Brandt-Redner – Die einen retten, die anderen zahlen die Zeche

Die hitzige Rede des Mannes mit dem roten Gesicht, der passender Weise Abgeordneter der LINKE ist, sie geht gerade durch das Internet. Ob die Darbietung des (ehemaligen ?) Schauspielers des Badischen Staatstheaters, Michel Brandt, der seit 2017 einen Abgeordneten gibt, auch so viral wäre, wenn der Text und nicht die Erregung im Vordergrund der Brandt-Rede stünde?

Wir empfehlen den Text hier zum Nachlesen.

Die Struktur der Brandt-Rede ist einfach zu bestimmen.

Einerseits gibt es die Guten, die Menschenleben retten, die Menschenrechte verteidigen und den kranken Menschen helfen, die leidend Hilfe suchen. Andererseits gibt es die Rechten, die Menschenhasser, Seehofers, die partout nicht einsehen wollen, dass es Menschenpflicht ist, die Flüchtlinge kurz vor Syrien aufzufischen, wie dies die Lifeline getan hat und auch nach mehrfacher Aufforderung durch die libysche Küstenwache nicht nach Libyen zurückzubringen (dass sich der Kapitän geweigert hat, seine Passagiere an die lybische Küstenwache zu übergeben, darüber berichtet Al Jazeera).

Nein, wenn man Menschenleben retten will, wenn man als Retter eine Identität und als Menschenfreund ein Auskommen finden will, dann muss man standhaft bleiben, dann darf man nicht nachgeben. Und vor allem darf man die Konsequenzen des eigenen Handelns nicht in Rechnung stellen.

Wir haben an anderer Stelle dargelegt, dass die Gegenwart von Rettungsschiffen natürlich ein Grund dafür ist, dass sich ansonsten rationale Menschen auf ein überladenes Schiff begeben, das ohne „Rettung“ keine 20 Seemeilen durchhält. Nur wer die Erwartung hat, auch gerettet zu werden, geht ein solches Risiko ein.

Ein weiterer Aspekt, der es nahezu unerträglich macht, diese Retter und ihre Helfershelfer aus den darstellenden Künsten, die sich in Parlamenten inszenieren, zu tolerieren, besteht in dem, was Milton Friedman “concentrated benefits” und “diffused costs” nennt.

Die Seenotretter können sich weitgehend ohne Kosten als Retter profilieren. Sie sammeln Spenden ein, chartern oder – wie im Fall von Lifeline aus Dresden – kaufen ein Schiff und schippern durch das Mittelmeer. Sie sammeln Flüchtlinge ein, die dort, wo sie eingesammelt werden, mit ziemlicher Sicherheit nicht wären, gäbe es Retter wie die Lifeliner nicht und dann liefern Sie die Geretteten ab.

Ihr Gewinn ist unmittelbar und besteht im eigenen Auskommen, in Identität und im Gutfühlfaktor, der Einlass zur Gutmenschen-Gemeinschaft gewährt, und von Michel Brandt, nicht in der Rolle des Tischlers Zettel aus Shakespeares Sommernachtstraum, sondern in seiner Rolle als Abgeordneter wie folgt beschrieben wird:

„Die Linke dankt den engagierten Seenotretterinnen und -rettern, die sich unermüdlich für Menschen einsetzen, die auf dem Mittelmeer in Not geraten sind.“

Was hier großspurig als „Einsatz für die Menschen“ gefeiert wird, besteht darin, Flüchtlingen einen Anreiz zu bieten, sich in seeuntaugliche Boote zu setzen, um z.B. von der Lifeline gerettet zu werden, diese Rettung öffentlichkeitswirksam zu inszenieren, um Spenden zu akquirieren und ansonsten „die Menschen“ im nächstbesten Hafen ihrem Schicksal und dem Geldbeutel der Allgemeinheit zu überlassen.

Concentrated benefit und diffused costs: Dem Gewinn, moralisch wie finanziell, für die Retter stehen die Kosten für alle anderen gegenüber, auch für die Flüchtlinge, die in vielen Fällen, wie wir auch schon gezeigt haben, keine Kriegsflüchtlinge, sondern Arbeitsmigranten sind, die unter völlig falschen Voraussetzungen von denen, die sich als Retter inszenieren, nach Europa geschleust werden, um dort ein Dasein zu fristen, von dem niemand weiß, ob es dem entspricht, was sie sich vorgestellt, erdacht, erträumt, erhofft haben. Das es dem entspricht, daran sind große Zweifel angebracht.

Und witzigerweise interessieren sich die Retter am allerwenigsten dafür, was aus den Geretteten wird. Das eindeutigste Indiz dafür, dass es nicht um “die Menschen” geht, sondern darum, sich als Menschenfreund zu profilieren.

So wie Brandt sich profilieren will, als erregter Menschenfreund, der seine Welt in Menschen, Hetzer, Rechte und Seehofer einteilt, die dann wohl keine Menschen sein können, die der Achtung, des Respekts und des anständigen Umgangs von Brandt für würdig befunden werden. Es ist eben leichter, mit Unbekannten solidarisch zu sein, für die andere die Kosten der Solidarität zu tragen haben, als sich gesittet mit Menschen auseinanderzusetzen, die man direkt vor sich hat.

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