Das N-Wort: Eine Posse aus D-Land

„Darf man heute noch Neger sagen?“
So fragt der MDR in einem Tweet. Und weiter:
„Warum ist die politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?“

Eine Antwort auf diese Fragen wird der MDR nicht erhalten.

Ein Shitstorm, der sich unter dem Hashtag „N-Wort“ ergossen hat, hat die Frage, ob man heute noch Neger sagen darf, beantwortet. Wenn man auf Twitter unter denen, die ganz zart besaitet sind, einen Shitstrom auslösen will, dann ja. Wenn man den Neger zum N-Wort degradieren will, dann ja. Wenn man zeigen will, dass es in Deutschland wirklich eine Anzahl von Personen gibt, die denken, wenn man N-Wort statt Neger benutzt, obschon jeder weiß, dass mit N-Wort Neger gemeint ist, dann habe man die Welt besser gemacht, dann ja. Eigentlich sollten wir jetzt das I-Wort benutzen…

Bleibt noch die Frage, warum ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden? Nun, politische Korrektheit war nie etwas anderes als eine Kampfzone. Es war nie etwas anderes als der Versuch einer kleinen Gruppe von … wir verzichten auf das S-Wort, anderen eine Sprache aufzuzwingen, die sie für richtig halten. Politische Korrektheit ist nichts anderes als eine Wiederauflage von Faschismus, denn Sprachregelungen, das hat Viktor Klemperer bereits anhand der Lingua Tertii Imperii deutlich gemacht, sind ein Markenzeichen des Faschismus.

Er findet einen Ausdruck in Sätzen wie:

“Weiße unterhalten sich, wie man schwarze Menschen betiteln darf. Das ist für mich Kolonialismus.”

Wir verkneifen uns jetzt das B-Wort. Diesen B.S., das ist politisch korrekt für ein anderes, ein ausländisches B-Wort, sagt Kerstin Köditz, Linker Landtagsabgeordneter wo auch immer und vom MDR für die Sendung angefragt, dem Tagesspiegel in Berlin. Wenn sich Politiker über Bürger unterhalten und Richter über Kriminelle und wenn Linke andere als Rechtspopulisten betiteln, dann ist das für uns Kolonialismus, vielleicht auch Rassismus, in jedem Fall aber B.S.

Die Posse um die Sendung des MDR, in der es darum gehen sollte, gemeinsame Werte zu finden, auf die man sich jenseits der politischen Korrektheit einigen kann, hat somit ein eindeutiges Ergebnis gefunden. Niemand will sich auf gemeinsame Werte einigen.

Beleg? Gemeinsame Erklärung von Kerstin Köditz und dem Politikwissenschaftler Robert Feustel:

„Angefragt waren wir zum Thema „politische Korrektheit“. Unseres Erachtens ist das ein Kampfbegriff der Rechten, und unser Ziel war, ihn nicht unwidersprochen zu lassen. Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung (weiter-)gedreht, die vollends indiskutabel ist.“

Auch das ist ein Markenzeichen des Faschismus: Man diskutiert nicht darüber, ob ein Begriff einen Gehalt hat und wenn ja welchen, man bewertet den Begriff gleich, wertet ihn ab, wenn er nicht passt, auf, wenn er passt. Raum für Diskussion ist hier nicht mehr. Nur für Zustimmung. Zur korrekten Position, die natürlich Köditz und Feustel vertreten. So gesehen, ist es gut, dass beide die Teilnahme an der Sendung des MDR abgesagt haben. Eine Diskussion ist mit – wir verkneifen uns ein weiteres B-Wort, das sowieso ein Anglizismus wäre, nicht möglich. Man diskutiert ja auch nicht mit Stalin oder Mao. Beide haben einfach Recht.

Und so kommt es, dass der MDR auf seinen Fragen sitzen bleibt:

Was ist das eigentlich – politische Korrektheit? Was verbirgt sich dahinter, wo fängt sie an, wo hört sie auf? Und: Was macht sie mit der Gesellschaft? Trotz aller Polarisierung – welche gemeinsamen Werte können die Menschen wieder einen?

Die Sendung wurde abgesagt.

Aber eine Antwort kann man dem MDR geben. Werte, die von den Werten, die Köditz und Feustel haben, abweichen, die sind indiskutabel, nicht akzeptabel, nicht zu tolerieren, so wenig, wie das N-Wort, von dem jeder weiß, dass es Neger bezeichnet.

Reiner Kolonialismus diese deutsche Sprache. Voller Bezeichnungen für andere…

Abgesehen davon ist es ein nicht tolerierbarer Übergriff, wenn irgendjemand bestimmen will, wie irgendjemand anderes spricht, welche Worte er benutzen soll und welche nicht …

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Böse Bayern? Die FaktenERfinder der ARD

Der Fakten(er)finder der ARD läuft heute gegen die Neufassung des Psychisch-Kranken-Hilfegesetzes in Bayern Sturm. Das Gesetz sei in höchstem Maße diskriminierend, so erfährt der Leser in Schriftgrad 14, nachdem ihm schon die Überschrift nahegelegt hat, dass es in Bayern darum gehe, psychisch Kranke „wegzuschließen, statt [ihnen] zu helfen“. Die Brachialvariante versuchter Manipulation im ARD Fakten(er)finder wird nur noch durch ein Originalzitat getoppt, das wir, ob seiner kompetenten Formulierung, im Original wiedergeben. Es lautet:

“Das, was man vorne gut gemacht hat, das hat man hinten mit dem Arsch wieder eingerissen.”

Ein Satz, der wie kein anderer das derzeitige Niveau der ARD zum Ausdruck bringt.

Uns soll es jedoch nicht um das unterirdische Niveau des ARD-Fakten(er)finders gehen, sondern darum, dass wir den begründeten Verdacht haben, dass beim ARD-Fakten(er)finder Daten erfunden werden.

Unter der Überschrift „Bayern hat bundesweit die höchsten Unterbringungszahlen“ ist Folgendes aus einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks, den die Fakten(er)finder zu ihrem gemacht haben, zu lesen:

„Zum Vergleich: Im Jahr 2015 landeten im Freistaat etwa 60.000 Menschen gegen ihren Willen in einer Psychiatrie – auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen mit knapp 48.000 Unterbringungen. NRW hat allerdings auch fast eineinhalb Mal so viele Einwohner wie Bayern.“

Wie immer, wenn die Fakten(er)finder Daten darbieten, tun sie das ohne Beleg. Das allein diskreditiert sie bereits. Aber das reicht noch nicht, denn es sieht sehr danach aus, als seien die 60.000 Unterbringungen, die die Fakten(er)finder für Bayern gefunden haben wollen, schlicht und einfach erfunden.

Beginnen wir zunächst damit, dass es – wie so oft in Deutschland – keine verlässlichen Daten dazu gibt, wie viele Menschen „untergebracht“ sind, wie es so schön heißt.

Das Problem ist zum einen eines des nicht-transparent-sein-Wollens, zum anderen eines des Föderalismus, denn grundsätzlich kann man in Deutschland nach zwei Arten weggeschlossen werden: Einmal nach § 1906 BGB und einmal nach dem jeweiligen Psychisch-Kranken-Hilfegesetz (PsychKG) der Länder. Die einzigen Daten, die es zu beiden zu finden gibt, stammen aus dem Jahre 2012. Man findet sie in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKE.

Demnach wurden 2011 in Deutschland 57.116 Personen nach § 1906 BGB untergebracht, davon 16.854 in Bayern und 13.184 in Nordrhein-Westfalen. Nach dem jeweiligen Landes PsychKG wurden nochmals 78.114 Menschen im Jahre 2011 untergebracht. Dieses Mal 11.177 in Bayern und 22.685 in Nordrhein-Westfalen. Demnach wurden in Bayern 28.031 psychisch Kranke im Jahr 2011 weggeschlossen und 35.869 in Nordrhein-Westfalen. Die Größenverhältnisse zwischen beiden Ländern waren noch 2011 demnach gerade anders herum als von den ARD Fakten(er)findern für 2015 behauptet.

Wären die Zahlen des ARD-Fakten(er)finders richtig, also die Zahlen, deren Ursprung die Fakten(er)finder verheimlichen, dann müsste sich die Zahl der in Bayern per Zwang untergebrachten innerhalb von 4 Jahren mehr als verdoppelt haben, ein Anstieg um 31.969 Untergebrachte, während im selben Zeitraum in Nordrhein-Westfalen nur ein Anstieg von 12.131 Untergebrachten zu verzeichnen gewesen sein dürfte, also rund ein Drittel des bayerischen Anstiegs.

Nun ist in Deutschland bekanntlich nichts unmöglich. Deshalb haben wir nach weiteren Daten gesucht. Diese findet man beim Bundesministerium für Justiz. Dort wird zum einen eine Statistik über die Unterbringungen nach § 1906 BGB geführt, und es gibt eine Zugangsstatistik für Amtsgerichte. Beide sind das Beste an Daten, was man finden kann. Und während die Statistik über die Unterbringung nach § 1906 BGB akkurate Daten liefert, weist die Statistik der Amtsgerichte nur anhängige Verfahren aus. Angesichts dieser Datenlage fragt man sich, wo die Fakten(er)finder überhaupt ihre Daten für 2015 gefunden haben wollen.

Die Anzahl der nach § 1906 BGB im Jahr 2015 Untergebrachten beträgt Bundesweit 56.646 Personen und somit bundesweit weniger als die Fakten(er)finder für Bayern gefunden haben wollen. Im selben Jahr haben die Amtsgerichte in Deutschland 133.329 Verfahren über eine Unterbringung nach PsychKG der Länder als anhängig gemeldet. Von den anhängen Verfahren enden ca. 75% mit einer Unterbringung, wenn man die Erledigungsarten der Verfahren nach § 1906 zur Grundlage nimmt. Somit bleiben von den 133.329 Verfahren 100.000 Verfahren, die mit einer Unterbringung enden. Rechnet man die 56.646 Untergebrachte nach § 1906 BGB hinzu, dann wurden 2015 156.646 Menschen in psychiatrischen Kliniken oder Entziehungsanstalten oder in geschlossenen Abteilungen von Pflegeheimen untergebracht. Nach den Zahlen, die die Fakten(er)finder unters Volk bringen wollen, entfallen davon auf Bayern und Nordrhein-Westfalen 108.000 also 69% aller Unterbringungen. Die verbleibenden 14 Bundesländern müssen sich entsprechend die restlichen 31% teilen, wenn die Zahlen der Fakten(er)finder nicht erfunden sind.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahlen aber frei erfunden wurden, um zu zeigen, welch‘ üble Menschen die Bayern doch sind, wenn es darum geht, andere Bayern oder besser noch: Preußen wegzuschließen, ist jedoch sehr hoch. Denn: der Anteil der beiden Ländern an den 135.263 Menschen, die 2011 untergebracht wurden, betrug damals 47,2%. Innerhalb von vier Jahren muss der Anteil von Bayern und Nordrhein-Westfalen, wenn die Daten der Fakten(er)finder richtig sein sollen, sprunghaft angestiegen sein, was notwendig bedeutet, dass alle anderen Länder ihre Anstrengungen, einen Teil ihrer Bürger wegzuschließen, heftig reduziert haben müssen. Eine Annahme, die vor allem im Hinblick auf die Länder Bremen, Hamburg, Hessen, das Saarland und Schleswig-Holstein, die Unterbringungsquoten erreichen, die deutlich über denen von Bayern und selbst Nordrhein-Westfalen liegen, mehr als unwahrscheinlich ist.

Wir kommen somit zu dem Schluss, dass die Faktenfinder FaktenERfinder sind. Der Schluss ist einfach zu widerlegen. Es reicht, wenn die FaktenErfinder die Quelle ihrer Daten nennen, um das ER aus dem FaktenERfinder zu löschen.

Falls die Fakten(er)finder einmal Fakten suchen wollen, ein dazu nützlicher Beitrag finden sich in:

Henking, T. & Vollmann, J. (Hrsg)(2015). Zwangsbehandlung psychisch kranker Menschen. Berlin: Springer.

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