Untersuchung: Asylbewerber verursachen höhere Kosten im Gesundheitssystem als Versicherte

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind 2016 nach Deutschland gekommen und zunächst in die sozialen Sicherungssysteme eingewandert. Sie erhalten dieselben medizinischen Leistungen, die regulär Versicherte erhalten, verursachen aber um 10% höhere Gesamtkosten als regulär Versicherte.

Zu diesem Ergebnis kommen Sebastian Bauhoff und Dirk Göpffarth in einer fundierten Untersuchung, in der sie auf die Daten von 3.689 Asylbewerbern und 18.191 regulär Versicherten zurückgreifen konnten, die im Jahre 2016 im Durchschnitt 169 Tage mit Barmer versichert waren. Die Daten der Versicherten und Asylbewerber stammen zu 97% aus Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, was ihrer Vergleichbarkeit jedoch keinen Abbruch tut (schließlich ist Nordrhein-Westfalen das größte Bundesland).

Aus der Stichprobe der 3.689 Asylbewerber und der Vergleichsstichprobe der 18.191 regulär Versicherten haben Bauhoff und Göpffarth einen Datensatz erstellt, in dem jedem Asylbewerber auf Grundlage sozioökonomischer Variablen fünf vergleichbare regulär Versicherte zugespielt wurden. Dieser Datensatz erlaubt es, Aussagen über Morbidität und Kosten im Vergleich von Asylbewerbern und regulär Versicherten zu machen, die der Tatsache Rechnung tragen, dass 70% der Asylbewerber unter 30 Jahre alt und 62% männlich sind, d.h. eine im Vergleich zur deutschen Bevölkerung verzerrte Stichprobe vorliegt (23% der Asylbewerber in der Stichprobe stammen aus Syrien, 18% aus Afghanistan, 14% aus dem Irak, je 5% aus Albanien und Armenien usw.).

Die Autoren berichten u.a. die folgenden Ergebnisse:

  • Quelle: Bauhoff & Göpffarth (2018: 7)

    Im Vergleich zu regulär Versicherten finden sich unter Asylbewerbern höhere Prävalenzen für die folgenden Morbiditäten (sortiert nach Häufigkeit):

    • Schwangerschaft (im Verhältnis 2,4 : 1)
    • Psychische und Verhaltensstörungen (im Verhältnis 2,6 : 1);
    • Erkrankungen der Verdauungsorgane / des Verdauungssystems (im Verhältnis 2,4 : 1);
    • Erkrankungen des Bewegungsapparats (4,8 : 1)
    • Tuberkulose (Im Verhältnis 36 : 1)
  • Im Vergleich zu regulär Versicherten wurden Asylbewerber häufiger in ein Krankenhaus eingeliefert (im Verhältnis 2,3 : 1);
  • Dagegen wurden Asylbewerber seltener ambulant behandelt als regulär Versicherte (Im Verhältnis 1 : 1,2), ihnen wurden seltener Medikamente verschrieben (im Verhältnis 1 : 1,8), und sie hatten seltener eine Zahnbehandlung (1 : 1,1);
  • Die Kosten für die gesundheitliche Versorgung von Asylbewerbern liegen um 10% höher als die Kosten für die Versorgung von regulär Versicherten und betragen im Durchschnitt 1.884 Euro pro Person und Jahr (im Vergleich zu 1.719 Euro für regulär Versicherte).
    • Darin enthalten sind Kosten in Höhe von 1.013 Euro pro Jahr und Asylbewerber für Krankenhausbehandlungen. Im Vergleich dazu betragen die Krankenhauskosten pro regulär Versicherten 435 Euro im Jahr.

Die Ergebnisse von Bauhoff und Göpffarth zeigen deutlich, dass die Kosten der gesundheitlichen Versorgung von Asylbewerbern die Kosten, die für regulär Versicherte entstehen, zum Teil deutlich übersteigen. Da Asylbewerber in der Regel keine Beiträge in die Gesetzliche Krankenversicherung abführen, findet sich hier einmal mehr ein Gerechtigkeitsproblem, über das in Deutschland diskutiert werden müsste. Aber vermutlich finden nicht einmal die Ergebnisse der gut gemachten Untersuchung von Bauhoff und Göpffahrt die mediale Verbreitung, die ihnen gebührt.

Bauhoff, Sebastian & Göpffarth, Dirk (2018). Asylum-Seekers in Germany Differ From Regularly Insured in Their Morbidity Utilizations and Costs of Care. PlosOne.

Mehr von Bauhoff und Göpffarth auf ScienceFiles: Forscher belegen Betrug durch gesetzliche Krankenversicherung

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?


Weitere Möglichkeiten, ScienceFiles zu unterstützen

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles
©ScienceFiles

Weser Kurier erklärt Russland den Krieg

Dr. Dr. Marcus Ermler hat uns den folgenden Text geschickt, in dem er einen Kommentar des Flensburger Angestellten im wissenschaftlichen Mittelbau, Norman Laws, der im Weser Kurier veröffentlicht wurde, seziert.  Der studierte Politikmanager Norman Laws ist ein Beispiel für eine Klasse von institutionalisierten Pseudowissenschaftlern, die Methoden und Methodologie mit großer Klappe und wilden Bewertungen getauscht haben. Wir finden viele der Vertreter dieser Klasse in der Gruppe derer, die überall Rechtsextremismus finden wollen, damit sie etwas zum Bekämpfen haben, und wir finden sie zunehmend unter denen, die alles Übel dieser Erde in Russland seinen Anfang nehmen sieht. Laws gehört zu letzteren. Er geizt nicht mit Bewertungen und Superlativen. Das Wertende ist ihm zur ersten Haut geworden, wissenschaftliche Analyse und Methode sucht man vergebens. An ihre Stelle treten immer häufiger die großen Worte, aus großen Mündern gesprochen, die im Vergleich zu einer wissenschaftlichen Aussage den großen Vorteil haben, dass man sie nicht nachvollziehbar begründen muss. Es genügt, an Affekt und Bauchgefühl der Leser zu appellieren und darauf zu vertrauen, dass sich niemand darunter findet, der nachhakt und ein Forum findet, in dem er die Ergebnisse des Nachhakens veröffentlichen kann.

arcus Ermler hat nachgehakt und seziert, was Norman Laws, der Politikmanager aus Flensburg im Weser Kurier von sich gegeben hat. Ergebnis: Die EinMundArmee Laws hat Russland den Krieg erklärt.


Dr. Dr. Marcus Ermler:

Ich bin unlängst im Bremer Weser-Kurier auf einen Kommentar gestoßen, der mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Kenne ich doch vom Weser-Kurier alle Arten von Kommentaren: peinlich dumme, tatsächlich erhellende, mitunter aufklärende, aber auch unsäglich hetzende. Nichtsdestotrotz bleibt es hierbei immer bei einem Kommentar, den ich nun teilen kann oder nicht, bei dem ich mich über die Aussagen des Autors wundere oder auch einmal wohlwollend nicke.

Doch eine Kriegserklärung als Kommentar – das kannte ich noch nicht. Der an der Leuphana Universität Lüneburg im Institut für Nachhaltigkeitssteuerung als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätige Politikmanager Norman Laws (laut WK hat Herr Laws Politikmanagement studiert) sagt in seinem Kommentar über die Politik Rußlands aus: „Es wird Staatsterrorismus betrieben”.

Bereits in seinem ersten Absatz wird deutlich, dass Herr Laws die Begriffe Staatsterrorismus und Staatsterror offenkundig synonym verwendet, ohne zu wissen, dass der erste Begriff nach außen gerichtet ist, im Sinne terroristischer Akte gegen die Souveränität und politische Ordnung fremder Staaten, und der zweite Begriff Terror gegen die eigene Bevölkerung umreißt, wofür in Europa besonders die totalitären Regime der Nazis und Stalinisten stehen.

Laws schreibt: „Russland annektiert völkerrechtswidrig die Krim, homosexuelle Menschen werden massiv diskriminiert, Wahlen verkommen zu Akklamationsveranstaltungen. Diktator Baschar al-Assad wird auch in seinen Angriffen auf die syrische Zivilbevölkerung unterstützt, demokratische Oppositionspolitiker und Organisationen werden unter fadenscheinigen Begründungen drangsaliert, es wird versucht, sich in Wahlen anderer Länder mit Troll-Kampagnen einzumischen, unbequeme Journalisten werden erschossen.”

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Lawschen Einordnung (das überlasse ich dem politisch wie historisch gebildeten Leser), wäre Staatsterrorismus in diesem Sinne die Annexion der Krim als Eingriff in die politische Ordnung der Ukraine, die Unterstützung Baschar al-Assads bei Angriffen auf die Zivilbevölkerung und die Einmischung in Wahlen fremder Länder. Staatsterror wäre so die staatliche Diskriminierung Homosexueller, die Drangsalierung der demokratischen Opposition und die physische Eliminierung von Journalisten.

Neben der Sprachverwirrung um Staatsterrorismus und Staatsterror stößt einem jedoch viel saurer auf, dass die Einstufung Rußlands als Staatsterroristen aufgrund obiger Aufzählung dermaßen platzhalterisch ist, dass hier eine Vielzahl von Ländern ebenfalls Platz fänden. Diese Punkte träfen in Abwandlung ebenso auf China zu, auf Saudi-Arabien, die Türkei und, wenn man es mit Noam Chomsky nimmt, ebenso auf die USA. Sind all diese Länder dann auch Staatsterroristen?

Erschreckend wird für Herrn Laws sein: Deutschland unterstützt durch Waffenlieferungen ebenso Diktatoren bei Angriffen auf Zivilbevölkerungen, drangsaliert durch Antifa und Co. bereits in Deutschland Oppositionspolitiker und Organisationen, die irgendwie „rechts” sind, und mischt sich ebenso in den Wahlkampf anderer Länder ein (gegen Trump, gegen Putin). Von Wahlen, die zu Merkel-Akklamationsveranstaltungen degenerieren, gar nicht erst zu reden. Ist Deutschland dann auch ein Staatsterrorist?

Doch Laws ist sich sicher: „War Russland bisher bereits ein autokratisches Land mit äußerst zweifelhafter Menschenrechtslage, scheint sich nun zu erweisen, dass es nichts anderes betreibt als Staatsterrorismus”. Damit ist für Laws wissenschaftlich erwiesen: „spätestens diese Situation sollte dem Westen zeigen, dass Russland kein schwieriger Partner mehr ist – sondern ein Problem”. Gut, wenn ich dieser Diktion folge, sind auch China, Saudi-Arabien, die Türkei, die USA und auch Deutschland „ein Problem”. Was also tun?

Laws möchte, wie es sich normalerweise die Anhänger „starker Männer” (oder Frauen?) wünschen, „eine starke, gemeinsame Reaktion Russland gegenüber”. Denn „Entgegenkommen”, beispielsweise in Form ein Brandtschen Ostpolitik, „wäre ein falsches Signal und würde nur als Schwäche des Westens aufgefasst”.

Lieber Herr Laws, welche „Schwäche des Westens”? Die NATO umfasst 29 Mitgliedstaaten, die russische Föderation – richtig! – genau einen.

Wie genau stellt Laws sich diese „starke, gemeinsame Reaktion” nun vor. Es ist eine Handlungsempfehlung von verschiedenen Repressionsmassnahmen. Die, wenn man seine anfängliche Einordnung Rußlands als Betreiber von Staatsterrorismus hinzunimmt, die Frage aufwirft, ob Herr Laws selbst Staatsterrorismus betreiben möchte.

So schlägt er vor: „Die Welt darf im Sommer nicht auf den WM-Tribünen sitzen und Applaus klatschen. Stattdessen müssen die im Westen angelegten Vermögen russischer Oligarchen mit engen Kontakten zum Kreml noch häufiger eingefroren werden, Wirtschaftssanktionen ausgeweitet und diplomatische Kontakte auf ein Minimum reduziert werden.”

Und weiter: „Es ist notwendig, ein strategisches und systematisches Druckszenario aufzubauen”. Was nicht nur besagte Wirtschaftssanktionen umfasst, sondern auch das Auslassen des Imports russischen Erdgases. Denn: „Russland ist auch auf Einnahmen aus dem Gasverkauf und den Zugang zu Infrastrukturen der internationalen Finanzinstitutionen angewiesen”. Laws möchte Rußland also durch wirtschaftliche Zwangsmassnahmen in den staatlichen wie politischen Bankrott führen. Welche Folgen dies für die russische Gesellschaft und für Europa insgesamt haben wird, scheint ihm nicht bewusst zu sein. Oder er nimmt es billigend in Kauf!

Meinen obigen Einlassungen folgend, dass mit Laws Begriffsjonglierung auch China, Saudi-Arabien, die Türkei, die USA und Deutschland als Betreiber von Staatsterrorismus qualifizierbar wären, müssten wir all diese (also auch uns selbst) dann nicht auch mit Sanktionen belegen sowie ein „strategisches und systematisches Druckszenario” aufbauen? Klingt bekloppt, wäre aber konsequent zu Ende gedacht, wenn man schon „starke, gemeinsame Reaktion[en]” forcieren wollte.

Statt auf Frieden und Zusammenarbeit setzt Laws also auf die totale Konfrontation. Oder um es mit seinen Worten zu formulieren: „mit Staatsterroristen verhandelt man nicht, man muss sie international isolieren.”

Und wenn all das nicht hilft, bleibt ja immer noch der Dritte Weltkrieg.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?


Weitere Möglichkeiten, ScienceFiles zu unterstützen

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles
©ScienceFiles

Translate »
error: Content is protected !!