Je kompetenter / intelligenter die Lehrer, desto besser die Schüler [Forschungsergebnis]

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Was fast niemand außer ScienceFiles sich zu sagen getraut hat, das haben Eric A. Hanushek (Stanford University), Marc Piopiunik (ifo München) und Simon Wiederhold (Universität Eichstätt) nun in einer gut gemachten und umfangreichen Untersuchung gezeigt: Lehrer haben nicht alle die gleiche Qualifikation, die gleichen Kompetenzen. Es gibt gute, und es gibt schlechte Lehrer und es gilt: Je intelligenter, kompetenter, qualifizierter ein Lehrer ist, desto besser sind seine Schüler.

Welch‘ Überraschung.

Die Daten, die dieses Ergebnis ermöglichen, stammen aus PISA und PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies). An PISA und PIAAC hat Deutschland teilgenommen.

Noch eine Überraschung: ver.di hat nicht aufgepasst.

Vermutlich hat in Deutschland niemand auf der Rechnung gehabt, dass man unter den 215.000 befragten Erwachsenen, aus denen sich der internationale PIAAC-Datensatz konstituiert, diejenigen herausfischen kann, die Lehrer als ihren Beruf, vom Grundschul- bis zum Gymnasiallehrer in Deutschland, angeben. Und noch weniger haben die offiziellen Hüter des Bildungsmythos in Deutschland auf der Rechnung gehabt, dass man die Daten aus PISA und PIAAC auf Ebene von Ländern kombinieren und mit einander korrelieren kann.

Erstes Ergebnis: Lehrer in Deutschland haben in der Regel ein Bildungs- bzw. Kompetenzniveau in Mathematik und Lesen/Schreiben, das dem Niveau eines Bachelorabsolventen in Kanada entspricht.

Hanushek, Piopiunik & Wiederhold (2018)

Zweites Ergebnis: Es besteht ein (sehr) enger Zusammenhang zwischen dem Kompetenzniveau, das Schüler eines Landes in der PISA-Studie aufweisen, und dem Kompetenzniveau, das Lehrer desselben Landes aufweisen. Je höher die Kompetenzen der Lehrer, desto besser die PISA-Leistungen der Schüler.

Hanushek, Piopiunik & Wiederhold (2018)

Anders formuliert: Die Qualifikation und Kompetenz von Lehrern hat einen Effekt auf die Leistungen der Schüler: Je kompetenter die Lehrer, desto besser die Schüler.

Die Katze ist damit aus dem Sack, und man muss vermuten, dass die schlechten schulischen Leistungen, die es turnusmäßig aus Berlin oder Bremen zu berichten gibt, eine mittelbare Folge der Qualität und entsprechend der Kompetenzen der Lehrer sind, die an dortigen Schulen beschäftigt werden. Zwar weist nicht jeder schlechte Schüler auf einen schlechten Lehrer als Ursache hin (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens), aber ein schlechter Lehrer ist regelmäßig die Ursache schlechter Schüler.

Die Qualität und die Kompetenzen von Lehrern wiederum sind in erster Linie ein Ergebnis von Entgelt und Arbeitsbedingungen, die Lehrern geboten werden. Schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen haben geringqualifizierte Lehrer zur Folge.

Damit kann festgestellt werden, dass der erste wissenschaftlich fundierte Beleg für den Zusammenhang zwischen den Kompetenzen von Lehrern und den Leistungen von Schülern erbracht worden ist. Wem die Bildung von Kindern am Herzen liegt, der muss auf Grundlage dieser Ergebnisse dafür sorgen, dass (1) die Anreize für kompetente Lehrer, den Lehrerberuf auch aufzunehmen, erhöht werden; (2) Wettbewerb zwischen Lehrern ermöglicht wird, so dass gute Lehrer auch die Möglichkeit haben, sich von schlechten Lehrern zu differenzieren. Schließlich muss sich (3) ihre überlegende Kompetenz auch in einer entsprechend höheren Bezahlung im Vergleich zu weniger kompetenten Lehrern niederschlagen. Sind erst einmal Strukturen geschaffen, die Wettbewerb zwischen Lehrern ermöglichen und ist eine gerechte Bezahlung anhand der Kompetenzen des Lehrers, wie sie sich u.a. in Schülerleistungen niederschlagen, geschaffen, dann werden schlechte oder geringqualifizierte Lehrer das Feld räumen, was letztlich eine Verbesserung der Leistungen von Schülern zur Folge haben wird.

Hanushek, Eric A., Piopiunik, Marc & Widerhold, Simon (2018). The Value of Smarter Teachers: International Evidence on Teacher Cognitive Skills and Student Performance.

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