Modernisierungsverlierer: Studenten besetzen Vorlesungssaal der Tübinger Uni

Haben Sie schon etwas von Cyber Valley in Baden-Württemberg gehört?

„Cyber Valley bündelt die Forschungsaktivitäten von internationalen Key-Playern aus Wissenschaft und Industrie auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Gefördert durch das Land Baden-Württemberg werden die Cyber Valley-Partner neue Forschungsgruppen und Lehrstühle auf den Gebieten Maschinelles Lernen, Robotik und Computer Vision schaffen und in einem neuen Zentrum in der Region Stuttgart-Tübingen zusammenführen. Zudem werden in einer neuen und weltweit einzigartigen Graduiertenschule für Intelligente Systeme in den kommenden Jahren 100 Doktoranden ausgebildet.

[…]

Cyber Valley bildet durch eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft die ideale Umgebung zur Förderung von Start-ups.“

Das ist ein Werbetext, wie man unschwer an der aufgesetzten Sprache erkennen kann. Im Kern soll Cyber Valley einen Teil des Bodens zurückgewinnen, den der Standort Deutschland u.a. bei Robotik und KI gegenüber Asien, den USA oder auch Indien verloren hat.

Gelingen soll das durch eine Zusammenarbeit von Universitäten, Tübingen und Stuttgart, mit dem Max-Planck-Institut und Unternehmen, darunter Amazon, BMW, Porsche, Daimler, Bosch und ZF-Friedrichshafen.

Eigentlich ein wichtiges Unterfangen, denn die Automobilindustrie ist, trotz aller Versuche, sie zu zerstören, nach wie vor der wichtigste Industriebereich am Standort Deutschland, und eine Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsunternehmen und Universitäten hat den Vorteil, dass Probleme der Finanzierung von Vorhaben leichter gelöst werden können und sichergestellt wird, dass die universitäre Forschung nicht an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei erfolgt.

Was könnte man dagegen haben?

Tübinger Studenten haben etwas dagegen.

An deutschen Universitäten hat sich eine sozialistische Generation von Studenten breit gemacht, die nicht nur der Meinung sind, Geld falle vom Himmel und die Kosten für ihr Dasein an Universitäten würden vom Staat aufgebracht, sie zeichnen sich auch durch eine Technologie- und Wirtschaftsfeindlichkeit aus, wie man sie zuletzt im Rahmen der deutschen Romantik als Spinner als blonder Eckbert verkleidet durch die Natur gehüpft sind, das Organische der Gemeinschaft gefeiert und das Mechanische der Gesellschaft verdammt haben, gesehen hat.

Schon damals war derjenige am besten zum „Romantiker“ geeignet, der ein Leben auf Kosten anderer führen konnte, als Sohn eines reichen Vaters oder als Kostgänger von Mentoren, die seine Grillen amüsant fanden.

Insofern hat sich nichts geändert. Auch 2018 sind die Romantiker Kostgänger, die von dem, was andere leisten, leben.

Aber der Inhalt ihrer Romantik wurde modifiziert, wurde durch Sozialismus ergänzt, Sozialismus in seiner besonders primitiven Variante, die alles Böse in Wirtschaft, Markt, Wettbewerb und Konkurrenz, Wachstum und Leistung sieht, und alles Gute in leeren Floskeln wie Solidarität, Emanzipation und Gleichheit verpackt.

Schon Rawls hat darauf hingewiesen, dass diejenigen, die Leistung und Wettbewerb mit anderen scheuen, die Konkurrenz ablehnen, vornehmlich unter denen zu finden sind, die von sich denken, sie könnten in Konkurrenz mit anderen, nicht bestehen, wären an Leistungskraft unterlegen und müssten daher im Wettbewerb immer den Kürzeren ziehen, kurz bei Leuten, die sich für Loser halten.

Die Studenten, die in Tübingen aus Protest gegen Cyber Valley den Kupferbau der Universität besetzt haben, sind Loser in Reinkultur. Sie wenden sich gegen eine Zusammenarbeit der Universität Tübingen mit Unternehmen, weil sie in ihrer engen Welt, die von Furcht vor anderen beherrscht wird, fürchten, die Unternehmen würden die Universität beeinflussen, wie auch immer. Sie fordern eine „emanzipative Wissenschaft“, die sich an Lösungen für „wirkliche Probleme“ macht. Wirkliche Probleme sind für sie Ungerechtigkeit und Klimazerstörung. Sie wollen den individuellen Autoverkehr abschaffen, weil er in ihrer Welt begrenzter Erkenntnis für die Klimazerstörung verantwortlich ist, sie wenden sich gegen das Cyber Valley und gegen „profit- und wachstumsorientierte Unternehmen“, weil sie „in eindeutigem Widerspruch zu [ihrer] Vision von Wissenschaft“ stehen.

Ihre „Vision von Wissenschaft“ kennt keinen Leistungsdruck, keinen Wettbewerb und keine Konkurrenz, denn sie haben „die Nase voll“ vom „unerträglichen Leistungszwang“, der sie dazu verdammt, die Zeit an der Universität dem Studium zu widmen, wo sie die von Steuerzahlern finanzierte Zeit doch viel lieber mit „aufrichtige[m] Austausch, relevante[r] Diskussionen und politische[m] Engagement“ verprassen würden. Sie finden es furchtbar, dass Studenten gezwungen sind, neben dem Studium noch zu arbeiten und fürchten, dass die etwa 3000 Arbeitsplätze, die im Cyber Valley Baden Württembergs entstehen sollen, „sehr gut bezahlt[e]“ Arbeitsplätze sein werden, so dass ihnen 3000 gut bezahlte Konkurrenten um Wohnungen in Tübingen entstehen, 3000 Konkurrenten, die die Mietpreise leicht aufbringen können, im Gegensatz zu ihnen.

Das Pamphlet der Tübinger Vorlesungssaal-Besetzer, es ist das Pamphlet von Leuten, die sich für Verlierer halten, die Angst vor Wettbewerb haben, die sich in Konkurrenz zu anderen keine Chance ausrechnen, weil sie davon überzeugt sind, dass sie keinerlei Leistung erbringen können, die nachgefragt wird. Sie haben Angst vor dem Wandel, den KI und Robotik mit sich bringen, sehen sich zurückgelassen, als Modernisierungsverlierer und reagieren, wie alle, die sich auf der falschen Seite des Fortschritts sehen, mit Angst, Neid und einer Hingabe zum Sozialismus, denn der Sozialismus verspricht den Losern, den Verlierern, dass sie sich auf Kosten derer, die leisten, durchfressen können.

Ein solches Angebot ist attraktiv für diejenigen, die sich für Loser halten und planen, als Schmarotzer durchs Leben zu gehen.

Alle Zitate im Text stammen aus dem Pamphlet der Vorlesungssaal-Besetzer, das hier nachgelesen werden kann.

Mehr von den Tübinger Modernisierungsverlieren und ihren Unterstützern von – wie könnte es anders sein – der LINKEN-Bundestagsfraktion findet sich hier.

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