Können “Scheinmedikamente” wirken?

Für die philosophisch Interessierten!

Können “Scheinmedikamente” wirken?

An der Universität Duisburg-Essen ist man der Meinung.

UDE: Wie Scheinmedikamente wirken

Beate Kostka M.A. Ressort Presse – Stabsstelle des Rektorats

Plazeboeffekte können Schmerzen lindern. Was dabei im Gehirn passiert, wollten Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) herausfinden. Gemeinsam mit US-Kollegen analysierten sie rund 600 MRT-Bilder, um zu verstehen, mit welchen Mechanismen Scheinarzneimittel den Schmerz reduzieren. 

Ein Medikament ist gemeinhin als ein Mittel oder ein Stoff oder eine Stoffzusammensetzung definiert, das in der Lage ist, einen Zustand, des Leidens zu lindern oder zu verhindern.

Schmerz zum Beispiel.

Was Schmerz beseitigt, muss demnach ein Mittel gegen Schmerz und da Schmerz zu den Leiden zählt ein Medikament sein.

Wenn ein Scheinmedikament Schmerz lindert, kann es folglich kein Scheinmedikament sein, da es Schmerz gelindert hat. Es muss vielmehr ein Medikament sein, denn etwas kann nicht es selbst und sein Gegenteil sein.

Warum spricht man dann in Duisburg von „Scheinmedikamenten“?

Weil Placebos, also Medikamente ohne Wirkstoff, von Medikamenten, also Medikamenten mit Wirkstoff, unterschieden werden sollen, um die Ursache von Heilung aus dem Kranken in das Medikament zu verlagern.

Macht auch Sinn, denn Acetylsalicylsäure wirkt gegen Kopfschmerz. Paracetamol auch, Ibuprofen auch. Daraus kann man aber nicht schließen, dass man Kopfschmerzen nur dann lindern kann, wenn man Tabletten zu sich nimmt, die einen der drei Wirkstoffe enthalten.

Das geht nur dann, wenn eine Äquivalenz zwischen Wirkstoff und Beseitigung der Kopfschmerzen besteht. Wer schon einmal brüllende Kopfschmerzen hatte und nach sechs Aspirin aufgegeben hat, Linderung in Acetylsalicylsäure zu suchen, der weiß, das ist nicht der Fall.

Erster dokumentierter Placebo-Effekt

Wer seine Kopfschmerzen schon einmal mit Meditation oder mit kaltem Wasser oder Wadenwickeln behandelt hat, weiß, dass es auch ohne Wirkstoff in Schmerzmittel geht.

Und offensichtlich ist es sogar möglich, Schmerzen mit Wasser zu behandeln, wenn ein Patient der Ansicht ist, er habe kein Wasser, sondern einen Wirkstoff gegen Schmerzen zu sich genommen.

Das alles verweist darauf, dass der Wirkstoff im Medikament nur ein Teil der Heilung ist und dass es, anders als uns manche Schulmediziner erzählen wollen, nicht nur medikamentöse Wege der Schmerzlinderung gibt.

Deshalb ist die eigentlich interessante Frage nicht: Wieso wirken Placebos bei Menschen? Die eigentlich interessante Frage ist: Welche physiologischen Prozesse eines Menschen sind überhaupt daran beteiligt oder potentiell daran beteiligt, Schmerzen oder Leiden zu bekämpfen und in welcher Weise unterstützen Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol den entsprechenden Prozess der Schmerzlinderung?

Aber auf solche Fragen kann man nur kommen, wenn man die Welt nicht in Medikamente, die richtig wirken und Scheinmedikamente, die zwar auch wirken, aber falsch richtig, unterteilt und den logischen Insult des Fehlschlusse der Bejahung des Konsequens, zur injury des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten fügt.

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