kann. Bestes Beispiel dafür die Behauptung: „Ich biete Qualitätsjournalismus“, ein performativer Sprechakt, der in der Wirklichkeit keine Geltung hat.

Soviel zum performativen Sprechakt.

Nun zum “performativen Widerspruch” von Brodocz.

In der klassischen Logik wird nicht erst seit Aristoteles darauf hingewiesen, dass etwas nicht zugleich sein kann und nicht sein kann, nicht zugleich Eigenschaften haben und nicht haben kann.
Ein sprachlicher Widerspruch entsteht in der Regel dann, wenn man zwei Behauptungen aufstellt, die einander widersprechen, also z.B. Professor kann heute jeder werden, und Professor kann heute nicht jeder werden. Beide Aussagen widersprechen sich.

Sie widersprechen sich, weil sie widersprüchliche Behauptungen über die Wirklichkeit aufstellen und entscheidbar wahr oder falsch sein können.

Widersprüche zwischen Aussagen, die weder wahr noch falsch sein können, gibt es nicht. Der Satz: „Im Namen des Volkes verurteile ich Sie zum Tod am Galgen“ ist ein Satz, der zu nichts im Widerspruch stehen kann. Ein Widerspruch kann sich erst ergeben, wenn über diesen Satz berichtet wird. Richter R verurteilte den Angeklagten X zum Tode bzw. verurteilte ihn nicht. Nun ist entscheidbar, welche Berichterstattung zutrifft oder nicht. Der Satz über den berichtet wird, ist weiterhin ein performativer Sprachakt ohne Wahrheitswert. Oder wie man auch sagen kann: Worte sind geduldig.

Es kann also keinen performativen Selbstwiderspruch geben, weil performativen Aussagen keine empirische Entsprechung zugeordnet werden können. Eine solche müsste aber zuordenbar sein, um einen Widerspruch festmachen zu können. Der Satz, „Deutschland, Du mieses Stück Scheisse“ ist performativ und weder wahr noch falsch. Man kann ihn mit Austin als „unglücklich“ bezeichnen, aber seine Äußerung hat keinerlei Bedeutung für die Wirklichkeit. Auch das Todesurteil des Richters hat diese Bedeutung übrigens nicht. Die Bedeutung wird nachträglich verliehen, durch den Henker, ohne den ein Richter sich nahtlos in die Riege anderer Schwätzer einreihen würde.

Performativer Widerspruch ist also Unsinn.

Mit dem Begriff will Brodocz der Trivialität, die er entdeckt zu haben glaubt, mehr Gewicht verleihen, nämlich der, dass die Richter, die einen Geschlechtssuffix für sich beanspruchen, denselben auf Vordrucken der Sparkasse nicht für notwendig finden.

Und auch hier ergibt sich kein Widerspruch, lediglich ein weiteres trauriges Bild für den Zustand der deutschen Sozialwissenschaften.

Der Geschlechtssuffix bei den BGH-Richtern bezeichnet einen konkreten Richter, der es scheinbar für relevant hält, auf sein Geschlecht hinzuweisen. Damit Kläger gleich wissen, hier sind weibliche Richter in der Mehrzahl, zieht am besten eure Klage zurück, denn hier werden Urteile, kein Recht gesprochen.

Vordrucke sind Raster zur Erfassung von Merkmalen, auf deren Grundlage man Gruppen bilden kann. Derjenige, der den Vordruck erstellt, weiß nicht, wer den Vordruck ausfüllt. Nicht nur deshalb ist ein Vordruck ein Ausdruck kollektiver und eben nicht individueller Ansprache. Weil dem so ist, weil Gruppenmerkmale und nicht individuelle Merkmale abgefragt werden, deshalb hat es sich im Deutschen eingebürgert, dass man das Deutsche korrekt verwendet und die Gruppenbezeichnungen, nach denen man fragt, auch korrekt bezeichnet: Geburtsdatum als Feld mit sechs Stellen, in das individuelle Geburtsdaten eingetragen werden können; Name des Kontoninhabers als Feld desjenigen, auf den das entsprechende Konto eingerichtet wurde oder werden soll.

Insofern hier nicht das Individuum „Kontoinhaber“, sondern die Gruppe der „Kontoinhaber“ angesprochen wird, ist das generische Maskulinum die richtige Bezeichnung und ein Vergleich mit dem Geschlechtssuffix konkreter Richter unsinnig.


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Die a-sozialen (öffentlichen) Medien

Und sie zucken noch.
Aus einer Pressemeldung des NDR:

Der Verwaltungsrat des NDR hat sich in seiner heutigen Sitzung unter anderem mit dem Unternehmensgegenstand Fernsehen befasst. In einer Zeit “alternativer Fakten”, zunehmender medialer Angebote in den Sozialen Netzwerken und abnehmender publizistischer Vielfalt komme dem glaubwürdigen Qualitätsjournalismus eine Schlüsselrolle für die Meinungsbildung in der Gesellschaft zu, so Dagmar Gräfin Kerssenbrock, Verwaltungsratsvorsitzende des NDR“.

Nun, da man sich beim NDR von „sozialen Netzwerken“ abgrenzen zu müssen glaubt und man dort immer noch nicht bemerkt hat, dass wir im Zeitalter des Internet und nicht mehr im Zeitalter des Einrichtungs-Funks, der öffentlichen ein Weg Bestrahlung und Beschallung von Menschen leben, ist es an der Zeit, eine geniale Idee von Dr. habil. Heike Diefenbach unter die Leser zu bringen und zu verbreiten.

Das Kennzeichen dessen, was von öffentlich-rechtlichen Profiteuren des Zwangsbeitrags in Abgrenzungsabsicht als „soziale Netzwerke“ bezeichnet wird, ist die Möglichkeit der Internation. Tim O’Reilly hat die Eigenschaft von „neuen Medien“ eine Interkation und eine Beteiligung, nein Partizipation der Nutzer dieser Medien bereit zu stellen, bereits 2005 mit dem Begriff „Web 2.0“ bezeichnet. Ein Begriff, den viele benutzen und von dem wenige wissen, was er bedeutet. Er beschreibt bestimmte Technologien, die Nutzer zu Mitarbeitern machen, die Inhalte beisteuern, Informationen per „crowd-sourcing“ zusammentragen, Nutzern vielfältige Möglichkeiten bereitstellen, miteinander in Austausch zu treten und über diesen Austausch an einem gemeinsamen Ganzen zu arbeiten. Dan Bricklin hat die beschriebenen Eigenschaften u.a. von „sozialen Netzwerken“ als Cornucopia (Füllhorn) bezeichnet: „What we see here is that increasing the value of the database by adding more information is a natural by-product of using the tool for your own benefit“.

Medien, die die beschriebenen Eigenschaften nicht anbieten, die ihre Nutzer belehren, aufklären und per Einbahnstraße und widerspruchslos informieren wollen, die ihren Nutzern keine Möglichkeit geben, zu Informationen beizutragen, an Programmen und Formaten mitzuarbeiten, sich einzubringen und gemeinsam neue Informationen zu erarbeiten, Medien, die somit alle Insignien vermissen lassen, die soziale Medien auszeichnen, müssen entsprechend a-soziale Medien sein, die die Interaktion zwischen Menschen, die ein menschliches Verhalten erst zu einer sozialen Handlung macht, nicht leisten wollen bzw. unterbinden wollen.

Kein Wunder also, dass die öffentlich-rechtlichen Einbahn-Medien, deren Angestellte sich immer noch als Medienmacher ansehen, die Anderen etwas mitteilen, Andere belehren, Andere aufklären, die eine wichtige Rolle in der Meinungsbildung der Bevölkerung spielen sollen, soziale Medien zu ihrem Hauptfeind erklärt haben, jene Medien, die all die Freiheiten und Möglichkeiten offerieren, die öffentlich-rechtliche als Sündenfall und Eingriff in ihre Programmhoheit ansehen. Die Zuschauer, Leser und Hörer öffentlicher Medien sind und bleiben wenn es nach den Verantwortlichen geht, passive Konsumenten, die hören, sehen, lesen und schlucken. Mehr nicht. Formen der Beteiligung, die soziale Medien auszeichnen, kommen bei öffentlich-rechtlichen Medien nicht vor. Deshalb handelt es sich zwangsläufig bei Ihnen um a-soziale Medien.

Und dass sie a-soziale Medien sind, das zeigt sich auch daran, dass bei ihnen nicht Nachfrage den Preis regelt, sondern ein Preismonopol besteht, das egal welcher Mist produziert wird, die Kosten auf die Zwangs-Beitragszahler abwälzt. Während soziale Medien von Spenden und Einnahmen leben, die sie nur generieren können, wenn sie interessante Inhalte und Möglichkeiten der Partizipation schaffen, die die Nutzer sozialer Medien ansprechen und sie deshalb nachfragen, agieren öffentlich-rechtliche Medien nach dem Ludwigs- oder dem Stalin-Prinzip: Das Programm sind wir! Wem das nicht passt und wer die Zwangszahlung verweigert, der geht in den Bau. Auch das sind Markenzeichen a-sozialer Medien, die gegen die Interessen derer produzieren, die sie finanzieren.

Aber, wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Die Musik spielt im Internet. Den Print- und öffentlich-rechtlichen Medien laufen die Nutzer davon. Nur diejenigen, die sich im von Zwangsbeitragszahlern üppig ausgestatteten Positionen finden und nachdem sie Leerformeln im Verwaltungsrat ausgetauscht haben, am kalten Buffet laben, haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.

“Qualitätsjournalismus ist personal- und damit kostenintensiv, eine Betrachtung unter reinen Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten verbietet sich in der Sache”, sagte Gräfin Kerssenbrock weiter. “Unabhängiger Journalismus und verlässliche Informationen sind ein originäres Qualitätsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.”

Im Internetzeitalter informieren sich Mediennutzer längst nicht mehr nur aus einer Quelle. Die Zeiten, in denen öffentlich-rechtliche Anstalten ein unbestrittenes Monopol auf die Darstellung der oder ein Zerrbild der Wirklichkeit hatten, sind vorbei. Nunmehr konkurrieren Darstellungen im Internet. Nutzer finden sich in der schönen Lage wieder, sich aus unterschiedlichen Informationsquellen ein Bild über die Wirklichkeit machen zu können, eigenverantwortlich, ohne Vorgaben, ohne den öffentlich-rechtlichen Meinungsvorkauern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, wie dies vor der Verbreitung des Internets der Fall war. Das WeltWeiteNeuland, das die meisten politischen Akteure immer noch nicht überblicken können, es bietet unzählige Informationsquellen, nicht mehr nur eine, Informationsquellen, die professionell gestaltet sind, die von einer neuen Art von Journalisten (nämlich von unabhängigen, die keiner Senderweisung unterliegen) zusammengetragen werden (wie Blogs), die von einer Anzahl von Nutzern gemeinsam geschaffen werden (wie Wikis) und die Nutzern die Möglichkeit der Interaktion und Partizipation bieten (wie Foren). Es sind eben neue, moderne und SOZIALE Medien, die mit ihrem Angebot überzeugen wollen und nicht durch den monotonen und abgedroschenen Verweis auf den angeblichen Qualitätsjournalismus, der offenkundig nur überleben kann, weil Menschen gezwungen werden, Beiträge zu entrichten und Staaten Steuergelder zweckentfremden um maroden Verlagen ein Überleben zu sichern. Die Zeit der a-sozialen Medien ist vorbei.

Die Vertreter der a-sozialen Medien haben es nur noch nicht gemerkt. Sie sind noch mit dem kalten Buffet beschäftigt, das die Zwangsbeitragszahler finanzieren.


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Zivilcourage und Menschenrechte und Bomben bauen

Der Kampf gegen die bösen Rechten, der unter dem Banner der Zivilcourage und der Menschenrechte geführt wird, was sowieso ein Widerspruch ist, denn auch Rechte sind Menschen mit Rechten, ist in ein neues Stadium eingetreten. Die Polizei in Saalfeld hat bei zwei Tatverdächtigen Chemikalien und Sprengstoff sichergestellt. Das Pikante dabei: Mindestens einer der beiden Tatverdächtigen verdient scheinbar seinen Unterhalt mit “Zivilcourage und Menschenrechten”, ist Mitglied des entsprechenden Bündnisses und wird von Politikern hofiert.

Die Thüringer Allgemeine schreibt:

“Unter anderem hatte er im Jahr 2016 für das Bündnis bei der Verleihung des Demokratiepreises des Freistaates eine Anerkennung aus den Händen der ehemaligen Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) in Empfang genommen. Auch bei anderen Gelegenheiten war er immer wieder öffentlich aufgetaucht, hatte Protest gegen Neonazi-Veranstaltungen in der Region organisiert. Eine Anfrage unserer Zeitung ließ er Mittwoch unbeantwortet.”

 

Gibt es in Deutschland staatlich subventionierte Kriminalität, subventionierten Terrorismus?

Mehr dazu im Forum.

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