Denunziation und Zersetzung sollen jetzt Kunst sein [Zentrum für politische Schönheit]

Wenn man Sie während einer Demonstration fotografiert hat und nun ihr Bild veröffentlicht, halten Sie das für Kunst?

Wenn man, weil Sie bei einer Demonstration mitgelaufen sind, die Linksextremisten für bedenklich halten, ein Kopfgeld auf ihre Identifikation, ihren Namen, ihre Anschrift, aussetzt, halten Sie das dann für Kunst?

Wenn man, weil Sie bei einer Demonstration mitgelaufen sind, die Linksextremisten für bedenklich halten, die Veröffentlichung ihres Bildes mit dem Aufruf an ihren Arbeitgeber verbindet, ihnen zu kündigen, halten Sie das dann für Kunst?

Wenn man Arbeitgeber auffordert, Bilder ihrer Mitarbeiter ins Internet zu stellen, um herauszufinden, ob Sie bei einer Demonstration in Chemnitz mitgelaufen sind, halten Sie das dann für Kunst?

Bild: Wikipedia / Tobias Klenze / CC-BY-SA 4.0

Philipp Ruch, der sich gerne sein Gesicht beschmiert, um zu zeigen, dass er Künstler ist, weil man es ansonsten wohl nicht bemerkt, Ruch, der Gründer des „Zentrums für politische Schönheit“, hält es für Kunst.

Das Ziel, Dritten die Biographie zu zerstören, indem man sie als charakterlich ungeeignet bei ihren Arbeitgebern anschwärzt oder das Unternehmen auffordert, ihrem Mitarbeiter wegen Rufschädigung zu kündigen, ist nicht unbedingt ein Ziel, das man als Gegenstand eines Kunstprojekts erwarten würde. Man sucht es schon mit mehr Erfolg im der Richtlinie Nr. 1/76 zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge (OV) die Ministeriums für Staatssicherheit unter dem Stichwort „Zersetzung“.

Dass Ruch eben dieses Ziel, das einst die Stasi verfolgte, um Regimegegner zu eliminieren, zum Gegenstand einer – wie er meint – Kunstaktion gemacht hat, zeigt, dass wir in Zeiten leben, in denen moralische Verkommenheit als Kunst gilt.

Das Kunstprojekt im Einzelnen

Kunst besteht für Ruch darin, das Bild eines Dritten zu veröffentlichen, ein Kopfgeld auf seine Identifizierung auszusetzen, den Namen, ist er erst einmal identifiziert, zum Ausgangspunkt für Nachforschungen zu machen, mit dem Ziel, den entsprechenden Menschen, sofern er einer geregelten Anstellung nachgeht, um diese zu bringen. Und all dies deshalb, weil der entsprechende Mensch sein Grundrecht auf Demonstration in Anspruch genommen hat.

Quelle

„Sie brauchen eine juristisch wasserdichte Kündigung für einen Hitler-Bewunderer in Ihrer Firma? Es gibt zwei Formen des Kündigungsschreibens: Kündigung aufgrund charakterlicher Eignung  | Kündigung wegen Rufschädigung.

Sie sind eine staatliche Behörde und haben einen totalitätsversessenen Versager verbeamtet? Für Beamte gilt eine besondere Treuepflicht gegenüber Staat und Verfassung. Hier sind die berufungsfähigen Gerichtsurteile zur Zulässigkeit von Kündigungen im öffentlichen Dienst: VG Aachen | BVerG | BAG | ArbG Mannheim | RDG Baden-Württemberg. Die Dateisammlung als Zip-Datei.”

So viel Boshaftigkeit muss man erst einmal aufbringen.

Aber wer denkt, die Boshaftigkeit, die Philipp Ruch in sich beherbergen muss, sei damit erschöpft, der irrt. Ein weiteres Beispiel:

Quelle

„Sie wollen Ihr Unternehmen zur Treue auf das deutsche Grundgesetz verpflichten? Unternehmenskultur braucht Haltung. Wir bieten Ihnen eine freiwillige Selbstverpflichtung (Code of conduct) an, die Ihre Mitarbeiter unterschreiben können. Unternehmen ohne Nazis – noch nie war es so einfach.”

Der Code of Conduct, der hier verbreitet werden soll, unabhängig davon, ob er einen Anspruch auf Umsetzung in der realen Welt oder nur einen Anspruch auf „Kunst“ erhebt, gleicht dem Aufnahmeritual in eine Geheimgesellschaft und macht mehr als deutlich, dass Ruch nicht einmal entfernt eine Vorstellung davon hat, wodurch sich eine Demokratie auszeichnet. Dass er Demokratie ganz offensichtlich mit Faschismus verwechselt, mit einem politischen System, in dem den Bürgern die Gesinnung vorgegeben wird und in dem die politischen Ausdrucksformen, die politische Beteiligung annehmen kann, in engem Rahmen vorgegeben werden, macht die Gesinnungsprüfung, die er als Code of Conduct bezeichnet, mehr als deutlich. Wer angebliche Demokraten wie Ruch hat, der kann jederzeit auf Gestapo oder Stasi verzichten, er fährt im Fahrwasser von Berija, weiß was richtig ist und zerstört, was er für falsch hält.

Aber natürlich ist das alles Kunst.

Realistische Kunst, denn die Bilder zeigen real existierende Menschen. Die Biographien, die hier zerstört werden sollen, sind real existierende Biographien, der angebliche Künstler der sie zerstören will, ist ein als real-existierender Täter, die Gesellschaft und die Staatsanwaltschaft, die dies geschehen lässt, sind real existierende Mittäter.

Wehret den Anfängen, hat die 1968er Generation sich auf die Fahnen geschrieben, damit Faschismus nicht mehr möglich ist. Das Problem mit dem Wehren von Anfängen besteht darin, dass man die Anfänge erst erkennen muss, bevor man sich ihrer erwehren kann. Hannah Arendt hat diese Schwierigkeit mit dem Begriff der Banalität des Bösen zusammengefasst, das so banal ist, dass es einem im täglichen Leben untergeschoben werden kann, ohne dass man es so richtig bemerkt, und ehe man sich versieht, lebt man wieder in einer Welt, in der Menschen wegen falscher Gesinnung denunziert werden können, in der Menschen, die ihr Demonstrationsrecht wahrgenommen haben, denunziert und sozial zerstört werden sollen, in der Boshaftigkeit als Kunst gelten soll. Wenn der Begriff der entarteten Kunst jemals eine Berechtigung hatte, dann hat er sie mit Blick auf das Anrüchige, das Ruch als Kunstwerk bezeichnet, das Kunstwerk, das wieder die Sippenhaft, die Schuld durch Assoziation, die mitgegangen mitgehangen Lynchjustiz einführen und feiern will.

Nun ist Ruch in erster Linie das, was man als arbeitslos bezeichnen kann (vielleicht ist der deshalb neidisch auf diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben). Er lebt wohl von seinen „Kunstaktionen“, von den Pappblöcken, die er vor Björn Höckes Haus aufstellt und deren Finanzierung er von denjenigen einwirbt, die ihre Boshaftigkeit als „Eintreten für die Demokratie“ verkaufen und ihre niedrige Gesinnung auf Kosten von Personen ausleben wollen, die nicht ihre Feigheit teilen. Damit das Geschäft mit den naiven Deppen, die sich für Kunstwerke in Boshaftigkeit abkassieren lassen und die Selbstbefriedigung daraus gewinnen, dass sie sich mit Miesem, unter dem real existierende Menschen leiden, für vermeintlich Gutes, das es nur als abstrakte Begriffe gibt, einsetzen, am Laufen bleibt, muss Ruch immer mehr Tabus brechen, immer weiter die Grenze von Anstand und Moral hinter sich lassen, sich immer mehr der Niveaulosigkeit nähern, die sich in Faschismus regelmäßig Bahn bricht.

Dem Zentrum für politische Schönheit ist es in seinem höchst eigenen Race to the bottom nunmehr gelungen, die Mindeststandards von Anstand und Moral, die für jede Gesellschaft grundlegend sind, um funktionieren zu können, zu unterschreiten. Tiefer als mit „Soko Chemnitz“ einer an Einfallslosigkeit kaum zu unterbietenden Denunziationsplattform, die darüber hinaus eine Ladenfläche in Chemnitz betreibt, damit die Denunziation auch vor Ort greift, geht es nun wirklich nicht mehr.

Wäre Deutschland eine normale Gesellschaft, Personen wie Philipp Ruch würden die Grenzen von Strafrecht und Moral gezogen, die neuerdings immer dann überschritten werden zu können scheinen, wenn es gegen Gesinnungsgegner geht. Insofern muss nicht mehr den Anfängen gewehrt werden. Deutschland hat sich längst wieder auf den Weg in den Faschismus begeben. Ruch ist ein ruchloses Beispiel dafür.

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