Geistig Behinderte an Gymnasien: Bremen macht es möglich

Gutmenschen machen zuweilen den Eindruck von Elefanten, die Porzellanläden in vermeintlich bester Absicht betreten, und erst verlassen, wenn ihre Gutheit den Laden zu einem Scherbenhaufen reduziert hat.

Die Bremer Bildungspolitik, ein Ergebnis politischer Inzucht seit 1948, hat bereits dazu geführt, dass egal, welchen Leistungstest man in Deutschland zu Rate zieht, Bremer Schüler immer am Ende zu finden sind. Nun wollen die Bremer den Sarg, in dem sie die Bildung kommender Generationen begraben wollen, endgültig zunageln: mit Inklusion.

Inklusion, obwohl ein sehr altes Thema in der Bildungsforschung, ist das neueste Steckenpferd der guten Menschen. Sie wollen behinderten Menschen helfen, nicht behindert zu sein und ihnen die volle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben verordnen, obwohl sie behindert sind. In Bremen geht dies soweit, dass sogenannte W+E Klassen eingerichtet werden, wobei W+E für Wahrnehmung und Entwicklung steht und als Etikett Kindern angeheftet wird, die körperlich und/oder geistig behindert sind.

Dass eine körperliche Behinderung kein Grund sein kann, seiner Leistung entsprechend beschult zu werden, ist selbstverständlich. Bei geistigen Behinderungen ist dies jedoch anders. Sie schließen vom Zugang zu bestimmten Bildungsinstitutionen aus. Dass sich Bremer Politiker geistig behinderte Abiturienten vorstellen können, sagt mehr über sie und das Niveau, auf dem sich ihre Diskussionen bewegen als über sonst etwas aus.

Doch der Reihe nach.

Der Weser-Kurier berichtet davon, dass man in Bremen begonnen hat, flächendeckend die politische Idiotie, die in Bremen „Entwicklungsplan Inklusion“ geworden ist, in die Tat umzusetzen. Nachdem den Gymnasien Vegesack und Links der Weser bereits die Inklusion als Heilmittel für gesellschaftliche Ungleichheit verordnet wurde, hat es für die Schulsaison 2018/2019 nun das Gymnasium Horn getroffen. Ab dem Sommer sollen dort fünf u.a. geistig behinderte Kinder unterrichtet werden.

Warum auch nicht. Es stellt denjenigen gegenüber, die auf Hauptschulen und Realschulen gelandet sind, weil ihre Leistung als für ein Gymnasium nicht ausreichend angesehen wurde, in Bremen keine Ungerechtigkeit dar und auch keine Benachteiligung, wenn man nun geistig Behinderte an Bremer Gymnasien beschult.

Warum? Weil es sich politische, sorry, aber man kann sie wirklich nicht mehr anders bezeichnen: Spinner in den Kopf gesetzt haben, ihre eigene Gutheit als Elefant in den Bremer Porzellanladen der Bildung zu tragen und dort so viel Zerstörung anzurichten, wie nur möglich.

Die politische Idiotie, die in der Vorstellung mündet, man könne Gymnasiasten und geistig Behinderte gleichzeitig und an einem Gymnasium unterrichten, schlägt sich im Bremer „Entwicklungsplan Inklusion“ in so markigen wie weltfremden Formulierungen wie der folgenden nieder:

„Da inklusive Schulen alle Kinder gemeinsam unterrichten, müssen sie Mittel und Wege finden, beim Unterrichten auf individuelle Unterschiede einzugehen. Davon profitieren alle Kinder. Zweitens gibt es eine soziale Begründung: Inklusive Schulen können Einstellungen zu Vielfalt verändern, wenn alle Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Sie bilden damit die Basis für eine gerechte und diskriminierungsfreie Gesellschaft“

Ob Werder Bremen aus Gründen der Inklusion angewiesen werden soll, zwei Spieler zu verpflichten, denen Beine amputiert wurden, denn auch diese Spieler haben einen Anspruch auf Inklusion in eine Profimannschaft, ist bislang noch unklar. Klar ist nur, dass Idiotien wie die aus Bremen in der Regel keine Grenzen kennen.

Damit wir alle wissen, worüber wir reden.
Die US-Amerikanische Association on Intellectual and Developmental Disabilities (AAiDD), definiert geistige Behinderung als “a disability characterized by significant limitations in both intellectual functioning and in adaptive behavior, which covers many everyday social and practical skills”.

Wer als geistig behindert eingestuft wird, ist somit erheblich in seinem Intellekt behindert, d.h. er hat nach gängigen Kriterien einen IQ von weniger als 70 und er hat erhebliche Anpassungsprobleme, die dazu führen, dass

  • der Behinderte nicht richtig lesen oder sprechen kann, Probleme mit Zeit, deren Wahrnehmung und Selbststeuerung hat;
  • der Behinderte erhebliche Probleme mit eigenverantwortlichem Handeln hat, die zuweilen bis in den Bereich der Boshaftigkeit reichen;
  • der Behinderte Regeln nicht folgen kann, gesellschaftliche Standards von Reinlichkeit oder Gesetzestreue nicht befolgt, dass seine Fähigkeit, Probleme des täglichen Lebens (Busfahren) zu bewältigen eingeschränkt ist,
  • der Behinderte Handlungen des täglichen Lebens vom Toilettengang bis zum Essen nicht eigenständig ausführen kann.

Die Beschreibung, die wir bei der AAiDD gefunden haben, beschreibt die Menschen, die nach dem politischen Willen des SPD-Senators für Bildung in Bremen, Claudia Bogedan, gemeinsam mit Gymnasiasten in Bremen am Gymnasium Horn beschult werden sollen.

Gegen die Verpflichtung, diese politische Idiotie, die einzig der eigenen Inszenierung dient und keinerlei Rücksicht weder auf die Bedürfnisse von behinderten Kindern noch auf die von gesunden Kindern, die ein Abitur erreichen wollen, nimmt, ist die Leiterin des Gymnasiums Horn, Christel Kelm, vor das Bremer Verwaltungsgericht gezogen. Man muss Achtung vor allen haben, die in Bremen versuchen, denen, die Politiker spielen, Einhalt zu gebieten. Im Bremer Schulgesetz, so argumentiert Kelm sei festgeschrieben, dass gymnasialer Unterricht auf das Abitur auszurichten sei – auf das Abitur, das geistig Behinderte nun einmal nicht erreichen können, außerhalb von Bremen jedenfalls nicht. Aber auch in Bremen, so Kelm, könnten „Kinder mit schweren geistigen Behinderungen“ das „im Schulgesetz verankerte Anforderungsniveau … schlicht nicht erreichen“.

Hut ab vor diesem Schimmer von Menschenverstand in Bremen, ein Schimmer, über dem jedoch bereits der Schatten des Wahnsinns schwebt, denn im Ministerium, das sich zum Ziel gesetzt hat, Bremer Schulen zur internationalen Lachnummer weiterzuentwickeln, ist man zuversichtlich, dass das Verwaltungsgericht, vor dem sich Kelm gegen die politischen Elefanten zur Wehr setzen will, die Verordnung, dass an Gymnasien nunmehr auch geistig behinderte Kinder unterrichtet werden sollen, als „zulässigen innerdienstlichen Organisationsakt“ genehmigen werde.

Man sieht: Geistige Gesundheit geht an „innerdienstlichen Organisationsakten“ zugrunde.


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Zensur ist ein Meister aus Deutschland!? SpringerNature-Verlag Komplize bei der Beseitigung von Freiheitsrechten

Manche Länder scheinen eine größere Affinität für Totalitarismen und autoritäre Herrschaftssysteme zu haben als andere. Angelsächsische Länder z.B. sind weitgehend resistent gegenüber Faschismen aller Art: Weder der Nationalsozialismus der Nazis, noch der Sozialismus und Kommunismus der Stalins, Lenins und Liebknechts noch der Faschismus Mussolinis waren Exportschlager, die auf den politischen Märkten angelsächsischer Staaten auf dauerhafte und große Nachfrage gestoßen sind.

Derartige (historische) Fakten verlangen eine Erklärung.

Betrachten wir die Erklärung als eine Frage des Prinzips.

Die Vereinigung der Universitätsverlage hat gerade eine Stellungnahme zu Fragen der Zensur veröffentlicht, in der es als unakzeptabel bezeichnet wird, wenn Verlage ihr Online-Angebot auf Druck von Regierungen zensieren und bestimmte Beiträge in ihren Zeitschriften nicht vollumfänglich zugänglich machen. Die Digitalisierung und die immer weiter zunehmende Bedeutung des Internets führe vorhersehbar dazu, so die Vereinigung, dass Regierungen versuchen werden, Einfluss auf das Internetangebot von Verlagen zu nehmen, um bestimmte Inhalte zu unterdrücken bzw. der Bevölkerung den Zugang zu kritischen Texten und von Regierungen ungewünschten Veröffentlichungen zu verwehren. Gegenüber solchen Begehren, so die Vereinigung, gebe es keine Option: Man müsse sie rundweg ablehnen: „Acquiescence to government requests to restrict access inevitably would produce a disfigurement of the scholarly record“, so lautet eines der Argumente, die die Vereinigung der Universitätsverlage vorgebracht hat.

Das stärkste Argument dagegen, Regierungen willig zu sein und ihre Zensurwut zu unterstützen, ist das Rubikonargument. Wenn man in einem beliebigen Fall den Wünschen einer Regierung nach Zensur entsprochen hat, ist es kaum möglich, ähnliche Begehren anderer Regierungen oder weitergehende Zensurwünsche derselben Regierung abzuwehren. Mit welcher Begründung wollte man das tun?

Wie hoffnungslos die Position eines Verlages wird, der sich zum Mittäter staatlicher Zensurdurchsetzung gemacht hat, das zeigt sich am Beispiel des SpringerNature-Verlags (Der Verlag ist Teil des Publikationsimperiums “Holtzbrinck”). Wie die Cambridge University Press, so hat auch SpringerNature sich willig der Forderung der chinesischen Regierung gebeugt, Texte, in denen es um das Massaker am Tiananmen Square ging oder Texte, in denen Maos kulturelle Revolution vorkommt oder gar kritisch besprochen wird, Texte, in denen Hong Kong, Tibet oder Taiwan erwähnt werden, für Leser in China unzugänglich zu machen. Aber während die Cambridge University Press nach kurzer Zeit bereits ihr Online-Angebot wieder komplett auch für Chinesische Leser in China zugänglich gemacht hat, macht sich Springer weiterhin zum Zensur-Komplizen der Chinesischen Regierung.

Die Begründung dafür ist interessant: Man habe einen kleinen Teil des eigenen Angebots gesperrt, so ein Vertreter von SpringerNature, um zu verhindern, dass in China das komplette Verlagsangebot gesperrt werde, was sicher nicht im Interesse all der Autoren sei, die SpringerNature denkt, zu vertreten.

Das führt zu einer interessanten Frage:

Muss man grundsätzlich jeden Versuch von Regierungen, Zensur auszuüben, abwehren oder sollte man dem entsprechenden Ansinnen von Regierungen nachgeben, um „Schlimmeres zu verhindern“.

Wir sind der Ansicht, dass die Resistenz nicht zu letzt angelsächsischer Länder gegenüber Faschismus und Totalitarismus als Regierungsform durch eine kompromisslose Haltung begründet ist, die immer dann eingenommen wird, wenn es darum geht individuelle Freiheitsrechte gegen die Regierung zu verteidigen.

SpringerNature hat der Chinesischen Regierung gezeigt, dass der Verlag bereit ist, Freiheitsrechte zu opfern, um damit Schlimmeres zu verhindern. Durch das Einlenken des Verlags ist die Drohung, dass etwas Schlimmeres passieren könnte, aber nicht verschwunden, im Gegenteil, sie kann jederzeit wieder eingesetzt werden, um mit Verweis auf die letzte Komplizenschaft des Verlags weitere Zensurmaßnahmen durchzusetzen, denn sicher will SpringerNature auch in Zukunft „Schlimmeres“ verhindern.

Die Bereitschaft, sich zum Komplizen unmoralischer Ansinnen von Regierungen zu machen, eine Bereitschaft, die sich in Deutschland in viel größerem Ausmaß findet als in angelsächsischen Ländern, in denen es eine traditionelle Aversion und ein darauf begründetes Misstrauen gegenüber „dem Staat“ und seinen Institutionen gibt, sie ist nach unserer Ansicht ein, wenn nicht der Grund dafür, dass es Faschismus und Totalitarismus in Deutschland so leicht hatten und haben, wenn es darum geht, Regierungsgewalt zu übernehmen.

Insofern wäre dann auch Zensur ein Meister aus Deutschland.


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